​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Januar 2017

Forschung

Jan 9 2017
11:54

Checkpoint-Inhibitoren machen Krebszellen für das Immunsystem sichtbar

Krebs: Länger leben mit Immuntherapie

FRANKFURT.  Seit einigen Jahren entwickeln Krebsforscher Therapien, die nicht die eigentlichen Tumorzellen angreifen, sondern sich gegen die Zellen in der Tumorumgebung richten. Diese sogenannten Checkpoint-Inhibitoren stellen nach Ansicht vieler Forscher den ersten echten Durchbruch in der Therapie fortgeschrittener Tumorerkrankungen dar. Prof. Florian Greten und Prof. Jörg Trojan berichten in der aktuellen Ausgabe des Magazins Forschung Frankfurt der Goethe-Universität über den aktuellen Stand der Forschung.

Ein zentraler Ansatzpunkt der Immunonkologie sind die Kontrollpunkte des Immunsystems (Checkpoints) auf der Oberfläche von T-Zellen. Diese Zellen greifen Krebszellen direkt an und koordinieren die Abwehrreaktion der anderen Immunzellen. Andererseits verhindern sie auch überschießende Immunreaktionen. Das geschieht über die Aktvierung von Kontrollpunkten.

1996 entdeckte der amerikanische Immunologe James P. Allison mit seinem Team, dass Krebszellen die Immunabwehr ausschalten, indem sie einen bestimmten Kontrollpunkt, den Rezeptor CTLA-4, aktivieren. Das war eine bahnbrechende Entdeckung. Inzwischen sind mehrere solcher Checkpoints entdeckt worden und einige, wie der Rezeptor PD-1, lassen sich durch Medikamente gezielt blockieren. So kann das Immunsystem die Tumorzellen wieder erkennen und vernichten. Als Nebenwirkung dieser Medikamente können überschießende Immunreaktionen auftreten.

Als erstes Medikament dieser neuen Wirkstoffklasse wurde 2011 der CTLA-4-Immuncheckpoint-Inhibitor Ipilimumab beim metastasierten Melanom (schwarzem Hautkrebs) zugelassen. Die durchschnittliche Überlebenszeit konnte damit auf bis zu 13,5 Monate verlängert werden, verglichen mit etwa 9 Monaten unter einer Standardchemotherapie mit Dacarbazin. Wichtiger noch ist der deutlich höhere Anteil an Patienten mit einem Langzeitüberleben nach Ipilimumab-Therapie.

Die zweite Substanz, die mittlerweile zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Melanom, vorbehandeltem nichtkleinzelligem Bronchialkarzinom und vorbehandeltem Nierenzellkarzinom zugelassen wurde, ist der PD-1-Inhibitor Nivolumab. Er weist deutlich weniger immunvermittelte Nebenwirkungen als Ipilimumab auf. Im Vergleich zu einer Therapie mit Dacarbazin kann bei Patienten mit metastasiertem Melanom das 1-Jahresüberleben von 42 auf 73 Prozent fast verdoppelt werden.

Durch die Kombination von Nivolumab und Ipilimumab lässt sich das therapeutische Ansprechen und das Überleben ohne weiteres Fortschreiten der Erkrankung sogar noch weiter erhöhen. „Was bislang für nicht möglich gehalten wurde, nämlich ein komplettes Verschwinden des Tumors, scheint für einen kleinen Teil der Patienten möglich zu sein“, erklärt Jörg Trojan, Professor für gastrointestinale Onkologie am Universitätsklinikum der Goethe-Universität. „Immunvermittelte schwere Nebenwirkungen, die jedoch in der Regel gut beherrschbar sind, treten unter der Kombinationsbehandlung bei bis zu 55 Prozent der Patienten auf“, so Trojan weiter.

Ein weiterer PD-1-Blocker für die Therapie von Patienten mit metastasiertem Melanom mit vergleichbar wenig Nebenwirkungen ist Pembrolizumab. Das Medikament wird in Kürze ebenfalls für die Behandlung des Merkelzellkarzinoms, ein sehr seltenes neuroendokrines Karzinom der Haut, zugelassen. Ebenso dürfen vorbehandelte Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom mit der Substanz behandelt werden.

