​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – August 2019

 

Aug 28 2019
12:20

Deutsch-italienischer Abend mit Vortrag und Musik im Museum Giersch der Goethe-Universität, Donnerstag, 5. September 2019, 18.30 Uhr, Eintritt 4,- € an der Abendkasse

Heinrich Mylius: Frankfurter Stifter, Bürger Europas

FRANKFURT. Passend zur Ausstellung „Heinrich Mylius (1769–1854) – Ein europäischer Bürger zwischen Frankfurt am Main und Mailand“ (noch bis 8. September 2019) lädt das Museum Giersch der Goethe-Universität zu einem deutsch-italienischen Abend mit einem Vortrag und passender musikalischer Umrahmung ein.

Der Vortrag „Handel, Mäzenatentum, Konfession: Heinrich Mylius und seine europäischen Netzwerke“ von Dr. Ellinor Schweighöfer, widmet sich dem mäzenatischen Wirken Heinrich Mylius' in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main, das sich im Kontext seiner weit verzweigten und ausdifferenzierten europäischen Netzwerke vollzog. Mylius (1769–1854) war kaum zwanzigjährig in die Lombardei gezogen, um eine Filiale des Handelshauses seiner Familie zu eröffnen. In der Spätphase seines Lebens, ab den 1840er Jahren, engagierte er sich als großzügiger Mäzen in Frankfurt, ohne dafür selbst zurück in die Stadt zu kommen. Dabei stützte er sich auf ein Netzwerk transnationaler persönlicher, geschäftlicher und familiärer Kontakte.

Die Referentin des Abends, Dr. Ellinor Schweighöfer, gilt als exzellente Mylius-Kennerin. Sie studierte Geschichte und Archäologie an der Goethe-Universität Frankfurt und promovierte 2015 im Fach Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. Seit 2018 ist sie Referentin am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Goethe-Universität. Zuvor war sie am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität tätig, wo sie sich unter anderem mit einem Projekt zum Thema „Heinrich Mylius (1769–1854) und die deutsch-italienischen Verbindungen im Zeitalter der Revolution: Die Lombardei und das nordalpine Europa im frühen 19. Jahrhundert“ befasste.

Die passenden musikalischen Akzente setzen die Mitglieder des Collegium Musicum der Goethe-Universität. Sie spielen in verschiedenen Besetzungen Werke von italienischen und deutschen Komponisten aus unterschiedlichen Epochen und Zeiten. Die Aufführungen finden in unterschiedlichen Räumen des Museums statt, so dass die Besucherinnen und Besucher unmittelbar das Zusammenspiel von Kunst und Musik genießen können.

Das Programm im Detail:

18.30 Uhr Musikalische Eröffnung
19.00 Uhr Vortrag
20.15 Uhr Offizielle Begrüßung
20.30 Uhr Parallele musikalische Darbietungen
21.00 Uhr Pausenintermezzo
21.30 Uhr Parallele musikalische Darbietungen
22.00 Uhr Musikalischer Ausklang

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Informationen: Dipl-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de

 

Aug 28 2019
11:29

Die Historiker Johannes Fried und Pierre Monnet diskutieren in der Romanfabrik über den legendären König der Franken

Café Europa: „Karl der Große und die Franken am Mittelmeer“

FRANKFURT. Prof. Johannes Fried, emeritierter Professor an der Goethe-Universität, hat mit „Karl der Große“ ein Standardwerk über den legendären König der Franken verfasst. Prof. Pierre Monnet (ebenfalls Goethe-Universität) ist auch Mittelalter-Spezialist und Autor einer Monographie über Karl IV. Im Café Europa in der Frankfurter Romanfabrik werden die beiden Historiker über die Franken unter Karl dem Großen sprechen, über Karl und den Kalifen Harûn al-Rashid, über Jerusalem und das Auseinanderdriften der Religionen und einige weitere Aspekte.

Café Europa ist eine Vortrags- und Debattenreihe zur Identität Europas, veranstaltet von der Romanfabrik und dem Institut franco-allemand de sciences historiques et sociales (IFRA-SHS). Die Reihe wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Stadt Frankfurt, das Land Hessen und das IFRA-SHS.

