​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Januar 2013

Personalia/Preise

Jan 31 2013
15:52

Adolf Messer-Stiftung ermöglicht neues Angebot „Experiment und Simulation“

Spende für das Schülerlabor Physik

FRANKFURT. Die Adolf Messer-Stiftung unterstützt den Aufbau des Schülerlabors Physik an der Goethe-Universität in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 175.000 Euro. Das interdisziplinäre Projekt „Experiment und Simulation“ verbindet physikalische Experimente mit modernen Methoden der Informationstechnik. Schüler haben hier erstmals die Gelegenheit, die im Experiment beobachteten Phänomene am Computer zu simulieren und dadurch ein tieferes Verständnis des Experiments zu entwickeln. Ein geplantes Thema nutzt zum Beispiel die Video-Analyse von Bewegungen am Computer, wobei Schüler selbst interessante Bewegungen filmen.

„Die Naturwissenschaften nutzen heute den Computer sowohl zum Messen im Experiment als auch zum Simulieren ihrer Modelle, die die Realität beschreiben sollen. Um ein realistisches Bild von Naturwissenschaft aufzuzeigen, sollte sich dies auch im naturwissenschaftlichen Unterricht widerspiegeln“, erläutert Prof. Thomas Wilhelm. Er wurde 2012 als Professor für Didaktik der Physik an die Goethe-Universität berufen und ist nun mit dem Aufbau des Schülerlabors Physik betraut. Dass er diese Herausforderung für die didaktische Forschung und Lehre zu meistern versteht, bestätigte sich vor einigen Monaten, als er für seine bisherige Forschung mit einem der Polytechnik-Preise für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ausgezeichnet wurde.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl dankte den Stiftern für die Unterstützung des innovativen und frühfördernden Schülerprogramms: „Wir sind überzeugt, dadurch einen wichtigen Beitrag leisten zu können, um dem drohenden Nachwuchskräftemangel sowohl im akademischen als auch im wirtschaftlichen Umfeld entgegenzuwirken.“ Die Adolf Messer-Stiftung engagiert sich seit vielen Jahren an der Goethe-Universität. Seit 1999 hat sie den Fachbereich Medizin mit circa fünf Millionen Euro unterstützt, von denen überwiegend medizinische Geräte und Laborbedarf finanziert wurden. Nachwuchswissenschaftler fördert die Stiftung seit 1994 mit dem jährlich vergebenen Adolf Messer-Preis.  „Wir freuen uns, dass wir nun über die Förderung des Schülerlabors bereits bei Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen das Interesse für naturwissenschaftliches Arbeiten wecken und vertiefen können“, so Stefan Messer, Enkel des Stiftungsgründers und geschäftsführender Gesellschafter der Messer Group GmbH. Das Labor wird künftig den Namen tragen „Goethe Schülerlabor Physik, gefördert von der Adolf Messer-Stiftung“.

Das Physiklabor, das nun eingerichtet werden soll, ist neben den bereits etablierten Schülerlaboren in der Chemie und Biologie das dritte Schülerlabor auf dem Campus Riedberg. Die Einrichtung eines Simulationslabors Mathematik/Informatik ist für das Sommersemester 2013 geplant. Beide Labore gehören zum GoetheLab, einem Zusammenschluss der Schülerlabore und weiterer Schul-Initiativen aus Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universität. Ihr Ziel ist es, künftige Studierende bereits während der Schulzeit durch interdisziplinäre Projekte für das wissenschaftliche Arbeiten zu interessieren. Besonderes Gewicht liegt dabei auf den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik)

Informationen: Prof. Thomas Wilhelm, Institut für Didaktik der Physik, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-47845; wilhelm@physik.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jan 31 2013
12:57

Renommierte Kultursoziologin bald häufiger in Frankfurt – Ihr Thema: Gefühle in Zeiten des Kapitalismus

Forschungspreis der Humboldt-Stiftung ermöglicht Eva Illouz enge Kooperation mit Institut für Sozialforschung

FRANKFURT. Heute gab die Alexander von Humboldt-Stiftung bekannt, dass die international renommierte Kultursoziologin Eva Illouz mit dem Anneliese Maier-Forschungspreis ausgezeichnet wird. Mit dem Preisgeld von 250.000 Euro kann sie über einen Zeitraum von fünf Jahren ihre Forschungskooperationen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland finanzieren – und da steht das Institut für Sozialforschung an erster Stelle. Prof. Dr. Axel Honneth, Direktor des Instituts für Sozialforschung, ein An-Institut der Goethe-Universität, hatte Eva Illouz für diesen Preis nominiert: „Die Studien von Eva Illouz können als Meilenstein gewertet werden, wenn es darum geht, wie Emotionen und Beziehungsverhalten in der kapitalistischen Moderne geformt werden.“

Der Preis wird in diesem Jahr zum zweiten Mal an insgesamt sieben herausragende ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geistes- und Sozialwissenschaften vergeben. Dieser neue Kooperationspreis soll die Internationalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland fördern.

„Was empfinden Sie als romantische Augenblicke?“ fragte die Kultursoziologin Eva Illouz in einer Studie, und die Interviewten antworteten: Das Tägliche hinter sich lassen, um einzigartig zu zweit zu sein. Diese Einzigartigkeit beschrieben sie mit dem Konsum von Luxusartikeln oder der zeremoniellen Ausschmückung ihrer romantischen Erlebnisse. Als eine neue Kultur der Emotionen im Kapitalismus deutet Illouz die Ergebnisse dieser Untersuchung – 1997 veröffentlicht und 2003 auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Der Konsum der Romantik“. Diese Veröffentlichung machte die seit 2000 an der Hebrew University Forschende als Soziologin und Anthropologin weltbekannt. Im vergangenen Jahr erschien ihr vielbeachtetes, zunächst auf Deutsch erschienenes Buch „Warum Liebe weh tut“.

Honneth freut sich darauf, dass er und seine Kolleginnen und Kollegen am Institut für Sozialforschung und an der Goethe-Universität nun ihre Kooperation mit der 52-jährigen Forscherin vertiefen können: z. B. „Die Frage, bis zu welchem Grad Gefühle und persönliche Beziehungen durch die Imperative der kapitalistischen Wirtschaft beeinflusst werden können, beflügelt schon seit einigen Jahren meine Diskussionen mit Eva Illouz“, so Honneth. Er sei auf die Fortsetzung des Disputs gespannt, da ihre Diagnosen inzwischen stärker voneinander abwichen: „Zu Anfang stimmten wir darin überein, dass gerade Liebe und Freundschaft eine Resistenzkraft gegenüber bloßen Erwägungen der Nützlichkeit haben, wenn der Druck der Vermarktlichung zunimmt.“ In dem neuesten Buch „Warum Liebe weh tut“ überwiegt nach Honneths Einschätzung ein pessimistischer Zug, den er so nicht teilen kann: „Illouz geht davon aus, dass gegenwärtige Liebesbeziehungen bis in die emotionalen Präferenzen hinein von Belangen der persönlichen Vermarktung und ökonomischen Anpassung durchdrungen sind.“ Dagegen ist Honneth der Auffassung, dass Prozesse der Ökonomisierung nicht so vollständig in die persönlichen Erfahrungen von Liebe und Freundschaft eindringen, sie vielmehr weiterhin ein Resistenzpotenzial bilden. Diesen abweichenden Meinungen wollen die beiden Sozialwissenschaftler weiter nachgehen.

In den kommenden Jahren will die Kultursoziologin in Kooperation mit Wissenschaftlern des Instituts für Sozialforschung in einer empirischen Studie verfolgen, welchen Einfluss der Gebrauch des Internets auf die Formung der Persönlichkeit und der Identität hat. Dabei kann das Institut bereits auf Ergebnisse einer Untersuchung zurückgreifen, in der sich Forscher damit beschäftigt haben, wie die wachsende Nutzung des Online Dating die Anbahnung von Liebesbeziehungen verändert. Illouz gilt nicht nur als ausgewiesene Expertin in den Methoden der empirischen Sozialforschung – von der Auswertung statistischer Daten und Fragebögen bis hin zu Einzelinterviews, Bildinterpretationen und Filmanalysen; für Honneth ist auch immer wieder beeindruckend, wie sie die Lücken in der Deutung ihres empirischen Materials schließt: „Geradezu spielerisch verfügt Eva Illouz über die ganze Breite der soziologischen Theoriebildung.“ Und was will die Wissenschaftlerin mit diesem Ansatz erreichen? Das lässt sich – so Honneth – am besten mit Michel Foucaults Perspektive erklären: „Der Zustand unserer sozialen Lebenswelt soll uns im Brennglas all der ihr potentiell innewohnenden Gefahren gezeigt werden, so dass wir noch früh genug Anstrengungen zur Besserung unternehmen können.“

Zur Person: Eva Illouz wurde 1961 als Tochter eines jüdischen Juweliers in Fes (Marokko) geboren. Als sie zehn war, zog die Familie nach Frankreich, sie ging in Sarcelles zur Schule, studierte anschließend Literatur, Soziologie und Kommunikation in Paris, Jerusalem und in Pennsylvania. Nach ihrer Promotion in den USA war Illouz u.a. an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris und an der Princeton University, New Jersey, tätig. Seit 2006 lehrt und forscht sie als Professorin an der Hebrew University in Jerusalem. Auch am Wissenschaftskolleg in Berlin verbrachte sie ein Forschungsjahr; 2004 hielt sie am Institut für Sozialforschung die Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2009 wurde die weltläufige Kultursoziologin von der Wochenzeitung „Die Zeit“ in eine Reihe von 12 internationalen Intellektuellen gewählt, deren Argumente man hören sollte, weil sie möglicherweise neue Wege für die Zukunft öffnen. Ihr Mann ist Professor für Ökonomie ebenfalls an der Jerusalemer Universität. Eva Illouz hat drei Söhne.

