​​​​​Pressemitteilungen ​ – Juli 2015

Personalia/Preise

Jul 29 2015
11:49

Rechtswissenschaftler Matthias Goldmann und Archäologe Nikolas Gestrich erhalten begehrtes Stipendium der VolkswagenStiftung

Zwei neue „Freigeister“ für die Goethe-Universität

FRANKFURT. Ein großer Erfolg für die Goethe-Universität: Gleich zwei ihrer Nachwuchsforscher sind von der Jury für das begehrte Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung ausgewählt worden – zusammen mit sechs anderen jungen Wissenschaftlern aus ganz Deutschland. Der Jurist Dr. Matthias Goldmann nimmt das Verhältnis zwischen Wirtschaftswissenschaften und Recht unter die Lupe. Der Archäologe Dr. Nikolas Gestrich befasst sich mit der Beziehung zwischen Staat, Stadt und Handel im vorkolonialen Westafrika. Zur Finanzierung der insgesamt acht Forschungsvorhaben stellt die VolkswagenStiftung in den kommenden fünf Jahren 5,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Dr. Matthias Goldmann

Matthias Goldmann, Jahrgang 1978, hat in Würzburg Jura mit Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht studiert und war nach dem Ersten Staatsexamen für ein Jahr am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda (International Criminal Tribunal for Rwanda). Anschließend trat er eine Promotionsstelle am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg an. Nach dem Zweiten Staatsexamen verbrachte er ein Jahr an der New York University School of Law. In seiner Doktorarbeit bei MPI-Direktor Prof. Armin von Bogdandy entwickelte Goldmann den Begriff der „internationalen öffentlichen Gewalt“ für einen Bereich, der im Zuge der Globalisierung immer mehr wächst. Er untersuchte die Frage, inwiefern Instrumente internationaler Organisationen wie die PISA-Studie oder die Basler Bankenaufsicht völkerrechtlich zu bewerten sind. Der neue Begriff soll dabei die bestehende Praxis konstruktiv fortentwickeln.

Mit seiner Habilitation wendet sich Goldmann dem Finanzwesen zu, sein Projekt ist aber erneut der Grundlagenforschung zuzurechnen. Wirtschaftswissenschaften und Recht stehen in einem engen Bezug miteinander. Aber wie ist das gegenseitige Verständnis? Verbesserungswürdig, meint Goldmann. „Stability through Deliberation: Finance and Public Law“: So lautet der Titel des Freigeist-Projekts. Wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse unterliegen den Rechtsnormen, mit denen der Staat das Finanzwesen und die Finanzmärkte regelt. Oft sind diese Rechtsnormen aber so vage, dass sie die Erwartungen wirtschaftswissenschaftliche Ansätze an die Fähigkeit des Rechts, das Verhalten von Akteuren zu steuern, enttäuschen. Wirtschaftwissenschaftliche Erkenntnisse wiederum sind aber auch wenig hilfreich für den Rechtsanwender, da sie umstritten und dem Wandel unterworfen sind. Kein guter Befund für eine dauerhaft stabile marktwirtschaftliche Ordnung.

Ein Beispiel sei das so genannte Bail-Out-Verbot, die Nichtbeistandsklausel in den europäischen Verträgen: Die meisten Wirtschaftswissenschaftler waren sich im Zuge der Finanzkrise  einig, das Verbot sei gebrochen worden, der Europäische Gerichtshof jedoch urteilte anders. „Es gibt keine rote Linie, die nicht überschritten werden könnte“, formuliert Goldmann. Seine These: Man muss das Recht als ein viel flexibleres Instrument begreifen, das vor allem zur Strukturierung von Entscheidungsprozessen dient. Daraus könnte eine Prinzipienlehre des öffentlichen Finanzrechts entstehen, die das Finanzwesen stabilisieren helfen könnte. Auf alle Fälle müssten Wirtschaftswissenschaftler und Juristen in einen intensiveren Diskurs treten.

Matthias Goldmann, der schon seit längerem mit dem Exzellenzcluster Normative Orders zusammenarbeitet, wird für die Zeit seines Stipendiums am House of Finance angesiedelt sein, für ihn eines der „renommiertesten Institute im Bankenwesen“. Ob er sich als „Freigeist“ fühlt? „Nicht unbedingt mehr als andere. Jeder Wissenschaftler sollte doch danach streben, seine Limits auszutesten. Das Streben nach Erkenntnis setzt Freiheit voraus“, so Goldmann, der das Fellowship im Januar 2016 antreten wird.

Dr. Nikolas Gestrich

Dr. Nikolas Gestrich kehrt für sein Freigeist-Projekt aus Großbritannien zurück. Der heute 31-jährige Deutsch-Brite ist in Stuttgart aufgewachsen und hat in Durham Archäologie studiert, seinen Master hat er am University College London gemacht, wo er auch promoviert wurde mit einer Arbeit zum Thema: „The Archaeology of Social Organisation at Tongo Maaré Diabal”. In Großbritannien sei das Studium stärker methodisch-praktisch ausgerichtet, man müsse sich nicht so früh festlegen, erklärt Gestrich. Inzwischen ist sein Fokus jedoch klar: Besonders die komplexen Gesellschaften im vorkolonialen Westafrika mit all ihren Implikationen interessieren ihn. Der Titel seines Freigeist Projekts: „The Relationship of Urbanism and Trade to State Power in the Segou Region of Mali“.

„Die frühe Geschichte Malis ist sehr interessant, aber noch kaum erforscht“, erklärt Gestrich. Zwar gebe es weder schriftliche Zeugnisse noch Paläste, dennoch habe es sich eindeutig um eine Hochkultur mit großen Städten gehandelt, 50.000 Einwohner waren durchaus möglich. Die Gegend um den mittleren Nigerlauf in Mali war bereits um 800 vor Christus ein Zentrum dieser Entwicklung. Ab etwa 400 nach Christus entstanden Staaten, die einen großen Teil Westafrikas kontrollierten. Am Beispiel der Markadugu, einem Netzwerk ehemaliger Handelsstädte, will Nikolas Gestrich nun die Beziehung zwischen Staat, Stadt und Handel im vorkolonialen Westafrika untersuchen und deutlich machen, dass deren Strukturen wesentlich vielschichtiger und wandelbarer waren als bislang angenommen.

Bei seiner Arbeit will Nikolas Gestrich archäologische und geschichtswissenschaftliche Methoden kombinieren: Archäologische Fundstellen wertet Gestrich mit Hilfe moderner Technologien aus und bringt sie in Verbindung mit schriftlichen Überlieferungen aus dem arabischen Raum – und mit mündlich tradierten Erzählungen. „Noch heute lebt in Mali ein ganzer Berufsstand davon, sich Geschichten zu merken und öffentlich vorzutragen. Und auch in den Familien werden zurückliegende Ereignisse über Jahrhunderte weitererzählt“, erklärt Gestrich, der auch afrikanische Wissenschaftler in sein Projekt einbinden will. Sein Standort ist das Frobenius-Institut an der Goethe-Universität, wo er dank Afrika-Archäologie und Afrikanistik ideale Bedingungen erwartet. „Außerdem hat das Institut eine Bibliothek, die ihresgleichen in Deutschland sucht“, freut sich Gestrich. Dass er für ein Freigeist-Fellowship ausgewählt wurde, hat Gestrich durchaus überrascht: „Es waren ja so viele Fachrichtungen einbezogen, dass ich mich schon wundere, dass ausgerechnet mein Projekt ausgesucht wurde – es ist ja schon eine eher ungewöhnliche Fragestellung.“

Freigeist-Fellowship

Exzellente und zugleich außergewöhnliche Forscherpersönlichkeiten – sie stehen im Fokus der Freigeist-Fellowships, die in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben werden. Die VolkswagenStiftung will damit erklärtermaßen Forscherpersönlichkeiten fördern, die sich zwischen etablierten Forschungsfeldern bewegen und unkonventionelle, risikoreiche Wissenschaft betreiben möchten. Das Fellowship gewährt ihnen einen großen inhaltlichen Freiraum und eine klare zeitliche Perspektive. Bewerben können sich Nachwuchswissenschaftler, deren Promotion nicht mehr als fünf Jahre zurückliegt. In diesem Jahr wurden insgesamt 156 Förderanträge gestellt. Die offizielle Verleihung findet am 25. September im Tagungszentrum Schloss Herrenhausen in Hannover statt.

Porträts zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/57623699

Forschung

Jul 22 2015
14:51

Bioinformatiker bauen evolutionäre Brücken zwischen den Arten

Ist Evolution messbar?

FRANKFURT. Wie nahe sind Mensch und Hefe verwandt? Ein Maß dafür ist die evolutionäre Zeit, die beide von ihrem letzten gemeinsamen Vorfahren trennt. Doch wie misst man diese Zeit im Rückblick, und was bedeutet sie für die Ähnlichkeit zwischen den heutigen Arten? Solche Fragen sind relevant, wenn man in der klinischen Forschung Erkenntnisse von Modellorganismen auf den Menschen übertragen will. In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ erklärt der Bioinformatiker Prof. Ingo Ebersberger, wie man Stammbäume mithilfe mathematischer Modelle rekonstruiert und so Brücken zwischen den Arten schlägt.

Auf molekularer Ebene lässt sich die Evolution als ein Zufallsprozess beschreiben, der Gene im Laufe der Zeit verändert. Um das Ausmaß an Veränderung messen zu können, müsste man ein heute beobachtbares Gen mit seinem evolutionären Vorläufer vergleichen. Da dieser aber in der Regel unbekannt ist, bestimmt Ebersberger die Verwandschaft zweier heute existierender Organismen, indem er die Gene vergleicht, die sie sich einen gemeinsamen Vorfahren teilen. Die vergangene Zeit wird dann in Veränderungen pro Position gemessen.

