​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Oktober 2015

Personalia/Preise

Okt 30 2015
16:05

Auszeichnung für Ausstellung und Buch „Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur“

Medienpreis Mathematik an den Frankfurter Wissenschaftshistoriker Moritz Epple und sein Team

FRANKFURT. Den Medienpreis Mathematik der Deutschen Mathematiker-Vereinigung des Jahres 2015 erhalten Prof. Dr. Moritz Epple von der Goethe-Universität und sein Team für ihre Ausstellung und ihr Buch „Jüdische Mathematiker in der deutschsprachigen akademischen Kultur“. Diese Entscheidung der Jury wurde jetzt in Berlin bekanntgegeben. Der Preis, mit dem herausragende Leistungen bei der Vermittlung und Popularisierung von Mathematik ausgezeichnet werden, ist mit 5000 Euro dotiert. Er wird von Berliner Walter de Gruyter Stiftung gestiftet und am 19. November in Berlin vergeben.

„Die Ausstellung verbindet auf einzigartige Weise wissenschaftshistorische, mathematische und politische Aspekte“, sagt Volker Bach, DMV-Präsident und Juryvorsitzender. „In der Ausstellung wird die große Bedeutung jüdischer Mathematiker für ihr Fach nicht zuletzt über ihre Werke greifbar; gleichzeitig wird aber auch die menschliche Dimension deutlich – von der teilweisen Integration im Kaiserreich bis zu Ausgrenzung, Vertreibung und Ermordung zur Zeit des Nationalsozialismus.“

Die Ausstellung hat Moritz Epple mit der Arbeitsgruppe „Wissenschaftsgeschichte der Moderne“ am Historischen Seminar, zu denen Ruti Ungar, Birgit Bergmann, Judith Delombre, und Raimund Ziemer gehörten, und fünf Mathematik-Historikern von anderen Universitäten erarbeitet. „Unter den Exponaten finden sich etliche Stücke, die bisher die Tiefe eines staubigen Archivs nicht verlassen haben“, so Prof. Moritz Epple, Leiter des  internationalen Ausstellungsprojekts, das sich intensiv damit beschäftigt hat, das verstreute Wissen über das Wirken jüdischer Mathematiker systematisch zusammenzuführen. 2008, im Jahr der Mathematik, war die Ausstellung zunächst im Physikalischen Verein in Frankfurt zu sehen und wurde anschließend in 14 Städten in Deutschland gezeigt. Unter dem Titel „Transcending Tradition: Jewish Mathematicians in German-Speaking Academic Culture“ wanderte die englischsprachige Ausstellung seit 2011 von mehreren Orten in Israel auch in die USA und nach Australien. Seit Oktober ist sie wieder zurück in Deutschland und war zuletzt am Hausdorff Center for Mathematics in Bonn zu Gast. Im Juli 2016 wird sie im Jüdischen Museum in Berlin zu sehen sein.

Die Exponate der Ausstellung dokumentieren eindrucksvoll, welche tragende Rolle jüdische Mathematiker im deutschen Kaiserreich und in der Weimar Republik innerhalb ihres Fachs, aber auch darüber hinaus in der deutschen Kulturszene spielten. Es werden die wichtigen Etappen von der rechtlichen und politischen Gleichstellung jüdischer Bürger im 19. Jahrhundert bis zur Verfolgung und Vertreibung im nationalsozialistischen Deutschland vorgestellt. Neben den großen mathematischen Zentren Berlin und Göttingen zeigen die Wissenschaftshistoriker auch die beeindruckende und zugleich bedrückende Geschichte der Mathematik an der Frankfurter Universität. Dazu gehörte das außergewöhnliche, von Max Dehn geleitete Mathematisch-Historische Seminar, in dem die Frankfurter Mathematik-Dozenten mit ihren Studenten über viele Jahre hinweg zentrale historische Texte ihrer Disziplin im Original studierten. Alle jüdischen Dozenten – und mithin fast das komplette Mathematische Seminar – verloren nach 1933 ihre Arbeitsmöglichkeiten. Nicht alle erreichten rechtzeitig das schützende Ausland.

Informationen: Prof. Dr. Moritz Epple, Arbeitsgruppe Wissenschaftsgeschichte, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32415, E-Mail: epple@em.uni-frankfurt.de; www.gj-math.de

Thomas Vogt, Deutsche Mathematiker-Vereinigung, Medienbüro Mathematik, Tel.: (030) 838-75657, E-Mail: th.vogt@fu-berlin.de; www.dmv.mathematik.de

Veranstaltungen

Okt 30 2015
15:45

Studierende organisieren Podiumsdiskussionen zum 70. Jahrestag der Vereinten Nationen.

Medien-Einladung: Goethe Konferenz United Nations

FRANKFURT. Vor 70 Jahren nahmen die Vereinten Nationen ihre Arbeit auf. Aus diesem Anlass laden Studierende der Goethe-Universität unter der Leitung von Vizepräsidentin Prof. Tanja Brühl Bürgerinnen und Bürger zu einer kleinen Vortragsreihe ein: An zwei Abenden diskutieren Expertinnen und Experten über Geschichte und Zukunft der Sicherheits- und Friedenspolitik der Vereinten Nationen. Anschließend hat das Publikum die Möglichkeit, mitzudiskutieren und Fragen ans Podium zu stellen.

4. November: „Erfolge und Misserfolge der Vereinten Nationen“
Gäste: Dr. Silke Weinlich, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik; Dr. Bernd Kubbig u. Gregor Hofmann, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Moderation: Friederike Bauer, freie Journalistin.

11. November: „Responsibility to protect in Bezug auf die Syrien-Krise“
Gäste: Uwe Becker, Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt; Gregor Hofmann, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung; Prof. Dr. Dr. Rainer Hofmann, Goethe-Universität. Moderation: Andreas Schwarzkopf, Frankfurter Rundschau

Beginn: jeweils 19.00 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr).
Ort: Campus Westend, Hörsaalzentrum, Raum HZ9.

Weitere Informationen: www.gkun.de oder www.facebook.com/goethekonferenz

Sonstige

Okt 29 2015
14:51

„Academic Welcome Program“ an der Goethe-Universität bietet 30 Geflüchteten Zugang zu universitärer Bildung und Infrastruktur.

Begrüßungsprogramm für Flüchtlinge gestartet

FRANKFURT. 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Academic Welcome Program for highly qualified Refugees“ (AWP) wurden am Mittwochabend auf dem Campus Westend begrüßt. Univizepräsidentin Prof. Tanja Brühl betonte in ihrer Rede, dass die Goethe-Universität sich ihrem Selbstverständnis als Bürger-Universität verpflichtet sieht: „Als Universität, die von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt gegründet wurde, ist es uns wichtig, den neu in unsere Stadt und Region hinzu gekommenen Menschen aus Krisenregionen Zukunftsperspektiven bieten.“ Brühl erinnerte auch an die dunklen Seiten in der Geschichte der Universität; Lehrende und Studierende der Universität hätten in der Zeit des Nationalsozialismus Flucht und Vertreibung erleben müssen. „Wie in unserem Leitbild fest verankert, wollen wir gerade mit Blick auf unsere wechselvolle Geschichte mit dem Programm für geflüchtete Akademiker einen gesellschaftlichen Beitrag leisten.“

Von den 30 Studierenden des Academic Welcome Programs stammt die Hälfte aus Syrien, ein Viertel aus Afghanistan. Weitere Herkunftsländer sind Äthiopien, Eritrea, Pakistan und der Iran. Einige von ihnen sind auch auf dem Sport-Campus der Goethe-Uni in Ginnheim untergebracht. Hanna Reuther vom International Office, die das Programm koordiniert, und  die verschiedenen in- und externen Kooperationspartner stellten die vielfältigen Angebote  des Willkommensprogramms vor. Reuther: „Wir möchten den Studierenden des AWP vor allem Zugang zu universitärer Bildung, akademischer Infrastruktur und Netzwerken verschaffen.“ Neben Sprachkursen und dem Besuch von Lehrveranstaltungen stehen Beratungs- und Unterstützungsangebote im Fokus. Die Teilnehmenden erhalten einen Studierendenausweis, mit dem sie beispielsweise die Bibliotheken oder die Dienste des Rechenzentrums nutzen können. Die von Studierenden gegründete Initiative „academic experience Worldwide“ bietet spezielle Tandemprogramme an, in dem Flüchtlinge und Studierende sich gegenseitig unterstützen können. Der AStA unterstützt den ersten Jahrgang u.a. mit Büchergutscheinen.

Bei den Teilnehmenden stoßen die Angebote des Programms bereits auf großes Interesse. Mohammed (24) studierte im 5. Semester Computer Science, als er Afghanistan verließ. Sein Deutsch ist gut, weil er schon dort als Dolmetscher für die Uno arbeitete und auch jetzt in Frankfurt wieder einen Job als Übersetzer gefunden hat. „Seit ich 2013 nach Deutschland kam, suche ich nach einer Möglichkeit weiterstudieren zu können und bin sehr froh, von dem Programm der Goethe-Universität gehört zu haben.“ Der Syrer Khaldoun (21) ist gerade mal vier Monate in Deutschland und besucht schon englische Wirtschaftsvorlesungen in Frankfurt. „Die letzten vier Jahre in Syrien haben mein Leben zerstört. Ich habe meine Familie, meine Freunde, mein Studium zurückgelassen und beginne hier von vorn“, erzählt der junge Mann. Er sei jeden Tag froh, nicht mehr in Lebensgefahr zu schweben. In das neue Academic Welcome Programm hat er sich vor allem eingeschrieben, um die Sprache noch besser zu lernen. 

Weitere Informationen zum Academic Welcome Program: http://www.uni-frankfurt.de/58025323/Academic-Welcome-Program

Gefördert wird das Academic Welcome Programm mit 50.000 Euro von der Aventis Foundation.

