​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – März 2012

Forschung

Mär 30 2012
12:15

Pumpe in der Membran wirkt wie ein Mini-Staubsauger

Gefangen im Tunnel: Wie Bakterien sich gegen Antibiotika wehren

FRANKFURT. Multiple Antibiotika-Resistenz ist in den vergangenen Jahren zu einem ernsten medizinischen Problem geworden. Immer mehr bakterielle Krankheitserreger haben Mechanismen entwickelt, sich gegen die gängigen Antibiotika zur Wehr setzen. Hoch effizient sind beispielsweise Pumpen in der Bakterienmembran, die den Wirkstoff aus der Zelle hinaus befördern, noch bevor er die Membran durchquert hat. Biochemiker des Frankfurter Exzellenzclusters „Makromolekulare Komplexe“  am Institut für Biochemie haben nun den Bauplan dieser Pumpen entschlüsselt, so dass sie deren Funktion besser verstehen. Die in den Proceedings der National Acadamy of Sciences publizierte Arbeit ist nicht nur für die Grundlagenforschung interessant, sondern könnte auch Ansatzpunkte aufzeigen, die Abwehr-Tricks der Bakterien mit neuen Wirkstoffen gezielt zu umgehen.

„Die Pumpen sind wie Mini-Staubsauger oder eher Antibiotika-Sauger“, erklärt Doktorand Hi-jea Cha aus der Arbeitsgruppe von Prof. Klaas Martinus Pos. „Sie sichern das Überleben des Bakteriums, indem sie das Zellinnere von gefährlichen Substanzen frei halten“. Wie diese Pumpen funktionieren, untersuchen die Forscher bereits seit einigen Jahren. Zunächst analysierten sie die Mechanik der Nanomaschine ohne Bindung an ein Antibiotikum. Mithilfe hoch auflösender Röntgenstrukturanalyse haben sie jetzt herausgefunden, wie die Pumpe die Antibiotika einfängt und aus der Zelle befördert. Das geschieht bei Bakterien mit einer doppelten Zellmembran (Gram-negativ) in der Schicht zwischen äußerer und innerer Membran.

Die Pumpe verändert ihre Gestalt in einem zyklischen Prozess. Im ersten Schritt, der jetzt im Detail sichtbar gemacht wurde, wird das Antibiotikum auf dem Weg zum Zellinneren abgefangen und an einer taschenförmigen Bindungsstelle festgehalten. „Dafür postulieren wir  einen Mechanismus ähnlich einer peristaltischen Pumpe: Die Antibiotika-Moleküle werden durch einen Tunnel nach außen gequetscht wie Nahrung durch die Speiseröhre zum Magen, so dass sie nicht zurückrutschen können“, so Pos. Die zweite, viel kräftigere Bindung in einer tiefen Bindungstasche verankert dann das Antibiotikum in der Pumpe. Dies bewirkt eine weitere Gestaltveränderung, welche einen weiteren Tunnel zur Außenseite öffnet und das Antibiotikum endgültig aus der Zelle entlässt.

Zwischen der ersten und zweiten Bindungstasche haben die Forscher zudem eine kleine Schleife beobachtet, die eine Schaltstelle bildet. Die Position dieser Schleife verändert sich, je nach dem ob das Antibiotikum in der ersten oder in der zweiten Tasche gebunden ist. Die genaue Funktion dieser Schleife wird zurzeit eingehend untersucht.

Publikation:
Thomas Eicher, Hi-jea Cha, Markus Seeger et al.: Transport of drugs by the multidrug transporter AcrB involves an access and a deep binding pocket that are separated by a switch loop, in: PNAS early edition, www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1114944109.

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

Bildtext:
Die Antibiotikapumpe AcrB (im Hintergrund) besteht aus drei identischen Bestandteilen, die jeweils ein Stadium der peristaltischen Pumpbewegung repräsentieren (blau, gelb, rot). Durch die neue Kristallstruktur konnten die molekularen Details über die Zugänge (grün) eines Antibiotikums in die Pumpe aufgeklärt werden. Das Bild im Vordergrund zeigt, dass zwei verschiedene Bindetaschen (dargestellt als Sphären) an der Erkennung des Antibiotikums beteiligt sind. Die Taschen werden durch eine Schleife (zwischen den zwei Antibiotikamolekülen) zeitlich und räumlich koordiniert.

Informationen: Prof. Klaas Martinus Pos, Hi-jea Cha, Institut für Biochemie, Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe, Campus Riedberg, Tel.: (069)798-29251 bzw. - 29262; pos@em.uni-frankfurt.de, cha@em.uni-frankfurt.de.

 

Veranstaltungen

Mär 29 2012
15:59

7. Frankfurter Bürger-Universität startet im Sommersemester mit Vortragsreihe zu deutschen Biografien

Medientermin: Wie wir wurden, wer wir sind

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach dem anhaltenden Erfolg der Frankfurter Bürger-Universität präsentiert die Goethe-Universität auch im kommenden Sommersemester ein umfangreiches Programm für das interessierte Frankfurter Publikum: Vom 11. April bis zum 15. September stehen unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Dr. h.c. Petra Roth und Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl insgesamt 102 Veranstaltungen auf dem Programm, die aktuelle Forschung in allgemeinverständlicher Form präsentieren und Einblicke in verschiedene Bereiche der Universität ermöglichen. Wie bereits in den zurückliegenden Semestern ermöglicht eine eigens dafür gestaltete Broschüre die Orientierung durch die Vielfalt an Veranstaltungen. Zusammen mit der Hauptreihe der Bürgeruniversität –„Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“ (in Kooperation mit der Stadtbücherei Frankfurt am Main) möchten wir Ihnen das Gesamtprogramm  im Rahmen eines Mediengesprächs

am:     Donnerstag, den 5. April 2012, um 11 Uhr
Ort:    
Campus Bockenheim, Juridicum, Raum 1010 (Senatssaal), Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main

vorstellen. Als Gesprächspartner erwarten Sie die Initiatoren der Bürgeruniversität und mit dem Soziologen Tilman Allert der Vordenker der aktuellen Hauptreihe. Mit der Literaturwissenschaftlerin Susanne Komfort-Hein und dem bekannten Kinder- und Jugendbuchforscher Hans-Heino Ewers sind die Protagonisten von zwei weiteren Reihen zugegen. Ewers verantwortet einen bemerkenswerten Zyklus zum 200. Geburtstag der Gebrüder Grimm, Komfort-Hein ist zuständig für die legendäre Poetik-Gastdozentur.  Bei dieser Gelegenheit wird erstmals der Poetik-Gastdozent 2012 der Öffentlichkeit vorgestellt. Bitte teilen Sie uns mit, ob wir mit Ihrer Kommen rechnen dürfen.

Mit besten Grüßen

Dr. Olaf Kaltenborn
Leiter Abteilung Marketing und Kommunikation

Mehr Informationen zur Bürger-Uni

Veranstaltungen

Mär 28 2012
16:59

Ehrungen für drei Persönlichkeiten, die sich auf sehr verschiedene Weise um die Goethe-Universität verdient gemacht haben

Goethe-Universität vergibt hohe Auszeichnungen

FRANKFURT. Sie haben die Stiftungsuniversität entscheidend vorangebracht (Kassel-Stiftung), Deutschlands größte Seniorenuniversität an der Goethe-Universität etabliert (Universität des 3. Lebensalters) oder sich für die Entwicklung der Frankfurter Zahnmedizin (Stiftung Carolinum) stark gemacht: Am heutigen Mittwoch erhalten in Frankfurt mit Ekkehardt Sättele, Prof. Günther Böhme und Alexander Heck drei Mitglieder bzw. Freunde der Goethe-Universität aus der Hand von Universitätspräsident Müller-Esterl die Ehrensenatorenwürde bzw. die Ehrenmedaille der Goethe-Universität: „Mit Ihrem langjährigen ehrenamtlichen Engagement haben Sie sich um die Goethe-Universität sehr verdient gemacht“, sagte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl anlässlich einer Feierstunde.

Über die Leistungen und Verdienste Ekkehardt Sätteles, dessen Name untrennbar mit der Anbahnung und Gründung der mit 33 Mio. Euro dotierten „Kassel-Stiftung“ verbunden ist, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung 2010: „Der aus Konstanz stammende Wirtschaftsprüfer und Steuerberater ist Gertrud Kassels Berater und Freund geworden. Er war es, der ihr den Vorschlag machte, ihr ererbtes Aktienvermögen in eine Stiftung zugunsten der Universität einzubringen. Etwa 33 Millionen Euro hinterließ die "alte Dame" nach ihrem Tod 2007 als Kapital für die von Sättele konzipierte Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung. So viel Geld ist nach dem Krieg der Universität noch nie von einer Privatperson gestiftet worden.“

Sättele hat als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Kassel-Stiftung nicht nur zur Förderung vieler einzigartiger Projekte in der Universität beigetragen, sondern auch maßgeblich herausragende Forscherinnen und Forscher – auch im Bereich des wissenschaftlichen Nachwuchses – unterstützt. Bis 2004 war er Partner und Mitglied der Niederlassungsleitung Ernst & Young AG, Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft, Frankfurt am Main.

Prof. Günther Böhme ist seit 1982 Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender der „Universität des 3. Lebensalters (U3L)“ an der Goethe-Universität, die sich mit über 3.500 Teilnehmern pro Semester eines weiterhin steigenden Zuspruchs erfreut. Seit 1984 bis heute ist er Vorsitzender „U3L“. Das in Vereinsform universitätsnah organisierte Bildungsangebot stellt mit seinen etwa 70 Veranstaltungen pro Semester einen unverzichtbaren Nukleus der Frankfurter Bürgeruniversität dar. Der Name Böhmes ist an der Universität Frankfurt aufs Engste verknüpft mit dem Thema Bildungsforschung, Bildungsphilosophie und Bildungsgeschichte. Seit 1965 lehrte Böhme am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften, 1968 - 1972 war er dessen Geschäftsführender Direktor. 1972 wurde er auf eine Professur für Pädagogik mit den Schwerpunkten Bildungsphilosophie und Bildungsgeschichte berufen.