Café Europa: Johannes Fried & Pierre Monnet – Karl der Große und die Franken am Mittelmeer.
Mittwoch, 4. September, 20.00 Uhr. Romanfabrik, Hanauer Landstraße 186 (Hof). Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter 069/49084828 oder reservierung@romanfabrik.de. www.romanfabrik.de

 

Aug 26 2019
11:51

Goethe-Universität lädt alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum ersten Goethe-Campus-Lauf ein. 28. August, 18 Uhr, Campus Ginnheim

Uni zieht an Goethes Geburtstag die Laufschuhe an

FRANKFURT. Am 28. August 2019 wäre der berühmteste Sohn Frankfurts und Namensgeber der Goethe-Universität 270 Jahre alt geworden: An diesem Tag startet zum ersten Mal der Goethe-Campus-Lauf. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Goethe-Uni aus Wissenschaft, Verwaltung und Technik werden sich dann einzeln oder in Teams ab 18 Uhr auf die Strecke begeben – es darf auf Zeit gelaufen werden, Walken ist aber auch erlaubt. Über eine Distanz von 5,8 Kilometern führt das Rennen vom Sportcampus Ginnheim durch den Grüngürtel zum Campus Westend und wieder zurück zum Sportcampus.

„Ich freue mich auf eine fröhliche Veranstaltung, auf einen ebenso fairen wie fröhlichen Wettlauf um die ersten Plätze, aber auch auf das gesellige Miteinander im Sinne des ‚Goethe Spirit' aller meiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus Wissenschaft und Verwaltung“, betont Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. All jene, die selbst nicht mitlaufen, sind natürlich herzlich eingeladen, ihre Kolleginnen und Kollegen anzufeuern. Inklusion wird beim ersten Campus-Lauf großgeschrieben: Auch Rollstuhlfahrerinnen und –fahrer können mitmachen. Nach der Siegerehrung wird der Tag entspannt mit Musik und Grillen auf dem Sportcampus ausklingen.

Im Rahmen der Veranstaltung wird am Sportcampus die neue Outdoor-Fitnessanlage eingeweiht; sie soll Bestandteil der künftigen „Goethe-Lauf-Runde“ werden. Diese soll perspektivisch eine feste Beschilderung erhalten und zu einer dauerhaften Einrichtung von Stadt und Uni werden. Das Konzept der künftigen Goethe-Lauf-Runde kombiniert Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining und wird für alle Studierenden und Mitarbeitenden ebenso zugänglich sein wie für Gäste. 

Der Goethe-Campus-Lauf wird gefördert von CampuService.

 

Aug 21 2019
09:00

Theoretische Physiker der Goethe-Universität haben herausgefunden, dass sich kulturelle Prozesse immer weiter beschleunigen

Musikcharts werden immer schnelllebiger

FRANKFURT. Kulturelle Prozesse laufen immer schneller ab und zeigen zudem eine wachsende Tendenz zur Selbstorganisation. Damit ist Erfolg heutzutage nach einer universellen Gesetzmäßigkeit verteilt. Dies haben die beiden Physiker Professor Claudius Gros und Lukas Schneider von der Goethe-Universität herausgefunden. Ihr Untersuchungsgegenstand: 50 Jahre Musikcharts.

Seit den 1960er Jahren werden Musikcharts nach dem gleichen Kriterium erstellt, nämlich anhand des kommerziellen Erfolges. Somit eignen sich Charts auf besondere Weise dazu, die langfristige Entwicklung kultureller Zeitskalen zu untersuchen – benötigt man hierfür doch Daten, die über Jahrzehnte hinweg vergleichbar sind. Auch über den kulturellen Bereich hinaus ist diese Herangehensweise relevant; insbesondere in Bezug auf die politische Meinungsbildung, die die dynamische Stabilität liberaler Demokratien tangiert.