Expertinnen und Experten der Goethe-Universität zum Thema „Flüchtlinge/Migration“
 

Politik- u. Sozialwissenschaften:

Prof. Dr. Tanja Brühl, Politikwissenschaftlerin.
Themen: Friedens- und Konfliktforschung; internationale Institutionen
Telefon: 069/798-36653; -12225
E-Mail-Adresse: bruehl@soz.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Helma Lutz, Soziologin
Themen: Geschlecht, Migration und Ethnizität
Telefon: 069/798-36615
E-Mail-Adresse: Lutz@soz.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Kira Kosnick
Themen: Einwanderungsdebatte und Rassismus; Asylrecht
Telefon: 069/798-36582
E-Mail-Adresse: kosnick@em.uni-frankfurt.de

Jun.-Prof. Dr. Anna Amelina, Soziologin
Themen: Migrationsforschung
Telefon: 069/798-36670; (Sekretariat)
E-Mail-Adresse: bosshammer@soz.uni-frankfurt.de

Dr. des. Dorothea Gädeke, Politikwissenschaftlerin
Themen: globale Gerechtigkeit; normative Perspektiven auf Entwicklungs-, Migrations-, u. Flüchtlingspolitik
Telefon: 069/798-31539
E-Mail-Adresse: dorothea.gaedeke@normativeorders.net

Erziehungswissenschaften:

Prof. Dr. Isabell Diehm, Erziehungswissenschaftlerin.
Themen: vorschulische und schulische Bildung bei Migranten
Telefon: 069/798-36250
E-Mail-Adresse: i.diehm@em.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Seifert, Erziehungswissenschaftlerin
Themen: Bildungsteilhabe für junge Flüchtlinge
Telefon: 069/798-36274
E-Mail-Adresse: a.seifert@em.uni-frankfurt.de

Psychologie
Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Psychoanalytikerin
Themen: Traumatherapie, (u.a. Flüchtlingssprechstunde, Supervision für ehrenamtliche Helfer, Lehrer, Erzieher, Studierende)
Sigmund-Freud-Institut
Telefon: 069-971 204 149
E-Mail: Leuzinger-Bohleber@sigmund-freud-institut.de
http://www.sigmund-freud-institut.de

Theologie/Sozialethik
Prof. Dr. Christof Mandry, Theologe und Sozialethiker
Themen: Weltanschaulicher Pluralismus, Legitimität von Grenzen, Menschenrechte von Migranten, Identitätsinteressen von Aufnahmegesellschaften
Telefon: 069/798-33326
E-Mail-Adresse: mandry@em.uni-frankfurt.de 

Sprachwissenschaften
Prof. Dr. Petra Schulz, Professur für Deutsch als Zweitsprache,
Themen: Sprachförderung und Sprachdiagnostik für bei Kindern und Jugendlichen
Telefon: 069/ 798-32561
E-Mail-Adresse: P.Schulz@em.uni-frankfurt.de
http://www2.uni-frankfurt.de/44201194/Team

Rechtswissenschaften:

Prof. Dr. Uwe Volkmann, Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie
Themen: Toleranz; Kulturelles Selbstverständnis und Recht
Telefon: 069/798-34269
E-Mail-Adresse: Volkmann@jura.uni-frankfurt.de

Wirtschaftswissenschaften:

Prof. Dr. Guido Friebel, Personalwirtschaft
Themen: Economics of Migration (Die Ökonomie der Migration); Irregular Migration and Human Smugglin (Irreguläre Migration und Menschenschmuggel)
Telefon: 069/798-34826
E-Mail-Adresse: gfriebel@wiwi.uni-frankfurt.de

Geschichte:
Prof. Dr. Hartmut Leppin, Althistoriker
Themen: Religiöse Minderheiten; Toleranz
Telefon: 069/798-32462
E-Mail-Adresse: h.leppin@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Neuhistoriker
Themen: Geschichte der Migrationskontrolle
Telefon: 069/798-32626
E-Mail-Adresse: fahrmeir@em.uni-frankfurt.de

Theologie:

Prof. Dr. Bekim Agai, Islamwissenschaftler
Themen: Kultur und Gesellschaft des Islam
Telefon: 069/798-32752
E-Mail-Adresse: agai@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Okt 29 2015
14:19

Veranstaltung des Lektorats Niederländisch mit den Journalisten Laura Starink und Mark Schaevers

Lesung zu „Flucht und Vertreibung im Europa der 30er und 40er Jahre“

FRANKFURT. Dass Flucht und Vertreibung nicht nur ein gegenwärtiges Problem sind, darauf macht das Lektorat Niederländisch an der Goethe-Universität aufmerksam: Am 6. November liest die niederländische Journalistin Laura Starink aus ihrem Roman über die Vertreibung ihrer Familie aus Schlesien und der flämische Journalist Mark Schaevers stellt die Biografie des jüdischen Malers Felix Nussbaum vor. Zu dem Themenabend „Flucht und Vertreibung im Europa der 30er und 40er Jahre“ sind alle interessierten Bürger um 19 Uhr ins Casino (Raum1.811), Campus Westend, eingeladen. Die Lesung ist auf Niederländisch und Deutsch – ergänzt von Bildern.

 Starinks Lebensgeschichte ihrer schlesischen Mutter erschien im September dieses Jahres im Verlag „weissbooks“ unter dem Titel „Meine Mutter aus Mikultschütz“. Das niederländische Original „Duitse wortels“ verkaufte sich in den Niederlanden, wo das Schicksal der Schlesier weitgehend unbekannt war, über 30.000 Mal. Die Slawistin recherchierte die Geschichte ihrer Familie mütterlicherseits in Polen und Deutschland. Es entstand ein faszinierendes Mosaik von Menschen, für die der eigentliche Krieg mit der Flucht vor der Roten Armee und der Vertreibung aus Schlesien erst nach Kriegsende begann.

 „Orgelman“ hat Mark Schaevers Nussbaums Biografie genannt. Seine Faszination für den Osnabrücker Maler entstand während Vorarbeiten für ein Buch, das er über jüdische Intellektuelle plante, die nach Ostende geflüchtet waren. In akribischer Kleinarbeit zeichnet Schaevers in der Biografie nach, wie sehr die Flucht Nussbaums Leben dominierte. Nach einem Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom (1932/33) streunte er elf Jahre durch Italien, Frankreich, die Schweiz und Belgien, in den letzten Kriegstagen in Belgien wurde er noch verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Felix Nussbaum (1904-1944) war nach dem Krieg fast völlig vergessen worden; denn seine Berliner Bilder waren verbrannt und die in Belgien entstandenen schimmelten in feuchten Brüsseler Kellern vor sich hin. Auf faszinierende Art und Weise erweckt Mark Schaevers Vita und Werk von Nussbaum wieder zum Leben. Die reich bebilderte Biografie erscheint 2016 auf Deutsch beim Galiani Verlag.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch

Veranstaltungen

Okt 29 2015
14:14

Molekularbiologe spricht bei Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“ im Rahmen der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“

Computermodelle einzelner Patienten könnten helfen, unnötige Behandlungen bei Krebs zu vermeiden

FRANKFURT.In der öffentlichen Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie – Auf dem Weg zur personalisierten Medizin in der Krebstherapie“ spricht am Donnerstag (4. November) Prof. Dr. Hans Lehrach vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin. Sein Thema „Der virtuelle Patient als Basis der personalisierten Medizin“. Der international renommierte Wissenschaftler beschreibt, wie Computermodelle einzelner Patienten entwickelt werden können, um Wirkungen und Nebenwirkungen aller möglichen Behandlungsansätze zu bestimmen, ohne den Patienten zu belasten und Kosten für unwirksame Medikamente zu erzeugen.

Eingeladen zu dieser Vortragsreihe der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität, die im Rahmen der von der Deutsche Bank AG initiierten und geförderten Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ stattfindet, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Rhein-Main-Region. Der Vortrag beginnt um 18 Uhr auf dem Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4, Theodor-Stern-Kai 7.

„Wir befinden uns am Beginn einer revolutionären Entwicklung in der Medizin, getragen von enormen Fortschritten in der molekularen Diagnostik, vor allem im Bereich des ‚next-generation sequencing‘“, so Lehrach. „Mit dieser Methodik wird es erstmals mit einem vertretbaren Aufwand möglich, molekulare Prozesse im einzelnen Patienten global zu analysieren.“ Auf der Basis dieser und anderer Daten können Lehrach und seine Team dann Computermodelle der jeweiligen Patienten entwickeln. Dies geschieht analog zu vielen anderen Bereichen, bei denen Computermodelle ebenfalls eingesetzt werden, um die zunächst unvermeidlichen Fehler, die bei so komplexen Entscheidungen für eine bestimmte Behandlungsart entstehen, ohne reale Konsequenz für den Patienten machen zu können. Tumorpatienten haben in der Regel eine große Zahl molekulargenetischer Abweichungen (Aberrationen). Und es ist letztlich das Ziel, dass diese Informationen in einem komplexen Computermodell zusammengeführt werden und dann getestet wird, welche der vorhandenen zielgerichteten („targeted“) Therapien für einen solchen Patienten möglicherweise in Frage kommt. Damit könnte nicht nur gezielter behandelt werden, sondern unwirksame und häufig sehr kostenintensive Therapien vermieden werden. Diese computersimulierte Therapie könnte somit einen vielversprechenden Ansatz der personalisierten Medizin darstellen.

Prof. Dr. Hans Lehrach, geb. 1946 in Wien, studierte Chemie in Wien. Nach seiner Promotion an den beiden Göttinger Max-Planck-Instituten für Experimentelle Medizin und für Biophysikalische Chemie schloss er von 1974 bis 1978 eine intensive Forschungszeit als Postdoc an der Harvard University, Boston (USA), an. Im Anschluss war er neun Jahre Arbeitsgruppenleiter am European European Molecular Biology Laboratory EMBL, Heidelberg. 1987 wurde er Leiter der Abteilung Genomanalyse beim Imperial Cancer Research Fund in London und 1994 dessen Direktor. Seit 1994 ist Lehrach Direktor und Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik, von 1997 bis 2001 war er Sprecher des Deutschen Humangenomprojekts. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. 2004 mit dem Karl Heinz Beckurts-Preis für Errungenschaften in der Genomforschung.

Die Moderation dieser Veranstaltung übernimmt der Frankfurter Onkologe Prof. Dr. Dieter Hoelzer. Konzipiert und organisiert wurde diese Vorlesungsreihe von zwei Wissenschaftlern der Goethe-Universität, dem Chemiker Prof. Dr. Joachim Engels und der Onkologin Prof. Dr. Simone Fulda.

