​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Januar 2014

Veranstaltungen

Jan 9 2014
15:39

Bildung als Ware. Die Frankfurter Bürger-Universität diskutiert die ökonomische Dimension von Wissen.

Exklusiv und effizient?

FRANKFURT. „Exklusiv und effizient? Bildung als Ware“, so der Titel der nächsten Veranstaltung im Rahmen der Frankfurter Bürger-Universität zum Thema Bildungsgerechtigkeit . Zur Debatte stehen dabei Fragen wie: Viel Geld, viel Wissen? Kann man Intelligenz tatsächlich kaufen? Wie funktioniert das Geschäft mit der Bildung? Die Bildungsökonomin Kerstin Schneider wird in ihrem Impulsvortrag die ökonomische Dimension von Bildung charakterisieren.

Das Spannungsfeld zwischen modernen Lernformen und dem Verlust traditioneller Wissensvermittlung betrifft Lehrende und Lernende gleichermaßen. Gleichzeitig bieten Online-Angebote schnellen Zugang zu mehr Wissen, ohne Abitur und teure Studiengebühren. Claudia Bremer, Leiterin der zentralen elearning-Stelle studiumdigitale an der Goethe-Universität, wird in der Diskussion die Potenziale digitaler Medien erörtern.

Wer es sich leisten kann, schickt den Nachwuchs direkt auf eine Privatschule. Wird hier tatsächlich eine goldene Zukunft verkauft? Die Elternsprecherin Eva Segner und Andreas Koini, Leiter der Strothoff International School Dreieich, werden vom Schulalltag und sozialer Kompetenz der Eliteschüler berichten.

Der renommierte Frankfurter Soziologe Sighard Neckel hingegen erkennt im aktuellen Kampf um gute Bildung feudale Strukturen wieder und warnt vor den gesellschaftlichen Folgen.

„Exklusiv und effizient? Bildung als Ware“, mit:
Claudia Bremer, Leiterin studiumdigitale Goethe-Universität, Andreas Koini, Leiter der Strothoff International School Dreieich mit Eva Segner, Elternsprecherin, Prof. Sighard Neckel, Soziologe an der Goethe-Universität, Prof. Kerstin Schneider, Bildungsökonomin, Bergische Universität Wuppertal

und den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern

Moderation: Marc Dugge von hr-iNFO
am: Montag, 13. Januar 2014, um 19.30 Uhr
Ort: Campus Westend, Casino Festsaal, Raum 823, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Bildung ohne Gerechtigkeit? Perspektiven einer unerschöpflichen Debatte“, so der Titel der Diskussionsreihe in diesem Wintersemester, die zusammen mit der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL) entwickelt wurde. Unterstützt von hr-iNFO, dem Informationsradio des Hessischen Rundfunks, bildet die Reihe zugleich die Brücke ins Jubiläumsjahr der Goethe-Universität 2014. In der Tradition einer von Frankfurter Bürgern geschaffenen Hochschule beschäftigt sich die Goethe-Universität mit einer der wichtigsten gesellschaftspolitischen Diskussionen unserer Zeit. In der Frankfurter „Bürger-Uni“ diskutieren Wissenschaftler, Experten und Frankfurter Bürger einzelne Aspekte der Auseinandersetzung um gute und schlechte Bildung.

Abschlussveranstaltung: 27. Januar 2014
Abgehoben und überakademisiert? Wie viel Bildung verträgt der Mensch? U.a. mit Götz Rehn, Gründer von Alnatura, Prof. Manfred Prenzel, Pisa-Studien-Experte, Dirk Roßmann, Gründer von Rossmann und Dr. Heiner Schnelling, Leiter der Universitätsbibliothek. Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Wichtige Hinweise: Veranstaltungsort ist immer der Campus Westend, Casino Festsaal, Raum 823, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main. Alle Veranstaltungen können per Livestream mitverfolgt werden und sind anschließend auch über unser Archiv abrufbar:  www.buerger.uni-frankfurt.de  

Veranstaltungen

Jan 9 2014
14:21

Trägerin des Deutschen Buchpreises 2013 startet am 14. Januar mit der Vorlesungsreihe „Nicht sterben“. Begleitausstellung im „Fenster zur Stadt“.

