​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Dezember 2017

 

Dez 22 2017
15:53

Zwei Stiftungen trugen zu erfolgreichen Bleibeverhandlungen bei

Krebsforscher Ivan Dikic bleibt in Frankfurt

FRANKFURT. Der vielfach ausgezeichnete Krebsforscher und Leibniz-Preisträger Prof. Ivan Dikic bleibt der Goethe-Universität erhalten. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt in Silicon Valley hatte der international renommierte Forscher gleich zwei attraktive Angebote aus dem Ausland. Mit Hilfe der Else-Kröner-Fresenius- und der Schwiete-Stiftung kann die Goethe-Universität jedoch Bedingungen schaffen, die den Standort Frankfurt für Dikic auch in Zukunft zur ersten Wahl machen.

„Ich habe an der Goethe-Universität viel Freiheit und Kreativität für meine Forschung. Und in den vergangenen Jahren konnte ich hier eine fantastische, international anerkannte Forschergruppe aufbauen“, sagt Dikic. Zudem unterstütze Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff mit großem Engagement Investitionen in die Frankfurter Krebsforschung.

„Die Bleibeverhandlungen mit Ivan Dikic sind Teil unseres Plans, Frankfurt weiter zu einem international sichtbaren Standort für die Krebsforschung auszubauen“, erklärt Birgitta Wolff. „Dank der Förderung durch die Else-Kröner-Fresenius- und die Schwiete-Stiftung können wir weiter in modernste Technologie investieren.“ Diese Investitionen dienen dem Auf- und Ausbau von Screening-Verfahren für chemische und biologische Strukturen, des Maschinenparks zur Proteomanalyse sowie der CRISPR/Cas-Methode zur Gen-Editierung. Schon jetzt hat Dikic angekündigt, dass diese experimentellen Möglichkeiten nach ihrer Anschaffung auch für größere Forschernetzwerke zur Verfügung stehen sollen. Der Ausbau der Screening-Technologien wird auch den von Prof. Stefan Knapp geleiteten Standort Frankfurt im „Structural Genomics Consortium (SGC)“ verstärken.

Auch die Pläne zur Gründung eines interdisziplinären Krebsforschungsinstitutes, des „Frankfurt Cancer Institutes“, haben dazu beigetragen, Prof. Dikic in Frankfurt zu halten. Begleitet werden diese Pläne durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Gemeinsam mit zwei weiteren hochrangigen Frankfurter Krebsforschern wird Dikic die Gründung weiter vorantreiben: Prof. Hubert Serve, Direktor der Medizinischen Klinik 2 am Universitätsklinikum und Prof. Florian Greten, Direktor des Georg-Speyer Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie. Geplant ist eine noch engere Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung.

Information: Prof. Dr. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Fachbereich 16, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5964, ivan.dikic@biochem2.de.

 

Dez 22 2017
15:51

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Frankfurter Langfrist-Vorhaben mit weiteren 1,5 Millionen Euro

Projekt zur Nok-Kultur geht in die Endrunde

FRANKFURT. Die Erforschung der Nok-Kultur an der Goethe-Universität kann weitergehen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat jetzt den Förderantrag des Afrika-Archäologen Prof. Peter Breunig und der Archäobotanikerin Prof. Katharina Neumann angenommen. Nun stehen nochmal rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um das Projekt, das die 2500 Jahre alte Kultur im westafrikanischen Nigeria untersucht, bis 2020 abzuschließen.

Seit 2009 erforscht das auf insgesamt zwölf Jahre konzipierte Langfrist-Vorhaben die nigerianische Nok-Kultur in ihren wesentlichen Aspekten. Vor Ort arbeiten die Frankfurter Wissenschaftler mit nigerianischen Kollegen zusammen – und haben auch zahlreiche einheimische Helfer beschäftigt. Zwischenzeitlich war das DFG-Projekt der größte Arbeitgeber in der Umgebung. Prospektionen, Ausgrabungen und umfangreiche Datenanalysen liefern bedeutende Beiträge zu Chronologie, Siedlungswesen, Wirtschaftsweise und Umwelt, Eisenmetallurgie, materieller Kultur und Verbreitungsgebiet.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man als Archäologe mit einer so breiten Förderung über Jahre hinweg mit einem großen Team so umfangreiche Forschungen betreiben kann“, freut sich Peter Breunig über die vorweihnachtliche frohe Botschaft, dass das Projekt bis zum Abschluss finanziert wird. Und auch inhaltlich ist das Nok-Projekt herausragend: Es dürfte weltweit kaum ein anderes Vorhaben geben, das angetreten ist, um eine komplette archäologische Kultur zu erforschen.

Die etwa 1500 Jahre umfassende Nok-Kultur, die nach dem kleinen Dorf Nok nordöstlich der Hauptstadt Abuja benannt ist, beginnt um 1500 vor Christus – auch das eine Erkenntnis aus dem Projekt. Damals lebten die Menschen in einfachen bäuerlichen Gemeinschaften, deren wichtigste Kulturpflanze die Perlhirse war. Die kunstvollen Terrakottafiguren, für die die Nok-Kultur auch außerhalb der archäologischen Fachwelt bekannt ist, treten 600 Jahre später, nämlich um 900 vor Christus, auf. Viele von ihnen waren schon vor Beginn der Frankfurter Arbeiten durch Raubgrabungen ans Licht gekommen, begehrte Objekte auf dem internationalen Kunstmarkt. „Die aus gebranntem Ton hergestellten Plastiken verkörpern die älteste großformatige Figuralkunst im subsaharischen Afrika“, erklärt der Forscher.

Wozu dienten diese Terrakotten, die teils Menschen, teils Tiere darstellen? Zu welchem Zweck wurden sie vor 2500 Jahren hergestellt? Das war eine der zentralen Fragen in den vergangenen neun Jahren. Die Forscher vermuteten, dass die Figuren eine Rolle im Bestattungsritus spielten. Und tatsächlich ließen sich im Umkreis der Terrakotten an einigen Fundstellen auch Gräber nachweisen, in Ifana rund 20 Stück. „Heute noch gibt es in Westafrika den Brauch, von verstorbenen Würdenträgern ein Abbild in Ton zu fertigen und es auf das Grab zu stellen. Wenn die Figuren verwittern, werden sie gesammelt beigesetzt“, sagt Prof. Breunig. Möglicherweise war es damals schon genauso.

Darüber hinaus konnten die Frankfurter Forscher viele andere wichtige Erkenntnisse gewinnen: „Wir wissen, wie die Menschen gesiedelt haben, wie ihre Keramik aussah, dass es Wanderhandwerker waren, die die Terrakotten gefertigt haben“, so Breunig. Und aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Archäobotanikerin Prof. Katharina Neumann weiß man zudem, was die Menschen gegessen haben und wie sich die Landschaft um sie herum im Lauf der Zeit verändert hat. Um 400 v. Chr. beginnt der Niedergang der Nok-Kultur, bis spätestens zur Zeitenwende verschwinden Terrakotten und Nok-Keramik.

Seit Breunig und sein Mitarbeiter im Februar 2017 entführt worden waren, war das Team nur einmal in Afrika, hielt sich allerdings nur in der Hauptstadt auf. „Die Feldforschung ist aber ohnehin abgeschlossen. Wir haben die nächsten drei Jahre genug zu tun“, erklärt Breunig. Der Fokus liege jetzt auf den abschließenden Untersuchungen und Publikationen zum Siedlungswesen, der Struktur und Chronologie der Fundstellen und der materiellen Kultur, sowie der Auswertung, Ordnung, langfristigen Sicherung und Zurverfügungstellung der Daten. Angesichts der umfangreichen Ausgrabungen, der Menge an gewonnenen Daten, der angewandten modernen Methoden, der zahlreichen C14-Datierungen und der Breite an behandelten Themen zählt die Nok-Kultur dank des Projekts zu den am besten untersuchten archäologischen Komplexen in Westafrika.

Die Archäobotanik unter Leitung von Prof. Neumann spielt dabei eine herausragende Rolle, ihr Ziel ist es, ein Modell für die Vegetationsentwicklung in der Nok-Region vom Beginn der Nok- Kultur um 1500 v. Chr. bis zu den ersten Jahrhunderten n. Chr. in Zusammenhang mit Ressourcen- und Landnutzung zu erarbeiten. Mit Hilfe pflanzlicher Makroreste und mit Analysen chemischer Rückstände in Keramik wird untersucht, wie sich die frühe Nok-Bevölkerung an einen neuen Lebensraum angepasst hat, wie Übernutzung in der Middle Nok-Zeit (900 bis 400 vor Christus) zu einer Verschlechterung des Bodens geführt hat und welche Rolle dies beim Ende der Nok-Kultur nach 400 vor Christus gespielt haben könnte.

Erste Untersuchungen zu dem Projekt hatten seit 2005 bereits im Rahmen der DFG-Forschergruppe „Ökologischer Wandel und kulturelle Umbrüche in West- und Zentralafrika“ stattgefunden. Kurz nach der Weltkonferenz der Afrika-Archäologie an der Goethe-Universität, die von Namadi Sambo, dem späteren Vizepräsidenten Nigerias, eröffnet wurde, ging das Langfrist-Projekt dann in die erste Runde. Einer der Höhepunkte war sicherlich die vielbeachtete Skulpturenausstellung „Nok – ein Ursprung afrikanischer Skulptur“ 2013/14 im Frankfurter Liebieghaus, die ebenfalls von der DFG finanziert wurde. Die Exponate werden seit diesem Jahr unter dem Titel „NOK Within the Context of Nigerian Art Traditions“ im Kaduna National Museum gezeigt. Auch alle Materialien, die zu Forschungszwecken nach Frankfurt kamen, werden an Nigeria zurückgegeben. 