Der Anneliese Mayer-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert. Er ist nach der deutschen Philosophin und Wissenschaftshistorikerin Anneliese Maier (geb. 1905 in Tübingen, gest. 1971 in Rom) benannt. Ihre internationale Biographie war ungewöhnlich für die Zeit und ihre wissenschaftlichen Traditionen. Maier erforschte die Entstehung des neuzeitlichen wissenschaftlichen Denkens vom 14. bis zum 18. Jahrhundert besonders in den Naturwissenschaften. Die Preisverleihung wird im Herbst 2013 stattfinden. Die vier Preisträgerinnen und drei Preisträger wurden unter insgesamt 54 Nominierten aus 26 Ländern ausgewählt. Die meisten Nominierten kamen aus den USA (12), Großbritannien (8), Israel (4) sowie Australien und Italien (jeweils 3).

Informationen: Prof. Dr Axel Honneth, Institut für Sozialforschung, Tel.(069) 798-32632

Ein Bild zum Download von Eva Illouz finden Sie hier. / Fotograf: David Vinocur

Forschung

Jan 31 2013
11:02

Weibchen des Atlantik Kärpflings gehen sexuell aktiveren Gewinnern eines Zweikampfs aus dem Weg

Der Verlierer hat Glück bei den Frauen

Weibchen des Atlantik-Kärpflings (Poecilia mexicana) bevorzugen eigentlich große, starke Männchen. Wenn sie diese aber bei einem siegreichen Kampf beobachtet haben, entscheiden sie sich eher für das Verlierermännchen. Das haben Frankfurter Biologen von der Goethe-Universität herausgefunden. Sie erklären dieses Verhalten damit, dass Männchen nach einem gerade gewonnen Kampf die Weibchen stärker sexuell bedrängen.

In der Natur gilt meist das Recht des Stärkeren: Wer oben in der Hierarchie steht, darf sich größere und bessere Futterbrocken nehmen und sich mit den hochwertigsten Weibchen paaren. Und diese Weibchen bevorzugen oft die dominanten Siegertypen, denn dann bekommen auch sie mehr und besseres Futter, und die gemeinsamen Kinder haben gute Chancen, auch mal nach ganz oben zu kommen. Dass Weibchen allerdings sehr viel wählerischer in Bezug auf die potentiellen Väter ihrer Kinder sind, konnten jetzt die Biologen David Bierbach und Martin Plath von der Goethe-Universität Frankfurt zeigen.

Die Wissenschaftler spielten Weibchen des lebendgebärenden Atlantik-Kärpflings (Poecilia mexicana) zuerst Videos von zwei etwa gleich großen Männchen vor. Wie erwartet, zeigten die Weibchen keine Präferenz für einen der potentiellen Partner, denn sie geben normalerweise dem größeren Männchen den Vorzug. Deshalb hielten sie sich neben beiden Videos, die nahe am Versuchsbecken aufgestellt waren, gleich häufig auf.

Danach wurden der Hälfte der Weibchen Videos vorgespielt, auf denen die zuvor gesehenen Männchen mit einander kämpften. In jedem der Kämpfe gab es am Ende einen klaren Gewinner. Erneut vor die Wahl gestellt, verbrachten die Weibchen nun überraschenderweise mehr Zeit bei dem Verlierermännchen. In der Kontrollgruppe wurden die Weibchen dagegen nicht Zeuginnen des Kampfes, sondern erhielten lediglich die Gelegenheit, beide Männchen direkt nebeneinander für längere Zeit in einem Video zu vergleichen. Diese Weibchen verbrachten mehr Zeit neben den Siegern. „Interessant ist, dass die Weibchen des Atlantik-Kärpflings offenbar fähig sind, potentielle Gewinner zu identifizieren, ohne sie jemals beim Kämpfen beobachtet zu haben“, erklärt David Bierbach.

Warum es für ein Weibchen vorteilhaft ist, Gewinnermännchen direkt nach einem Kampf zu meiden, untersuchten die Forscher in einem weiteren Experiment. Sie stellten fest, dass die Gewinner nach dem Kampf sexuell deutlich aktiver waren, was auf die erhöhte Ausschüttung von Sexualhormonen nach dem Sieg zurückzuführen ist. Für die Weibchen ist die gesteigerte Paarungsrate allerdings wenig vorteilhaft, weil sie dadurch Zeit zum Fressen verlieren oder auch häufigere Verletzungen ihres Genitaltraktes in Kauf nehmen müssen.

„Unsere Studie zeigt, wie stark das weibliche Partnerwahlverhalten von Informationen aus dem sozialen Umfeld abhängt und wie kompliziert auch das Liebesleben eines Fischweibchens sein kann“, folgert Martin Plath. Auch im Tierreich gilt demnach nicht immer: The winner takes it all.

Publikation: Bierbach D, Sassmannshausen V, Streit B, Arias-Rodriguez L, Plath M: Females prefer males with superior fighting abilities but avoid sexually harassing winners when eavesdropping on male fights. Behavioral Ecology and Sociobiology (in press) DOI 10.1007/s00265-013-1487-8

Bilder zum Download finden Sie hier.

Bildtexte:

  1. Gruppe von Atlantik Kärpflingen.
  2. Ein männlicher und zwei weibliche Atlantik Kärpflinge.
  3. Zwei männliche Atlantik Kärpflinge.

Bilderechte: David Bierbach


 




Erläuterung zum Video: Männliche Atlantikkärpflinge kämpfen intensiv miteinander. Dazu stellen sie ihre Flossen auf, um größer zu wirken. Sie schlagen sich die Schwanzflossen gegenseitig in die Flanken, rammen und beißen einander. Am Ende eines Kampfes wird das unterlegene Tier, erkennbar an den eingefalteten Flossen, vom Gewinner verjagt.

Informationen: David Bierbach, Privatdozent Dr. Martin Plath, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-42172; - 42169; Bierbach@bio.uni-frankfurt.de; mplath@bio.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 30 2013
11:23

Begabte Schülerinnen und Schüler sollen bei der Studienwahl unterstützt werden – Bundesweite Ausschreibung – Bewerbungsschluss 1. April 2013

Zweiter Frankfurter Schülercampus: „Wissenschaft entdecken! Universität erleben!“

FRANKFURT. „Wissenschaft entdecken! Universität erleben!“ – unter diesem Motto steht der Schülercampus, den die Goethe-Universität vom 7. bis 13. Juli 2013 zum zweiten Mal veranstaltet. Ziel dieses Sommerkurses ist es, begabte Schülerinnen und Schüler bei der Studienorientierung zu unterstützten. Sie werden von Wissenschaftlern der Universität exemplarisch an einzelne Fächer sowie deren Fragestellungen und Methoden herangeführt. Interessierte Jugendliche aus ganz Deutschland können sich bis zum 1. April für einen der 90 Plätze bewerben und zwischen einer geistes- und sozialwissenschaftlichen sowie einer naturwissenschaftlichen Programmlinie wählen.

Im vergangenen Jahr startete der Schülercampus als Pilotprojekt und stieß auf große Resonanz; insgesamt 280 Bewerbungen aus allen Bundesländern gingen an der Goethe-Universität ein. Der 18-jährige David Jansen aus Nordrhein-Westfalen, einer der Teilnehmer des letztjährigen Schülercampus, resümiert: „Es war eine tolle Woche, die mir bei meiner Studienorientierung sehr weitergeholfen hat. Aber auch daneben gab es tausend Dinge, für die sich der Schülercampus gelohnt hat!“ Mit seiner Einschätzung ist er nicht allein, wie die positive Evaluation des Projektes zeigte. „Dies bestärkt unsere bisherigen Erfahrungen, dass auch begabte Schüler Angebote benötigen, die ihnen die Wahl eines passenden Studienfaches erleichtern“, so Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin der für die Durchführung zuständigen Stabsstelle. Der Schülercampus bietet einen umfassenden Einblick in die Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften und thematisiert zugleich deren berufliche Perspektiven – ein Aspekt, der bereits bei der Studienwahl eine wichtige Rolle spielt. „Wir sind natürlich auch sehr daran interessiert, leistungsstarke und motivierte Schülerinnen und Schüler auf die Goethe-Universität aufmerksam zu machen. Mit dem Schülercampus bieten wir ihnen ein innovatives und anspruchsvolles Angebot zur Studienorientierung“, betont Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität.

Das geistes- und sozialwissenschaftliche Programm gibt den Teilnehmern in verschiedenen Workshops Einblick in spezifische Gegenstände und Methoden einzelner Fächer. So vermittelt Prof. Vinzenz Hediger vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften, was es bedeutet, Filme aus geisteswissenschaftlicher Perspektive zu untersuchen, und führt die Schüler hierzu auch ins Frankfurter Filmmuseum.  Der Philosophie-Workshop von Dr. Claudia Blöser stellt den Begriff der Verantwortung in den Mittelpunkt. Im Workshop des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Jan Landwehr lernen die Schüler die wesentlichen Schritte und Aufgaben eines wissenschaftlich fundierten Marketings kennen.

Im naturwissenschaftlichen Programm verbringen die Schüler den Großteil der Woche in einer fachspezifischen Arbeitsgruppe. Dort gehen sie zusammen mit Wissenschaftlern im Seminarraum, in Forschungslaboren sowie auf Exkursionen einer konkreten Fragestellung auf den Grund. Prof. Andreas Engel leitet etwa eine Meteorologie-AG, in der die Schüler den Transport und die Phasenübergängen des Wassers experimentell und theoretisch untersuchen, um deren Bedeutung für die Erdatmosphäre besser zu verstehen. In der AG Chemie/Biochemie unter Anleitung von Prof. Arnim Lühken bearbeiten die Schüler in Zweierteams unterschiedliche Themen, beispielsweise das Analyseverfahren der NMR-Spektroskopie oder die Polymerase-Kettenreaktion, eine Methode zur Vervielfältigung von DNA-Sequenzen.