„Im einfachsten Fall bestimmt man die Anzahl der Positionen, die man minimal austauschen muss, um eine Sequenz in die andere umzuwandeln“, erklärt Ebersberger. Doch damit unterschätzt man die wahren evolutionären Zeiten erheblich, weil einzelne Positionen in sich in Millionen bis Milliarden Jahren mehrmals verändern können.

Stattdessen modelliert seine Arbeitsgruppe die zeitabhängige Veränderung der von Genen und Genprodukten und bestimmt dann, wie wahrscheinlich ein beobachtetes Muster zu einer bestimmen Zeit ist. Der Rest ist Fleiß: Man wiederholt diese Berechnung für beliebig viele Zeiten und wählt schließlich die wahrscheinlichste aus.

Diese „Wahrscheinlichkeits-basierten“ Ansätze sind eine mächtige Methode, die Evolution biologischer Sequenzen auch über sehr weite Zeiträume hinweg zu rekonstruieren. Die Astlängen des resultierenden phylogenetischen Baums – eine Variante des allseits bekannten Familienstammbaums – reflektieren die (evolutionären) Zeiten, die vergangen sind, seit sich zwei Sequenzen einen gemeinsamen Vorfahren geteilt haben.

Um aus Genbäumen auf die Verwandtschaftsbeziehungen schließen zu können, berücksichtigt man nur solche Gene, die zwei heutige Arten sich mit dem letzten gemeinsamen Vorfahren teilen, sogenannte Orthologe. Dann ist der Genbaum mit dem Arten-Baum deckungsgleich. Die Arbeitsgruppe von Ebersberger hat eine effiziente und sehr spezifische Methode entwickelt, und die sehr rechenaufwändige Identifizierung aller orthologer Sequenzen in den Gen-Repertoires heutiger Arten abzukürzen.

Zu den ersten Sequenzen, die für eine solche Analyse verwendet wurden, gehören ribosomale RNAs. Sie wurden ausgewählt, weil sie in allen Organismen vorkommen. „Leider erhält man aus Analysen unterschiedlicher, aber prinzipiell genauso geeigneter Gene nachgerade einen ganzen Wald verschiedener Lebens-Bäume“, bedauert Ebersberger.  Dafür sind unter anderem Gen-spezifische Besonderheiten verantwortlich. Um deren Einfluss zu minimieren, analysiert seine Gruppe Hunderte verschiedene Gene. „Gelingt es dann noch, konsistente Verwandtschaftsverhältnisse aus der Analyse unterschiedlicher Datensätze zu rekonstruieren, hat man sein Möglichstes getan, Evolution korrekt zu messen und zu interpretieren“, schließt Ebersberger. „Bleiben die Bäume allerdings unterschiedlich, sollte man beginnen, die Hypothese eines einzelnen alles erklärenden Baums selbst zu hinterfragen.“

Um nun herauszufinden, inwieweit die an Modellorganismen gewonnen Erkenntnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist nicht nur der genetische Verwandschaftsgrad wichtig. Zusätzlich muss eine ähnliche Funktionalität der Gene gesichert sein. Dazu Ebersberger: „Verwandte Gene haben zwar eine höhere Wahrscheinlichkeit, das Gleiche zu tun, aber sicher ist es nicht. Als Bioinformatiker hat man keine Möglichkeit einer experimentellen Verifizierung. Wir benötigen also zusätzliche Gemeinsamkeiten, etwa bei funktionellen Protein-Domänen.“ Diese werden zusammen mit Strukturmerkmalen und gleichen lokalen Veränderungen der Sequenzkomposition zu einer Merkmals-Architektur zusammengefasst. Je ähnlicher diese bei verwandten Proteinen ist, desto wahrscheinicher ist deren funktionelle Äquivalenz.

Exemplarisch hat die Gruppe von Ebersberger eine solche Analyse für 255 Proteine durchgeführt, die bei der Hefe (Saccharomyces cerevisiae) den Aufbau von Ribosomen gewährleisten. So konnte er eine Brücke schlagen, die es erlaubt, Erkenntnisse aus funktionellen Studien in einem Modellorganismus auf eine beliebige andere Art zu übertragen. „Wie jede Brücke sollte allerdings auch diese nur mit der gegebenen Vorsicht begangen werden“, warnt Ebersberger und fügt hinzu: „Ihre Stabilität hängt davon ab, ob exakt gemessen wurde, ob Modell-Annahmen gültig waren und ob letztlich richtig interpretiert wurde.“

Informationen: Prof. Ingo Ebersberger, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42112, ebersberger@bio.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 21 2015
14:01

Science Camps und „Sommer-Expedition Chemie“

Chemie-Experimente in den Sommerferien

FRANKFURT. Science-Camps mit Chemie-Experimenten für Oberstufenschüler bietet der Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie auch dieses Jahr wieder in den Sommerferien auf dem Campus Riedberg. Eingeladen sind Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Klasse im Alter von 15 bis 17 Jahren.

Eine Welt aus Silizium? Experimente zu Kosmetik, Glas und Katzenstreu
18.-20 August, 10:00 bis 15:00 Uhr,Anmeldeschluss: 10.08.2015

Die Verbindungen des Siliziums kommen in vielen Alltagsgegenständen vor. Sichtbar sind sie in Solarzellen und Glas, aber auch in Kosmetikprodukten und Katzenstreu sind sie versteckt. Beim Science Camp untersuchen die Schüler verschiedene Gegenstände von der Zahnpasta bis zur Fugenmasse, um herauszufinden, wie vielseitig die Eigenschaften des Siliziums sind. In anderen Experimenten stellen sie selbst etwas aus Silizium her, etwa eine Backform aus Siliconen oder Glas, und überprüfen deren Eigenschaften anschließend im Versuch.

Chemie und Sport
28.-30. August, 10:00 bis 15:00 Uhr,Anmeldeschluss: 20.08.2015

Ob Fußball, Leichtathletik, Tauchen oder Skifahren – so vielfältig, wie die Sportarten ist auch die Chemie, die man heute zu ihrer Ausübung verwendet. Was macht den Sportschuh besonders? Steigern isotonische Getränke oder Energy Drinks tatsächlich die Leistung? Wie funktioniert eine Kühlkompresse? Wie werden Karbonfasern hergestellt? Zu diesen Fragen und anderen Fragen rund um das Thema Chemie und Sport finden die Schüler Antworten durch eigenes Experimentieren.

Anmeldung zu beiden Science Camps an Monika Binkowski, Dekanat des Fachbereichs 14 für Biochemie, Chemie und Pharmazie, dekanatFB14@uni-frankfurt.de. Weitere Informationen zum Ort und Ablauf erfolgen mit der Bestätigung der Anmeldung.

Sommer-Expedition Chemie
24.-28. August, ganztägig,Anmeldeschluss: 31.07.2015, Unkostenbeitrag: 100 Euro

Diese Ferienakademie wird von den Kooperationspartnern der Rhein-Main-Schülerlabore für Oberschufenschüler ab der 11. Klasse veranstaltet. An jedem Tag lernen die Teilnehmer einen anderen naturwissenchaftlichen Lernort kennen: das Goethe-Schülerlabor der Goethe-Universität, das Juniorlabor der Firma Merck und der Technischen Universität Darmstadt, das NaT-Lab für Schülerinnen und Schüler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Chemische Fabrik Budenheim KG und das Schülerlabor der Universität Koblenz-Landau. Das Programm beinhaltet eigenes Experimentieren und Kennenlernen der Betriebe. Untergebracht sind die Schüler in der Jugendherberge Bad Homburg. Mit dem Bus werden sie zu den jeweiligen Lernorten gebracht.

Information: Dr. Edith Nitsche, Institut für Didaktik der Chemie, nitsche@chemie.uni-frankfurt.de

Anmeldung: http://www.nat-schuelerlabor.de/338.php

Personalia/Preise

Jul 21 2015
09:52

Professoren Kira Kosnick und Harald Schwalbe sind die ersten Preisträger

Novum an hessischer Universität – GRADE vergibt Preis für die beste Promotionsbetreuung

FRANKFURT. Der neu aufgelegte GRADE-Preis für herausragende Promotionsbetreuung wurde am 17. Juli 2015 in einer feierlichen Veranstaltung an zwei herausragende Betreuer verliehen. Professorin Dr. Kira Kosnick aus dem Fachbereich 3 (Gesellschaftswissenschaften) und Professor Dr. Harald Schwalbe aus dem Fachbereich 14 (Biochemie, Chemie und Pharmazie) nahmen den Preis als erste Professoren der Goethe-Universität entgegen.

GRADE – Goethe Graduate Academy, die universitätsweite Graduiertenakademie der Goethe-Universität, hatte ihre Promovierenden aufgefordert, ihre Betreuerinnen und Betreuer zu bewerten.

Klarheit und Transparenz, wissenschaftliche Exzellenz, Inspiration und beständige Unterstützung im Promotionsprozess und nicht zuletzt die intensive und geduldige Auseinandersetzung mit den Promovierenden und ihren Vorhaben waren die entscheidenden Kriterien für die Preisvergabe. Die Ergebnisse wurden anschließend vom Wissenschaftlichen Beirat der GRADE ausgewertet.

„Ich bin überzeugt, dass ein solcher Preis zur verbesserten Wahrnehmung sehr guter Betreuung beiträgt“, erklärt Heike Zimmermann-Timm, Geschäftsführerin der GRADE – Goethe Graduate Academy.

Der Preis, der diesmal geteilt wurde, ist mit 5000 Euro dotiert und soll für die Förderung Promovierender eingesetzt werden. Er wird einmal jährlich verliehen. Der Preis für die beste Promotionsbetreuung wurde gestiftet und überreicht von Andreas Kärcher, dem Vorsitzenden der Vereinigung der akademischen Verbände.