Frankfurter Poetikvorlesungen mit Terézia Mora

FRANKFURT. Auftakt der renommierten Frankfurter Poetikvorlesungen im Wintersemester 2013/14: Terézia Mora spricht am 14. Januar erstmals als neue Gastdozentin für Poetik an der Goethe-Universität. Unter dem Titel „Nicht sterben“ wird Mora in insgesamt fünf Vorlesungen ihre Überlegungen zu den Bedingungen und Grundlagen ihres literarischen Schaffens vorstellen. Zum Begleitprogramm der Poetikvorlesungen gehören erneut eine Ausstellung im „Fenster zur Stadt“ sowie eine Abschlusslesung im Frankfurter Literaturhaus.

Die Trägerin des Deutschen Buchpreises 2013 zählt zu den herausragenden Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und hat zahlreiche Prosaarbeiten vorgelegt. Auch als Drehbuch-, Theater- und Hörspielautorin hat sich Mora einen Namen gemacht. Die 1971 im ungarischen Sopron geborene Autorin hat zudem wichtige Werke der ungarischen Literatur übersetzt. Mora gilt als Autorin, die in ihren Werken mit radikalen Gegenwartsdiagnosen aufwartet. Bereits 1999 sorgte sie mit ihrem literarischem Debüt, dem Erzählungsband „Seltsame Materie“, für Furore. Auch die nachfolgenden Romane „Alle Tage“ und „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ wurden von der literarischen Öffentlichkeit mit großer Resonanz bedacht.

Mora erhielt für ihr Werk zahlreiche Preise, unter anderem den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Adelbert-von-Chamisso-Preis, den Preis der Leipziger Buchmesse und das Villa-Massimo-Stipendium. Für ihren im vergangenen September erschienenen Roman „Das Ungeheuer“ wurde Mora mit dem Deutschen Buchpreis 2013 ausgezeichnet.

In den vergangenen Semestern stellten so unterschiedliche Autorenpersönlichkeiten wie Thomas Meinecke, Alexander Kluge, Michael Lentz oder Juli Zeh in Frankfurt ihre Poetik vor. Im Sommersemester 2014 wird Daniel Kehlmann die Stiftungsgastdozentur übernehmen.

Terezia Mora: Nicht sterben. Stiftungsgastdozentur für Poetik.
14./21./28. Januar; 4. und 11. Februar, Campus Westend, Hörsaal HZ2. Beginn jeweils 18 Uhr, Eintritt ist frei.

Abschlusslesung am 12. Februar, 19.30 Uhr, im Literaturhaus Frankfurt.
Begleitausstellung im „Fenster zur Stadt“, Braubachstr. 18-22 (ab dem 15. Januar)

Weitere Informationen: Prof. Dr. Susanne Komfort-Hein, Institut für Deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-32857. komfort-hein@lingua.uni-frankfurt.de

Forschung

Jan 8 2014
12:45

Der Historiker Johannes Fried zu räumlicher und geistiger Beweglichkeit am Hofe Karls des Großen – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Mobilität im Mittelalter: Gelehrte auf Wanderschaft

FRANKFURT. Nicht unser Jahrhundert, sondern das Mittelalter verdient das Prädikat „mobil“: Wanderschaft war ein Grundzug des Mittelalters: Könige, Kaufleute, Bettler und Ganoven, die Wanderarbeiter der Bauhütten, die Söldner der großen Armeen, in ihrem Gefolge die Dirnen, dann die Studenten und nicht wenige Professoren: Sie alle hatten lange Jahre der Wanderschaft und der Fremde zu überstehen, bevor sie sich – wenn überhaupt – irgendwo dauerhaft niederlassen konnten. Der renommierte Frankfurter Historiker Prof. Dr. Johannes Fried, nimmt in seinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ besonders das Reiseverhalten der Gelehrten unter die Lupe.

Den Hof Karls des Großen bezeichnet Fried, dessen umfassende und viel beachtete Biographie Karls des Großen im September 2013 im Beck Verlag erschienen ist, als „geradezu archetypisch für die Wissenschaftsförderung des kommenden Jahrtausends“: „Immer mehr Gelehrte strömten an des Königs Hof. Karls weithin bekannte Wissbegier, sein Reformeifer und nicht zuletzt die Karrierechancen, die der Königsdienst verhieß, lockten sie an. Aus aller Herren Länder kamen sie. Die Gelehrtenversammlung dort war neu- und einzigartig.“