In einer neuen Arbeit, die jetzt bei Royal Society Open Science erschienen ist, legen Lukas Schneider und Prof. Claudius Gros vom Institut für Theoretische Physik der Goethe-Universität dar, dass sich die statistischen Eigenschaften, die Zusammensetzung und die Dynamik der amerikanischen, britischen, niederländischen und deutschen Pop Album-Charts seit Anfang der 1990er Jahre zum Teil deutlich verändert haben. Einerseits hat sich die Vielfalt der Charts verdoppelt oder sogar verdreifacht: Es gibt jetzt deutlich mehr Alben, die es in einem Jahr unter die Top 100 bzw. die Top 40 schaffen. Andererseits ist es mittlerweile so, dass ein Album entweder gleich als Nummer Eins startet – oder nie die Nummer Eins wird. In den 1960er bis -80er Jahren brauchten erfolgreiche Alben hingegen in der Regel vier bis sechs Wochen, um sich von ihrem Startplatz auf den ersten Rang hochzuarbeiten.

Die Anzahl der Wochen, während derer ein Album gelistet ist, dessen „Lebensdauer“, hat sich Schneider und Gros zufolge qualitativ verändert. Wurde die Lebensdauer bis zu den 1990er Jahren noch durch eine Gauß-Verteilung mit einem logarithmischen Argument beschrieben (log-normal), ist sie heutzutage durch ein Potenzgesetz charakterisiert. Die Verteilung der Lebensdauer ist somit universell, d. h. unabhängig von den Spezifika des Vorganges, was typisch für den Endzustand eines selbst-organisierenden Prozesses ist. Um diese Entwicklung zu erklären, schlagen Schneider und Gros einen informationstheoretischen Ansatz für menschliche Aktivitäten vor. Demnach sind Menschen kontinuierlich darum bemüht, den Informationsgehalt ihrer Erfahrungen und Wahrnehmung zu optimieren. Mathematisch wird Information durch die Shannon-Entropie erfasst, wobei zu berücksichtigen ist, dass Zeiten und andere Größen im Gehirn nach dem Weber-Fechner Gesetz nicht 1:1, sondern stark komprimiert dargestellt und gespeichert werden (auf einer logarithmischen Skala).

Insgesamt ergeben die Untersuchungen von Schneider und Gros, dass die Chartdynamik und damit auch die zugrundeliegenden sozio-kulturellen Prozesse heute deutlich schneller als vor einigen Jahrzehnten ablaufen. Eine ähnliche Beschleunigung könnte auch, wie die Autoren darlegen, für die Prozesse gegeben sein, die der politischen Meinungsbildung zugrunde liegen. Wie in einer früheren Arbeit von Gros gezeigt, wäre damit die dynamische Stabilität moderner Demokratien gefährdet, da die Zeitskalen der Wähler und die der politischen Institutionen auseinanderdrifteten, d. h. die Zeitskala der Meinungsbildung und die der zeitverzögerten Entscheidungsprozesse (C. Gros, Entrenched time delays versus accelerating opinion dynamics: Are advanced democracies inherently unstable? European Physical Journal B 90, 223 (2017). https://epjb.epj.org/articles/epjb/abs/2017/11/b170341/b170341.html).

Publikation: Lukas Schneider, Claudius Gros, Five decades of US, UK, German and Dutch music charts show that cultural processes are accelerating, Royal Society Open Science (2019).
https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rsos.190944

Informationen: Prof. Claudius Gros, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Telefon 069 798 47818, E-Mail gros07@itp.uni-frankfurt.de.

 

Aug 15 2019
11:18

8. Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare analysiert aktuelle Schwachstellen des deutschen Gesundheitssystems

Pharmastandort Deutschland: Qualität und Innovationskraft auf dem Prüfstand

FRANKFURT. Seine frühere Funktion als Apotheke der Welt hat Deutschland längst verloren – gibt es Chancen für ein Comeback? Die Qualität unserer medizinischen Versorgung hat international einen hervorragenden Ruf – wird sie de facto aber nicht immer schlechter? Was lässt sich dagegen tun? Und welche Rolle kann dabei die Digitalisierung spielen? Das sind die zentralen Fragen, mit denen sich mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Bereichen des Gesundheitswesens Anfang September auf dem Campus Westend der Goethe-Universität auseinandersetzen werden. Anlass ist die 8. Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare, die

am Montag, 2. September, ab 19 Uhr,
und Dienstag 3. September, von 9 bis 16.15 Uhr
im Casino auf dem Campus Westend der Goethe-Universität

stattfindet. Dabei handelt es sich um eine der führenden Pharmakonferenzen Deutschlands.