Im letzten Projektabschnitt ist nun unter anderem ein Workshop geplant, der die Nok-Keramik in größerem westafrikanischen Zusammenhang stellen soll. Anhand von Vergleichen mit Keramik aus anderen Gegenden in Westafrika will man weitere Antworten finden auf die Frage, woher die Menschen gekommen sind und wie sie lebten.  

Bilder und Bildtexte zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69764206

Informationen: Prof. Dr. Peter Breunig, Institut für Archäologische Wissenschaften, Bereich Archäologie und Archäobotanik Afrikas, Campus Westend, Telefon 069 798-32094, E-Mail breunig@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 22 2017
15:50

Hydrologin Prof. Döll will globalem Süßwasser-System auf den Grund gehen / Juristen und Ökonomen untersuchen Einfluss von Rahmenbedingungen auf Finanzmarkt

DFG fördert zwei neue Forschergruppen an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Die Initiatoren zweier Projekte an der Goethe-Universität dürfen sich freuen: Mit neuen Forschergruppen kommen sie in den Genuss der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) von insgesamt sechs Millionen Euro. Die Hydrologin Prof. Petra Döll wird sich mit ihrer Forschergruppe nun verstärkt um das globale Süßwassersystem kümmern können, Jurist Prof. Tobias Tröger und Ökonom Prof. Rainer Haselmann gehen mit anderen den Einflüssen nach, die regelnde Rahmenbedingungen auf Entscheidungen im Finanzsektor haben.

„Die beiden neuen DFG-Forschergruppen zeigen, wie die Goethe-Universität in ihrer Forschung gesellschaftlich relevante Themen von globaler Bedeutung aufgreift: Wasserressourcen der Erde sowie die Auswirkungen von Regulierungen auf das Marktgeschehen“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Glückwunsch an die verantwortlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Petra Döll, Tobias Tröger und Rainer Haselmann, denen es mit ihren Anträgen gelungen ist, die DFG von der wissenschaftlichen Qualität ihrer Projekte zu überzeugen.

Wie Wasser auf der Erde verteilt ist

Die Forschergruppe „Understanding the Global Freshwater System by Combining Geodetic and Remote Sensing Information with Modelling Using Calibration/Data Assimilation Approach“ (GlobalCDA), die von der Frankfurter Hydrologin Prof. Petra Döll und dem Bonner Geodäten Prof. Jürgen Kusche koordiniert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, die Wasserflüsse und Wassermengen auf den Kontinenten der Erde besser zu quantifizieren und somit ein tieferes Verständnis der globalen Wasserkreisläufe zu gewinnen. Globale hydrologische Modelle gibt es zwar bereits, jedoch sollen nun zusätzliche Beobachtungsdaten in Form von Satellitendaten einbezogen werden. „Um besser quantifizieren zu können, wie Wasser weltweit verteilt ist, müssen wir eine neue Methode entwickeln, wie wir diese Daten assimilieren und für eine Anpassung von Modellparametern nutzen können“, sagt Prof. Döll, die sich auf mathematische Modelle spezialisiert hat, mit deren Hilfe der heutige Zustand und die zukünftige Entwicklung des globalen Süßwassersystems abgeschätzt werden können.

Seit 1996 arbeitet die Hydrologin an der globalskaligen Modelllierung von Wasserressourcen und ihrer Nutzung unter dem Einfluss des globalen Wandels. Wie viel Wasser befindet sich im Boden? Wie viel Wasser fließt in den verschiedenen Flüssen? Und wieviel Wasser ist in Schneeflächen verborgen? „Wenn wir den heutigen Zustand der Wasserressourcen verstehen und wissen, wie sich Wasser bewegt, wie es gespeichert wird und was bei wenig Niederschlag geschieht, dann sind wir einen großen Schritt weiter“, so Döll. Wasserflüsse auf den Kontinenten spielen eine wichtige Rolle für andere Komponenten des Erdsystems; beispielsweise trägt Grundwasserzehrung zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. In einer globalisierten Welt unterstützt ein verbessertes Verständnis des globalen Süßwassersystems ein nachhaltiges Wassermanagement (z.B. bei Dürreereignissen), aber ebenso die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln und Energie. Am Projekt sind sieben Gruppen aus der Bundesrepublik beteiligt sowie jeweils eine Gruppe aus der Schweiz und aus Luxemburg. Die deutschen Forscher erhalten für die ersten drei Jahre insgesamt rund 2,9 Millionen Euro.

Wie Märkte auf neue Regelungen reagieren

Unter dem Titel „Foundations of Law and Finance“ wird eine Kolleg-Forschergruppe unter der Leitung des Juristen Prof. Tobias Tröger und des Ökonomen Prof. Rainer Haselmann den Einfluss institutioneller und regulatorischer Rahmenbedingungen auf Finanzmarktentscheidungen und -ergebnisse untersuchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die Verzahnung von Recht, Ökonomie und Politik in diesem Bereich genauer in den Blick nehmen und so die realwirtschaftliche Auswirkungen auf Gesetzesvorschläge und -änderungen messen und indirekt bewerten. „Unser Ziel ist es, dass die beiden Disziplinen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften nicht nur ein gemeinsames Thema betrachten, sondern auch gemeinsame Methoden entwickeln“, erklärt Wirtschaftsrechtler Prof. Tröger.

Das Projekt hat sich aus dem LOEWE-Zentrum SAFE „Sustainable Architecture for Finance in Europe“ im House of Finance der Goethe-Universität heraus entwickelt. Schon im Vorfeld wurden gezielt Fellows aus dem In- und Ausland ausgewählt, die diese verzahnte Form der Forschung leisten können und wollen. Die für die interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendige Infrastruktur sei in SAFE und im House of Finance bereits vorhanden, die Bedingungen deshalb ideal, so Prof. Tröger. Konkret geht es zum Beispiel darum zu untersuchen, wie sich die in Reaktion auf die Finanzkrise 2007/08 verabschiedeten Rechtsvorschriften auf die Märkte ausgewirkt haben – oder aber auch, wie sich bestimmte Corporate Governance-Arrangements auf den Wert von Unternehmen auswirken. Auch die Erforschung der politökonomischen Determinanten des Zustandekommens verschiedener Regulierungsmaßnahmen steht im Fokus des Projektes. „Unsere Ergebnisse werden den kursierenden „simple Stories“ eine Absage erteilen“, meint Tröger. Über die zunächst vierjährige Laufzeit des Projekts werden neben den Sprechern sechs weitere Professoren der Goethe-Universität beteiligt sein, zudem zwei Postdocs, acht Junior Fellows und 20 Fellows. Die DFG-Zusage beläuft sich auf rund 3,1 Millionen für die ersten vier Jahre.

Insgesamt richtet die DFG acht neue Forschergruppen, eine Klinische und zwei Kolleg-Forschergruppen ein, für die in der ersten Phase rund 32 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Förderung ermöglicht es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Dabei sind Kolleg-Forschergruppen speziell auf geisteswissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnitten. Während Forschergruppen allgemein zweimal drei Jahre gefördert werden können, besteht für sie die Möglichkeit, zweimal jeweils vier Jahre mit DFG-Mitteln zu forschen.

Porträts der Sprecher zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69763182

Informationen: Prof. Dr. Petra Döll, Professur für Hydrologie, Institut für Physische Geographie, Fachbereich Geowissenschaften, Campus Riedberg, Telefon 069-798 40219, E-Mail p.doell@em.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Tobias Tröger, Professur für Bürgerliches Recht, Handelsrecht und Wirtschaftsrecht, Institut für Zivil- und Wirtschaftsrecht, Fachbereich Rechtswissenschaft, Campus Westend, Telefon 069/798-34391, E-Mail troeger@jur.uni-frankfurt.de

 

Dez 20 2017
11:10

Plastik „Kopf im Kopf“ des Bildhauers Alfred Haberpointner fordert Wahrnehmungsgewohnheiten heraus.

Neue Skulptur auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Eine drei Meter hohe Skulptur wurde heute auf dem Campus Westend der Goethe-Universität eingeweiht: Die stählerne Skulptur mit dem Titel „Kopf im Kopf“, geschaffen vom österreichischen Bildhauer Alfred Haberpointner, steht auf einer Freifläche zwischen dem Hörsaalzentrum und dem Gebäude der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (RuW). Universitätsvizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz dankte in seinem Grußwort dem Förderehepaar: „Unser Dank geht an Dr. Elmar und Ellis Reiss. Durch ihre großzügige Unterstützung konnte die Goethe-Universität die beeindruckende Plastik erwerben, die die künstlerische Vielfalt auf dem Campus Westend ganz entscheidend bereichern wird.

Alfred Haberpointner hat eine Plastik geschaffen, die mit einer doppelten Struktur aufwartet: Wie bei einer Kippfigur kommt es zur Überblendung zweier Figuren, der Blick des Betrachter changiert zwischen einer Kopfform aus horizontalen Parallelschichten und einer massiven Form in deren Innerem. Der Bildhauer sagte bei der feierlichen Einweihung über seine Skulptur: „Das Werk ‚Kopf im Kopf‘ thematisiert den Menschen sowie den Raum der ihn umgibt, damit verbunden die Frage nach der äußeren und inneren Form - einer sichtbaren und einer verborgenen Welt.

Foto der Skulptur: Kostenfreier Download unter www.uni-frankfurt.de/69724057 (Foto: Uwe Dettmar).