Von Karl gerufen und belohnt, versammelte sich im 8. Jahrhundert eine internationale Gelehrtengemeinschaft aus Langobarden, Angelsachsen, Iren und Westgoten am Hof in Aachen. „Sie war sonst nirgends anzutreffen, an keinem Fürstenhof, auch nicht in Rom, Konstantinopel oder Córdoba“, so der Frankfurter Mediävist. Er stieß aber auch darauf, dass Spannungen und Feindseligkeiten nicht ausblieben: „Die Fremden, angewiesen auf die Gnade des Königs, beargwöhnten einander, neideten einander den Erfolg, befehdeten sich mit Worten und Versen und sorgten aber gerade mit ihrer Konkurrenz für eine intellektuelle Lebendigkeit und geistige Frische wie seit Jahrhunderten nicht mehr im lateinischen Westen – belebende Auswüchse der agonalen Gesellschaft und ihrer Mobilität.“

Am Hofe Karls begannen die Gelehrten wieder zu entdecken, was zuvor mehr oder weniger untergegangen war: was die Antike und Spätantike an intellektueller Kultur und an Wissenschaft zu bieten hatte. Dazu Fried: „Das Griechisch des Aristoteles verstand im Westen ohnehin niemand. Angewiesen war man auf die wenigen Übersetzungen des Boethius, die freilich nur selten in Handschriften zu greifen waren. Erst durch den Impuls vom Hof Karls des Großen verbreiteten sie sich und konnten allgemein in die Schulen einziehen.“

Zu den herausragenden Gelehrten zählten der Angelsachse Alkuin, der aus York kam und für Karl eine Rhetorik und Dialektik aristotelischen Zuschnitts verfasste. Sein Konkurrent war Theodulf, er verfasste eine auf die aristotelische Kategorienlehre und Dialektik gestützte Widerlegung des griechischen Bilderkults. Der Westgote war in einer der arabischen Kultur nicht fernen Umwelt aufgewachsen und offerierte sein Wissen dem Frankenkönig.

Auch in den folgenden Jahrhunderten verbreitet sich Wissen nicht zuletzt durch die reisenden Gelehrten. Die Motive waren unterschiedlich, im 10./11. Jahrhundert folgten die Gelehrten den Büchern, wenn sie erfuhren, dass irgendwo verschollene Texte aufgetaucht waren.

Spätestens im 12. Jahrhundert setzte sich durch, dass wer studieren wolle, auch in die Fremde gehen müsse: „Professoren wurden abgeworben, Studenten, in Genossenschaften organisiert, wurden zur ‚Auswanderung‘ bewogen, um sie andernorts mit höheren Einnahmen und günstigeren Studienbedingungen anzulocken. Man versprach sich Gewinn für die Stadt. Die Hohen Schulen konzentrierten sich europaweit das gesamte Mittelalter über an wenigen Orten: Bologna, Padua, Neapel, Paris, Montpellier, Salamanca und in wenigen anderen Städten, spät erst Krakau, Prag, Wien oder Heidelberg“, erläutert der Frankfurter Historiker.

Informationen: Prof. Dr. Johannes Fried, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel. (069) 798- 32426, Fried@em.uni-frankfurt.de

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt im Web: http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe

Veranstaltungen

Jan 7 2014
15:06

Abschlussdiskussion an der Frankfurter Börse in Verbindung mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ am 15. Januar 2014

Philosophie-Reihe an der Börse zieht Bilanz

FRANKFURT. Das Podium wird prominent besetzt sein bei der Diskussion zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „Anstand, Fairness, Gerechtigkeit – Ethische Orientierung am Finanzplatz der Zukunft“. Die Gesprächsrunde findet am 15. Januar 2014 um 18.30 Uhr im Plenarsaal der Alten Börse statt (Börsenplatz 4, 60313 Frankfurt). Ihre Teilnahme zugesagt haben: Dr. Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Finja Carolin Kütz, Deutschland-Chefin der auf Banken spezialisierten Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, Prof. Ferdinand Kirchhof, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, und Prof. Rainer Forst, politischer Philosoph und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Die Moderation übernimmt Prof. Marcus Willaschek, Philosoph an der Goethe-Universität und Mitglied des Clusters.

