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Jul 12 2019
16:02

Im Projekt „Cryosocieties“ des Soziologen Thomas Lemke wird erforscht, wie mit Technologien des Einfrierens Lebensprozesse verändert und gestaltet werden. Bericht im neuen UniReport. 

Chancen und Risiken des „eingefrorenen Lebens“ 

FRANKFURT. „Kryos“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Kälte oder Eis. Kryotechnologien ermöglichen es, menschliches und nichtmenschliches organisches Material durch Verfahren des Kühlens und Gefrierens dauerhaft verfügbar zu machen. Wenn biologische Prozesse aufgehalten werden und an einem beliebigen Punkt in der Zukunft wieder reaktiviert werden, verändert sich zugleich das bisherige Verständnis von Leben. Prof. Thomas Lemke, Soziologe an der Goethe-Universität, nutzt für sein Projekt die Perspektive einer interdisziplinären Wissenschafts- und Technikforschung; qualitative Sozialforschung geht einher mit ethnografischen Beobachtungen und Interviews. „Wir fragen: Was hat Kryotechnologie mit Individualisierungsprozessen zu tun, mit der Antizipation von Zukünften und deren Risiken?“, erläutert Lemke im neuen UniReport.

In drei unterschiedlichen Forschungsfeldern soll untersucht werden, wie „suspendiertes Leben“ in aktuellen Praktiken der Kryokonservierung hervorgebracht wird. Die Teilprojekte befassen sich mit dem Einfrieren von Nabelschnurblut als Vorbereitung auf spätere regenerative Therapien, mit dem Aufbau von Kryobanken für den Erhalt bedrohter oder bereits ausgestorbener Tierarten sowie mit der Kryokonservierung von Eizellen für Reproduktionszwecke. „Cryosocieties“ wird seit April 2019 mit einem ERC Advanced Investigator Grant des Europäischen Forschungsrats gefördert.

Die weiteren Themen im UniReport 4/Juli 2019:

• Zum 90. Geburtstag von Jürgen Habermas: Beiträge von Birgitta Wolff, Rainer Forst, Klaus Günther und Rolf Wiggershaus. 

• Philanthropie und Macht: Der Politische Philosoph Theodore M. Lechterman erforscht, wie Stifterkultur und Demokratie zusammenpassen. 

• Gesunde Führungskräfte – ein Gewinn für Mitarbeiter und Organisation? Die Sozialpsychologin Antonia Kaluza erforscht den Zusammenhang von Wohlbefinden und Führungsstil. 

• Als das Universum die Größe einer Melone hatte: Der Humboldt-Forschungspreis bringt den Theoretiker Ulrich Heinz nach Frankfurt zurück. 

• Goethe, Deine Forscher: Die Erziehungswissenschaftlerin Barbara Asbrand forscht zum fachlichen Lernen im Schulunterricht und zu Kommunikationsprozessen in der Schule. 

• Der Verschwörung auf der Spur: Der japanische Rechtwissenschaftler Koji Adachi forscht in Frankfurt über die Unterschiede in der Strafbarkeit zwischen japanischem und deutschem Recht. 

• Ein europäischer Bürger zwischen Frankfurt und Mailand: Manfred Großkinsky, Leiter des Museums Giersch, über die Ausstellung über den Kaufmann und Kunstmäzen Heinrich Mylius. 

• Profilierung in der Vielfalt: In zwei Workshops wurde über Fächergrenzen hinweg über das Forschungsprofil der Goethe-Universität diskutiert. 

• Grenzen überschreiten mit „Imara“: Der Wirtschaftsingenieur Baraa Abu El-Khair entwickelt Empfehlungen für Moscheegemeinden. 

• Standards erlernen, die eigene Praxis reflektieren: Das interaktive Tool zur „Guten wissenschaftlichen Praxis in der Promotion“ von GRADE ist bundesweit gefragt. • Versorgungsqualität und Innovationskraft auf dem Prüfstand: Die achte Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare findet im September statt. 

• Plakate als Geschichtenerzähler: Studierende der Ethnologie und der Curatorial Studies berichten vom Ausstellungsprojekt „Indianische Plakate“. 

• Kunstwerke aus Wachs: Die Moulagensammlung des Universitätsklinikums vermittelt einen lebensechten Eindruck von Hautkrankheiten.

Der UniReport 3/2019 steht zum kostenlosen Download bereit unter: http://www.unireport.info/44450838