​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Mai 2018

 

Mai 30 2018
16:50

Im aktuellen UniReport blicken die Germanisten Susanne Komfort-Hein und Heinz Drügh auf Krachts beeindruckende Poetikvorlesungen zurück

Ernst und Parodie

FRANKFURT. Im Vorfeld gab es durchaus skeptische Stimmen zu diesem Poetikdozenten. Doch nach seinen drei Vorträgen zeigen sich Literaturschaffende und Kritiker gleichermaßen beeindruckt von Christian Krachts Poetikvorlesungen an der Goethe-Universität. Der Schweizer Schriftsteller („Faserland“) sprach an drei Abenden über seine Romane, stellte existenzielle Motive seines Schaffens vor und berichtete unter anderem davon, dass er als 12-Jähriger in einem Internat von einem Priester sexuell missbraucht wurde.

Prof. Susanne Komfort-Hein und Prof. Heinz Drügh, Literaturwissenschaftler der Goethe-Universität, betonen im Interview mit dem UniReport, dass Poetikvorlesungen den Dozenten immer auch die Möglichkeit böten, das eigene Werk zu interpretieren und Fehllektüren entgegenzutreten. Allerdings führe der vom Autor angebotene Zugang keineswegs zu einer einseitigen Auslegung seines Werkes:
„Wir sind […] davon überzeugt, dass die Kracht-Philologie sich hinfort nicht auf die Suche nach Traumaspuren in Krachts Werk spezialisieren wird. […] Der

wirklich spannende Aspekt ist, wie Kracht die Poetikvorlesung inklusive seines Bekenntnisses ähnlich metareflexiv angelegt hat, wie seine Ästhetik überhaupt. Es ging ja nicht nur platt um einen Missbrauch und um die Frage, wie diese bislang unbekannte biographische Wahrheit die Texte Krachts steuert, sondern es ging um die hochinteressante poetologische Frage, wie sehr eine solch bedrückende Wahrheit immer auch die Parodie mit sich führt.“

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  • „Die Goethe-Universität ist ein deutschlandweit herausragendes Modell von Hochschulautonomie.“ Boris Rhein, Minister für Wissenschaft und Kunst, über wettbewerbsorientierte Forschungsfinanzierung, die RMU-Allianz und Perspektiven der hessischen Hochschullandschaft.
  • Hat Büchner auf Hessisch geschrieben? Der Literaturwissenschaftler Roland Borgards leitet die Büchner-Forschungsstelle, die von Marburg nach Frankfurt wechselt.
  • Vom AStA in die Pressestelle: Klaus Viedebantt, der Erfinder des UniReport, schaut auf 68 und seine Zeit als Pressereferent der Goethe-Uni zurück.
  • Musik verstehen von Björk bis Beethoven: Frankfurt mit seinem großen Kulturangebot bietet ein gutes Umfeld für den Bachelorstudiengang Musikwissenschaften.
  • Zweite Laufzeit des Projektes yourPUSH für Studien-Neuorientierer gestartet: Beratungsangebote für Studienzweifler werden zunehmend angenommen.
  • Goethe, Deine Forscher: Porträt des Philosophen Marcus Willaschek
  • Was macht die Literatur mit dem Menschen? Winfried Menninghaus ist Literaturwissenschaftler, der sich nach Jahrzehnten der Beschäftigung mit klassischer und moderner Rhetorik, Poetik und Ästhetik der empirischen Literaturwissenschaft zugewandt hat.
  • Es gibt kein richtiges Konsumieren im falschen: Kathrin Hartmann, Alumna der Goethe-Universität, übt mit ihren Sachbüchern und Reportagen Kritik am „Greenwashing“ von Unternehmen
  • Fußball-WM 2018 in Russland: Stimmen aus der Goethe-Universität

Der UniReport 3/2018 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/72222303

 

Mai 30 2018
15:19

Den bundesweiten Diversity-Tag 2018 am 5. Juni begeht die Goethe-Universität mit Podiumsdiskussion und Ausstellungseröffnung

Jede*r anders, gemeinsam verschieden

FRANKFURT. An dem bundesweiten Diversity-Tag sind Unternehmen und Institutionen dazu eingeladen, die Vielfalt der Menschen, die sie ausmachen, wertzuschätzen. Er geht zurück auf eine Initiative der Charta der Vielfalt e.V. Die Goethe-Universität setzt in diesem Jahr einen inhaltlichen Fokus auf das Thema Hochschule und LGBTIQ* (lesbische, schwule, transidentitäre, intersexuelle und queere* Menschen). Zum Programm zählen eine Podiumsdiskussion wie auch die Eröffnung der Ausstellung „Unverschämt. Lesbische Frauen und schwule Männer in Hessen 1945-1985“ durch Staatssekretär Kai Klose, Bevollmächtigter der Landesregierung für Integration und Antidiskriminierung.

Die Podiumsdiskussion findet am 5. Juni ab 17.45 Uhr im Casino Anbau, Erdgeschoss (Ost), Campus Westend statt. Das Grußwort spricht Prof. Rolf van Dick, Vizepräsident der Goethe-Universität.

Die Ausstellung „Unverschämt. Lesbische Frauen und schwule Männer in Hessen von 1945 bis 1985“ wird um 19.30 eröffnet. Die Ausstellung im Foyer des IG-Farben-Hauses, Campus Westend wird bis zum 5. Juli 2018 zu sehen sein.

Alle Angehörigen der Goethe-Universität und Interessierte sind herzlich eingeladen! Veranstaltet wird der Diversity-Tag von der Akademie für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ABL) und dem Gleichstellungsbüro der Goethe-Universität.

Programm und weitere Informationen: http://www.uni-frankfurt.de/39416132/Diversity

Charta der Vielfalt, Diversity-Tag: https://www.charta-der-vielfalt.de/diversity-tag/ueber-den-aktionstag/

 

Mai 30 2018
11:43

Wissenschaftsmagazin „Forschung Frankfurt“ bringt Studenten von heute ins Gespräch mit dem einstigen Studentenanführer KD Wolff

Generation 1968 und Generation 2018

FRANKFURT. Die „Offenheit der Diskurse“ sei ein Verdienst der 68er-Bewegung, meint der ehemalige Studentensprecher Karl Dietrich „KD“ Wolff. Dass diese Offenheit auch von Rechtspopulisten genutzt wird – ist das ein Kollateralschaden? Über diese und andere Fragen rund um 1968 und die Folgen sprachen KD Wolff und zwei Studenten der Erziehungswissenschaften auf Einladung des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“, nachzulesen in der gerade erschienen Ausgabe zum Thema „Die 68er“.

Bis heute muss die Offenheit der Diskurse immer wieder neu verteidigt werden. Er aber wünsche sich diese Offenheit, so Karls Dietrich Wolff, der seit jeher „KD“ genannt wird. Doch wie weit muss diese Offenheit gehen, fragt sich Thomas Dumke, Masterstudent der Erziehungswissenschaften: Dürfe die Meinungsfreiheit dafür benutzt werden, neonazistische Hetze salonfähig zu machen? KD Wolff gab sich im Gespräch mit Dumke und dessen Kommilitonen Jonas Pußel entspannt: Es sei falsch, Diskussionen von vornherein abzuschneiden. Die politischen Köpfe der 68er-Bewegung jedenfalls hätten immer auch ihre Gegner zur Diskussion gebeten.

Im Gespräch, zu dem die Redakteure Dr. Dirk Frank und Dr. Anke Sauter gebeten hatten, lässt Wolff das Lebensgefühl der 68er lebendig werden. Er schildert die Bedrückung seiner Jugendzeit und seinen Wunsch, so bald wie möglich auszuwanden. Dass es nicht dazu kam, lag nach seinen Worten an den Veränderungen, die durch die Studentenproteste ausgelöst worden seien. Als die Proteste gegen die Ermordung Benno Ohnesorgs die Massen auf die Straße brachten, habe er gemerkt, dass sich die Gesellschaft wandelt: „Auf einmal geht abends ein Fackelzug durch die Stadt mit mehr als 2 000 Leuten, von denen wir fast keinen kannten. Und dieser Sprung, der da passiert ist, bewirkte, dass wir uns zwar einerseits bedroht fühlten, andererseits aber war diese unerwartete Mobilisierung der Massen ein wunderbares Gefühl: Dass jetzt alles besser wird, dass es eine neue Welt wird, dass sich alles ändert.“

Das sei der entscheidende Unterschied zwischen heute und damals, meint Student Dumke: Der Bruch zwischen den Generationen sei damals offensichtlicher gewesen, die Studierenden hätten vor allem auch gegen das Schweigen der Mütter und Väter zur deutschen NS-Vergangenheit angekämpft. Dagegen sei die Gesellschaft heute komplexer, globalisierter, widersprüchlicher. Und es sei ein deutliches Mehr an Lebensentwürfen lebbar. Dennoch gebe es noch viel zu tun: Die zunehmende Marktradikalisierung und Neoliberalisierung habe nicht zuletzt Protestbewegungen wie Blockupy auf den Plan gerufen. Ein wichtiger Unterschied zu damaligen Protestaktionen ist für Jonas Pußel die Existenz sozialer Netzwerke wie im Fall der #metoo-Debatte: „Wenn die Leute eine gesellschaftliche Veränderung wollen und die Bedingungen gegeben sind, dann wird sich das trotzdem noch, wie 1968 auch, in einer Bewegung auf den Straßen zeigen“, ist Pußel überzeugt. Heutige Demonstrationen zögen viel mehr Menschen an als die der 68er, meint KD Wolff. Allerdings sei die mediale Beachtung heute nicht mehr so groß.

Aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen damals und heute wurden im Gespräch deutlich: Schon 1968 zerbrachen sich die Meinungsführer im SDS die Köpfe darüber, wie die Studierenden zum inneruniversitären Wählen motiviert werden könnten. Viel höher als heute war die Wahlbeteiligung offenbar nicht. Die Erklärung der heutigen Studenten: Den meisten Kommilitoninnen und Kommilitonen gehe es darum, eine Ausbildung zu absolvieren und später eine Arbeitsstelle zu finden. Deswegen sei es dezplatziert, von allen zu erwarten, sich politisch zu engagieren. Und m Zuge der Bologna-Reformen sei der Druck an den Universitäten nochmal gewachsen.  

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: http://tinygu.de/ForschungFrankfurt-1-2018.

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Mai 29 2018
14:41

Vortrag der renommierten türkischen Wissenschaftlerin Prof. Ayşe-Gül Atınay an der Goethe-Universität

Feminismus und Gender-Studien in dunklen Zeiten

FRANKFURT. Heftige gesellschaftliche und politische Umbrüche finden seit einigen Jahren in der Türkei statt. Die anti-demokratischen Tendenzen und die staatlichen Repressionen treffen auf Widerstände von Seiten des Feminismus und auf ein wachsendes Bewusstsein für die Rechte von Mitgliedern der LGBTI-Gemeinde  (Lesbian, Gay, Bisexual, Transexuell/Transgender, Intersexual). Der Protest findet insbesondere in Form von Kundgebungen auf öffentlichen Plätzen und in Tweets auf Sozialen Medien statt. Welchen Beitrag feministische Ansätze zur sozialen und politischen Gerechtigkeit leisten können, durchleuchtet die renommierte türkische Wissenschaftlerin Ayşe-Gül Atınay

am Mittwoch, 6. Juni, 18-20 Uhr, HZ 11 im Hörsaalzentrum

in ihrem Vortrag zum Thema „Doing Feminism and Gender Studies in Dark Times“. Die Veranstaltung gehört zur Vortragsreihe „Feminismen aus dem Globalen Süden“ des Cornelia Goethe Centrums der Goethe-Universität.

Ayşe-Gül Atınay ist Professorin für Anthropologie an der Sabancı University Istanbul und Direktorin des SU Gender (Sabancı University Gender and Women´s Studies Center of Excellence). Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Militarismus, Erinnerung, Gewalt, Gender und Sexualität. Für ihr gemeinsam mit Yeşim Arat verfasstes Buch „Türkiye´de Kadına Yönelik Şiddet“ (Gewalt gegen Frauen in der Türkei) wurde sie im Jahr 2008 mit dem PEN Turkey Duygu Asena Award ausgezeichnet.

Information: Cigdem Toprak, Cornelia Goethe Centrum, Campus Westend, Telefon 069 798-35102, E-Mail: Toprak@em.uni-frankfurt.de, Detailinformationen zum Programm: http://www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-lehre-kolloq.shtml

 

Mai 29 2018
13:41

Hannah Petersen untersucht Materiezustände kurz nach dem Urknall

Junge Physik-Professorin in Venedig ausgezeichnet

FRANKFURT. Die theoretische Physikerin Hannah Petersen ist mit der Zimanyi-Medaille der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet worden. Mit der Ehrung wird ihre Arbeit auf dem Gebiet der relativistischen Schwerionenkollisionen gewürdigt. Die junge Forscherin leitet seit 2012 eine Helmholtz-Nachwuchsgruppe am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung und lehrt als Professorin an der Goethe-Universität. Ihre Untersuchungen sind wichtig für die Arbeit am künftigen Beschleunigerzentrum FAIR, das derzeit bei GSI entsteht.

Die Auszeichnung nahm Hannah Petersen bei der Quark-Matter-Konferenz in Venedig entgegen, bei der sie auch die neuesten Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe präsentierte. Die Quark-Matter-Konferenz ist mit über 800 Teilnehmern die größte Veranstaltung in diesem Bereich. Hannah Petersen ist das jüngste Mitglied des internationalen Beirats der Konferenz.

Auf dem Gebiet der relativistischen Schwerionenkollisionen, die die Möglichkeit bieten, stark wechselwirkende Materie unter extremen Bedingungen zu untersuchen, arbeitet Professorin Hannah Petersen an neuen theoretischen Beschreibungen des Materiezustands kurz nach dem Big Bang. „Durch die Beschleunigung von Blei- oder Goldkernen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit und deren Kollision können Temperaturen und Dichten erreicht werden, wie sie im frühen Universum nur Mikrosekunden nach dem Urknall, dem Big Bang existiert haben“, erläuterte Hannah Petersen ihre Forschung. Bei so hohen Energiedichten sagt die grundlegende Theorie der starken Wechselwirkung, die Quantenchromodynamik, eine neue Phase der Materie voraus: das Quark-Gluon-Plasma, das sich unter extrem hohen Druck explosionsartig ausdehnt.

Hannah Petersen erkannte und untersuchte als eine der Ersten, dass und wie der Verlauf dieser Explosion von Dichte- und Temperaturschwankungen als Folge von Quanteneffekten beeinflusst wird. Über den Vergleich von Theorie und experimentellen Daten stellte die junge Forscherin ein vielzitiertes Hybrid-Modell auf, das die Dynamik des Plasmas und seine Viskosität in Abhängigkeit vom jeweiligen Anfangszustand der Quantenfluktuation abbildet.

Das künftige Beschleunigerzentrum FAIR wird den Forscherinnen und Forschern Bedingungen zur Verfügung stellen, wie sie sonst nur im Weltall herrschen. Die Arbeit von Hannah Petersen und ihrer Nachwuchsgruppe ist ein wichtiger Baustein, um aus den Experimenten wesentliche Schlüsse zu ziehen. Ihr Hauptziel ist es, einen Transportansatz für die dynamische Beschreibung von Schwerionenreaktionen bei FAIR mit modernsten Rechentechniken zu entwickeln. Der Wissenschaftliche Geschäftsführer von GSI und FAIR, Prof. Paolo Giubellino, zeigte sich sehr erfreut über die Auszeichnung für die junge Forscherin: „Mit ihrer Analysemethode legt Hannah Petersen wichtige neue Grundlagen für experimentelle Messungen an FAIR. Ihre Arbeit wurde nun zu Recht mit der höchsten Auszeichnung für junge theoretische Forscher in der Schwerionenphysik gewürdigt.“

Die Zimanyi-Medaille wird vom Wigner-Forschungszentrum für Physik der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest verliehen. Mit der Ehrung soll an den 2006 verstorbenen Kernphysiker József Zimányi erinnert werden. Zimányi war unter anderem Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und Professor am Institut für Teilchen- und Kernphysik (RMKI). Die Medaille wird an theoretische Physikerinnen und Physiker verliehen, die jünger als 40 Jahre sind und deren Forschung auf dem Gebiet der theoretischen Hochenergie-Kernphysik wichtige internationale Anerkennung und Wirkung erlangt hat.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/72219632

Bildtext: Hannah Petersen und Tamás Sándor Bíró von der Zimanyi-Foundation bei der Preisverleihung in Venedig.

Foto: Rosario Turrisi

Informationen: Prof. Dr. Hannah Petersen, Institut für Theoretische Physi, Fachbereich Physik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 4752, petersen@fias.uni-frankfurt.de.

 

Mai 29 2018
12:41

Vortragsreihe am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität

„50 Jahre 68 - Die Erziehung der Demokratie“

FRANKFURT. Die „pädagogische Dimension“ der Protestbewegung der späten 1960er Jahre wird bis heute selten thematisiert. Dabei macht gerade sie rückblickend die Besonderheit der westdeutschen Revolte aus, gerade auch im Vergleich mit Ereignissen und Entwicklungen in anderen Ländern. Mit der Bedeutung der Erziehung für den gesellschaftlichen Aufbruch befasst sich eine Vortragsreihe am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität in diesem Sommersemester. Den Auftakt dazu bildet am

Donnerstag, 7. Juni, 18 Uhr Hörsaal 12, Hörsaalzentrum, Campus Westend

der Vortrag von Prof. Meike Sophia Baader (Universität Hildesheim) unter dem Titel „68 und die Pädagogik Revisited“. Weitere Vorträge im Juni und Juli befassen sich mit dem Antiautoritären Aufbegehren und der Erziehung nach Auschwitz, mit dem Frankfurter Projekt KiTa 3000 sowie den ersten Kinderläden und der Bedeutung der frühen Kindheit in der antiautoritären Bewegung.

Zwei zentrale Themen beeinflussten die damaligen Entwicklungen im Bereich der Erziehung wesentlich: Dies war einerseits die Kinderladenbewegung, die ihre Wurzeln in der starken Rezeption antiautoritärer Konzepte durch die Protagonisten der Bewegung sowie in den Emanzipationsbestrebungen von Studentinnen hatte. Andererseits führte die kritische Auseinandersetzung mit der Vätergeneration und der NS-Zeit zwangsläufig zu einer anhaltenden Autoritätskritik. Die „Erziehung nach Auschwitz“ (Adorno) als eine autoritäts- und herrschaftskritische Erziehung konnte sich in der Folge von 1968 weitgehend gesamtgesellschaftlich als maßgebliche und leitende Erziehungsvorstellung etablieren. 