In den Händen von Marcus Willaschek liegen auch die Konzeption und fachliche Leitung der Gesamtreihe, die die Deutsche Börse AG in Verbindung mit dem Frankfurter Exzellenzcluster veranstaltet. Ziel der Reihe ist es, durch einen Dialog zwischen Philosophie und Finanzwelt zu einem Reflexionsprozess über Werte in der Finanzwelt beizutragen. Frankfurt steht als der bedeutendste Finanzplatz Kontinentaleuropas in der Weltöffentlichkeit. Die Finanzmetropole mit der international angesehenen Goethe-Universität hat zudem eine strahlkräftige Tradition des philosophischen Diskurses, mit einem Schwerpunkt auf Sozialphilosophie. Der Dialog zwischen den beiden Welten ist durch die vielbeachteten öffentlichen Vorträge der Philosophen Prof. Otfried Höffe (Universität Tübingen), Prof. Axel Honneth (Universität Frankfurt) und Prof. Thomas Pogge (Yale University) erneut aufgenommen worden.

Die Vorträge fanden im Rahmen einer Vortrags- und Diskussionsreihe statt, die nun in ihrem vierten und letzten Teil mit der Podiumsdiskussion ihren Höhepunkt erreicht. Man darf auf eine angeregte und anregende Diskussion gespannt sein, in der es auch um die folgenden Fragen geht: An welchen ethischen Regeln kann sich die Finanzwirtschaft der Zukunft orientieren? Und an welchen muss sie sich orientieren, damit sie ihre „dienende Rolle“ (Dr. Wolfgang Schäuble) für Wirtschaft und Gesellschaft erfüllen kann? Welche Maßnahmen sind erforderlich, um das verlorengegangene Vertrauen der Politik und der Bevölkerung in die Finanzwirtschaft wiederherzustellen? Reichen dabei rechtliche Maßnahmen aus, oder ist ein fundamentales Umdenken bei den Akteuren im Finanzmarkt nötig?

Anmeldung: Eine Teilnahme ist nur mit einer Einladungsbestätigung möglich. Einlass ab 17.30 Uhr. Anmeldungen werden erbeten unter: ethischeorientierung@deutsche-boerse.com

Informationen: Prof. Marcus Willaschek, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ / Institut für Philosophie, Campus Westend, Tel: (069) 798-32761, Marcus.Willaschek@normativeorders.net, www.normativeorders.net; Deutsche Börse AG, Section Events, Tel: (069) 211-12222, www.deutsche-boerse.com

Forschung

Jan 7 2014
11:05

Pedelecs machen Spaß und ein gutes Gewissen

E-Bikes: eine kleine Revolution in der Elektromobiliät

FRANKFURT. Während bei elektromobilen Autos ein Durchbruch (noch) nicht in Sicht ist, erfreut sich das E-Bike zunehmender Beliebtheit. Es erlaubt Bewegung mit dosierter Anstrengung und schont die Umwelt. Der Nutzer hat ein doppelt gutes Gewissen. Was Menschen noch dazu antreibt, Pedelecs in ihren Alltag zu integrieren, untersucht die sozialwissenschaftliche Begleitforschung.

„Elektroautos empfinden viele potenzielle Nutzer als technisch unausgereift und nicht alltagstauglich“, weiß Steffi Schubert von der urbane konzepte GmbH in Offenbach. Gemeinsam mit Thomas Prill, Doktorand am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität, untersuchte sie, inwieweit Pedelecs oder E-Bikes einen Beitrag zu einem nachhaltigeren Mobilitätssystem leisten können. Über die Ergebnisse eines Teilprojekts, das im Rahmen der Modellregion Elektromobilität RheinMain gefördert wurde, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“.

Pedelecs unterstützen die Tretkraft der Nutzenden bis zu einer Geschwindigkeit von 25 oder 45 Kilometer pro Stunde elektrisch. Ihre Verkaufszahl nimmt seit 2007 kontinuierlich zu und lag in Deutschland 2012 laut Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands bei zirka 400.000 Stück. Mittlerweile sollen mehr als eine Million dieser Zweiräder auf deutschen Straßen unterwegs sein. „Angesichts dieses Erfolges stellt sich die Frage, ob Pedelecs nicht weit mehr sein können, als ein getuntes Fahrrad“, erläutert Thomas Prill den Forschungsansatz.

In leitfadengestützten Interviews, Gruppengesprächen mit Nutzenden und Experteninterviews haben die Forscher Daten zur Akzeptanz, Nutzung und Wirkung von elektromobilen Angeboten erhoben und analysiert. Der Fokus lag dabei auf der Marktvorbereitung, -einführung und -verbreitung von Pedelecs sowohl für den Privatbesitz als auch für die Integration in Flottenkonzepte.