Sowohl Nivolumab und Pembrolizumab als auch die PD-L1 Blocker Atezolizumab und Avelumab werden aktuell bei einer Vielzahl von Tumorerkrankungen untersucht, unter anderem bei Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom. Von großem klinischem Interesse ist es, verschiedene Immuncheckpoints beziehungsweise Signalwege, die für die Modulation der Immunantwort relevant sind, gleichzeitig zu hemmen. Als wichtige Zielstrukturen werden derzeit Substanzen untersucht, die weitere inhibitorische T-Zell-Rezeptoren blockieren oder aktivierende T-Zell-Rezeptoren stimulieren können.

„Durch die Einführung der etablierten Immuncheckpoint-Inhibitoren sowie durch verschiedene immuntherapeutische Kombinationsbehandlungen ist zu erwarten, dass sich die Therapie bei einer Vielzahl von bisher nur schwer beziehungsweise zeitlich begrenzt behandelbaren fortgeschrittenen Tumorerkrankungen deutlich verbessern wird“, erwartet Prof. Florian Greten, Leiter des Georg-Speyer-Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie in Frankfurt.

Informationen: Prof. Dr. Jörg Trojan, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069)-6301-7860, trojan@em.uni-frankfurt.de.

Prof. Dr. Florian Greten, Georg-Speyer-Haus, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie, Tel.: (069) 63395-183, Greten@gsh.uni-frankfurt.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Eigen und fremd“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 6 2017
10:20

Schülerinnen und Schüler können auf der Veranstaltung „MainStudy“ am 18. und 19. Januar die Goethe-Universität kennenlernen

Uni-Luft schnuppern

FRANKFURT.Bald ist es wieder so weit: Tausende von Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufen und der Fachoberschulen werden die Goethe-Universität im Januar zur „MainStudy“ besuchen. Dabei erwartet sie ein vielfältiges Programm aus Vorträgen zu Studiengängen, Campusführungen, Präsentationen von beliebten Berufsbildern und deren Zugangsmöglichkeiten und vieles mehr.

Veranstaltungsorte sind am 18. Januar der Campus Westend mit der Vorstellung der geistes-, gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächer und am 19. Januar  der Campus Riedberg mit der Vorstellung der Naturwissenschaften.

Zusätzlich zu den allgemeinen Programmpunkten präsentieren sich die einzelnen Fächer und Institute durch Infostände, Führungen, Experimente und Gesprächsrunden mit Studierenden. Dies gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Universität intensiver zu erkunden und vielleicht auch schon den ersten Kontakt zu Studierenden oder Professoren des Wunschfaches aufzunehmen.

Die Angebote der Bundesagentur für Arbeit runden die beiden Tage mit zahlreichen Vorträgen zur Berufspraxis und übergreifenden Themen zu Entscheidungsfindung und Überbrückungsmöglichkeiten zwischen Abitur und Studium ab.

Eingebettet sind die beiden Veranstaltungstage an der Goethe-Universität in die insgesamt viertägige Veranstaltung „MainStudy“ der Hochschulen der Region Frankfurt vom 16. bis 19. Januar. Neben der Goethe-Universität sind als Gastgeber mit dabei die Frankfurt University of Applied Sciences, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen und die Hochschule für Gestaltung Offenbach.

Schülerinnen und Schüler und alle Interessierten sind herzlich eingeladen, die Goethe-Universität zur „MainStudy“ zu besuchen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm: http://www.mainstudy.uni-frankfurt.de

Informationen: Elisabeth Kummert, Zentrale Studienberatung, Goethe-Universität, Tel. (069) 798-18485; kummert@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 5 2017
11:31

Forscher der Goethe-Universität finden Biomarker zur individuelleren Therapie

Leukämie besser behandeln

FRANKFURT.Forscher der Goethe-Universität haben herausgefunden, warum die Standardbehandlung bei aggressivem Blutkrebs oft nicht wirkt: Sie entdeckten nicht nur einen Biomarker, der auf die Wirksamkeit der Medikamente verweist, sondern auch einen Ansatzpunkt für neue Therapien.