Weitere Informationen: Annette Herr, Private Hochschulförderung, Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798-12435, herr@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 19 2017
11:00

Goethe-Uni bereitet Absolventen sehr gut auf Herausforderungen der Arbeitswelt vor / Platz 3 in Deutschland

Platz 47 für Goethe-Uni im Global University Employability Ranking 2017

FRANKFURT. Die Goethe-Universität zählt laut dem renommierten Global University Employability Ranking 2017 weiterhin zu den Top 50-Universitäten weltweit mit der höchsten Beliebtheit ihrer Absolventen bei Arbeitgebern – und belegt in Deutschland nach TU und LMU München den dritten Platz aller Hochschulen. Die einmal jährlich von THE (Times Higher Education) veröffentlichten Rangfolge platziert die Goethe-Universität aktuell global auf Platz 47 (Vorjahr 50).

„Schön, dass die Goethe-Universität und ihre Absolventen bei global agierenden Unternehmen einen so guten Ruf genießen“, kommentierte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff das Ergebnis. „Offenbar fördern das internationale Flair der Uni in Kombination mit entsprechenden, qualitätsorientierten Lehrkonzepten auch die Art von Bildung, die am internationalen Arbeitsmarkt gewürdigt wird.“

Das Global Employability Ranking wird auf Basis zweier repräsentativer Umfrage-Panels erhoben, die 6000 führende Repräsentanten von Unternehmen aus 22 Ländern umfassen: Argentinien, Australien, Österreich, Brasilien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Israel, Italien, Japan, Mexiko, Niederlande, Singapur, Südafrika, Südkorea, Spanien, Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Großbritannien und die USA.

Das erste Panel besteht aus etwa 2.500 Personal-Managern, die Erfahrung mit der Anstellung oder der Arbeit mit Absolventen hatten. Jede Person erhielt eine Liste lokaler Universitäten (mit der Option, mehr hinzuzufügen) und hatte bis zu 15 Stimmen für die Universitäten in ihren Ländern, die "die besten Absolventen in Bezug auf Beschäftigungsfähigkeit produzieren".

Das zweite Panel bestand aus rund 3.500 Geschäftsführern internationaler Unternehmen. Die Teilnehmer konnten maximal 10 Stimmen sowohl auf der lokalen als auch auf der globalen Liste der Universitäten abgeben, die vom ersten Panel erstellt wurden. Sie konnten auch Universitäten aus einer Datenbank hinzufügen. Die Stimmen wurden dann in Punktzahlen für jede Universität aggregiert, um das Ranking zu erstellen.

Die meisten Panel-Teilnehmer hatten mindestens 10 Jahre Berufserfahrung und arbeiteten in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Mehr als 30 Prozent hatten Erfahrung im Recruiting in der Wirtschaft, knapp 30 Prozent hatten Erfahrung in der IT-Branche und fast 20 Prozent in der Maschinenbaubranche. Mehr als die Hälfte rekrutiert international.

Die Umfrage wurde von der französischen Personalberatung Emerging konzipiert und wird seit sieben Jahren vom Beschäftigungsforschungsinstitut Trendence durchgeführt. Diese wird seit 2015 exklusiv von Times Higher Education veröffentlicht.

https://www.timeshighereducation.com/student/best-universities/graduate-employability-top-universities-germany-ranked-employers

 

Dez 15 2017
13:15

Seit 2011 mehr als zwölf Millionen Euro für die Förderung von Studierenden eingeworben

Bundesweit Spitze: 610 Studierende der Goethe-Uni profitieren vom Deutschlandstipendium

FRANKFURT. 610 Studenten der Goethe-Uni mit herausragenden Leistungen im Studium sowie gesellschaftlichem, sozialem oder ehrenamtlichen Engagement haben in diesem Jahr das Deutschlandstipendium erhalten. Damit vergibt die Goethe-Universität unter den deutschen Hochschulen die meisten Stipendien dieser Art. „Ohne das Stipendium hätte ich mein Studium abbrechen müssen“, freute sich einer der Stipendiaten über die Unterstützung von 300 Euro monatlich über einen Zeitraum von einem Jahr. Möglich wird dies durch Spenden von Privatpersonen, Unternehmen sowie Stiftungen, Vereinen und Service-Clubs. Allen rund 360 Förderern ist es ein Anliegen, junge Talente zu fördern – und zwar nicht nur finanziell, sondern auch im Rahmen des ideellen Förderprogramms und des Förderernetzwerks.

„Seit vielen Jahren können wir Studierende auf ihrem Studienweg unterstützen, dank großzügiger Förderer, die sich am Deutschlandstipendium beteiligen“, freut sich die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff. „Es bedeutet nicht nur eine finanzielle Entlastung, sondern bietet auch inhaltliche Inspirationen und die Möglichkeit, erste berufliche Kontakte zu den Stipendiengebern zu knüpfen.“

Insgesamt spendeten die Förderer über eine Million Euro. Der gleiche Betrag kam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung hinzu. Seit Beginn des Programms im Jahr 2011 sind auf diese Weise 3.390 Deutschlandstipendien an der Goethe-Universität ermöglicht und mit insgesamt über 12 Mio. Euro gefördert worden.

Bei der Auswahl der Stipendiaten spielen nicht nur sehr gute Leistungen im Studium und gesellschaftliches Engagement eine Rolle. „Wir berücksichtigen auch Studierende, die biografische Hürden überwinden müssen“, so Lucia Lentes, die dieses Programm seit Beginn betreut. In diesem Jahr sind 41 Prozent der Stipendiaten so genannte Bildungsaufsteiger mit nichtakademischem Familienhintergrund. 32 Prozent der Stipendiaten sind ausländische Studierende bzw. haben einen Migrationshintergrund und 18 Prozent sind BAföG-Empfänger. Die Mehrzahl der Geförderten – 61 Prozent – sind Frauen.

Informationen: Lucia Lentes, Abteilung Private Hochschulförderung, Campus Westend, Tel. (069) 798 - 12756, E-Mail: lentes@pvw.uni-frankfurt.de

 

Dez 14 2017
17:12

Am 26. Januar 2018 werden an der Goethe-Uni die Ergebnisse der europäischen multizentrischen FemNAT-CD-Studie vorgestellt

Internationale Konferenz über Störungen des Sozialverhaltens bei Mädchen

FRANKFURT. Störungen im Sozialverhalten von Mädchen sind das Thema einer internationalen Konferenz des Universitätsklinikums der Goethe-Universität am Campus Westend. Nach vier Jahren intensiver Forschungsarbeit stellen die Partner der FemNAT-CD-Studie ihre Ergebnisse

am Freitag, 26. Januar 2018, 9 bis 16 Uhr im Casino-Gebäude, Campus Westend, Nina-Rubinstein-Weg 1, 60323 Frankfurt am Main

vor. Die multizentrische Studie hat die zugrunde liegenden Mechanismen von Störungen des Sozialverhaltens bei Mädchen und jungen Frauen (neun bis 18 Jahren) erforscht. Ziel der Studie ist es, verbesserte Behandlungsmöglichkeiten für diese Beeinträchtigung zu entwickeln. Die Europäische Union hat die FemNAT-CD-Studie über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren mit sechs Millionen Euro gefördert.

Die Anzahl der Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens ist im Laufe der letzten beiden Jahrzente angestiegen, vor allem in westlichen Gesellschaften wie der Europäischen Union. Innerhalb dieser leiden etwa zwei Prozent der Mädchen und jungen Frauen im Alter von neun bis 18 Jahren darunter. Typische, mit der Erkrankung einhergehende Konflikte sind früher Alkohol- und Drogenmissbrauch, Abrutschen in Prostitution, Integrationsschwierigkeiten im Arbeitsleben, Teenager-Schwangerschaften, Kriminalität und chronische geistige und physische Gesundheitsprobleme. Viele der Mädchen, die unter Störungen des Sozialverhaltens leiden, befinden sich in der Obhut von Jugendheimeinrichtungen, die sich europaweit erheblich unterscheiden. Bislang wurden weibliche Risiko- und Prognosefaktoren nur sehr selten untersucht.

Die FemNAT-CD-Partner haben eine einzigartige, groß angelegte und multidisziplinäre Untersuchung durchgeführt, um die Mechanismen, auf denen die Störung basiert, zu erforschen und neue Therapieansätze zu ermöglichen. Inhalt der Studie war dabei die nähere Betrachtung der genetischen Risikofaktoren, der Umwelteinflüsse auf die Störung, der Veränderungen in der Gehirnstruktur und -funktion sowie die Untersuchung, ob Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens erhöhte Probleme mit der Erkennung und Regulation von Emotionen haben. Darüber hinaus wurde in Jugendhilfeeinrichtungen die Wirksamkeit einer neuen, evidenzbasierten Intervention untersucht, die die Gefühlsregulierung und -kontrolle von Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens verbessern soll.

„Wir sehen diese Konferenz als eine Chance, die aus der Studie resultierenden Schritte gemeinsam mit einer großen Bandbreite an Patienten, Familien und Betreuern, mit Fachpersonal, das in die Behandlung von Störungen des Sozialverhaltens involviert ist, einschließlich Sozialarbeitern, Psychotherapeuten und Psychiatern zu erörtern. Unser Ziel ist es, gemeinsam konrete Wege zur Verbesserung des Gesundheitsystems und der Jugendhilfeeinrichtungen in Europa zu definieren“, so Prof. Christine Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Universitätsklinikums Frankfurt und Koordinatorin des Projekts. „Im Laufe der vergangenen vier Jahre haben wir einen fundierten Einblick in die genetischen und neurologischen Mechanismen gewonnen, die die Störungen veranlassen. Zudem wissen wir heute mehr über die Rolle des Autonomen Nervensystems sowie des Stresshormonsystems bei Störungen des Sozialverhaltens. Auch sind wir in der Lage, das spezifische klinische Krankheitsbild und die Bedürfnisse der betroffenen Jugendlichen besser zu beschreiben. Die Ergebnisse der Studie dienen als Grundlage für die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten bei Störungen des Sozialverhaltens. Wir sind stolz darauf, diese im Januar in Frankfurt präsentieren zu können.“

Die Konferenz unterteilt sich in zwei Teile: Eine Einführung in die FemNAT-CD-Studie und eine Präsentation zum Thema „Unterschiede vorhandener Therapien für Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens innerhalb Europas“ am Vormittag und eine Podiumsdiskussion mit Fachleuten und anschließender offenen Diskussion am Nachmittag. Sie richtet sich an alle am Thema Interessierten oder im Bereich der Störungen des Sozialverhaltens Tätigen: Patienten und deren Angehörige, Psychotherapeuten, Psychologen, Psychiater, Sozialarbeiter in Jugendhilfeeinrichtungen, Wissenschaftler, Patienten- und Elternorganisationen sowie Politiker.