Forschung

Jul 20 2015
12:14

Der Wegbereiter des Datenschutzes warnt in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ vor der Steuerbarkeit des Einzelnen und einem Datenschutz, der zur Fiktion gerät

Spiros Simitis: „Es geht um Eure Daten!“

FRANKFURT. Man nennt ihn „Pfadfinder“, „Vater“ und „Doyen“ des Datenschutzes – oder einfach nur „Prof. Dr. Datenschutz“: Spiros Simitis, der im Oktober vergangenen Jahres 80 Jahre alt geworden ist, verfasste das erste Datenschutzgesetz der Welt. Es trat 1970 in Hessen in Kraft. Dort war Simitis 15 Jahre lang Beauftragter für den Datenschutz. Die Europäische Datenschutzrichtlinie von 1995 entstand unter seiner maßgeblichen Beteiligung. Auch danach beriet der Frankfurter Rechtswissenschaftler die Kommission und in jüngster Zeit das Parlament bei Gesetzgebungsprozessen. Doch „Datenschutz ist nicht nur eine Frage der Normen, die den Umgang mit den Daten regeln“, wie Simitis in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ betont, „sondern zunächst und vor allem ein Appell an die Betroffenen: Es geht um Eure Daten!“

Der Datenschutz, so Simitis in dem Interview mit „Forschung Frankfurt“ (Ausgabe 1/2015), sei von Anfang an als Reaktion auf eine sich ständig weiterentwickelnde und verfeinernde Informationstechnologie entstanden. Mittlerweile hätten sich mit dem Internet auch die Kommunikationsbedingungen radikal geändert. „Sie zeichnen sich auch und vor allem durch ein bislang nie erreichtes Maß an Öffentlichkeit aus“, so Simitis. Allein in Deutschland hat beispielsweise Facebook rund 28 Millionen aktive Mitglieder, von denen einige sehr viel von sich preisgeben. Das könne und solle man nicht verbieten, sagt Spiros Simitis. „Aber man kann versuchen, ein entsprechendes Bewusstsein zu wecken.“

Wo eine weite Veröffentlichung der Daten, ob mit oder ohne bewusstes Zutun der Betroffenen, zur Regel werde, gerate „der Datenschutz zur Fiktion“. Die Technologie habe einen Punkt erreicht, wo tendenziell alle Daten gespeichert und verarbeitet werden könnten. „Gleichzeitig habe ich es als Einzelner mit Kommunikationsmethoden zu tun, bei denen ich immer mehr Daten offenbare. Aber keiner kümmert sich ernsthaft darum, was im Internet damit geschieht und wo die Grenzen sind.“ Simitis weiter: „Wir sind – ich sage das mal sehr bewusst – an einem Punkt angelangt, wo es für den Datenschutz nicht gut aussieht.“

Bereits seit einigen Jahren wird auf EU-Ebene über neue, den veränderten Bedingungen angepasste Regelungen diskutiert. In diesen Monaten stehen konkrete Verhandlungen über einen Entwurf des Parlaments zu einer sogenannten Datenschutz-Grundverordnung auf dem Programm, die bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein könnten. „Dem Parlament ist es durchaus gelungen, den Datenschutz weiter zu festigen, aber auch auszubauen“, so Simitis. Doch wie auch immer die finale Grundordnung aussehen mag, sie wird erst nach einer Übergangszeit von zwei Jahren in allen EU-Staaten gelten. Simitis hätte sich angesichts des rasanten technischen Fortschritts eine „möglichst unmittelbare Anwendung der neuen Vorschriften“ gewünscht. „So wie es aber jetzt ist, riskiert die Reform, schon teilweise sichtlich überholt zu sein, wenn sie zuerst umgesetzt wird.“

Bei der Frage, wie sehr ein Staat die Freiheit seiner Bürger begrenzen dürfe, um sie beispielsweise vor terroristischen Anschlägen zu schützen, verweist Simitis auf „die Grundlage allen Datenschutzes“, die „Forderung, dass personenbezogene Daten immer nur für einen bestimmten Zweck verarbeitet werden dürfen und dass sie nur so lange in Anspruch genommen werden dürfen, wie dieser Zweck es erfordert“. Gleiches gelte für die kommerzielle Nutzung von Daten. Hier sehen manche Beobachter sogar eine noch größere Gefahr für die Demokratie, als sie selbst von Geheimdiensten ausgeht. „Gefährlich ist beides“, sagt Spiros Simitis. Es ergebe „keinen Sinn, solche Gegenüberstellungen zu machen“. In beiden Fällen bestehe die Gefahr einer „Steuerbarkeit des Einzelnen“.

Eine systematische Verarbeitung personenbezogener Daten vermittle, so Simitis, zugleich eine immer präzisere Information über die jeweils betroffenen Personen. Dadurch könne das Verhalten dieser Personen nicht nur besser beurteilt, sondern auch beeinflusst oder gesteuert werden. Wenn man beispielsweise einer Versicherung erlaubt, Daten der persönlichen Lebensführung zu erheben und zu verarbeiten, um einen günstigeren Tarif zu bekommen, könne das –  so Simitis – durchaus gewisse Vorteile für den Einzelnen haben. Aber auch hier stelle sich die Frage: „Sind diese Vorteile mit ihren Rückwirkungen auf sein weiteres Leben so hinzunehmen, oder führt das Ganze zu einer Steuerbarkeit, die man nicht akzeptieren muss?“

Spiros Simitis ist emeritierter Professor für Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht und Rechtsinformatik, insbesondere Datenschutz, an der Goethe-Universität. Hier ist er nach wie vor an der von ihm gegründeten Forschungsstelle Datenschutz tätig. Den Begriff „Datenschutz“ hatte er übrigens zunächst gar nicht gemocht, wie er in dem Gespräch mit dem Journalisten Bernd Frye erzählt. Denn er ließe nicht erkennen, „was der eigentliche Gegenstand der angestrebten Regelung ist: eben nicht der Schutz der Daten, vielmehr der Schutz des Einzelnen sowie der Respekt vor seinen Grundrechten in einer Gesellschaft, in der gerade die Informationstechnologie mehr und mehr die Chance bietet, ihn zu instrumentalisieren“.

Informationen: Prof. Dr. Spiros Simitis, Fachbereich Rechtswissenschaft, Forschungsstelle Datenschutz, Campus Westend, Tel. (069)798-34230, simitis@jur.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Jul 17 2015
13:49

VolkswagenStiftung fördert Forschungskolleg „Schreibszene Frankfurt. Poetik, Publizistik und Performanz von Gegenwartsliteratur“ an der Goethe-Universität

Neue Wege der Gegenwartsliteraturforschung

FRANKFURT. Im Januar 2016 nimmt das mit einer Summe von knapp 1,4 Millionen Euro von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungskolleg am Fachbereich Neuere Philologien der Goethe-Universität seine Arbeit für zunächst drei Jahre auf. Unter Federführung von Prof. Dr. Julika Griem und Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein erhalten acht junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Möglichkeit, in vergleichender Perspektive und in konkreten Praxiszusammenhängen innovative Methoden und Formate der Gegenwartsliteraturforschung zu entwickeln. „Als Buchmessen-, Verlags- und Medienstandort bietet die Stadt Frankfurt in einzigartiger institutioneller Verdichtung ideale Voraussetzungen, um aus nächster Nähe nationale und internationale Phänomene der Gegenwartsliteratur sowie aktuelle Konstellationen des Literaturbetriebs exemplarisch zu untersuchen“, betonen Julika Griem und Susanne Komfort-Hein. 

Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz gratulierte den Wissenschaftlerinnen zu Ihrem großen Erfolg: „Die Goethe-Universität fördert ihre jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit vielen Jahren mit großer Intensität. Daher bin ich besonders froh über die Chancen, die sich mit dem neuen Forschungskolleg ‚Gegenwartsliteratur‘ für den wissenschaftlichen Nachwuchs ergeben. Ich danke den beiden federführenden Wissenschaftlerinnen für ihren hervorragenden Antrag und der Volkswagen-Stiftung für die großzügige finanzielle Unterstützung.“

Das Pilotprojekt setzt auf die programmatische Verzahnung von kritischer philologischer Verfahrensschulung und soziologisch wie ethnologisch fundierter Praxisforschung, von theoretischer Reflexion und Intervention zwischen Wissenschaft und Literaturbetrieb. Durch die intensive Zusammenarbeit mit Institutionen vor Ort und die enge Verbindung von individueller und kollaborativer Forschung können sich die Kollegiaten für ein breites Spektrum universitärer und außeruniversitärer Karrierewege qualifizieren.

Die „Schreibszene Frankfurt“ ergänzt an der Goethe-Universität das bereits von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften. Das neue Kolleg verstärkt die Frankfurter Graduierten-Programme um eine Qualifikations-Infrastruktur, die speziell auf aktuelle geisteswissenschaftliche Anforderungen zugeschnitten ist und gleichzeitig so offen gestaltet sein wird, dass auch Studierende und weitere Doktorandinnen und Doktoranden von dieser innovativen Forschungswerkstatt profitieren können. Das Förderprogramm soll dazu beitragen, an der Goethe-Universität ein national und international sichtbares Zentrum für Gegenwartsliteraturforschung zu etablieren. 

