​​​​​Pressemitteilungen ​ – Juli 2016

Forschung

Jul 29 2016
12:49

Struktur unterscheidet sich grundlegend von früheren Modellen

Alzheimer-Fibrillen atomar aufgelöst

FRANKFURT.Langestreckte Fasern (Fibrillen) des Beta-Amyloid-Proteins bilden die typischen senilen Plaques im Gehirn von Alzheimer-Patienten. Einem europäischen Forscherteam ist es jetzt zeitgleich mit einem US-amerikanischen Team gelungen, die Struktur des für die Krankheit bedeutendsten Beta-Amyloid-Peptids 1–42 mit atomarer Auflösung aufzuklären. Dies erleichtert die gezielte Suche nach Arzneistoffen zur Behandlung der Alzheimer-Demenz.

Weltweit sind mindestens 60 Prozent der Demenzerkrankungen auf die Alzheimer-Krankheit zurückzuführen. Sie verursacht enormes menschliches Leid und bringt hohe Kosten mit sich. Heilung oder eine ursächliche Therapie gibt es bis heute nicht. Unter anderem deshalb, weil der genaue Ablauf der Krankheit auf molekularer Ebene im Gehirn noch viele Rätsel aufgibt.

Bekannt ist, dass das Beta-Amyloid-Protein eine entscheidende Rolle spielt. Es handelt sich um ein 39 bis 42 Aminosäuren langes, für Nervenzellen giftiges Peptid, das langgestreckte Fibrillen (Fasern) bilden kann. Beta-Amyloid-Peptid 1–42 und Beta-Amyloid-Peptid 1-40 sind die beiden Hauptformen, die in senilen Plaques vorkommen. Warum diese zum Untergang von Nervenzellen im Gehirn führen, ist nicht bekannt, aber von größtem Interesse für die Entwicklung von Alzheimer-Arzneimitteln.

In einer Zusammenarbeit zwischen der ETH Zürich, der Université de Lyon und der Goethe Universität Frankfurt am Main ist es, in Zusammenarbeit mit Kollegen an der Universität Irvine und dem Brookhaven National Laboratory, jetzt gelungen, den Aufbau einer Fibrille des für die Krankheit gefährlichsten Beta-Amyloid-Peptids 1–42 mit atomarer Auflösung aufzuklären. Die Forscher bauten dabei auf Arbeiten der Universität Chicago über die Struktur von Beta-Amyloid Monomeren auf. Weitere immunologische Untersuchungen wiesen nach, dass die untersuchte Form der Fibrillen besonders krankheitsrelevant ist.

Proteinfibrillen sind in elektronenmikroskopischen Aufnahmen zwar sichtbar (Abb. 1), aber es ist sehr schwierig, ins atomare Detail zu gehen. Die dafür gebräuchlichen strukturbiologischen Methoden setzen voraus, dass das Makromolekül entweder als möglichst regelmäßiger Kristall oder in Form einzelner gelöster Moleküle in Wasser vorliegt. Fibrillen sind jedoch langgestreckte Gebilde, die unter sich verkleben und weder Kristalle bilden noch in Wasser gelöst werden können.

Einzig die Festkörper-Kernresonanzspektroskopie (Festkörper-NMR) ist hier in der Lage, Einblick auf atomarer Ebene zu bieten. Neue methodische Entwicklungen erlauben es, ein Netzwerk von Distanzen zwischen Atomen der Proteinmoleküle in einer Fibrille auszumessen (Abb. 2). Daraus konnte in umfangreichen Rechnungen der atomare Aufbau der Fibrille rekonstruiert werden.

Der Hauptteil des Beta-Amyloid 1–42 Peptids nimmt die Struktur eines doppelten Hufeisens an (Abb. 3). Jeweils zwei gleiche Moleküle in einer Ebene bilden, aufeinandergestapelt, eine lange Fibrille. Viele Wasserstoffbrückenbindungen parallel zur Längsachse geben der Fibrille ihre hohe Stabilität.

„Die Struktur unterscheidet sich grundlegend von früheren Modellstudien, für die kaum experimentelle Messdaten zur Verfügung standen“, erklärt Prof. Peter Güntert, Professor für Computergestützte Strukturbiologie an der Goethe-Universität.

In Fachkreisen haben die Publikationen der europäischen und amerikanischen Teams, die einander bestätigen, für Aufsehen gesorgt, denn erstmals ist es möglich, auf Grundlage der Struktur gezielt nach Arzneistoffen zu suchen, die Beta-Amyloid Fibrillen angreifen. Die Forscher hoffen, dass in den nächsten ein bis zwei Dekaden der vor 110 Jahren von dem Frankfurter Arzt Alois Alzheimer erstmals beschriebenen Geißel des Alters der Schrecken genommen werden kann.

Publikationen: Wälti, M. A., Ravotti, F., Arai, H., Glabe, C., Wall, J., Böckmann, A., Güntert, P., Meier, B. H. & Riek, R. Atomic-resolution structure of a disease-relevant Aβ(1-42) amyloid fibril. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, DOI 10.1073/pnas.1600749113.

http://www.pnas.org/content/early/2016/07/27/1600749113

Colvin, M. T., Silvers, R., Ni, Q. Z., Can, T. V., Sergeyev, I., Rosay, M., Donovan, K. J., Michael, B., Wall, J., Linse, S. & Griffin, R. G. Atomic resolution structure of monomorphic Aβ42 amyloid fibrils. Journal of the American Chemical Society, DOI 10.1021/jacs.6b05129.

Xiao, Y., Ma, B., McElheny, D., Parthasarathy, S., Long, F., Hoshi, M., Nussinov, R. & Ishii, Y. Aβ(1–42) fibril structure illuminates self-recognition and replication of amyloid in Alzheimer’s disease. Nature Structural & Molecular Biology 22, 499–505 (2015).

Bilder zum Download finden sie hier www.uni-frankfurt.de/62697618

Bildtexte:

Abb. 1: Elektronenmikroskopische Aufnahme der Alzheimer-Fibrillen.
Abb. 2: Netzwerk der Atome im Proteinmolekül
Abb. 3: Struktur der Amyloid-Beta 1–42 Fibrille

Informationen: Prof. Peter Güntert, Institut für Biophysikalische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29621, guentert@em.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Jul 19 2016
16:19

Sammelband mit Beiträgen zu jüdischen Wissenschaftlern und ihren Gegnern an der Universität Frankfurt vor und nach 1933 – Ergebnisse einer internationalen Tagung zum Jubiläumsjahr der Goethe-Universität

Neuerscheinung: „Politisierung der Wissenschaft“

FRANKFURT. Die Besonderheit der Frankfurter Universitätsgeschichte bietet auch die Möglichkeit für eine ungewöhnliche und neuartige Fragestellung: Wie gestaltete sich in Frankfurt das Verhältnis zwischen scharf rechtsgerichteten, „völkisch“-antisemitischen Wissenschaftlern auf der einen und liberalen, deutsch-jüdischen Gelehrten auf der anderen Seite vor und nach 1933? Überraschenderweise lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten erkennen: So wollten Vertreter beider Seiten die von ihnen als defizitär wahrgenommene Politik in der Weimarer Republik mit Hilfe der Wissenschaft reformieren. Jeder nutzte auf seine Art das wissenschaftliche Etikett der Objektivität und erteilte auf dieser Basis politische Handlungsdirektiven.

Wie sich der politische Geltungsanspruch Frankfurter Wissenschaftler auswirkte und welche Arbeitsatmosphäre dadurch an der Universität entstand, wird in dem soeben erschienenen Buch Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933, herausgegeben von Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian, in zahlreichen Beiträgen erforscht.

Da sich 1914 viele jüdische Frankfurter Bürger an der Gründung und finanziellen Ausstattung der neuen Universität beteiligten, nutzten sie auch ihren Einfluss, um die an den übrigen deutschen Universitäten vorherrschende Berufungspolitik zu verändern: Jüdische Bewerber, die aufgrund ihrer Religion an vielen anderen deutschen Hochschulen benachteiligt wurden, bekamen im liberalen Frankfurt eine Chance, wo das konfessionelle Moment keine Rolle spielte. Es waren nicht zuletzt jüdische Wissenschaftler - hier seien etwa der Mediziner Paul Ehrlich, der Religionsphilosoph Martin Buber oder der Historiker Ernst Kantorowicz genannt – die maßgeblich dazu beitrugen, dass die Universität Frankfurt in der Weimarer Republik als ausnehmend progressiv und „modern“ galt. 1933, als diese im Zuge der nationalsozialistischen Politik vertrieben wurden, stellten sie ein Drittel des Lehrkörpers der Goethe-Universität.

Wie konnte gerade die an der Frankfurter Universität betriebene Wissenschaft eine so hohe gesellschaftspolitische Außenwirkung erlangen? Welche Arbeitsatmosphäre herrschte dort, wo bekannte „völkische“ ebenso wie bedeutende jüdische Wissenschaftler ihre Fragen und Theorien entwickelten? Welchen Einfluss hatte gerade diese Koexistenz auf die gesellschaftspolitische Innovationskraft der Wissenschaft? Mit diesen Fragen beschäftigen sich im vorliegenden Band international renommierte Forscher wie der französische Philosoph Emmanuel Faye, der amerikanische Geschichtsphilosoph Martin Jay oder die israelischen Historiker Shulamit Volkov und Moshe Zimmermann.

Der Wahrheit verpflichtet, suggerierte die Wissenschaft nur allzu leicht, dass auch ihre Ergebnisse objektiv seien. Deshalb musste gerade in der um politische Stabilität ringenden Weimarer Republik eine Politik, deren Forderungen aus der Wissenschaft abgeleitet wurden, wie eine Art Heilsversprechen erscheinen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Wissenschaftsverständnis des im Tagungsband untersuchten Soziologen Franz Oppenheimer, der die Absicht hatte, mit seiner Wissenschaft zur „Erlösung“ der Menschheit von irdischen Übeln beizutragen: „Oppenheimer war von einem starken Sendungsbewusstsein durchdrungen und wollte die soziale Frage lösen, indem er gegen die sozialen Missstände anging“, so der in Graz forschende Ökonom Heinz D. Kurz. Für Oppenheimer lag die Ursache der Armut in der historischen Tatsache begründet, dass der Boden in Privateigentum übergegangen und es damit zu einer künstlichen Verknappung der lebensnotwendigen Ressourcen gekommen sei. Infolgedessen forderte er, den Boden in Gemeineigentum zu überführen, wobei dies mittels Genossenschaften erreicht werden solle. Allerdings können die auf wissenschaftlichem Weg gewonnenen politischen Haltungen zum Gegenteil des eigentlich Intendierten führen: „Wie soll man gegen eine politische Ansicht argumentieren, die sich das wissenschaftliche Etikett der Objektivität anheftet bzw. einen wissenschaftlichen Wahrheitsanspruch erhebt?“, fragt Janus Gudian. Wenn jede qua Wissenschaft gewonnene politische Meinung auf „ihre“ Objektivität pocht, werden ihre Geltungsansprüche widerstreiten, statt einen Konsens herbeiführen.