Die Präsentations- und Diskussionssprache ist Englisch. Ein deutschsprachiges Informationsmaterial steht zur Verfügung und bei Bedarf besteht auch die Möglichkeit einer Live-Übersetzung von Fragen und Antworten.

Die FemNAT-CD-Studie wird seit September 2013 von der Europäischen Union im siebten Forschungsrahmenprogramm (FP7) gefördert. Projektpartner sind: Goethe-Universität Frankfurt, Uniklinik RWTH Aachen, Stichting VUmc Amsterdam, University of Southampton, Universität Basel, Universitätsklinikum Heidelberg, University of Birmingham, Universität Regensburg, Fundación Vasca De Innovación E Investigación Sanitarias (BIOEF/Osakidetza), Szegedi Tudományegyetem, National and Kapodistrian University of Athens, Varionostic GmbH, DAACRO GmbH & Co KG, Cardiff University, ARTTIC SAS und GenXPro GmbH.

Registrierung: https://www.femnat-cd.eu/registration-to-conference/

Programm: https://www.femnat-cd.eu/fileadmin/websites/femnat_cd/Conference_Jan_2018/FemNAT_CD_Agenda_Konferenz_deutsch_final.pdf

Informationen: Prof. Christine M. Freitag, Projektkoordinatorin, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Universitätsklinikum, Campus Niederrad, Telefon: 069-63015408 , C.Freitag@em.uni-frankfurt.de

 

Dez 14 2017
12:21

Wirtschaftswissenschaftlerin mit großem Themenspektrum

Leibniz-Preis für Nicola Fuchs-Schündeln

FRANKFURT. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Nicola Fuchs-Schündeln, Professorin für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität, erhält den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2018; das gab der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) heute in Bonn bekannt. Präsidentin Prof. Birgitta Wolff gratulierte der Forscherin: „Dies ist eine großartige und verdiente Anerkennung für die außergewöhnlich erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit von Nicola Fuchs-Schündeln. Sie spielt eine herausragende Rolle innerhalb der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland und kann bereits auf eine eindrucksvolle internationale Karriere zurückblicken. Mit ihrem innovativen Forschungsansatz verbindet sie Makro- und Mikroökonomik und kommt zu für Ökonomen mitunter eher unerwarteten Themen und Forschungsgegenständen. Eine echte Inspiration für viele.“

Wie unterscheiden sich die Werthaltungen der Menschen, die in der DDR sozialisiert worden sind, von den Werthaltungen ihrer Landsleute im Westen? Frühere DDR-Bürger sind beispielsweise auch Jahre nach dem Ende des Sozialismus dafür, dass sich der Staat um Familien, Alte und Kranke kümmere. Die Präferenzen der Menschen im Osten und im Westen der Republik gleichen sich nur allmählich an. Die „Endogenität von Präferenzen“ gehört zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, die mit dem Leibniz-Preis 2018 ausgezeichnet wird. Ihr Paper zu unterschiedlichen Werthaltungen in Ost und West hat international viel Anerkennung erhalten – insbesondere deshalb, weil es die traditionelle Annahme widerlegt hat, dass ökonomische Präferenzen angeboren und unveränderbar seien, unabhängig vom ökonomischen System. Mit dieser Arbeit hat die Forscherin viele weitere Arbeiten auf diesem Gebiet angestoßen und ihren Ruf als international führende Expertin verfestigt. Sie gehört zu den meistzitierten Arbeiten in diesem Bereich.

Auch in ihren anderen Arbeitsschwerpunkten pflegt Nicola Fuchs-Schündeln einen breiten interdisziplinären Forschungsstil. Die 45-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin befasst sich zum Beispiel auch intensiv mit dem Spar-, Konsum- und Arbeitsmarktverhalten privater Haushalte. Dabei gelingt es ihr, neue empirische Fakten herauszuarbeiten und damit die Annahmen und Vorhersagen grundlegender ökonomischer Theorien zu testen. In diesem Zusammenhang hat sie zum Beispiel untersucht, welche Motive Menschen zum Sparen bewegen. Dabei machte sie sich die durch die deutsche Wiedervereinigung entstandene Situation zu Nutzen: Der dramatische wirtschaftliche Umbruch in Ostdeutschland erlaubt es, klare theoretische Vorhersagen zu treffen und diese mit Daten zu testen. Nicola Fuchs-Schündeln konnte über den Lebenszyklus hinweg ein weitgehend rationales Konsum- und Sparverhalten belegen, selbst im Angesicht großer wirtschaftlicher Umbrüche. In ihren jüngsten Arbeiten wendet sie sich der Frage zu, warum Europäer weniger Stunden pro Jahr arbeiten als US-Amerikaner. Dabei hat sie die aus ihrer Sicht entscheidende Rolle des Steuersystems herausgestellt. Darüber hinaus hat sie substantielle Beiträge zur Analyse der Entwicklung der Ungleichheit in Deutschland geleistet, zur innereuropäischen und innerdeutschen Migration sowie zu langfristigen Arbeitsmarkteffekten einer sozialistischen Schulbildung.

Nicola Fuchs-Schündeln hat seit 2009 eine Professur für Makroökonomie und Entwicklung an der Goethe-Universität inne. Sie ist als Principal Investigator am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und als Programmdirektorin am LOEWE-Zentrum „Sustainable Architecture for Finance in Europe“ beteiligt. 2015/16 war sie für ein Jahr als Gastprofessorin an der Stanford University in Kalifornien. Vor ihrem Wechsel an die Goethe-Universität war Fuchs-Schündeln an den US-amerikanischen Universitäten Harvard und Yale tätig. Studiert hat sie in Köln und Yale, ihre Fächer waren Lateinamerikastudien und Volkswirtschaftslehre.

Der Leibniz-Preis ist nicht die erste Auszeichnung für die Wirtschaftswissenschaftlerin: Im vorigen Jahr erhielt Fuchs-Schündeln bereits den Gossen-Preis des Vereins für Socialpolitik, den wichtigsten deutschen Ökonomen-Preis. Diese Auszeichnung geht an Wissenschaftler aus dem deutschen Sprachraum, die durch ihre Forschung internationales Ansehen gewonnen haben. Hauptmaßstab hierfür ist die Veröffentlichung in international anerkannten Fachzeitschriften. 2010 hatte sie zudem einen Starting Grant des European Research Council erhalten, eine der höchstdotierten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Europäischen Union.

Die mit dem Leibniz-Preis verbundene finanzielle Förderung erlaubt der Ökonomie-Professorin, ihre innovativen Forschungsprojekte weiter voranzutreiben und auszubauen und weitere Nachwuchskräfte an die Goethe-Universität zu holen.

Die Fördersumme von 2,5 Millionen Euro kann über einen Zeitraum von fünf Jahren von den Preisträgern abgerufen und flexibel eingesetzt werden. Ziel des 1985 eingerichteten Leibniz-Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern.

Nicola Fuchs-Schündeln wird als 17. Wissenschaftler der Goethe-Universität ausgezeichnet: 1986 erhielten sowohl der Philosoph Jürgen Habermas als auch der spätere Nobelpreisträger und Biochemiker Hartmut Michel den begehrten Preis. Es folgten der Historiker Lothar Gall (1988), der Physiker Reinhard Stock (1989), der Rechtshistoriker Michael Stolleis (1991), der Mathematiker Claus-Peter Schnorr (1993), der Physiker Theo Geisel (1994), der Chemiker Christian Griesinger (1998), der Paläontologe Volker Mosbrugger (1999), die Biologin Stefanie Dimmeler (2005), der Historiker Bernhard Jussen (2007), der Wirtschaftswissenschaftler Roman Inderst (2010), der Philosoph und Politikwissenschaftler Rainer Forst (2012), der Biochemiker und Mediziner Ivan Dikic (2013), der Rechtswissenschafter Armin von Bogdandy (2014) und der Althistoriker Hartmut Leppin (2015).

Foto zum Download unter: http://www.muk.uni-frankfurt.de/69660127

Informationen: Prof. Nicola Fuchs-Schündeln, Professur für Makroökonomie und Entwicklung. Fachbereich 02, Theodor-W.-Adorno-Platz 3, Campus Westend, Tel.: (069) 069/798-33815, E-Mail fuchs@wiwi.uni-frankfurt.de.

 

Dez 13 2017
12:10

Forscher der Goethe-Uni lüften das Geheimnis des Blue Hole Stalaktiten

Auf den Spuren von Jacques Cousteau

FRANKFURT. Aus dem berühmten Blue Hole im Karibischen Meer barg das Team des französischen Meeresforschers Jacques Cousteau 1970 einen ungewöhnlichen Stalaktiten. Was er über das Klima seit der letzten Eiszeit verrät, erklärt der Geowissenschaftler Eberhard Gischler von der Goethe Universität in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Sedimentary Research“.