Bislang war es unmöglich vorherzusagen, welche Patienten, die an akuter myeloischer Leukämie (AML) leiden, auf die Cytarabin-basierte Standardchemotherapie ansprechen werden – und welche nicht. Deshalb erhalten alle Patienten dieselbe Therapie, obwohl nur ein Teil von der mit erheblichen Nebenwirkungen verbundenen Behandlung profitieren wird. Forscher der Goethe-Universität haben nun einen neuen Biomarker entdeckt, mit dessen Hilfe Patienten, die auf die Therapie ansprechen werden, mit hoher Genauigkeit identifiziert werden können. Darüber hinaus eröffnen die Ergebnisse neue Möglichkeiten zur Behandlung von Leukämiepatienten, für die gegenwärtig keine geeignete Therapie zur Verfügung steht.

Der Wirkstoff Cytarabin bildet das Rückgrat von Chemotherapien zur Behandlung der AML. In Krebszellen wird Cytarabin durch die Bindung von Phosphatgruppen aktiviert. In seiner von der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder geförderten Arbeitsgruppe untersuchte Prof. Jindrich Cinatl (Institut für Medizinische Virologie, Goethe-Universität, kommissarischer Direktor: Prof Volkhard Kempf) Cytarabin-resistente AML-Zellen aus der Resistant Cancer Cell Line (RCCL) collection (www.kent.ac.uk/stms/cmp/RCCL/RCCLabout.html), die er gemeinsam mit Prof. Martin Michaelis (University of Kent, Canterbury, UK) betreibt. Dabei entdeckte Prof. Cinatl, dass die Toxizität von Cytarabin gegenüber AML Zellen mit der Konzentration des zellulären Enzyms SAMHD1 korreliert, was ermöglicht die Empfindlichkeit von AML-Zellen gegenüber Cytarabin vorherzusagen.

Basierend auf diesem initialen Befund zeigte in der Folge ein Konsortium, das von Prof. Cinatl gemeinsam mit Prof. Oliver Keppler (der während der Studie vom Institut für Medizinische Virologie der Goethe-Universität an die Ludwig-Maximilians-Universität München wechselte) geleitet wurde, dass das Enzym SAMHD1 Phosphatgruppen von der aktivierten Form von Cytarabin abspaltet und Cytarabin wieder in seine inaktive Form überführt. In einer Zusammenarbeit mit Klinikern  (geleitet von Prof. Hubert Serve, Medizinische Klinik II, Goethe-Universität) wurde gezeigt, dass die in Leukämiezellen gefundenen SAMHD1-Konzentrationen auch ermöglichten, AML-Patienten, die von Cytarabin-basierten Chemotherapien profitieren, klinisch mit hoher Genauigkeit zu identifizieren. Damit ist SAMHD1 ein neuer klinischer Biomarker, der es ermöglicht, Cytarabin-basierte Therapien gezielt für AML-Patienten zu verwenden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Behandlung ansprechen werden, und Patienten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ansprechen werden, die toxischen Nebenwirkungen zu ersparen. Darüber hinaus zeigte die von Frankfurter Forschern geleitete Arbeitsgruppe, dass die Hemmung von SAMHD1 AML-Zellen zu Cytarabin sensibilisiert, was neue Therapiemöglichkeiten für Leukämiepatienten eröffnet, für die es zurzeit noch keine wirksamen Behandlungen gibt.

Die Ergebnisse wurden am 19. Dezember 2016 in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlicht und sind unter der folgenden Webadresse zu finden:

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.4255.html

Informationen: Prof Dr Jindrich Cinatl, Institut für Medizinische Virologie, E-Mail: Cinatl@em.uni-frankfurt.de, Tel. +49 (0)69 6301 6409

Forschung

Jan 5 2017
11:28

Schizophrenie beruht auf gestörter Informationsverarbeitung im Gehirn

Wenn fremde Stimmen das Kommando übernehmen

FRANKFURT. Sie hören Stimmen, vermuten Botschaften in bedeutungslosen Ereignissen oder fühlen sich ferngesteuert: Die Symptome von Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung sind für Außenstehende befremdlich. Wie der Psychiater Dr. Robert Bittner in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Forschung Frankfurt“ der Goethe-Universität erklärt, beruht die Verwechslung von „eigen“ und „fremd“ auf verschiedenen Störungen der Informationsverarbeitung im Gehirn.