Doch gerade in der entscheidenden Frage, wie gesellschaftlicher Konsens erzeugt werden soll, unterscheiden sich die beiden genannten Gruppen eklatant voneinander: Während „völkische“ Wissenschaftler primär Gesellschaftsmodelle entwickelten, die auf eine homogene Bevölkerung zielten, indem sie „Andersartige“ ausgrenzten, stand den mehrheitlich liberal denkenden jüdischen Gelehrten eine heterogene Gesellschaft vor Augen, geprägt vom Gedanken der Inklusion. Als Beitrag zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität organisierten das Historische Seminar und das Fritz Bauer Institut im Rahmen des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften 2012 eine internationale Tagung zur politischen Wissenschaftskultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aus der nun dieser Sammelband hervorgegangen ist. „Jubiläen haben sich zu hochpolitischen Ereignissen entwickelt, mit deren Hilfe nicht nur Identität gestiftet, sondern auch die Zukunft gestaltet werden soll. Zu diesem Zweck wird die kollektive Erinnerung an die Vergangenheit des Jubilars erneuert. Damit schlägt bei einem Jubiläum traditionell die Stunde des Historikers“, so der wissenschaftliche Bearbeiter des Bandes, Janus Gudian.

Bibliografische Angaben

Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian (Hrsg.): „Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933. (Schriftenreihe des Frankfurter Universitätsarchivs 5), Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1438-2, 505 Seiten, 39,90 Euro.

Mit Beiträgen von Steven E. Aschheim, Mitchell G. Ash, Peter C. Caldwell, David Dyzenhaus, Emmanuel Faye, Janus Gudian, Jeffrey Herf, Martin Jay, David Kettler, Carsten Kretschmann, Heinz D. Kurz, Robert E. Lerner, Alexander von Schwerin, John C. Stillwell, Shulamit Volkov, Michael Zank und Moshe Zimmermann.

Informationen: Janus Gudian M.A., Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798-32426, E-Mail: gudian@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 19 2016
08:20

Christen wurden nicht wegen ihres Glaubens verfolgt

Die Entdeckung der Religionsfreiheit in der Antike

FRANKFURT.Die Geschichte der frühen Christenverfolgung werde in der jüngeren historischen Forschung weitaus weniger dramatisch gesehen als früher, so der Leibniz-Preisträger Prof. Hartmut Leppin. In seinem Beitrag zur „Entdeckung der Religionsfreiheit in der Antike“ in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt“ erklärt der Althistoriker: „Man beobachtet eine Politik des Gewährenlassens, aber keine bewusste Toleranz und kein Recht auf Religionsfreiheit.“

Eine Trennung zwischen Staat und Religion gab es in der Antike nicht. Die wichtigsten Kulte waren solche, die von der Republik getragen und finanziert wurden. Politiker bekleideten als wichtige Stufen in ihrer Karriere auch Priesterämter. „Wenn im Kult etwas falsch gemacht wurde, drohte der Zorn der Götter, der das ganze Gemeinwesen treffen konnte“, so Leppin. Insofern gehörte es zu den Aufgaben des Senats, über die Ausübung des religiösen Kults zu wachen. Beispielsweise beschäftigte er sich im Jahr 186 v. Chr. mit dem ausufernden Kult zu Ehren des Weingotts Bacchus.

Doch lief die Politik des Senats nicht nur darauf hinaus, das Bestehende zu bewahren. So wurde die phrygische Fruchtbarkeitsgöttin Kybele während des zweiten Krieges gegen Karthago eingeführt – trotz der für die Römer schockierenden Praxis der Priester, sich selbst zu kastrieren. Auch der aus Ägypten stammende Isis-Kult wurde nach einem wechselvollen Schicksal schließlich durch die römischen Kaiser im 1. Jahrhundert n. Chr. gefördert.

Die Christen wurden nicht wegen ihres Glaubens verfolgt, sondern weil sie sich weigerten, den Göttern zu Opfern und mit diesem Kultfrevel das Gemeinwesen gefährdeten“, erklärt Leppin. Den römischen Beamten sei es gleichgültig gewesen, ob das Opfer mit innerer Anteilnahme dargebracht wurde. So konnten Christen, die opferten, ungeahndet ihrem Glauben weiterhin anhängen. Eine systematische Christenverfolgung setzte erst im 3. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Decius ein. Er war in einer Zeit militärischer Bedrängnis an die Macht gekommen und forderte alle Bürger des Reiches auf, die Götter durch Opfer gnädig zu stimmen – und diese Anordnung wurde streng kontrolliert.

Auch unter den nachfolgenden Kaisern erlebten die Christen über Jahrzehnte anhaltende Bedrängnis. In diesem Kontext entstand die Idee der Religionsfreiheit, die erstmals um 200 n. Chr. bei dem römischen Autor Tertullian dokumentiert ist. Ihre politische Umsetzung durch Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert blieb jedoch ein Zwischenspiel. Denn die christlichen Kaiser begannen bald ihrerseits, andersgläubige zu bedrängen; zunächst Christen anderer Konfession, dann zunehmend auch Heiden und Juden. Der Gedanke der Religionsfreiheit blieb in verschiedenen Texten über die Jahrhunderte erhalten. „Da das Argument schon einmal durchdacht worden war, ließ es sich leichter zur Geltung bringen. Insofern gehört der Gedanke der Religionsfreiheit, obwohl er seinerzeit nicht besonders bedeutend war, zu den wichtigsten Elementen des Erbes der Antike“, schlussfolgert der Althistoriker.

Informationen: Prof. Hartmut Leppin, Historisches Seminar, Exzellenzcluster Herausbildung Normativer Ordnungen, Tel.: (069)-798-32462, h.leppin@em.uni-frankfurt.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 15 2016
12:27

LOEWE Schwerpunkt MegaSyn erforscht Syntheseprinzip riesiger Enzyme/ 4,6 Millionen Euro für vier Jahre

Megasynthasen: Schlüssel zum Design neuer Antibiotika?

FRANKFURT.Antibiotika und viele andere pharmazeutische Wirkstoffe werden im Labor von Mikroorganismen produziert und oft nur noch chemisch „veredelt“, bevor sie in die Apotheke kommen. Die Wirkstoffe werden von riesigen, multifunktionalen Enzyme, den Megasynthasen, erzeugt. Im neuen LOEWE Schwerpunkt MegaSyn möchten Forscher jetzt herausfinden, wie die Natur die riesigen Moleküle Schritt für Schritt synthetisiert, damit sie selbst maßschneiderte Megasynthasen herstellen können. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert MegaSyn mit 4.644.000 Euro in den nächsten vier Jahren.

Ob es sich um so wichtige Antibiotika wie Erythromycin, Vancomycin und Daptomycin handelt, um Cholesterin-Senker wie die Statine oder um Immunsuppresiva wie Ciclosporin – immer sind Megasynthasen bei der Produktion im Spiel. Die Biosynthese dieser wichtigen Wirkstoffe erfolgt über Carbon- oder Aminosäuren, die wie am Fließband einer Autofabrik von einer enzymatischen Station zur nächsten weitergereicht werden, bis am Ende der fertige Wirkstoff abgespalten wird.

Bisher ist die Struktur der Megasynthasen kaum erforscht, da sie durch ihre schiere Größe über strukturbiologische Methoden wie Röntgenspektroskopie nur schwer zugänglich sind. Dennoch konnten Forscher bereits einige der wertvollen Riesenmoleküle in den Dienst nehmen: „Wir haben in den letzten Jahren Regeln für die Modifikation natürlicher nicht-ribosomaler Peptid Synthetasen gefunden. Damit können wir neue Megasynthasen und schließlich aminosäurebasierte Wirkstoffe erzeugen, die es so in der Natur noch nicht gab“, erläutert Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie und einer der beiden Sprecher von MegaSyn.

„Die Informationen aus den geplanten strukturbiologischen Arbeiten werden uns erlauben, bestimmte Klassen von Megasynthasen besser zu kontrollieren, so dass wir vielleicht schon in wenigen Jahren viele Produkte über maßschneiderte Megasynthasen in biosynthetischen Prozessen herstellen können“, sagt Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der Volkswagenstiftung an der Goethe Universität und auch Sprecher von MegaSyn.

Für das Design von Megasynthasen werden nun in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Marburg, der Max Planck Institute für terrestrische Mikrobiologie (Marburg) und für Biophysik (Frankfurt) sowie der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen, Baupläne für verschiedene Megasynthasen erarbeitet: Polyketidsynthasen (PKS), Fettsäuresynthasen (FAS) oder nicht-ribosomale Peptid Synthetasen (NRPS). Dazu wollen die Forscher einerseits Methoden zur effizienten molekularbiologischen Manipulation der Gene entwickeln, welche die Megasynthase kodieren. Andererseits wollen sie moderne strukturbiologische Methoden erstmals nutzen, um detaillierte Einblicke in die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen zu werfen.

„Mit MegaSyn haben wir ein weltweit einmaliges Konsortium aus Biochemikern, Biophysikern, Molekularbiologen, Strukturbiologen und Biotechnologen geschaffen, das es erlaubt, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung mit angewandter Forschung an Wirkstoffen zu verbinden“, erläutern Helge Bode und Martin Grininger. Da im Rahmen von MegaSyn die Weichen für die Entwicklung von Schlüsseltechnologien für die Wirkstoff-Forschung gestellt werden sollen, ist auch das Interesse der pharmazeutischen Industrie groß. Deshalb wird MegaSyn auch von Unternehmen wie Merck (Darmstadt) unterstützt.

Ein Bild zum Download finden sie hier: www.uni-frankfurt.de/62453495

Bildtext: Test für die Wirkung von Antibiotika: die mit Antibiotikum getränkten Testplättchen zeigen gegen die Bakterienkultur eine Aufklarungszone (links), in der keine Bakterien wachsen. Unwirksame zeigen dies nicht (rechts).

Informationen: Prof. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessor für Molekulare Biotechnologie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de

Prof. Martin Grininger, Lichtenberg-Professor der Volkswagenstiftung, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798-42705, grininger@chemie.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 15 2016
12:21

Neuer LOEWE-Schwerpunkt „Religiöse Positionierung“ an der Goethe-Universität untersucht Verhältnis von Judentum, Christentum und Islam zu religiöser Vielfalt und Differenz in historischer und empirischer Perspektive

Welches Gewalt- und Friedenspotenzial bergen die monotheistischen Weltreligionen?

FRANKFURT.Im Rahmen der 9. LOEWE-Förderstaffel des Landes Hessen erhält die Goethe-Universität einen neuen Forschungsschwerpunkt: „Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten (RelPos)“. Das Projekt wird vom Land Hessen mit einer Summe von knapp 4,5 Millionen Euro gefördert, die Förderzeitraum reicht von 2017 bis 2020. Federführende Institution ist die Goethe-Universität, Wissenschaftlicher Koordinator Prof. Christian Wiese (Fachbereich Evangelische Theologie). An der kooperierenden Justus-Liebig-Universität Gießen ist Prof. Roderich Barth Wieses Stellvertreter.