Sichtbare Spuren von Lebewesen hatten die Taucher von Jacques Cousteau seinerzeit nicht in dem Geheimnis umwobenen blauen Loch gefunden. Dafür aber zahlreiche Stalaktiten, wie sie aus Karsthöhlen bekannt sind. Sie entstehen durch die Lösung von Kalkgestein. Heute ist das 125 Meter tiefe Blue Hole vor der Küste von Belize vom Meer überflutet.

Der Frankfurter Geowissenschaftler Eberhard Gischler forscht seit mehr 25 Jahren in Belize. Er bekam die außergewöhnliche Probe vor zwei Jahren von Prof. Robert Ginsburg von der University of Miami, bei dem er in den 1990er Jahren als Postdoktorand tätig war. Robert Ginsburg hatte den Stalaktiten wiederum direkt nach dem Fund von Jacques Cousteau erhalten. Damals ließ er die Probe aufsägen und begann, sie zusammen mit dem Meeresgeologen Bob Dill zu untersuchen. Es blieb aber nur bei vorläufigen Untersuchungen. Hinzu kam, dass die größten Stücke des Stalaktiten bei einem Umzug des Ginsburg-Labors verloren gingen.

Die jetzt untersuchte Scheibe ist die letzte Probe des Cousteau-Stalaktiten. Nach nun fast fünfzig Jahren, als der Blue Hole-Stalaktit in Vergessenheit zu geraten drohte, hat Gischler zusammen mit Physikern der Goethe-Universität, Kollegen der Universitäten Mainz, Hamburg und El Paso (USA) sowie dem GEOMAR in Kiel ihr Geheimnis gelüftet.

Anders als bei den meisten Stalaktiten bestehen bei dem Blue Hole-Stalaktiten die äußeren Schichten aus marinen Ablagerungen. Seine konzentrischen Lagen erlauben eine detaillierte Klima-Rekonstruktion für das späte Pleistozän und das Holozän (die Zeit vor ca. 20.000 Jahren bis heute). So deutet zum Beispiel der unter Süßwasser-Einfluss gebildete Kern auf überraschend trockene Bedingungen während des Maximums der letzten Eiszeit und der Zeit danach hin (ca. 20.000 bis 12.000 Jahre vor der heutigen Zeit). Die marinen Lagen bildeten sich, als die Karsthöhle und der Stalaktit nach der Eiszeit vom ansteigenden Meerespiegel überflutet wurden, seit etwa 11.000 Jahren.

„Erschwert wird die detaillierte Klima-Rekonstruktion allerdings durch den Umstand, dass sowohl die am Festland als auch die im Meerwasser gebildeten Stalaktit-Lagen unter dem Einfluss mikrobieller Aktivität entstanden sind“, erklärt Eberhard Gischler. Die Studie entschlüsselt nun die Arten mikrobieller Aktivität, die während der Bildung des Stalaktiten die Kalkabscheidung beeinflusst haben. Sie liefert so die Grundlage, um das Potential von Stalaktiten mit komplexer Bildungsgeschichte für die Rekonstruktion von Paläo-Umweltbedingungen zukünftig besser ausschöpfen zu können.

Gischler arbeitet derzeit zusammen mit dem Doktoranden Dominik Schmitt weiter an anderen Ablagerungen aus dem Blue Hole. Es handelt sich um bis zu 9 m lange Sediment-Bohrkerne, die im August vom Boden des Blue Hole entnommen wurden. Das schlammige Boden-Sediment des Blue Hole weist eine feine Jahresschichtung auf und soll als hochauflösendes Klima- und Sturmarchiv genutzt werden.

Zu sehen ist eine Scheibe des bemerkenswerten Cousteau-Stalaktiten, der ursprünglich eine Länge von 2,84 Metern und ein Gewicht von gut einer Tonne aufwies, inzwischen am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität.

Ein Bild zum Download sowie das Cover der Zeitschrift „Journal of Sedimentary Research“ mit einer Luftaufnahme des Blue Hole finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69629053

Bildtext: Prof. Eberhard Gischler und sein Doktorand Dominik Schmitt mit dem letzten Stück des 1970 von Jacques Cousteau geborgenen Stalaktiten aus dem Blue Hole. Foto: Daniel Parwareschnia

Film über die Bergung des Stalaktiten aus dem Blue Hole durch Jacques Cousteau: https://www.youtube.com/watch?v=hM9pa5JQmz0 

Publikation: E. Gischler et al.: A giant underwater, encrusted stalactite from the Blue Hole, Lighthouse Reef, Belize, revisited: A complex history of biologically induced carbonite accretion under changing meteoric and marine conditions, in Journal of Sedimentary Research, 2017, v. 87, 1260-1284. https://pubs.geoscienceworld.org/jsedres/issue/87/12

Information: Prof. Dr. Eberhard Gischler, Institut für Geowissenschaften, Fachbereich 11, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40183, gischler@em.uni-frankfurt.de.

 

Dez 12 2017
16:01

Die Aventis Foundation fördert interdisziplinäres Projekt der Goethe-Universität

Komplexität in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft

BAD HOMBURG. Das seit Anfang 2017 bestehende Forschungsprojekt „Komplexität in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft“, in dem Forscherinnen und Forscher der Goethe-Universität aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenarbeiten, hat nach erfolgreicher Pilotphase eine Förderzusage für weitere zwei Jahre durch die Aventis Foundation erhalten. Wichtiger Bestandteil des Projektes werden Aventis-Fellowships sein, in deren Rahmen Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler an das Forschungskolleg Humanwissenschaften (FKH) der Goethe-Universität eingeladen werden. Dort ist das Projekt administrativ angesiedelt.

Die zunehmende Komplexität in Forschung und Gesellschaft beschleunigt sich durch neue Phänomene wie Big Data, Digitalisierung, Migrationsströme, Technologisierung oder auch Automatisierung. Daraus ergibt sich für die Wissenschaft die Pflicht, Strategien für einen erfolgreichen Umgang mit Komplexität und für die Lösung komplexer Probleme aufzuzeigen. Die Auseinandersetzung mit diesen Erwartungen ist einer von vielen Aspekten des Forschungsprojektes.

Übergreifendes Ziel des Projektes ist es, unterschiedliche Konzepte von Komplexität und deren theoretische Begründung aus der fächerübergreifenden Perspektive zu untersuchen und damit nicht nur neue Muster für den praktischen Umgang mit Komplexität aufzuzeigen, sondern auch neue Einsichten für die wissenschaftliche Forschung selbst zu erhalten. Ein Ausgangspunkt ist der Blickwinkel der Wissenschaftsphilosophie: Sie definiert Komplexität als Eigenschaft von Systemen, die aufgrund des Zusammenwirkens ihrer Elemente ein unerwartetes und nicht zu prognostizierendes Verhalten zeigen. Die Fragen, ob und wie eine solche Definition sowohl auf naturwissenschaftliche Systeme als auch auf soziale Systeme angewandt werden kann, liegen auf der Hand und verdeutlichen die Notwendigkeit interdisziplinären Arbeitens.

Harald Schwalbe, Professor für Organische Chemie und Chemische Biologie, und Matthias Lutz-Bachmann, Professor für Philosophie und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften, leiten das Projekt, das auf einzigartige Weise als Verbindung der Disziplinen der Natur-und Lebenswissenschaften sowie der Geistes- und Sozialwissenschaften konzipiert ist. Damit führt es im Forschungsteam Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von zwei voneinander getrennt gelegenen Standorten der Universität, dem Campus Westend und dem Campus Riedberg, zusammen.

Die Zusammenarbeit der Forscherinnen und Forscher im Rahmen des Projektes und die Förderung durch die Aventis Foundation zielen darauf ab, das Projekt bis zum Ende der Laufzeit in einen größeren Rahmen zur Vorlage bei einer der großen forschungsfördernden Institutionen zu überführen.

Informationen: Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Tel.: (069)798-32779; -32776, Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de; Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29737, schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de.

 

Dez 8 2017
16:57

Die Sprecher des Clusters erörtern im aktuellen UniReport Perspektiven nach dem ExStra-Aus in der Vorrunde.

Große Unterstützung der Normativen Ordnungen

FRANKFURT. Beim Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ eruiert man derzeit mit Hochdruck Möglichkeiten, wie es auch nach dem Ausscheiden aus der Exzellenzstrategie weitergehen kann. Das Land Hessen und die Goethe-Universität unterstützen die Weiterentwicklung des Clusters; eine Liste von renommierten Forschern aus der ganzen Welt fordert den Erhalt der international geschätzten Institution. Der UniReport konnte mit den beiden Sprechern des Clusters, Prof. Rainer Forst und Prof. Klaus Günther, ein Gespräch über momentane Stimmungen und Perspektiven im Haus „Normative Ordnungen“ auf dem Campus Westend führen. Beide freuen sich über die breite Unterstützung, sehen aber auch die Notwendigkeit, in absehbarer Zeit eine Perspektive für den Cluster präsentieren zu können: „Das internationale Netzwerk schaut ganz genau, was jetzt mit uns passiert. Aber auch unser internes Netzwerk möchte verständlicherweise eine längerfristige Perspektive haben.“ Link zum Interview: http://tinygu.de/interview-forst-guenther

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  • Für ein starkes Europa: Fragen an Ulrike Guérot, neue Grosser-Stiftungsgastprofessorin.
  • Folgen der Kommerzialisierung von Schmerzmitteln: Drogenforscher Bernd Werse über die Drogenepidemie in einigen Regionen der USA.
  • Hoffnung für Alzheimer-Kranke: Merz-Stiftungsgastprofessor erforscht
  • neurogenerative Erkrankungen.
  • UNESCO-Weltdokumentenerbe: Prof. Sybille Steinbacher zur Bedeutung der Akten des Auschwitz-Prozesses.
  • (Neu-)Start in die akademische Ausbildung: Academic Welcome Program ebnet hochqualifizierten Geflüchteten den Weg in ein Studium.
  • Anglistik und Romanistik vereint in einem Studium: Der Masterstudiengang Moving Cultures ist einmalig in Deutschland.
  • Per Tortenschnitt in die Vergangenheit: Vorderasiatische Archäologen leisten wichtigen Beitrag zur Erforschung des Nordirak.
  • Wenn Rassismus und Nationalismus Hand in Hand gehen: Auszeichnung für die Politologin und Erziehungswissenschaftlerin Z. Ece Kaya für ihre Dissertation zu Kolonialpädagogischen Schriften in der NS-Zeit.
  • An der Schnittstelle zwischen Psychologie, Bewegung und Training: Die Sportwissenschaftlerin Karen Zentgraf untersucht, wie das motorische und kognitive Zusammenspiel bei komplexen Bewegungsabläufen funktioniert.
  • Literatur: „ein kraftvolles Medium zur Veränderung des Menschen“: Silke Scheuermann übernimmt die Frankfurter Poetikdozentur.