Die Stiftung Carolinum wird seit fast 40 Jahren, seit 1979  als Vorstandsvorsitzender, ehrenamtlich von  Alexander Heck betreut. Bereits in seiner Funktion als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung hatte sich Heck in besonderem Maße um das zahnmedizinische Universitätsinstitut verdient gemacht. Nicht nur führte er seinerzeit die Verhandlungen mit dem Land Hessen über den Neubau für die Zahnmedizin, sondern es ist auch ihm zu verdanken, dass im Jahre 1981 die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung, der Stadt Frankfurt am Main und dem Land Hessen vertraglich auf ein neues Fundament gestellt werden konnte.  Nicht zuletzt durch dieses Fundament ist es dem zahnmedizinischen Universitätsinstitut gelungen, ein beachtliches Wachstum bei Forschung und Lehre zu realisieren. So lag zu Beginn der Vorstandstätigkeit von Alexander Heck das Umsatzvolumen des zahnmedizinischen Instituts im Jahre 1974 bei 1,4 Millionen DM. Die Mitarbeiterzahl betrug im selben Jahr 136 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Wachstum des  Umsatzes auf 11 Millionen € und der Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 220 ist dem unermüdlichen Engagement Hecks und seiner umsichtigen und zugleich tatkräftigen Vorstandsführung zu verdanken.

Informationen: Caroline Mattingley-Scott, Stabsstelle Fundraising, Tel: (069) 798-22471, mattingley-scott@pvw.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mär 27 2012
11:23

Wissenschaftliche Fachtagung an der Goethe-Universität widmet sich den Herausforderungen an eine zeitgemäße Kindheitspädagogik.

Kindheit und Profession

FRANKFURT. Die Handlungsfelder der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern unter zehn Jahren haben sich in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Sie stehen zunehmend im Fokus integrations-, bildungs- und sozialpolitischer Aufmerksamkeit und sind Gegenstand vielfältiger Professionalisierungsbestrebungen. Die Kindheitspädagogik ist Ausdruck dieser Entwicklungen; zugleich hat sie die damit verknüpften Forderungen aufgegriffen und Konzepte, Initiativen und Programme zur Weiterentwicklung des Berufsfeldes entworfen, unterstützt oder evaluativ begleitet.

Allerdings sind die Konturen einer kindheitspädagogischen, konzeptionell begründeten Professionsforschung bislang nicht hinreichend abgesteckt. Auch bleibt die empirische Datenbasis zu professionellem Handeln in den Handlungsfeldern der Bildung, Betreuung und Erziehung in der Kindheit dünn, obgleich hier zunehmend

Forschungsanstrengungen zu verzeichnen sind. Kindheitspädagogische Professionsforschung stellt dementsprechend eine nur wenig empirisch abgesicherte Grundlage für aktuelle Reformbemühungen dar.

Die Fachtagung an der Goethe-Universität, die von Prof. Tanja Betz (IDeA-Forschungsverbund/Goethe-Universität Frankfurt, Fachbereich Erziehungswissenschaften) und Prof. Peter Cloos (Stiftung Universität Hildesheim/Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen) veranstaltet wird, möchte eine Plattform bieten, um die Konturen und Grundfragen einer kindheitspädagogischen Professionsforschung zu diskutieren und abzustecken.

Thema:   
„Kindheit und Profession. Konzepte, Befunde und Konturen eines Forschungsprogramms“

am: Donnerstag, 29. März 2012, 13.00-18.45 Uhr; Freitag, 30. März, 9.15-16.15 Uhr
Ort: Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, Nebengebäude (NG), 1.741a

Programm: http://www.profession2012.uni-frankfurt.de/Tagungsprogramm_Profession2012.pdf

Die Ergebnisse der Tagung werden im Rahmen der neu entstandenen Buchreihe „Kindheitspädagogische Beiträge“ veröffentlicht.

Informationen
Medienvertreter sind herzlich willkommen. Bitte melden Sie sich vorher an: Prof. Dr. Tanja Betz, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Institut für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe, Tel: (069) 798-23754, betz@em.uni-frankfurt.de; www.tanja-betz.de

 

 

Forschung

Mär 27 2012
11:03

300.000 Bienenvölker gefährdet: Wissenschaftler suchen Strategien zur Bekämpfung der tödlichen Milbe Varroa destructor

Dunkle Schatten über dem Bienenfrühling

FRANKFURT. Für die Imker und Bienenforscher beginnt der Frühling in diesem Jahr mit einer traurigen Bilanz. Bis zu 30 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland sind im vergangenen Winter der Milbe Varroa destructor zum Opfer gefallen. Einzelne Imker haben sogar alle ihre Völker verloren. Am Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität trafen sich bereits in der vergangenen Woche 20 Wissenschaftler aus ganz Deutschland zu einer Krisensitzung. Die Ergebnisse ihrer Diskussion zur Situation der Bienenhaltung und Lösungskonzepte zum Varroaproblem stellen sie auf der heute beginnenden 59. Jahrestagung der AG der Bieneninstitute an der Universität Bonn vor.

Die ursprünglich in Asien beheimatete und nur auf Bienen vorkommende, parasitische Milbe Varroa destructor bildet die größte Gefahr für die heimischen Bienenvölker. Ohne effektive Behandlung kann die Varroamilbe ein befallenes Volk zugrunde richten. Die Wissenschaftler erwarten für das Jahr 2012 bedrohliche Verluste im Umfang von 20 bis 30 Prozent aller Völker. Das sind fast 300.000 Bienenvölker. Die Bekämpfung der Milbe ist daher eines der vordringlichen Ziele der Forschung. Allerdings gibt es noch kein Patentrezept, mit dem die betroffenen Imker ihre Völker retten können. Neue Behandlungskonzepte sind gefragt.

Sicher ist: der Milbenbefall ist für die Imkereien überaus bedrohlich; die Verluste werden 2012 erheblich sein. Einige Forscher beobachten sogar eine deutliche Zunahme der Varroamilben. So gingen in einer Langzeitstudie des Instituts für Bienenkunde der Goethe-Universität in einem hessischen Landkreis die Varroabefallszahlen steil nach oben. „Dieses Jahr haben wir so viele Milben gezählt, wie in keinem der Jahre seit 2008 zuvor. Wir müssen dringend etwas tun“, fasst Prof. Bernd Grünewald, Leiter des Instituts für Bienenkunde in Oberursel die Ergebnisse zusammen. „Wir brauchen eine gemeinsame Linie, ein Konzept für zeitgemäße Betriebsweisen und nachhaltige Behandlungsmethoden, die alle der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute angeschlossenen Einrichtungen in ihre Beratung aufnehmen können“, fasst Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstituts in Kirchhain, Hessen, die Situation zusammen. Allerdings erschweren starke regionale Unterschiede eine Einschätzung der Lage.

Doch die Behandlung mit den in Deutschland zugelassenen Medikamenten ist schwierig, zeitraubend und der Erfolg nicht immer garantiert. Die deutschlandweite Zulassung von Medikamenten, die in anderen Ländern eingesetzt werden, könnte neue Probleme wie Rückstände im Wachs oder medikamentenresistente Milben mit sich bringen. Dazu Dr. Werner von der Ohe, Leiter des niedersächsischen Bieneninstituts in Celle und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute: „Wir brauchen modulare Behandlungskonzepte und dürfen nicht vor Tabus haltmachen. Neben den ‚weichen‘ Milbenbekämpfungsmitteln wie der Ameisensäure und den ätherischen Ölen müssen wir ernsthaft über den Einsatz ‚harter‘ Medikamente nachdenken. Daneben sind die praktische Imkerberatung und die Erforschung nachhaltiger, biologischer Methoden wichtige Stützpfeiler einer zeitgemäßen Bekämpfung der Varroose.“

Ein Bild zum download finden Sie hier.

Bildtext: Erwachsenes Varraoweibchen auf einer Bienenlarve, entnommen aus einer kurz zuvor verdeckelten Brutzelle. Hier legt die Milbe ihre Eier ab. Die sich daraus entwickelnden weiblichen Milben verlassen die Brutzelle mit der schlüpfenden Biene und können auf diesem Weg andere Völker infizieren.

Informationen: Prof. Bernd Grünewald, Institut für Bienenkunde, Karl-von-Frisch-Weg 2, 61440 Oberursel, Tel.: (06171)21278; b.gruenewald@bio.uni-frankfurt.dewww.institut-fuer-bienenkunde.de.

Forschung

Mär 27 2012
10:30

Befragung von 900 Supervisoren belegt: Gesundheitsfürsorge tut Not

Soziale Anerkennung am Arbeitsplatz reduziert Risiko eines Burnouts

FRANKFURT. Wenn Arbeitnehmer sich leistungsgerecht belohnt fühlen, ist das Risiko einer arbeitsbedingten Erschöpfung deutlich geringer. „Das bedeutet allerdings mehr als nur angemessene Bezahlung, wichtig ist vor allem die soziale Anerkennung, die Menschen für ihren Arbeitseinsatz erhalten“, konstatiert der Frankfurter Sozialpsychologe Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl. Dies ist ein wichtiges Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie, an der Wissenschaftler der Goethe-Universität, des Sigmund-Freud-Instituts und der Technischen Universität Chemnitz beteiligt waren.