Schizophrene Psychosen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie manifestieren sich typischerweise in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter und haben für die Betroffenen gravierende psychosoziale Folgen. Zudem gehören sie zu den Erkrankungen mit den höchsten direkten und indirekten Behandlungskosten. Zu den Symptomen zählen Wahnideen, Halluzinationen, Ich-Störungen und formale Denkstörungen. Der Krankheitsverlauf ist in vielen Fällen durch wiederkehrende akute psychotische Episoden gekennzeichnet. Charakteristisch ist, dass die Betroffenen diese Phänomene während akuter Phasen unbeirrbar für real halten.

Bislang ist die Pathophysiologie schizophrener Psychosen nur teilweise verstanden. Deswegen gibt es lediglich Therapien, welche die Symptome bessern. „Die  Stigmatisierung der Erkrankung ist weit verbreitet. Sie vergrößert das subjektive Leid der Betroffenen, stellt aber auch ein zusätzliches Hindernis für die Behandlung dar“, bedauert Dr. Robert Bittner von der Klinik fürPsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Frankfurt.

Bittner erforscht seit vielen Jahren, was im Gehirn von Menschen mit schizophrenen Psychosen falsch läuft. Inzwischen belegen eine Vielzahl von Studien mit bildgebenden Verfahren und an den Gehirnen Verstorbener, dass die Verbindungen von Nervenzellen im Gehirn und deren Kommunikation untereinander bei schizophrenen Psychosen grundlegend gestört sind. Bei schizophrenen Patienten werden offenbar zu viele Nervenverbindungen während der Jugend abgebaut, was auch zu kognitiven Störungen führt.

Typische Wahnsymptome wie Beziehungsideen, bei denen die Betroffenen vollkommen alltägliche und für sie eigentlich bedeutungslose Ereignisse auf sich beziehen, erklärt die Forschung inzwischen durch die übermäßige Ausschüttung von Dopamin. Sie führt dazu, dass äußere Reize in ihrer Bedeutung überbewertet werden. Beispielsweise haben schizophrene Patienten den Eindruck, fremde Leute, denen sie auf der Straße begegnen, sähen sie bedeutungsvoll an oder redeten untereinander über sie, als wüssten sie Dinge aus ihrem Privatleben. Ähnliches gilt auch für die Wahnwahrnehmung, bei der Betroffene meinen, es würden ihnen beispielsweise durch Schilder oder Plakate persönliche Botschaften übermittelt. Diese Überbewertung von bekannten oder irrelevanten Reizen kann man inzwischen gut medikamentös behandeln, indem man die übermäßige Wirkung von Dopamin blockiert.

Schließlich erklärt die Forschung Symptome wie Stimmenhören oder das Gefühl, „ferngesteuert“ zu werden, durch die Fehlregulation einer Gehirnfunktion, die es gesunden Menschen ermöglicht, zwischen inneren und äußeren Sinnesreizen zu unterscheiden. Wenn wir beispielsweise ein Geräusch selbst erzeugen, werden Gehirnareale, die akustische Signale verarbeiten, mithilfe sogenannter Efferenzkopien darüber informiert. Werden Efferenzkopien innerer Sprache fehlerhaft weitergeleitet, können wir nicht mehr unterscheiden, ob Stimmen von innen oder außen kommen.

Mit dem Erklärungsmodell der Informationsverarbeitungsstörung können Psychiater also die fremdartig oder bizarr anmutenden psychotischen Symptome der Schizophrenie zunehmend erklären. Das hilft nicht nur bei der Entwicklung neuer Therapien, sondern erleichtert es auch, den Betroffenen die Ursache ihrer Erkrankung zu erklären. „Schwererkrankte leugnen zwar den Krankheitswert ihrer psychotischen Symptome, sind sich in vielen Fällen aber ihrer kognitiven Defizite bewusst. Indem man ihnen diese Defizite neurobiologisch erklärt, kann man erfahrungsgemäß am besten ein Krankheitsverständnis aufbauen“, so Bittner.