Zum Hintergrund: Gegenwärtig wird angesichts einer Vielzahl gewaltförmiger Konflikte, in denen Religion zum Tragen kommt, über die ebenso sinnstiftende wie auch zerstörerische Rolle von Religion und Religionen kontrovers debattiert. Besonders monotheistischen Religionen wird dabei unterstellt, sie ständen aufgrund ihrer zum Teil exklusiven Geltungsansprüche dem Pluralismus feindlich gegenüber und hätten eine Tendenz zu fundamentalistischen Positionen oder zur Gewalt. Andere Interpretationen hingegen sehen in ihnen ein Potenzial, Konflikten, Kriegen und Terror entgegenzuwirken. „Die aktuellen Debatten über die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen der zahlenmäßig beispiellosen Zuwanderung von Geflüchteten zeigen, dass sich Einwanderungsgesellschaften künftig auf ein weit höheres Maß an religiös-kultureller Pluralisierung und dadurch ausgelösten Ängsten und Konflikten einstellen müssen“, betont Prof. Christian Wiese. Der neue LOEWE-Schwerpunkt wird vor diesem Hintergrund die Funktion religiöser Positionierungen in historischen wie auch gegenwärtigen jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten hinsichtlich des Umgangs mit religiöser Differenz untersuchen. „Interreligiöse Pluralismus- oder Dialogkonzepte zielen auf eine konsensorientierte, harmonisierende Überwindung von Gegensätzen. Wir hingegen gehen in unserem Projekt davon aus, dass Religionen grundsätzlich positionell und somit konflikthaft, deshalb aber nicht zwangsläufig pluralismusunfähig sind, sondern Differenzen Ernst zu nehmen und zu achten vermögen“, erläutert Prof. Wiese. Beteiligt an diesem interreligiösen und interdisziplinären Projekt sind neben der protestantischen Theologie, der Judaistik und den Islamischen Studien auch die Soziologie, die Ethnologie und die Erziehungswissenschaften.

Wiese verweist auf die ausgezeichneten Voraussetzungen, die der Wissenschaftsstandort Frankfurt/Gießen bietet, einen innovativen Beitrag zu Fragen von Religion und Gesellschaft, Migration und Integration sowie religiöser Differenz und Interreligiosität zu leisten: So ist der Fachbereich Evangelische Theologie an der Goethe-Uni bereits mit dem Institut für Theologie an der Justus-Liebig-Universität eng verbunden; gemeinsam werden auch nichtkonfessionelle religionswissenschaftliche und –philosophische Studiengänge angeboten, die programmatisch auf Interreligiosität ausgerichtet sind. Im Bereich der Jüdischen Studien ist mit dem Seminar für Judaistik und der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie ein international gut vernetzter Partner vorhanden. Ferner hat das vom BMBF und vom Land Hessen geförderte Zentrum für Islamische Studien Frankfurt/Gießen in den vergangenen Jahren eine führende Rolle im Bereich einer modernen islamisch-theologischen Wissenschaft eingenommen. Auch die in Frankfurt beim Exzellenzcluster „Normative Orders“ angesiedelten Projekte bieten beste Kooperationsmöglichkeiten: Beispielsweise das „Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam“ von Prof. Susanne Schröter, das aktuelle Entwicklungen in der islamischen Welt untersucht, das Projekt „Genese und Geltung des Säkularen“ (Prof. Matthias Lutz-Bachmann u. Prof. Thomas Schmidt) oder „Macht, Herrschaft und Gewalt in Ordnungen der Rechtfertigung“ (Prof. Rainer Forst). Ebenfalls zu nennen sind auf dem Gebiet der interreligiösen Forschung die seit 2014 etablierten Kooperationen der Goethe-Universität mit der Tel Aviv University und der Cambridge University. Der Forschungsschwerpunkt wird zudem intensiv mit Partnerinstitutionen im Bereich von Bildung und Politik in Frankfurt und der Rhein-Main-Region zusammenarbeiten und so auch zu den öffentlichen Debatten über religiöse Vielfalt und Differenz beitragen.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christian Wiese, Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie

Dekan des FB 06, Evangelische Theologie. Geschäftsführender Direktor des Instituts für Religionsphilosophische Forschung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069)  798 33313; E-Mail: C.Wiese@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 15 2016
08:32

Kein „Glaubensunterricht“: Das grundgesetzlich verankerte Schulfach soll vor allem Wissen über den Glauben vermitteln

Religionsunterricht – eine deutsche Besonderheit

FRANKFURT.Religionsunterricht gehört in Deutschland zum ganz normalen Fächerkanon einer staatlichen Schule. Wie passt das zusammen mit der angeblichen Trennung von Staat und Religion in unsrem Land? Warum das spezifisch deutsche Konstrukt, das letztlich bis auf die Paulskirchenverfassung zurückreicht, eine Chance für die Gesellschaft sein kann, dieser Frage ist Anke Sauter in ihrem Beitrag für die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ nachgegangen. Interessante Gesprächspartner fand sie dabei bei den Religionspädagogen unterschiedlicher Prägung, die an der Goethe-Universität lehren und forschen.

Allgemeinbildende öffentliche Schulen sollten sich um alle Lebensbereiche kümmern und den Schülern die dafür notwendige Bildung vermitteln – das ist einer der Grundgedanken dafür, dass an deutschen Schulen auch die Religion ihren festen Platz hat. Als einziges Schulfach ist sie sogar im Grundgesetz verankert: Dort ist einerseits festgeschrieben, dass die Inhalte in Abstimmung mit den Religionsgemeinschaften vermittelt werden, dass es aber andererseits auch die Möglichkeit gibt, sich vom Religionsunterricht abzumelden. War der Unterricht in den Anfangsjahren der Bundesrepublik noch stark am Kennen- und Auswendiglernen religiöser Texte orientiert, fand in den 1970er Jahren eine Öffnung statt. Weder evangelischer noch katholischer Religionsunterricht konzentriert sich noch allein auf die der eignen Konfession zugehörigen Themen; beide vermitteln auch Wissen über andere Religionsgemeinschaften und auch über nichtreligiöse Lebensorientierungen. „Der Glaube ist ein Thema des Religionsunterrichts, aber Religionsunterricht ist kein Glaubensunterricht“, sagt der evangelische Religionspädagoge Prof. Dr. David Käbisch. Denn der Glaube sei nicht verfügbar und könne insofern kein „operationalisierbares Unterrichtsziel“ sein. Glaube wird meist in den Familien vermittelt – wenn überhaupt
–, im schulischen Unterricht jedoch geht es um Inhalte.

Das sollte nach Ansicht des muslimischen Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Harry Harun Behr auch beim islamischen Religionsunterricht der Fall sein. Anders als viele Nicht-Muslime glaubten, wüchsen muslimische Kinder oft eher glaubensfern auf. Wie bei vielen christlichen Kindern gehe es im schulischen Religionsunterricht zunächst um „religiöse Alphabetisierung“, so Behr. Schon 1980 hat die Kultusministerkonferenz der Länder die Notwendigkeit des islamischen Religionsunterrichts konstatiert, doch erst in den vergangenen Jahren kam der Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur in Gang. An der Goethe-Universität wurde ein neues Fach „Islamische Studien“ eingeführt, das dem Aufbau einer Islamischen Theologie dienen soll. Gemeinsam mit der Uni Gießen beheimatet Frankfurt ein Zentrum für Islamische Studien; in Gießen werden Grundschullehrer ausgebildet, an der Goethe-Universität gibt es seit diesem Frühjahr einen Weiterbildungsstudiengang für bereits praktizierende Lehrkräfte, vom Wintersemester 2016/17 an wird ein grundständiges Studium für Sekundarstufenlehrer angeboten. Für diese beiden Studiengänge ist Prof. Behr zuständig.

Eine Hürde bei der Einrichtung des bekenntnisorientierten Unterrichts analog zu dem für die christlichen Konfessionen ist freilich die Tatsache, dass es im Islam keine mit kirchlichen Entscheidungsträgern vergleichbaren Instanzen gibt. In den Ländern, in denen die Inhalte des Religionsunterrichts sich tatsächlich an den Glaubensgemeinschaften orientieren sollen, hat man sich deshalb mit Beiräten beholfen, in denen unterschiedliche Richtungen des Islam vertreten sind. In Hessen ging man einen anderen Weg, indem man direkt mit zwei Verbänden – der türkisch orientierten DITIB Hessen und der Ahmadiyya Muslim Jamaat Verträge schloss, so dass es zwei islamische Angebote unterschiedlicher Ausrichtung gibt. Die Unterschiede seien eher kultureller als theologischer Art, betont Behr, der maßgeblich an der Erarbeitung des Kerncurriculums beteiligt war. Während Kritiker der Landesregierung monieren, man dürfe mit einer dem türkischen Staat so nahe stehenden Institution wie DITIB nicht so eng kooperieren, sieht Behr die Chance in dem neuen Angebot: „Islamunterricht ist normalitätsstiftend“, sagt er – auch für das Zusammenleben der Muslime unterschiedlicher Herkunft. Vor allem aber trage der Unterricht in deutscher Sprache erheblich zur Integration der jungen Muslime in die deutsche Gesellschaft bei. „Wir müssen ein attraktiveres Angebot machen als die Islamisten“, betont Behr.

Ob das neue Studienangebot auch junge Leute mit extremen Positionen anzieht, darüber kann nur spekuliert werden. Aber auch in diesen Fällen ist das Angebot eine Chance, ins Gespräch zu kommen. „Theologie ist Selbstaufklärung“, sagt der katholische Religionspädagoge Prof. Dr. Bernd Trocholepczy. Auch in den christlichen Theologien gibt es immer wieder fundamentalistisch geprägte Studierende. Manche könne man umstimmen, manche gäben ihr Studium wieder auf. Denn, so Trocholepczy, theologische Rationalität und Fundamentalismus seien nicht miteinander vereinbar.

Sonstige

Jul 14 2016
12:27

Gefährdet die Digitalisierung nicht nur die Privatsphäre, sondern auch die politische Teilhabe und Kritik? Die aktuelle Ausgabe des UniReport stellt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Thema vor

Wie viel Freiheit steckt noch im Privaten?

FRANKFURT.Verschwindet durch die Allgegenwart digitaler Medien die Privatsphäre, ist der Nutzer von Smartphones und Tablet Computer eine gefährdete Spezies? Prof. Sandra Seubert, Politikwissenschaftlerin an der Goethe-Universität, forscht gemeinsam mit Medien- und Rechtswissenschaftlern sowie Informatikern im Rahmen einer interdisziplinären Forschungsgruppe zum „Strukturwandel des Privaten“. Sie hinterfragt dabei den in der öffentlichen Debatte nur selten problematisierten Begriff des Privaten: „Man beklagt, dass mit dem Privaten gegenwärtig ein Wert gefährdet oder gar im Verschwinden begriffen ist: Aber was ist es eigentlich, was wir hier normativ wertschätzen?“Die von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungsgruppe legt deshalb einen besonderen Fokus auf den politischen Werts des Privaten: seine Bedeutung für die Demokratie, für Partizipation, Widerspruch und Kritik.