Für das einwöchige Programm inklusive Übernachtung und Verpflegung zahlen die Schüler einen Teilnahmebeitrag von 180 Euro. Die Reisekosten werden bis zu 100 Euro erstattet. Der Schülercampus wird gefördert durch das Programm „Wandel gestalten!“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung sowie durch die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die FAZIT-Stiftung und die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität.

Informationen: Dr. Benjamin Gilde, Stabsstelle für Lehre und Qualitätssicherung, Tel.: (069) 798-22457, schuelercampus@uni-frankfurt.de.

Bewerbungen unter www.schuelercampus.uni-frankfurt.de

Fotos vom Schülercampus 2012: Download (.zip).

Forschung

Jan 30 2013
11:19

Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung Hans Heino Ewers zu der Debatte über diskriminierende Begriffe in Kinderbüchern

Plädoyer für eine sprachliche Anpassung mit Augenmaß

FRANKFURT. Seit der Thienemann Verlag um 8. Januar verkündete, dass Otfried Preußlers Kinderbuchklassiker „Die kleine Hexe“ künftig ohne die diskriminierenden Begriffe „Negerlein“ und „Neger“ erscheinen wird, ist in den deutschsprachigen Feuilletons eine leidenschaftliche Debatte ausgebrochen: „Political Correctness“ versus „Euphemismus-Tretmühle“, Werktreue versus freiwillige Anpassung an den aktuellen Sprachgebrauch. Wie steht der Literaturwissenschaftler und Direktor des Frankfurter Instituts für Jugendbuchforschung, Prof. Dr. Hans-Heino Ewers zu dieser Diskussion, die bereits vor einigen Jahren zu Pippi Langstrumpfs Vater, inzwischen von Negerkönig zum Südseekönig mutiert, geführt wurde?

Ewers plädiert dafür, die aktuellen Leseausgaben an den heutigen Sprachgebrauch anzupassen, aktuell hochgradig belastete Wörter, die bereits jüngere Kinder als diskriminierend empfinden, sollten durch gleichbedeutende unbelastete Wendungen ersetzt werden. „Eingriffe dieser Art bedeuten keine Entstellung des Textes; sie dienen im Gegenteil dem aktuellen Verständnis seiner ursprünglichen Intention.“ Der Germanist nennt dafür ein nicht so geläufiges und weniger emotionalisiertes Beispiel: „Wenn in einem Märchen aus der Zeit von Klassik und Romantik von einem ‚blöden Kind‘ die Rede ist, dürfte kein kindlicher Leser von selbst die damalige Bedeutung von ‚blöde‘ herausfinden; in einer Leseausgabe von heute sollte es deshalb ‚schüchternes Kind‘ heißen.“

Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter seien noch nicht in der Lage, historische Texte als solche zu identifizieren, deshalb sei es notwendig, diese Literatur dem sprachlichen Wandel anzupassen: „Vor- und mitlesende Erwachsene könnten ihnen zwar erklärend beistehen, in der zu fördernden selbständigen Lektüre sind sie jedoch ohne Begleitung. Damit ist die Gefahr von Missverständnissen gegeben.“ Der Experte für Kinder-und Jugendliteratur leugnet nicht, dass die freiwilligen, so doch gesellschaftlich erwünschten Anpassungsprozesse immer komplexer werden. Literaturwissenschaftler sollten dort Einspruch erheben, „wo im Windschatten vertretbarer Eingriffe Kinderbücher aus falschen Rücksichten weichgespült und in der Substanz beschädigt werden“.

Veränderungen in aktualisierten Ausgaben genauer zu verfolgen und im historischen Kontext zu untersuchen, ist ein spannender Forschungsgegenstand, zu dem es auch an der Goethe-Universität auf dem Gebiet der Märchenforschung bereits interessante Arbeiten gibt. „Ältere Kinderbücher sind, was ihren Sprachgebrauch angeht, aus ihrer Entstehungszeit heraus zu verstehen – mit anderen Worten als historische Texte zu lesen. Die zu Klassikern gewordenen  Kinderbücher einer Astrid Lindgren, eines Otfried Preußler oder eines Michael Ende deshalb als rassistisch zu bezeichnen, weil sie Wörter enthalten, die heute aus gutem Grund tabu sind, ist abwegig,“ so der Frankfurter Literaturwissenschaftler.

Ewers macht darauf aufmerksam, dass sprachliche Eingriffe sich nicht nur auf den Bereich der Kinderbücher beschränken: „Nahezu alle Leseausgaben älterer Werke der Allgemeinliteratur beruhen auf einer unterschiedlich weitreichenden Textbearbeitung. Dabei geht es nicht nur um eine Anpassung an die aktuelle Rechtschreibung und Zeichensetzung; oft werden auch heute nicht mehr verständliche altertümliche Wendungen ersetzt. Auskunft darüber wird, wenn überhaupt, nur im Kleingedruckten gegeben. Wirklich sakrosankt ist der ursprüngliche Text nur im Fall von historisch-kritischen Editionen.“ Es seien jedoch die jeweils aktuellen Leseausgaben, welche die Klassiker – dazu gehörten auch die aus anderen Sprachen – lebendig, zugänglich und verständlich hielten.

Informationen: Prof. Dr Hans-Heino Ewers, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel.: (069) 798-32997, ewers@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 28 2013
13:43

Deutschlandweite Umfragen zum Thema: vorurteilsmotivierte Gewalt gegen Gruppen

Wenn Vorurteile zu Gewalttaten führen

FRANKFURT. Das von der EU geförderte Forschungsprojekt „When Law and Hate Collide“ beschäftigt sich mit vorurteilsmotivierter Gewalt, sogenannten Hate Crimes. Ein Hate Crime bezeichnet jegliche Gewalttat, die sich gegen eine Person oder Eigentum wendet, aufgrund der wahrgenommenen Gruppenzugehörigkeit des Opfers. Die Motivation für die Gewalttat sind Vorurteile des Täters gegenüber dieser Gruppe. Die Gewalttat richtet sich somit nicht nur direkt gegen die Person, sondern gegen die Gruppe, als deren Stellvertreter die Person gesehen wird.

Das Forschungsteam besteht aus drei Partnern: die University of Central Lancashire, der University of Gothenburg und der Goethe Universität. Ziel des Projektes ist eine Empfehlung zur europaweiten Hate Crime Policy aus der juristischen, ethisch-philosophischen und psychologischen Perspektive zu geben, wobei die Universität Frankfurt den inhaltlichen Schwerpunkt auf letzteres setzt, insbesondere auf Fragen zu Präventionsmöglichkeiten sowie zu Opfer- und Täterperspektiven.

In diesem Rahmen haben Professor Michael Fingerle und Caroline Bonnes zwei deutschlandweite Umfragen zum Thema vorurteilsmotivierte Gewalt durchgeführt. Zum einen wurden Personen befragt, die innerhalb einer Organisation arbeiten, die sich gegen Diskriminierung und Gewalt einsetzten. Zum anderen wurden Personen, die unterschiedlichen „Gruppen“ angehören, die von vorurteilsmotivierter Gewalt betroffen sind oder betroffen sein könnten, zu ihrer Erfahrung mit Hate Crime und ihrer Meinung bezüglich eines Hate Crime Gesetzes in Deutschland befragt. Zu den Befragten gehörten u.a. Menschen mit Behinderung, mit unterschiedlicher sexueller Orientierung, mit Migrationshintergrund oder auch Angehöriger sogenannter Subkulturen, wie z.B. Gothics oder Punks.

Die Ergebnisse der Umfragen werden Ende Januar 2013 im Rahmen einer Projektabschlusskonferenz in Brüssel vorgestellt. Zu der Konferenz sind europaweit Experten aus Politik, Wissenschaft und Nichtregierungs-Organisationen eingeladen. Die Vorträge werden auf der Konferenz als Podcast aufgenommen und im Nachhinein der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Weitere Informationen
Projektwebsite: http://www.uclan.ac.uk/schools/lancashire_law_school/law_hate_collide.php; Hate Crime Umfrage: https://de.surveymonkey.com/s/HateCrimeSurvey

Veranstaltungen

Jan 28 2013
10:39

Gegen den Mangel an Fachkräften: Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) entwickelt mit Partnern branchenspezifische Strategiekonzepte

Hessische Betriebe bei Qualifzierung von ungelernten Mitarbeitern auf neuen Wegen

FRANKFURT. Um den Bedarf an Fachkräften in kleinen und mittleren Unternehmen zu decken, reichen traditionelle Wege wie eine Ausbildung oft nicht mehr aus: Das aktuelle IAB-Betriebspanel Hessen zeigt, dass in Betrieben mit bis zu 250 Mitarbeitern, insbesondere aber in Kleinstbetrieben, circa 23 Prozent der qualifizierten Stellen unbesetzt bleibt. Das Frankfurter Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität veranstaltet am Donnerstag (31. Januar) eine Tagung, bei der es um innovative Strategiekonzepte in der Nachqualifizierung von un- und angelernten Beschäftigten geht.

Die Expertinnen des IWAK wollen die unterschiedlichen Fäden der aktuellen Fachdiskussion aufnehmen und branchenspezifische Aspekte gemeinsam mit Partnern aus der Praxis vorstellen, dazu gehören Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, dem Bildungsbereich und der Arbeitsvermittlung. Die Geschäftsführerin des Instituts, Dr. Christa Larsen, erläutert: „Es wird immer entscheidender für die einzelnen Betriebe, angelernte Beschäftigte aus und in ihrem eigenen Haus nachzuqualifizieren. Dies erfordert ein Umdenken von allen Beteiligten.“ Betriebe, aber auch die ungelernten Beschäftigten, die zudem oft keinen Schulabschluss haben, müssen erst für die Möglichkeiten der Nachqualifizierung sensibilisiert werden.