Der UniReport 6/2017 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/53996845

 

Dez 7 2017
15:13

Internationale Konferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 15. Dezember 2017

Politik der Migration – Über die Grenzen der Mitgliedschaft

FRANKFURT. „The Politics of Migration: Testing the Boundaries of Membership” lautet der Titel einer internationalen Konferenz des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen. Sie findet am 15. Dezember im Gebäude „Normative Ordnungen“ auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt.

Die Frage, wie Staaten, aber auch die EU und die internationale Gemeinschaft insgesamt auf die Herausforderung globaler Migrationsbewegungen reagieren sollen, ist eine der zentralen Zukunftsfragen der Politik. Hierbei sind rechtliche, politische, aber auch moralische Gesichtspunkte zu bedenken. Die Konferenz „The Politics of Migration“ macht es sich zur Aufgabe, diese Aspekte mit international ausgewiesenen Expertinnen und Experten zu analysieren und kontrovers zu diskutieren.

Die Konferenz geht aus einer Zusammenarbeit zwischen dem Exzellenzcluster und dem Max-Planck-Institut hervor, den jährlichen „Goethe-Göttingen Critical Exchanges“, organisiert von Ayelet Shachar, Direktorin am Göttinger MPI und dort Leiterin der Abteilung Ethik, Recht und Politik, sowie Rainer Forst, Co-Sprecher des Clusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Ayelet Shachar ist seit diesem Semester zudem Mitglied des Frankfurter Exzellenzclusters.

Nach einleitenden Worten von Shachar und Forst stehen zwei Panels und eine Roundtable-Diskussion auf dem Programm. Mit David Miller (Nuffield College, Oxford) spricht im ersten Panel einer der renommiertesten Philosophen der Gegenwart, der im Sinne eines liberalen Nationalismus argumentiert, während Andreas Cassee (FU Berlin) im zweiten Panel die kosmopolitische Gegenposition vertritt. Beide haben in jüngster Zeit im Suhrkamp Verlag dazu wichtige Bücher publiziert. Kommentiert werden sie von profilierten jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die aus Frankfurt und Göttingen stammen.

Der Roundtable bringt am Nachmittag drei hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Rechtswissenschaften zusammen: Gertrude Lübbe-Wolff ist Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Bielefeld und war von 2002 bis 2014 Richterin des Bundesverfassungsgerichts. Francois Crepeau kommt von der McGill University, Montreal, ist dort Professor of Public International Law und war von 2001 bis 2017 UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechte von Migranten. Hiroshi Motomura lehrt Jura an der University of California, Los Angeles. Er gilt in den USA als einer der führenden Experten für Fragen des Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsrechts.

Die Konferenz steht auch interessierten Bürgerinnen und Bürgern offen. Um Anmeldung wird gebeten – bitte unter: sekretariat.forst@soz.uni-frankfurt.de

Programmhttps://aktuelles.uni-frankfurt.de/event/the-politics-of-migration-testing-the-boundaries-of-membership/

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Exzellenzcluster, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; http://www.normativeorders.net/de

 

Dez 7 2017
10:40

Forscher der Goethe-Uni verantwortlich für jüngste Ausgabe der Online-Zeitschrift über Kafka und anderes

Thewis: Theaterwissenschaftliche News im Netz

FRANKFURT. „Kafka und Theater“ ist das Schwerpunktthema der neuen Ausgabe von Thewis, der Online-Zeitschrift der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, die ab sofort im Netz abrufbar ist.

Die Zeitschrift versammelt Originalbeiträge jüngerer Forscherinnen und Forscher mit solchen erfahrener Theaterwissenschaftler aus Deutschland und Israel. Sie dokumentiert dabei Ergebnisse einer Masterclass an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Titel „Kafka and Theatre“. Die Masterclass fand im Rahmen der Gastprofessur des ersten Friedrich Hölderlin-Professors für Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie, Freddie Rokem von der Universität Tel Aviv, statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und Israel diskutierten über das Theater der Buchstaben, Worte, Gesten und Szenen in Kafkas Texten.

Über das Schwerpunktthema hinaus umfasst die Online-Zeitschrift in einem zweiten Teil vier Miszellen, kürzere studentische Beiträge zu einem Symposium, das von der Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit dem finnischen Theaterwissenschaftler Esa Kirkkopelto in Frankfurt veranstaltet wurde und unter dem Thema „Theater des A-Humanen“ stand. Zudem gibt es auch wieder eine Sektion mit Rezensionen.

Thewis erscheint seit dem Jahr 2004 etwa alle zwei Jahre als einziges Online-Journal der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, einer Fachgesellschaft, die seit 1990 alle zwei Jahre einen Kongress veranstaltet, dessen Ergebnisse in umfangreichen Fachpublikationen dokumentiert werden. Die Herausgeberschaft wechselt von Ausgabe zu Ausgabe. Für die vorliegende sechste Ausgabe zeichnet die Frankfurter Theaterwissenschaft verantwortlich. Gemeinsame Herausgeber sind Dr. Matthias Dreyer,  Prof. Nikolaus Müller-Schöll,  Julia Schade und Marten Weise vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität.

Link zur Online-Zeitschrift: http://www.theater-wissenschaft.de/category/thewis

Information: Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich 10, Karl Wollheim Platz 1, 60322 Frankfurt am Main

 

Dez 7 2017
10:39

Cornelia Goethe Centrum der Goethe-Universität feiert Jubiläum

20 Jahre interdisziplinäre Geschlechterforschung

FRANKFURT. Das Cornelia Goethe Centrum (CGC) feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen. Es wurde als „Zentrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse“ 1997 gegründet und bündelt Forschung und Lehre aus unterschiedlichen Disziplinen. Im Jahr 2000 wurde es namentlich der Schwester Johann Wolfgang Goethes gewidmet.

Gegründet wurde das Cornelia Goethe Centrum 1997 – in einer Zeit, als die Institutionalisierung von Frauen- und Geschlechterforschung ihren Anfang nahm. Die DFG hatte in einem Bericht 1994 dazu aufgerufen, Zentren zu gründen, um diese Thematik voranzutreiben. Seit 1995 schon gab es in Hessen einen entsprechenden Forschungsschwerpunkt, der heute den Titel trägt „Dimensionen der Kategorie Geschlecht“.

An der Goethe-Universität machte die Soziologin Prof. Ute Gerhard die Gründung eines interdisziplinären Zentrums für Frauenstudien und Geschlechterforschung zum Gegenstand von Bleibeverhandlungen. Gemeinsam mit der Erziehungswissenschaftlerin Prof. Brita Rang, der Filmwissenschaftlerin Prof. Heide Schlüpmann und der Amerikanistin Susanne Opfermann setzte sie den Gründungsplan in die Tat um. Bald schlossen sich andere an, etwa die Juristin Prof. Ute Sacksofsky oder die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Barbara Friebertshäuser.

Hier einige Meilensteine der 20-jährigen Geschichte des Zentrums, dem immer noch vor allem sozial- und geisteswissenschaftliche Fachbereiche angehören: Im Jahr 1998 wurde der CGC Förderkreis gegründet, der die Arbeit des CGC materiell unterstützt. 1999 bis 2008 bestand das von der DFG geförderte Graduiertenkolleg „Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von Erfahrung“ in Kooperation mit der Uni Kassel. Seit Oktober 2000 können Studierende das Zertifikatsprogramm „Frauenstudien/Gender Studies“ absolvieren, eine wertvolle Zusatzqualifikation für Bewerbungen auf dem akademischen Arbeitsmarkt in- und außerhalb der Hochschulen. 2002 hat der Förderkreis erstmals den Cornelia Goethe-Preis verliehen, er wird für herausragende Dissertationen und Habilitationen vergeben und ist mit 2000 Euro dotiert.

2013 hat das CGC die Angela Davis Gastprofessur ins Leben gerufen, die in der ersten Auflage von der Namensgeberin selbst übernommen wurde. Seit 2015/16 können B.A.-Studierende im Nebenfach Gender Studies belegen, und in diesem Juni wurde das GRADE Center Gender eröffnet, das der Förderung junger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit Schwerpunkt Geschlechterforschung dienen soll. Darüber hinaus findet regelmäßig ein Kolloquium statt, das Vertreter verschiedener Disziplinen zusammenbringt, im laufenden Semester z.B. zur Reproduktionsmedizin, und Veranstaltungen in Kooperation z.B. mit dem Haus am Dom, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung oder dem Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ).