Im Rahmen der gerade abgeschlossenen Untersuchung wurden 2011 fast 900 Supervisoren der Deutschen Gesellschaft für Supervision e. V. (DGSv), die seit Jahren überwiegend Profit- und Non-Profit-Organisationen im sozialen Bereich wie Krankenhäuser, Schulen, Kinder- und Jugendhilfe beraten, nach ihrer Einschätzung zur Arbeitsbelastung befragt. Diese Expertinnen und Experten, von denen knapp die Hälfte bereits 2008 an einer ähnlichen umfangreichen Befragung teilgenommen hatten, bestätigten: Über alle Branchen hinweg sind die Arbeitsbedingungen so, dass viele Beschäftigte ihre psychische Gesundheit riskieren. Von Entwarnung kann keine Rede sein. Dazu das signifikante Zitat einer Supervisorin aus einem von 30 Intensivinterviews: „… als ich da hinkam, hatte die Leitungskraft 600 Überstunden. Und alles, was unter 100 war, bedeutet irgendwie, die arbeiten nicht richtig.“

Wie lassen sich Arbeitsbedingungen so gestalten, dass das Risiko eines Burnouts sinkt? Arbeitgeber sollten in die Organisationskultur investieren, ist das Fazit der Studie. Dazu Haubl, der an der Goethe-Universität lehrt und forscht und gleichzeitig auch das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt leitet: „Neben der leistungsgerechten Belohnung als einflussreichster Faktor kommt es besonders auf das Verhalten und die Einstellung der Vorgesetzten und der Kollegen an: Chefs, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur als Kostenfaktoren betrachten, sondern als eine Belegschaft mit produktiven Fähigkeiten, die sie nachhaltig zu entwickeln suchen, schützen ebenso vor überfordernden Arbeitsbedingungen, wie Kollegen, die sich halbwegs solidarisch verhalten.“

Die Untersuchung bestätigt übrigens nicht die immer wieder geäußerte Meinung, das Mitarbeiter mit wachsender Indifferenz gegenüber ihrer Arbeit reagieren, wenn sie sich überfordert fühlen. Im Gegenteil: „Die Befragten trafen in den Organisationen in der überwiegenden Mehrzahl auf Beschäftigte, für die Arbeit – noch – eine Sinn stiftende Funktion hat und die deshalb darunter leiden, wenn sie aufgrund eines herrschenden ökonomischen Effizienzdrucks gezwungen sind, Qualitätsstandards zu verletzen“, erläutert Prof. Dr. Günter G. Voss aus Chemnitz, der eine Professur für Industrie- und Techniksoziologie an der Technischen Universität Chemnitz innehat und gemeinsam mit Haubl das Forschungsteam leitet. In den meisten Organisationen hat in den vergangenen Jahren die Arbeitsintensität eindeutig zugenommen: Arbeitsprozesse werden verdichtet und beschleunigt, Nischen beseitigt; die Zahl der prekären und befristeten Arbeitsverhältnisse nimmt zu.

Die Supervisoren, die für diese Studie befragt wurden, sind mit den turbulenten Veränderungen in der Arbeitswelt bestens vertraut. Ihre Einschätzungen sind besonders aussagekräftig, weil sie einerseits als kritische Zeitzeugen derartige Prozesse beobachten und ungeschönte Einblicke in das Innenleben von Organisationen haben, andererseits aber auch gemeinsam mit Einzelpersonen und Teams nach konstruktiven Handlungsalternativen suchen. Immer häufiger, so stellen die Befragten fest, wird Arbeitnehmern zugemutet, einander widersprechende Anforderungen – wie die zwischen Professionalität und Kosteneinsparung – ohne betriebliche Unterstützung auszuhalten und abzufedern. „Und das führt entweder dazu, sehenden Auges die eigene Gesundheit zu riskieren, um Karrierevorteile zu erlangen, oder es demoralisiert“, so Haubl. „Sollen Arbeitsplätze keine Gesundheitsrisiken sein, wie es die Weltgesundheitsorganisation in der Charta von Ottawa verlangt, bedarf es eines Einstellungswandels, der heute vielerorts noch in weiter Ferne liegt.“

Informationen: Prof. Dr. Dr. Rolf Haubl, Professur für psychoanalytische Sozialpsychologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 23644, haubl@soz.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Günter G. Voss, Professur für Industrie- und Techniksoziologie, Fachbereich Soziologie, Tel (0371) 531 32480, guenter.voss@phil.tu-chemnitz.de

Download eines ersten Ergebnisberichtes: www.sfi-frankfurt.de/aktuelles.html; PDF unter: www.sfi-frankfurt.de/fileadmin/redakteure/pdf/03_Mitarbeiter_PDFs/03_Haubl_Manuskripte/Vorabdarstellung_Grenzen_professioneller_arbeit_2012.pdf

 

Sonstige

Mär 22 2012
17:15

Goethe-Universität verabschiedet Diversity-Konzept

Der Campus wird vielfältig

FRANKFURT. Als eine der ersten Universitäten Deutschlands hat die Goethe-Universität Frankfurt am Main heute ihr „Diversity-Konzept“ verabschiedet. „Diversity“ ist ein neuer Begriff in der Hochschulpolitik, der sich mit Vielfalt, Verschiedenheit, Unterschiedlichkeit oder Diversität übersetzen lässt. Ziel des Konzeptes ist es, Studierenden und Beschäftigten unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrer Lebenssituation die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zu bieten. Die neue Leitlinie der Universität wurde unter Führung der zuständigen Vizepräsidentin Roser Valenti vom Gleichstellungsbüro erarbeitet. Mehr als 200 Studierende und Mitarbeitende beteiligten sich an der Entstehung. In mehrere Workshops mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten brachten Interessierte ihre Probleme und Ideen ein.

„Wir sind sehr stolz auf diese gemeinsame Leistung. Schon die vielen Diskussionen haben viele Mitglieder der Universität für Probleme und Potentiale der Vielfalt sensibilisiert“, freut sich Anja Wolde, Leiterin des Gleichstellungsbüros: Vizepräsidentin Roser Valenti erklärt den Fokus: „Weil bei Studierenden die Bedarfe am stärksten zu erkennen waren, richtet sich das Diversity-Konzept zunächst insbesondere an diese Gruppe. Die Fortschreibung 2014 wird dann stärker als bisher die verschiedenen Beschäftigtengruppen in den Blick nehmen. Auch hier gibt es noch viel zu tun!“

Die Anliegen der Studierenden sind sehr unterschiedlich: Da ist zum Beispiel Hülya I., die sich ihr Studium durch Erwerbsarbeit finanzieren muss. Marco S. hat für sein Kind noch keine Kita gefunden hat und pendelt zwischen Betreutem Kinderzimmer, einer Einrichtung der Goethe-Universität, und Vorlesung hin und her. Felix G. ist chronisch krank und kann nicht zu jeder Seminarsitzung erscheinen. Yoko N. ist für ihr Studium nach Deutschland gekommen und kennt bisher niemanden an der Uni. Derya U. wird von einem Dozenten in ihrem geisteswissenschaftlichen Studium mit der Frage konfrontiert, wozu sie dieses Fach studiere. Die mangelnde Sprachkompetenz wird der in Deutschland Geborenen aufgrund ihres „türkischen“ Aussehens einfach unterstellt. Alle eint, dass sie möglichst flexible Studienbedingungen benötigen und Lehrende brauchen, die auf ihre konkrete Situation eingehen und geeignete Hilfestellungen für den Studienerfolg geben können. Dazu gehört auch, dass Lehrende über eigene Vorurteile nachdenken.

Eine Bestandsanalyse hat gezeigt, dass in den vergangen Jahren bereits viele Initiativen in den Fachbereichen entstanden sind, den Studierenden zu helfen und ihre Potenziale zu entfalten. Diese Projekte sollen nun verstärkt und zugleich gebündelt werden. Zuständig dafür ist unter anderem Saskia-Fee Bender, die als Koordinatorin für „Diversity Policies“ die Fachbereiche berät. Neu ist auch, dass Lehrende und Studienberater zukünftig durch Qualifizierungsangebote in ihrer Auseinandersetzung mit ungleichen Studienbedingungen unterstützt werden.

Informationen zum Diversity-Konzept der Goethe-Universität: Dr. Anja Wolde, Leiterin des Gleichstellungsbüros und zentrale Frauenbeauftragte, Goethe-Universität , Gleichstellungsbüro, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-28100, wolde@em.uni-frankfurt.de oder Saskia-Fee Bender, Koordinatorin „Diversity Policies“, (069)798-28126, saskia.bender@em.uni-frankfurt.de

Sonstige

Mär 21 2012
12:16

Der ehemalige Präsident der Goethe-Universität und „Architekt“ der Stiftungsuniversität wird ausgezeichnet für seine bedeutende Reformarbeit

Steinberg erhält Ehrenplakette der Stadt Frankfurt

FRANKFURT. Der frühere Präsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Rudolf Steinberg, erhielt heute aus den Händen von Oberbürgermeisterin Petra Roth im Frankfurter Römer die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt. Mit ihrer höchsten Auszeichnung würdigt die Stadt die großen Verdienste Steinbergs um die Reform der Goethe-Universität. Er habe für die Reputation der Goethe-Universität und damit auch der Reputation Frankfurts Herausragendes geleistet und zähle zu den bedeutenden Universitätsreformern Deutschlands.

Steinberg gilt als „Architekt“ der Stiftungsuniversität, die 2008 ins Leben gerufen wurde und die anknüpfe an die historische Gründung als Stiftungshochschule 1914. Ausgangspunkt dafür war der von Steinberg initiierte Hochschulentwicklungsplan, dessen Umsetzung er sich ab 2001 intensiv widmete. Unter seiner fast neunjährigen Präsidentschaft – kein Präsident vor ihm hatte dieses Amt länger inne – entwickelte sich die Goethe Universität zu einer der führenden deutschen Universitäten. In allen relevanten deutschen und internationalen Hochschulvergleichen zählt die Goethe-Universität inzwischen zu den zehn besten deutschen Universitäten. Während seiner Amtszeit konnten die Drittmitteleinwerbungen fast verdreifacht werden und Dutzende von Stiftungslehrstühlen eingerichtet werden. In Stadt und Region war er als unermüdlicher Botschafter „seiner“ Universität präsent.