Dies gelte auch für den Umgang mit den Angehörigen, bei denen in der Regel eine große Unsicherheit im Umgang mit den Erkrankten und ein großer Informationsbedarf herrschten. Indem die Angehörigen einbezogen und deren Ressourcen und Kompetenzen gestärkt werden, erhalten die Betroffenen wichtige Unterstützung, was längerfristig zu einem günstigeren Krankheitsverlauf führt. Bittner hofft, dass dieses Modell auch der Öffentlichkeit ein klareres Bild schizophrener Psychosen vermittelt und dadurch der Stigmatisierung der Erkrankung entgegenwirkt.

Informationen: Dr. Robert Bittner, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Frankfurt, Tel.: (069)-6301-84713, Robert.Bittner@kgu.de.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht die Ausgabe „Eigen und fremd“ unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Jan 5 2017
11:24

Vorlesungen der Schriftstellerin starten am 10. Januar an der Goethe-Universität

Ulrike Draesner übernimmt Frankfurter Poetikdozentur

FRANKFURT. Die Schriftstellerin Ulrike Draesner übernimmt die Stiftungsgastdozentur für Poetik an der Goethe-Universität im Wintersemester 2016/17. In den fünf Vorlesungen mit dem Titel „Grammatik der Gespenster“ wird Draesner über Grundlagen und Bedingungen ihres literarischen Schaffens sprechen. Die Frankfurter Poetikvorlesungen werden wieder begleitet von einer Ausstellung im „Fenster zur Stadt“, vom Literaturarchiv an der Goethe-Universität kuratiert. Zusätzlich liest Ulrike Draesner im Rahmen der „Poetik-Gespensternacht“ im Frankfurter Literaturhaus.

Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2016/17:
Ulrike Draesner - „Grammatik der Gespenster“.

Jeweils dienstags am 10., 17., 24. und 31. Januar sowie am 7. Februar.
Beginn: 18 Uhr c.t. Campus Westend, Audimax (Hörsaalzentrum HZ 1&2). Eintritt ist frei.
Begleitausstellung ab dem 11. Januar im „Fenster zur Stadt (Restaurant Margarete, Braubachstraße).
„Poetik-Gespensternacht“ mit Ulrike Draesner. 23. Januar, Frankfurter Literaturhaus.

Die heute in Berlin lebende Romanautorin, Lyrikerin, Essayistin und promovierte Literaturwissenschaftlerin Draesner veröffentlichte im Jahre 1995 ihr erstes Buch, den Gedichtband „gedächtnisschleifen“. Draesners Werk zeichnet eine große Vielseitigkeit aus: So gehören neben Essays, intermedialen Arbeiten und so genannten „Radikal-Übersetzungen“ auch Erzählbände und literarische Interpretationen dazu. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie unter anderem den Preis der Literaturhäuser (2002), den Droste-Preis der Stadt Meersburg (2006) und den Joachim-Ringelnatz-Preis (2014). 2016 wurde sie mit dem Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Im Interview mit dem UniReport hat Draesner das Konzept ihrer Frankfurter Poetikvorlesungen erläutert: Sie möchte „mit Hilfe unterschiedlichster literarischer Beispiele danach fragen, was wir durch Literatur erfahren oder wissen können.“ Ihre Vorlesungen stehen laut Draesner „im Zeichen einer Frage: Wie schreiben wir Leben? Was life writing heißt – in Novellen, im Roman, im Essay in Gedichten und in Übersetzungen – möchte ich gemeinsam mit dem Publikum erkunden.“

Draesner setzt die erfolgreiche Geschichte der Frankfurter Poetikvorlesungen fort: Diese beginnt 1959 mit Ingeborg Bachmanns „Fragen zeitgenössischer Dichtung“. Seitdem folgten die einflussreichsten Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dem Ruf an die Goethe-Universität. In den vergangenen Semestern konnten u.a. Clemens Meyer, Marcel Beyer und Katja Lange-Müller als Dozenten gewonnen werden.