Die weiteren Themen in der Juli-Ausgabe des UniReport:

  • Verantwortungsvoller Umgang mit Versuchstieren: Der Neurophysiologe Jochen Roeper erforscht Morbus Parkinson und Schizophrenie.
  • Essay: Köln – Junge Männer und sexuelle Übergriffe: Was hat das mit dem Islam zu tun? Die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş kommentiert zum Abschluss der Debatte im UniReport die Vorfälle der Silvesternacht.
  • Rechtsberatung für Migranten: Im Projekt „Law Clinic Migration und Teilhabe“ engagieren sich Studierende der Rechtswissenschaften.
  • Speisekammer, Apotheke und Kulturlandschaft: Eine Ausstellung im Palmengarten stellt die unbekannten Seiten der Savanne vor.
  • Wie Wissenschaft und Politik voneinander lernen können: Ein Nachbericht zum Hochschulforum Third Mission an der Goethe-Uni.
  • Gute Erzählungen ähneln Brühwürfeln: Katja-Lange-Müller über ihre Vorgänger der Frankfurter Poetikdozentur und ihre Zeit in Bergen-Enkheim.
  • Wo kluge Köpfe am liebsten schreiben: Die Gewinner des Foto-Wettbewerbs „Schreiborte“.

Der UniReport 4/2016 steht zum kostenlosen Download bereit unter http://www.unireport.info/62394146. Im neuen Online-Magazin „Goethe-Uni online“ werden darüber hinaus Beiträge des UniReport mit weiteren Texten, Fotos und Videos ergänzt: http://tinygu.de/UniReport

Sonstige

Jul 13 2016
14:55

Santander Universitäten fördert auch künftig Internationalität der Goethe-Universität

„Einzigartige Gastfreundschaft“ kann weitergehen

FRANKFURT.„Diesmal habe ich bei der Ausländerbehörde so positive Erfahrungen gemacht, und ich kann meine Dankbarkeit gar nicht in Worte fassen.“ „Ich freue mich schon wiederzukommen und Goethes einzigartige Gastfreundschaft noch einmal zu erleben.“ „Ihnen allen vielen Dank für Ihre Unterstützung. Ihre Hilfe sowohl bei bürokratischen Dingen als auch in Hinblick auf die Unterkunft hat wirklich einen großen Unterschied ausgemacht.“ Diese Stimmen (in Übersetzung) stammen allesamt von Gastwissenschaftlern, die beim Aufenthalt in Frankfurt vom Goethe Welcome Center (GWC) beraten und unterstützt worden sind. Dessen Existenz ist auch künftig gesichert, die weitere Förderung durch Santander Universitäten wurde heute vertraglich festgehalten.

Das Welcome Center soll optimale Startbedingungen für internationale Wissenschaftler schaffen, indem es ihnen vor, während und nach ihrem Aufenthalt zur Seite steht. Die Hilfe reicht vom Behördengang über die Wohnungssuche bis hin zur Bewerbung um einen Kita-Platz für den Nachwuchs. Auch in Versicherungsfragen berät das GWC, zudem bietet es Sprachkurse und Exkursionen an. Die Einrichtung des GWC und einiger weiterer Angebote, die die Goethe-Uni internationaler machen sollen, wurde erst möglich durch Spenden von Santander Universitäten. Die erste Kooperationsvereinbarung aus dem Jahr 2012 ist am heutigen Mittwoch erneuert worden. Eine entsprechende Vereinbarung haben die Präsidentin der Universität, Prof. Birgitta Wolff, und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter der Santander Consumer Bank AG, in Frankfurt am Main unterzeichnet.

„Wir sind sehr froh, auch in Zukunft einen solch renommierten und verlässlichen Partner wie die Goethe-Universität Frankfurt an unserer Seite zu haben“, erklärte Fernando Silva anlässlich der Vertragsunterzeichnung. „Universitäten leisten einen enormen Beitrag für die Gesellschaft“, so der Generalbevollmächtigte weiter. Daher werde Santander in den nächsten vier Jahren wieder mehrere 100 Millionen Euro in die Finanzierung von Universitätsprojekten weltweit investieren.

Ein Santander-Förderschwerpunkt bleibt in den nächsten Jahren das Welcome Center der Goethe-Universität. Seit 2012 konnten zwei separate Service-Büros am Campus Westend und am Campus Riedberg eröffnet werden, insgesamt wurden bis April 2016 709 Wissenschaftler aus dem Ausland betreut. Schon vor ihrer Ankunft werden die Gäste mit umfangreichen Informationen versorgt. Universitätspräsidentin Birgitta Wolff: „Das Welcome Center hilft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland, sich schneller an der Uni und in Frankfurt zurechtzufinden. Ein echter Standortvorteil. Insofern ist es von unschätzbarem Wert, dass die Goethe-Universität auch weiterhin auf Santander als Partner zählen kann.“

Zudem wird die bisherige Förderung einer halben Stelle für Didaktik des Spanischen am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien fortgeführt. Die Stelle wurde im Oktober 2012 erstmals besetzt und beinhaltet ein Lehrdeputat von neun Semesterwochenstunden. Der Stelleninhaber führt neben den Kursen veranstaltungsbegleitend auch Prüfungen durch.

Darüber hinaus wird die Bank 20 Deutschlandstipendien für Studierende der Goethe-Universität zur Verfügung stellen. Weltweit werden derzeit 36.000 Stipendiaten von Santander gefördert. Laut einem aktuellen Bericht der UNESCO ist Santander heute der größte private Förderer von Höherer Bildung.

Bilder zum Download finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/62388193

Bildunterschrift: Unipräsidentin Prof. Birgitta Wolff und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter der Santander Consumer Bank AG, bei der Vertragsunterzeichnung.

Forschung

Jul 12 2016
12:44

Neue Forschergruppe erforscht Mikromilieu auf der Suche nach gezielteren Therapien

Darmkrebs: Zellen in Tumor-Umgebung sind wichtig

FRANKFURT.Grundlegende Mechanismen bei der Entstehung des Darmkrebses zu untersuchen, ist das Ziel einer neuen Forschergruppe unter Federführung von Prof. Florian R. Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie sowie Professor an der Goethe Universität. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert das Vorhaben mit 3,5 Millionen Euro für zunächst drei Jahre.

Darmkrebs gehört nach wie vor zu den häufigsten Tumoren im Erwachsenenalter. Trotz großer Fortschritte in der Diagnose und Therapie lässt sich Dickdarmkrebs bis heute nur unzureichend gezielt bekämpfen. Mittlerweile ist auch bekannt, warum: nicht nur die eigentlichen Tumorzellen, sondern auch Immunzellen und Bindegewebszellen in direkter Umgebung der Tumorzellen, das sogenannte Tumormikromilieu, haben einen entscheidenden Einfluss auf das Tumorwachstum.

Die zelluläre Zusammensetzung dieses Mikromilieus und die Beschaffenheit der beteiligten Zellen sind sehr variabel und beeinflussen sich gegenseitig: bestimmte Mutationen in Tumorzellen können die Zusammensetzung des Tumorstromas, des bindegewebigen Stützgerüstes, verändern. Auf der anderen Seite haben Zellen aus dem Tumorstroma einen großen Einfluss auf das Wachstum der eigentlichen Tumorzellen und damit auf den Erfolg von Therapien. Derzeitige Standardtherapien richten sich in der Regel nur gegen die Tumorzellen und berücksichtigen mögliche Veränderungen im Tumormikromilieu nicht.

Die Forschergruppe „Cell Plasticity in Colorectal Carcinogenesis“, an der die Goethe-Universität sowie der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Regensburg beteiligt sind, beabsichtigt nun, die komplexen molekularen und zellulären Zusammenhänge im Mikromilieu des Darmkrebses zu entschlüsseln und neue Therapiekonzepte zu testen. „Wir hoffen, Wege zu finden, das Tumormikromilieu zu verändern, um ein besseres Ansprechen von Standardtherapien zu erreichen oder idealerweise sogar völlig neue Therapiekonzepte für die Behandlung des Dickdarmkrebses zu definieren“, erklärt Prof. Greten. Der stellvertretende Sprecher der Forschergruppe, Prof. Markus Neurath vom Universitätsklinikum Erlangen, betont: „Mittelfristiges Ziel wird es sein, solche Konzepte in die Klinik zu überführen, um sie den Patienten zugutekommen zu lassen“.

Informationen: Prof. Dr. Florian R. Greten, Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und experimentelle Therapie, Tel.: (069)-63395-232, greten@gsh.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 11 2016
14:21

Vertragsunterzeichnung mit Unipräsidentin Wolff am Mittwoch, 13. Juli

Santander sagt weitere Unterstützung für Goethe-Uni zu

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Goethe-Universität Frankfurt und die Santander Consumer Bank AG werden ihre 2012 vereinbarte und anfänglich auf vier Jahre befristete Kooperation fortsetzen. Die Vertragsunterzeichnung mit Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff und Fernando Silva, Generalbevollmächtigter von Santander, findet am Mittwoch, 13. Juli, um 9.30 Uhr im IKB-Gebäude statt. Medienvertreter sind dazu herzlich eingeladen.

Förderschwerpunkt bleibt das Welcome Center der Goethe-Universität (GWC), das Wissenschaftlern aus dem Ausland Unterstützung und Beratung bietet. Seit 2012 konnten zwei separate Service-Büros am Campus Westend und am Campus Riedberg eröffnet werden. Aufgabe des GWC als zentrale nichtakademische Beratungsstelle und Serviceeinrichtung ist es, optimale Startbedingungen für internationale Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu schaffen und ihnen vor, während und nach dem Aufenthalt hilfreich zur Seite zu stehen.

Zudem wird die bisherige Förderung einer halben Stelle für Didaktik des Spanischen am Institut für Romanische Sprachen und Literaturen im Fachbereich Neuere Philologien fortgeführt. Und die Bank wird 20 Deutschlandstipendien für Studierende der Goethe-Universität zur Verfügung stellen.

Wir laden Sie herzlich zur Vertragsunterzeichnung ein. Um 9.45 Uhr werden die einzelnen Förderprojekte vorgestellt, um 11 Uhr findet die eigentliche Unterzeichnung des Vertrages statt. Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff, Santander-Generalbevollmächtigter Fernando Silva und Alberto Dörr, Leiter Santander Universitäten, stehen im Anschluss für ein Gespräch zur Verfügung.

Termin:
Mittwoch, 13. Juli, um 9.45 bzw. 11 Uhr
IKB-Gebäude, Eschersheimer Landstraße 121 (U-Bahn-Station Holzhausenstraße), 6. Stock, Konferenzraum

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin

Forschung

Jul 11 2016
11:30

Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main will Studierenden internationale Gegenwartskunst vermitteln

Gaensheimer ist Honorarprofessorin der Goethe-Universität

FRANKFURT.Die Direktorin des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Dr. Susanne Gaensheimer, ist neue Honorarprofessorin der Goethe-Universität. Die renommierte Kunsthistorikerin und Kuratorin ist der Goethe-Universität bereits seit 2013 mit einem Lehrauftrag in Kunstgeschichte verbunden. Ihre Professur möchte sie nutzen, um ausgehend von der Sammlung des MMK die Geschichte der Gegenwartskunst mit den Schwerpunkten Pop Art, Minimalismus, Konzeptkunst und neue Medien in den Fokus zu rücken. Dabei bietet sie den Studierenden die Möglichkeit, in den Museumsräumen und anhand der originalen Werke ein tiefes Verständnis für die Gegenwartskunst und ihre Kontexte zu entwickeln. Studierende können im Rahmen einer intensiven Kooperation mit dem Masterstudiengang „Curatorial Studies“ kuratorische Praxiserfahrungen im MMK sammeln und damit eine konkrete Vorstellung für künftige Berufsfelder entwickeln.