Die Frage „Haben wir noch das beste Gesundheitssystem der Welt?“, mit der sich die erste Podiumsdiskussion der Jahrestagung beschäftigt, ist keinesfalls rhetorisch gemeint. Denn sie bezieht sich ausdrücklich auf besonders markante Schlagzeilen, die jüngst an der Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland zweifeln ließen: Krankenhäuser müssen die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes mithilfe von Opt-out-Regelungen umgehen, damit sie in Zeiten zunehmenden Ärztemangels ihren Betrieb aufrechterhalten können. Blutdrucksenkende Arzneimittel mit einem in China produzierten Wirkstoff sind mit einer vermutlich krebserregenden Substanz verunreinigt. Implantate oder Prothesen gefährden Patienten, weil sie oft leichtfertig und ohne ausreichende Kontrollen zugelassen werden.

Mit der Innovationskraft der forschenden Arzneimittelindustrie Deutschlands befasst sich die zweite Podiumsdiskussion. Denn Arzneimittelinnovationen made in Germany sind Mangelware geworden. Oder doch nicht? Die deutsche Biotech-Industrie jedenfalls ist quicklebendig, wie beispielhaft der Erfolg von Evotec zeigt, dessen Vorstandsvorsitzender ebenso zur Jahrestagung kommen wird wie die Gründerin von AiCuris, des Antiinfektiva-Spinoffs von Bayer, sowie der Forschungschef von AbbVie Deutschland, in der einst der Pharmabereich der BASF aufgegangen ist, um im Gespräch mit Repräsentanten von Politik und Kostenträgern das innovative Potenzial der Pharmaforschung in Deutschland in den Blick zu nehmen.

Eröffnet wird die Jahrestagung von der Hessischen Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Prof. Kristina Sinemus, mit einer Keynote über ihr Aufgabengebiet. Daran schließt sich ein Video-Gespräch mit dem aus Berlin zugeschalteten Kanzleramtsminister Prof. Helge Braun über die Chancen der Digitalisierung für das Gesundheitssystem an. Zudem wird Thomas Müller, Leiter der Abteilung „Arzneimittel, Medizinprodukte, Biotechnologie“ im Bundesgesundheitsministerium in einer Keynote über aktuelle und geplante Gesetzgebungsinitiativen seines Hauses berichten.

Ihrer Tradition entsprechend bietet die Jahrestagung im Anschluss an die Podiumsdiskussionen zwei Sessions mit je drei parallelen Workshops an. Beim Vorabendempfang auf Einladung der Hessischen Landesregierung wird zum zweiten Mal der von der Zeitschrift ZEIT Doctor und dem House of Pharma & Healthcare gemeinsam ausgelobte Deutsche Patientenpreis verliehen. Er belohnt in diesem Jahr die beste Innovation zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Obwohl nämlich das medizinische Wissen rasant zunimmt und Gesundheitsinformationen immer leichter zugänglich werden, hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands erhebliche Schwierigkeiten, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und zu nutzen.

Das House of Pharma & Healthcare (www.houseofpharma.de) verfolgt das Ziel, den Pharma-Kompetenzcluster Hessen weiterzuentwickeln und die Innovationslücke in der Arzneimittelentwicklung zu schließen. Zu diesem Zweck fördert es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland und bietet ihnen eine neutrale Diskussionsplattform. Es wird geleitet von Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität) und Prof. Dr. Jochen Maas (Sanofi).

Dem Vorstand des House of Pharma & Healthcare gehören für die beteiligten hessischen Hochschulen Prof. Dr. Ulrich Koert, Vizepräsident der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Frank Runkel, Vizepräsident der Technischen Hochschule Mittelhessen, Prof. Dr. Peter R. Schreiner, Vizepräsident der Justus-Liebig-Universität Gießen und Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main an.

Das detaillierte Programm der Jahrestagung mit Anmeldeformular finden Sie unter www.convent.de/pharma.