Mit der öffentlichen Bekanntgabe der mit 33 Mio. Euro dotierten Kassel-Stiftung und der Matching-Funds-Zusage der hessischen Landesregierung in Höhe von 50 Mio. Euro legte Steinberg im Sommer 2007 das finanzielle Fundament für die erfolgreiche Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Diese erfolgte nach internen Abstimmungsprozessen und dem entsprechenden Gesetzgebungsverfahren am 1.  Januar 2008.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl bezeichnete Steinberg als Universitätsreformer, der der Goethe-Universität während seiner Amtszeit neues Selbstbewusstsein verliehen habe. Steinbergs Energie sei es zu verdanken, dass die Goethe-Universität heute wieder zu den führenden deutschen Universitäten zähle und als universitäres Reformmodell im In-und Ausland wahrgenommen werde.

In der Verleihungsurkunde heißt es, Steinberg gehöre „zu den wichtigsten und renommiertesten Repräsentanten der Deutschen Universitätslandschaft. (…) Mit produktiver Energie und ansteckendem Enthusiasmus betrieb er nicht nur die Umwandlung einer Hochschule zu einer Stiftungsuniversität, sondern auch den Umzug vom Campus Bockenheim auf den Campus Westend, der mit umfangreicher Bautätigkeit und planerischer Verantwortung verbunden war. (…) Er hat die Goethe-Universität als forschungsstärkste Universität Hessens etabliert.“

Informationen: Dr. Olaf Kaltenborn, Pressesprecher,  Tel. (069) 798-22472, E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Mär 19 2012
10:53

Gesellschaft für Bildung und Wissen widmet sich in ihrer Jahrestagung an der Goethe-Universität den Fehlentwicklungen im Schulsystem.

Tagung „Irrwege der Unterrichtsform“

FRANKFURT. Was wird im Kontext von Reformen zum Nachteil von Bildung und Wissen den Schulen von oben herab verordnet? Dies steht im Fokus der Jahrestagung der Gesellschaft für Bildung und Wissen. Referenten aus der Schulpraxis und dem universitären Bereich diskutieren Analysen und neueste Forschungsergebnisse zu den Fehlentwicklungen im Bildungssystem, die besonders bedeutungsvoll erscheinen und die Lage exemplarisch beleuchten sollen.

Bereits auf ihrer Gründungstagung 2010 in Köln hatte sich die Gesellschaft für Bildung und Wissen kritisch mit neueren Entwicklungen im Schulsystem beschäftigt. So wurde damals vor allem die Kompetenzorientierung auf den Prüfstand gestellt. Die Nachfolgetagung in Frankfurt hat das    

Thema:  „Irrwege der Unterrichtsreform“
am:         Samstag, dem 24. März 2012, 9.30 Uhr
Ort:         Goethe-Universität Frankfurt, Campus Bockenheim, Hörsaal V, Graefstr. 50.

Die Tagung steht allen Interessierten offen. Eine Anmeldung ist wünschenswert, aber nicht obligatorisch. Auch für kurzfristig Entschlossene steht die Tagung ohne Anmeldung offen! Für Mitglieder der GBW ist die Teilnahme kostenlos.

Informationen:
Prof. Dr. Hans Peter Klein, Lehrstuhl für Didaktik der Biowissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt, Tel.: (069)79842270, h.p.klein@bio.uni-frankfurt.de, www.bildung-wissen.eu 

Hochschulpolitische Themen

Mär 16 2012
10:17

Interdisziplinarität wird zur Triebfeder: An der Goethe-Universität treten Mentoren und Stipendiaten im Rahmen des Deutschland-Stipendiums in einen kreativen Dialog

Der Blick über den Tellerrand

FRANKFURT. „Hast Du ein F?“, „Sind Sie Gruppe H?“ Buchstaben von A bis Q zierten die Namensschilder aller Stipendiaten und Mentoren des Deutschland-Stipendiums bei der offiziellen Vergabefeier im November 2011. 161 Stipendiaten wurden unabhängig von Fachrichtung oder Fachsemester bunt gemischten Gruppen zugeteilt, die ein Jahr lang von Mentoren in einem ideellen Förderprogramm begleitet werden. Das kleine Erkennungszeichen entwickelte sich bei der Feier schnell zum unterhaltsamen Kennenlernspiel und half, das erste Eis zu brechen.

So unterschiedlich der Background bei den Stipendiaten ist, so ist er es auch bei den Mentoren. Von der jüngsten Schulleiterin Hessens über den Business Manager eines Finanzinstituts bis zum Vorstandsmitglied eines Energiekonzerns ist unter den 17 Mentoren einiges an Berufen vertreten. Allen gemein ist, dass sie in Schlüsselpositionen arbeiten und ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit jungen Talenten teilen möchten. Das ideelle Förderprogramm der Frankfurter Goethe-Universität ergänzt die finanzielle Förderung durch das Deutschland-Stipendium und ist bundesweit einmalig.

Trotz einer gewissen Skepsis zu Beginn entwickelte sich die Interdisziplinarität zur Triebfeder des Programms. „Anfangs bemerkte man schon Sprachbarrieren und unterschiedliche Diskussionsstile. Da war es nicht immer ganz einfach, zu einem Konsens zu kommen“, berichtet Mentor Julian Junk von ersten Hürden, die schnell überwunden wurden. „Es ist ganz toll zu sehen, wie viele Perspektiven eingebracht und somit Themen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden“, sagt Claudia Huber, Beraterin bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Günter Scheuren, Business Manager bei der Royal Bank of Scotland, ergänzt: „Erst, wenn man über den eigenen Tellerrand hinausschaut und ein breitgefächertes Wissen mitbringt, kann man der Welt offen begegnen.“

Erste Ergebnisse dieser fruchtbaren Zusammenarbeit werden drei Monate nach Start des Programms in den Projekten der Gruppen erkennbar. Lars Mosdorf, Leiter der Abteilung „Entgelte und Preisstrategie“ bei Fraport, unterstützt seine Gruppe dabei, Strukturen an der Goethe-Universität zu errichten, die das ehrenamtliche Engagement der Studierenden fördern. „Hier kann ich mich mit Dingen beschäftigen, die ich nicht jeden Tag auf dem Schreibtisch habe und deswegen lerne auch ich sehr viel in der Diskussion und in der Zusammenarbeit mit den Stipendiaten“, so Mosdorf. Mit der Identität Frankfurts setzt sich eine Gruppe auseinander, die gleich zwei Mentoren hat. Claudia Huber und Daniel Brombacher sind im Rahmen ihrer Tätigkeit im Bereich Entwicklungszusammenarbeit viel in der Welt unterwegs und teilen sich die Arbeit mit den Stipendiaten. Der Frage, was für eine Stadt Frankfurt eigentlich ist, möchte sich die Gruppe über Interviews mit Frankfurter Studierenden nähern. Die Ergebnisse werden künstlerisch umgesetzt – am Ende soll ein Fotomosaik entstehen. Aus der Foto-Perspektive der verschiedenen sozialen Gruppen und Menschen beleuchtet das Projekt „MainLeben“ die unterschiedlichen Realitäten der Stadt, will diese sichtbar machen und im Idealfall am Ende persönlich zusammenbringen. 

Neben dem Blick auf andere Fachdisziplinen und Themenbereiche als dem eigenen Studium oder Arbeitsfeld zieht sich ein zweiter roter Faden durch das ideelle Förderprogramm: Sowohl Mentoren als auch Stipendiaten wollen etwas zurückgeben. „Ich war selbst Stipendiat und bin in den Genuss von Förderung ideeller Art gekommen. Ich habe sehr viel von meinen Mentoren profitiert, zu denen ich teilweise eine ganz enge Bindung aufgebaut habe und die auch immer wichtige Ansprechpartner außerhalb der Professorenschaft an der Uni oder des persönlichen Bekanntenkreises waren“ resümiert Daniel Brombacher. „Heute kann ich ein Stück weit das weitergeben, was ich bekommen habe“.

Auch die Stipendiaten des Deutschland-Stipendiums wollen der Gesellschaft etwas zurückgeben. Sie wissen, dass sie ihr Stipendium einem neuen Modell von Public-Private-Partnership verdanken. Für jeden Euro, den die Fundraisingabteilung der Goethe-Universität bei Unternehmen, Mäzenen und weiteren Spendern einwirbt, bekommt sie einen weiteren vom Staat hinzu. Die Stipendiaten bedanken sich, indem sie ihr Wissen einbringen und Ideen entwickeln, wie man zum Beispiel die Gewalt in Fußballstadien eindämmen kann, wie man einen Umweltpreis ins Leben ruft, der wiederum von Unternehmen gestiftet wird oder wie man die Entwicklung von Engagement in der Region messbar machen kann.

Die Ergebnisse der Projektgruppen werden Anfang Juli der Öffentlichkeit präsentiert.

Informationen: Jörg Ottmann, Projektleiter Deutschland-Stipendium SSC,  Tel. (069) 798-23923, www.deutschland-stipendium.uni-frankfurt.de

Die Liste aller Mentorinnen und Mentoren der Stipendiatengruppen sowie die Projektthemen finden Sie hier.