„Susanne Gaensheimer lehrt unsere Studierenden über das zu sprechen, was wir sehen, nicht nur über das, was wir lesen“, sagte die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Ihr Engagement bietet wichtige Ergänzungen unserer Arbeit in Lehre und Forschung und ist gelebte Bürger-Uni im besten Sinne. Toll, dass sie nun Professorin bei uns ist.“

Susanne Gaensheimer betonte: „Ich freue mich sehr über die enge und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der Goethe-Universität und dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und die ehrenvolle Aufgabe, die internationale Gegenwartskunst den Studierenden näherzubringen.“

Gaensheimer studierte Kunstgeschichte in München und Hamburg. Von 1995 bis 1996 absolvierte sie das Independent Study Programme des Whitney Museum of American Art in New York. 1998 wurde sie mit einer Dissertation über Bruce Naumann promoviert. 1998 bis 1999 absolvierte sie ein wissenschaftliches Volontariat an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München. 1999 bis 2001 war sie Direktorin des Westfälischen Kunstvereins in Münster. Von 2001 bis 2008 leitete sie die Sammlung für Gegenwartskunst in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus. Seit Januar 2009 ist sie Direktorin des Museums für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Susanne Gaensheimer kuratierte den deutschen Pavillon der Biennale di Venezia 2011, der ursprünglich von Christoph Schlingensief gestaltet werden sollte. Der von Gaensheimer postum eingerichtete Pavillon erhielt den „Goldenen Löwen“, die höchste Auszeichnung der Biennale. Auch 2013 kuratierte sie den deutschen Beitrag zur 55. Biennale. Anfang 2012 wurde sie u.a. in die Ankaufskommission der Bundesrepublik Deutschland, in den Sparkassen-Kulturfonds, in die Turner Prize-Jury 2013 und in die Findungskommissionen für den Kurator der 7. und 8. Berlin Biennale 2014 sowie der 14. documenta in Kassel 2017 berufen. Seit 2013 hat sie einen Lehrauftrag am Kunstgeschichtlichen Institut an der Goethe-Universität. Im Dezember 2014 wurde ihr der Hessische Verdienstorden verliehen.

Personalia/Preise

Jul 8 2016
14:11

Wechsel nach 16 Jahren an der Goethe-Universität erfolgt zum 1. Januar 2017

Gottschalk wird Kanzler der Universität Bonn

FRANKFURT. Nach insgesamt 16 Jahren in leitenden Positionen an der Goethe-Universität wird Universitätskanzler Holger Gottschalk zum 1. Januar 2017 Kanzler der Universität Bonn. Gottschalk ist nach seiner Ernennung als Stellvertreter des Kanzlers seit Juli 2012 hauptamtlicher Kanzler der Goethe-Universität. Zuvor war er viele Jahre selbst in der Verwaltung tätig, zunächst als Controller, später als Koordinator des Rechnungswesens und dann als Bereichsleiter Finanzen. Gottschalk hat auch an der Goethe-Universität studiert.

„Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, da mir die Goethe-Universität sehr am Herzen liegt“, sagte Gottschalk. „Aber nach insgesamt 16 Jahren hatte ich auch den starken Wunsch, etwas Neues zu wagen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, die Goethe-Universität in den entscheidenden Jahren ihres Wandels zur Stiftungsuniversität mitgestalten zu können. Von diesem großen Erfahrungsschatz an einer der größten und interessantesten deutschen Universitäten werde ich in meiner neuen Position sehr profitieren. Ich danke allen, die mir in den letzten Jahren bei der Bewältigung dieser wichtigen Aufgaben zur Seite gestanden haben.“

Zu Gottschalks wichtigsten Errungenschaften in seiner Zeit als Uni-Kanzler gehören die Professionalisierung des Hochschulmanagements und der Verwaltung nach der Umwandlung in eine Stiftungsuniversität, die erfolgreiche Fortführung der baulichen Entwicklung der Universität sowie die Realisierung zweier von der Uni eigenverantwortlich durchgeführter Bauprojekte, des 22 Mio. Euro teuren Seminarhauses sowie des 5 Mio. Euro teuren Seminarpavillons.

Der Vorsitzende des Hochschulrats, Professor Matthias Kleiner, sagte: „Der Hochschulrat der Goethe-Universität dankt Herrn Gottschalk für seine herausragenden Leistungen. Er hat in einer wichtigen Phase der Veränderung und Neuausrichtung mit gezielten Reformen die Leistungsfähigkeit der Verwaltung erhöht und diese gleichzeitig weiter modernisiert. Wir danken ihm, dass er der Goethe-Universität in der Phase des Übergangs bis Ende 2016 noch weiter zur Seite stehen wird. Für die verantwortungsvolle Arbeit an seiner neuen Wirkungsstätte wünschen wir ihm schon jetzt alles Gute.“

Universitätspräsidentin Professor Birgitta Wolff bedauerte den absehbaren Weggang Holger Gottschalks: „Schon in den 18 Monaten unserer bisherigen Zusammenarbeit haben wir gemeinsam viel erreicht und einen guten Teamspirit entwickelt. So ist der 2015 begonnene Integrationsprozess der Verwaltung inzwischen weit fortgeschritten. Wir werden Holger Gottschalk vermissen und ich wünsche ihm persönlich von Herzen eine gute Hand bei seinen künftigen neuen Aufgaben in Bonn.“

Foto zum Download unter: http://www.muk.uni-frankfurt.de/62305984?

Veranstaltungen

Jul 8 2016
14:07

Buchvorstellung – Beiträge zu jüdischen Wissenschaftlern und ihren Gegnern an der Universität Frankfurt vor und nach 1933

Neuerscheinung: „Politisierung der Wissenschaft“

FRANKFURT. Sehr geehrte Damen und Herren,

an der Universität Frankfurt lehrten von Beginn an viele jüdische Wissenschaftler, was nicht zuletzt mit den besonderen Bedingungen der 1914 von Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern gegründeten Universität zusammenhängt. Fast alle jüdischen Gelehrten mussten in den 1930er Jahren vor dem Nazi-Terror fliehen und damit verlor die Universität ein Drittel ihrer Lehrenden. Das sind bekannte Fakten – doch in dem soeben erschienenen Buch „Politisierung der Wissenschaft“ wird ein bisher nicht erforschtes Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Wie gestaltete sich das Verhältnis zwischen scharf rechtsgerichteten, „völkisch“-antisemitischen Wissenschaftlern auf der einen und liberalen, deutsch-jüdischen Gelehrten auf der anderen Seite vor und nach 1933?

Überraschenderweise lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten zwischen den unterschiedlichen Wissenschaftlern erkennen: So wollten Vertreter beider Seiten die von ihnen als defizitär wahrgenommene Politik in der Weimarer Republik mit Hilfe der Wissenschaft reformieren. Jeder nutzte auf seine Art das wissenschaftliche Etikett der Objektivität und erteilte auf dieser Basis politische Handlungsdirektiven. Wie sich der politische Geltungsanspruch Frankfurter Wissenschaftler auswirkte und welche Arbeitsatmosphäre dadurch an der Universität entstand, wird u.a. Thema bei der Buchpräsentation sein.

Wir laden Sie herzlich ein zur Buchpräsentation

am 19. Juli (Dienstag) um 14.30 Uhr
Campus Westend, IG Farbengebäude, Raum 1.411

Ihre Gesprächspartner sind:

  • Prof. Dr. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität
  • Prof. Dr. Werner Konitzer, Fritz Bauer Institut
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Johannes Fried, Historisches Seminar, Goethe-Universität
  • Prof. Dr. Moritz Epple, Historisches Seminar, Goethe-Universität (Moderation)

Das Buch, herausgegeben von Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian, mit Beiträgen u.a. von Steven Aschheim, Mitchell Ash, Emmanuel Faye, Jeffrey Herf, Martin Jay, Shulamit Volkov und Moshe Zimmermann, fasst die Ergebnisse einer internationalen und interdisziplinären Tagung zusammen, die im Rahmen des 100. Geburtstags der Goethe-Universität 2014 stattfand und damals ein großes öffentliches Echo fand.

Moritz Epple, Johannes Fried, Raphael Gross und Janus Gudian (Hrsg.): „Politisierung der Wissenschaft“. Jüdische Wissenschaftler und ihre Gegner an der Universität Frankfurt am Main vor und nach 1933. (Schriftenreihe des Frankfurter Universitätsarchivs 5), Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1438-2, 505 Seiten, 39,90 Euro.

Bitte geben Sie uns bis zum Mittwoch (13. Juli) eine kurze Nachricht per Mail (gudian@em.uni-frankfurt.de), ob Sie an dem Mediengespräch teilnehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulrike Jaspers
Referentin für Wissenschaftskommunikation
Abteilung PR & Kommunikation

Janus Gudian
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Historisches Seminar

Personalia/Preise

Jul 7 2016
15:49

Prof. Julika Griem auf der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Vizepräsidentin gewählt.

Anglistin der Goethe-Universität zieht ins Präsidium der DFG ein

FRANKFURT. Die Mitgliederversammlung der DFG hat am 6. Juli auf ihrer Sitzung im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Mainz die Literaturwissenschaftlerin Prof. Julika Griem in das Präsidium der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Selbstverwaltungsorganisation für die Wissenschaft in Deutschland gewählt. Gemeinsam mit dem Präsidenten entwickelt das Präsidium die strategisch-konzeptionelle Ausrichtung der DFG. Griem folgt auf den Münsteraner Althistoriker Prof. Peter Funke.

Die Professorin für Anglistische Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität engagiert sich seit 2012 als Mitglied im Auswahlausschuss des Heinz Maier-Leibnitz-Preises der DFG und seit 2015 als DFG-Fachkollegiatin für die Literaturwissenschaft. In der Strategiekommission des Wissenschaftsrates und der Gemeinsamen Kommission sowie dem Bewilligungsausschuss zur Exzellenzinitiative der DFG ist Griem seit 2014 Mitglied. Seit März 2016 leitet sie das von der VolkswagenStiftung geförderte Promotionskolleg „Schreibszene Frankfurt“ an der Goethe-Universität.