Information: Joachim Pietzsch, Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V., Telefon: 069 36007188, j.pietzsch@wissenswort.com

 

Aug 14 2019
12:21

Atmosphärenforscher Professor Joachim Curtius von der Goethe-Universität bewertet aktuelles Gutachten des Weltklimarats (IPCC)

„Wir müssen jetzt schnell und entschlossen handeln“

FRANKFURT. Der renommierte Atmosphärenforscher Joachim Curtius von der Goethe-Universität sieht in dem am 8. August erschienenen Gutachten des Weltklimarates in Genf einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung von Folgen des Klimawandels. Das Gutachten von insgesamt mehr als 100 Forschern mache deutlich, dass auch die Länder in den gemäßigten Klimazonen nicht weiter so tun könnten, als finde der Klimawandel nur in anderen Ländern statt. Die immer raschere Folge von Extremsommern seit den 2000er Jahren seien ein Beleg dafür, dass auch Deutschland und Mitteleuropa sich mit den Folgen des Klimawandels intensiver befassen und umsteuern müssen. Bisher sei es in Deutschland dank der Energiewende zwar gelungen, den CO2-Ausstoß im Durchschnitt um ein Prozent pro Jahr zu reduzieren. Dieser Wert müsse sich jedoch möglichst rasch vervierfachen, um bis 2050 zu einer weitgehenden CO2-Neutralität zu kommen.

Eine bisher sehr unterschätzte Rolle als CO2-Emittenten spielten auch die Moore, bzw. deren Trockenlegung und der dort stattfindende Torfabbau. Allein trockengelegte Moore verursachen 5 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes in Deutschland. Mit einer Wiedervernässung der trockengelegten Flächen könnte der CO2-Ausstoß drastisch reduziert werden.

Auch andere klimaverändernde Gase wie Methan müssten noch viel stärker in den Blick genommen werden. Hier sei die Landwirtschaft und insbesondere die aufgrund des hohen globalen Fleischkonsums extensive Viehwirtschaft ein Hauptverursacher für den Klimawandel und die weltweit steigenden Temperaturen. Die globale Viehwirtschaft sei auch wesentlich verantwortlich für die immer stärkere Rodung großer Waldgebiete und die Umwandlung dieser Flächen in landwirtschaftliche Gebiete, die dann oft mit Soja für die Tierfütterung bepflanzt würden. Dieser Raubbau habe gleich mehrfach negative Auswirkungen auf das Klima: Bei Brandrodungen würden Jahr für Jahr Milliarden von Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen, der abgeholzte Regenwald könne sich möglicherweise in absehbarer Zukunft nicht mehr regenerieren und das als Viehfutter eingesetzte Soja setze über die Verdauungsprozesse der Tiere enorme Mengen klimaschädliches Methan frei. Dieser Teufelskreis sei nur zu durchbrechen durch eine deutliche Reduktion des globalen Fleischkonsums.

Curtius hält es sogar für möglich, dass der Amazonas-Regenwald aufgrund der extensiven Abholzung zugunsten der Land- und Viehwirtschaft vollständig verschwinden könnte – mit gravierenden Folgen für das Weltklima: In komplexen Klimasystemen gebe es sogenannte Kipppunkte, an denen ein Klimasystem schnell in einen ganz neuen Zustand rutschen könne: „Bei weiterer starker Erwärmung und fortgesetzter Rodung des Amazonas-Regenwalds ist es möglich, dass ein Punkt erreicht wird, an dem sich die Verdunstung aus den Wäldern und damit auch Niederschläge und Temperaturen in dieser Region schlagartig so verändern, dass auch der verbleibende Regenwald nicht mehr weiterbestehen kann und dass die Veränderungen dann tatsächlich irreversibel sind“, so Curtius. Auch für den deutschen Wald sieht Curtius schwere Zeiten voraus: „Es wird sehr schwer und teuer, den Wald bei uns in den kommenden hundert Jahren an die sich durch Klimawandel schnell verändernden Gegebenheiten anzupassen: Die großen Schäden durch Trockenheit und Borkenkäferbefall, die wir derzeit beobachten, machen diese Problematik überdeutlich.“