Forschung

Mär 15 2012
12:27

Nano-Rezeptoren erkennen selektiv einzelne Moleküle

Suche nach der Nadel im Molekülhaufen

FRANKFURT. In der Natur gibt es viele Beispiele für hochsensitive Sensoren, die selektiv auf einzelne Moleküle ansprechen. Eines davon ist die menschliche Nase. Inspiriert von diesen natürlichen Vorbildern hat ein Forscherteam des Walter Schottky-Instituts und des Institute for Advanced Study an der Technischen Universität München (Gruppe Dr. Ulrich Rant) und des Instituts für Biochemie der Goethe Universität (Gruppe Prof. Robert Tampé) jetzt ein System aus festkörperbasierten Nanoporen entwickelt, mit dem einzelne Moleküle gezielt detektiert werden können. Gegenüber früheren Arbeiten auf diesem Gebiet ist es gelungen, die Selektivität des Sensors deutlich zu erhöhen bei gleichbleibender Empfindlichkeit zu erhöhen. Damit eröffnen sich vielfältige Anwendungen in der Nanodiagnostik, etwa die Analyse der Proteine in einer Körperzelle.

Wie die Forscher in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“ berichten, bohrten sie mithilfe eines Elektronenstrahls winzige Löcher in eine dünne Halbleitermembran aus Siliziumnitrid (SiN). Der Öffnungsdurchmesser der Nanoporen ist so bemessen, dass die zu detektierenden Moleküle sie nur einzeln passieren können (25 Nanometer, entsprechend 1/4000 eines Haardurchmessers). Um sicher zu gehen, dass Biomoleküle nicht zufällig an Unebenheiten der Pore binden, wird diese mit einer selbstorganisierenden Schicht ausgekleidet, an der Proteine nicht haften bleiben. In dieser Schicht ist der Rezeptor aus mehreren Nitrilotriessigsäure-Molekülen verankert. Er kann Biomoleküle, die durch ein „Etikett“ aus sechs Aminosäuren gekennzeichnet sind, hochselektiv erkennen und binden.

Um feststellen zu können, ob eine Bindung stattgefunden hat, schwimmt die Halbleitermembran mit den Nano-Detektoren in einer Salzlösung. Legt man eine elektrische Spannung an, strömen die Ionen der Lösung durch die Poren. Sobald aber das zu detektierende Biomolekül an den Rezeptor bindet, verengt sich die Pore und der Strom nimmt ab. Auf diese Weise kann das An- und Abbinden eines Moleküls kann in Echtzeit beobachtet werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich nur ein einziger Rezeptor in der Pore befindet, was nun erstmals mit einer künstlich hergestellten Pore gelang. Dabei konnte die anorganische Pore mit der biologischen Funktionalität des eingefügten Rezeptors ausgestattet werden. In einem weiteren Schritt wendeten die Münchner Physiker und Frankfurter Biochemiker das Verfahren auf die Antikörper-Immunerkennung an.

Die möglichen Anwendungsgebiete dieses biomimetischen sensorischen Systems sind vielversprechend. So könnten schwierige Probleme in der Proteomik mit diesem Ansatz realisierbar sein, etwa die Analyse der Proteinzusammensetzung einer einzelnen Zelle. Zum anderen könnte dieses System als schneller und sensitiver Biosensor für das Screening von Pharmazeutika oder zur Detektion von Kampfmitteln dienen. „Die Zukunft bleibt spannend, da die Natur uns weiterhin in Selektivität und Spezifität voraus ist. Deshalb sind weitere Verbesserungen im Feld von sensorischen Systemen auf molekularer Ebene nötig“, erklärt Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie. „Die Zusammenarbeit des Teams aus München und Frankfurt ist aber ein wichtiger Schritt in der Biosensorik und Nanodiagnostik auf Einzelmolekülebene.

Publikation: Ruoshan Wei et. al.: Stochastic sensing of proteins with receptor-modified solid-state nanopores, Nature Nanotechnology, online erschienen am 11. März 2012, DOI: 10.1038/NNANO.2012.24

Bilder zum Download finden Sie hier.

Bildtexte:
Bild 1: Detektion von Proteinen auf Einzelmolekülebene in künstlichen Rezeptor-modifizierten Silizium-Nanoporen.

Bild 2: Diese künstlerische Darstellung zeigt, wie die Identität einzelner Proteine in einer künstlichen Nanopore festgestellt wird. Das in der Pore verankerte „Rezeptor-Protein“ (rot-braun) bindet vorübergehend einen IgG-Antikörper (hellbraun), der durch die Pore wandert. Die Dauer der Wechselwirkung kann über den veränderten Stromfluss gemessen werden. Sie gibt auch Auskunft über die biologische Funktion des Antikörpers. Die weißen Haare stellen eine selbstorganisierte Molekülschicht dar, die dazu dient, die Oberfläche des Goldfilms biologisch zu inaktivieren.

Bildrechte: Christoph Hohmann /NIM

Informationen: Prof. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798- 29475, tampe@em.uni-frankfurt.de. Dr. Ulrich Rant, Walter Schottky Institut, Technische Universität München, Tel: (089) 298 11578, rant@wsi.tum.de .

Sonstige

Mär 14 2012
14:27

Land, Universität und Stiftung einigen sich auf Übergang der Frankfurter Zahnmedizin als gemeinnützige GmbH an die Goethe-Universität

Carolinum gewinnt tragfähige Zukunftsperspektive

FRANKFURT. Die Zahnmedizin an der Goethe-Universität gewinnt eine tragfähige Zukunftsperspektive. Basis dafür ist eine zwischen der „Freiherr Carl von Rothschild'schen Stiftung Carolinum“, der Universität und dem Land Hessen in intensiven Verhandlungen erzielte Vereinbarung. Diese wurde jetzt von allen Beteiligten unterzeichnet.  Damit wird das seit 1890 bestehende und seit 1915 in Lehre und Forschung der Goethe-Universität integrierte „Zahnärztliche Universitätsinstitut der Stiftung Carolinum“ dauerhaft in eine neue Trägerschaft der Goethe-Universität überführt. Für die rund 200 Beschäftigten entsteht damit Planungssicherheit. Eine Betriebsversammlung, bei der umfassend über den Übergang aufgeklärt werden soll, ist in Vorbereitung.

In Zukunft liegt die Trägerschaft nicht mehr bei der Stiftung Carolinum, sondern bei einer gemeinnützigen GmbH in Regie der Universität. Finanziell und organisatorisch sind damit die Universität und der Fachbereich Medizin umfassend verantwortlich für die Hochschulzahnmedizin in Frankfurt.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl zeigte sich erleichtert über die gefundene Einigung: „Das ist ein guter Tag für die Zahnmedizin. Mit der Vertragsunterzeichnung beginnt eine neue Ära für die Zahnmedizin. Wir danken der Stiftung für ihr fast hundertjähriges Engagement für die Universität. Damit ist es gelungen, den Stiftungsgedanken aus der Gründungszeit bis in die heutige Phase der neuen Stiftungsuniversität hinüberzutragen. Die Beibehaltung des guten Namens „Carolinum“ soll auch hieran erinnern.“ Unübersehbar sei jedoch auch gewesen, dass die heutigen Herausforderungen – seien es die baulichen Aufgaben oder die erforderlichen Etatmittel – ein neues Konzept erforderten, so Müller-Esterl.

Prof. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin, kommentierte die Einigung mit folgenden Worten: „Diese Vereinbarung gibt der traditionsreichen Frankfurter Zahnmedizin eine verlässliche Perspektive. Die Zahnmedizin war und ist aus Sicht der Universitätsleitung ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Lehre und Forschung an der Goethe-Universität. Mit dem Übergang wird sich der Grad der Integration in die Universität weiter steigern. Die Universität und der Fachbereich Medizin sind sich der hiermit verstärkten Verantwortung bewusst.“

Die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, hob den konstruktiven Geist der Verhandlungen hervor: „Ich bin sehr froh, dass diese Verhandlungen nun erfolgreich zum Abschluss gekommen sind. Das dokumentiert den Willen aller Beteiligter, die Frankfurter Zahnmedizin in ihrer besonderen Qualität nicht nur zu erhalten, sondern sie zukunftssicher zu machen. Dieses gemeinsame Interesse hat die Einigung am Ende möglich gemacht. Dafür bin ich allen Beteiligten dankbar.“

Der Stiftungsvorstand der Stiftung Carolinum, vertreten durch den Vorsitzenden Alexander Heck,  lobte das „klare Bekenntnis“ der Goethe-Universität zur zahnmedizinischen Lehre und Forschung. „Auch die Stiftung wird sich weiterhin gemäß ihrem Auftrag für die Frankfurter Zahnmedizin engagieren – nicht mehr wie in den letzten 125 Jahren als operative Trägerin, sondern nun als Förderin, gerade auch für die Universitätsforschung.“

„Mit Blick auf die Umwandlung der Goethe-Universität in eine Stiftungshochschule ist es eine vernünftige Entscheidung, die zahnmedizinische Ausbildung und Forschung in die Hände der Goethe-Universität zu legen, um deren dauerhafte Entwicklung zu sichern.“

Am 5. März ist die „Carolinum Zahnärztliche Universitätsinstitut gGmbH“ gegründet worden; sie wird nunmehr mit der Umsetzung der Vereinbarung an die Stelle der Stiftung treten. Für die Beschäftigten wird sich durch diesen Wechsel formal nichts ändern. Sie haben aber nun einen Arbeitgeber, hinter dem zu 100 Prozent die Universität steht.