Weitere Termine und Themen im Überblick:

Donnerstag, 14. Juni
„Antiautoritäres Aufbegehren und Erziehung nach Auschwitz“
Prof. Dr. Micha Brumlik (Goethe-Universität) 

Donnerstag, 5. Juli
„Das Frankfurter Projekt KiTa 3000. Antiautoritäre Erziehung in städtischen Kindertagesstätten“
Prof. Dr. Pia Schmid (Martin Luther-Universität Halle/Wittenberg) 

Donnerstag, 12. Juli
„Die ersten Kinderläden. Zur Bedeutung der frühen Kindheit in der antiautoritären Bewegung“
Prof. Dr. Heide Kallert (Goethe-Universität) 

Alle Vorträge beginnen um 18 Uhr im Hörsaal 12 im Hörsaalzentrum am Campus Westend.

Einen Beitrag über die Anfänge des Fachbereichs Erziehungswissenschaften, der Ende der 1960er Jahre an der Goethe-Universität etabliert wurde, lesen Sie in der diese Woche erschienenen neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“. Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: http://tinygu.de/ForschungFrankfurt-1-2018

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

Information und Anmeldung: Teresa Mari, Fachbereich Erziehungswissenschaften Dekanat, PEG-Gebäude, Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, 60323 Frankfurt am Main, Telefon +49 (0)69  798 36211, Fax +49 (0)69 798 36304, E-Mail t.mari@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 28 2018
15:42

Wissenschaftler entwickeln Simulationscode für neue Generation von Supercomputern

Schwarze Löcher aus dem Exacomputer

FRANKFURT. Schwarze Löcher bergen auch nach der direkten Messung der Gravitationswellen noch viele Geheimnisse. Was passiert, wenn zwei Schwarze Löcher miteinander verschmelzen oder Sterne mit einem Schwarzen Loch zusammenstoßen? Das haben Forscher der Goethe-Universität und des Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) nun mit einer neuartigen numerischen Methode simuliert. Der Simulationscode, "ExaHyPE", ist so ausgelegt, dass er Gravitationswellen auf der zukünftigen Generation von "Exascale"-Supercomputern sehr genau und schnell berechnen kann.

Die Herausforderung bei der Simulation Schwarzer Löcher besteht darin, dass man ein komplexes Gleichungssystem, die Einstein-Gleichungen, lösen muss. Das ist nur numerisch möglich und geschieht mithilfe von leistungsfähigen Parallelrechnern. Wie gut und wie schnell man sich der Lösung nähert, hängt von dem verwendeten Algorithmus ab. Hier hat das Team von Prof. Luciano Rezzolla am Institut für Theoretische Physik der Goethe Universität und am FIAS nun einen Meilenstein erreicht. Langfristig könnten durch diese theoretische Arbeit auch die experimentellen Möglichkeiten erweitert werden, Gravitationswellen von anderen astronomischen Objekten als Schwarzen Löchern zu erkennen.

Die neuartige numerische Methode, die auf den Ideen des russischen Physikers Galerkin beruht, erlaubt die Berechnung von Gravitationswellen auf Supercomputern mit sehr hoher Genauigkeit und Geschwindigkeit. "Das zu erreichen war nicht einfach und ist seit Jahren das Ziel vieler Gruppen weltweit. Obwohl das Erreichte nur ein kleiner Schritt zur Modellierung realistischer Schwarzer Löcher ist, erwarten wir, dass unser Ansatz zum Paradigma aller zukünftigen Berechnungen wird", sagt Prof. Luciano Rezzolla.

Exascale-Maschinen – so schnell wie das Gehirn?

Rezzollas Team ist Teil einer europaweiten Kollaboration, die das Ziel hat, einen numerischen Simulationscode, "ExaHyPE", für Gravitationswellen zu entwickeln, der die Leistungsfähigkeit von zukünftigen "Exascale"-Supercomputern nutzen kann. Diese existieren zwar bisher noch nicht, aber weltweit erforschen bereits viele Wissenschaftler den Einsatz der Exascale-Maschinen. Diese Supercomputer stellen eine Weiterentwicklung der heutigen "Petascale"-Supercomputer dar und sollen in der Lage sein, so viele Rechenoperationen pro Sekunde durchzuführen, wie es Insekten auf der Erde gibt. Dies ist eine Zahl mit 18 Nullen. Es wird angenommen, dass solche Supercomputer mit der Kapazität des menschlichen Gehirns vergleichbar sind.

Während sie darauf warten, dass die ersten "Exascale"-Rechner gebaut werden, testen die ExaHyPE-Wissenschaftler ihre Software bereits in den größten Supercomputing-Zentren Deutschlands. Die größten sind das Leibniz-Rechenzentrum LRZ in München und das Hochleistungsrechenzentrum HLRS in Stuttgart. Diese Computer sind bereits aus mehr als 100.000 Prozessoren aufgebaut und werden in Kürze deutlich größer werden.

Tsunamis und Erdbeben simulieren

Die neuen mathematischen Algorithmen erlauben nicht nur, astrophysikalische Kompaktobjekte wie Schwarze Löcher und Neutronensterne zu untersuchen, sondern auch Tsunamis und Erdbeben. Das liegt an Gemeinsamkeiten in den zugrundeliegenden Gleichungen. Weitere Anwendungen für den Exahype-Algorithmus zu untersuchen, die Feststoffe, Flüssigkeiten und Gase innerhalb der Theorien des Elektromagnetismus und der Gravitation mathematisch beschreiben können, ist das Ziel eines von der Europäischen Kommission im Rahmen des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 geförderten Forschungsprojekts. Die Frankfurter Wissenschaftler arbeiten darin eng mit Kollegen aus München, Trient (Italien) und Durham (Großbritannien) zusammen.

"Der spannendste Aspekt des ExaHyPE-Projekts ist die einzigartige Kombination von theoretischer Physik, angewandter Mathematik und Informatik. Nur durch die Kombination all dieser verschiedenen Disziplinen können wir das Potenzial von Supercomputern nutzen, um die Komplexität des Universums zu verstehen", so Prof. Michael Dumbser, Leiter des Teams für Angewandte Mathematik in Trient.

Publikation: Michael Dumbser, Federico Guercilena, Sven Köppel, Luciano Rezzolla, und Olindo Zanotti: Conformal and covariant Z4 formulation of the Einstein equations: Strongly hyperbolic first-order reduction and solution with discontinuous Galerkin schemes. Phys. Rev. D 97, 084053 – Published 30 April 2018 https://journals.aps.org/prd/abstract/10.1103/PhysRevD.97.084053

Informationen: Prof. Dr. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik, Fachbereich Physik und Frankfurt Institute for Advanced Studies, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47871, rezzolla@fias.uni-frankfurt.de. ExaHyPE Projekt: http://exahype.eu/

 

Mai 28 2018
12:15

Die Universität Frankfurt im Fokus von 1968: Am Main prallten die Studenten mit ihren theoretischen Vordenkern zusammen

Als Goethe mit Marx vertrieben wurde

FRANKFURT. Die tödlichen Schüsse auf Benno Ohnesorg im Juni 1967 brachten nicht nur in Berlin die Studenten auf die Straße, sondern in ganz Westdeutschland. Als zweites Zentrum der deutschen 68er-Bewegung gilt bis heute Frankfurt am Main. In der heute erscheinenden Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“, deren Thema „Die 68er“ sind, geht Autor und Historiker Rudolf Walther in einem Überblicksbeitrag der Frage nach: Wodurch zeichneten sich die Geschehnisse an der Goethe-Universität besonders aus?

Schon Ende der 1950er Jahr hatte es auf Frankfurts Straßen zu rumoren begonnen, wie Rudolf Walther deutlich macht: Atomares Wettrüsten und Wiederbewaffnung der Bundesrepublik standen im Fokus der Proteste. Die ersten Demos gegen den Vietnamkrieg gab es in Frankfurt im Mai 1966. Im Frühsommer 1967 formierte sich der breite, auch von Gewerkschaften getragene Widerstand gegen die Notstandsgesetze. Der Wendepunkt, der den Protest zur Massenbewegung machte, war jedoch der Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Die Aktionen am Tag von Ohnesorgs Beerdigung wurden an der Goethe-Uni zunächst unterstützt: Rektor Walter Rüegg ordnete an, den Unibetrieb ruhen zu lassen zum Gedenken an den getöteten Kommilitonen. Dies sollte sich später ändern.

Die Kritische Theorie zählt zu den intellektuellen und politischen Quellen der Bewegung weit über Frankfurt hinaus. An der Johann Wolfgang Goethe-Universität jedoch setzten sich die protestierenden Studenten besonders intensiv mit den Vordenkern der Frankfurter Schule auseinander. Die Entfremdung von Theorie und Praxis war kaum aufzuhalten – und mündete in eine Anzeige Theodor W. Adornos gegen Hans Jürgen Krahl und in einen Strafprozess, in dem Adorno als Zeuge gegen seinen einstigen Doktoranden aussagte. Schon beim Kongress „Student und Demokratie“, den der SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) 1967 organisiert hatte, prallten die Auffassungen unversöhnlich aufeinander. Jürgen Habermas setzte sich zwar einerseits massiv dafür ein, dass der Mord an Ohnesorg von unabhängigen Ermittlern aufgeklärt würde, und warnte vor der Gefahr einer „stillschweigenden Umwandlung unseres demokratischen Rechtsstaats in einen Polizeistaat“. Andererseits bezeichnete Habermas Rudi Dutschkes Ideologie als „linken Faschismus“, was er zwar später relativierte, die Kritik am leerlaufenden Aktionismus jedoch aufrechterhielt.

Der „Aktionismus“ kümmerte sich darum wenig und kam mit Go-ins, Sit-ins,Teach-ins zur vollen Entfaltung. Ziel war es, Diskussionen über den Studienbetrieb, die Studieninhalte und die Demokratisierung der universitären Strukturen und Gremien zu erzwingen. Reformbereitschaft war gerade bei den jüngeren Professoren und im Mittelbau durchaus vorhanden, sie ging den Studierenden jedoch nicht weit genug.