Die Vorträge auf einen Blick:

Die Vorträge beginnen jeweils donnerstags um 18 Uhr, Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4.
Alle Veranstaltungen werden aufgezeichnet, sind per Livestream oder spätestens am übernächsten Tag abrufbar über www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

19. November 2015
Prof. Dr. Rudi Balling, Luxembourg Centre for Systems Biomedicine
Interdisziplinäre Forschung in der Biomedizin
Leichter gesagt als getan
Moderation Prof. Dr. Joachim Engels, Goethe-Universität

3. Dezember 2015
Diskussionsrunde : Personalisierte Medizin im Spannungsfeld von Arzt und Patient, Pharmaindustrie und Kostenträger
Dr. Thomas Schinecker, Roche Diagnostics, Mannheim
Dr. Ursula Marschall, Barmer GEK, Wuppertal
Prof. Dr. Elke Jäger, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
Moderation Dr. Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung

14. Januar 2016
Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann, Universität Siegen
Ethische Probleme der individualisierten Medizin
Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Schlosspark Klinik, Berlin
Selbstverständnis von Patienten und die Arzt-Patient-Beziehung
Einführung Prof. Dr. Peter Janich, Philipps-Universität, Marburg
Moderation Dr. Regina Oehler, Hessischer Rundfunk

28. Januar 2016
Prof. Dr. Drs h.c. Leroy Hood, Washington University, Seattle
Systems Medicine and Proactive P4 Medicine. Transforming Healthcare through Wellness – A Personal View (P4 = predictive, personalized, preventive and participatory)
Moderation Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Goethe-Universität

Informationen:
Prof. Dr. Joachim Engels, Campus Riedberg, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel. (069)798-29150,
Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Simone Fulda, Campus Niederrad, Fachbereich Medizin, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Tel. (069) 678 66557,Simone.Fulda@kgu.de

Programmbroschüre sowie der Link zu Livestream und Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen auf www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

Programm online auch unter: www.wissenschaftliche-gesellschaft.uni-frankfurt.de

Forschung

Okt 28 2015
11:06

Paul Canfield ist als Humboldt-Professor an der Goethe-Universität

US-Supraleitungsexperte forscht in Frankfurt

FRANKFURT.Einer der Pioniere der Hochtemperatur-Supraleitung, Prof. Paul Canfield vom Ames Laboratory in Iowa, ist zurzeit als Humboldt-Professor am Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität. Er kam auf den Vorschlag von Prof. Maria Roser Valenti, mit der er seit Jahren bei der Entwicklung neuer Materialien für die Hochtemperatur-Supraleitung zusammenarbeitet. Die Eigenschaften dieser mehrkomponentigen Materialien hängt empfindlich von deren Zusammensetzung ab. Die Arbeitsgruppe von Roser Valenti unterstützt die Suche durch Computer-Simulationen.

„Die Frage, welches von zwei leicht unterschiedlich zusammengesetzten Materialien supraleitend sein wird, ist vergleichbar mit der Frage, welcher von zwei Elefanten schwerer ist“, erklärt Paul Canfield. „Die Energie-Differenzen, die entscheiden, ob wir einen Magneten und einen Supraleiter erhalten, sind bei diesen Systemen minimal.“

Paul Canfield ist ein äußerst kreativer Materialwissenschaftler, an dessen Labor bereits eine Vielzahl neuer Materialien entdeckt oder verbessert wurden. Bei Supraleitern wie dem aktuell intensiv erforschten Magnesium-Diborid geht es beispielsweise darum, die Sprungtemperatur weiter anzuheben. Das ist die Temperatur, bei der das Material den Strom ohne Widerstand leitet. Könnte man flüssigen Stickstoff statt flüssiges Helium für die Kühlung verwenden, würde das die Kosten senken. Gegenwärtig wird Magnesium-Diborid bereits in der medizinischen Diagnostik in Spulen für die Magnetresonanztomographie verwendet.

Andere bekannte Supraleiter, zu deren Entwicklung Paul Canfield entscheidende Beiträge geleistet hat, sind die bereits länger bekannten keramischen Supraleiter auf der Basis von Kupferoxid. Als Hochtemperatur-Supraleiter können sie mit flüssigem Stickstoff gekühlt werden. Ebenso erforscht er die erst 2008 entdeckten Eisenpnictide und chalkogenide - eine völlig neuartige und unerwartete Klasse von Hochtemperatur-Supraleitern.

Um den Prozess der Suche zu verdeutlichen, hat der leidenschaftliche Hobbykoch sie in der Fachzeitschrift „Nature Physics“ einmal mit dem Kochen verglichen. Häufig frage er Studenten, die sich in seine Arbeitsgruppe bewerben, ob sie gerne kochen. In einem anderen Aufsatz vergleicht er seine Arbeit mit dem Fischen. Gute Fischer wüssten, wo die besten Fanggründe sind, wobei die Resultate oft Überraschungen brächten. „You can’t always get what you want, but if you try sometimes you might find you get what you need“, zitiert er Mick Jagger und Keith Richards.

Die Humboldt-Stiftung bietet überdurchschnittlich qualifizierten erfahrenen Wissenschaftlern aus dem Ausland die Möglichkeit, ein selbst gewähltes Forschungsprojekt über 6 bis 18 Monate bei einem Gastgeber in Deutschland zu verfolgen. Paul Canfield, der mit 65.000 Euro von der Humboldt-Stiftung gefördert wird, plant nach seinem zweimonatigen Aufenthalt in Frankfurt weitere zwei Monate an der Technischen Universität Dresden.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

 Informationen: Prof. Maria Roser Valenti, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47816, valenti@itp.uni-frankfurt.dehttps://www.youtube.com/watch?v=lKD-M0G6S5c

Veranstaltungen

Okt 28 2015
09:04

Friedrich Murnaus Gruselklassiker „Nosferatu“ mit Livemusik der Komponistin Violeta Dinescu im Museum Giersch der Goethe-Uni

„Eine Symphonie des Grauens“

FRANKFURT. 93 Jahre, so lange schon ist Friedrich Murnaus Gruselklassiker „Nosferatu“ Vorbild für die meisten späteren Horrorfilme. Der über 70-minütige, 1922 entstandene Stummfilm, lässt mit seiner extrem wirkungsvollen Dramaturgie auch noch heutige Betrachter erschaudern. In seiner „Symphonie des Grauens“, so der Untertitel des Films, verarbeitet Murnau Bram Stokers Dracula-Stoff: Der handelt vom Grafen Orlok, einem Vampir aus den Karpaten, der sich in eine Frau verliebt und ihre Heimatstadt Wisborg in Angst und Schrecken versetzt.

Am Dienstag, dem 3. November 2015 (Beginn: 19:00 Uhr) besteht für Kino-Liebhaber und Murnau-Fans im Museum Giersch der Goethe-Universität eine der seltenen Gelegenheiten, in die grausige Welt von „Nosferatu“ einzutauchen. Nicht nur wird der Film in voller Länge gezeigt. Er wird in einer Live-Aufführung musikalisch begleitet und dramaturgisch unterstützt vom rumänischen Trio Kontraste mit eigens für den Film komponierter Musik der bekannten rumänischen Komponistin Violeta Dinescu, die an der Universität Oldenburg eine Kompositionsprofessur innehat.

Der Eintritt ist frei. Es wird jedoch um eine Spende für das Deutschland-Stipendium der Goethe-Universität gebeten. Da nur ein begrenztes Kontingent von insgesamt 50 Plätzen zur Verfügung steht, ist frühzeitiges Erscheinen ratsam.

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main; Spendenkonto: Goethe-Universität Frankfurt, IBAN: DE 95 5005 0000 0001 0064 10, BIC: HELA DE FF, Verwendungszweck: Stipendienprogramm 300 001 000 4

Veranstaltungen

Okt 27 2015
14:44

Die neue Vorlesungsreihe zum Thema Kino des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 29. Oktober

Vorträge und Filme zum „Universum von Agnès Varda“

FRANKFURT. Im Fokus der jüngsten Vorlesungsreihe zum Thema Kino des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ steht mit Agnès Varda eine Schlüsselfigur des modernen Kinos, die sich erfindungsreich zwischen den Genres und Formaten bewegt und mit ihren Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Kunstinstallationen immer wieder in die großen politischen Debatten ihrer Zeit eingreift – vom Vietnamkrieg über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung bis zum Problem der Obdachlosigkeit. In der Film & Lecture-Reihe mit dem Titel „Selbstporträts von anderen: Das Universum von Agnès Varda“, die am 28. Oktober im Deutschen Filmmuseum startet, entwerfen internationale Expertinnen und Experten während zwei Semestern eine Kartographie dieses vielschichtigen Werks.

Neben den Vorträgen gehören Filmvorführungen zum Programm. Abschließend besteht jeweils die Möglichkeit zur Diskussion. Veranstaltet wird die Reihe vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ gemeinsam mit dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität, das auch maßgeblich für die Konzeption dieser Reihe verantwortlich zeichnet, sowie dem Kino im deutschen Filmmuseum.

„Es ist, als würde ich Dein Selbst-Porträt filmen“, sagt Agnès Varda zu Jane Birkin in „Jane B. par Agnès V.“ von 1988. Varda, geboren 1928 in Brüssel, Gründerfigur der „Nouvelle Vague“, Spielfilmregisseurin, Dokumentaristin, Installationskünstlerin und Filmtheoretikerin, ist eine der großen Künstlerpersönlichkeiten der Filmgeschichte, mit einem Werk, das mittlerweile sechs Jahrzehnte umspannt. Der Satz, den sie zu Birkin sagt, lässt sich als Poetik und Programm verstehen: Für Varda, die – zusammen mit Godard, und im Dialog und Widerstreit mit diesem – das intellektuelle Gravitationszentrum der „Nouvelle Vague“ bildete, ist die entscheidende Frage nicht, was Kino ist, sondern was es bedeutet, Kino zu machen – für sie selbst, für andere, und im Zusammenspiel mit anderen.