Kontakt:
Prof. Dr. Julika Griem, Institut für England- und Amerikastudien,
Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-32348; griem@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 069/798-32857 komfort-hein@lingua.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 17 2015
13:01

Schüler können unter professioneller Anleitung kreatives Schreiben trainieren

Sommer-Schreib-Camp auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Vom 4. bis 6. August werden die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Schülerschreibwettbewerbs der Written Art Foundation zum erstmals stattfindenden „Sommer-Schreib-Camp“ an der Goethe Universität Frankfurt erwartet. Am Wettbewerb teilgenommen hatten über 1.000 14-16jährige Schülerinnen und Schüler aus mehr als 22 Wiesbadener Schulen, darunter nicht nur Gymnasien, sondern auch Haupt- und Realschulen sowie integrierte Gesamtschulen. Die Aufgabe des Wettbewerbs bestand dieses Jahr darin, eine spannende Kriminalgeschichte zu schreiben – und die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Am Campus Westend können die rund 25 prämierten Schreiber unter professioneller Anleitung ihr Talent weiter ausbauen, neue Schreibstrategien kennen lernen, sich untereinander austauschen und kreatives Schreiben trainieren. Die Leiterin des Schreibzentrums der Frankfurter Goethe-Universität, Dr. Stephanie Dreyfürst, ein halbes Dutzend ausgebildete studentische Schreibtutoren, die Kinderbuchautorin Nadia Doukali, der Wiesbadener Krimiautor Alexander Pfeiffer und der bekannte Schriftkünstler Prof. Werner Schneider stehen den Schülern während des Schreib-Camps zur Seite.

Auf dem Programm stehen neben ausgedehnten Schreibspaziergängen über den idyllischen Campus auch ein Besuch im Polizeimuseum und verschiedene Workshops rund um das Thema „Wie entsteht eine spannende Geschichte?“. In den drei Tagen werden die Schüler das Schreiben mit der Hand intensiv erleben können als Möglichkeit, Ideen schnell zu entwickeln und mit anderen zu diskutieren.

Zum Hintergrund: Das Schreiben mit der Hand wird mit der zunehmenden Digitalisierung aus dem Alltag junger Menschen verbannt. Auch schulpolitische Tendenzen gehen in die Richtung, die Handschrift zugunsten der Nutzung von Tablets im Unterricht aufzugeben. Den Schülern wird so jedoch eine wichtige Kulturtechnik vorenthalten und darüber hinaus wird ihnen die soziale Integration und der berufliche Erfolg erschwert: Ausbildende in Lehrbetrieben, aber auch Dozenten in Universitäten bemängeln, dass Jugendliche kaum noch längere Zeit am Stück Schreiben können und aufgrund fehlender Gelegenheit im wörtlichen Sinn keine ‚eigene Handschrift‘ mehr entwickeln.

Weltweit zeigen wissenschaftliche Studien, dass Inhalte, die mit der Hand geschrieben werden, besser gelernt und behalten werden. Dies bestätigen auch die Schüler in einer Umfrage der Written Art Foundation. Schreiben ist immer auch ein Ausdruck der individuellen Persönlichkeit, es fordert auf, sich zu konzentrieren selbstständig zu denken: „Write & Create“ statt „Copy & Paste“. 

Kontakt: Dr. Stephanie Dreyfürst, Leitung  schreibZENTRUM, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel. (069) 798-32845, Dreyfuerst@lingua.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 17 2015
10:38

Vortrag am 22. Juli im Rahmen der Trevor Paglen-Ausstellung des Frankfurter Kunstvereins in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“

Rainer Forst über die (Un)Sichtbarkeit der Macht

FRANKFURT. Noch bis Ende August zeigt der Frankfurter Kunstverein die schon jetzt viel beachtete Werkschau des US-amerikanischen Künstlers Trevor Paglen. Sie heißt „The Octopus“ und beschäftigt sich mit Themen wie Überwachung und politische Einflussnahme. Kooperationspartner ist der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, der auch mit zentralen Beiträgen in dem umfangreichen Rahmenprogramm vertreten ist. Am Mittwoch, dem 22. Juli, steht um 19 Uhr der Vortrag von Rainer Forst, Co-Sprecher des Exzellenzclusters, auf dem Programm. Der Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität widmet sich dem Thema „Die (Un)Sichtbarkeit der Macht“. Der Eintritt hierzu ist frei.

Trevor Paglen fotografiert geheime Standorte der NSA und CIA, verborgene Militärbasen und Transportwege zu Geheimgefängnissen oder versteckte Abhörstationen und Flugbahnen geheimer Überwachungssatelliten und Drohnen. Am aktuellen Dokumentarfilm „Citizenfour“ der Regisseurin Laura Poitras über die Snowden-Affäre, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war Paglen als Rechercheur und Kameramann beteiligt. In seinen konzeptuell miteinander verbundenen Fotografien, Videos, Büchern und überwachungskritischen Aktionen will Paglen Techniken und Strukturen von Politik und Macht sichtbar werden lassen. Der US-Amerikaner strebt mit seinen Bildern nach eigener Aussage eine „neue Art des Sehens“ an, um Überwachungssysteme wahrzunehmen und darüber zu diskutieren, ob wir sie wirklich wollen.

„Trevor Paglens Bilder machen geheime Orte der Macht sichtbar. Doch entgegen der Auffassung, dass damit auch die Ausübung von Macht sichtbar würde, müssen wir nach deren verborgener Wirkungsweise fragen“, betont Rainer Forst. Denn der wahre Stoff der Macht – so wird der politische Philosoph auch in seinem Vortrag erläutern – seien nicht materielle Ressourcen, wie häufig angenommen werde, sondern etwas Immaterielles: „Die Rechtfertigungen und Überzeugungen, die uns dazu bringen, Dinge zu denken und zu tun, die wir anders – ohne die Einwirkung anderer – nicht getan hätten.“ Wer über den Raum sozialer Rechtfertigungen bestimme und ihn nutzen könne, sei im Besitz der Macht. Deshalb sei der Kampf um Definitionen, Interpretationen und auch Bilder der eigentliche Kampf um Macht.

Rainer Forst wurde im Jahr 2012 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG ausgezeichnet und 2014 in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Theorien der Gerechtigkeit, Toleranz und Demokratie. Zu seinen Publikationen gehören „Kontexte der Gerechtigkeit“, „Toleranz im Konflikt“, „Das Recht auf Rechtfertigung“, "Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse" sowie „Normativität und Macht“ (im Erscheinen); alle Suhrkamp.

Die Ausstellung „Trevor Paglen: The Octopus“ ist ein Projekt des Frankfurter Kunstvereins. Sie findet im Rahmen der „RAY 2015 Fotografieprojekte Frankfurt Rhein/Main“ statt und ist zudem eine Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Ausstellung und das Rahmenprogramm finden im Frankfurter Kunstverein statt: Steinernes Haus am Römerberg, Markt 44, 60311 Frankfurt am Main.

Information: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net, www.normativeorders.net/de/

Julia Wittwer, Leitung PR Frankfurter Kunstverein, Tel.: 069/219314-30, presse@fkv.de, www.fkv.de;

Veranstaltungen

Jul 17 2015
10:35

Big Data sollen künftig auch dem Allgemeinwohl dienen

Ein Netzwerk des Guten schaffen

FRANKFURT. „Big Data haben das Potenzial, Regierung, Wirtschaft und die Strukturen der Gesellschaft zu verändern“. Davon ist Roberto Zicari, Professor für Informatik, überzeugt. Bisher steht die wirtschaftliche Verwertung von Big Data durch Unternehmen im Vordergrund. Das löst bei vielen Bürgern Ängste aus. Doch die immense Datenflut lässt sich auch zum Nutzen der Gesellschaft auswerten. Diesen Ansatz unterstützt Zicari mit seinem Big Data Lab an der Goethe-Universität. Der Gewinner eines von ihm lancierten Ideenwettbewerbs wird sein Projekt am 29. September auf der TED-X-Konferenz auf dem Accenture Campus Kronberg vorstellen.

TED war ursprünglich eine Innovationskonferenz zu den Themen „Technology, Entertainment, Design“ unter dem Schlagwort „Ideas Worth Spreading“ – also Ideen, die es wert sind, verbreitet zu werden. Das Spektrum ist inzwischen auf andere Bereiche ausgeweitet worden. Auf Zicaris Anregung wurde auch die Rubrik „Common Good“ aufgenommen.Fünf Big-Data-Projekte aus insgesamt zehn vorgeschlagenen gewannen Ende Mai den TEDx RheinMain Datanauts Contest. Sie werden bis Anfang September von Accenture-Mentoren bei der Weiterentwicklung unterstützt. Dann wird der endgültige Gewinner gewählt.

»Global news – local impact« ist eines dieser Projekte. Es basiert auf einer Nachrichten-Weltkarte, die die Korrelation zwischen öffentlichem Diskurs und Medienberichterstattung sichtbar macht. Welche Länder sind relevant für die globale Meinungsbildung? Wo hat die öffentliche Stimme mehr Einfluss als die Medien? Dies sind Fragen, die Projektentwickler Yves Schleich auf einer Datengrundlage von Hashtags beantworten möchte. Hashtags sind mit einer Raute verschlagwortete Begriffe.

Tobias Pfaff überzeugte die Jury mit seinem Projekt »reuse data für social projects«. Pfaff ist der Gründer von DataLook, einer Webplattform, die aktuelle, datenbetriebene Projekte für das Allgemeinwohl zur Wiederverwendung zur Verfügung stellt. Die Zielgruppe sind Nonprofit-Organisationen, denen die Ressourcen fehlen, selbst IT-Lösungen für ihre Arbeit zu entwickeln.

Das dritte Gewinner-Projekt »natural catastrophes prediction system« von Abiturient Pascal Weinberger informiert über bevorstehende Naturkatastrophen. Eine bereits vorhandene intelligente Datenanalyse, die Muster lernt, Zeitsequenzen in Datenströmen erkennt und Anomalien markiert, möchte Weinberger für das Projekt nutzen. Diese Informationen können Klimaexperten helfen, sich bei ihren Analysen auf besonders gefährdete Regionen zu konzentrieren.

Die Idee zum vierten Gewinnerprojekt »settlement spotter« hatte Harry Underwood, als er selbst auf der Suche nach dem perfekten Eigenheim war. Ein Onlinetool mit den wichtigsten Daten zu Umgebung, Geografie, Demografie und bürgerschaftlichem Engagement soll dem Nutzer ermöglichen, den geeigneten Ort für sein Eigenheim zu finden.