Weitere Informationen

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. (228) 885-2109,  presse@dfg.de.
Pressemitteilung zum neuen DFG-Präsidium:  http://dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2016/pressemitteilung_nr_30/index.html

 

Personalia/Preise

Jul 7 2016
11:06

Sportmediziner berät zu Bewegung und Sport bei Zuckerkrankheit

Prof. Banzer in neuen Diabetes-Beirat berufen

FRANKFURT.Prof. Winfried Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Goethe-Universität, ist vom Robert Koch-Institut in den neuen wissenschaftlichen Beirat der „Nationalen Diabetes-Surveillance“ berufen worden. Ziel dieser Einrichtung ist es, die Entwicklung von Diabetes in Deutschland in Bezug auf Krankheitsgeschehen, Folgen, Risikoentwicklung, Versorgungssituation und Präventionspotential zu überwachen.

„Ich freue mich über den Ruf in den wissenschaftlichen Beirat und die Initiative des Robert Koch-Institutes“, so der Sportmediziner. „In Deutschland ist schätzungsweise jeder 13. Bürger an Diabetes erkrankt. Doch viele wissen nicht, dass sie durch Bewegung und Sport einen positiven Effekt auf Diabetes erzielen können.“

Banzer bringt seine langjährige Beratungskompetenz und Erfahrung aus anderen Gesundheitskommissionen ein. Er ist im „Steering Committee of the European Network for the promotion of health enhancing physical activit“ (HEPA/WHO), Vorstand der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V., Mitglied der Gesundheitskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes sowie Gesundheitsbeauftragter des Landessportbundes Hessen.

Der wissenschaftliche Beirat setzt sich aus 20 Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Epidemiologie, Versorgungsforschung, Gesundheitsberichterstattung, Qualitätssicherung, Gesundheitsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und Patientenselbsthilfe zusammen. Das Robert Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und –prävention. Der Präsident des Robert Koch-Institutes beruft den wissenschaftlichen Beirat im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Gesundheit für maximal vier Jahre ein. Die konstituierende Beiratssitzung wird am 21. September 2016 am Robert Koch-Institut in Berlin stattfinden.

Informationen: Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Institut für Sportwissenschaften, Campus Ginnheim, Tel.: (069) 798- 24543, winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 7 2016
10:52

Über das Verhältnis von käuflichen Dingen und religiösen Praktiken – Beitrag in der soeben erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Macht Shoppen selig?

FRANKFURT.Apples iPhone wurde bei seiner Markteinführung in den USA „Jesus-Phone“ genannt, sein spiritueller Vater Steve Jobs galt sogar als „iGod“, die Flagship-Stores dieser und anderer Firmen laden als „Tempel des Konsums“ zur käuflichen Einkehr ein. Der Tanz um das goldene Kalb scheint ein grundlegendes Bewegungsmuster unserer Zeit zu sein. Und ist es wirklich so, dass der Konsum eine „Ersatzreligion“ ist und das Shoppen eine „quasi-religiöse“ Handlung? Diesen Fragen geht der Journalist Bernd Frye in seinem Beitrag für die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ nach. Anregungen und Anschauungsmaterial lieferte ihm dabei auch das Forschungsprojekt „Konsumästhetik – Formen des Umgangs mit käuflichen Dingen“ unter maßgeblicher Beteiligung der Goethe-Universität.

Gegen Ende ihrer Laufzeit präsentierten sich die Forschungen zur Konsumästhetik im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres der Öffentlichkeit mit einer Ausstellung im Museum Angewandte Kunst. Sie hieß „Hamster – Hipster – Handy“ und stellte das Smartphone pars pro toto für den Umgang mit käuflichen Dingen in den Mittelpunkt. „Das Handy ist ein Schlüsselobjekt des 21. Jahrhunderts. Es ist sowohl ein Kultur- als auch ein Kultgegenstand“, sagt Birgit Richard, Professorin für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik der Goethe-Universität und eine der Kuratorinnen der Ausstellung mit dem Untertitel „Im Bann des Mobiltelefons“. Das Smartphone präsentiere sich als ein „verehrter Gegenstand, eine Reliquie, der Mensch huldigt dem ‚heiligen’ Leuchten des Displays“, heißt es auch im Ausstellungskatalog. Das wissenschaftliche Projekt, das in Einzelaspekten noch fortgeführt wird, galt nicht explizit dem Verhältnis von Konsum und Religion. Es ist aber verblüffend, wie viele Bezüge zutage traten.

Heinz Drügh, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik an der Goethe-Universität, leitete ein Teilprojekt des interdisziplinären Forschungsverbunds. Dabei ging es um „Künstlerische Verhandlungsformen des Konsums“, also auch um die Frage, wie käufliche Dinge und der Umgang mit ihnen als Motiv von der Kunst aufgenommen, dargestellt und gedeutet werden. Als Ertrag seiner Forschungen erschien Ende vergangenen Jahres die Studie „Ästhetik des Supermarkts“, die auch grundlegende Einblicke in die geistes- und kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit unserem Verhältnis zu käuflichen Dingen gibt. Drügh zeigt, wie schon in Zolas Warenhaus-Roman „Das Paradies der Damen“ das religiöse Sprachregister bemüht wurde – und übrigens auch das erotische. Zola beschrieb schon vor 130 Jahren: die ersten Warenhäuser erinnerten an „Kathedralen“, in denen auf „Altären“ die Waren, zum Beispiel der „Kult des Weiß“ der Damenwäsche, feilgeboten wurden. Für unser Verhältnis zu den Waren und dessen kultische Konnotationen sieht er unter anderem bei dem US-amerikanischen Kulturanthropologen Igor Kopytoff aufschlussreiche Erklärungsansätze.

So spricht Kopytoff von Techniken und Praktiken der „Singularisierung“, mit denen massenhaft hergestellte Objekte wieder als etwas Besonders ausgezeichnet werden. Bei indigenen Völkern, so Kopytoff, sei es den Schamanen vorbehalten, eigentlich alltäglichen Dingen Eigenschaften des Heiligen oder transzendente Bezüge zu verleihen. „Bedeutung hat, was individuell als sinnvoll und tragfähig erlebt wird. Der Glaube kann Berge versetzen – das gilt sicher heute auch für eine Marke“, sagt auch der Würzburger Theologie-Professor Hans-Georg Ziebertz, der sich gleichzeitig überzeugt zeigt, dass „zwischen Markenerlösung und Erlösung durch den Zuspruch Gottes langfristig ein qualitativer Unterschied bemerkbar“ sei. Trotz mancher struktureller Übereinstimmungen zwischen Konsum und Religion spricht sich Wolfgang Ullrich, der von Seiten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe an dem Konsumästhetik-Projekt beteiligt war, dagegen aus, den Konsum als Ersatzreligion zu bezeichnen. Die Bedeutung der Vokabel sei „diffus“, und im Umgang mit dem Warenpluralismus könne auch eine eigene Kulturtechnik erkannt werden.

Und noch eine weitere These scheint bei näherer Betrachtung Schwachpunkte zu zeigen – nämlich die, dass Konsumhandlungen „quasi-religiöse“ Handlungen seien und Menschen in ihnen neue identitäts- und gemeinschaftsstiftende Inhalte suchten, weil Sozialformen wie die Kirche vermeintlich an Bedeutung verloren hätten. Als ausgemacht könne zwar gelten, dass „der Konsum über die notwendige Versorgung hinaus eine veränderte Rolle spielt“, sagt der Jesuit Michael Sievernich, emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Universität Mainz und ehemaliger Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Da aber „der Zusammenhang, gar ein kausaler, kaum empirisch herzustellen“ sei, bleibe der interpretatorische Zugriff ambivalent, zumal wenn er auf eine Kategorie des Quasi-Religiösen zurückgreife, die noch klärungsbedürftiger sei als das Religiöse selbst.

In der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ gibt es zudem ein ausführliches Interview mit Michael Sievernich. Hier lautet das Thema „Von ‚Glaubens-Shoppern‘ und ‚Religions-Komponisten’ - Der moderne Mensch und seine spirituelle Suche“.

Informationen: Prof. Dr. Birgit Richard, Professur für Neue Medien am Institut für Kunstpädagogik, Campus Bockenheim, Tel. (069) 798 28406, E-Mail: PROFRICHAR@aol.com; Prof. Dr. Heinz Drügh, Professur für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik, Tel. (069) 798 32860, E-Mail: Druegh@lingua.uni-frankfurt.de; Bernd Frye, Tel. 0177-7222719, E-Mail: bernd.frye@me.com

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jul 6 2016
11:47

Fünf Projekte rund um das Thema Mobilität

Interdisziplinäre Schülerlaborwoche an der Goethe-Uni

FRANKFURT.„Mobilität - bewegt kluge Köpfe“ ist das Thema des neuen Projekts „GoetheLab“, das Oberstufenschülern in der Woche vom 11.-14. Juli 2016 die Gelegenheit gibt, ein Thema aus verschiedenen fachlichen Perspektiven zu erschließen. Für die interdisziplinäre Schülerlaborwoche kooperieren Naturwissenschaften (Chemie, Physik und Biologie) mit Gesellschaftswissenschaften (Geographie und Soziologie), Kunst und Sportwissenschaft.

Nach einer gemeinsamen Einführung teilen sich die Schüler in den folgenden Tagen in Gruppen auf und beschäftigen sich jeweils einen Tag lang mit einer speziellen Fragestellung und Thematik. Fünf verschiedene Teilprojekte werden angeboten: „Biomechanik – Wie bewegt sich der Mensch?“, „Stadtgrün – wohin geht’s?“, „E-Mobilität – Autos an die Steckdose“, „Biotreibstoffe – Vom Feld in den Tank“, „Datenmobilität und Crowdsourcing - (Geo)Informatik und Gesellschaft in fachübergreifender Perspektive“.

Ziel des GoetheLab ist es, die Schüler an die Arbeits- und Herangehensweisen verschiedener Disziplinen heranzuführen und ihnen somit von Anfang an die Idee moderner Wissenschaftsorganisation zu vermitteln. Die Oberstufenschüler haben während dieser Woche zudem Gelegenheit, das Universitätsleben kennenzulernen.

Die Begrüßungsveranstaltung findet am Montag von 10 bis 15 Uhr auf dem Campus Riedberg statt. Die weiteren Labortage finden am Campus Riedberg sowie auf dem Campus Westend zwischen 9 und 16 Uhr statt.

Pressevertreter sind herzlich eingeladen, das GoetheLab während der interdisziplinären Schülerlaborwoche kennenzulernen. Um Anmeldung wird gebeten bei Tamara Postelt unter postelt@em.uni-frankfurt.de.

Informationen: Tamara Postelt, Institut für Humangeographie, Geographiedidaktik,
Campus Westend, Tel. (069) 798 35150, postelt@em.uni-frankfurt.de
Nicola Felka, Didaktik der Biowissenschaften, Campus, Tel.: (069) 798 42274, felka@bio.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 5 2016
10:55

Ausbreitung von Pflanzen und Tieren zwischen Indien und Eurasien

Artenaustausch schon in der Erdgeschichte vom Klima abhängig

FRANKFURT.Die heutige Artenvielfalt ist insbesondere das Ergebnis des Austauschs von Tier- und Pflanzenarten zwischen Regionen, die zuvor in der Erdgeschichte lange voneinander isoliert waren. So wanderten Arten zwischen Nord- und Südamerika, als sich der Isthmus von Panama im Neogen schloss. Doch wie verläuft eine solche Einwanderung von Arten über Jahrmillionen hinweg in ihr neues Territorium? Ein Forscherteam der Goethe Universität hat die zeitliche Dynamik dieses Prozesses am Beispiel des Artenaustausch zwischen Indien und Südostasien erstmals untersucht.