Zum Start der Reihe am 29. Oktober geht es um das Thema „Porträt, Skizze, Entwurf: Über ‚Jane B. par Agnès V.‘ und ‚Kung Fu Master‘“. Referent ist Vinzenz Hediger, Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität und assoziiertes Mitglied des Exzellenzclusters. Die Idee zum Film „Jane B. par Agnès V.“ stammt von Jane Birkin selbst. Mit dem Schmacht-Hit „Je t’aime ... moi non plus...“ zusammen mit Serge Gainsbourg zum Pop–Weltstar geworden und in den 1980er Jahren zur Schauspielerin avanciert, bot Birkin sich Varda als Sujet eines Porträt-Films an. Daraus wurde ein vielschichtiges filmisches Gemälde, ein Porträt von Birkin und ihren Kindern, Charlotte Gainsbourg und Luc Doillon, ein Doppel(selbst)porträt von Birkin und Agnès Varda, und zugleich ein Entwurf für einen weiteren Film, „Kung Fu Master – Un petit amour“, eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau um die vierzig und einem jungen Mann an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Ein Film also, der aus einem Zwiegespräch entsteht, die Werkgrenzen sprengt und sich somit besonders gut eignet als Ausgangspunkt einer Diskussion über die Poetik von Agnès Varda.

Die Agnès Varda-Reihe umfasst in diesem Winter- und im darauf folgenden Sommersemester insgesamt 15 Einzeltermine. Sie findet im Rahmen der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) statt. Kooperationspartner sind der Masterstudiengang „Curatorial Studies“, das Institut Français pour l’Histoire en Allemagne und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im April 2016 wird die Regisseurin zu Gast in Frankfurt sein.

Der Eintritt ist frei. Wegen der beschränkten Platzzahl wird um Kartenreservierungen gebeten unter: 069 961 220-220. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20.00 Uhr im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt am Main.

Die Termine im Wintersemester 2015/2016:

Donnerstag, 29. Oktober 2015, 20 Uhr
Vinzenz Hediger (Frankfurt)
Porträt, Skizze, Entwurf: Über „Jane B. par Agnès V.“ und „Kung Fu Master“

Donnerstag, 5. November 2015, 20 Uhr
Kelley Conway (Madison, Wisconsin)
Les Plages d’Agnès: Selbstporträt einer Filmemacherin

Donnerstag, 19. November 2015, 20 Uhr
Delphine Bénézet (London)
Küstensehnsüchte: Das Meer, die Lieder und die Sonne in in Vardas Du côté de la côte (1958) und Documenteur (1980-81)

Donnerstag, 3. Dezember 2015, 20 Uhr
Kathrin Peters (Berlin)
Der längste Tag. Zu Agnès Vardas „Cléo de 5 à 7“ (F 1961)

Donnerstag, 14. Januar 2016, 20 Uhr
Angela Keppler (Mannheim)
Agnès Vardas L’une chante, l’autre pas: Eine Art feministisches Musical?

Donnerstag, 28. Januar 2016, 20 Uhr
Dominique Bluher (Chicago)
PhotoCinéExpo

Donnerstag, 11. Februar 2016, 20 Uhr
Alexandra Schneider (Mainz)
Hommage an einen Amateur: Zu Agnès Vardas Jacquot de Nantes

Informationen:
Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32079: hediger@tfm.uni-frankfurt.de Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/vorlesungsreihe-kino/vorlesungsreihe-lecture-an-film

 

Veranstaltungen

Okt 27 2015
12:40

Bürger-Universität der Goethe-Universität startet mit gleich zwei Hauptreihen zu aktuellen Frankfurt-Themen ins Wintersemester

Wie steht es um Frankfurt?

FRANKFURT. Wie steht es um die Zukunftsfähigkeit Frankfurts? Welche Schlussfolgerungen ziehen Akteure der Bürgergesellschaft nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen und friedlichen Protesten im März 2015 im Umfeld der EZB-Eröffnung, die global für Schlagzeilen sorgten?

Zwei Fragen, zwei Reihen, eine Stadt: Wie unter einem Brennglas scheinen in der Metropole am Main derzeit globale Veränderungen spürbar und sichtbar zu werden. Die Bürgeruniversität nimmt diese Veränderungen in den Blick und bringt namhafte Expertinnen und Experten sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger miteinander ins Gespräch. Schon 2012 konnte mit dem diskursorientierten Ansatz einer Frankfurter Bürger-Universität zur Finanzmarktkrise die Situation um die Besetzung des Willy-Brandt-Platzes im Rahmen von Blockupy entscheidend entschärft werden.

Die Diskussionsreihe "Was bleibt nach Blockupy?", die am 2. November 2015 (Beginn: 19.30 Uhr, Ort: Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude H IV) mit dem Thema „Wut, Ohnmacht, Gewalt? Protest-Kultur in Frankfurt“ eröffnet, greift diesen diskursorientierten Ansatz wieder auf: Brennende Autos, Steingeschosse, verletzte Polizisten und Demonstranten – die Bilder der Krawallen und gewalttätigen Auseinandersetzungen im Umfeld der EZB-Neueröffnung im Frühjahr 2015 bestimmten das Echo nationaler und internationaler Medien. Die vergleichsweise friedlichen Proteste gegen die europäische Wirtschaftspolitik fanden dagegen kein vergleichbares Echo. Es herrschte allgemeine Erschütterung angesichts dieser unerwarteten Gewalt, die weder von Seiten der Veranstalter, noch von der Polizei vorhergesehen worden war. Warum eskalierten die Proteste und was sagt das über ein möglicherweise verändertes Protestverhalten? Mit einem zeitlichen Abstand von etwas mehr als einem halben Jahr möchte die Reihe noch einmal – mit nüchternem Blick – auf die Ereignisse vom März 2015 zurückblicken. Dabei soll es nicht nur um die Gewalt und das Spannungsverhältnis zwischen Demonstranten und Polizei gehen, sondern auch um die Politik der EZB und die Rollen der unterschiedlichen Akteure.

Das Podium des Eröffnungsabends bestreiten Oberbürgermeister Peter Feldmann, der gleichzeitig Schirmherr der Bürger-Universität ist, Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill, Rainer M. Gefeller, Chefredakteur Frankfurter Neue Presse, die Demonstrationsbeobachterin Dr. Elke Steven sowie Katharina Bogerts vom Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe Universität. Es moderiert Hanning Voigts von der Frankfurter Rundschau. Die Frankfurter Rundschau ist gleichzeitig Medienpartner der Reihe.

Weitere Termine und Themen der Reihe:
16. November 2015: „Nach Blockupy und G7 - Kapitalismuskritik heute“, Beginn: 19.30 Uhr, Ort: Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude H IV (Moderation: Daniel Baumann, Redakteur)
18. Januar 2016: „Im Rausch öffentlicher Vorurteile - Welche Diskurskultur braucht die Demokratie?“, Beginn: 19.30 Uhr, Ort: Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude H IV (Moderation: Bascha Mika, Chefredakteurin)


Wie steht es um Frankfurt?
Die zweite Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität liefert unter dem Titel „Wie lebt Frankfurt?“weitere Facetten dieses Themenschwerpunktes. An insgesamt fünf Abenden beschäftigt sich diese Reihe ab dem 30. November 2015 mit so unterschiedlichen Fragen wie:

30. November 2015: Wie generationengerecht ist Frankfurt? Älterwerden in der City.
7. Dezember 2015: Wer kann sich Frankfurt (noch) leisten? Eine Stadt für alle oder für die Reichen.
14. Dezember 2015: Wird Frankfurt seinem Integrationsanspruch gerecht? Miteinander oder nebeneinander.
24. Januar 2016: Zu etabliert um cool zu sein? Frankfurt und seine Subkultur.
1. Februar 2016: Wofür engagiert sich Frankfurt? Private versus öffentliche Verantwortung.

Alle fünf Veranstaltungen finden im großen Saal des Haus am Dom statt, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main, Beginn jeweils 19:30 Uhr. Medienpartner dieser Reihe ist hr-iNFO, der Eintritt ist frei.

Das gerade erschienene Programmheft der Bürger-Universität bietet in diesem Wintersemester insgesamt über 130 populärwissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen. Das Programm im Netz: http://www.buerger.uni-frankfurt.de

Bestellung von Programmheften bitte an Frau Marthe Lisson, E-Mail: m.lisson@vdv.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Okt 26 2015
11:07

Die 4. Dagmar-Westberg-Vorlesung mit dem Berliner Christoph Markschies, Professor für Ältere Kirchengeschichte

Was ist „Gnosis“? Antworten aus dem Textfund von Nag Hammadi

FRANKFURT.Die 4. Dagmar-Westberg-Vorlesung übernimmt im Wintersemester Christoph Markschies, Professor für Ältere Kirchengeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Der renommierte Wissenschaftler und ehemalige Präsident der Humboldt-Universität hält Anfang November drei öffentliche Vorträge und ein Kolloquium zum Thema „Was ist ‚Gnosis‘? Antworten aus dem Textfund von Nag Hammadi“.

Prof. Markschies spricht über die spätantike religionsgeschichtliche Erscheinung der „Gnosis“. Gnosis bedeutet Erkenntnis im allgemeinen Sinne und bezeichnet ein religiöses esoterisches Wissen, das die Gnostiker, zu denen christliche, jüdische, aber auch heidnische, hellenistische Intellektuelle gehörten, nach eigenem Verständnis von der übrigen Menschheit abhebt. Die Gnosis des zweiten Jahrhunderts n. Chr. stellt eine Mischung aus den verschiedensten zeitgenössischen Religionen des griechisch-römischen und orientalischen Kulturkreises dar. Die Ursprünge der Gnosis sind in der Forschung nicht unumstritten, zumal die Wissenschaftler lange auf Textüberlieferungen von frühchristlichen Gegnern der Bewegung angewiesen waren.

Kontrovers ist vor allem, ob es sich um ein trotz seiner Vielfalt einheitliches Phänomen handelt, wie etwa der Philosoph Hans Jonas in seinem klassischen Werk „Gnosis und spätantiker Geist“ (1934) urteilte. Die 1945 im ägyptischen Nag Hammadi gefundene Bibliothek frühchristlicher, darunter auch gnostischer Schriften hat die Forschung stark differenziert, indem sie die Textgrundlage erweitert und die Vielstimmigkeit der als gnostisch erachteten Strömungen sichtbar gemacht hat. Die Nag Hammadi-Schriften bieten die Grundlage für den Versuch dieser Vorlesungsreihe, zu einer Definition der „Gnosis“ zu gelangen und sie im Kontext der spätantiken Religions- und Geistesgeschichte zu interpretieren.