Nachqualifizierung heißt konkret: Über arbeitsnahe Wege werden Qualifikationen vermittelt, die im Idealfall zu einer Externenprüfung bei den IHKn führen. Dies erfordert auf die Branchen zugeschnittene Weiterbildungsangebote, die so gestaltet sind, dass die angesprochene Klientel sie annimmt und die Betriebe einen direkten Nutzen erfahren. Bei der Tagung referieren zu diesen Feldern: Charlotte Venema, Leiterin Berufliche Bildung und betriebliche Personalpolitik, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, zu „Unternehmen für Nachqualifizierung gewinnen“ und Birgit Groß, Leiterin des DGB-Bildungswerk Hessen zu „Betriebsräte als Motoren betrieblicher Nachqualifizierung“.

Aus den Vorgesprächen und ersten Erhebungen weiß die Soziologin Sophie Westenberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin in diesem IWAK-Strategieprojekt „Branchenspezifische Nachqualifizierung un- und angelernter Beschäftigter in Kleinen und Mittleren Unternehmen in Hessen“: „Un- und Angelernte, die beispielsweise einem Produktionsbetrieb seit langer Zeit verbunden sind, haben teilweise ein mangelndes Qualitätsbewusstsein. Sie können durch gezielte und arbeitsplatznahe Schulungen in die Lage versetzt werden, weitergehende Aufgaben in der Produktion zu übernehmen.“ Und Miriam Sophie Wiesen, ebenfalls Soziologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt, das vom Hessischen Wirtschaftsministerium und Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union bis 2014 gefördert wird, ergänzt: „Und im Einzelhandel, in dem kundenorientierte Kommunikation den Schlüssel zum erfolgreichen Verkaufen darstellt, können Un- und Angelernte durch individuelle Verkaufstrainings aktiv zum Erfolg des Unternehmens beitragen.“

Studien zur betrieblichen Weiterbildung zeigen: Diese Beschäftigen kommen nur in circa 10 Prozent der Fälle in den Genuss einer Weiterbildung, was deutlich unter dem Durchschnitt liegt. „Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Beschäftigte, die als Un- und Angelernte beschäftigt sind, weniger motiviert wären. Wir müssen vielmehr gemeinsam mit unseren Partnern aus dem Bildungsbereich die Betriebe direkt ansprechen – auch nach Branchen orientiert – damit diese Betriebe die vorhandenen Potenziale auch strategisch nutzen“, so Dr. Larsen.

In diese Phase steigt das Projektteam jetzt ein: So sollen passgenaue Lösungen mit den Betrieben entwickelt und erprobt werden, die diese in die Lage versetzen, ihren Bedarf an Fachkräften auch auf diese Weise aktiv decken zu können. Die Partner in den Projektbranchen sind: „Bildungszentrum des Hessischen Handels gGmbH“ im Einzelhandel, „Bildungswerk Spedition und Logistik e.V.“ und „triple innova GmbH“ in der Logistik, „Internationaler Bund e.V. Verbund Hessen“ im Hotel- und Gaststättengewerbe, „maxQ im bfw-Unternehmen für Bildung“ in der Gesundheits- und Pflegebranche sowie „MYPEGASUS GmbH“ und „TÜV Rheinland Akademie GmbH“ im Produzierenden Gewerbe.

Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798- 22152, C.Larsen@em.uni-frankfurt.de, Miriam Sophie Wiesen, Tel.: (069) 798- 25472, wiesen@soz.uni-frankfurt.de, und Sophie Westenberger , Tel.: (069) 798-28923, (westenberger@em.uni-frankfurt.de. Infos zum Projekt und zur Tagung im Internet: www.nachqualifizierung-hessen.de und www.iwak-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 25 2013
13:23

Vortrag von Prof. Ute Frevert, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, im Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften

Konjunktur der Gefühle: Früher ging es um Ehre, heute um Empathie

FRANKFURT. „Vergängliche Gefühle“ hat die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Prof. Ute Frevert, ihren öffentlichen Vortrag genannt, den sie am 30. Januar im Rahmen der Mittwochskonferenz des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität hält. Beginn ist um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend. Im Titel steckt auch Freverts zentrale These: Gefühle sind nicht nur per se vergänglich, sie sind es auch in der historischen Zeit.

Dies konkretisiert die Historikerin in ihrer Ankündigung: „Es gibt Gefühle – Beispiel: Ehre –, die uns fremd geworden sind, die aber unseren Groß- und Urgroßeltern noch vertraut waren. Umgekehrt finden heute Empfindungen großen Anklang – Beispiel: Empathie –, um die sich vormoderne Gesellschaften kaum scherten.“ Wie sich solche emotionalen Konjunkturen erklären lassen, darüber wird Ute Frevert in ihrem Vortrag sprechen. Voraussichtlich im März wird der Vortrag in erweiterter Form als Taschenbuch in der Reihe „Historische Geisteswissenschaften“ erscheinen.

Frevert, die seit 2008 Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin ist, widmet sich in ihrer Forschung der Geschichte der Gefühle aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Zentrum stehen die Fragen: Haben Gefühle eine Geschichte? Und: Machen Gefühle Geschichte? In engem Gespräch mit Psychologen und Erziehungswissenschaftlern, aber auch mit Ethnologen, Soziologen, Literatur-, Kunst- und Musikwissenschaftlern erkunden Historiker die Gefühlsordnungen der Vergangenheit. Sie gehen davon aus, dass Gefühle – Empfindungen und ihr Ausdruck – kulturell geformt und sozial erlernt werden. Was jemand in einer bestimmten Situation oder gegenüber einer anderen Person und Sache fühlen oder zeigen darf und was nicht, ist gesellschaftlich normiert und damit historisch variabel.

Frevert nimmt mit ihrem Team verschiedene Gesellschaften in den Blick und untersucht sie auf ihre emotionalen Codes, Regime und Lexika. Zeitlich konzentriert sich die Analyse auf das 18., 19. und 20. Jahrhundert; räumlich geht es um eine Kontrastierung europäisch-westlicher und südasiatischer Gesellschaften. Ein weiteres Interesse richtet sich auf die Geschichtsmächtigkeit von Gefühlen. Gefühle, so die Annahme, motivieren Handlungen und steuern Entwicklungen. Sie sind und waren daher bevorzugter Gegenstand von Manipulation und Instrumentalisierung, in politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen ebenso wie im privaten und zivilgesellschaftlichen Bereich. An welche Gefühle wurde wann von wem mit welchem Ziel appelliert? Inwieweit trugen Gefühle zur Bildung und Auflösung sozialer Gruppen und Bewegungen bei? Solche (und andere) Fragen bestimmen einen Forschungsbereich, in dem es darum geht, ein zentrales Element menschlicher Entwicklung zu historisieren, d.h. in seiner Abhängigkeit von Zeit und Raum zu analysieren.

Informationen: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Veranstaltungen

Jan 25 2013
13:20

Eine öffentliche Veranstaltung des Lektorats Niederländisch auf dem Campus Westend

Kader Abdolah liest aus seinem Roman „Das Haus an der Moschee“

FRANKFURT. Seitdem sein Roman „Das Haus an der Moschee“ vom Niederländischen ins Deutsche übersetzt wurde, ist der 1954 im Iran geborene Schriftsteller Kader Abdolah auch für das deutsche Publikum kein Unbekannter mehr. Er avancierte inzwischen zu einem der wichtigsten modernen niederländischen Schriftsteller, dessen Werke in viele Sprachen übersetzt wurde. Jetzt kommt Abdolah zu einer Lesung an die Goethe-Universität: Am Donnerstag (31. Januar) um 19 Uhr trägt er auf Niederländisch aus diesem bekannten Roman vor, die deutsche Übersetzung übernimmt der Frankfurter Literaturwissenschaftler Prof. Robert Seidel. Die Veranstaltung findet auf Initiative des Lektorats Niederländisch des Fachbereichs Neuere Philologien auf dem Campus Westend, IG-Farben-Haus, Eisenhowerraum (Raum 1.314) statt, der Eintritt ist frei.

Abdolah kam 1988 als politischer Flüchtling in die Niederlande, wo der damals 34-jährige Journalist, Publizist und Naturwissenschaftler die niederländische Sprache lernen musste. Der Reiz seiner Werke: Abdolah führt den westlichen Leser behutsam, poetisch und graziös in die Jahrtausende alte persische Kultur und Welt ein, so dass man lesend den Eindruck bekommt, in einer persischen Variante des Niederländischen diese unbekannte Welt zu entdecken.

So ist „Das Haus an der Moschee“ ein in Iran spielender sehr persönlicher Generationenroman. Nach seiner Lektüre glaubt der Leser den Übergang einer archaischen Gesellschaft zu den modernen Ausschweifungen unter dem Schah-Regime, zu der Revolution von Khomeini bis zu den heutigen Bestrebungen im Iran, besser zu verstehen. „Das Haus an der Moschee“, inzwischen in über 20 Sprachen übersetzt, wurde im Jahre 2007 von den Niederländern zum zweitbesten Buch der niederländischen Literatur überhaupt gekürt.

Bereits 1993 erschien seine erste Veröffentlichung auf Niederländisch: die Erzählungen „De adelaars“ (Die Adler). Und Abdolah bekam prompt den Preis für das beste Debüt des Jahres. Seitdem erschienen von ihm mindestens 16 neue Titel, die fast alle vom Publikum gut aufgenommen und oft preisgekrönt wurden.