Der Artenaustausch begann vor ungefähr 55 bis 35 Millionen Jahren, als der indische Subkontinent mit Eurasien zusammenstieß. Das Team um Privatdozent Dr. Sebastian Klaus hat die Wanderung von Pflanzen, Fischen, Amphibien, Gliederfüßern, Reptilien, Vögeln und Säugetieren auf beiden Kontinenten über einen Zeitraum von 70 Millionen Jahren auf beiden Kontinenten anhand von Stammbäumen der Tier- und Pflanzenarten rekonstruiert. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von „Nature Communications“ berichten, war der Artenaustausch kein kontinuierlicher Prozess, sondern durch Phasen von beschleunigtem, stagnierendem oder abnehmendem Artenaustausch bestimmt. 

„Sehr wahrscheinlich spielte das Klima hier eine entscheidende Rolle“, vermutet Sebastian Klaus von der Abteilung Ökologie und Evolution. „Vor 15 Millionen Jahren kam es zu einem massiven Zustrom asiatischer Arten auf den indischen Subkontinent, als sich ein Regenwaldgürtel von Südostasien nach Nordindien ausbreitete. In den letzten zehn Millionen Jahren nahm der Austausch dann stetig ab, weil das Klima in Nordindien immer trockener wurde.“

Publikation: Sebastian Klaus, Robert J. Morley, Martin Plath, Ya-Ping Zhang & Jia-Tang Li (2016) Biotic interchange between the Indian subcontinent and mainland Asia through time. Nature Communications 7:12132 (DOI: 10.1038/ncomms12132)

Informationen: Privatdozent Dr. Sebastian Klaus, Abteilung Ökologie und Evolution, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42173, klaus@bio.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jul 5 2016
10:38

Vier Wissenschaftler setzen sich mit der Bedeutung der Religion in der heutigen Zeit auseinander – Beitrag von Rolf Wiggershaus in der neuen Ausgabe von Forschung Frankfurt

Religion in der Gesellschaft – mehr als Spezialistin für Transzendenz?

FRANKFURT.In einem Aphorismus Friedrich Nietzsches ruft ein „Gottsucher“ aus: „Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Grüfte und Grabmäler Gottes sind?“ Das war vor mehr als 130 Jahren. Heute leben wir in einer säkularen Gesellschaft mit immer weniger Kirchenmitgliedern, doch noch immer gibt es viele Anlässe, bei denen Gottesdienste zum großen öffentlichen Ereignis werden und als besonders angemessener Ausdruck kollektiver Gefühle und Stimmungen empfunden werden. Religion und Gesellschaft – das gehört offenbar zusammen. Welche Bedeutung hat Religion und welche Rolle spielt sie in der Gesellschaft? Darüber sprach der Philosoph Dr. Rolf Wiggershaus, der seit Jahren u.a. als Dozent an der Universität des 3. Lebensalters der Goethe-Universität tätig ist, mit vier Professoren eben dieser Universität: mit dem Religionsphilosophen Thomas M. Schmidt und dem katholischen Theologen Knut Wenzel sowie mit den Soziologen Ferdinand Sutterlüty und Richard Traunmüller.

Gefragt nach einer Definition von Religion, gibt keiner der vier Experten traditionelle Antworten wie das Versprechen einer jenseitigen Gerechtigkeit als Ausgleich für diesseitige Ungerechtigkeit. Ihre Definitionen fallen allgemeiner aus. Religion sei „die Spezialistin für Transzendenz“, schaffe „Distanz zur empirischen Welt“, sei eine „Antwort der Gesellschaft“ auf die Frage nach dem „Sinn des Ganzen“, gebe sich „nicht mit der Immanenz des Hier und Jetzt zufrieden“.

Was bedeutet das für die Gesellschaft? Zum Hier und Jetzt gehören Einwanderung und Migration, zunehmender religiöser Pluralismus und stärkere Sichtbarkeit religiöser Minderheiten, eine wachsende Zahl Konfessionsloser und eine Zunahme religiöser Konflikte. „Momentan“, so der Soziologe Richard Traunmüller, „scheint die dominante Lesart zu sein, dass man sagt: Religion ist ein Konflikterzeuger oder Konfliktverstärker.“ Aber zunächst einmal gelte es festzustellen: Religion hat eine „unglaubliche Katalysatoreigenschaft“. Das bedeute nicht, dass Unterschiede religiöser Art besonders konfliktträchtig sind. Schon kleinste Unterschiede wie das Tragen von T-Shirts unterschiedlicher Farbe können eine extreme Konfliktdynamik in Gang setzen. Für die Verstärkung solcher Prozesse allerdings lässt sich die spezifische Katalysatoreigenschaft von Religion leicht instrumentalisieren. Traumüller betont aber auch, dass religiöse Überzeugungen Menschen ebenso zu ungewöhnlichen Taten positiver Art motivieren können, etwa zum Aufstand gegen repressive Regime oder zum Einsatz für Schwächere.

Genau hinsehen muss man auch beim Thema “religiöse Vielfalt“. Ob sie den sozialen Zusammenhalt gefährdet oder den Sinn für Religionsfreiheit stärkt – das hängt unter anderem von der Zahl religiöser Gemeinschaften und den Größen- und Machtverhältnissen zwischen ihnen ab. Traunmüller hat unter anderem den Religionsmonitor 2013 der Bertelsmann-Stiftung für 13 europäische und außereuropäische Länder ausgewertet. Danach waren gerade bei Einwanderern und Angehörigen religiöser Minderheiten interreligiöse Kontakte besonders ausgeprägt und ergab sich gerade für Deutschland wenig Grund zur Furcht vor religiösen Parallelgesellschaften.

Die Zunahme religiöser Diversität bedeutet in säkularen Gesellschaften auch eine Zunahme von Ungläubigen. Alexis de Tocqueville meinte Mitte des 19. Jahrhunderts in seiner Studie “Über die Demokratie in Amerika“, irgendein Glaube, und sei es die Seelenwanderungslehre, schütze besser vor einer Verrohung der Bürger als gar keiner. Besser, jemand glaubt, die Seele werde sich in ein Schwein verwandeln, als dass er überhaupt nicht an eine Seele glaubt. Noch heute gilt in den USA die Zugehörigkeit zu irgendeiner Religionsgemeinschaft als Beweis einer gewissen Grundmoralität. Auch da gilt es wieder, genau hinzusehen: Wie Menschen sich moralisch verhalten, so Traunmüller, hängt von dem Umfeld ab, in dem sie sich bewegen. Außerhalb eines katholischen Milieus wird ein Katholik sich anders verhalten als innerhalb. In einer pluralen Gesellschaft, in der es Religiöse mit Angehörigen anderer Religionen und mit Nicht-Religiösen zu tun haben, dürften letztere nicht weniger Vertrauen verdienen als Gläubige, wenn es um die moralische Qualifikation für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt geht.

Der katholische Theologe Knut Wenzel befürwortet einen Säkularisierungsprozess, der nicht von Religion befreit, sondern zur Freiheit führt, „sich religiös oder nicht-religiös bestimmen zu können“. Er plädiert für eine Neudefinition des Verhältnisses von Moderne und Religion. „Die Religion kann das, was in der Dynamik der Modernisierung zu kurz kommt, thematisieren und so als Diskursbegleiterin der Moderne für eine prinzipielle Offenheit sorgen.“ Er erläutert das durch ein Beispiel: das Obdachlosenprojekt der Kapuziner am Liebfrauenberg gleich neben der Frankfurter Zeil – eine, wie er sagt, „schöne Alteritätsunterbrechung einer sonst selbstvergessenen konsumistischen Welt“.

Skeptischer im Hinblick auf ein Zusammenspiel von Religion und Moderne ist der Soziologe Ferdinand Sutterlüty. Man könne eine ganze Geschichte der Religion schreiben, wonach sie sowohl die „Mutter der sozialen Resignation“ wie die „Mutter des sozialen Protestes“ sei. Gegenwärtig machten Kirchen sich zumindest in Europa kaum noch mit einer eigenen gesellschaftspolitischen Position bemerkbar. „Was wollen Sie in einer  modernen Gesellschaft mit so unterschiedlichen Sphären, sozialen Gruppierungen und Konfliktlagen mit christlicher Nächstenliebe anfangen? Religiöse Gemeinschaften müssten erst einmal fähig werden, entsprechende Differenzierungen vorzunehmen.“

Der Interviewer der vier Professoren, Dr. Rolf Wiggershaus, gab seinem Beitrag den Zitat-Titel „…eigentlich erstaunlich, wie wenig die Religionen aus ihrer Distanz zur existierenden Gesellschaft machen“. Dieses Erstaunen bemerkte Wiggershaus bei allen vier Professoren.

Informationen: Dr. Rolf Wiggershaus, Tel. (06173) 6 77 31, E-Mail: wiggersh.r@t-online.de Prof. Dr. Thomas M. Schmidt, Fachbereich Katholische Theologie, Tel. (069) 798-33270, E-Mail: t.schmidt@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Knut Wenzel, Fachbereich Katholische Theologie, Tel. (069) 798-33325, E-Mail: k.wenzel@em.uni-frankfurt.de;  Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Tel. (069) 798-36577, E-Mail: sutterluety@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Richard Traunmüller, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Tel. (069) 798-36680, E-Mail: traunmueller@soz.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Gott und die Welt“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Personalia/Preise

Jul 4 2016
15:20

Zum 15. Mal wird der 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre verliehen – Die Preisträger: der Informatiker Dr. Karsten Tolle, der Neurobiologe Prof. Dr. Bernd Grünewald, die Linguistin Dr. Irene Corvacho

Das braucht gute Lehre: Engagierte Lehrende und innovative Lehrformate

FRANKFURT.„Der 1822-Universitätspreis hat der Hochschullehre zu stärkerer Sichtbarkeit verholfen; engagierte Lehrende bekommen heute wesentlich mehr Anerkennung – nicht nur von den Studierenden, auch von ihren Kolleginnen und Kollegen“, so die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff bei der Verleihung des Preises, der heute bereits zum 15. Mal vergeben wird. Er hat wesentlich dazu beigetragen hat, dass der Lehre mehr Gesicht und Gewicht verliehen wird. Ausgezeichnet werden heute: der Informatiker Dr. Karsten Tolle (1. Preis: 15.000 Euro), der Neurobiologe Prof. Dr. Bernd Grünewald (2. Preis: 10.000 Euro) und die Linguistin Dr. Irene Corvacho (3. Preis: 5.000 Euro).

Der 1822-Preis rückt die Qualität der Lehre, die Lehrenden, ihre Interaktion mit den Studierenden in den Blick – und „damit das Lehren undLernen, das sich normalerweise hinter verschlossenen Seminartüren vollzieht“, ergänzt die Universitätspräsidentin. Als entscheidende Voraussetzungen für gelingende Lehre bezeichnet sie: Persönlichkeit und Engagement, Kreativität und didaktisches Geschick, persönliche Reflexion über Lehre und Lernen – und eben auch ausreichend Zeit für die Vorbereitung.