Termine und Themen im Einzelnen:

2.11. (Montag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Festsaal Casino
Auf dem Wege zu einer neuen Definition von „Gnosis“

3.11. (Dienstag), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3
Der Textfund von Nag Hammadi als Teil einer Klosterbibliothek

4.11. (Mittwoch), Beginn 18 Uhr, Campus Westend, Hörsaalzentrum, HZ 3
Die „Gnosis“ als Teil der antiken Religions- und Geistesgeschichte

Kolloquium zu den Vorlesungen

5.11. von 10 bis14 Uhr, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Eisenhower-Raum 1.314
Die Gnosis-Deutung von Hans Jonas und ihre Bedeutung für heute

Zur Person des Vortragenden: Nach seinem Studium der Evangelischen Theologie, der Klassischen Philologie und der Philosophie in Marburg, Jerusalem, München und Tübingen promovierte Christoph Markschies in Tübingen, habilitierte sich 1994 mit dem Thema „Ambrosius von Mailand und die Trinitätstheologie“ und wurde 1994 zum Professor für Kirchengeschichte an die Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen. Von 1998 bis 2000 und 2005 war er Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin und des Institute for Advanced Studies der Hebrew University Jerusalem. Im Herbst 2000 folgte er dem Ruf an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und hatte den Lehrstuhl für Historische Theologie inne. Die Humboldt-Universität zu Berlin berief Markschies 2004 auf den Lehrstuhl für Ältere Kirchengeschichte (Patristik). 2006-2010 war er Präsident der Humboldt-Universität. 2001 erhielt er den Leibniz-Preis. Zu seinen zahlreichen Publikationen zählen u.a. die Monografien „Die Gnosis“ (München 2001) und „Das antike Christentum. Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen“ (München 2006).   

Die Gastprofessur, ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus einem Stiftungsfonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg zur Verfügung gestellt hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich einen weltweit renommierten Vertreter nach Frankfurt einladen. In den vergangenen drei vergangenen Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der nun DFG-Präsident ist, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum und den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen. Der Stiftungsfonds für die Gastvorlesung ist nicht das einzige Engagement der Stifterin an der Goethe-Universität: Die Hundertjährige engagiert sich in der erheblicher Größenordnung für das Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg und finanziert seit 2010 auch einen Preis für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der britischen Literatur, Kultur und Geschichte an der Universität Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie, Fachbereich Evangelische Theologie, Tel. (069) 798-33313, c.wiese@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Okt 23 2015
08:53

In fünfzehn Jahren entstand dieses Mammutwerk unter Leitung des Frankfurter Philosophie-Professors Marcus Willaschek

EINLADUNG zum Mediengespräch / Das neue Kant-Lexikon: Knapp 3000 Artikel von 220 internationalen Autoren

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

fast 100 Jahre hat es gedauert, bis endlich ein neues Kant-Lexikon erschienen ist, das nun auch die Kant-Forschung des 20. Jahrhunderts angemessen abbildet: An dem neuen dreibändigen Kant-Lexikon mit knapp 2400 Artikeln haben 220 internationale Autoren mitgewirkt. Zehn Jahre haben die vier Herausgeber an diesem Mammutwerk gearbeitet, federführend war der Philosophie-Professor Dr. Marcus Willaschek der Goethe-Universität. Weitere Herausgeber sind Prof. Dr. Jürgen Stolzenberg (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Prof. Dr. Georg Mohr (Universität Bremen) und Dr. Stefano Bacin (Università Vita-Salute, Mailand).

Die Neuerscheinung setzt eine Tradition von Kant-Wörterbüchern fort, die allerdings seit Erscheinen des Standardwerks von Rudolf Eisler 1916 ins Stocken geraten war. Da Kants revolutionärer Neuansatz in der Philosophie mit der Einführung einer weitgehend neuen Terminologie einherging, sind schon zu Kants Lebzeiten mehrfach Kommentare, Wörterbücher und Kompendien zu seinem Werk erschienen. Das neue Lexikon, das auch in elektronischer Fassung vorliegt, entstand auf der Grundlage der aktuellen Text-Edition von Kants gesammelten Werken.

Was unterscheidet die Neuerscheinung aus dem Berliner Verlag Walter de Guyter von bisherigen Werken? Welche Anforderungen stellen Wissenschaftler und Studierende heute an ein solches Lexikon? Hilft es auch dem philosophischen Laien, sich Kants Kosmos zu erschließen? Welches Gesamtbild des Kantischen Denkens vermittelt das neue Lexikon? Wie lässt sich ein so großes Projekt als Herausgeber managen?

Wenn dies Ihr Interesse weckt und Sie gern noch mehr erfahren wollen, dann freuen wir uns, wenn Sie an der Präsentation des neuen Kant-Lexikons teilnehmen

am: Mittwoch, 4. November, um 11:15 Uhr,
Ort: Eisenhower-Raum, 1. Stock, IG-Farben-Hauses, Campus Westend

Ihre Gesprächspartner sind:

  • Prof. Dr. Marcus Willaschek, Goethe-Universität, Herausgeber des Lexikons
  • Dr. Gertrud Grünkorn, Verlag Walter de Guyter, Berlin (Cheflektorin)

Über Ihre Zusage freuen wir uns, mailen Sie uns doch bitte bis zum 2. November (jaspers@pvw.uni-frankfurt.de).

Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Jaspers
Referentin für Wissenschaftskommunikation

Informationen: Prof. Dr. Marcus Willaschek, Institut für Philosophie, Campus Westend, Tel.  069/798-32678, willaschek@em.uni-frankfurt.de

Marcus Willaschek/Jürgen Stolzenberg/Georg Mohr/Stefano Bacin (Herausgeber): Kant-Lexikon, Berlin 2015, 3 Bände, 2800 Seiten, Ladenpreis der gebundenen Ausgabe: 349 Euro, Subskriptionspreis bis 31. Dezember 2015: 249 Euro, ISBN: 978-3-11-017259-1

Veranstaltungen

Okt 21 2015
14:41

Funkkolleg Wirtschaft bei hr-info unter wissenschaftlicher Begleitung des FB Wirtschaftswissenschaften startet am 2. November. Auftaktveranstaltung: 3. November

Erschütterte Wahrheiten – neue Werte?

FRANKFURT. Nach der Finanzkrise ist nichts mehr, wie es vorher war: Gewissheiten und Lehrsätze in Wissenschaft und Praxis sind ins Wanken geraten. Verhalten sich Wirtschaftsakteure wirklich rational? Wann regeln sich Märkte selbst und wann versagen sie? Wie verändern Globalisierung und Digitalisierung die Arbeitswelt? Formt die Wirtschaft das Internet oder formt das Internet die Wirtschaft?

Ab 2. November greift hr-info im Rahmen des Funkkolleg Wirtschaft diese und weitere aktuelle Fragestellungen auf. Das Funkkolleg gliedert sich in die vier Themenblöcke: „Schöne neue Wirtschaftswelt“, „Der Mensch in der Wirtschaftstheorie“, „Der Mensch in der Arbeitswelt“ und „Neue Werte!“. Die Sendungen laufenjeweils montags um 20.35 Uhr und werden samstags um 11.35 Uhr sowie sonntags um 8.35 Uhr und um 20.35 Uhr wiederholt. Unter dem Hashtag #Funkkolleg können Interessierte in den sozialen Medien mitdiskutieren.

Das Funkkolleg wird wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Andreas Hackethal, Professor für Personal Finance, und Prof. Dr. Eveline Wuttke, Professorin für Wirtschaftspädagogik an der Goethe-Universität. Ergänzend zu den Sendungen stellt die Universität unter www.funkkolleg-wirtschaft.de ein umfangreiches Lern-Angebot bereit, mit Hintergrundwissen, Zusatzmaterialien, Querverbindungen und Denkanstößen. Dieses Angebot wird vom Hessischen Kultusministerium unterstützt. 

HR-info und der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität veranstalten zusammen am 3.11.2015 um 18 Uhr eine öffentliche Auftaktveranstaltung zum Funkkolleg Wirtschaft. Gäste auf dem Podium sind Prof. Dr. Alfons J. Weichenrieder, Professur für Finanzwissenschaft, Goethe-Universität, Prof. Dr. Eveline Wuttke, Marcel Zeitinger, Initiative „Kritische Ökonomik Uni Frankfurt“, Judith Kösters, Wirtschaftsjournalistin und Redakteurin des Funkkollegs. Moderation: Dirk Wagner. Dienstag, 3. November, 18.00 Uhr (s.t.),
Goethe-Universität, Casino Campus Westend, Raum Cas. 1.801.

Tickets: kostenlos. Veranstalter: hr-iNFO in Kooperation mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität.

Eine Anmeldung ist erforderlich unter www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=71871&key=standard_document_57438304

Sonstige

Okt 21 2015
11:42

Literaturzeitschrift „Johnny“ feiert dritte Ausgabe mit einer Lesung

Rausch und Wahn

FRANKFURT. „Johnny“, eine studentische Literaturzeitschrift, die von Studierenden der Goethe-Universität in Eigenregie erstellt wird, erscheint im Oktober mit ihrer dritten Ausgabe. Dazu lädt die Redaktion am Donnerstag, 29. Oktober 2015, um 19 Uhr zu einer Release-Lesung ein, bei der die neueste Ausgabe gegen eine Spende erhältlich sein wird. Gegründet wurde die Literaturzeitschrift aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Goethe-Universität.

Die druckfrische „Johnny“-Ausgabe befasst sich mit dem Thema Rausch und Wahn. Bei der Lesung werden Autorinnen und Autoren ihre eigenen Beiträge vortragen. So wird Ivanna Roik ihr Gedicht „Eine Nacht“ zum Besten geben, Katharina Busch liest ihren humoristischen Text „An allem war nur der Kaffee schuld“. Der Abend wird von Singer-Songwriter Perschya Chehrazi und der Band Acoustic Blinddate musikalisch begleitet.

Die Lesung findet am Campus Westend, im Casinogebäude, Zimmer 1.811 statt. Einlass ist um 18.30 Uhr. Die Hälfte des Erlöses wird an die studentische Initiative „Academic Experience Worldwide“ gespendet, die Tandempartnerschaften zwischen Studierenden und akademischen Asylsuchenden organisiert. Insgesamt kamen dank der großzügigen „Johnny“-Leserschaft schon bei der zweiten Ausgabe 600 Euro für das Projekt zusammen.