Das letzte Gewinner-Projekt »needex – emergency plattform« von Elena Swrschek und Michael Kruppa befasst sich mit der Organisation von Katastrophenhilfe. Ein halbautomatischer Algorithmus, der fähig ist, die Erfordernisse der Notfallregion zu berechnen und eine Lösung zu identifizieren, dient als Grundlage für die Onlineplattform. Diese nutzt stets aktualisierte Standortdaten, demographische sowie wirtschaftliche Daten, kombiniert mit Echtzeitinformationen von jeder partizipierenden Organisation.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Prof. Roberto Zicari, Institut für Informatik, Lehrstuhl für Datenbanken und Informationssysteme, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798-28212, zicari@dbis.cs.uni-frankfurt.de

www.bigdata.uni-frankfurt.de/

http://datanauts.tedxrheinmain.de/contest-submissions/

www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jul 16 2015
12:54

54 Studierende aus 20 Ländern sind für einen Monat zu Gast an der Goethe-Universität

2. Frankfurt Summer School

FRANKFURT. Vom 20. Juli bis zum 14. August 2015 findet an der Goethe-Universität die 2. Frankfurt Summer School statt. Sie wird im Rahmen des auf 4 Jahre angelegten DAAD-Programms „Strategische Partnerschaften“ organisiert.

Die englischsprachige Summer School verfügt über parallele Kurse in zwei Sparten, Jura und Psychologie. Dieses Seminarprogramm wird durch ein gemeinsames Rahmenprogramm mit Deutschkursen und Exkursionen (u.a. nach Straßburg, Heidelberg und Berlin) ergänzt. Dieses Jahr werden 54 Studierende aus 20 Ländern am Programm teilnehmen.

Öffentliche Programmpunkte der 2. Frankfurt Summer School:

Montag, 20.7.2015, 10.00 Uhr
Eröffnungsfeier im Casino, Renate-von-Metzler-Saal, Campus Westend.

Prof. Brigitte Haar, Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Internationales, wird das Grußwort halten; die Dekane der beteiligten Fachbereiche werden das Seminarprogramm vorstellen.

Dienstag, 21.7.2015, 18.00 Uhr
Empfang der Teilnehmer der 2. Frankfurt Summer School im Frankfurter Römer.

Freitag, 14.8.2015, 18.00-21.00 Uhr
Abschlussfeier im Gästehaus der Goethe-Universität, Ditmarstrasse 4. Bei dieser Veranstaltung werden die Zertifikate an die Studierenden übergeben.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an den öffentlichen Programmpunkten teilzunehmen. Nach Absprache mit der Projektmanagerin sind auch Besuche der Seminare möglich.

Kontakt: Anne Le Duigou Bernig, Projektmanagerin Frankfurt Summer School,  International Office, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798 17247

leduigou@em.uni-frankfurt.de; http://summerschool.uni-frankfurt.de/

Veranstaltungen

Jul 16 2015
12:51

Symposium: „Edward Snowden, der Sicherheitsstaat und das Theater“. 17./18. Juli, Goethe-Uni/Mousonturm

Dramaturgien der Überwachung

FRANKFURT. Die lange Geschichte der sicherheits- und machtpolitisch motivierten Überwachung hat sich stets auch in Theater und Drama niedergeschlagen hat (von Shakespeares „Hamlet“ zu Schillers „Don Karlos“ zu Brechts „Leben des Galileo“). Man könnte umgekehrt allerdings auch formulieren, dass traditionelle Formen der Überwachung insofern selbst als theatral gelten können, als sie Zuschauerschaft implizieren und die überwachten Subjekte, häufig ohne deren Wissen, als Performer behandeln. Das öffentliche Symposium „Dramaturgien der Überwachung – Edward Snowdon, der Sicherheitsstaat und das Theater“ findet am 17. u. 18. Juli an der Goethe-Universität (Campus Westend, Raum 1.411) und im Künstlerhaus Mousonturm statt.

Zu den Referenten der Veranstaltung zählt auch Gerhart Baum, Bundesminister des Innern a. D. Er spricht am Samstag um 13.00 Uhr im Mousonturm über „Weltüberwachungsstaat und Überwachungskapitalismus — Wie bewahren wir die Menschenwürde gegenüber den Gefahren des Internets?“ (Tickets für Veranstaltungen im Mousonturm: 12 Euro, Studierende haben freien Eintritt.)

Zum Programm: www.uni-frankfurt.de/55400748/symposium 

Zum Hintergrund: Was neu ist an den von Edward Snowden aufgedeckten Praktiken der amerikanischen National Security Agency (NSA) ist nicht der zugrundeliegende Impuls zur totalen Überwachung jeglicher Kommunikation, sondern die historisch erstmalige technische Umsetzbarkeit dieses Impulses, zumindest im Hinblick auf globale digitale Kommunikation. Zu fragen wäre nicht nur, welche Folgen das von der NSA repräsentierte gegenwärtige Überwachungsdispositiv langfristig für den öffentlichen Raum, die politische Gewaltenteilung, und internationale Beziehungen einerseits, sowie für die Privatsphäre, die Ausübung freier Meinungsäußerung, und die Verfasstheit des Subjekts selbst andererseits haben wird, sondern auch, wie Theater und Performance diese Entwicklungen nicht nur in den Blick bekommen, sondern sich ihnen gegenüber auch kritisch positionieren können. Dies ist angesichts der Pariser Anschläge vom 7. Januar dieses Jahres noch von zusätzlicher Dringlichkeit.

Das Symposium wird von der Professur für Theaterwissenschaft in Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie, dem Künstlerhaus Mousonturm, und dem Staatstheater Karlsruhe veranstaltet. Gefördert wird die Veranstaltung vom DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie durch das International Office der Goethe-Universität, die Hessische Theaterakademie und das Staatstheater Karlsruhe.

Leitung: Prof. Dr. Markus Wessendorf, Friedrich-Hölderlin-Gastprofessor für Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie (Sommersemester 2015), Goethe-Universität. Wessendorf@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jul 15 2015
15:18

Zwischen Romantik und Konsumlogik: Wissenschaftler der Goethe-Universität erforschen die Partnersuche im Internet

Kann man beim Online Dating den Partner fürs Leben finden?

FRANKFURT. Wer sich im Internet auf Partnersuche begibt, ist meist nur auf flüchtige, vor allem sexuelle Kontakte aus: So lautet wohl die Einschätzung von vielen Beobachtern. Doch die Sozialwissenschaft kommt zu differenzierteren Urteilen: Auch im Internet suchen viele Akteure demnach ernsthafte Beziehungen. „Unsere Forschung zeigt: Diese Beziehungen finden sie häufig auch“, betont Dr. Oliver Voirol, Assoziierter Wissenschaftler am Institut für Sozialforschung (IFS). Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Kai Dröge erforscht er im Rahmen des Projekts „Online Dating. Mediated Communication between Romantic Love and Economic Rationalization“ die Partnersuche im Internet.

Im Interview mit dem UniReport erklären sie mit Verweis auf den klassischen Liebesbrief, dass Distanz und Schriftlichkeit die Kommunikation nicht unbedingt oberflächlicher machen, sondern im Gegenteil die Intensität der Gefühle sogar wesentlich steigern können. Dröge und Voirol sehen die Ursachen für ein verändertes Verhalten bei der Partnersuche nicht allein in der neuen digitalen Technologie, sondern in gesellschaftlichen Zäsuren: Bereits in den 60er Jahren sei die „Dominanz des bürgerlichen Ehe- und Familienmodells“ gebrochen worden. Seitdem müsse in einer Beziehung viel mehr ausgehandelt werden, welche Art von Partnerschaft man wolle. Diese Reflexivität im Hinblick auf die eigenen Wünsche und Gefühle sei besonders für die Kommunikation im Internet sehr wichtig.

Einen Widerspruch sehen Voirol und Dröge in dem Konzept der ‚Passung‘: Demnach finden beim Online Dating diejenigen Partnersuchenden am besten zueinander, deren Persönlichkeitseigenschaften in hohem Maße kompatibel sind. „Die so erzeugte ‚Passung‘ ruft aber eher Langeweile hervor als Neugier, Aufregung und Verliebtheit“, erklärt Kai Dröge. Die romantische Liebeserzählung hingegen gehe von der Liebe als Selbsttransformation aus: Indem sich der Suchende auf den neuen Partner einlasse, verwandele er sich selbst und entdecke neue Seiten an sich.

Das Interview mit Kai Dröge und Oliver Voirol findet man im aktuellen UniReport: http://www.uni-frankfurt.de/57329000/Unireport_4-15.pdf, (S. 7)

Forschung

Jul 15 2015
12:27

Über Klimaschutz, Wassermodellierung und Gerechtigkeit – Beitrag in der soeben erschienenen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Die Erde vermessen, um einen gerechten Blick auf sie zu werfen

FRANKFURT. Höchstens zwei Grad mehr, darüber wird es wirklich gefährlich für unseren Planeten. Darin sind sich die Experten einig. Zwei Grad mehr als in vorindustriellen Zeiten. Dies Ziel klingt einfach und klar. Doch es zu erreichen ist eine sowohl politisch-moralische als auch wissenschaftlich-technische Herausforderung. Das zeigen Gespräche, die der Philosoph und Publizist Dr. Rolf Wiggershaus mit dem politischen Philosophen und Gerechtigkeitsforscher Prof. Dr. Darrel Moellendorf und der Hydrologin Prof. Dr. Petra Döll geführt hat. Nachzulesen ist dies in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (1/2015), in dem sich Wissenschaftler verschiedener Disziplinen mit dem Thema „Messen und Vermessen“ beschäftigen.