Auch wenn die Reputation der Lehre in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, so bleibt doch eine Diskrepanz zwischen dem Ansehen von Lehre und Forschung. Denn immer noch steht die Forschungsleistung an erster Stelle, wenn es um die wissenschaftliche Karriere geht. „Engagement in der Forschung darf nicht gegen Engagement in der Lehre ausgespielt werden“, warnt Prof. Karin Donhauser von der Humboldt-Universität zu Berlin auch mit Blick auf die nächste Runde der Exzellenzinitiative. Die zweimalige Juryvorsitzende des „Qualitätspakts Lehre“ von Bund und Ländern setzt auf konsequente Vernetzung derjenigen, die sich umfassend mit wissenschaftlicher Lehre auseinandersetzen: „ „Systematische Vernetzung bringt mehr als die Einrichtung neuer Gremien“, ist Karin Donhauser überzeugt.

Es zeichnet sich ein langsamer Wandel in der Wertschätzung der Lehre ab, wie die für Lehre verantwortliche Vizepräsidentin, Prof. Dr. Tanja Brühl, beobachtet. Sie hat den 1822-Preis bereits 2008 bekommen, damals war die Politikwissenschaftlerin noch Juniorprofessorin: „Der Preis bedeutete Rückenwind für meine Karriere als Hochschullehrerin, war Anerkennung und Ansporn zugleich“, erinnert sich Brühl. „Der Lehrpreis hat mich ermutigt, mit neuen Lehrformen und -formaten zu experimentieren. Neues zu wagen und die eigene Lehre fortwährend zu reflektieren und zu professionalisieren – das ist es, was in meinen Augen gute Lehrende ausmacht.“

Bei der Vergabe des 1822-Preises spielen die Studierenden eine zentrale Rolle. Dazu Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin der Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, an die Studierenden ihre Verschläge senden: „Dass die Studierenden so rege von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch machen, zeugt von der Wertschätzung, die sie guter Lehre und engagierten Dozenten entgegenbringen.“ Gute Lehre ist nicht ohne die Studierenden zu realisieren, hat Schulmeyer-Ahl in den vergangenen Jahren immer wieder beobachten können, und sie fügt hinzu: „Die Perspektive der Studierenden, ihre Erwartungen, vor allem aber ihr Wissen um die konkrete Studiensituation in den einzelnen Fächern ist für die Weiterentwicklung von Lehrformaten und Studiengängen unabdingbar.“

Der von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse und der Goethe-Universität ausgelobte „1822-Universitätspreis für exzellente Lehre“ wird seit 2002 jährlich vergeben und ist insgesamt mit 30.000 Euro dotiert. „Die Stiftung der Frankfurter Sparkasse fördert das Preisgeld für den ersten und den dritten Platz. Exzellente Lehre ist die Voraussetzung, um engagierte und qualifizierte Fachkräfte für unsere Region zu gewinnen. Diese wichtige Aufgabe der Lehre wollen wir unterstützen“, betont Robert Restani, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse. In diesem Jahr lagen der Jury Nominierungen aus nahezu allen Fachbereichen der Universität vor. Aus diesen wählte eine Kommission, bestehend aus Studierenden, Professoren und Mitarbeitern der Universität sowie eines Vertreters der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die Preisträger aus. 

Die Preisträger 2016

Dr. Karsten Tolle, Informatiker

Dr. Karsten Tolle, geboren 1971 in Hannover, ist seit dem Jahr 2000 als Akademischer Rat am Institut für Informatik beschäftigt. Sein thematischer Schwerpunkt in Forschung und Lehre ist die praktische Informatik, insbesondere das Thema Datenbanken, das er auch in sehr großen Lehrveranstaltungen lebendig und anregend zu vermitteln weiß.

Karsten Tolle begegnet den meisten Studierenden erstmals im zweiten Semester in der Vorlesung „Grundlagen der Programmierung 2“, die er – abweichend vom klassischen Vortragsstil – in Dialogform hält. Die Studierenden erleben ihn als zugewandten Dozenten, der ihre Fragen ernst nimmt und ihnen die erforderliche Zeit widmet, wie sie in ihrem Nominierungsvorschlag erläutern. Sein Vortrag zeichne sich gleichermaßen durch fachliche wie durch didaktische Kompetenz aus. Eine Studentin schreibt, Karsten Tolle habe sie als „roter Faden der Motivation“ durch ihr Studium begleitet.

Sein Fachwissen bringt Dr. Tolle auch in anderen Zusammenhängen ein: So hat er ein System zur automatisierten Bewertung von Programmieraufgaben mitentwickelt, das im Wintersemester 2015/16 erstmals eingesetzt wurde. Nach Ansicht von Studiendekan Prof. Dr. Ulrich Meyer zeigten sich Tolles Fähigkeiten hier in zweifacher Hinsicht: „Statt den einfachen Weg zu gehen und bestehende Konzepte zu übernehmen, hat Herr Tolle Neuland betreten – und das Risiko hat sich ausgezahlt.“ Die üblichen Reibungsverluste bei der Einführung einer neuen Software habe er in Abstimmung mit den Studierenden zur allseitigen Zufriedenheit gelöst. 

Prof. Dr. Bernd Grünewald, Neurobiologe

Prof. Dr. Bernd Grünewald hat eine von der Polytechnischen Gesellschaft gestiftete Professur an der Goethe-Universität inne: Er ist Professor für Neurobiologie am Fachbereich Biowissenschaften und gleichzeitig Leiter des Instituts für Bienenkunde in Oberursel, ein von der Polytechnischen Gesellschaft gefördertes Institut.

In Remscheid geboren, studierte Grünewald Biologie in Regensburg, wo er sich bereits auf die Neurobiologie der Insekten konzentrierte. Nach Stationen in Berlin und Arizona kam er 2007 an die Goethe-Universität. Trotz der großen Studierendenzahlen in den Biowissenschaften (ca. 1300) gelingt es ihm, persönliche Kontakte zu den Studierenden zu pflegen und sie für sein Fach zu begeistern. Als Studiendekan hat er es verstanden, die Studierenden aktiv in den Prozess der Reakkreditierung der Studiengänge einzubinden. Auf ihre Bitten hin hat er sogar sein Amt als Studiendekan um eine halbe Amtszeit verlängert.

Eine besondere Rolle in Grünewalds Lehre spielt das forschende Lernen: Er legt viel Wert darauf, dass sich seine Studierenden nicht nur abstraktes Wissen aneignen; vielmehr möchte er sie zu unabhängigem Denken und eigenständiger Erkenntnis führen. So gibt er ihnen – wo es möglich ist – auch Gelegenheit, frühzeitig eigene Forschungsfragen aufzugreifen und in Versuche umzusetzen. 

Dr. Irene Corvacho del Toro, Linguistin

Dr. Irene Corvacho arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psycholinguistik. 1973 in Kolumbien geboren, lernte sie als erste Fremdsprache Deutsch, besuchte die Deutsche Schule in Barranquilla. Später ging sie zum Studium der Sprachlehrforschung und Anglistik nach Hamburg.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Orthographie: Im Streit um „die richtige“ Unterrichtsmethode nimmt die Zahl der Kinder mit Rechtschreibschwierigkeiten eher zu als ab. Oft fehlt es bei den Lehrkräften an theoretischem Wissen über die eigene  Sprache, hat Corvacho schon in ihrer Doktorarbeit herausgefunden. An der Goethe-Universität hat sie deshalb eine neue Unterrichtsform entwickelt, die den Studierenden helfen soll, sich besser auf ihre spätere Tätigkeit als Lehrer vorzubereiten: Die Vermittlung von linguistischem Fachwissen geht Hand in Hand mit der Vermittlung der didaktisch-pädagogischen Instrumente.

Ein besonders erfolgreiches, aber für die Studierenden arbeitsintensives Hauptseminar trägt den Titel „Individuelle Förderung der Rechtschreibentwicklung bis Klasse 9“. Hier ist viel Eigeninitiative  gefragt: Die Studierenden suchen sich jeweils ein Kind, das Schwierigkeiten in der Rechtschreibung hat. In enger Abstimmung mit Eltern und Schule werden die Schülerinnen und Schüler begleitet; im Seminar werden die spezifischen Probleme der Kinder analysiert und Lösungsansätze gesucht. Auf diese Weise haben die Lehramtsstudentinnen und -studenten immer wieder Erfolgserlebnisse: Die meisten der Schüler konnten sich in der Schule deutlich verbessern, bei einem Kind  wurde sogar die Übertrittsempfehlung geändert: Es konnte auf die Realschule statt auf die Hauptschule wechseln.


In diesem Jahr lagen der Jury 25 Nominierungen aus nahezu allen Fachbereichen der Universität vor. Aus diesen wählte eine Kommission, bestehend aus Studierenden, Professoren und Mitarbeitern der Universität sowie eines Vertreters der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, die Preisträger aus.

Der Band zum Preis „Was braucht gute Lehre? – Personen, Projekte, Positionen“

Pünktlich zum kleinen Jubiläum, der 15. Vergabe des 1822-Universitätspreises, ist dieser Band erschienen. Die 36 Preisträgerinnen und Preisträger aus 15 Jahren, die hier ebenso wie ihre Lehrprojekte vorgestellt werden, repräsentieren einen breiten Querschnitt durch die Goethe-Universität: vom jungen Nachwuchswissenschaftler zur Vizepräsidentin, vom selbständigen Wissenschaftscoach zum Sprecher eines Exzellenzclusters, von der Judaistin zum Neurobiologen. Die Gruppe der Preisträger ist bunt und sie zeigt, dass gute Lehre durchaus mit Forschungsstärke oder der Übernahme hochschulpolitischer Verantwortung einhergehen kann. Der Band vermittelt Erkenntnisse der aktuellen Lehr- und Lernforschung wie der hochschulpolitischen Diskussion.

Lehre ist immer auch ein Experiment, das Kreativität erfordert. Dieses Element greift der Band auf, indem er mit Textformaten und Visualisierungen spielt. In Porträts und Projektskizzen informieren Journalistinnen über die Preisträger, in Interviews antworten diese auf Fragen rund um Studium und Lehre. Dabei zeigt sich: Exzellente akademische Lehre folgt nicht automatisch aus guter Forschung – auch wenn sie zweifelsohne auf dieser basiert. Exzellente Lehre ist voraussetzungsreich: Sie erfordert Theorien und Konzepte, didaktisches Wissen und (Selbst-)Reflexion und nicht zuletzt hinreichend Vorbereitungszeit.

Informationen: Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl,  Tel.: (069) 798-12431, E-Mail: schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de, Nina Eger, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Präsidialbereich, Campus Westend, Tel.: (069) 798-12455, E-Mail: eger@pvw.uni-frankfurt.de

Fotos der Preisträger können abgerufen werden bei Helga Ott: ott@pvw.uni-frankfurt.de