Die Forschungsprojekte, die am CGC laufen, sind in der Regel sowohl an den Fachbereichen als auch im Centrum angesiedelt. „Diese Verankerung im Fachbereich bei gleichzeitiger Zusammenarbeit im Centrum, das ist die Stärke des CGC“, sagt Geschäftsführerin Marianne Schmidbaur: „So entstehen viele innovative Ideen, man inspiriert sich gegenseitig.“

„Der Gründung des CGC lag die Absicht zu Grunde, Lehre und Forschung an der Goethe Uni  im Bereich Frauen- und Geschlechterforschung zu bündeln und in einen interdisziplinären Austausch zu führen. Dieses Projekt hat viele Früchte abgeworfen (neun Fachbereiche sind an den Aktivitäten des CGC momentan beteiligt) und wir streben danach, dass dies in den kommenden Jahrzehnten vertieft und ausgebaut wird“, sagt Prof. Helma Lutz, Soziologin und Geschäftsführende Direktorin am CGC.

Im PEG ist bis 22. Dezember eine Ausstellung über die Geschichte des CGC in acht Tafeln zu sehen.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69549908

Informationen: Dr. Marianne Schmidbaur, Cornelia Goethe Centrum, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, Telefon +49 (0)69-798-35103, E-Mail schmidbaur@soz.uni-frankfurt.de; Web http://web.uni-frankfurt.de/cgc/

 

Dez 6 2017
12:26

VolkswagenStiftung fördert spannendes Forschungsprojekt eines jungen Mikrobiologen

Evolution der ersten Lebewesen im Labor simulieren

FRANKFURT. Das Leben auf der Erde ist vermutlich an heißen Quellen in den Ozeanen entstanden. Um neue Standort zu besiedeln, mussten sich die an Hitze gewöhnten Mikroorganismen an die kühlere Umgebung anpassen. Wie sie das innerhalb von nur wenigen 100 Generationen gemacht haben könnten, will der Mikrobiologe Dr. Mirko Basen von der Goethe-Universität jetzt durch simulierte Evolution im Labor herausfinden.

Mirko Basens Forschungsprojekt gehört zu den fünf Prozent erfolgreichen, die unter den knapp 600 eingereichten Anträgen im „Experiment!“-Programm der VolkswagenStiftung ausgewählt wurden. Mit diesem Programm fördert die Stiftung ausdrücklich gewagte Forschungsideen, die etabliertes Wissen grundlegend herausfordern und auf unkonventionellen Hypothesen beruhen.

Die ersten Organismen, die vor etwa vier Milliarden Jahren unseren Planeten bevölkerten, waren aller Wahrscheinlichkeit nach Hitze liebende (thermophile) Mikroorganismen, die sich bei 60 oder mehr Grad am wohlsten fühlten. Ihr Stoffwechsel beruhte vermutlich auf der Oxidation von Wasserstoff, verbunden mit der Reduktion von Kohlendioxid, das auf der jungen Erde reichlich vorhanden war.

Von dem letzten gemeinsamen Vorfahren aller irdischen Lebewesen leiten sich zwei Ahnenreihen ab: Die Bakterien und Archaeen. Einige von ihnen mögen es bis heute heiß – etwa die Bewohner der schwarzen Raucher in der Tiefsee. Deren Urahnen könnten Kohlendioxid entweder zu Essigsäure (acetogene Bakterien) oder zu Methan (methanogene Archaeen) verstoffwechselt haben.

„Im Stammbaum der Lebewesen gibt es eine ganze Reihe thermophiler Mikroorganismen. Es ist also anzunehmen, dass die Anpassung an kühlere Temperaturen durch mehrere, voneinander unabhängige Ereignisse stattfand“, erläutert Dr. Mirko Basen von der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik an der Goethe-Universität.

Bisher ist vor allem der umgekehrte Weg, nämlich die Anpassung von Proteinen und Zellen an heiße Lebensräume untersucht worden. Forscher haben Mechanismen vorgeschlagen, mit denen die Hitze empfindlichen Proteine geschützt werden. Sie beziehen sich auf Veränderungen des Stoffwechsels, der Struktur der Zellmembran und der DNA oder RNA. Bei bestimmten Bakterienstämmen ist es auch gelungen, sie durch experimentelle Evolution im Labor sukzessive an höhere Temperaturen anzupassen. Nach einigen hundert Generationen hatte sich ihre „Wohlfühltemperatur” um etwa 10 Grad erhöht.

„Ich schlage nun einen Perspektivwechsel vor, der vollkommen neue Einsichten in die Evolution und die Anpassung an kalte oder heiße Umgebungen bringen könnte. Meine Hypothese ist, dass die Anpassung an niedrigere Temperaturen schnell passiert ist, erzwungen durch eine rasche Veränderung der Umgebung“, so Mirko Basen.

Diese Hypothese wird der junge Mikrobiologe jetzt durch Evolution im Labor testen. Dazu verwendet er einige der vermutlich ältesten Stämme von Bakterien und Archaeen, deren Stoffwechsel auf Kohlendioxid basiert.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/69540015

Information: Dr. Mirko Basen, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29320, basen@bio.uni-frankfurt.de.

 

Dez 6 2017
12:24

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 12. Dezember 2017 im Klingspor Museum

„Hirndoping“ aus Sicht der Sozialforschung

FRANKFURT. Schöner, schlauer und mit Schwung: „Das Besserwerden“ ist in der Gesellschaft der Gegenwart zum Ziel vieler Bereiche des persönlichen Lebens geworden – von Erziehung, Karriere und Beziehungsführung bis zur Funktionsweise des Gehirns, der Gestalt des Körpers und den eigenen Gefühlen. Immer mehr Menschen scheinen zu meinen, nur noch mit Medikamenten Schritt halten zu können. Was das über unser Zusammenleben aussagt und auch für den Umgang mit uns selbst bedeutet, ist das Thema der mittlerweile zehnten „Goethe Lecture Offenbach“. Die Soziologin Greta Wagner spricht über

„Selbstoptimierung – Praxis und Kritik der Einnahme leistungssteigernder Psychopharmaka“ am Dienstag, dem 12. Dezember 2017, um 19.00 Uhr im Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main. 

In ihrem Vortrag zeichnet Greta Wagner die gesellschaftlichen Entwicklungen nach, durch die die Bedeutung von Selbstoptimierung gestiegen ist. Darauf aufbauend behandelt sie einen besonderen Fall der Selbstoptimierung, das so genannte Neuro-Enhancement, verstanden als der Versuch, kognitive Leistungen durch die Einnahme von Psychopharmaka zu optimieren, die zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizitsyndromen zugelassen sind. Diese Praxis wirft nicht nur gerechtigkeitsbezogene Fragen danach auf, ob der Konsum leistungssteigernder Medikamente die Fairness einer Gesellschaft gefährdet, sondern auch die individualethische Frage danach, ob wir uns selbst manipulieren und Schaden zufügen, wenn wir auf invasive Weise Selbstoptimierung betreiben.

Dr. Greta Wagner ist Postdoktorandin des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, wo sie ein Projekt mit dem Titel „Helfen in der Krise. Zur Normativität von Solidarität und Wohltätigkeit“ durchführt. Zu ihren Publikationen mit Bezug zum Vortragsthema gehören drei Bücher: die Monographie „Selbstoptimierung. Praxis und Kritik von Neuroenhancement“, „Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft“ (herausgegeben mit Sighard Neckel) und zuletzt „Burnout, Fatigue, Exhaustion. An Interdisciplinary Perspective on a Modern Affliction“ (als Co-Herausgeberin).

Veranstalter des Vortragsabends im Klingspor Museum und auch der Gesamtreihe „Goethe Lectures Offenbach“ sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch dieses Mal die Möglichkeit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Informationen: Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de | Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft

 

Dez 6 2017
10:41

22 Millionen Euro für Fraunhofer-Forschungsgebäude

Loewe fördert Neubau auf dem Campus Niederrad

FRANKFURT/WIESBADEN. Wissenschaftsminister Boris Rhein hat heute bekanntgegeben, dass das Land Hessen 22 Millionen Euro zur Errichtung eines neuen Fraunhofer-Forschungsgebäudes auf dem Campus Niederrad bereitgestellt. Der Neubau soll zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft in den Jahren 2018 bis 2023 realisiert werden und künftig das LOEWE-Zentrum „TMP – Translationale Medizin und Pharmakologie“ beherbergen.

„Der geplante Neubau ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau des Loewe-Zentrums TMP zu einem eigenständigen Fraunhofer-Institut in Frankfurt. Das ist ein schöner Erfolg der bisherigen Kooperation zwischen der Goethe-Universität, dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen und dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim“, so Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz. 

Für die zweite Förderperiode des Loewe-Zentrums TMP stellt die Landesregierung rund 19,4 Millionen Euro für den Zeitraum von 2018 bis 2020 bereit. In dem Zentrum arbeiten Wissenschaftler mit der Industrie zusammen, um präklinische und klinische Modelle zu entwickeln und möglichst früh Aussagen über die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen treffen zu können. So sollen die Erfolgsraten der klinischen Entwicklung drastisch gesteigert werden.

Eine Förderzusage für 2018 erhielt außerdem der Loewe Forschungsverbund „Medical RNomics – RNA-regulierte Netzwerke bei humanen Erkrankungen“ unter Federführung der Universität Gießen, an dem die Goethe-Universität ebenfalls als Partner beteiligt ist – zusammen mit der Universität Marburg und dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. In diesem Projekt geht es um die Anwendung regulatorischer Ribonukleinsäuren zur Behandlung von insbesondere Tumor-, Infektions- und Herz-Kreislauferkrankungen.

Information: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität, Tel.: (069) 798-29339; Schubert-Zsilavecz@pharmchem.uni-frankfurt.de.