Interview mit Ulrike Draesner im aktuellen UniReport: http://aktuelles.uni-frankfurt.de/veranstaltungen/ulrike-draesner-wird-neue-frankfurter-poetikdozentin 

Kontakt: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Geschäftsführung Frankfurter Poetikvorlesungen, Goethe-Universität; Esther Delp, M.A.; Tel. (069) 798-32855; delp@lingua.uni-frankfurt.de; www.poetikvorlesung.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 3 2017
12:30

Der Umgang mit Fremdwörtern sagt viel über nationale Befindlichkeiten – Beitrag in „Forschung Frankfurt“

Seismograph der Sprachgemeinschaft

FRANKFURT.Fremdwörter gehören zum Sprachwandel. Immer wieder hat es in der Sprachgeschichte Wellen fremdsprachiger Einflüsse gegeben, und immer wieder treten als Reaktion darauf die Fremdwortgegner auf den Plan. Ein Beitrag der Sprachwissenschaftlerin Dr. Anke Sauter in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ widmet sich dem Verhältnis der Deutschen zu ihren Fremdwörtern.

Auch Wörter wandern ein – so die Wahrnehmung mancher Fremdwortgegner. Wenn man schon zu Metaphern greift, müsste man jedoch eher sagen: Die Wörter werden importiert. Denn es ist die Sprachgemeinschaft, die aktiv und aus freien Stücken Bestandteile fremder Sprachen in die eigene Sprache übernimmt. Warum sie das tut, dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Ein Teil der Fremdwörter bleibt und wird zum wesentlichen Element des Sprachwandels.

Wein, Öl, Fenster – zusammen mit Kultur und Fertigkeiten, die sich aus dem römischen Reich in der damaligen Welt verbreiteten, kamen auch die Bezeichnungen in die europäischen Sprachen. Viele sind als Fremdwörter kaum noch zu erkennen, haben sich der sprachlichen Umgebung vollkommen angepasst. Aber auch losgelöst davon sind das Griechische und das Lateinische, das ja bis in die Neuzeit die Sprache der Wissenschaft geblieben ist, ein wichtiger Quell für Entlehnungen: Bis heute wird man dort fündig, wenn es darum geht, neue Sachverhalte und Dinge zu benennen, man denke etwa Wortbildungen mit neo- oder pseudo- oder inter-.

In der so genannten Alamode-Zeit des 17. Jahrhunderts wurden etliche Wörter aus dem Französischen entlehnt. Kein Wunder: Der Einfluss Frankreichs war in der Zeit des Absolutismus so groß, dass an europäischen Höfen bevorzugt Französisch gesprochen wurde. Da wollte auch das Bürgertum mithalten. Heute hat das Englische den größten Impact. Spätestens seit 1945 gilt es als progressiv, modern, cool. Es reicht schon, wenn Wörter nur scheinbar aus dem Englischen stammen, um von der Sprachgemeinschaft akzeptiert zu werden – gängiges Beispiel hierfür ist das Wort Handy, das in der Bedeutung „Mobiltelefon“ im Englischen nicht existiert.

In der Vergangenheit wurde immer wieder über die „Reinheit“ der Sprache reflektiert, kreative Köpfe bemühten sich um „Verdeutschungen“. Im 16. Jahrhundert trug Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung dazu bei, die deutsche Sprache zu einem tauglichen Instrument der Kommunikation zu machen, später dann ging es um die Etablierung einer einheitlichen Nationalsprache. Besonders im Vorfeld der Befreiungskriege spielte Patriotismus als Motivation eine wichtige Rolle – ebenso wie bei den Sprachreinigern, die sich während und nach dem Ersten Weltkrieg engagierten und eine Art Stellvertreterkrieg auf sprachlicher Ebene führten. Einer von ihnen war Eduard Engel, der bis heute zu Unrecht vielen nur als schriller Fremdwortgegner bekannt ist. Seit 1945 hält sich die Sprachwissenschaft zurück, dafür formiert sich auf anderer Ebene wieder Fremdwortkritik. Im Fadenkreuz diesmal: vor allem die Anglizismen.

Informationen: Dr. Anke Sauter, Wissenschaftsredakteurin, Abteilung PR und Kommunikation, Tel. 069 798-12477, sauter@pvw.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

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