 

Sonstige

Mär 14 2012
12:26

Campus Riedberg mit neuer attraktiver Cafeteria: Studentenwerk Frankfurt am Main und Goethe-Universität küren den Gewinner des Namenswettbewerbs

Neuer Treffpunkt heißt „Darwins“

FRANKFURT. „Darwins“ – so lautet der Name der neuen Cafeteria des Studentenwerks Frankfurt am Main im Biologicum am Campus Riedberg. Mit originellem Design, vielseitigem Speiseangebot und zahlreichen Sitz- und Lernplätzen ist die Cafeteria eine Bereicherung für den im Norden der Stadt gelegenen Campus der Goethe Universität. Schon in der Planungsphase beschloss das Studentenwerk Frankfurt am Main gemeinsam mit der Goethe-Universität, einen passenden Namen für die neue Einrichtung von den Studierenden und Hochschulbediensteten selbst suchen zu lassen. Im August 2010 wurde der Wettbewerb ausgerufen, bei dem in kurzer Zeit über 200 Vorschläge zusammenkamen.

Obwohl die Wahl unter den vielen guten Vorschläge schwer fiel, war letztlich die Entscheidung einstimmig: „Darwins“ wurde als der Name gefunden, der am besten zum Gebäude und zur Cafeteria selbst passt. Die Cafeteria selbst konnte vor wenigen Wochen erfolgreich an den Start gehen, und heute war es soweit: Dr. Joachim Koch, Erfinder des siegreichen Namens, durfte seinen Preis aus den Händen von Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, und Konrad Zündorf, Geschäftsführer des Studentenwerks Frankfurt am Main, entgegennehmen: einen Kinobesuch gemeinsam mit neun Freunden.

Dr. Joachim Koch, Diplombiologie, ist zurzeit Arbeitsgruppenleiter am Georg-Speyer-Haus in Frankfurt und Privatdozent für Biochemie an der Goethe-Universität Frankfurt. Er entschied sich für den Namen Darwins, denn „für einen Biologen spielt Darwin eine große Rolle, da er mit seiner Evolutionstheorie vor 150 Jahren einen Meilenstein für die moderne Biologie gelegt hat. Diese Erkenntnisse begleiten einen Biologiestudenten während seines Studiums. Darüber hinaus haben wir 2009 das Darwin Jahr gefeiert, so dass der Name Darwins sehr zeitgemäß ist und zugleich einen Brückenschlag von den Anfängen der modernen Biologie zum molekularen Zeitalter darstellt.“

Die Cafeteria Darwins befindet sich direkt im Erdgeschoss des Biologicums. Sie verfügt über zahlreiche Sitzplätze und bietet ihren Gästen jeden Tag frisch zubereitete Nudel- und Wokgerichte, zwei weitere Hauptgerichte (eins davon vegetarisch) sowie Frühstücksangebote und Snacks. Wer sein nächstes Seminar vorbereiten will, findet in der so genannten KOMMBOX Platz zum Lernen und Laptop-Arbeitsplätze.

Informationen: Katrin Wenzel, Studentenwerk Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-34903

Forschung

Mär 13 2012
10:09

Miniaturbild passt zehn mal auf den Umfang eines Haars

Goethe-Logo aus grün leuchtendem Protein

FRANKFURT. Mit bloßem Auge kann man ihn nicht sehen: Der leuchtend-grüne Goethe-Kopf ist gerade einmal 20 Mikrometer (tausendstel Millimeter) breit. „Man könnte ihn etwa zehn mal nebeneinander auf dem Umfang eines menschlichen Haars schreiben“, verdeutlicht Volker Gatterdam, Doktorand am Institut für Biochemie der Goethe-Universität die Abmessungen des Miniaturbildes. Erzeugt hat er es durch eine Licht-aktivierbare Molekül-Protein-Wechselwirkung, auf einer speziell präparierten Glasplatte. Das Verfahren, über das die Forscher in der aktuellen Ausgabe der „Angewandten Chemie“ berichten, funktioniert ähnlich wie die Lithographie in der Halbleitertechnik. Allerdings ist der zugrunde liegende biochemische Mechanismus etwas komplizierter.

Im Zentrum der Reaktion steht das Molekül Glutathion, das im Körper eine schützende und entgiftende Funktion hat. Mit Hilfe des Proteins Glutathion-S-Transferase (GST) kann Glutathion zum einen reaktive Sauerstoffradikale, zum anderen auch körperfremde Stoffe wie Medikamente und Giftstoffe binden.GST ist ein zweiteiliges (dimeres) Protein, das je zwei Moleküle Glutathion in seinem reaktiven Zentrum bindet. Für ihre Experimente machen sich die Wissenschaftler um Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie und Prof. Alexander Heckel vom Institut für organische Chemie und chemische Biologie zunutze, dass die Bindung zwischen Glutathion und GST nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip funktioniert. Damit sie die Reaktion  kontrollieren können, versehen sie das Glutathion mit einer Licht-aktivierbaren Schutzgruppe. Diese verhindert die Schlüssel-Schloss-Bindung. Wird die Schutzgruppe aber durch Licht abgespalten, kann das Molekül wieder an seinen Proteinpartner binden.

Bindet  man nun das mit der Schutzgruppe versehene Glutathion auf einer speziell präparierten Glasplatte und beleuchtet diese durch eine Maske wie bei der Lithografie, entsteht das aktive Glutathion nur an den belichteten Stellen. Um das überprüfen zu können, wurde das GST mit einem grün fluoreszierenden Protein versehen. Nachdem die Molekül-Protein-Wechselwirkung entstanden ist und ungebundenes Protein weggewaschen worden ist, leuchteten tatsächlich nur die Stellen grün auf, die zuvor belichtet worden waren.

Kompliziertere und noch kleinere Strukturen wie das Goethe-Logo oder den Kopf von Marylin Monroe konnte Doktorand Volker Gatterdam in Echtzeit mit einem Laserstrahl „zeichnen“. Zukünftige Anwendungen könnten im Bereich der Protein-Chip Herstellung oder gar im Bereich der gezielten Zellmanipulation liegen.

Bilder zum Download finden Sie hier.

Bildtexte:
Bild 1: Dieser Goethe-Kopf aus dem Logo der Goethe-Universität, bestehend aus grün fluoreszierenden Molekül-Protein-Verbindungen, ist nur 25 Mikrometer breit. Er passt etwa zehn mal auf den Umfang eines menschlichen Haars.

Bild 2: Schärfere Bilder lassen sich erzielen, wenn die Abmessungen etwas größer sind, wie hier bei dem Kopf Marylin Monroes.

Bild 3: Etwa so kann man sich das Zeichnen der Bilder aus den Molekül-Protein-Verbindungen mit einem Laser vorstellen.

Informationen: Prof. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Campus Riedberg, Tel: (069) 798- 29475, tampe@em.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Mär 9 2012
15:55

Goethe-Universität fördert mit Hilfsfonds Forschungsprojekte und Kooperationen. Weitere Spenden sind willkommen

Ein Jahr nach Fukushima: nakama-Fonds unterstützt japanische Wissenschaft

FRANKFURT. Ein Jahr nach dem schweren Erdbeben, der Flutkatastrophe und dem verheerenden GAU im Atomkraftwerk Fukushima sind die Ereignisse wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein getreten. Die Goethe-Universität hatte sich direkt nach dem Unglück entschlossen, japanischen Wissenschaftlern Hilfe zu leisten; insbesondere sollten schon etablierte Kooperationen vertieft und neue gemeinsame Forschungsprojekte initiiert werden. Noch im April 2011 wurde ein Spendenkonto unter dem Namen „nakama-Fonds“ eingerichtet. „Nakama“ bedeutet „der Gefährte“. Zahlreiche private wie auch institutionelle Spender aus dem Umfeld der Universität beteiligten sich an dieser Hilfsaktion.

„Rund 17.000 Euro wurden über den Fonds bereits eingeworben, weitere 25.000 Euro steuerte die Universität aus zentralen Mitteln bei“, freut sich Vizepräsident Prof. Matthias Lutz-Bachmann. Seit sechs Jahren führt er in Kooperation mit der Osaka University, der Waseda University und der Sophia University eine jährlich wiederkehrende Konferenz zu Fragen der „Ethik im Zeitalter der Globalisierung“ durch und betreut die Vergabe von Projektmitteln aus dem nakama-Fonds. „Über weitere Spenden würden wir uns sehr freuen, um die Kolleginnen und Kollegen in Japan weiter unterstützen zu können.“

Eines der geförderten Projekte kommt der Tohuku University in Sendai zugute. Die Labore der Universität wurden sowohl durch das Erbeben als auch durch den Tsunami und das Reaktorunglück stark in Mitleidenschaft gezogen. In Folge der Stromausfälle nach dem Abschalten der Reaktoren waren Geräte beschädigt worden, auch Proben und ein Großteil der Vorräte an Enzymen der molekularbiologischen Labore verdarben. Um die japanischen Kollegen zu unterstützen, reichte der Frankfurter Privatdozent Dr. Thomas Berberich einen Antrag beim Hilfsfonds der Universität ein. Der Biowissenschaftler am Frankfurter Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) erklärt dazu: „Im Zuge der Zusammenarbeit wird ein Doktorand aus Japan in den Frankfurter Arbeitsgruppen experimentieren und die erlernte Methodik nach seiner Rückkehr im japanischen Labor etablieren.“

Erforscht werden in diesem Projekt die Mechanismen zur Aktivierung von Genen, die die Reaktion von Organismen auf Hitze steuern. Das aktuelle Forschungsvorhaben auf dem Feld der Regulierung von Genexpressionen wird von der Arbeitsgruppe um Professor Enrico Schleiff, dem neu gewählten Vizepräsidenten der Goethe-Universität, und Dr. Dieter Scharf im Biozentrum auf dem Campus Riedberg, von japanischen Kollegen um Professor Tomonobu Kusano in Sendai und am BiK-F betrieben. Zunächst wird dem japanischen Wissenschaftler die Frankfurter Infrastruktur zur Verfügung gestellt, bevor die weiteren Arbeiten an dem Projekt parallel in Sendai und Frankfurt fortgesetzt werden. Unterstützt wurde das Projekt mit insgesamt 5.000 Euro aus dem nakama-Fonds.