 

Dez 6 2017
10:38

Am 11. Dezember diskutiert die Bürger-Uni die Folgen von Fake-News für politische und gesellschaftliche Diskurse

Auf der Suche nach der Wahrheit

FRANKFURT. Fake-News, postfaktisch und Lügenpresse – alle drei Begriffe so relevant für den deutschen Sprachgebrauch, dass sie jüngst in den neuen Duden aufgenommen wurden. Dies verdeutlicht, wie sehr das Thema Falschmeldungen in den vergangenen Monaten in den Fokus der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit gerückt ist. Die absichtliche manipulative Verbreitung von Fake News kann ganze Diskurse beeinflussen. Wahrheiten gehen dabei zwischen alternativen und realen Fakten verloren. Immer mehr Expertengruppen entstehen, um Nachrichten zu verifizieren. Was ist Lüge? Was ist Wahrheit? Wie werden Lügengeschichten konstruiert? Was sollen sie bewirken und wie lassen sie sich überprüfen?

Diese und weitere Fragen stehen am 11. Dezember 2017 um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt,

im Mittelpunkt bei der „Suche nach der Wahrheit“. Folgende Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutieren auf dem Podium: Prof. Marcus Willaschek, Philosoph der Goethe-Universität, Prof. Vinzenz Hediger, Filmwissenschaftler der Goethe-Universität, Anna-Maria-Wagner, Referentin für Digitale Kommunikation beim Deutschen Journalistenverband, Andreas Platthaus, stellv. Feuilleton-Chef, Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Moderation übernimmt Pitt von Bebenburg von der Frankfurter Rundschau, die Medienpartner der Bürger-Uni-Reihe „Informiert oder manipuliert? Medien und öffentliche Meinung im Wandel“ ist. An insgesamt drei Terminen geht die Reihe der Bedeutung des Journalismus in Zeiten von Falschmeldungen, ihrer Entstehung und deren Folgen für gesellschaftliche und politische Diskurse sowie gängigen Techniken und Praktiken der Manipulation auf den Grund.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

15. Januar 2018
„Soziale“ oder „asoziale“ Medien? Technologien der Wahrnehmungsüberwältigung
Podium: Dr. Thorsten Thiel (Politologe, Goethe-Uni), Julia Krüger (Autorin, netzpolitik.org), Karolin Schwarz (Autorin und Gründerin von hoaxmap.org)
Moderation: Hanning Voigts (Frankfurter Rundschau)

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei. Alle Veranstaltungen finden im Foyer der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main) statt.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die Bürger-Universität wird jedes Semester von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dieses beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe eine vielfältige Auswahl an öffentlichen Veranstaltungen der Goethe-Universität, ihrer Fachbereiche, (An)-Institute und Initiativen. Das Programmheft mit über 100 Veranstaltungen steht unter www.buerger.uni-frankfurt.de zur Verfügung.

Besuchen Sie auch unseren Online-Veranstaltungskalender unter: www.uni-frankfurt.de/kalender

 

Dez 5 2017
14:58

Die produktive Spannung von Visualität und Narrativität im Comic.

Wenn Bilder erzählen

FRANKFURT. Bilder sollten sich auf die Nachahmung von „Körpern“, Literatur hingegen auf die von Handlung konzentrieren, lautete das Diktum des Dichters und Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing. Auch wenn dieser starre Gegensatz von Bildender Kunst und Literatur heute wohl kaum noch von jemandem vertreten werden dürfte, stand und steht immer auch die Frage im Raum, welchen Platz der Comic im Spektrum der Künste einzunehmen hat. Werden Comics wie Filme „geschaut“ oder eher „gelesen“?

Dr. Bernd Dolle-Weinkauff, Comic-Experte und Kustos des Instituts für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität, erläutert im Gespräch mit „Forschung Frankfurt“, dem Wissenschaftsmagazin der Goethe-Universität, die besondere Hybridität dieses Genres. Als Literaturwissenschaftler beschäftigt sich Dolle-Weinkauff grundsätzlich mit dem Text, der beim Comic gerade aus der Kombination von Schrift und Bild bestehe. Bilder, so Dolle-Weinkauff, sorgten zwar für Suggestivität und Attraktivität des nicht nur bei jungen Leserinnen und Lesern beliebten Genres, aber Schrift habe eine „direktive“ Funktion, vereindeutige das Dargestellte, könne aber wie im Falle von anspruchsvollen Graphic Novels auch die Bedeutung in Frage stellen. Die Sequenzialität, die Abfolge von mehreren aufeinander folgenden und aufeinander bezogenen statischen Einzelbildern, ermögliche ein besonderes Darstellungs- und Ausdruckspotenzial, das selbst die verwandten Zeichentrickfilme nicht erreichten.

Einst wurden Comics noch als „Schundliteratur“ betrachtet; manche Pädagogen wollten gar dieses Genre bekämpfen, um junge Leser davor zu schützen. Dabei richteten sich die ersten Comics, die um 1900 entstanden, an Erwachsene, betont Dolle-Weinkauff. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurden dann zunehmend Kinder und Jugendliche angesprochen. Erst nach und nach wurde die künstlerische Qualität des Comics anerkannt; seine „Doppelcodierung“, das Zusammenspiel aus Unterhaltung und Tiefendimension, sei sein Spezifikum. „Auch der visual bzw. pictorial turn in den Kulturwissenschaften hat mit der gesteigerten Aufmerksamkeit für das Bild dazu geführt, genauer auf den Comic zu schauen“, erklärt Dolle-Weinkauff. Heute werden Comics wissenschaftlich erforscht und auch gesammelt: Die Comic-Sammlung des Instituts für Jugendbuchforschung umfasst mittlerweile über 70.000 Hefte, Bücher und Alben.

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Dez 5 2017
11:03

Design und biotechnologische Produktion neuer Peptid-Wirkstoffe

Neue Wirkstoffe aus dem Baukasten

FRANKFURT. Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine Schlüsselrolle. Biotechnologen der Goethe-Universität ist es jetzt gelungen, diese Enzyme nach eigenen Wünschen zu designen, so dass sie ganz neue Naturstoffe erzeugen können.

Viele wichtige Naturstoffe wie Antibiotika, Immunsuppressiva oder Mittel gegen Krebs stammen aus dem Stoffwechsel von Mikroorganismen. Dabei handelt es sich meistens um kleine Eiweißmoleküle (Peptide), die in der Zelle mit Hilfe der NRPS-Enzyme wie am Fließband in einer modernen Autofabrik entstehen: an jeder Station werden dem Grundgerüst weitere Teile zugefügt, bis am Ende das fertige Auto aus der Fabrik rollt. Im Fall der NRPS findet an jeder Station (genannt Modul) der Einbau und die Prozessierung einer bestimmten Aminosäure statt, so dass am Ende ketten-, ringförmige oder anders modifizierte Peptide entstehen, die auch ungewöhnliche Aminosäuren tragen können.

Obwohl die grundlegenden Prinzipien der NRPS schon lange bekannt sind, war es bisher kaum möglich, diese Enzyme zu modifizieren. In den wenigen Fällen, wo es gelang, einzelne Module auszutauschen, nahm die Produktion des veränderten Naturstoffs deutlich ab. Vollkommen unmöglich schien der Zusammenbau ganz neuer Enzyme, die dementsprechend auch ganz neue Naturstoffe erzeugen können. Dies ist der Arbeitsgruppe von Prof. Helge Bode, Merck Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie an der Goethe Universität, nun gelungen.

„Wir nutzen natürliche NRPS-Systeme aus Bakterien im Prinzip nur noch als Bausteine, die wir über von uns identifizierte Schnittstellen neu zusammenfügen“, erläutert Bode den Forschungsansatz. Die Ausbeuten sind dabei vergleichbar mit der natürlichen Produktion dieser Naturstoffe.

Die Methode ist inzwischen so gut ausgearbeitet, dass sie von Anfängern bereits nach kurzer Einarbeitung zur Herstellung neuer Wirkstoffe genutzt werden kann. Allerdings war es bis dahin ein weiter Weg. „Ich hatte Glück, dass mich bei diesem Projekt Mitarbeiter unterstützten, die sich nicht leicht entmutigen ließen, sehr fleißig waren und auch außerhalb etablierter Pfade der Wissenschaft denken konnten“, erklärt Bode. „Die von uns genutzte Schnittstelle zum Zusammenfügen der einzelnen Bausteine liegt so, dass die natürlichen Stationen der Biosynthese nicht mehr eingehalten werden müssen“.

Nun geht es darum, die ersten klinischen Wirkstoffe mit dieser Methode zu modifizieren und biotechnologisch herzustellen. Zudem soll die Methode noch weiter verbessert werden, um auch verwandte Naturstoffklasse modifizieren zu können oder sogar wie in der Natur ganze Bibliotheken von Naturstoffen zu erzeugen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.

Publikation: Kenan A. J. Bozhüyük, Florian Fleischhacker, Annabell Linck, Frank Wesche, Andreas Tietze, Claus-Peter Niesert, Helge B. Bode: De novo design and engineering of non-ribosomal peptide synthetases, Nature Chemistry, https://www.nature.com/nchem/, DOI: 10.1038/nchem.2890

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.muk.uni-frankfurt.de/69511536

Bildtext: Schematische Darstellung des „Baukastensystems“ der NRPS Enzyme zur Produktion neuer Wirkstoffe. Fragmente aus natürlichen Systemen (grün, magenta, blau) werden neu zusammengesetzt (Mitte) und erzeugen dann einen Naturstoff, der in der Natur so bisher nicht gebildet wurde (rechts).

Information: Prof. Dr. Helge B. Bode, Merck Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 29557, h.bode@bio.uni-frankfurt.de.