Nicht jeder reagierte so gelassen wie der Politikwissenschaftler und SPD-Politiker Carlo Schmid, dessen Vorlesung die Studierenden am 16. November 1967 sprengten. Damit hatten sie Rektor Rüegg gegen sich aufgebracht, der in den Aktionen eine „Einübung faschistischer Terrormethoden“ und „Hausfriedensbruch“ sah. Es folgte ein Schlagabtausch, in dessen Zusammenhang die bis heute bestehende Universitätszeitung „UniReport“ gegründet wurde.

Die weitere Auseinandersetzung wurde in Frankfurt beiderseits mit harten Bandagen geführt, die komplexen Abläufe hat Autor Rudolf Walther genau recherchiert. Er schlägt einen Bogen von der Blockade des amerikanischen Generalkonsulats im November 1967 über die Belagerung der Societätsdruckerei, die Brandanschläge der späteren RAF-Terroristen auf Frankfurter Kaufhäuser bis zum Höhepunkt der Aufstände im Mai 1968: Aus Anlass der zweiten und dritten Lesung der Notstandsgesetze wurde die Universität tagelang bestreikt, mehr als 10.000 Menschen demonstrierten auf dem Römerberg, Studenten besetzten das Rektorat und benannten die Universität kurz in „Karl-Marx-Universität“ um. Der „heiße Sommer“ war von kurzer Dauer und endete bereits am 5. Juni mit der polizeilichen Räumung der Universität. Der Autor beschreibt die Auseinandersetzung mit den Protagonisten der Frankfurter Schule, die in der Besetzung des Instituts für Sozialforschung gipfelte – und in der Anzeige Adornos.

Weitere Beiträge in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ widmen sich unterschiedlichen Aspekten und Auswirkungen der 68er-Bewegung. So geht es um die Revolte in der Kunst, den Kampf der Frauen um Emanzipation, die Etablierung der Erziehungswissenschaften an der Universität oder darum, was aus den Demokratisierungsbestrebungen von damals wurde.

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: http://tinygu.de/ForschungFrankfurt-1-2018

Forschung Frankfurt abonnieren: http://tinygu.de/ff-abonnieren

 

Mai 28 2018
12:01

„Storibuk Pairundu“ – zwei Geschichtensammler zu Gast in Frankfurt

Erzählungen aus Papua-Neuguinea

FRANKFURT. Ethnologen bereisen die Welt, um Menschen in ihren alltäglichen Lebenswelten kennenzulernen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Diese Begegnungen halten sie oftmals in Geschichten fest. Was passiert, wenn dabei diese Rollen vertauscht werden, das zeigen der Ethnologe Holger Jebens und Alex Yapua Ari anhand ihres Buches „Storibuk Pairundu“, bei einer Lesung

am 5. Juni um 19 Uhr im Weltkulturen Museum (Schaumainkai 29 – 37, 60594 Frankfurt).

Auf Einladung des Frobenius-Instituts an der Goethe-Universität stellen sie ihre Sammlung von Erzählungen aus dem südlichen Bergland Papua-Neuguineas vor. Fast dreißig Jahre ist es her, dass sich die beiden kennenlernten. Der damals dreizehnjährige Alex sah, wie der Ethnologe Holger Jebens Geschichten aus Pairundu sammelte und aufschrieb, und dachte sich: „Das kann ich auch“.

Daraus entstand eine ungewöhnliche Reihe von Erzählungen, in denen sich das Wunderbare und das Alltägliche, das Außergewöhnliche und das Prosaische in bunter Folge abwechseln. Versuchte Alex, den angereisten Ethnologen nachzuahmen, so lassen sich seine Texte als Ausdruck einer Art „Selbst-Ethnographie“ interpretieren. Gleichzeitig zeigt sich in ihnen etwas, das für die seine Kultur spezifisch ist: eine grundlegend pragmatische Haltung, ein lakonischer Tonfall und ein manchmal etwas trockener, dabei aber bezwingender Sinn für Humor. Dabei hatte Alex schon früh die Idee, aus seinen Geschichten könne einmal ein Buch werden, das ihm den Weg in die weite Welt ebnet.

Seit April bereisen die beiden Freunde Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Ihren krönenden Abschluss findet ihre Reise am 5. Juni im Frankfurter Weltkulturen Museum. Hier stellen Alex Yapua Ari und Holger Jebens im Rahmen des Pazifik-Forums das Buch „Storibuk Pairundu – tales and legends from the Kewa (Southern Highlands, Papua New Guinea)“ vor und treten mit ihren Gästen ins Gespräch. Der Eintritt ist frei.

Information: Yanti Hölzchen, Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität, Telefon 069-798 33058, E-Mail hoelzchen@em.uni-frankfurt.de, www.frobenius-institut.de

 

Mai 25 2018
13:39

Internationales Symposium „Rethinking Privacy“ an der Goethe-Universität

Privatheit neu denken

FRANKFURT. Seit ungefähr zwei Jahrhunderten ist in den westlichen liberalen Gesellschaften Privatheit als Wert und als Recht verankert. Aber in den vergangenen Jahrzehnten ist Privatheit unter Druck geraten: In einem vorher unbekannten Maße investieren Staaten in Überwachung, Internetunternehmen verkaufen die persönlichen Daten ihrer Kunden und auch normale Nutzer geben im Netz selbst intime Details ihres Lebens preis. Viele Beobachter verteidigen demgegenüber Privatheit auf unkritische Weise oder stellen fest, dass das Zeitalter der Privatheit endgültig vorüber sei. Die Vortragenden des Symposiums Rethinking Privacy: Interdisciplinary Perspectives“ aus der Geschichts- und Literaturwissenschaft, aus der Politischen Theorie, der Soziologie, der Rechtswissenschaft und der Kulturwissenschaften werden vor dem Hintergrund struktureller Transformationen von Privatheit darüber diskutieren, wie man sich dem Phänomen im 21. Jahrhundert kritisch und reflektiert  nähern kann.

Das englischsprachige Symposium ist eine gemeinsame Veranstaltung des DFG-Forschungsprojekts „American Lite­rature and the Transformation of Privacy” an der Goethe-Universität und des DFG-Graduiertenkollegs „Privatheit und Digitalisierung” an der Universität Passau; es findet statt am 28. Mai 2018 im IG-Farben-Haus, Raum IG 1.414, auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt. Alle Interessierten sind willkommen.

Programm:
10.00 Uhr
Sarah Igo - Vanderbilt University: Histories of Privacy (And Why They Matter)
11.00 Uhr
Sandra Seubert - Goethe-Universität Frankfurt: Suspiciously Ordinary: Socio-Critical Reflections on the Concept of Privacy
12.00 Uhr
Martin Stempfhuber - Universität Würzburg: Embedded Privacies: Some Recent Development in the Sociology of Privacy 2.0
14.00 Uhr
David Rosen – Trinity College, Hartford CT &Aaron Santesso – Georgia Institute of Technology: Public in Private: Some Problems of Communication in Contemporary American Literature and Culture
15.00 Uhr
Lukas Edeler – Universität Passau: Privacy as a Lens on State Socialist Societies? Historiographic Perspectives
16.00 Uhr
Christian Aldenhoff – Universität Passau: Autonomy as the Foundation for a Right to Privacy.

Kontakt: Prof. Dr. Johannes Völz, Heisenberg-Professur für Amerikanistik mit Schwerpunkt "Demokratie und Ästhetik", Institut für England- und Amerikastudien, Goethe-Universität Frankfurt. Tel.: 069/798-32366; www.uni-frankfurt.de/42971181/Voelz

 

Mai 23 2018
15:40

Am 28. Mai steht Rudi Dutschke im Fokus der Frankfurter Bürger-Universität

„Ohne Provokation werden wir gar nicht wahrgenommen“

FRANKFURT. Im Fernsehinterview mit Günter Gaus im Dezember 1967 gab Rudi Dutschke, die Symbolfigur der Außerparlamentarischen Opposition (APO), zu Protokoll: „Ich halte das bestehende parlamentarische System für unbrauchbar.“ Was sollte an die Stelle der etablierten Ordnung treten? Was bedeutete das von Rudi Dutschke propagierte „Prinzip der begrenzten Regelverletzung“, der Provokation durch Aktion? Kurz vor dem Mauerbau in den Berliner Westen geflohen, wurde Dutschke binnen kurzem zum charismatischen Sprecher einer antiautoritären Neuen Linken, die transnational den Mobilisierungsprozess der 68er-Bewegung anfachte. Der Vortrag Rudi Dutschke – „Ohne Provokation werden wir gar nicht wahrgenommen“ von Prof. Ingrid Gilcher-Holtey

am Montag, 28. Mai 2018, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main

in der Reihe „Wir wir wurden, wer wir sind“ skizziert die weichenstellenden Stationen der Biographie Dutschkes und setzt sich mit seiner Aktions- und Transformationsstrategie auseinander. Prof. Ingrid Gilcher-Holtey lehrt Allgemeine Geschichte an der Universität Bielefeld.

„Wie wir wurden, wer wir sind“ wird seit 2008 von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester, die in diesem Jahr zehn Jahre alt wird, stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten der Kulturbewegung der 68er vor, die anlässlich des 50jährigen Jubiläums in diesem Jahr im Fokus steht.