Der Klimawandel, seine Ursachen und Folgen, sind erst seit den 1990er Jahren zu einem zentralen Thema geworden. Während des Aufstiegs der euro-atlantischen Industrieländer seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen und Klimaänderung noch nicht als etwas Bedrohliches wahrgenommen. Ende des 19. Jahrhunderts erwartete der schwedische Chemiker Svante Arrhenius von einer globalen Erwärmung durch Verdopplung der CO2-Menge in der Luft gleichmäßigere und bessere klimatische Verhältnisse und schlug sogar vor, Kohleflöze anzuzünden, um die Erwärmung zu beschleunigen. Daher auch der ursprünglich positiv klingende Ausdruck „Treibhauseffekt“.

Doch solche Fehleinschätzungen ändern nichts daran – so Moellendorf, der auch ein Teilprojekt beim Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ leitet –, dass die entwickelten Länder ihren Wohlstand und ihre starke Position einer langen Phase anthropogener Treibhausgas-Emissionen verdanken. Das verpflichtet sie dazu, soziale Verantwortung und die Hauptlast des Klimaschutzes zu übernehmen. „Ob das Ziel einer Begrenzung der Erwärmung auf zwei Grad moralisch glaubwürdig ist“, meint Moellendorf,  „hängt zum Teil von den Auswirkungen des Plans zur Schadensminimierung auf die Armen der Welt ab, die einen begründeten Anspruch auf die Steigerung ihres Energieverbrauchs haben, um der Armut zu entkommen.“

Dass die Armen der Welt die Folgen des Klimawandels immer massiver zu spüren bekommen, machte die Fotoausstellung „The Human Face of Climate Change“ in den Räumen des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Bad Homburg deutlich. Die Bilder des Schweizer Künstlerpaars Mathias Braschler und Monika Fischer – drei sind auch großformatig in „Forschung Frankfurt“ abgebildet – zeigen Menschen verschiedener Länder voller Würde in den Ruinen ihrer Lebensgrundlage. Nichts könnte beeindruckender die Dringlichkeit der Eindämmung des Klimawandels vor Augen führen. Selbst wenn die Zwei-Grad-Grenze nicht überschritten würde, schmölzen weiterhin Gletscher, stiegen die Meeresspiegel und drohten Dürren, Tropenstürme und Verlust an Biodiversität.

Mit Mitteln ihrer Wissenschaft sucht die Hydrologin Petra Döll mit ihrem Team zu beleuchten, wie dringlich es ist, den Klimawandel einzudämmen, indem sie dessen Auswirkungen auf die Wasserressourcen der Erde quantitativ abschätzt. Diese Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität stellen sich der Komplexität und den Herausforderungen dieses Themas. Sie beschäftigen sich seit Langem damit, den Wasserkreislauf auf den Landflächen der Erde zu berechnen und zu modellieren. Außerdem schauen sie, wie dieser durch Menschen beeinflusst wird – beispielsweise durch Staudämme oder Bewässerungsmaßnahmen – und zu welchen Veränderungen der globale Klimawandel je nach Intensität führt. Den Akteuren bei den internationalen Klimaverhandlungen und letztlich uns alle möchte Petra Döll deutlich machen, was es bringt, weniger Treibhausgase zu emittieren, beziehungsweise was für Folgen es haben kann, wenn die Reduktionen zu gering ausfallen: „Wenn, wie in vielen Gebieten prognostiziert, der Niederschlag bei gleichzeitig steigenden Temperaturen abnimmt und Nahrungsmitteln nur noch mit (mehr) Bewässerung angebaut werden können,  –  werden dann die Flüsse überhaupt noch genug Wasser führen?“

Döll betreibt globalskalige Forschung, weil auf unserer Erde alle Probleme globale Probleme sind. „Ob in Indien nachhaltig gewirtschaftet werden kann, hängt mit unserem Konsum hier in Deutschland zusammen. Denn um weltweit gehandelte Güter herzustellen, sind meist große Mengen Wassers nötig, vor allem bei Nahrungsmitteln und Baumwolle. Das ist der Grund für all die Berechnungen, die wir anstellen: ein genaueres Bild von der Welt zu bekommen, das uns bei unseren Entscheidungen hilft.“ Messen und Berechnen, Modellierungen und Computersimulationen, die Ausarbeitung möglicher künftiger Szenarien und die Visualisierung durch anamorphe Weltkarten – all das scheint nötig und unvermeidlich geworden zu sein angesichts eines Planeten, auf dem menschliches Handeln das Ende natürlicher Selbstregulation herbeigeführt hat. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Petra Döll und Darrel Moellendorf möchten dazu beitragen, dass der globale „vermessende“ Blick auf die Erde und die sie bewohnenden Menschen zugleich ein „gerechter“ ist.

Informationen: Prof. Dr. Darrel Moellendorf, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Campus Westend, Tel. (069) 798-31520, E-Mail: darrel.moellendorf@normativeorders.net; Prof. Dr. Petra Döll, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel. (069) 798 40219, E-Mail: p.doell@em.uni-frankfurt.de, Dr. Rolf Wiggershaus, Tel. (0 61 73) 6 77 31, E-Mail: wiggersh.r@t-online.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jul 13 2015
15:58

Mit Werken der europäischen Romantik verabschiedet sich Universitätsmusikdirektor Helmut Bartel in den Ruhestand

Semester-Abschlusskonzert an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Das Sinfonieorchester der Goethe-Universität, auch unter dem Namen Akademisches Orchester oder Collegium musicum bekannt, setzt sich nicht nur aus Studierenden aller Fachbereiche zusammen, es spielen auch Mitglieder des Lehrpersonals, Ehemalige und interessierte externe Musikerinnen und Musiker mit. Die Leitung des Orchesters sowie des Akademischen Chors hatte seit 2008 Dr. Helmut Bartel. 2011 wurde er zum Universitätsmusikdirektor ernannt, nun verabschiedet sich Bartel in den Ruhestand. Sein letztes musikalisches Geschenk an die Universität wird das Semester-Abschlusskonzert mit Stücken der europäischen Romantik von Fanny Hensel, Antonín Dvorák und Guiseppe Verdi sein.

Semester-Abschlusskonzert der Goethe-Universität: Europäische Romantik
Mittwoch, 15. Juli, 20.00 Uhr. Festsaal, Casino, Campus Westend.
Ausführende: Paula Bohnet, Sopran; Angela Shin, Sopran; Isaac Lee, Tenor; Timon Führ, Bass; Uwe Meier, Bass. Eintritt ist frei.

Weitere Informationen
Beitrag im aktuellen UniReport über Dr. Helmut Bartel: http://www.uni-frankfurt.de/57329000/Unireport_4-15.pdf, (S. 13)

Forschung

Jul 10 2015
11:16

E-Commerce und unser Kommunikations- und Einkaufsverhalten – Beitrag im soeben erschienenen „Forschung Frankfurt“ über die Forschung von Prof. Dr. Bernd Skiera

Werbung nach Maß und ganz persönlich

FRANKFURT. Er ist laut aktuellem Handelsblatt-Ranking der forschungsstärkste Wissenschaftler Deutschlands in der Betriebswirtschaftslehre. Doch mit was befasst sich Prof. Dr. Bernd Skiera, seit 1999 Inhaber des Lehrstuhls für Electronic Commerce an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, überhaupt? Dieser Frage geht der Wirtschaftsjournalist Stefan Terliesner in seiner Reportage in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ nach. Die Antwort hat mehr mit unserem Informations-, Kommunikations- und Einkaufsverhalten zu tun, als den meisten bewusst und vielleicht auch lieb ist. Letztlich geht es um Werbung nach Maß. Theoretisch könnte überall, wo ein Mensch in Zukunft auftaucht oder im Internet surft, auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Werbung aufflackern. Während der eine das als guten Service der Unternehmen empfindet, fühlt sich ein anderer überwacht und bloßgestellt.

Aktuell forscht Skiera beispielsweise an Web-Plattformen für den Kauf und Verkauf von Werbeplätzen. Idealerweise funktionieren solche Advertising Exchanges wie Finanzbörsen. Was ein Werbeplatz wert ist, hängt von der Kaufbereitschaft ab, die ein möglicher Betrachter einer Werbung irgendwo im Netz signalisiert hat. Dabei genügt es, im Internet zum Beispiel nach dem neuesten Smart TV gestöbert zu haben. Die Information „Nutzer erwägt Kauf eines internetfähigen Fernsehers“ hat für die Hersteller dieser Geräte einen Preis, den sie Anbietern von Werbeplätzen zahlen. Auch weil sich Internetportale auf diese Weise refinanzieren, sind viele Inhalte im Netz „kostenlos“. Die Nutzer zahlen mit ihren Daten. Wie damit umgegangen werden sollte, ist eine politische Frage; auch damit beschäftigt sich Skiera.

Jeder Internet-Nutzer hinterlässt Spuren im Netz. Daraus lassen sich Nutzerprofile erstellen. Diese sind zwar anonym, aber weil die hinterlassene Datenmenge immer größer und gleichzeitig das Hochrechnen zu vertretbaren Kosten möglich wird, auch immer präziser. Letztlich können Unternehmen jeden Nutzer „vermessen“. Sofern der einzelne Anwender sich auf einer Plattform mit seinem Namen registriert, sind dem Betreiber auch diese Daten bekannt. Entsprechend „gläsern“ sind die Nutzer von Plattformen wie Amazon, Facebook und Google.

Informationen: Prof. Dr. Bernd Skiera, Professur für Electronic Commerce, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798 34649, E-Mail: skiera@wiwi.uni-frankfurt.de; Stefan Terliesner, Presse & Redaktion, Tel. (0221) 16 89 95 96; E-Mail: s.terliesner@web.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de.
Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Hochschulpolitische Themen

Jul 9 2015
13:15

Julian Nida-Rümelin und Hans Peter Klein erneuern im aktuellen UniReport ihre Kritik an der Generierung höherer Akademikerzahlen.