Dieses internationale und interdisziplinäre Projekt ist nur eines von insgesamt sechs ganz unterschiedlichen Forschungsvorhaben. Diese reichen von Honoraren für japanische Gastwissenschaftler, über Zuschüsse zu Reisekosten für den Austausch von Wissenschaftlern und Künstlern bis hin zu breiter angelegten gemeinsamen Forschungsprojekten. Das Spektrum der geförderten Anträge erstreckt sich dabei von Honoraren für japanische Gastwissenschaftler über Zuschüsse zu Reisekosten für den Austausch von Wissenschaftlern und auch Künstlern bis hin zu breiter angelegten gemeinsamen Forschungsprojekten.

Informationen für Projektanträge sowie für Spenderinnen und Spender:
Die Goethe-Universität hat sich zum Ziel gesetzt, auf unbürokratische Weise nachhaltig Unterstützung mit dem nakama-Fonds zu leisten. Weitere Anträge sind erwünscht. Das Prozedere ist einfach: Ein formloser Antrag sollte auf zwei bis drei Seiten das Vorhaben beschreiben, mögliche Partner und Ziele benennen und die Kosten abbilden. Der Antrag ist an das Präsidium, speziell an die Vizepräsidenten Professor Matthias Lutz-Bachmann und Professor Rainer Klump zu adressieren.

Die Goethe-Universität freut sich auch über weitere Spenden. Institutionelle oder private Spenden können unter dem Verwendungszweck „Nakama“ und der Angabe des Projektkontos 30000.1000.6 an die Universität überwiesen werden (Kt.-Nr. 100.64.10, BLZ 500.500.00 Helaba). Fragen zu Spenden und Anträgen beantwortet Andreas Weidemann im Büro des Präsidenten der Goethe-Universität unter der Rufnummer 069-798-22233. Anträge können auch gerne an diese Adresse gerichtet werden: Andreas Weidemann, Büro des Präsidenten der Goethe-Universität, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main oder per mail an a.weidemann@vdv.uni-frankfurt.de

Sonstige

Mär 7 2012
16:45

Neue Website präsentiert bekannte Sehenswürdigkeiten ebenso wie versteckte Orte – Kooperation zwischen der Hebraica- und Judaica-Sammlung der Unibibliothek und dem jüdischen Museum

Virtueller Rundgang durch das jüdische Frankfurt

FRANKFURT. Seit Anfang März ist der virtuelle Stadtplan „Jüdische Orte in Frankfurt am Main“ unter www.juedisches-frankfurt.de online, so kann sich jeder Interessierte am PC auf einen Rundgang zu den Schauplätze jüdischen Lebens im heutigen Frankfurt begeben. „16 Orte werden gezeigt, dazu gehören sowohl die bekannten Sehenswürdigkeiten wie die Synagoge, die Friedhöfe und Museen, als auch die weniger bekannten wie das Privathaus ‚Porzellan Baer‘ und die Gedenkstele im Grüneburgpark“, erläutert Dr. Rachel Heuberger, Leiterin der Hebraica- und Judaica-Sammlung an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg der Goethe-Universität. Und die Initiatorin dieses Projekts ergänzt: „Es geht nicht primär um Gedenkstätten für den Holocaust, die auch erwähnt sind, sondern um zentrale Orte die das jüdische Leben heute in all seiner Vielfältigkeit symbolisieren. Der Campus Westend der Goethe Universität mit dem Wollheim Memorial charakterisiert in diesem Kontext sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart, in der diese Vergangenheit rezipiert wird und so präsent bleibt.“

Die neue Website „Jüdische Orte in Frankfurt“ wurde gemeinsam von der europaweit einzigartigen Frankfurter Hebraica- und Judaica-Sammlung und dem Jüdischen Museum Frankfurt entwickelt. Sie bietet in der gelungenen Mischung aus attraktiven Fotos, visueller Gestaltung und kompetenten Informationen in deutscher und englischer Sprache einen neuartigen Zugang zu den Spuren jüdischen Lebens in der Main-Metropole. Dies dürfte für Frankfurter ebenso interessant sein dürfte wie für virtuelle wie wirkliche Besucher aus aller Welt. „Auf virtueller Ebene ist das neue Online-Angebot ein Pendant zur Erinnerungstopographie der Stadt, die in den letzten 20 Jahren entstanden ist und für Frankfurt eine große Betonung hat“, betont Prof. Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt. Das Jüdische Museum Frankfurt, ein Kooperationspartner der Judaica Europeana, wird die neue Website auf seiner Homepage hosten. „Zukünftig soll der virtuelle Stadtrundgang durch weitere interessante Orte ergänzt werden“, sagt Dr. Raphael Gross, Direktor des Jüdischen Museums.

Der Web-Auftritt ist im Rahmen des Projektes „Judaica Europeana“ entstanden, das in den Jahren 2010 und 2011 von der Europäischen Kommission finanziert wurde, um die Europeana mit Zeugnissen des jüdischen Kulturerbes zu beliefern. Europeana, die Europäische Digitale Bibliothek, bietet einen zentralen Zugriff auf Millionen digitaler Objekte, die sich in Europas Museen, Bibliotheken und Archiven befinden. Judaica Europeana, das Konsortium von ursprünglich zehn europäischen Partnerinstitutionen und zahlreichen weiteren assoziierten Einrichtungen, hat Millionen von Quellen jüdischen Lebens in Europa zusammengetragen, die den Beitrag der Juden zur Stadtentwicklung dokumentieren. Als digitale Bilder stehen diese Zeugnisse, die Handschriften, Bücher, Poster, Bilder, Noten und Lieder, Fotos und Videofilme, Gebäude und Plätze umfassen, in der EUROPEANA im Internet zur Ansicht frei zur Verfügung.

Informationen: Dr. Rachel Heuberger, Hebraica- und Judaica Sammlung, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim; Tel. (069) 798-39665 oder -39120, r.heuberger@ub.uni-frankfurt.de, http://www.juedisches-frankfurt.de/, http://www.judaica-europeana.eu/

Veranstaltungen

Mär 7 2012
15:55

„Derrida-Konferenz. Frankfurt 2012“ mit öffentlichem Begleitprogramm

Philosophieren im Anschluss an Jacques Derrida

FRANKFURT. Die „Derrida-Konferenz. Frankfurt 2012“ findet vom 14. bis zum 16. März auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Sie widmet sich dem Denken und Wirken des Franzosen Jaques Derrida (1930-2004), der als einer der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart gilt. Nicht nur in Kunst, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften hat er prägende Wendungen hinterlassen. Dass ein Aufbrechen konventioneller Grenzziehungen tatsächlich möglich ist, führt er in seinem als Dekonstruktion bezeichneten Denken vor. Wege anbahnen, Schließungen stören: So könnte der Anspruch einer Philosophie im Anschluss an Jacques Derrida lauten.

Ziel der Konferenz ist es, fernab vom gängigen Personenkult, der Philosophie Derridas nicht zu gedenken, sondern mit ihr nach- und weiter zu denken. Die Frage nach der Gegenwärtigkeit von Dekonstruktion steht dabei im Zentrum: Wer macht  Dekonstruktion? Wer macht sie gegenwärtig? Lässt sie sich gegenwärtig machen? Wie ließe sich Dekonstruktion weiter machen? Und worin besteht die Bewegung dieses Denkens heute? Es gilt zu klären, worin wichtige Problemfelder eines dekonstruktiven Denkens liegen und auch was für neue Möglichkeiten und Perspektivwechsel dekonstruktives Denken eröffnet.

Diese doppelte Fragestellung spiegelt sich auch in den Hauptvorträgen und Podiumsdiskussionen wieder, für die international renommierte Derrida-Experten gewonnen werden konnten: Geoffrey Bennington (Emory), Bruno Clément (Paris), Alexander García Düttmann (London), Martin Hägglund (Harvard), Anselm Haverkamp (New York), Jean-Luc Nancy (Straßburg), Martine Meskel-Cresta (Cergy-Pontoise) und Martin Saar (Frankfurt). Die Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch.

Die Konferenz richtet sich nicht nur an ein akademisches Fachpublikum, sondern steht philosophisch Interessierten ausdrücklich offen. Sie wurde von einer Gruppe engagierter Studierender, Nachwuchswissenschaftler und Professoren des Instituts für Philosophie und des Instituts für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Goethe-Universität organisiert. An allen drei Konferenztagen finden Kolloquien (Panel Sessions) statt, die von Podiumsdiskussionen (Roundtable) umrahmt werden. Darüber hinaus wurden begleitende Abendveranstaltungen organisiert.

Im öffentlichen Begleitprogramm wird der bekannte französische Philosoph Jean-Luc Nancy am 14. März (Mittwoch) um 18.30 Uhr im Hörsaalzentrum  (HZ 6) auf dem Campus Westend einen Vortrag zum Thema „Politique et/ou politique“ halten. Kein anderer Philosoph hat in vergleichbarer Weise über die politische Dimension der philosophischen Dekonstruktion nachgedacht wie Nancy. In seinem Vortrag in französischer Sprache wird der Philosoph nachzeichnen, wie ein politisches Denken und wie eine politische Praxis im Anschluss an Jacques Derrida aussehen könnte.

Unter der Leitung von Werner Hamacher findet am 16. März (Freitag) um 20 Uhr im Chagallsaal des  Schauspiels Frankfurt eine Podiumsdiskussion mit Martine Meskel-Cresta, Bruno Clément und Martin Saar zum Thema „Theater der Universität“ statt. Auf Grundlage von Derridas Vortrag „Die unbedingte Universität“ beschäftigt sich die Veranstaltung mit dem Status von Universität und deren Rolle im Zusammenspiel mit Verwaltung und Wirtschaft. Die Teilnehmer werden Englisch und Französischer sprechen, der Eintritt ist frei.