Im Jahre 2000 erhielt Abdolah den Orden „Ritter in de Orde van de Nederlandse Leeuw“ für seine Verdienste nicht nur auf dem Gebiet der Literatur, sondern auch der Völkerverständigung. In dem Jahr erschien auch sein Buch „Spijkerschrift“, das drei Jahre später unter dem Titel „Die geheime Schrift” auch auf Deutsch vorlag. Im Jahre 2008 veröffentlichte er seine eigene gemäßigte literarische Übersetzung des Korans und ein Buch über Mohammed, das 2009 auf Deutsch unter dem Titel „Mohammad, der Prophet“ erschien.

Mit dieser Lesung schließt das Lektorat Niederländisch sein viel beachtetes Programm in diesem Wintersemester ab. Eine Fortsetzung im Sommersemester ist bereits in Planung.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de, www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/IDLD/Niederlaendische_Sprache_Literatur_Kultur/index.html

Personalia/Preise

Jan 25 2013
11:04

SZ-Redakteure Dr. Tanjev Schultz und Roland Preuß erhalten den Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus 2012

Sie brachten die Guttenberg-Affäre ins Rollen

FRANKFURT. Zwei Redakteure der Süddeutschen Zeitung erhalten den mit 5.000 Euro dotierten 1. Preis des Goethe-Medienpreises für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus 2012, der heute an der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen einer Festveranstaltung zusammen mit der FAZIT-Stiftung vergeben wird: Unter dem Titel „Verteidigungsfall“ hatten Dr. Tanjev Schultz und Roland Preuß am 16. Februar 2011 auf Basis umfassender Recherchen erstmals über den Verdacht berichtet, bei der Dissertation des damaligen Bundesverteidigungs-ministers Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg könnte es sich in wesentlichen Teilen um ein Plagiat handeln. Die Berichterstattung löste eine Welle öffentlicher Diskussionen aus, in deren Folge sich Guttenberg genötigt sah, sein Amt aufzugeben. Inzwischen wurde eine große Zahl weiterer prominenter Fälle bekannt. An deutschen Universitäten und Hochschulen wird seitdem intensiv über bessere Qualitätsstandards in Bezug auf die Handhabung von Promotionsverfahren diskutiert. Laudator Prof. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, hob hervor, die beiden SZ-Autoren hätten

„mit dem Artikel ‘Verteidigungsfall‘ ein Stück investigativen Journalismus par excellence abgeliefert, man könnte auch lapidarer formulieren, ‘Enthüllungsjournalismus‘ at ist best. Das hat sowohl Zivilcourage als auch Durchsetzungsvermögen erfordert. Das Risiko der Auseinandersetzung mit dem damaligen Politstar Karl-Theodor zu Guttenberg, der Glamour in die deutsche Politik brachte und als veritabler Meister der politischen Inszenierung galt (…) haben Sie jedenfalls nicht gescheut. Nüchtern dokumentierten Sie beide in Ihrem Artikel ‘Verteidigungsfall‘ die Defizite in zu Guttenbergs Dissertation ‘Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU‘, die 2006 als Dissertation an der Universität Bayreuth eingereicht wurde (…)“.

Weitere Preisträgerinnen des Jahres 2012 sind die FAZ-Redakteurin Dr. Christina Hucklenbroich (2. Preis, 2.500 Euro) sowie Alexa Hennings vom Norddeutschen Rundfunk (3. Preis, 1.250 Euro). Hucklenbroich würdigte die Jury für eine Reportage zur Medizinerausbildung („Der Brotberuf der Begabten“). Darin schreibt die Journalistin, selbst ausgebildete Tierärztin, wie es der großen Zahl von 1,0-Abiturientinnen ergeht, die inzwischen in die Medizinstudiengänge strömen. Dabei beleuchtet sie die starke Zunahme von Bewerbungen um ein Medizinstudium in den letzten Jahren. Was steckt dahinter? Leistungswille? Oder möglicherweise ein verändertes Berufsbild. Hucklenbroich gelingt es in  sprachlich hervorragender und zugleich analytischer Weise, diese neuen Motivationen an markanten Beispielen  herauszuarbeiten. Dabei erweist sich, dass der Arztberuf offenbar immer mehr zu einem „Brotberuf“ geworden ist – ein Beruf, den viele vor allem deshalb wählen, weil sie sich davon langfristige materielle Sicherheit versprechen. Der Beitrag war am 4. Mai 2011 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen.

Die dritte Preisträgerin, Alexa Hennings, erhält den Goethe-Medienpreis für ihr 30-Minuten-Radio-Feature: „Das Forum. Von Güstrow in die Welt – junge ostdeutsche Elite in Oxford und Cambridge“, das am 9. April 2012 im Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Im Kern geht es darum, wie sich Studierende aus den Neuen Bundesländern, die sich an britischen Elite-Universitäten eingeschrieben haben, gegen die Westkonkurrenz behaupten. Das Feature ist schwungvoll komponiert und vermittelt originelle Beobachtungen aus dem aktuellen Ost-West-Verhältnis.

Der Goethe-Medienpreis wurde im Jahr 2008 zum ersten Mal verliehen und ist der erste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Er unterteilt sich in drei Einzelpreise: Der erste ist mit 5.000 Euro dotiert, der zweite mit 2.500 und der dritte mit 1.250. Die Goethe-Universität schreibt diesen unabhängigen Journalistenpreis im Abstand von zwei Jahren zusammen mit der FAZIT-Stiftung aus. Die nächste Ausschreibungsrunde beginnt im April 2014.

Bewertet wurden die Arbeiten von einer hochrangig besetzten Jury aus Medien- und Wissenschaftsvertretern, der angehören:

  • Prof. Dr. Bernhard Kempen (Präsident des Deutschen Hochschulverbandes),
  • Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes),
  • Werner D‘Inka (Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung),
  • Prof. Dr. Christian Floto (Abteilungsleiter Wissenschaft und Bildung, Deutschlandfunk),
  • Prof. Dr. Reinhard Grunwald (Generalsekretär a.D. der Deutschen Forschungsgemeinschaft),
  • Dr. Martin Doerry (Stv. Chefredakteur DER SPIEGEL)
  • Dr. Wolfgang Heuser (Herausgeber Deutsche Universitätszeitung)

Weitere Hintergründe und Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern finden Sie unter http://goethe-medienpreis.uni-frankfurt.de/

Veranstaltungen

Jan 24 2013
17:12

Frankfurter Bürger-Universität diskutiert zum Abschluss der Reihe „Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte“ über Perspektiven von Occupy

Occupy als Anfang einer neuen Bürgerbewegung?

FRANKFURT. Zum Abschluss der Hauptreihe Demokratie im Würgegriff der Finanzmärkte? diskutieren im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität renommierte Experten mit Aktivisten über die Perspektiven von Occupy und Protestbewegungen. Wie schon zu Beginn der Reihe wird sich Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann als Schirmherr der Bürgeruniversität auch am letzten Abend mit einem persönlichen Statement in die Diskussion einbringen. Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl wird mit einem Grußwort eröffnen.

In der letzten Veranstaltung der Reihe soll es um das Thema „Bürgerbewegung“, am Beispiel der Protestbewegung Occupy Frankfurt gehen, die mit ihrem Camp das Frankfurter Stadtbild lange Zeit vor der Europäischen Zentralbank prägte. Inzwischen musste die Zeltstadt am Willy Brandt-Platz abgebaut werden. Was hat´s gebracht? Was ist übriggeblieben von den Protesten gegen Banker und das Finanzsystem? Jan Umsonst ist einer der Köpfe der Frankfurter Occupy-Bewegung und kann als Podiumsteilnehmer an diesem Abend berichten, wie es um die Gruppe steht und wie deren Planungen aussehen. Auch der Sprecher von Occupy Money, Hajo Köhn, wird auf dem Podium präsent sein.

Ist die Bewegung schon am Ende? Wie muss sich Protest artikulieren, um langfristig zu wirken? Hierzu wird auch der Historiker Prof. Werner Plumpe in seinem Impulsvortrag Hinweise geben. Weiterer Teilnehmer des Podiums ist der Philosoph Prof. Axel Honneth. Der enorme Publikumserfolg der Reihe – bisher kamen fast 2000 Bürgerinnen und Bürgern zu fünf Veranstaltungen – zeigt deutlich, wie groß das Interesse an öffentlichen Diskussionsräumen im Kontext der Finanzkrise ist.

Was hat´s gebracht? Occupy als Anfang einer neuen Bürgerbewegung?

Mit Impulsen von Oberbürgermeister Peter Feldmann, Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl sowie Prof. Werner Plumpe

Podium:

  • Prof. Axel Honneth (Philosoph)
  • Prof. Werner Plumpe (Historiker)
  • Jan Umsonst (Frankfurter Occupy Aktivist)
  • Hajo Köhn (Sprecher Occupy Money) 
  • sowie den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern

Moderation: Swantje Karich, Redakteurin Frankfurter Allgemeine Zeitung.
am: Montag, 28. Januar 2013, um 19.30 Uhr
Veranstaltungsort: Hörsaal V, Hörsaalgebäude Campus Bockenheim,
Mertonstraße 17 - 21

An insgesamt sechs Abenden greift die Diskussionsreihe der Frankfurter Bürger-Universität wichtige Aspekte eine der global drängendsten Fragen unserer Zeit auf. Beleuchtet wurden die Leitaspekte der gegenwärtigen Finanzkrise, die auch zu einer Krise der westlichen Demokratie geworden scheint. Wer kontrolliert Banken und Ratingagenturen? Ist es die Gier, die unser gesellschaftliches Zusammenleben ruiniert? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft? Muss Forschung Politik und Öffentlichkeit mehr Orientierung geben? Oder ist der Protest der Occupy-Bewegung der richtige Weg, um sich aus dem immer stärker werdenden Griff des Finanzsystems zu befreien?