Forschung

Okt 21 2015
11:40

Empirische Sprachwissenschaften an der Goethe-Universität erweitern ihr Angebot

Baltische Sprachen als neuer Studienschwerpunkt

FRANKFURT. Seit 2005 werden an der Goethe-Universität am Institut für Empirische Sprachwissenschaft auch die baltischen Sprachen gelehrt. Neuerdings kann man auch einen Abschluss in Baltistik machen, nämlich im Rahmen eines Schwerpunktstudiums.

Englisch, Französisch, Spanisch – diese Sprachen werden von vielen Millionen Menschen auf der Welt gesprochen, von vielen Millionen Menschen auf der Welt gelernt. Doch auch „kleine Sprachen“ haben viel zu bieten: Wer sich zum Beispiel mit dem Baltischen beschäftigt, kommt dem Ursprung aller Indogermanischen Sprachen sehr nahe und lernt viel darüber, wie Sprache an sich funktioniert.

„Das Litauische ist eine der wenigen lebenden Sprachen, die sich die Komplexität des Indogermanischen erhalten haben“, sagt Jolanta Gelumbeckaitė, die seit März 2013 als Juniorprofessorin am Institut für Vergleichende Sprachwissenschaften des Fachbereichs Sprach- und Kulturwissenschaften der Goethe-Universität lehrt. „Wenn man hören möchte, wie Indogermanisch geklungen haben könnte, sollte sich mit den baltischen Sprachen beschäftigen“, so Gelumbeckaitė.

Lettisch, Litauisch und das ausgestorbene Altpreußische – sie weisen einen Formenreichtum auf, wie er im Deutschen allenfalls in seiner frühen Stufe, dem Althochdeutschen, zu finden ist. Ein interessanter Forschungsgegenstand, auch wenn es nur rund fünf Millionen Sprecher des Baltischen gibt. Nach der Öffnung der osteuropäischen Grenzen war die Euphorie zunächst groß, und es gab viel Unterstützung für die osteuropäischen Philologien. Das habe sich inzwischen geändert, sagt Jolanta Gelumbeckaitė.  Aus finanziellen Gründen mussten etliche Angebote wieder eingestellt werden. In Greifswald kann man zwar noch Baltistik studieren, allerdings mit kulturwissenschaftlicher Ausrichtung.

Nach Frankfurt gelangte die Baltistik mit Jolanta Gelumbeckaitė: Die gebürtige Litauerin kam 2005 als Gastdozentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an den Main. Unterstützt wird sie durch eine Lektorin, die vom litauischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft und vom Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird. „Ohne das Geld aus Litauen hätten wir den Schwerpunkt nicht machen können“, so die Professorin.

Die Wissenschaft ist nur für wenige Absolventen eine Option. Aber es gibt auch andere Anwendungsmöglichkeiten, etwa im Bereich der Politik. Um sich möglichst früh im Studium zu orientieren, können die Studierenden bei der Suche nach Praktikumsplätzen Unterstützung bekommen. Hilfreich ist hierbei auch die Partnerschaft des Frankfurter Fachbereichs Rechtswissenschaft mit der Juristischen Fakultät in Vilnius. Zudem soll der Schwerpunkt zu einem internationalen Studiengang ausgebaut werden, so dass die Studierenden auch in Pisa und Stockholm, wo ebenfalls Baltistik angeboten wird, Kurse belegen können.  An der Universität Vilnius können die Studierenden eine sprachpraktische Prüfung ablegen.

Längst seien es nicht mehr nur diejenigen, die „eine Oma aus Ostpreußen“ haben, die sich für ein Studium der Baltistik entschieden, sondern auch einfach junge Leute, die einen breiteren Blick auf die Welt suchten. Ein Massenstudienfach wird Baltistik dennoch wohl kaum werden, die Zahl der Studierenden bleibt überschaubar und das Studium somit weiterhin maßgeschneidert.

Informationen: Prof. Jolanta Gelumbeckaitė, Goethe-Universität, Telefon 069 798 25030, Telefax 069 798 22873, eMail gelumbeckaite@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Okt 21 2015
11:39

Das Werk des Konzeptkünstlers On Kawara in zwei Versionen: Buch- und Audio-Edition – Begleitet von zweitägiger Lesung aus „Past“ und „Future“

Ausstellung in der Studiengalerie 1.357: „One Million Years – Past and Future“

FRANKFURT. Die Studiengalerie 1.357 der Goethe-Universität präsentiert vom 28. Oktober bis zum 26. November On Kawaras „One Million Years“ in zwei Versionen: Die Buchedition besteht aus zwei Bänden, in denen auf dünnem Bibeldruckpapier die Jahreszahlen von jeweils einer Million Jahre aufgelistet sind. Die hier gezeigte Edition des Jahres 1999 geht auf eine maschinenschriftliche Fassung des Werkes aus den Jahren 1969 und 1981 zurück. Dazu wird die Audio-Edition präsentiert, die bei einer Lesung aus dem Werk im Rahmen der documenta11 in Kassel im Jahr 2002 aufgezeichnet wurde. Die Ausstellung wird am Mittwoch (28. Oktober) um 21:30 im I.G. Farben-Haus, erster Stock, Raum 1.357, eröffnet – zum Abschluss einer ganztägigen Lesung des Werkes.

Begleitet wird die Ausstellungseröffnung durch zwei ganztägige Lesungen aus den Büchern. Vierzig Studierende und Lehrende werden am 28. Oktober (12 bis 23 Uhr) aus „Past“ und am 29. Oktober (10 bis 18 Uhr) aus „Future“ lesen. Die Studiengalerie setzt damit die sukzessive Lesung des Werks fort, die zuletzt anlässlich der großen On Kawara-Retrospektive im Guggenheim Museum, New York, im Frühjahr 2015 durchgeführt wurde. Im Aufenthaltsbereich der Lesung gibt es ein von Design-Studierenden der HfG Offenbach eingerichtetes Café.

Der erste Buchband „Past“ mit der Widmung „For all of those who have lived and died“ umfasst die Jahreszahlen von 998031 v. Chr. bis 1969 n. Chr. Der zweite Band „Future“ mit der Widmung „For the last one“, in der Urfassung 22 Jahre später getippt, präsentiert die Daten von 1981 n. Chr. bis 1001980 n. Chr. Beide Arbeiten sind Teil der Sammlung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

„Ich möchte die Zahlen einer Million Jahre tippen und in einem Buch zusammenfassen. Wenn ich 500 Jahre auf einem Bogen Papier festhalten kann, dann benötige ich für diese Arbeit 2000 Blatt Papier, und die Geschichte der Menschheit findet sich lediglich auf den letzten 10 Seiten wieder“, äußerte On Kawara 1981. In „One Million Years“ setzt On Kawara mit monumentaler Geste die Arbeit am Thema „Zeit“ fort, dem er sein gesamtes Werk gewidmet hat. On Kawara sucht eine Zeitspanne zu greifen, die vor- und übermenschlich ist. Die schriftliche Markierung scheint noch möglich, ist für den Betrachter aber nur als Zahlenkonstrukt und Sprache erfassbar. Ein wiederum entmaterialisierender und synthetisierender Moment kommt durch die Vertonung hinzu: Die Zeit wird im Vorlesen nicht nur denk-, sondern vor allem erlebbar.

On Kawara wurde am 24. Dezember 1932 in Kariya/Aichi-ken in Japan geboren. Nach Beendigung seiner Schulbildung studierte er ab 1955 zeitweise Architektur. Als Künstler war er Autodidakt. Kawara verstand sich als Dauerreisender, hielt sich jedoch häufig in New York auf. Von 1960 an wurden Kawaras Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen international ausgestellt. In der Kunstgeschichte zählt er zu den bedeutendsten Vertretern der Konzeptkunst. Er starb am 27. Juni 2014 in New York City.

Die Ausstellung im Raum 1.357, im ersten Stock des I.G. Farben-Hauses, ist bis 26. November montags bis donnerstags zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet.

Die Studiengalerie ist ein Projekt der Studiengruppe „Erinnerungskultur, Gedächtnispolitik und Bildgebrauch“. In der Gruppe arbeiten Studierende und Lehrende verschiedener Disziplinen in Kooperation mit dem Städel Museum und dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main projektorientiert an der Erforschung des bildlichen Umgangs moderner Gesellschaften mit Geschichte. Die Studiengruppe stellt vier Mal im Jahr zeitgenössische Kunst in dem Galerieraum 1.357 des IG-Farben-Gebäudes aus.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: (069) 798 -32424, jussen@em.uni-frankfurt.de; PD Dr. Henning Engelke, Kunstgeschichtliches Institut, engelke@kunst.uni-frankfurt.de; Madeleine Hesse, studentische Mitarbeiterin der Studiengalerie 1.357, madeleine.hesse@stud.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Okt 20 2015
11:27

Die aktuelle Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 28. Oktober 2015

Reihe beleuchtet Normenkonflikte in pluralistischen Gesellschaften

FRANKFURT. In der aktuellen Flüchtlingsdebatte geht es zunehmend auch um die Frage, wie eine steigende Zahl von Menschen verschiedener kultureller Herkunft und Weltanschauung erfolgreich integriert werden kann. Hier gilt es, Vielfalt zu gestalten, Werte gegeneinander abzuwägen und Grenzen rechtlicher und religiöser Toleranz zu definieren. Wie das – grundsätzlich gesehen und an Fallbeispielen betrachtet – gelingen könnte, ist Thema der Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in diesem Wintersemester. Die Reihe mit Vorträgen in deutscher und englischer Sprache beginnt am 28. Oktober und heißt „Normenkonflikte in pluralistischen Gesellschaften“, „Norm Conflicts in Pluralistic Societies”.

Kulturelle Diversität ist ebenso ein Merkmal moderner pluralistischer Gesellschaften wie Differenzen in Bezug auf Lebensstile, sexuelle Orientierungen und weltanschauliche Bekenntnisse. Die Frage lautet nicht mehr, ob Homogenisierung oder Heterogenisierung erwünscht sei, sondern wie Pluralität gestaltet und Normenkonflikte verhandelt werden können. In den Sozial- und Geisteswissenschaften werden die möglichen Effekte gesellschaftlicher Pluralisierung, von Entsolidarisierung über Hybridisierung bis zu neuen Formen der Vergemeinschaftung, ebenso kontrovers diskutiert wie probate Lösungsansätze, beispielsweise Toleranz, Anerkennung und Verständigung auf gemeinsame Werte.