Folgende Biografie erwartet Sie zum Abschluss der Reihe im Sommersemester:

11. Juni 2018
Dr. Ina Hartwig
Ingeborg Bachmann
Ich existiere nur, wenn ich schreibe

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die Bürger-Universität wird jedes Semester von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dieses beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe eine vielfältige Auswahl an öffentlichen Veranstaltungen der Goethe-Universität, ihrer Fachbereiche, (An)-Institute und Initiativen. Die Broschüre mit über 100 Veranstaltungen steht unter www.buerger.uni-frankfurt.de zur Verfügung.

Weitere Veranstaltungen der Goethe-Universität im Rahmen des Jubiläums „50 Jahre 68“ finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/68er-reihe

 

Mai 23 2018
13:57

Frankfurter Forscher entschlüsseln atomare Details eines Legionellen-Toxins und entwickeln ersten Inhibitor

Konventionelle Antibiotika-Therapie ergänzen

FRANKFURT. Antibiotika-Resistenzen bedrohen weltweit nicht nur die Gesundheit, sondern gefährden auch den ökonomischen Wohlstand. Eine neue Strategie, Bakterien zu bekämpfen, stellt die Arbeitsgruppe um Prof. Ivan Dikic von der Goethe-Universität in der aktuellen Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature vor. Die Forscher haben den molekularen Wirkmechanismus eines Legionellen-Toxins aufgeklärt und einen ersten Inhibitor entwickelt.

Die steigende Verbreitung von Resistenzen macht es zunehmend schwerer, gewöhnliche Erkrankungen wie Lungenentzündung oder Salmonellose wirksam zu behandeln. Ursachen für Resistenzen sind der sorglose Umgang mit Antibiotika und die seit mehr als 30 Jahren bestehende Innovationslücke bei der Entwicklung neuartiger Wirkstoffe. Das hat auch wirtschaftliche Konsequenzen: Die Weltbank hat kürzlich berechnet, dass durch Antibiotika-Resistenzen die Bruttoinlandsprodukte weltweit bis zum Jahr 2050 zwischen 1,1 und 3,8 Prozent abnehmen könnten.

Ein vielversprechender Ansatz, mikrobielle Infektionen unter Kontrolle zu bringen, besteht darin, die Schäden in den Zellen und Geweben lokal zu begrenzen. Dazu müssen die von den Bakterien ausgeschütteten Toxine gezielt ausgehebelt werden. Das Forscherteam von Prof. Ivan Dikic, Direktor des Instituts für Biochemie II an der Goethe-Universität Frankfurt, arbeitet seit zehn Jahren in diesem Feld. „Wir glauben, dass wir die konventionelle Antibiotika-Therapie ergänzen können, indem wir bakterielle Effektorproteine gezielt mit rational entwickelten Wirkstoffen ausschalten. So können wir den Patienten helfen, die Infektion zu bewältigen. Das Konzept ist noch relativ neu, erregt aber unter Wissenschaftlern immer mehr Aufmerksamkeit“, erklärt Dikic.

Wie die neue Strategie umgesetzt werden könnte, versucht das Team von Ivan Dikic am Beispiel von Legionellen herauszufinden. Diese Bakterien verursachen Lungenentzündungen und sind insbesondere für immungeschwächte Patienten gefährlich. Erst kürzlich war das Dikic-Team an der Entdeckung eines neuen enzymatischen Mechanismus beteiligt, durch den Legionellen die Kontrolle über ihre Wirtszellen übernehmen. „Wir haben gezeigt, dass die Legionellen mithilfe eines Enzyms, SdeA, einen der wichtigsten zellulären Mechanismen zum Schutz vor Stress aushebeln, nämlich das Ubiquitin-System. SdeA ist demnach ein toxischer Effektor, der die Verbreitung von Bakterien in der Zelle fördert“, erläutert Dr. Sagar Bhogaraju, der am universitären Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften im Labor von Dikic arbeitet.

Jetzt ist der Gruppe von Ivan Dikic ein weiterer Durchbruch gelungen: Sie konnte die atomare Struktur von SdeA aufklären und herausfinden, wie das bakterielle Enzym seine zellulären „Opfer“ vermutlich auswählt. SdeA erzielt seine Wirkung, indem es Ubiquitin an die Proteine der Wirtszelle anheftet. Das Enzym ist einzigartig in seinem Mechanismus, mit dem es eine zweistufige Reaktion katalysiert“, kommentiert Dr. Sissy Kalayil, eine der führenden Frankfurter Wissenschaftlerinnen in dem Projekt. “Unsere Ergebnisse sind extrem spannend, weil sie den Prozess im atomaren Detail aufklären und damit das rationale Design von Hemmstoffen ermöglichen.“

Einen ersten Inhibitor, der das Legionellen-Enzym zumindest im Reagenzglas blockieren kann, haben die Forscher bereits entwickelt. „Durch Aufklärung der grundlegenden Struktur konnten wir nun den Beweis erbringen, dass diese bakteriellen Enzyme gezielt angreifbar sind. Dennoch liegt noch ein langer Weg vor uns, bevor wir den neuartigen Mechanismus möglicherweise therapeutisch nutzen können“, sagt Dikic. „Aber wir bleiben dran, denn sehr wahrscheinlich sind Legionellen nicht die einzigen Bakterien, die diesen Mechanismus nutzen.“

Die Forschungsgruppe von Ivan Dikic ist am Institut für Biochemie II im Fachbereich Medizin und am Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften der Goethe-Universität angesiedelt. Die Gruppe untersucht die Rolle von Ubiquitin bei Erkrankungen wie Krebs, ALS und bei Infektionen.

Publikation 
Kalayil S*, Bhogaraju S*, Bonn F, Shin D, Liu Y, Gan N, Basquin J, Grumati P, Luo Z-Q, Dikic I. Insights into catalysis and function of phosphoribosyl-linked serine ubiquitination. Nature, Advanced Online Publication, DOI 10.1038/s41586-018-0145-8.
* Co-Erstautoren 

Parallel werden in derselben Ausgabe von Nature zwei Artikel von Yue Feng (China) und Yuxin Mao (USA) veröffentlicht, die weitere Details zum molekularen Mechanismus dieses ungewöhnlichen Enzyms beitragen (DOI 10.1038/s41586-018-0146-7 und 10.1038/s41586-018-0147-6

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/72116155

Bildtext zur Grafik: Im Detail aufgeklärt: Der enzymatisch aktive Teil des SdeA-Toxins in drei Dimensionen (grün). Auf der linken Seite sind die entscheidende katalytische Oberfläche orange, der Bindungsbereich für zelluläre Zielproteine in lila dargestellt. Rechts werden die an der Reaktion beteiligten Aminosäuren innerhalb des Enzyms hervorgehoben. Das molekulare Bild ermöglicht nun den Entwurf passgenauer Hemmstoffe. Quelle: Nature/Kalayil et al, Mai 2018

Informationen: Dr. Kerstin Koch, Institut für Biochemie II, Universitätsklinikum, Tel.: (069) 6301 84250, k.koch@em.uni-frankfurt.de

 

Mai 23 2018
13:54

Autorenlesung mit Michael Bijnens in der Reihe „Niederländische Sprache und Kultur“

Vom Überlebenskampf im Bordell „Cinderella“

FRANKFURT. Wie ist es, als Sohn einer Prostituierten aufzuwachsen? Welche Wendungen kann ein solches Leben bereithalten? In seinem Roman „Cinderella“ hat der flämische Autor und Theatermann Michael Bijnens viel Autobiographisches verarbeitet. Zur Lesung mit Bijnens lädt das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität in der Reihe „Niederländische Sprache und Kultur“ ein

am Dienstag, 29. Mai, um 19 Uhr im Casinogebäude, Raum 1.812, am Campus Westend.

„Cinderella“, von Heike Baryga 2017 ins Deutsche übersetzt, ist Bijnens Debütroman. Der 1990 in Antwerpen geborene Autor wuchs selbst als Sohn einer Prostituierten auf, absolvierte erfolgreich ein Studium an der Brüsseler Film- und Theaterakademie und entkam dem Milieu seiner Kindheit. Anders sein Protagonist, der ebenfalls Michael heißt: Er beteiligt sich an dem Bordell, in dem seine Mutter und ihre Bekannten arbeiten, kümmert sich um Bar und Buchhaltung und wird gewissermaßen zum Zuhälter seiner Mutter, die jedoch stets betont, sich frei für dieses Leben entschieden zu haben.  Zugleich ist Michael aber auch die  Verbindungsperson zur „echten Welt“. Michael Bijnens erzählt seine Geschichte auf mitreißende Art und Weise, durch seine biographischen Einsichten in das deprimierende Milieu von Hoffnung und Enttäuschung erhält der Roman eine erschütternde Authentizität, die nichts gemein hat mit dem Märchen von „Pretty Woman“. In der manchmal chaotisch wirkenden Struktur des Romans spielt sich der aussichtslose Struggle for life der Frauen wieder, die im Bordell „Cinderella“ arbeiten und oft nicht wissen, wovon sie am nächsten Tag leben werden – und ob überhaupt.

Michael Bijnens sagt, er sei seiner Mutter dankbar, dass sie ihn nicht von ihrer Welt abgeschottet habe. Auch für seine Theaterwerke lässt er sich von extremen Situationen anregen, die er auf seinen Reisen zum Beispiel durch die Favelas von Rio de Janeiro und durch Krisengebiete in Mexiko und im Nahen Osten hautnah erlebt hat, inspirieren. Nach der zweisprachigen Lesung besteht Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Autor.