„Die Gespräche mit den Nutzerinnen und Nutzern zeigen, dass Pedelecs auf breite Akzeptanz stoßen, und dass vor allem die erste Fahrt mit einem E-Bike für viele ein Schlüsselerlebnis mit Wow-Effekt ist, das Begeisterung auslöst“, berichtet Steffi Schubert. Die Pedelecs werden vor allem bei Arbeitswegen und Dienstfahrten geschätzt, weil sie gegenüber dem ÖPNV oder Fahrgemeinschaften eine selbstbestimmtere Mobilität ermöglichen. Die Ankunft beim Kunden oder Geschäftspartner mit einem Pedelec eröffnet oftmals einen guten Gesprächseinstieg. Umwelt-, Nachhaltigkeits- oder Imageaspekte haben bei den meisten Befragten eine eher implizite Bedeutung; sie sind positive Nebeneffekte.

Ein hoher Mehrwert wird von vielen Nutzenden im privaten Bereich darin gesehen, Leistungsdefizite zum Partner auszugleichen. Insbesondere für einige Frauen ist dieser Aspekt sehr bedeutend. Und bei gemeinschaftlichen Freizeitfahrten mit nur einem Pedelec freuen sich alle, weil derjenige mit Tretkraftunterstützung den Kinderanhänger oder das Grillequipment angehängt bekommt.

„Insgesamt hat sich gezeigt, dass Pedelecs bei denjenigen, die die Möglichkeit hatten, diese ausgiebig testen zu können, meist auf großen Zuspruch stoßen“, fasst Prill die Ergebnisse der Studie zusammen. Arbeitgeber erwiesen sich dabei als gute Multiplikatoren. Unternehmen und Organisationen, die Pedelecs im Rahmen der Modellregion Elektromobilität als neue Option im Fuhrparkmanagement aufnahmen, berichteten über zahlreiche positive Effekte auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene.

„Um weitere Zielgruppen erreichen zu können, sind öffentlich zugängliche Angebote und andere Betreiberkonzepte interessant, wie beispielsweise Leih- und Testmöglichkeiten über Wohnungsgesellschaften, Energieversorger oder Verkehrsunternehmen“, empfiehlt Steffi Schubert. Auch diese Möglichkeiten werden derzeit in Modellprojekten getestet.

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Informationen: Thomas Prill, Institut für Humangeographie, Campus Westend, Prill@em.uni-frankfurt.de, Steffi Schubert, urbane konzepte GmbH, Tel.: 0152-29585214; schubert@urbane-konzepte.de.

Forschung Frankfurt im Web: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/

Forschung

Jan 6 2014
14:40

Die Politikwissenschaftlerin Sigrid Roßteutscher zu den Ursachen der veränderten Wahlverhaltens – Beitrag in der neuen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“

Der Wähler von heute: unberechenbar und mobil

FRANKFURT.Wähler gelten heute als unberechenbar und launisch, aber auch als empfänglich gegenüber Lockrufen populistischer Alternativen. Die Wähler von heute sind Wechselwähler und entscheiden häufig erst an der Wahlurne, wem sie die Stimme geben. Die Mobilität der Wähler gehört zum politischen System der heutigen Bundesrepublik und ist das Ergebnis massiver Veränderungen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten abgespielt haben. Details beschreibt die Frankfurter Politikwissenschaftlerin, Prof. Sigrid Roßteutscher, in ihrem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Forschung Frankfurt mit dem Schwerpunktthema „Mobilität“.

In ihrer Diagnose des gesellschaftlichen Wandlungsprozesses spielen auch die massiven Veränderungen in der Medien- und Informationslandschaft eine entscheidende Rolle: Im Zuge der Liberalisierung des Medienmarkts ab 1990 nahm die Zahl der frei empfänglichen privaten Rund- und Fernsehkanäle explosionsartig zu, es folgte der Siegeszug des Internet sowie die Verbreitung der „social media“, was das potenzielle Angebot an Informationen drastisch ansteigen ließ. Dazu die Politikwissenschaftlerin er Goethe-Universität: „Die politischen Signale, die Bürger aus den Medien empfangen, sind somit weniger homogen und damit potenziell auch schwieriger einzuordnen und zu bewerten, als dies für lange Zeit der Fall war. Außerdem können Bürger, die sich nicht für Politik interessieren, intensiv andere Angebote in den vielfältigen Medien nutzen und Politik ausblenden.“

Für die Volksparteien sind die guten Jahre seit den 1990er vorbei: So sind beispielsweise immer weniger Arbeitnehmer gewerkschaftlich orientiert, weil viele klassische Arbeiterberufe verschwunden sind; damit schrumpft auch die Kernklientel der SPD. Ähnlich geht es der CDU/CSU, dort macht sich der Rückgang der aktiven Kirchgänger bemerkbar. „Diese sozialstrukturelle Veränderungen tragen zur Erosion traditioneller politischer Milieus bei, die über lange Zeit das Rückgrat der etablierten Parteien bildeten“, analysiert Roßteutscher.