Curtius ist überzeugt, dass auch jetzt noch die Chance besteht, durch energisches Handeln in der Klimapolitik einen weiteren Anstieg der globalen Temperaturen stark zu bremsen und mittelfristig sogar zu stoppen:

„Meiner Einschätzung nach sind die Veränderungen zwar dramatisch, es ist aber noch kein Punkt überschritten, an dem die Probleme so groß sind, dass wir nichts mehr tun könnten. Es besteht auf jeden Fall noch die Chance, die menschgemachte Erwärmung so zu begrenzen, dass katastrophale Schäden abgewendet werden können, wenn wir - insbesondere die Industriestaaten als Hauptverursacher - jetzt schnell und entschlossen handeln. Für eine Änderung des Konsumverhaltens ist es bestimmt noch nicht zu spät. Natürlich muss es uns gelingen, nicht nur die Emissionen in Deutschland und in Europa zu reduzieren, sondern auch die USA, China, Brasilien und weitere Länder müssen überzeugt werden, mitzumachen. Aber zunächst muss sicherlich jeder vor seiner eigenen Türe kehren. Wir haben seit mehr als einem Jahrhundert wesentlich die Emissionen verursacht und unseren Wohlstand darauf aufgebaut, daher haben wir eine hohe Verantwortung, die Emissionen auch als Erste zu reduzieren.“

Das vollständige Interview mit Prof. Curtius können Sie im Webmagazin der Goethe-Universität unter http://tinygu.de/Interview-Curtius lesen.

Foto zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/73235820
Bild: Uwe Dettmar

Joachim Curtius ist seit 2007 Professor für experimentelle Atmosphärenforschung am Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität. Der renommierte Forscher zählt zu den meistzitierten Wissenschaftlern der Goethe-Universität. 2017 wurde er zum „Scientist of the year“ gewählt. Curtius ist einer der zwei Koordinatoren des DFG-Schwerpunktprogrammes „Atmospheric and Earth System Research with the High Altitude and Long Range Research Aircraft“ (HALO). Die Forschenden wollen mit HALO beispielsweise verstehen, wie chemische Abbauprozesse von Spurenstoffen in der Atmosphäre ablaufen, wie Aerosolpartikel sich neu bilden, oder wie Wolken entstehen und welchen Einfluss sie auf den Strahlungshaushalt haben. Die Messungen werden in verschiedenen Regionen der Erde vorgenommen, von arktischen Breiten bis zum Amazonas-Regenwald. Beteiligt an dem Konsortium sind das DLR, das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und für Meteorologie in Hamburg, das Karlsruher Institut für Technologie, das Forschungszentrum Jülich und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig, außerdem die Universitäten Leipzig, Heidelberg, Hamburg, Bremen, Wuppertal und Frankfurt.

 

Aug 12 2019
10:00

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 20. August 2019 im Klingspor Museum

Ich bin ganz meiner Meinung: Über Freiheit im Internet

FRANKFURT/OFFENBACH. Sobald wir online sind, können wir nicht verhindern, dass unsere Daten gesammelt werden – wobei viele dieser Informationen auf die ein oder andere Weise zu uns zurückkehren. Die Auswirkungen dieses Wechselspiels beleuchtet der Jurist und Rechtsphilosoph Klaus Günther, Professor an der Goethe-Universität und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, bei der kommenden „Goethe Lecture Offenbach“. Die interessierte Öffentlichkeit ist bei freiem Eintritt herzlich eingeladen zu seinem Vortrag

„Wie frei sind wir im digitalen Echoraum?“
am Dienstag, dem 20. August 2019, um 19.00 Uhr
im Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main.

Private und staatliche Organisationen verwenden unsere Daten, um Persönlichkeitsprofile herzustellen, sei es zum Zweck der Beobachtung und Überwachung, sei es, um durch eine zielgenaue Produktwerbung Anreize für den Konsum zu schaffen. Dadurch wird eine Art Spiegelkabinett um uns herum gebaut, das unsere Wünsche und Überzeugungen bestätigt und unser künftiges Verhalten immer genauer vorherzusagen weiß. Ähnliches geschieht in digitalen sozialen Netzwerken, nicht nur durch das Sammeln und Analysieren der dabei produzierten Verhaltensdaten, sondern auch dadurch, dass wir uns überwiegend mit Gleichgesinnten austauschen, die unsere Wünsche und Überzeugungen, unsere Sicht auf die Welt teilen und bestätigen („liken“).