„Durchakademisierung ist unproduktiv“

FRANKFURT. Benötigt Deutschland mehr Hochschulabsolventen, um zukunftsfähig zu bleiben? Oder sorgt der steigende Anteil derjenigen, die nach der Schule ein Studium aufnehmen, nicht nur für eine zunehmende Arbeitslosigkeit von Akademikern, sondern auch für eine Schwächung der beruflichen Bildung? In den beiden letzten Ausgaben des UniReport wurde bereits leidenschaftlich über diese Fragen gestritten. Nun mischt sich der Münchener Philosoph und frühere Kulturstaatsminister Prof. Julian Nida-Rümelin in die Debatte ein.

Zusammen mit dem Biologiedidaktiker Hans Peter Klein, der die Diskussion im UniReport initiiert hatte, kritisiert er in der aktuellen Ausgabe die zentrale These der Psychologen  Rolf van Dick und Holger Horz, dass Deutschland dringend höher Qualifizierte benötige: „Es gibt keine Bedarfsprognose in Deutschland, die auch nur annähernd einen Bedarf an Absolventen von Hochschulstudiengängen für die nächsten Jahrzehnte prognostiziert, die in der Größenordnung etwa Großbritanniens oder gar Südkoreas liegen“, sagt Nida-Rümelin.

Bestritten wird von Nida-Rümelin und Klein, dass Methodenwissen und die Fähigkeit, lebenslang zu lernen, nur im Rahmen eines wissenschaftlichen Studiums zu erwerben seien. Dies zeige lediglich einen „Akademikerdünkel“: „Sie kennen vermutlich die beruflichen Herausforderungen in nicht-akademischen Berufen nur unzureichend und kommen daher zu der merkwürdigen Vorstellung, dass nicht-akademische Berufe repetitiv und akademische Berufstätigkeiten dagegen in hohem Maße kreativ und flexibel seien.“ Jeder gute Techniker oder Handwerker, aber auch Beschäftigte in den betreuenden und pflegenden Berufen würden dem widersprechen, so Nida-Rümelin. Hans Peter Klein weist auf den „Verdrängungswettbewerb der Bildungsabschlüsse“ hin, der kontraproduktiv sei: „Er setzt Eltern, Lehrer, Schüler und Studenten unter einen immer größeren Leistungsdruck, der oft schon im Kindergarten beginnt.“

Weitere Themen in der aktuellen Ausgabe des UniReport:

  • Liebe in den Zeiten des Online Dating: Die Frankfurter Sozialwissenschaftler Kai Dröge und Oliver Voirol erforschen die Partnersuche im Internet.
  • „Dittsche“ im Interview: Olli Dittrich, mit seiner Band Texas Lightning das Highlight des Uni-Sommerfestes 2015, spricht mit Sängerin Jane Comerford über die Begeisterung für Country und die Bedeutung von popmusikalischer Bildung. 
  • Imitation und Indoktrination: Eine neue Publikation der Forschungsstelle NS-Pädagogik zeigt Mechanismen der Propaganda gegen die Arbeiterbewegung auf.
  • Wie sauber ist die Nidda? Das BMBF fördert das Verbundprojekt „NiddaMan“ zur nachhaltigen Nutzung des Flusses.
  • Deutsch-französische Kooperation: Das Institut franco-allemand des sciences historiques et sociales fungiert als Mittler zwischen deutscher und französischer Wissenschaft und Kultur.
  • Iring Fetscher – ein öffentlicher Intellektueller: Der Berliner Politologe Herfried Münkler erinnert an seinen Frankfurter Lehrer, der vor einem Jahr verstorben ist. 

 

Die aktuelle Ausgabe des UniReport steht zum kostenlosen Download bereit unter www.uni-frankfurt.de/57329000.

Veranstaltungen

Jul 9 2015
13:13

Der Vortrag über die Naturkosmetik-Unternehmerin Annemarie Lindner bildet den Abschluss der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester

Die gute Fee der Erscheinung

FRANKFURT. Der letzte Vortrag der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester 2015 widmet sich einer Frau, die den meisten wahrscheinlich kein Begriff ist. Zumal ihr Name – Annemarie Lindner – aus dem Namen ihres mittlerweile 56 Jahre alten Naturkosmetik-Unternehmens nicht sofort ersichtlich wird.

Die eigenen Hautprobleme veranlassten Lindner, kurz nach dem Krieg den Beruf der Kosmetikerin zu erlernen und Naturkosmetik selbst herzustellen. Und das in einem Teil Deutschlands, in dem die kosmetische Korrektur oder die Verfeinerung des Erscheinungsbildes als unverträglich mit dem Menschenbild des „Arbeiter- und Bauernstaates“ gesehen wurde. Nach ihrer Flucht in den Westen gründete Lindner 1959 zusammen mit ihrem Ehemann Walter und dem damaligen Geschäftsführer Hermann Börner die Börlind GmbH. Diese hat sie bis heute zu einem der erfolgreichsten international präsenten Unternehmen der Kosmetikbranche aufgebaut.

Die Veranstaltung ist Teil der vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipierten Vortragsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien“. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor. Annemarie Lindners Biografie eröffnet wie kaum eine andere den Blick auf Dimensionen der deutschen Geschichte.

Annemarie Lindner – Die gute Fee der Erscheinung
Referent: Prof. Tilman Allert, lehrt Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt

Zeit: Montag, 13. Juli 2015, um 19.30 Uhr
Ort: 
Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Ausblick auf die Bürgeruniversität im Wintersemester 2015/16

Freunde der Frankfurter Bürgeruniversität können sich im kommenden Wintersemester gleich auf zwei spannende Reihen freuen:

Sieben Jahre nach Gründung der Bürgeruniversität gibt es wieder eine echte „Frankfurt-Reihe“. An sechs Abenden zwischen Ende November 2015 und Februar 2016 geht es um folgende Themen:

  • Yuppie-Metropole      oder Seniorenstadt: Wie generationengerecht ist Frankfurt?
  • Investorenstadt      oder Wohnen für alle: Wem gehört Frankfurt?
  • Integration      oder Ghettobildung: Wie international lebt Frankfurt?
  • Vom      68er Protestmuseum zu Blockupy: Wie revolutionär ist Frankfurt?
  • Etabliert      oder cool – wie kulturell ist Frankfurt
  • Ehrenamt oder Egotrip: Wie engagiert ist Frankfurt?

Die zweite Reihe mit prominenten Teilnehmern aus Stadt, Politik, Wissenschaft und Verbänden analysiert an drei Abenden die Proteste rund um die EZB-Eröffnung im März 2015:

  • Wut, Ohnmacht, Gewalt? – Protestkultur in Frankfurt
  • Nach Blockupy und G7: Kapitalismuskritik heute
  • Im Rausch öffentlicher Vorurteile – Welche Diskurskultur braucht die Demokratie?

Über die Termine werden wir rechtzeitig informieren.

Das komplette Programm der Frankfurter Bürger-Uni:  www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jul 9 2015
13:11

House of Pharma & Healthcare diskutiert über Bedingungen

Gut geführt ist halb erfunden

FRANKFURT. Die pharmazeutische Industrie läuft ihrer einstigen Innovationskraft seit vielen Jahren hinterher. Wie kann gute Führung dazu beitragen, das zu ändern? Wie sollte sie die Kreativität in Forschung und Entwicklung ankurbeln? Und was müssen Führungskräfte generell beachten, wenn sie die Neugier und den Mut ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern wollen? Diesen Fragen widmet sich das House of Pharma & Healthcare am 16. Juli in einem Perspektivengespräch mit Prof. Rolf van Dick. Der Sozialpsychologe und wissenschaftliche Direktor des Center for  Leadership and Behavior in Organizations (CLBO) der Goethe-Universität hat sich mit seiner praxisorientierten Erforschung von Führungsprinzipien internationales Ansehen erworben.

In einer Befragung von 23 Forschungsteams eines global agierenden Pharmaunternehmens belegte van Dick beispielsweise, dass der Erfolg eines Teams nicht allein davon abhängt, wieviel Freude jedes einzelne Mitglied an seiner individuellen Aufgabe hat. Vielmehr steigt der kreative Input jedes Mitglieds umso mehr, je stärker es sich mit dem Team identifiziert und dessen Herausforderungen zu seinen eigenen werden lässt. Diese Identifikation herzustellen, verlangt von den Teamleitern vor allem zwei Fähigkeiten: inspirierend zur Problemlösung zu motivieren und den dafür notwendigen Teamgeist prototypisch vorzuleben. 

Dabei sollten Führungskräfte aber wissen, dass Teams von der persönlichen Vielfalt ihrer Mitglieder profitieren. Sie dürfen nicht den Fehler machen, diejenigen Teammitglieder zu bevorzugen, deren Persönlichkeitsprofil ihnen ähnlich ist. Dieser Fehler wird aber, so ergaben van Dicks jüngste Studien, häufig gemacht. Kreative Vorschläge von Mitarbeitern, die eine eher schlechte Beziehung zum Chef haben, gelten nicht als produktiver Beitrag, sondern werden als Träumerei abgetan und mit schlechten Beurteilungen bestraft. „Innovation lohnt sich dann nur für manche Mitarbeiter“, sagt Prof. van Dick. „Das stellt ein Problem für Unternehmen dar: Wollen sie Innovation, müssen alle Mitarbeiter dafür gleich belohnt werden.“

Das House of Pharma & Healthcare verfolgt das Ziel, den Pharma-Kompetenzcluster Hessen weiterzuentwickeln und die Innovationslücke in der Arzneimittelentwicklung zu schließen. Zu diesem Zweck fördert es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland und bietet ihnen eine neutrale Diskussionsplattform. Es wird geleitet von Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität) und Prof. Jochen Maas (Sanofi).