Eintritt frei / Wichtiger Hinweis: Veranstaltungsort ist immer Raum V, Hörsaalgebäude Campus Bockenheim, Mertonstraße 17 - 21

Das komplette Programm der 7. Frankfurter Bürger-Uni: www.buerger.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 23 2013
16:45

Jury hat über Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus 2012 entschieden

Preisträger werden der Öffentlichkeit vorgestellt

FRANKFURT. Die Jury hat entschieden. Die vier Preisträgerinnen und Preisträger des Goethe-Medienpreises für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus 2012 stehen fest. Sie wurden ausgewählt aus etwa 40 Bewerbern, die zwischen April und Juli 2012 ihre Unterlagen eingereicht hatten – 70 Prozent von überregionalen Leitmedien. Ihnen zu Ehren richten die Stifterinnen des Preises, Goethe-Universität und FAZIT-Stiftung, eine Festveranstaltung aus, zu der ich Sie im Namen des Präsidiums der Goethe-Universität herzlich einlade. Diese findet statt am

Freitag, 25. Januar 2013, 15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt, Campus Westend
Casinogebäude IG Farben, 1. Etage, Raum 1.811
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main

Es sprechen: Prof. Dr. Werner Müller-Esterl (Präsident der Goethe-Universität), Werner D´Inka (Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung), Prof. Reinhard Grunwald (Generalsekretär der Deutschen Forschungsgemeinschaft a.D.), Prof. Bernhard Kempen (Präsident des Deutschen Hochschulverbandes); Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard, (Fernsehjournalist)

Bitte teilen Sie uns per E-Mail an Frau Ott (ott@pvw.uni-frankfurt.de) mit, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen können.

Herzliche Grüße
Dr. Olaf Kaltenborn
(Pressesprecher Goethe-Universität)

Forschung

Jan 23 2013
11:59

Höhlenkrebse mit zurückgebildeten Augen sind im Vorteil

Evolution hilft beim Abwerfen von Ballast

FRANKFURT. Neue Körpermerkmale entstehen in der biologischen Evolution durch natürliche Selektion. Aber wie ist es mit dem Verlust von Merkmalen, etwa der Augen, die der Krebs nicht mehr braucht, wenn er seinen Lebensraum in eine Höhle verlagert? Ist dies, weil vorteilhaft, ebenfalls der Selektion geschuldet, oder schlichtweg durch die Akkumulation von Genmutationen verursacht? Wie Evolutionsbiologen der Goethe Universität Frankfurt jetzt zusammen mit Kollegen der National University in Singapur herausgefunden haben, hat die Evolution auch beim Abwerfen von Ballast ihre Finger im Spiel.

„Wir übersehen oft, dass es im Laufe der Evolution ebenso häufig zum Verlust bestehender Merkmale kommen muss wie zur Entstehung neuer – ansonsten würden alle Tier- und Pflanzenarten noch immer alle Merkmale ihrer Vorfahren zeigen“, erklärt Dr. Sebastian Klaus. Der Mensch hätte beispielsweise immer  noch die starke Körperbehaarung, die er mit dem gemeinsamen Vorfahren des Menschenaffen teilte. „Wenn der Merkmalsverlust der Selektion unterliegt, würde man eine rasche Reduktion annehmen. Anderenfalls sollte der Rückgang vergleichsweise langsam stattfinden“, ergänzt Privatdozent Dr. Martin Plath.

Wie die Evolutionsbiologen in der aktuellen Ausgabe von „Biology Letters“ mitteilen, untersuchten sie mehrere Populationen von Höhlenkrabben auf den Philippinen, die sich zu verschiedenen Zeitpunkten für ein Leben in der Dunkelheit entschieden hatten. Die Krabben zeigten deutliche Unterschiede in den Anpassungen an das Höhlenleben: Merkmale wie Augen oder Körperpigmentierung, die in Dunkelheit keine Funktion mehr haben, wurden reduziert, während Merkmale, die der besseren Orientierung in der Finsternis dienen, verstärkt ausgebildet wurden. So verlängerten sich die Extremitäten und Sinnesborsten.

Nachdem das relative Alter der verschiedenen Höhlenpopulationen mithilfe molekularbiologischer Methoden bestimmt worden war, konnten die Autoren die Geschwindigkeit der Neu- und Rückbildung von Merkmalen abschätzen und vergleichen. Dabei zeigte sich, dass die Reduktion der Augen nicht etwa langsamer verläuft als die Entstehung von verlängerten Beinen und Sinnesborsten. In beiden Fällen fand die evolutionäre Veränderung bald nach der Besiedlung einer Höhle statt. „Wir folgern daraus, dass auch der Verlust von Merkmalen der Selektion unterliegt und den Höhlenkrabben einen evolutionären Vorteil verschaffen muss“, so Klaus.

Welcher Art dieser Vorteil ist, wollen die Forscher in Folgeexperimenten untersuchen. Denkbar wäre, dass die Höhlenkrabbe Energie spart, wenn sie die Augen nicht mehr voll ausbildet. Oder die Augenreduktion ist auf Ebene der Gene mit der Ausbildung anderer, in der Dunkelheit vorteilhafter Merkmale gekoppelt.

Studie: Klaus S, Mendoza JCE, Liew J-H, Plath M, Meier R, Yeo DCJ. Rapid evolution of troglomorphic characters suggests selection rather than neutral mutation as a driver of eye reduction in cave crabs. Biol Lett 20121098.

doi: 10.1098/rsbl.2012.1098

Bilder zum Download finden Sie hier.

Bildtexte:
Bild 1: Oberirdische Süßwasserkrabbe von den Philippinen (links) und ihr höhlenlebender Verwandter (rechts) mit reduzierten Augen, verlorener Pigmentierung, aber dafür mit verlängerten Beinen und längeren Sinnesborsten an deren Enden.

Bild 2: Oberirdische Süßwasserkrabbe von den Philippinen (links) und ihr höhlenlebender Verwandter (rechts) mit reduzierten Augen und verlorener Pigmentierung.

Informationen: Dr. Sebastian Klaus, Privatdozent Dr. Martin Plath, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-42173 - 42169; klaus@bio.uni-frankfurt.de; mplath@bio.uni-frankfurt.de.

Forschung

Jan 22 2013
15:06

Asteroiden hatten ein unerwartet bewegtes Innenleben

Entstand die Erde im kosmischen Softbillardspiel?

FRANKFURT. Im Inneren von Asteroiden finden gigantische Umwälzungsprozesse statt, ähnlich denen, wie Wissenschaftler sie auch für die Anfangsphase der Erde vermuten. Zu diesem überraschenden Ergebnis kamen Wissenschaftler der Goethe Universität und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, als sie Tiefengestein des Asteroiden Vesta untersuchten. Daraus ziehen sie weit reichende Schlüsse über die Entstehung der Erde und der anderen Planeten unseres Sonnensystems.

„Wenn man an Asteroiden denkt, drängt sich die Vorstellung riesiger, grauer, kalter und kartoffelförmiger Gesteinsmassen auf, die die Zivilisation auf der Erde bedrohen und hin und wieder tatsächlich mit anderen Himmelsobjekten zusammenstoßen“, sagt Prof. Frank Brenker vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität. Dieses Bild hat er zusammen mit seiner Doktorandin Beverley Tkalcec und Kollegen der ETH Zürich auf den Kopf gestellt: Ihre jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ publizierten Erkenntnisse belegen frühe dynamische Prozesse im Inneren von Asteroiden. Sie werden durch schwere, weitgehend verfestigte Gesteinsmassen ausgelöst, die in einen Brei aus Schmelze und Kristallen abtauchen.

Diese dynamischen Prozesse können je nach Größe des Asteroiden durchaus hundert Millionen Jahre anhalten. Demnach wäre die Frühphase unseres Sonnensystems geprägt gewesen von Kollisionen der weichen, heißen Zwergplaneten-ähnlichen Himmelskörper mit kleinen, bereits völlig erstarrten Asteroiden. „Dieses ungleiche Asteroidenbillard beeinflusste möglicherweise die Bildung der Erde und der anderen Planeten“, so Beverley Tkalcec.

Die Frankfurter Forschergruppe untersuchte Tiefengestein des Asteroiden Vesta, des zweitgrößten Asteroiden unseres Sonnensystems mit einem Durchmesser von etwa 516 Kilometern. Mit Messungen der kristallographischen Orientierung von Mineralen mit einem Elektronenmikroskop konnten sie nachweisen, dass es starke Verformungen der bereits weitgehend verfestigten Gesteine gegeben hat. Berechnungen von Gregor Golabek von der ETH Zürich halfen schließlich, das unerwartete Ergebnis in ein geodynamisches Konzept einzubinden. War man zuvor von einem einfachen Erstarrungsprozess im Inneren eines Asteroiden ausgegangen, so erhält das Bild nun eine dynamische Komponente, die einen unerwartet schnellen chemischen und strukturellen Umbau ermöglicht.

„Das sich nun ergebende geodynamische Szenario hat weitreichende Konsequenzen für bisherige Vorstellungen zur Entwicklung von Asteroiden und der Bildung von Planeten“, erläutert Brenker. Die nachgewiesenen Umwälzvorgänge tragen zum Verständnis des Zustands Vesta-ähnlicher Asteroiden im frühen Sonnensystem bei. Auch die Bildung von Planeten könnte durch Kollisionen mit anderen dieser dynamischen, heißen Kugeln erheblich beeinflusst worden sein.

Ein Bild zum download finden Sie hier.

Bildtext: Abbildung des Asteroiden Vesta, aufgenommen im Rahmen der DAWN-Mission der NASA. Zur Verdeutlichung erlaubt diese Darstellung den Blick in das Innere eines Vesta-großen Asteroiden etwa 50 Mio Jahre nach dessen Bildung. © NASA/JPL-Caltech/DLR/Goethe-Universität/ETH

Publikation: B. J. Tkalcec, G. J. Golabek und F. E. Brenker: Solid-state plastic deformation in the dynamic interior of a differentiated asteroid, Nature Geoscience DOI 10.1038/NGEO1710, online Januar 2013.