Mit der schwindenden Bindungskraft der großen Parteien nimmt die Zahl neuer kleinerer Parteien zu, die sich nahe der Fünf-Prozent-Hürde bewegen – Ergebnis: die Fragmentierung des Parteiensystems. Im Zuge der deutschen Vereinigung etablierte sich über die SED, PDS dann schließlich „Die Linke“. Da die neue linke Partei ihre Klientel verstärkt im Osten hat, trug dies nachhaltig zur Regionalisierung des Parteiensystems. Die allmähliche Etablierung der Grünen und dann der Linkspartei führte zu einem graduellen Zuwachs der kleinen Parteien auf Kosten der Großparteien – zumindest bis zur Bundestagswahl im September. „Ob der erstaunliche Zuwachs der ‚Großen‘ bei der Bundestagswahl 2013 eine Trendumkehr signalisiert oder eher einmaliger Ausreißer ist, bleibt abzuwarten“, so die Wahlforscherin. Roßteutscher gehört zu den führenden bundesdeutschen Wissenschaftlern, die in der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten „Deutschen Nationalen Wahlstudie kooperieren.

In der „German Longitudinal Election Study“ (GLES), dem bislang umfassendsten und ehrgeizigsten Projekt der deutschen Wahlforschung, werden als Datenbasis Querschnitts- und sowohl kurz- als auch langfristige Längsschnittumfragen eingesetzt und mit einem Kandidatensurvey, einer Analyse von TV-Duellen sowie Inhaltsanalysen der Medienberichterstattung kombiniert. Mit Blick auf die Bundestagswahlen 2009, 2013 und 2017 untersucht die GLES, wie die mobilere Wählerschaft auf die Herausforderungen der neuen, sehr komplexen Konstellation elektoraler Politik reagiert. Bisher liegen intensive Untersuchungen zur Bundestagswahl 2009 vor, die Daten zu 2013 werden für die Analyse aufbereitet, eine erste gemeinsame Veröffentlichung zu den Besonderheiten dieser Wahl erscheint im Sommer 2014. Die Langfristperspektive wird dann vor allem nach der Bundestagswahl 2017, wenn Daten für drei aufeinanderfolgende Wahlen vorliegen, im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Analyse stehen.Drei von insgesamt neun Studienkomponenten der GLES werden unter Leitung von Roßteutscher an der Goethe-Universität realisiert. Zu den Kooperationspartnern gehören die Universität Frankfurt und Mannheim (Prof. Hans Rattinger, Prof. Rüdiger Schmitt-Beck) sowie das Wissenschaftszentrum Berlin (Prof. Bernhard Weßels) und das GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften (Prof. Christof Wolf).

Festgesellt haben die Politikwissenschaftler und Soziologen auch, das mehr Parteien im Angebot nicht zu einer höheren Wahlbeteiligung führen. Gingen in den 1980er Jahren noch Bürger aller Schichten zur Wahl, sind es heute insbesondere die Wähler mit niedrigem Bildungsstatus, die zur stetig wachsenden Gruppe der Nichtwähler gehören. Dazu die Frankfurter Wissenschaftlerin: „Da die soziale Schere bei Jungwählern bis 29 Jahren noch sehr viel deutlicher zu erkennen ist als bei älteren Wählern, spricht viel dafür, dass diese Ungleichheit ein bleibendes Merkmal des politischen Systems Deutschlands wird.“ Die weiteren Untersuchungen der Wahlstudie werden auch darüber detaillierte Auskunft geben können.

Informationen: Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798- 36628, Rossteutscher@soz.uni-frankfurt.de

Ein Probeheft von Forschung Frankfurt kann kostenlos bei Helga Ott bestellt werden unter Ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Forschung Frankfurt im Web:  www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/34831594/aktuelle_Ausgabe