Auseinandersetzungen werden gegenwärtig vor allem um religiöse und Gendernormen geführt (u.a. Kopftuchdebatte, Karikaturenstreit), um Inklusionen und Exklusionen zu rechtfertigen und kollektive Identitäten zu konstruieren. Grundsätzlich stellt sich die Frage nach den Rechtfertigungsnarrativen für bestimmte Normen bzw. nach konfligierenden Referenzrahmen (Menschenrechte vs. kulturelle Rechte, Abwägung unterschiedlicher Rechtsgüter), in denen Normen legitimiert oder delegitimiert werden.

Im Rahmen der Ringvorlesung sollen neue theoretische und empirische Befunde zu Normenkonflikten in pluralistischen Gesellschaften vorgestellt und debattiert werden – auch im Hinblick auf ihr Potential, Normenwandel und neue Formen der Integration von Differenzen voranzutreiben. Zu den insgesamt sieben Vortragenden gehören Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, Dezernentin für Integration der Stadt Frankfurt am Main, und Prof. Rudolf Steinberg, Rechtswissenschaftler und ehemaliger Präsident der Goethe-Universität. Organisiert wird die Reihe von einem Team um Prof. Susanne Schröter. Die Ethnologin ist Mitglied des Exzellenzclusters und leitet das Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI) am Exzellenzcluster.

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Alle Vorträge finden im Hörsaalzentrum (Raum HZ 10) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr. Die Termine im Überblick:

28. Oktober 2015
Prof. Dr. Alison Dundes Renteln (University of Southern California)
Recognizing the Human Right to a Name and the Implications for Giving and Changing Personal Names

11. November 2015
Prof. em. Dr. Rudolf Steinberg (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Toleranz und religiöse Pluralität am Beispiel von Kopftuch und Burka

25. November 2015
Dr. Nargess Eskandari-Grünberg (Dezernat XI - Integration, Frankfurt am Main)
Chancen und Herausforderungen einer diversen Gesellschaft

2. Dezember 2015
Prof. Dr. Olivier Roy (European University, Florence)
When and Why does a Religious Norm Become Unacceptable in the Public Space?

16. Dezember 2015
Prof. Dr. Marie-Claire Foblets (Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle (Saale))
Accommodating Islam within the framework of Western Legal Thinking. An Impossible Mission?

20. Januar 2016
Prof. Dr. Kabir Tambar (Stanford University, California)
Brotherhood in Dispossession: State Violence and the Minority Question in Turkey

3. Februar 2016
Prof. Dr. Yüksel Sezgin (Syracuse University New York)
Democratizing “Shari’a”: How Liberal Democracies Apply and Regulate Muslim Family Laws

Information: Oliver Bertrand (FFGI), Sekretariat von Prof. Dr. Susanne Schröter, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Tel. (069)798-33062, o.bertrand@em.uni-frankfurt.dewww.normativeorders.net

 

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Veranstaltungen

Okt 20 2015
11:24

Öffentliche Vortragsreihe der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ im Wintersemester 2015/2016

„Du, Deine Gene, Deine Therapie“ – Auf dem Weg zur personalisierten Medizin in der Krebstherapie

FRANKFURT. International renommierte Wissenschaftler werden in der Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“ im Wintersemester analysieren, wie die personalisierte Medizin die Krebstherapie grundlegend verändern wird. Dabei werden die Forscher die molekularbiologischen Analyseverfahren eingehend beleuchten, aber auch ethische und ökonomische Auswirkungen der personalisierten Medizin sollen kontrovers diskutieren werden. Zum Auftakt referieren am 29. Oktober (Donnerstag) zwei Kölner Forscher: Der Mediziner Prof. Dr. Roman Thomas beschäftigt sich damit, wie neue Erkenntnisse zu molekularen Mechanismen Behandlungsmethoden bei Lungenkrebs verbessern. Ebenfalls am Beispiel Lungenkrebs erläutert der Pathologe Prof. Reinhard Büttner, wie mit molekularen Biomarkern Veränderungen im Krebsgenom diagnostiziert werden können und dieses Wissen für personalisierte Therapien nutzbar gemacht werden kann.

Eingeladen zu dieser Vortragsreihe der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität, die im Rahmen der von der Deutsche Bank AG initiierten und geförderten Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ stattfindet, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Rhein-Main-Region. Die Vorträge beginnen jeweils donnerstags um 18 Uhr auf dem Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4, Theodor-Stern-Kai 7. Konzipiert und organisiert wurde diese Vorlesungsreihe von den beiden Wissenschaftlern der Goethe-Universität, dem Chemiker Prof. Dr. Joachim Engels und der Onkologin Prof. Dr. Simone Fulda.

Die Entzifferung der DNA, des humanen Gen-Alphabets, eröffnete vor 15 Jahren eine neue Epoche für individualisierte Therapien: Statt für jede Krankheit eine Therapie zu suchen, sind Naturwissenschaftler und Ärzte jetzt auf dem Weg zu einer dem jeweiligen Patienten angepassten Medizin: Die neuen Medikamente sollen gezielt in Vorgänge in den Zellen eingreifen und so beispielsweise krankhaft veränderte Gene – wie bei Krebs – adressieren. Damit markiert die personalisierte Medizin eine Abkehr vom ineffizienten Gießkannen-Prinzip, nach dem alle Patienten gleich behandelt werden, auch wenn sich bei der Hälfte keine positiven Effekte einstellen und sie daher unnötig unter oft gravierenden Nebenwirkungen leiden müssen. Die Forschung in der Molekulargenetik und Zellbiologie hat wegweisende neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krebs und dem Fortschreiten der Erkrankung erbracht, die einen Paradigmenwechsel in der Onkologie in Gang gesetzt haben. Es zeichnet sich ab, dass molekular zielgerichtete Therapien effektiver sind und gleichzeitig weniger Nebenwirkung zeigen als bisherige Behandlungsmethoden.

Um diese gewaltige Aufgabe zu bewältigen, müssen Mediziner, Biologen, Pharmakologen und Informatiker eng zusammenarbeiten. Mit der personalisierten Medizin werden aber auch zusehends neue ethische und ökonomische Fragen aufgeworfen. Die Analyse des gesamten Genoms eines Patienten ist nicht unumstritten. Ist es vertretbar, Menschen damit zu konfrontieren, dass sie eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, ernsthaft zu erkranken? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang ökonomische Überlegungen und zusätzliche Möglichkeiten frühzeitiger Prävention? Welche Auswirkungen haben die Bioanalysen auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient, das neben der molekularen Diagnose auch den Menschen als Ganzes und sein soziales Umfeld im Blick haben sollte? Wie stehen Krankenkassen und Pharmaindustrie zu den Chancen und Risiken der personalisierten Medizin – eine ökomische Herausforderung oder ein Gewinne versprechendes neues Geschäftsfeld?

Die Vorträge auf einen Blick:  Die Vorträge beginnen jeweils donnerstags um 18 Uhr, Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4. Alle Veranstaltungen werden aufgezeichnet, sind per Livestream oder spätestens am übernächsten Tag abrufbar über www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

29. Oktober 2015
Prof. Dr. Roman Thomas, Universität zu Köln
Von der Mutation zur Therapie – Über die medizinische Revolution der personalisierten Onkologie
Prof. Dr. Reinhard Büttner, Universität zu Köln
Genetische und epigenetische Zielmoleküle in der personalisierten Krebsmedizin
Moderation Prof. Dr. Simone Fulda, Goethe-Universität

5. November 2015
Prof. Dr. Hans Lehrach, Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, Berlin
Der virtuelle Patient als Basis der personalisierten Therapie
Moderation Prof. Dr. Dieter Hoelzer, Goethe-Universität

19. November 2015
Prof. Dr. Rudi Balling, Luxembourg Centre for Systems Biomedicine
Interdisziplinäre Forschung in der Biomedizin Leichter gesagt als getan
Moderation Prof. Dr. Joachim Engels, Goethe-Universität

3. Dezember 2015
Diskussionsrunde : Personalisierte Medizin im Spannungsfeld von Arzt und Patient, Pharmaindustrie und Kostenträger
Dr. Thomas Schinecker, Roche Diagnostics, Mannheim
Dr. Ursula Marschall, Barmer GEK, Wuppertal
Prof. Dr. Elke Jäger, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
Moderation Dr. Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung 

14. Januar 2016
Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann, Universität Siegen
Ethische Probleme der individualisierten Medizin
Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Schlosspark Klinik, Berlin
Selbstverständnis von Patienten und die Arzt-Patient-Beziehung
Einführung Prof. Dr. Peter Janich, Philipps-Universität, Marburg
Moderation Dr. Regina Oehler, Hessischer Rundfunk

28. Januar 2016
Prof. Dr. Drs h.c. Leroy Hood, Washington University, Seattle
Systems Medicine and Proactive P4 Medicine. Transforming Healthcare through Wellness – A Personal View (P4 = predictive, personalized, preventive and participatory)
Moderation Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Goethe-Universität

Informationen: Prof. Dr. Joachim Engels, Campus Riedberg, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel. (069)798-29150, Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de;Prof. Dr. Simone Fulda, Campus Niederrad, Fachbereich Medizin, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Tel. (069) 678 66557, Simone.Fulda@kgu.de

Programmbroschüre sowie der Link zu Livestream und Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen auf www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

Programm online auch unter: www.wissenschaftliche-gesellschaft.uni-frankfurt.de,

Personalia/Preise

Okt 20 2015
11:23

Der kroatische Biochemiker ist international bekannter Krebsforscher

Prof. Ivan Dikic in die Europäische Akademie gewählt

FRANKFURT.Die Academia Europaea hat den Frankfurter Biochemiker Prof. Ivan Dikic in ihre Reihen aufgenommen. Die 1988 gegründete Akademie wählte insgesamt 248 neue Mitglieder aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, den Natur- und Lebenswissenschaften, der Mathematik, den Ingenieurwissenschaften und der Medizin. Ivan Dikic ist Direktor des Instituts für Biochemie 2 und Gründungsdirektor des Buchmann-Instituts für Molekulare Lebenswissenschaften an der Goethe-Universität. Der aus Kroatien stammende Forscher ist für seine Beiträge zur Krebsforschung mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Deutschen Krebspreis (2010) und dem Leibniz-Preis (2013).