Informationen: Beverley Tkalcec und Prof. Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40138, tkalcec@em.uni-frankfurt.de, und (069)-798-40134, f.brenker@em.uni-frankfurt.de.

Hochschulpolitische Themen

Jan 22 2013
10:27

Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und Uni-Präsident Prof. Dr. Werner Müller-Esterl einig über Finanzierung und Realisierung

Mathematiker und Informatiker bekommen neues Campus-Gebäude

WIESBADEN / FRANKFURT. Das Land Hessen und die Goethe-Universität Frankfurt haben sich in einem „Letter of Intent“ darauf geeinigt, ein neues Institutsgebäude für den Fachbereich Informatik und Mathematik zu errichten. Das nunmehr verabschiedete Projekt ist Teil einer umfassenden räumlichen Neuordnung der Goethe-Universität auf ihren Arealen in Bockenheim, Westend und Riedberg. „Die Landesregierung trägt mit den Investitionen dazu bei, die Attraktivität des Bildungsstandorts Hessen weiter zu erhöhen und den Ruf der Goethe-Universität als hervorragende Studienstätte zu stärken. Wir investieren in Hessens Zukunft“, betonte Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Die Bauprojekte werden mit Mitteln des HEUREKA-Hochschulbauprogramms der Hessischen Landesregierung finanziert. Dieses hat ein landesweites Gesamtvolumen von drei Milliarden Euro bis 2020.

Professor Müller-Esterl erklärte: „Die Goethe-Universität hat mit der nun gefundenen Paketlösung endlich Planungssicherheit. Wir sind froh, dass damit die 1999 begonnene räumliche Neuordnung der Goethe-Universität für die beiden Campi Westend und Riedberg nun weitgehend zum Abschluss kommt. Wir danken der Landesregierung für ihr großes Engagement.“ So sei neben dem Neubau für Mathematik und Informatik ein weiteres Großprojekt auf den Weg gebracht, welches am Campus Riedberg die Naturwissenschaften ergänzt und die Infrastruktur für Forschung und Lehre erheblich verbessert.

Für die Unterbringung der Mathematik und Informatik am Campus Riedberg waren im Vorfeld drei Optionen erwogen worden: Neubau, Modulbau oder Anmietung. Eine Nutzwertanalyse sprach sich dann klar für einen Neubau aus. „Der geplante Neubau bietet langfristig betrachtet das beste Verhältnis von Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Funktionalität. Deshalb haben wir uns einvernehmlich mit der Goethe-Universität für diese Variante entschieden“, erläuterte Schäfer. Die Goethe-Universität rechnet für diesen Neubau mit Kosten in Höhe von rund 49 Mio. Euro. Sie selbst trägt dazu aus eigenen Mitteln binnen 15 Jahren insgesamt 20 Mio. Euro bei. Die Universität trägt darüber hinaus die wesentlichen Kostenrisiken. 

Das Projekt ist Teil einer geplanten Paketlösung, welche auch die Entwicklungsperspektiven für die 3. Ausbaustufe am Campus Westend und einen ersten Bauabschnitt für die Chemischen Institute am Riedberg beinhaltet. Die Zustimmung des Hessischen Finanzministeriums zur Paketlösung steht unter dem Vorbehalt, dass sich die Baumaßnahmen – einschließlich etwaiger unabwendbarer Mehrkosten – innerhalb des HEUREKA-Budgets realisieren lassen.

Professor Müller-Esterl sagte: „Die Eigenbeteiligung zeigt, wie wichtig der Universität die Realisierung dieser Projekte ist.“ Der in dem Finanzierungsmodell festgehaltende Zeitraum sei für die Universität tragbar. Finanzminister Dr. Thomas Schäfer dankte allen Vertretern, die an den Verhandlungen zwischen Land und Universität beteiligt waren. „Die Goethe-Universität bekommt mit Hilfe des Landes ein modernes, frisches Gesicht. Damit schaffen wir die besten Rahmenbedingungen für exzellente Forschung und Lehre. Ich bin davon überzeugt, dass das Geld des Landes hier sehr gut angelegt ist“, sagte der Minister abschließend.

Ansprechpartner: Hessisches Ministerium der Finanzen, Stefan Löwer, Pressesprecher, Friedrich-Ebert-Allee 8, 65185 Wiesbaden, Tel.: 0611/32-2457, presse@hmdf.hessen.de

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Dr. Olaf Kaltenborn, Pressesprecher, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Tel.: 069/798-23935, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Jan 21 2013
11:39

Der 7. Mentorentag der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) thematisiert Beratung zwischen Intuition und Standardisierung

Neue Wege der Begleitung während der Schulpraktischen Studien

FRANKFURT. Am 13. Februar 2013 findet an der Goethe-Universität Frankfurt im Casino (R 1.801) von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr der 7. Mentorentag statt. Veranstalter ist die Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Das Thema des Mentorentages 2013 ist „Beratung zwischen Intuition und Standardisierung - Schulpraktische Studien als biografischen Prozess begleiten.“

In diesem Zusammenhang wird Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt einen Vortrag über das Entwicklungsinstrument FIT-L (Praktikum) halten. Dieses internetbasierte Verfahren der Selbst- und Fremdeinschätzung wird anschließend als Instrument zur Förderung der Kommunikation zwischen Mentor und Praktikant diskutiert.

Der 7. Mentorentag bietet erstmalig die Möglichkeit, dass 45 Praktikumsbeauftragte und Mentoren, die während des Schulpraktikums ihre Studierenden betreuen, in Kontakt treten. Ergänzt wird der Tag mit Studierenden, die ihre Erwartungen an das Schulpraktikum vorstellen. Außerdem bietet die ABL während der Veranstaltung ihr umfassendes Beratungsangebot an.

Weitere Informationen/Ansprechpartner: Andreas Hänssig, Leiter der Schulpraktischen Studien (ABL), Senckenberganlage 15, 60054 Frankfurt am Main, Tel. (069) 798 23677, haenssig@em.uni-frankfurt.de, www.abl.uni-frankfurt.de/40103813/Schulpraktische-Studien

Veranstaltungen

Jan 21 2013
11:36

SKYLINE SYMPHONY - Frankfurter Kammerorchester spielt Rossini, Bottesini und Beethoven. 27. Januar, Campus Westend

9. Goethe-Campus-Konzert

FRANKFURT. Das SKYLINE SYMPHONY – Frankfurter Kammerorchester unter der Leitung von Michael Sanderling spielt wieder auf dem Campus Westend: Auf dem Programm des 9. Goethe-Campus-Konzert stehen Gioacchino Rossinis Ouvertüre zu Tancredi, Giovanni Bottesinis Konzert Nr. 2 h-moll für Kontrabass und Streichorchester sowie Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie. Diesmal sind es 35 Musiker - Konzertmeister, Stimmführer, und Instrumentalisten aus großen Orchestern, zusammen mit einigen ausgewählten Studierenden -,  die im Festsaal des Campus Westend der Goethe-Universität konzertieren. Solist des Abends wird Kontrabassist Frithjof-Martin Grabner sein.

Das 9. Goethe-Campus-Konzert findet statt am

Sonntag, 27. Jan. 2013, 17 Uhr,
im Festsaal im Casino-Gebäude der Goethe-Universität,
Campus Westend, Grüneburgplatz 1.

Frithjof-Martin Grabner ist regelmäßigen Besuchern der Goethe-Campus-Konzerte längst bestens bekannt. Hier spielt er nämlich seit der Gründung von SKYLINE SYMPHONY Ende 2010 den 1. Kontrabass. Weil ihn das unkonventionelle Konzept dieses Kammerorchesters von Anfang an begeistert hat, lässt er es sich trotz vieler Verpflichtungen, u.a. auch als Professor für Kontrabass an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig, nicht nehmen, bei jedem Konzert mit von der Partie zu sein. 

Frithjof-Martin Grabner gastierte u.a. beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Bamberger Symphonikern, den Berliner Opernhäusern, dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin, der Sächsischen Staatskapelle Dresden und dem Münchener Kammerorchester. Er ist Mitglied renommierter Ensembles wie dem Bach-Collegium Stuttgart, dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach, dem Leipziger Consort, dem Neuen Berliner Kammerorchester  und der Berliner Bachakademie. Konzertreisen und Meisterkurse führten ihn durch ganz Europa, Asien, Nord- und Südamerika, sowie nach Israel und zu zahlreichen, internationalen Festivals.

Zum neuen Jahr hat sich der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Werner Müller-Esterl, dazu bereit erklärt, Schirmherr der Goethe-Campus-Konzerte zu werden.

Das Konzert wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Commerzbank Stiftung und der Marschner Stiftung sowie der Ernst Max von Grunelius-Stiftung.

Tickets gibt es an allen Vorverkaufsstellen, Tel.: 069/ 4 07 66 20 und im Campus Shop.