Informationen: Sophie Kölbl, Organisationsteam „Derrida-Konferenz“, Campus Westend, Campus Westend, Tel.: (069) 798-22801 (Jutta Jedzig, Sekretariat Prof. Dr. Christoph Menke), presse@derrida-frankfurt.de, www.derrida-frankfurt.net/

Hochschulpolitische Themen

Mär 7 2012
15:52

Konstituierende Sitzung des neu gewählten Hochschulrats der Goethe-Universität mit drei neuen Mitgliedern

Impulsgeber für die universitäre Entwicklung

FRANKFURT. Der neugewählte Hochschulrat der Goethe-Universität ist am 6. März zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengekommen. Das Gremium wählte Dr. Rolf-E. Breuer, ehemaliger Sprecher des Vorstands und früherer Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank AG, einstimmig zu seinem Vorsitzenden. Breuer sitzt dem Gremium bereits seit sieben Jahren vor. Zu seinem Stellvertreter wurde Karlheinz Weimar, der ehemalige Hessische Finanzminister (CDU), gewählt.

Mit drei neuen Mitgliedern hat sich das Aufsichtsgremium der Goethe-Universität, das 2008 an die Stelle der Landesaufsicht getreten ist, spürbar verändert: Mike Josef, SPD-Stadtverordneter der Stadt Frankfurt am Main, sitzt auf Vorschlag studentischer Senatsvertreter im Hochschulrat. Mit Unterstützung der professoralen Senatsvertreter zieht Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, in das Gremium ein. Mit Karlheinz Weimar gewinnt das Gremium ein politisches Schwergewicht. Weimar war vom Präsidium vorgeschlagen worden.

Der Hochschulrat will in den kommenden vier Jahren die Goethe-Universität bei der Standortentwicklung, weiteren Strukturreformen und der Ausgestaltung ihrer institutionellen Autonomie unterstützen; zudem versteht sich der Hochschulrat als Impulsgeber für die Hundertjahr-Feier der Universität, die 2014 ansteht.

Im Einzelnen gehören dem Hochschulrat der Goethe-Universität jetzt folgende Mitglieder an:

Dr. Sönke Bästlein
Schatzmeister im Vorstand der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main e.V. und Mitglied des Vorstands der Stiftung pro universitate

Dr. Rolf-E. Breuer
Ehemaliger Sprecher des Vorstands und früherer Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank AG 

Gabriele Eick
Executive Communications, Beratung für synchronisierte Unternehmenskommunikation

Mike Josef
Stadtverordneter der Stadt Frankfurt am Main

Ingmar Jung
Staatssekretär, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Gerd Köhler
Ehemaliges Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer
Präsident der Leibniz-Gemeinschaft

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger
Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz 

Prof. Dr. Axel A. Weber
Präsident der Deutschen Bundesbank a.D.

Karlheinz Weimar
Hessischer Finanzminister a.D.

Prof. Dr. Bernhard Zwißler
Direktor der Klinik für Anästhesiologie des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München

Sonstige

Mär 6 2012
16:28

Wichtige Quelle zur Frankfurter Stadtgeschichte der dreißiger und vierziger Jahre steht nun als Volltext zur Verfügung

„Neueste Zeitung“ online

FRANKFURT. Die Universitätsbibliothek Frankfurt am Main und die Frankfurter Societäts-Medien GmbH (FSM) haben in einem Kooperationsprojekt das einzig erhaltene Exemplar der Frankfurter „Neuesten Zeitung“ online zugänglich gemacht. Damit steht der Forschung ab sofort eine wichtige Quelle zur Frankfurter Stadtgeschichte der dreißiger und vierziger Jahre mit wenigen Ausnahmen komplett als Volltext zur Verfügung.

Sieben Jahrzehnte lang befanden sich die überlieferten Exemplare der „Neuesten Zeitung“ im Archiv der Frankfurter Societäts-Medien. Mit der Digitalisierung reagierte man auf die unmittelbare Gefährdung dieses für die Frankfurter Stadtgeschichte wichtigen Kulturguts. Gerade Zeitungen aus dieser Zeit sind aufgrund des hohen Anteils an Holzschliff im Papier von Zerfall, gleichbedeutend mit dem Totalverlust, bedroht. Im Jahre 2011 hat die FSM deshalb zusammen mit der Universitätsbibliothek diese wichtige historische Quelle mikroverfilmen und digitalisieren lassen. Die Universitätsbibliothek hat die Digitalisate technisch aufbereitet und auf ihrem Dokumentenserver bereitgestellt.

Die Frankfurter „Illustrierte Tageszeitung mit Versicherung“ (so der Untertitel) erschien in Frankfurt am Main vom 18. April 1931 bis zum 29. Oktober 1942. Jeder Leser hatte mit dem Abonnement der Zeitung automatisch eine Lebensversicherung abgeschlossen. Seit April 1934 erschienen sieben Ausgaben pro Woche, der Untertitel wurde verändert in „Illustrierte Tageszeitung mit Sonntagspost“. Viele Berichte sind mit Abbildungen illustriert. Herausgegeben wurde die „Neueste Zeitung“ als weitere Zeitung neben der überregional bedeutsamen „Frankfurter Zeitung“ von der 1856 von Leopold Sonnemann gegründeten Frankfurter Societäts-Druckerei, der heutigen Frankfurter Societäts-Medien GmbH. Chefredakteur der „Neuesten Zeitung“ war Wilhelm Hollbach, der die Zeitung auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 weiter führte. Nach dem Einmarsch der Amerikaner in Frankfurt im Frühjahr 1945 fungierte Hollbach für einige Wochen als Amtierender Bürgermeister der Stadt. Ein Urteil über seine Rolle als Chefredakteur im Nationalsozialismus gilt bis heute noch als wichtiges Desiderat der Forschung.

Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter Archivzentrum und Frankfurt-Abteilung, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-39007, m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

 Die Digitalisate zur „Neuesten Zeitung“ sind abrufbar unter: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/frankfurt/periodical/titleinfo/3426502

Veranstaltungen

Mär 5 2012
15:27

Der kanadische Medienwissenschaftler Marc Furstenau spricht am 14. März 2012 am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Vortrag: Heidegger und Hollywood im „Tree of Life“

FRANKFURT/BAD HOMBURG. „The Tree of Life“ stelle „die Frage nach dem Grund des Daseins und meint es auch noch ernst“, rieb sich „Spiegel Online“ die Augen und war voll des Lobes. Der Regisseur Terrence Malick habe „einen Film von großer philosophischer Tiefe geschaffen und dabei völlig neue Perspektiven eröffnet, auf die Welt wie aufs Filmschaffen“, assistierte die „Neue Zürcher Zeitung“. Das ebenso tiefschürfende wie bildgewaltige Epos hat es bei der jüngsten Verleihung nicht zum „Oscar“ geschafft. Der Blick auf seine philosophischen und filmischen Besonderheiten bleibt aber umso lohnenswerter. Der kanadische Medienwissenschaftler Marc Furstenau, der zurzeit am Forschungskolleg Humanwissenschaften zu Gast ist, gilt als Experte für das philosophische Kino des Terrence Malick. In seinem auf Deutsch gehaltenen, öffentlichen Vortrag beschäftigt sich der Professor für Filmtheorie und Semiotik von der Carleton University, Ottawa, mit dem

Thema: „Deutsche Philosophie und Hollywood-Kino: Terrence Malicks „The Tree of Life“
am: Mittwoch, dem 14. März 2012, um 19.00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe.

Der amerikanische Regisseur Terrence Malick ist nach einer 20 Jahre währenden Pause 1999 wieder zum Filmemachen zurückgekehrt. Seither hat er drei Filme vorgelegt, die philosophisch immer ehrgeiziger wurden. In seinem aktuellen Werk „The Tree of Life“, für das er im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme erhielt, geht es in überwältigenden Bildern um nichts weniger als Geburt, Tod und die Ursprünge des Universums. Gleichzeitig enthält der Film Elemente des Science-Fiction-Kinos.

Kritiker halten dem Regisseur entgegen, dass das populäre Kino, das mehr oder weniger den Regeln des Hollywood Kinos entspricht und das Malick mit seinen Filmen repräsentiert, solchen philosophischen Ambitionen nicht gewachsen sei. Doch auch in „The Tree of Life“ belässt es Malick nicht bei philosophischen Betrachtungen im Mantel des Hollywood-Films. Er thematisiert gleichzeitig die Sehnsucht, Sinnvolles zum Ausdruck zu bringen, auf der die Sentimentalität Hollywoods gründet. Die analysierende und philosophische Dimension hat bei Terrence Malick auch einen autobiographischen Hintergrund. Er studierte in Harvard und Oxford Philosophie und beschäftigte sich dabei vor allem mit Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger, dessen „Vom Wesen des Grundes“ er Ende der 60er Jahre ins Englische übersetzt hat.

Marc Furstenau, Professor für Filmwissenschaft und Semiotik an der School for Studies in Art and Culture, Carleton University, Ottawa, Kanada, erhielt sein Ph.D. in Communications an der McGill University, Montreal, Kanada. In seinen Publikationen beschäftigt er sich mit dem philosophischen Kino von Terrence Malick und der Theorie der Fotografie von Susan Sontag. Er ist Herausgeber von „The Film Theory Reader: Debates and Arguments“ (New York and London: Routledge, 2010) und Mit-Herausgeber von „Cinema and Technology: Cultures, Theories, Practices“ (London: Palgrave, 2008) sowie ehemaliger Präsident der kanadischen Film Studies Association. Im Februar und März 2012 arbeitet er am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Um eine kurze Anmeldung wird gebeten.

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