Information und Anmeldung: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Norbert-Wollheim-Platz 1 (Campus Westend), Telefon +49 (0)69 798 32851, Mail artois@lingua.uni-frankfurt.de, http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch

Eine Porträt des Autors finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/72116166

 

Mai 23 2018
13:29

Bachelorabsolventen mit starkem Interesse an Forschung gesucht

„Goethe goes global“: Goethe-Universität erweitert Bewerberkreis für internationale Master-Stipendien

FRANKFURT. Das erfolgreiche Masterstipendium „Goethe Goes Global“ bekommt in diesem Jahr einen neuen Zuschnitt: Waren bisher Bewerbungen für 20 Programme möglich, so sind nun fast 80 am Start, d.h. alle konsekutiven Masterstudiengänge der Goethe-Universität. Zielgruppe sind weiterhin Studierende, die ihren ersten Abschluss mit sehr gutem Resultat im Ausland erworben und ein starkes Interesse an Forschung haben. „Die Goethe-Universität erweitert damit den Kreis der Fächer, aus denen forschungsaffine Masterkandidaten wählen können. Wir wollen so den eigenen Internationalisierungsprozess der Goethe-Universität weiter stärken“, freut sich Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident für „Third Mission“ der Goethe-Universität.

Die Bewerbungsfristen orientieren sich an denjenigen der Master-Studiengänge. In diesem Jahr ist das für viele zulassungsbeschränkte Studiengänge der 31. Mai und für zulassungsfreie Studiengänge meist der 31. August. Auch Deutsche mit Abschluss aus dem Ausland können sich bewerben. Gute Deutschkenntnisse sind nicht immer erforderlich, da manche Studiengänge rein englischsprachig angeboten werden. Die Dotierung der Stipendien liegt über der des DAAD: Monatlich sind es 1.000 Euro für die Regelstudienzeit von zwei Jahren.

Die Besonderheit von „Goethe Goes Global“ erläutert Prof. Rolf van Dick, Vizepräsident für Internationalisierung, Nachwuchs, Diversität und Gleichstellung: „Es besteht in einigen Studiengängen die Möglichkeit, die Stipendiaten frühzeitig in Forschungsverbünde der Universität, wie Sonderforschungsbereiche und LOEWE-Zentren, einzubinden. Dabei sind fächerübergreifend Natur- und Lebenswissenschaften sowie Human- und Sozialwissenschaften vertreten. So geht die Internationalisierung von Forschung, Studium und Lehre an der Goethe-Universität Hand in Hand.“

Finanziert wird das 2016 aufgelegte Programm aus dem Johanna-Quandt-Jubiläumsfonds der Goethe-Universität. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Goethe-Universität hatte die verstorbene Ehrensenatorin den Fonds 2014 gestiftet.

Das Programm wird zunächst bis mindestens 2019 laufen. Die Fortsetzung wird angestrebt und hängt unter anderem davon ab, wie viele der Masterstipendiaten anschließend promovieren, möglichst an der Goethe-Universität.

Die inzwischen 24 Stipendiaten, die aus vier Kontinenten den Weg nach Frankfurt gefunden haben, sind bereits hervorragende Botschafter des Programms geworden. Sie werben in ihren Heimatländern direkt bei ihren Kommilitonen für die Stipendien, und ihre Erfahrungen sind in einem kurzen Video zu sehen: https://video-182.uni-frankfurt.de/Mediasite/Play/8963c25f72354fb8ac003bf8b79032ee1d

Dabei heben sie die Vorzüge der universitären Ausbildung, der integrierten Praktika und der Stadt gleichermaßen hervor und berichten auch über die regelmäßigen Stammtische, die das International Office für sie veranstaltet.

Bewerbung unter: www.uni-frankfurt.de/masterstip.

Weitere Informationen: Dr. Mathias Diederich, Hanna Reuther, International Office, Goethe-Universität Frankfurt, Tel.: (069) 798-15090, m.diederich@em.uni-frankfurt.de.

 

Mai 22 2018
13:44

Mit dem Preis zeichnen Stifterverband und VolkswagenStiftung eine Universität und eine Fachhochschule aus, die innovative Lehre in vorbildlicher Weise fördern

Goethe-Universität Frankfurt für Genius Loci-Preis 2018 nominiert

FRANKFURT. Gute Hochschullehre lebt vom Engagement qualifizierter Lehrender und von motivierten Studierenden. Doch auch die Hochschulen stehen in der Verantwortung: Sie sind aufgerufen, Freiräume und Anreize für Lehrinnovation zu schaffen, ihr Selbstverständnis als Lehrinstitution zu reflektieren und übergreifende hochschuldidaktische Leitlinien zu formulieren. Universitäten und Fachhochschulen, die sich hier besonders auszeichnen, werden vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und der Volkswagenstiftung mit dem Genius loci-Preis für Lehrexzellenz gewürdigt.

Dass es die Goethe-Universität mit ihrer Lehrstrategie in die diesjährige Endauswahl des Preises geschafft hat, ist Anlass zu Freude, Bestätigung und Motivation. Die Nominierung wirkt als Ansporn, die Umsetzung des universitären Leitbilds forschenden Lernens weiter voranzutreiben und die Hochschullehre kontinuierlich zu professionalisieren. Die Vielfalt ihrer Fach- und Lehrkulturen versteht die Goethe-Universität dabei als Stimulus. Ihrem Selbstverständnis als systemakkreditierte Stiftungsuniversität entsprechend, setzt sie für die strategische Weiterentwicklung von Studium und Lehre auf fachübergreifenden Austausch, dialogische Prozesse und handlungsfähige Gremien.

Der Genius loci-Preis für Lehrexzellenz wurde im vergangenen Jahr vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und der VolkswagenStiftung ins Leben gerufen und ist mit €20.000 dotiert. Zur Bewerbung aufgefordert waren alle deutschen Universitäten und Hochschulen. In die Endauswahl schafften es sieben Hochschulen; sie konnten die Jury mit einem klaren Lehrprofil und einer innovationsfördernden Lehrkultur überzeugen. Neben der Goethe-Universität gelang der der TU Hamburg-Harburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Leuphana-Universität Lüneburg sowie drei Fachhochschulen der Sprung auf die Shortlist. Über die Vergabe des Preises wird im Oktober entschieden.

Zur Pressemitteilung des Stifterverbandes: www.stifterverband.org/pressemitteilungen/2018_05_14_genius_loci-preis

Weitere Informationen: Dr. Nadja Sennewald (Tel.: (069) 798-12482, sennewald@em.uni-frankfurt.de) und Lisa-Maria Speck (Tel.: (069) 798-12476, speck@pvw.uni-frankfurt.de), Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Goethe-Universität Frankfurt.

 

Mai 22 2018
13:41

Ab dem 25. Mai fragt die Frankfurter Bürger-Uni an insgesamt vier Abenden, was aus dem Aufbruch der bewegten Zeit geworden ist

50 Jahre in Bewegung: Reihe zu „1968 und die Folgen“

FRANKFURT. 1968 gilt bis heute als ein symbolisch aufgeladener Wendepunkt in der jüngeren gesellschaftlichen und politischen Geschichte. Üblicherweise steht das Jahr für den Aufbruch eines neuen demokratischen Denkens, die sexuelle Befreiung sowie die Emanzipation der Frau, die Abrechnung der Jüngeren mit der Schuld der älteren (Kriegs-)generation, die juristische Aufarbeitung des Holocaust und die Liebe zur Theorie. Die Bürger-Universität widmet sich 50 Jahre nach „1968“ an insgesamt vier Abenden verschiedenen Facetten dieser Entwicklungen und versucht dabei auch, die Ambivalenz dieses Erbes zu beleuchten.

Den Auftakt bildet die Podiumsdiskussion zum Thema: 

„Demokratie für alle: Ist der 68er-Aufbruch in Gefahr?“ am 25. Mai 2018 um 19.30 Uhr auf dem Campus Westend der Goethe-Universität, PA-Gebäude, Foyer, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main

Willy Brandt prägte 1969 in seiner Regierungserklärung die Formel: „Mehr Demokratie wagen“. Der Auftaktabend beleuchtet zunächst die Hintergründe dieses Demokratiedefizits (gefühlt und real) und diskutiert, inwieweit es durch 68 und die darauffolgenden gesellschaftlich-politischen Reformen gelungen ist, solch ein Defizit wirklich abzubauen. Immerhin sprach Jürgen Habermas in den 80er Jahren von einer „Fundamentalliberalisierung“. Doch mittlerweile konstatieren Beobachter einen „Backlash“. Das Erstarken rechtspopulistischer Parteien und autoritärer Regime, die ihrer Verfassung nach pluralistische Demokratien sind, werden als Zeichen einer Gegenbewegung gesehen. Neigt sich die Zeit eines emanzipatorischen Optimismus ihrem Ende zu?

Über diese und weitere Fragen diskutieren: Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Prof. Rainer Forst, Politischer Philosoph, Sprecher des Exzellenzclusters Normative Ordnungen; Jutta Ditfurth, Autorin, Soziologin, Frankfurter Stadtverordnete; Albrecht von Lucke, Rechts- und Politikwissenschaftler, Publizist, Redakteur der Blätter für deutsche und internationale Politik. Die Moderation übernimmt Prof. Nicole Deitelhoff, Politikwissenschaftlerin, Mitglied des Exzellenzclusters und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK).