Der Vortrag geht der Frage nach, ob und in welcher Weise sich unsere Freiheit verändert, wenn wir uns immer häufiger in solchen Echoräumen und digitalen Spiegelkabinetten unseres eigenen Selbst bewegen – oder ob zur Freiheit nicht auch die Erfahrung des Widerspruchs, Widerstands, des Dissenses oder gar des Scheiterns gehört.

Prof. Klaus Günther ist Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Co-Sprecher des hier angesiedelten geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsverbundes zur Herausbildung normativer Ordnungen und Mitglied des Frankfurter Instituts für Sozialforschung (IfS). Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen „Der Sinn für Angemessenheit“ (1988) sowie „Schuld und kommunikative Freiheit“ (2005).

Veranstalter des öffentlichen Vortragsabends im Klingspor Museum und auch der Gesamtreihe „Goethe Lectures Offenbach“ sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch dieses Mal die Möglichkeit zur Diskussion.

Die „Goethe Lectures Offenbach“ im Internet: www.normativeorders.net/glo

Informationen:
Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft
Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

 

Aug 9 2019
21:31

Erstes Vernetzungstreffen des Innovationsforums Barrierefreiheit am 15. August 2019 an der Goethe-Universität

Mehr Barrierefreiheit an hessischen Hochschulen dank Digitalisierung

FRANKFURT. Für 11% aller Studierenden bauen sich während des Studiums aufgrund körperlicher oder gesundheitlicher Beeinträchtigungen Hürden auf – oft für die Außenwelt kaum erkennbar: Denn nur bei 8% sind diese Beeinträchtigungen für Außenstehende sichtbar; Ergebnisse einer bundesweiten, repräsentativen Studie „beeinträchtigt studieren – best2“ des Deutschen Studentenwerks (DSW), des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Höhere Studien in Wien von 2016.

Grund genug, das Thema Barrierefreiheit auch an 11 hessischen Hochschulen genauer in den Blick zu nehmen und nach Lösungen zu suchen und dabei insbesondere die Chancen der Digitalisierung konsequenter zu nutzen. Dafür wurde hessenweit das „Innovationsforum Barrierefreiheit“ ins Leben gerufen.

Auf Einladung der Goethe-Universität und der Technischen Hochschule Mittelhessen findet

am 15. August 2019, 10-17 Uhr, Campus Westend der Goethe-Universität, Gebäude: Casino, 1. Etage, Raum 1.811

ein erstes Vernetzungstreffen des hochschulübergreifenden Innovationsforums Barrierefreiheit statt.

Mit dem Innovationsforum sollen Impulse zur Förderung digitaler Inklusion an hessischen Hochschulen gesetzt, längerfristige Bedarfe ermittelt und diese gezielt umgesetzt werden. Durch die Vorhaben soll eine „Culture of Care“ als „Hochschule für alle“ etabliert und mit digitalen Medien vorangetrieben werden. Dabei gilt es auch, bereits bestehende Angebote und Initiativen an den Hochschulen besser sichtbar zu machen und diese um ein praxisorientiertes Angebot zu erweitern, das konkrete Hilfe mit Vernetzungs- und Weiterbildungsangeboten, Anleitungen, Empfehlungen sowie Tutorials zur Selbsthilfe für Lehrende bietet.

Ziele des Innovationsforums: Bildung hessischer (Hochschul-) Community zum Themenfeld digitale „Barrierefreiheit“ und gemeinsame Etablierung einer „Culture of Care“-Inklusionskultur:

  • Austausch und Vernetzung von 11 hessischen Hochschulen
  • Sensibilisierung, Sammlung von Ideen (für konkrete Umsetzungen) und Bedarfen
  • Erstellung und Verfügbarmachung von digitalen Lernmaterialien, Weiterbildung, Priorisierung, Ressourcen und Verantwortungsvergabe zum Ziel „Barrierefreie Hochschule“
  • Projekt Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen“ (digLL), Laufzeit 2.2019-1.2021

Neben Vorträgen werden in zwei Arbeitsphasen am Nachmittag Einblicke in die Arbeitswelt von Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen gegeben. Des Weiteren sollen Bedarfe, Forschungsthemen, Sensibilisierungsmaßnahmen und innovative Lehr-/Lernmethoden zusammen entwickelt werden.