„Ich fühle mich durch die Wahl in die Academia Europaea geehrt und trage gern zu ihrem wissenschaftlichen Programm und ihren Bildungszielen bei“, so Dikic. Die Gesellschaft mit Sitz in London setzt sich unter anderem dafür ein, das Verständnis für die Wissenschaft in der Öffentlichkeit zu verbessern. Ivan Dikic ist bereits Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Kroatischen Akademie für Medizinische Wissenschaften und der europäischen Wissenschaftsorganisation „European Molecular Biology Organization“(EMBO).

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institute für Biochemie 2, Universitätsklinikum, Tel.: (069) 6301-5652,Ivan.Dikic@biochem2.de

Veranstaltungen

Okt 16 2015
16:16

Vortrag beim Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg

Wie Europa den Begriff der „Rasse“ erfand

FRANKFURT. Der Begriff der „Rasse“ ist heute sehr umstritten. Doch in welchen Kontexten ist er überhaupt entstanden, zu welchen Zwecken wurde er verwendet? Danach fragt Prof. Dr. Jean-Frédéric Schaub,Professor für Geschichte und Forschungsdirektor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris, in seinem Vortrag beim Forschungskolleg Humanwissenschaften. Er findet statt im Rahmen der Reihe „EuropaDialoge/Dialogues d'Europe“ in Kooperation mit dem Deutsch-Französischen Institut für Geschichts- und Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität. Dessen Leiter, Prof. Dr. Pierre Monnet, Forschungsdirektor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris, wird in das Thema einführen. Nach dem Vortrag findet ein Umtrunk im Kolleggebäude statt.

„Toward a Political History of Race. How Europe invented ‚race‘“. Abendvortrag, Mittwoch, 21.10.2015, 19.00 Uhr, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Homburg.

Zum Hintergrund: 2013 debattierte die französische Nationalversammlung darüber, ob der Begriff der »Rasse« aus der Verfassung und den Gesetzbüchern Frankreichs gestrichen werden sollte. Diese Debatte ist für Jean-Frédéric Schaub, der zur Geschichte der Kolonialgesellschaften in der frühen Neuzeit forscht, Ausdruck großer politischer, gesellschaftlicher und intellektueller Verunsicherung. Als Historiker wendet er sich der Geschichte des Begriffs der Rasse zu. Durch die genaue historische Analyse der wichtigsten Ereignisse und der Wendepunkte in der Entwicklung der Rassenklassifikation wirft er einen erhellenden Blick auf aktuelle Debatten. Der Vortrag Schaubs geht zurück auf sein jüngst erschienenes Buch „Pour une histoire politique de la race“, Paris: Seuil 2015 (dt.: Für eine politische Geschichte der Rasse; engl: Toward a Political History of Race).

Die Vortragsreihe EuropaDialoge/Dialogues d’Europe wird vom Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität und dem an der Goethe-Universität angesiedelten Deutsch-Französischen Institut der Geschichts- und Sozialwissenschaften – Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (zuvor: Institut français d’histoire en Allemagne) gemeinsam veranstaltet.

Um Anmeldung wird gebeten per Fax (06172-13977-39) oder per E-Mail an info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Weitere Informationen unter www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Veranstaltungen

Okt 16 2015
09:41

16 Promovenden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ nehmen die Besucher mit auf eine interaktive Entdeckungsreise

Geistwissenschaften multimedial: Ausstellung „Menschen / Tun / Dinge“ zu Wert und Wandel von Objekten

FRANKFURT. Geisteswissenschaften multimedial – Wissensvermittlung per Touch und Click – vergnüglicher Erkenntnisgewinn, das bieten die 16 Doktorandinnen und Doktoranden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ der Goethe-Universität in ihrer Ausstellung „Menschen | Tun | Dinge“. Sie ist von Donnerstag (15. Oktober) bis 20. Dezember im Foyer des IG-Farben-Hauses auf dem Campus Westend, aber auch unter www.Menschen-Tun-Dinge.de zu sehen.

Mit diesen drei Worten umfassen die Kuratoren der Ausstellung, der Ethnologe Prof. Hans Peter Hahn und die beiden Archäologinnen Annabel Bokern und Prof. Fleur Kemmers, was Kultur ausmacht. Dazu Hahn: „Die Kultur einer Gesellschaft wird durch die Handlungen von Menschen – deren Tun – geformt. Und Dinge, die Menschen herstellen, gebrauchen oder denen sie besondere Bedeutung zumessen, gibt und gab es in allen Kulturen und zu allen Zeiten.“ Wer – wie die Gruppe junger Wissenschaftler – von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Drittmittel erhält, verpflichtet sich, nicht nur an dem Opus Magnum der Dissertation zu arbeiten, sondern die Öffentlichkeit an den eigenen Forschungsergebnissen teilhaben zu lassen – und so entstand diese Ausstellung mit viel Kreativität und begrenztem Budget.

Im Zentrum der Ausstellung und ihrer virtuellen Präsentation, deren ansprechendes minimalistisches Konzept einer jungen Mainzer Kommunikationsdesignerin unter dem Label „Martina Miocevic | Mathilda Mutant“ in enger Kooperation mit den Kuratoren und Promovenden entwickelt haben, steht die Frage, wie Menschen und Dinge sich wechselseitig beeinflussen. So deutlich die wechselseitigen Beziehungen von Menschen und Dingen sind, so offensichtlich ist auch deren Vielgestaltigkeit. „Dinge können zeitgleich ganz unterschiedliche Bedeutung haben“, so Bokern, und Kemmers ergänzt: „Mehrdeutigkeit ist dabei nicht nur ein Problem, sondern auch eine besondere Stärke für den Zugriff auf materielle Zeugnisse.“

In jeder einzelnen Fallstudie, die die 16 Promovenden des Graduiertenkollegs „Wert und Äquivalent“ in vier Themenbereichen vorstellen, werden die Wandelbarkeit der Dinge und die Möglichkeiten unterschiedlicher Interpretationen mit berücksichtigt. Die vier Themenkreise „Produktion und Gebrauch“ (ab 15.10.), „Tradition und Wandel“ (ab 29.10.), „Landschaft und Urbanisierung“ (ab 12.11.), „Wirtschaft und Verwaltung“ (ab 26.11.) bespielen jeweils zwei Wochen die interaktive Box im Foyer des IG-Farben-Hauses, auf der Web-Page www.Menschen-Tun-Dinge.de sind alle vier Bereiche ab 15. Oktober freigeschaltet.

Das Plakat der Ausstellung schmückt eine Kürbisfratze – auf diese hatten sich die zwei Archäologen und zwei Ethnologen schnell verständigt, die den Themenbereich „Tradition und Wandel“ bearbeitet haben. Dazu der Ethnologe Sebastian Schellhaas, der sich eigentlich mit indigener Küche in British Columbia befasst: „Keiner von uns beschäftigt sich mit Kürbisfratzen, doch der sinnbildliche Charakter dieses Objekts ist unmissverständlich und verweist unmittelbar auf ein Phänomen, nämlich Halloween. Das verbindet die vielen Fragestellungen, mit denen wir uns auseinandersetzen.“ Am Exempel Halloween können sie zeigen, dass Tradition aus dem Aneignen, Zusammenfügen, Neuordnen und Wiederaufgeben kultureller Praktiken und Glaubensinhalte gebildet wird. Besucher, ob in der interaktiven Box im Foyer des IG-Farben-Hauses oder über die Web-Page, erfahren spannende Details über Traditionen im Wandel der Zeiten.

„Auch wenn Traditionen wie die Halloween  ihren Ursprung im Dunkel der Vergangenheit haben, sind sie doch nicht zeitlos“, so Schellhaas. Es bleibt die Frage, wie viel Altes braucht es und welches Maß an Neuem ist erlaubt, um im Wandel trotzdem als Tradition zu bestehen? In der Archäologie und Ethnologie finden sich zahlreiche Beispiele, die auf einen solchen Prozess hindeuten. So führt die nächste „Ebene“ der multimedialen Präsentation zu dem empirischen Material, das die vier Promovenden in ihren Projekten erforschen. Der Archäologe Lukas Wiggering verfolgt beispielsweise den Austausch von materiellen und immateriellen Gütern in der europäischen Bronzezeit. Dieser Austausch stellt nicht nur eine Abkehr vom Alten, sondern gleichzeitig die Aneignung von Neuem dar. Mit der Verbreitung der Bronze gingen umfassende gesellschaftliche Veränderungen einher.

Nach ähnlichem Muster werden auch die anderen drei Themenbereiche medial umgesetzt – immer knüpfen die Dinge im Zentrum des mit neongrünen Ecken markierten Quadrats an heutige Alltagsverfahren an: die Zahnbrüste für „Produktion und Gebrauch“, der klassische Achter-Legostein für „Landschaft und Urbanisierung“ und das Klemmbrett mit Darth Vader von „Starwars“ für „Wirtschaft und Verwaltung“. Nach jedem dieser Objekte folgt eine Zwischenseite mit einem erklärenden Text zum Thema. Auf den weiteren Seiten gibt es zu den Dissertationsprojekten erklärende Texte, Fotos, Karten, Videos, 3D-Modelle und Simulationen, Interviews mit Doktoranden und Fotos zur Arbeitssituation.

Wer all dieses nicht nur virtuell erleben möchte, für denjenigen gibt es auch einen Katalog zum Blättern und Lesen. Er ist im Kerber-Verlag (ISBN 978-3-7356-0163-6, 30 Euro) erschienen und enthält u.a. fünf Seiten zu jedem der vier Themenbereiche als Einführung und zum Konzept sowie jeweils fünf Seiten zu jedem der 16 Projekte. In einem Dokumentationsteil wird außerdem erklärt, warum das Graduiertenkolleg diese Ausstellung macht, dazu wird eine Auswahl von Fotos bei der Arbeit gezeigt.

Jeweils zum Wechsel der ausgestellten Projekte in der Box des Foyers im IG-Farben-Haus findet auch um 18.15 Uhr im Raum EG 411 ein öffentlicher Vortrag statt.

Informationen: Annabel Bokern, Graduiertenkolleg „Wert und Äquivalent“, Campus Westend, Tel. 069-798 32293, value@em.uni-frankfurt.de, www.Menschen-Tun-Dinge.de