Die vierteilige Reihe ist eine Kooperation der Goethe-Universität und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die weiteren Termine und Themen im Überblick:

8. Juni 2018
Entfesseltes Ich: 1968 und das Experiment mit neuen Lebensformen
Podium: Matthias Horx (Trend- und Zukunftsforscher), Prof. Till van Rahden (Historiker, Canada Research Chair in German and European Studies, Université de Montréal), Prof. i.R. Sibylla Flügge (Juristin und Frauenrechtlerin, Frankfurt University of Applied Sciences), Gisela Getty (Fotografin, Regisseurin, Schriftstellerin, ehemaliges Mitglied der Kommune 1)
Moderation: Thomas Thiel, Frankfurter Allgemeine Zeitung

22. November 2018
Erinnern, Bekennen, Schuld, Aufarbeitung: 1968 und der Holocaust
Podium: Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber (Psychoanalytikerin, ehemalige Leiterin des Sigmund-Freud-Instituts), Prof. em. Michael Stolleis (Rechtshistoriker, Goethe-Universität), Dr. Tobias Freimüller (Historiker, Stellv. Direktor des Fritz Bauer Instituts)
Moderation: Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung

6. Dezember 2018
Hauptsache eine Theorie? 1968 und die Exklusivität des Diskurses
Podium u.a.: Jürgen Kaube (Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung), Prof. Klaus Günther (Jurist und Rechtsphilosoph, Sprecher des Exzellenzclusters Normative Ordnungen), Prof. Philipp Felsch (Kulturwissenschaftler, HU Berlin, Autor von „Der lange Sommer der Theorie“), Dr. Rolf Wiggershaus (Philosoph und Publizist, Autor von „Die Frankfurter Schule. Geschichte, Theoretische Entwicklung, Politische Bedeutung“)
Moderation: Dr. Olaf Kaltenborn, Goethe-Universität 

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Ort der Veranstaltungen am 25. Mai und am 8. Juni ist die Goethe-Universität (Campus Westend, PA-Gebäude). Die Podiumsdiskussionen am 22. November und 6. Dezember finden in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei statt (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main).

Weitere Informationen: www.buerger.uni-frankfurt.de | www.uni-frankfurt.de/kalender

 

Mai 17 2018
18:42

Einwanderung hat Tradition und wird durch den globalen Wandel und den Waren-/Reiseverkehr beschleunigt

Tigermücken sind noch auf dem Vormarsch

FRANKFURT. Durch globalen Waren- und Reiseverkehr haben sich Stechmücken, die gefährliche Infektionskrankheiten übertragen können, nahezu weltweit verbreitet. Der Klimawandel begünstigt zusätzlich die Verbreitung Wärme liebender Arten. Wissenschaftler der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung haben nun die ökologischen Nischen der Tiger- und der Gelbfiebermücke auf verschiedenen Kontinenten verglichen. Das Ergebnis: „Aufgrund ihrer längeren Einwanderungsgeschichte von 300 bis 400 Jahren füllt die Gelbfiebermücke ihre Nische in nicht-heimischen Gebieten fast vollständig aus, während die Tigermücke mit einer noch kurzen Einwanderungsgeschichte von 30 bis 40 Jahren noch nicht überall dort angekommen ist, wo sie geeignete Umweltbedingungen hätte“ sagt Prof. Dr. Sven Klimpel.

„In den nächsten ein bis fünf Dekaden werden durch Vektoren übertragene Infektionskrankheiten zunehmen“, davon geht das Team um Prof. Dr. Sven Klimpel an der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung aus. Vektoren übertragen Infektionskrankheiten auslösende Erreger von einem Wirt auf einen anderen Organismus ohne dabei selbst zu erkranken. Viele bekannte Vektorarten sind in tropischen und subtropischen Gebieten heimisch. Wenn sie im neuen Verbreitungsgebiet Erreger vorfinden, weitet sich das Risikogebiet für die Krankheiten, die sie übertragen, aus.

Zwei prominente Beispiele für Vektoren sind die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti). Die Gelbfiebermücke gilt als Hauptvektor von Gelbfieber-Virus, Dengue-Virus, Zika-Virus und einige andere Viruserkrankungen. Die Tigermücke kann ebenfalls das Zika-Virus und das Dengue-Virus übertragen, aber auch weitere Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus oder das Chikungunya-Virus. Diese beiden medizinisch relevanten Vektoren stehen im Fokus der aktuellen Studie in „Scientific Reports“.

Die ursprünglich in Afrika heimische Gelbfiebermücke begann sich schon vor etwa 300 bis 400 Jahren weltweit auszubreiten – vermutlich durch die Ausweitung von Zuckerrohrplantagen und den Sklavenhandel. Die Tigermücke, die heute zu den 100 schlimmsten invasiven Arten gezählt wird, kommt ursprünglich aus Süd- und Südostasien. In den letzten Jahrzehnten ist sie vor allem durch Warentransporte und Reisetätigkeiten verschleppt worden. Dabei spielten der Handel mit Autoreifen und der sogenannte Glücksbambus (Dracaena spp.) eine wichtige Rolle. Auf dem Seeweg wurden dabei u.a. Eier, Larven und Puppen der Tigermücke in teilweise mit Wasser gefüllten gebrauchten Autoreifen oder den Wasserbehältern des Glücksbambus über weite Strecken transportiert.

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler die ökologischen Nischen beider Arten untersucht, also die Gesamtheit der Umweltbedingungen, unter denen eine Art vorkommen kann. Denn in den neuen Verbreitungsgebieten können Stechmücken anderen Umweltbedingungen ausgesetzt sein als im ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Invasiven Stechmückenarten wird oft nachgesagt, dass sie sich besonders gut und schnell an neue Klimabedingungen anpassen können. Dafür fanden die Wissenschaftler jedoch keine Hinweise. Beide Arten besitzen eine breite Nische. Sie können im ursprünglichen Verbreitungsgebiet unter einer Vielzahl verschiedener Umweltbedingungen vorkommen. Da in den neuen Verbreitungsgebieten ähnliche klimatische Verhältnisse herrschen, lässt sich die weltweite Ausbreitung deshalb nicht durch Anpassung erklären, wobei lokale Anpassungen und genetische Merkmalsveränderungen nicht ausgeschlossen sind.

Einen Unterschied zwischen beiden Arten haben die Wissenschaftler dennoch feststellen können, nämlich, dass Zeit eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung oder Invasion von Arten spielt. Mit ihrer längeren Einwanderungsgeschichte füllt die Gelbfiebermücke ihre Nische in den neuen, nicht-heimischen Verbreitungsgebieten bereits annähernd aus, das heißt, sie kommt unter vielen Umweltbedingungen vor, die auch in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet vorliegen.

Bei der Asiatischen Tigermücke sieht das hingegen anders aus. Sie kommt in den neuen Verbreitungsgebieten (noch) nicht überall dort vor, wo für sie geeignete Bedingungen herrschen. Daraus leiten die Forscher für die Zukunft ein weiteres Ausbreitungspotential für diese Art ab. “Mittlerweile ist die Asiatische Tigermücke in Südeuropa fast flächendeckend verbreitet und wird sich aufgrund der breiten Nische auch in Nordeuropa unaufhaltsam ausbreiten und etablieren. Und weitere exotische Mückenarten wie Aedes japoniucs (Asiatische Buschmücke), Aedes koreicus oder Aedes atropalpus werden folgen, respektive sind bereits in zentral Europa angekommen“, resümiert Klimpel.

Bilder zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/72048458

Bildtexte:
Abb. 1: Weltweite Verbreitung der beiden invasiven Stechmückenarten a) Tigermücke (Aedes albopictus) und b) Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und betrachtete Gebiete.
Abb. 2: Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) gefangen in Rovinj (Kroatien).
Abb. 3: Habitus eines Weibchens der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Copyright: Fotos von Dorian D. Dörge (Goethe-Universität)

Publikation: Sarah Cunze, Judith Kochmann, Lisa K. Koch, Sven Klimpel: Niche conservatism of Aedes albopictus and Aedes aegypti - two mosquito species with different invasion histories, in Scientific Reports, doi:10.1038/s41598-018-26092-2

Informationen: Prof. Dr. Sven Klimpel, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Fachbereich Biowissenschaften, Campus Riedberg Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-42237, Klimpel@bio.uni-frankfurt.de

 

Mai 17 2018
10:23

Internationale Tagung über die brasilianische Gegenkultur nach 1968 vom 23. bis 25. Mai im Museum Angewandte Kunst Frankfurt

Das andere 68 in Brasilien

FRANKFURT. Wenn im Mai 2018 der 50. Jahrestag des Studentenaufstandes begangen wird, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die europäische Metropole Paris. Die Tagung „Das andere 68: Anthropophage Revolutionen in der brasilianischen Gegenkultur nach 1968“ stellt dieser Sicht eine andere Perspektive entgegen und eine Revolution an der vermeintlichen Peripherie ins Zentrum: die Zäsur 1968 in Brasilien. Sie bildet den Ausgangspunkt einer Richtungsänderung der globalen Kulturproduktion und einer neuen Art des Umgangs mit der kulturellen Globalisierung.

Vom 23. bis 25. Mai 2018 diskutieren im Frankfurter Museum Angewandte Kunst namhafte internationale Spezialistinnen und Spezialisten über den Zusammenhang der ästhetischen und politischen Umbrüche in Brasilien nach 1968. Die Tagung ist Teil des wissenschaftlich-künstlerischen Projekts „Tropical Underground“, das im vergangenen Semester begonnen hat. Sie wird veranstaltet vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt.

1968 ist in Brasilien das Jahr, in dem die 1964 an die Macht gekommene Militärregierung ihr Unterdrückungsregime entscheidend verschärft, die Folter institutionalisiert und damit eine Studentenrevolte auslöst, deren Folgen und Verzweigungen die Politik des Landes bis heute mit bestimmen. 1968 ist in Brasilien zugleich das Jahr der „Tropicália“-Bewegung, einer künstlerischen Erneuerungsbewegung, die Musik, Theater und Dichtung erfasst.