House of Pharma & Healthcare: Perspektivengespräch

Wann? Donnerstag, 16. Juli 2015, 18:00 Uhr
Wo? House of Finance, Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Wir bitten interessierte Pressevertreter um Anmeldung unter: www.houseofpharma.de/innovation 

Informationen: Joachim Pietzsch, Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V., Telefon: (069) 36007188, j.pietzsch@wissenswort.com

Veranstaltungen

Jul 8 2015
16:17

Veranstaltung zur Startup-Szene in Frankfurt Rhein-Main

Entrepreneurial Ecosystem Talk

FRANKFURT. Unternehmer, Investoren und Wissenschaftler diskutieren am 22. Juli auf dem Campus Westend über Konzepte und konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Startup-Szene in Frankfurt Rhein-Main. Diese Veranstaltung bildet den Auftakt zu einer Eventreihe über die regionale Gründerszene, die vom Unibator, der Startup-Brutstätte der Goethe-Universität, und dem RKW Kompetenzzentrum initiiert wurde.

Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung von Gründungen und Startups ist das richtige Ökosystem: ein Netzwerk aus Kompetenzen, Kontakten und Kapitalgebern, aus Experten, Eliten und erfolgreichen Unternehmern. Doch wie können Gründerökosysteme gezielt entwickelt werden? Diese Fragen werden im Rahmen der Veranstaltung aus unterschiedlichsten Perspektiven diskutiert und Möglichkeiten und Wege aufgezeigt, um das Umfeld von Gründungen und Startups zu verbessern.

Einen Überblick über Ansätze für regionale und nationale Institutionen zur Förderung von Entrepreneurship liefert Yasuyuki Motoyama von der Kauffman Foundation. Thomas Funke und Matthias Wallisch vom RKW Kompetenzzentrum stellen den jüngsten Gründerreport Frankfurt Rhein Main vor, und Ben Lang, Gründer von Mapme aus Tel Aviv, berichtet über die Rolle von Software beim Aufbau von Startup-Communities. Bei diesem Anlass wird auch die Innovation und Startup Map Rhein Main der Öffentlichkeit präsentiert. Die Veranstaltung schließt mit einem hochkarätig besetzten Panel, bei dem die Gründer der letzten beiden Frankfurter Gründerpreise, Andreas Gahlert von Cobi und Attila Schunke von MeinUnternehmensfilm sowie der Serienunternehmer Gerald Heydenreich von Pippa & Jean und Ingo Franz, Investor und ehemaliger Managing Partner von Creathor Ventures über ihre Erfahrungen sprechen. Moderiert wird die Diskussion von Sebastian Schäfer, Managing Director des Unibator.

Entrepreneurial Ecosystem Talk
22. Juli 2015,
16-18.30 Uhr, Casino, Raum 1.812, Campus Westend.

Ab 18:30 Uhr gibt es ein Get-together mit kleinem Imbiss und Getränken. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Um Vorabanmeldungen wird gebeten.

Anmeldungen sind bis zum 20. Juli unter folgendem Link möglich:
www.rkw-kompetenzzentrum.de/nc/veranstaltungen/anmeldung/rkw/veranstaltungen/entrepreneurial-ecosystem-talk-3913/1/

Weitere Infos unter: http://www.gruenderoekosystem.de/entrepreneurial-ecosystem-talk-how-to-strengthen-frankfurt-as-a-startup-hub/

Forschung

Jul 8 2015
12:09

Wenn das eigene Leben zu einem einzigen Datenstrom wird – Drei Beiträge in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ beleuchten Trend in der Leistungsgesellschaft

Self-Tracking – mehr als eine kurzfristige Selbstberuhigung?

FRANKFURT. Müssen wir zu jeder Zeit an der Optimierung von Körper, Geist und Seele arbeiten, wenn wir ein erfolgreiches, zufriedenes und gesundes Leben führen wollen? Wenn es nach den aktuellen Trends in unserer Leistungsgesellschaft geht, steht „Self-Tracking“ ganz oben auf der Agenda. Was davon zu halten ist, erläutern vier Autoren aus ganz unterschiedlichen Perspektiven in der aktuellen Ausgabe von Forschung Frankfurt (1/2015): der Soziologe Prof. Dr. Uwe Vormbusch, der Soziologe Oliver Dziemba und die beiden Sportwissenschaftler Dr. Stefanie Duttweiler und Prof. Dr. Robert Gugutzer. In der soeben erschienenen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins dreht sich alles um das Thema „Messen und Vermessen.“

Vormbusch betrachtet das Thema aus einer übergeordneten, auch historischen Perspektive, beschäftigt sich aber zudem mit der aktuellen Situation – „mit dem Mythos der kalkulatorischen Beherrschbarkeit der Welt“. Der Soziologe schreibt: „Zahlen verführen und suggerieren Sicherheit in einer Welt, die sich – obgleich modern – gerade deshalb durch den radikalen Verlust an Handlungssicherheit auszeichnet.“ Ein „need for certainty“ („Bedürfnis nach Gewissheit“) ist auch durch noch so ausgefeilten Zahlengebrauch nicht zu befriedigen, wie Vormbusch an verschiedenen Beispielen illustriert. Selbstvermesser (self-tracker) verbinden nach Vormbusch zwei gegenläufige Entwicklungen der Moderne: die Freisetzung des Subjekts aus traditionalen Bindungen und die Kontrolle von Leistungs- und Lebensprozessen mit organisierter Zahlenwelten.

Der Soziologe, der fast zehn Jahre am Institut für Sozialforschung in Frankfurt gearbeitet hat und seit 2012 Professor an der FernUniversität in Hagen ist, wird in einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter anderem untersuchen, welcher Zusammenhang zwischen dem individuelle Sich-Vermessen als ein alltägliches Kulturphänomen einerseits und den entgrenzten Leistungsanforderungen  und den entstehenden Massenmärkten für Selbstvermessungsprodukte andererseits besteht.

Auch Oliver Dziemba greift die Anforderungen der „gemessenen Leistungsgesellschaft“ auf. Der Soziologe und Berater für digitalen Wandel beobachtet, dass sich der Mensch im Zeitalter der Digitalisierung vom einfachen Zuschauer und Nutzer zu einer aktiven Schnittstelle in der digitalen Welt entwickelt. Selbstkontrolle und -optimierung lassen sich dadurch inzwischen viel einfacher und effizienter erreichen. Dazu Dziemba: „Mit marktgängigen Smartphones, Tablets und immer häufiger speziellen Wearables wie Uhren, Brillen, Armbändern ist es möglich, jede noch so kleine Bewegung des Körpers, jede Eigenschaft, jede Handlung, sogar Ruhezustände und Gefühle lückenlos zu überwachen und digital festzuhalten oder – wie es passender heißt – zu tracken.“

Mit diesen Tools der digitalen Welt können alle möglichen Funktionen und Befindlichkeiten des Körpers gemessen werden. So lassen sich zu Fähigkeiten, aber auch Schwächen, Gefühlslagen und Gewohnheiten Daten sammeln, auswerten und – bei Bedarf und Wille – auch optimieren. Cross-Analysen, bei denen alle Daten automatisch zusammengeführt und zueinander in Beziehung gesetzt werden, sind auf dem Markt auf dem Vormarsch.

Doch wollen die Self-Tracker eigentlich diese gebündelten Infos überhaupt präsentiert bekommen? Die beiden Frankfurter Sportwissenschaftler Dr. Stefanie Duttweiler und Prof. Dr. Robert Gugutzer verweisen in ihrem Beitrag auf erste empirische Studien, die Zweifel aufkommen lassen. So hat bereits die Hälfte der Amerikaner, die sich einen Fitness- und Activity-Tracker gekauft hat, das hoch technisierte Gerät schon wieder ausrangiert. Außerdem unterwerfen sich Self-Tracker offensichtlich nicht pauschal den ermittelten Daten, sondern wählen bewusst aus, was gemessen werden soll und was nicht. Dazu schreiben die Wissenschaftler mit Bezug auf eine Studie der französischen Ethnologin Anne-Sylvie Pharabod: „Man suspendiert, was zu deprimierend ist, man misst nur das Positive, man mogelt.“

Auch eine explorative Studie, bei der Duttweiler in diesem Jahr 63 Studierende der Sportwissenschaften an der Goethe-Universität schriftlich befragt hat, deutet darauf hin, dass die „Quantified-Self-Ideologie“ weniger verbreitet ist, als vermutet: Nur 60 Prozent vermessen sich selbst. Ein großer Teil nutzt Puls-, Stopp- und Armbanduhren, einige lediglich Stift und Papier und nur 25 Prozent nutzen eine App. Als Gründe geben sie an: Verbesserung, Überprüfung und Vergleich der eigenen Leistung beziehungsweise einzelner Parameter sowie bloßes Interesse an den Daten. Die Autoren kommen zu dem Schluss: „Die Untersuchungsergebnisse zeichnen damit das Bild einer Praktik, die weder irrational und entfremdet, noch banal und nebensächlich ist, vielmehr tangieren die Prozesse der Selbstvermessung und die Auseinandersetzung mit den gewonnenen Daten die Frage nach der eigenen Identität, und zwar nicht nur der Identität als Sportler. Auf dem Spiel stehen gleichermaßen die (Selbst-)Verortung in einer Gemeinschaft, die Anerkennung durch andere, der eigene Zukunftsentwurf sowie das Gefühl der eigenen Handlungsmacht.“

Einige weitere Themen dieses Hefts zu „Messen und Vermessen“: 

  • Facetten der Vermessenheit (Prof. Dr. Martin Seel)
  • Ist Früherkennung im Finanzsektor möglich?
  • Erklärungsversuche: warum die Noten immer besser werden
  • Streitgespräch mit den Bildungsforscher Prof. Dr. Andreas Gruschka und Dr. Eckhard Klieme
  •  Spurenanalytik: 1,4 Dioxan im Main (Prof. Dr. Wilhelm Püttmann)
  • Seltene Erkrankungen: Scharfsinn schlägt Intuition (Dr. Anne Hardy)
  • Gravitationswellen: Schon bald messbar? (Prof. Dr. Luciano Rezzolla)

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