Weitere Informationen:  Birgid Groscurth, SKYLINE SYMPHONY - Frankfurter Kammerorchester, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. (069) 7430 8444, http://www.skyline-symphony.com/

Personalia/Preise

Jan 18 2013
15:43

Erste Tranche der mit insgesamt 50 Millionen Euro dotierten Matching Funds

Land überweist 12,68 Millionen Euro an Goethe-Universität Frankfurt

WIESBADEN / FRANKFURT. „Wir stehen weiterhin zu dem Wort, das der ehemalige Wissenschaftsminister Udo Corts und der frühere Finanzminister Karlheinz Weimar 2007 der Goethe-Universität gegeben hatten“, sagt Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer. Und die Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, hebt hervor: „Das Land Hessen setzt mit der Überweisung der ersten Rate der so genannten Matching Funds ein Zeichen für die Stärkung der Frankfurter Stiftungsuniversität und ihrer Autonomie.“

Es geht um 12,68 Millionen Euro, welche die Goethe-Universität jetzt vom Land erhielt. Der Betrag ist die erste Tranche von insgesamt 50 Millionen Euro, die der Goethe-Universität 2007 durch Corts unter bestimmten Bedingungen zugesagt wurden: In einer damals geschlossenen Finanzierungsvereinbarung zwischen Land und Universität war festgehalten worden, dass für jeden von der Goethe-Universität für ihr Stiftungskapital eingeworbenen Euro das Land Hessen jeweils einen Euro zahlt („Matching Funds“), und zwar bis zu einer Gesamthöhe von 50 Millionen Euro aus den Erlösen beim Verkauf der Hochschul-Liegenschaften des Campus Bockenheim.

Universitätspräsident Prof. Dr. Werner Müller-Esterl dankte der Landesregierung und den beiden Ministern dafür, dass das Land Wort gehalten habe: „Ich freue mich, dass die Goethe-Universität jetzt nach und nach mit der Auszahlung der Matching Funds rechnen kann. Das gibt uns in schwierigen Zeiten mehr Spielräume für die Verbesserung von Forschung und Lehre.“ Mit der Räumung immer größerer Teile des Campus Bockenheim würden in den nächsten Jahren weitere Millionenbeträge fällig. Dieses Geld diene dem weiteren Aufbau des Grundstockvermögens der Stiftungsuniversität, deren Gesamtvolumen inklusive Zusagen und unselbständigen Stiftungen inzwischen rund 160 Millionen Euro betrage. Besondere Anerkennung und Dank sprach Müller-Esterl in diesem Zusammenhang auch seinem Vorgänger Prof. Dr. Rudolf Steinberg aus: „Es ist seinem Geschick und seinem Beharrungsvermögen zu verdanken, dass es zu dieser für die Universität so günstigen Regelung gekommen ist.“

Während Steinbergs Amtszeit sind nach den Worten Müller-Esterls zudem durch hohe Einwerbungen von dritter Seite die Voraussetzungen geschaffen worden, dass es heute überhaupt zur Auszahlung der Matching Funds kommen kann: Neben den 33 Millionen Euro aus der 2007 eingerichteten Kassel-Stiftung, der mit 21 Millionen Euro ausgestatteten House of Finance-Stiftung und der 15 Millionen Euro schweren Adickes-Stiftung habe die Universität weit mehr als 50 Millionen Euro für ihren Stiftungsstock eingeworben.

Hintergrund
Im Zuge der Errichtung des Kulturcampus hat das Land das 16 Hektar große Gelände des Campus Bockenheim inzwischen an die städtische ABG veräußert. Diese Liegenschaften werden im Zuge der Standortneuordnung der Universität bis 2017 vollständig geräumt. Mit ihren Umzügen an die Standorte Westend und Riedberg wird die Goethe-Universität das Gelände schrittweise an die ABG übergeben. Die einzelnen Tranchen der Matching Funds werden abhängig vom Fortschritt bei der Übergabe ausgezahlt. Die jetzt überwiesenen 12,68 Millionen Euro stammen von der Erlösen für die Nordkante des Universitätsareals. Die Grundstücke waren der Universität seinerzeit von der Stadt Frankfurt für die universitäre Nutzung geschenkt worden. 1999 wurde zwischen dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt der so genannte Kulturvertrag geschlossen. In diesem verzichtete die Stadt auf das ihr für den Fall der Aufgabe der universitären Nutzung zustehende Heimfallrecht und bestimmte, dass der Reinerlös aus einer eventuellen Veräußerung „für die Entwicklung der Universität“ genutzt werden müsse. Diese Bestimmung des Kulturvertrags war eine wesentliche Voraussetzung für die Verlagerung der Universität auf die neuen Campi Westend und Riedberg.

Forschung

Jan 17 2013
16:10

Forschungsstelle „NS-Pädagogik“ stellt Buch vor zur Nazi-Schülerzeitschrift „Hilf mit“. 24. Januar, 16.00 Uhr, Casino Westend

Nazi-Schülerzeitschrift indoktrinierte Generation

FRANKFURT. Jeweils über 5 Millionen Exemplare der illustrierten Zeitschrift „Hilf mit“ wurden Monat für Monat vom NS-Lehrerbund als Herausgeber an die Schülerschaft verteilt. So wurde eine ganze Generation sozialisiert und geprägt: Die HJ-Generation von Martin Walser, Günter Grass, Helmut Schmidt und Papst Benedikt XVI (Joseph Ratzinger), so die Ausgangsthese dieser Studie. In einem Forschungsprojekt der Goethe-Universität mit Unterstützung der DFG wurden nun für Bibliotheken sämtliche Ausgaben von Oktober 1933 bis September 1944 (ca. 3000 Seiten) für die wissenschaftliche Aufarbeitung reproduziert und analysiert.

Erste Ergebnisse dieser Analyse: Nicht plumpe Propaganda, sondern professionell gemachte Indoktrination lässt sich feststellen: 2/3 des Materials beschwören eine herrliche Idylle von gesunden deutschen Mädchen und Jungen, Mutter und Kind, Weihnachtsbaum und kleinen Igeln. Idylle und Spießer-Ideologie. Wohl dosiert und im geringen Umfang gab es zudem auch primitive Propaganda für NS-Führer und NS-Organisationen mit ihren Symbolen.
Mit pervertiertem reformpädagogischen Geschick werden die Jugendlichen zum „forschenden Lernen“ mit antisemitischen Inhalten aufgefordert.

Die Forschungsstelle „NS-Pädagogik“ im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität lädt ein zur Buchvorstellung und Diskussion am

Donnerstag, den 24. Januar 2013, 16.00 Uhr, Casino-Westend / Raum 1.802.

  • Begrüßung: Prof. Dr. Tanja Brühl (Vizepräsidentin der Goethe-Universität)
  • Zur Einführung: NS-Moral?: Prof. Dr. Werner Konitzer, (Fritz Bauer Institut)
  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Rassismus und Antisemitismus: Prof. Dr. Micha Brumlik (Forschungsstelle „NS-Pädagogik“)
  • Zur Nazi-Schülerzeitschrift „Hilf mit!“: Deutsche Idylle, Rassismus und Antisemitismus: apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer (Forschungsstelle „NS-Pädagogik“)

Weitere Informationen: apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer, Forschungsstelle „NS-Pädagogik“, Fachbereich Erziehungswissenschaften - Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft, Tel. (069) 798-22091, BOrtmeyer@t-online.de

Veranstaltungen

Jan 15 2013
11:13

Projekt „New Migrant Socialities“ veranstaltet internationale Tagung mit Clubevent. 24.-26. Januar, Campus Westend

Clubs als Forschungsgegenstand

FRANKFURT. Vom 24. bis 26. Januar 2013 veranstaltet das durch den Europäischen Forschungsrat geförderte Projekt „New Migrant Socialities“ die internationale Tagung „New Post-Migrant Socialities: Rethinking Urban Leisure Publics in the Context of Diversity and Dominance“ auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt.

Die Abschlusskonferenz stellt die Projektergebnisse einem breiten internationalen Publikum vor und soll auch eine intensive Diskussion darüber anregen, wie ethnische und marginalisierte Minderheiten ihre öffentliche urbane Umgebung gestalten und daran teilhaben. In der Keynote am Donnerstagabend um 18 Uhr wird Les Back, Professor der Soziologie am Goldsmiths College der University of London, zum Thema „Moving Sounds, Controlled Borders: Asylum and the Cultural Politics of Music“ im Eisenhower Raum auf dem Campus Westend sprechen.

Zum Hintergrund: Das Projektteam um Prof. Kira Kosnick erforschte in den vergangenen vier Jahren das Freizeit- und Ausgehverhalten junger Erwachsener mit Migrationshintergrund in den ethnischen Clubszenen von Paris, London und Berlin und dabei insbesondere die Formen sozialer Beteiligung und kulturellen Experimentierens junger Menschen, die für das Leben in Metropolen charakteristisch sind. Das Projekt untersuchte, wie gerade junge Post-Migranten ihre sozialen Bindungen gestalten, wenn sie sich im Nachtleben ausgewählter europäischer Großstädte bewegen. Das Clubbing ist dabei von zentraler Bedeutung, ist es doch nicht nur eine der populärsten Freizeitaktivitäten junger Menschen unabhängig von ethnischem Hintergrund und Migrationsgeschichte quer durch Europa, sondern auch ein wichtiger Rahmen für das Erleben von urbaner Öffentlichkeit. An zweieinhalb Tagen werden 23 internationale Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammen mit wissenschaftlich interessierten Praktikern aus der Kultur- und Clubszene in sieben Panels über Migration, Rassismus und ethnische Vielfalt, Jugendkulturen und moderne Stadtentwicklung diskutieren.

Zum Abschluss der Konferenz findet ein vom Thema der Veranstaltung inspirierter Event im Frankfurter Club Orange Peel statt. Als Musiker und Künstler konnten DJ Ritu (London), DJ Ipek (Berlin), Janeck Altshuler (Wiesbaden), das Performance Duo Clara Jo & James Gregory Atkinson aka "Banjee Boi" (Frankfurt/Berlin) sowie die Frankfurter Lichtkünstler von „Lichtan Lichtaus“ gewonnen werden.

Die Tagung wird in englischer Sprache stattfinden, die Teilnahme ist kostenfrei. Um eine Anmeldung bis zum 16. Januar 2013 wird gebeten.

Informationen zum Programm und zur Anmeldung: www.migrant-socialities.eu/conferences/conference