Inspiriert von der gleichnamigen Installation des neo-konkretistischen Künstlers Hélio Oiticica, der mittlerweile zu den kanonischen Figuren der Gegenwartskunst gehört, verbindet die „Tropicália“-Bewegung Elemente der Populärkultur mit Avantgarde-Techniken. Ihre Protagonisten, wie die Musiker Caetano Veloso, Gilberto Gil, Tom Zé, Gal Gosta und Maria Betânia nutzen das Fernsehen, um ein Massenpublikum zu erreichen und werden zunächst in Brasilien und danach auch in Europa und den USA zu Stars.

Im Bereich des Kinos formiert sich 1968 das Cinema Marginal um Regisseure wie Rogerio Sganzerla, Carlos Reichenbach und Neville D‘Almeida als eine Gegenbewegung zum bereits etablierten Cinema Novo, der modernistischen neuen Welle Brasiliens. Das Cinema Marginal verbindet, ganz ähnlich wie die Tropicália-Bewegung und zum Teil in Auseinandersetzung mit dieser, Elemente der Populärkultur mit der Formensprache der Avantgarde.

In den Humanwissenschaften schließlich wird 1968 zum Ferment einer neuen Richtung in der Anthropologie und Ethnologie, als deren Protagonist der Ethnologe Eduardo Viveiros de Castro gelten kann, der mit seiner Theorie des Perspektivismus von Claude Lévi-Strauss zu seinem „legitimen Nachfolger“ ausgerufen wird. Von Viveiros de Castro führt über dessen langjährige Zusammenarbeit mit dem Filmregisseur Ivan Cardoso, dem Künstler Hélio Oiticica und dem Dichter Waly Salomão wiederum eine Linie zurück zu den künstlerischen Erneuerungsbewegungen der 1970er Jahre.

In ihren parallelen und teilweise miteinander verknüpften und verschlungenen Verläufen stoßen diese Bewegungen eine Dynamik an, die Suely Rolnik und Felix Guattari nach der Rückkehr Brasiliens zur Demokratie als „molecular revolution“ bezeichnen, als kleinteiligen, aber nicht minder folgenreichen Prozess der Infragestellung tradierter gesellschaftlicher Hierarchien. Ein verbindendes Element der kulturellen Bewegungen in Reaktion auf die Umbrüche von 1968 ist dabei ein Rückgriff auf die brasilianische Avantgarde der 1920er Jahre und vor allem auf den Dichter Oswald de Andrade und sein Konzept der Anthropophagie, das er in seinem „Anthropophagen Manifest“ von 1928 entwickelt.

Mit Beiträgen von Victoria Langland (Ann Arbor), Peter W. Schulze (Köln), Oliver Precht (Berlin), Moacir dos Anjos (Recife), Lena Bader (Paris), Max Jorge Hinderer Cruz (Rio de Janeiro), Christopher Dunn (New Orleans), Detlef Diederichsen (Berlin), Daniel Fairfax (Frankfurt), Robert Stam (New York).

Programmwww.tropical-underground.de/tagung-das-andere-68-anthropophage-revolutionen-in-der-brasilianischen-gegenkultur-nach-1968

Informationen: Prof. Vinzenz Hediger, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Tel. 069/798-32079, hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Mai 16 2018
13:21

Vortrag von Julia Maria Krings von der Universität Bonn im Museum Giersch der Goethe-Universität

Positionen deutscher Künstlerinnen der 1960er-Jahre

FRANKFURT. Die aktuelle Ausstellung „Freiraum der Kunst – Die Studiogalerie der Goethe-Universität Frankfurt 1964–1968“ (noch bis 8. Juli 2018) im Museum Giersch der Goethe-Universität bietet auch Gelegenheit, über Positionen deutscher Künstlerinnen der 1960er-Jahre zu reflektieren. Ausgehend von Werken der Ausstellung und abseits eines rein feministischen Ansatzes stellt Julia Maria Krings, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn, in ihrem Vortrag

am Dienstag, 22. Mai 2018, um 19 Uhr, im Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt,

Fragen nach politischen, sozialen und historischen Voraussetzungen für das Entstehen dieser Kunst. Welche Rolle spielten gesellschaftliche Umbrüche? Wie wirkten sich rezeptionsbedingte Bedeutungsverlagerungen im internationalen Kontext aus? Krings entwickelt entlang dieser und weiterer Fragen einen Überblick und stellt verschiedene Werke von Künstlerinnen vor.

Julia Maria Krings M. A., seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin (Kustodin) und Dozentin für moderne und zeitgenössische Kunst am Kunsthistorischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Studium der Kunstgeschichte, Romanischen Philologie (Spanisch), Christlichen Archäologie und Anglistik an den Universitäten in Mainz, Wien und Bonn – Studienschwerpunkte: Provenienzforschung bzw. Kunsthistoriographie (Schwerpunkt Nationalsozialismus) / Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Dissertationsprojekt zum Thema »Outside[r] Art? Zur Diskursfähigkeit von Kunst«. Selbstständige kuratorische Arbeit, Vorträge und Publikationen mit der 2006 gegründeten Agentur „Kunstagenten“ gemeinsam mit Petra Oepen, 2016 Gründung einer Werkstatt für studentische Kultur-Projekte (K186-Kulturgewerke Bonn) gemeinsam mit Michael Stockhausen.

Ohne Anmeldung. Eintritt 4,- € an der Abendkasse

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Vorträgen, Kinderprogramm und Sonderveranstaltungen unter http://www.museum-giersch.de/#/Presse. Förderer der Ausstellung: Stiftung Giersch, Familien-Schultz-Frentzel-Stiftung.

Informationen: Dipl. Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main

 

Mai 16 2018
13:17

Philosophen des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ organisieren interdisziplinäre Konferenz zu Chancen und Risiken neuer Technologien

Mehr Klimaschutz durch „negative Emissionen“?

FRANKFURT. Mittlerweile wächst die Skepsis, ob sich die globale Erderwärmung noch auf bis zu maximal zwei Grad begrenzen lässt. Auf dieses Ziel hatten sich die Staaten 2015 beim Klimagipfel in Paris geeinigt. Das Zwei-Grad-Ziel galt als Obergrenze, um zumindest den drastischsten Folgen des Klimawandels vorzubeugen. Da die dafür notwendige Reduzierung von CO2-Emissionen kaum mehr realistisch erscheint, werden jetzt zunehmend andere Wege diskutiert. Beim Konzept der „negativen Emissionen“ wird der Atmosphäre CO2 entzogen. Wie dieser Ansatz zu beurteilen ist, diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen auf der internationalen Konferenz

„The Morality and Policy of Negative Emissions for Climate Change Mitigation“ am Donnerstag, 17. Mai, und Freitag, 18. Mai 2018, im Hörsaal im Arthur-von-Weinberg-Haus (Robert-Mayer-Straße 2) der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Frankfurt am Main.

Organisiert wird die zweitägige Veranstaltung von der Professur für Internationale Politische Theorie am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität unter Leitung des Philosophieprofessors Darrel Moellendorf. Kooperationspartner sind das Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum sowie das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, jeweils Frankfurt am Main. Die Konferenz findet in englischer Sprache statt. Auch die interessierte Öffentlichkeit ist nach vorheriger Anmeldung herzlich willkommen.

Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass sich die Pariser Klimaziele nur noch mit Techniken zur aktiven Entfernung von Treibhausgasen aus der Atmosphäre erreichen lassen. Diese Ansätze gelten allerdings als noch nicht ausgereift, darüber hinaus sind die Kostenfrage und die Auswirkungen auf die Ökosysteme ungeklärt. Doch was wären die Alternativen? Eine sehr starke Senkung des CO2-Ausstoßes könnte zu einer globalen Rezession führen und Projekte der Armutsbekämpfung gefährden. Andere Technologien, etwa die Solarenergie, scheinen noch nicht leistungsfähig genug zu sein. Also bliebe nur noch der Versuch, mit einer Erwärmung über zwei Grad hinaus zurechtzukommen, beispielsweise durch gezielte Anpassungsstrategien.

Auf der Konferenz soll der Frage nachgegangen werden, ob die Klimapolitik ihr Hauptaugenmerk künftig auf Technologien für negative Emissionen legen soll, oder ob eine der Alternativen ein besserer Weg wäre: Nach welchen Kriterien könnten diese Abwägungen beurteilt werden, und welche moralischen Erwägungen spielen bei der Entscheidungsfindung eine Rolle?

Die Konferenz beginnt am Donnerstag, 17. Mai, um 11 Uhr mit einer Begrüßung durch den Paläontologen Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Professor an der Goethe-Universität, und Darrel Moellendorf, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Internationale Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Zu den Mitwirkenden von Seiten des Clusters gehört auch Daniel Callies, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur von Darrel Moellendorf. Fragen globaler Gerechtigkeit angesichts des fortschreitenden Klimawandels zählen zu den Schwerpunkten der Professur. Die Forschungen gehen von der Prämisse aus, dass die Eindämmung sowie die Anpassung an Auswirkungen des Klimawandels auf der einen und die Armutsbekämpfung auf der anderen Seite nicht als separate politische Ziele betrachtet werden können.

Programmwww.normativeorders.net/de/the-morality-and-policy-of-negative-emissions-for-climate-change-mitigation

Anmeldung: ellen.niess@normativeorders.net

Informationen: 
Ellen Nieß, Sekretariat Prof. Moellendorf, Tel.: 069/798-31521, ellen.niess@normativeorders.net
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de