Programm:

  • Begrüßung der Kooperationspartner von Prof. Dr. Detlef Krömker (studiumdigitale, Leiter der zentralen eLearning Einrichtung der Goethe-Universität) und Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten (Leiterin des BliZ, dem Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende der Technischen Hochschule Mittelhessen)
  • Vorstellung des Kooperationsprojekts und der Umfrageergebnisse „Digitale Barrierefreiheit an hessischen Hochschulen“.
    Dr. Sarah Voß-Nakkour, Linda Rustemeier und Sanja Grimminger (studiumdigitale)
  • Vortrag 1: Inklusive Wissenschaftskultur in der Informatik
    Prof. Dr. Erdmuthe Meyer zu Bexten
  • Vortrag 2: Inklusive Hochschulen in Hessen - Aktivitäten, Bedarfe, barrierefreie IT Meike Spies (Projekt: Inklusive Hochschulen in Hessen) und Dr. Steffen Puhl (Justus-Liebig-Universität Gießen)

Kontakt für Rückfragen:
Linda Rustemeier (studiumdigitale), Mitarbeiterin Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen, Innovationsforum Barrierefreiheit, eMail: rustemeier@sd.uni-frankfurt.de, Telefon: +49 69 798 24640
Andreas Deitmer, BliZ, Telefon: +49 641 309 2455, eMail: andreas.deitmer@bliz.thm.de

Weitere Informationen: digLL Hessen Innovationsforum Barrierefreiheit Webseite

 

Aug 6 2019
11:24

Podiumsdiskussion zur Aktualität Adornos

„Die gesellschaftlichen Voraussetzungen des Faschismus dauern fort“

FRANKFURT. Am heutigen 6. August jährt sich der Todestag des Frankfurter Sozialphilosophen Theodor W. Adorno zum 50. Mal. Adorno war einer der bekanntesten Vertreter der Frankfurter Schule, Professor der Goethe-Universität und Direktor des Instituts für Sozialforschung. Aus Anlass des Todestages weist die Goethe-Universität auf eine Podiumsdiskussion der Stadt Frankfurt hin, die in der kommenden Woche u.a. mit Beteiligung prominenter Vertreter des Exzellenzcluster Herausbildung normativer Ordnungen und der Goethe-Universität stattfindet.

Nach den diesjährigen Adorno-Vorlesungen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung mit Vorträgen von Prof. Peter M. Gordon im Juni veranstaltet das Kulturdezernat der Stadt Frankfurt am Main am Dienstag, den 13. August, um 19.30 Uhr anlässlich des 50. Todestages Theodor W. Adornos eine öffentliche Podiumsdiskussion in der Evangelischen Akademie Frankfurt, die die Aktualität seines Schaffens in den Fokus rücken wird. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit hr2-kultur und dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt am Main statt. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In dem Gespräch widmen sich die Diskutantinnen und Diskutanten, darunter die beiden Clustermitglieder Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und Professorin für Internationale Beziehungen und Theorien globaler Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Dr. Axel Honneth, Sozialphilosoph, Professor für Humanities an der Columbia University in New York und ehemaliger Direktor des Instituts für Sozialforschung, zusammen mit Prof. Dr. Dr. Michel Friedman, Publizist, Philosoph und geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies (CAES) an der Frankfurt University of Applied Sciences und Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft Stadt Frankfurt am Main insbesondere dem aktuellen Phänomen der „Neuen Rechten“ vor dem Hintergrund von Adornos Gesellschaftskritik. Das Gespräch wird von Dr. Thomas Sparr, Editor at Large, Suhrkamp Verlag, moderiert.

Theodor W. Adorno, der wie seine Kollegen am Frankfurter Institut für Sozialforschung 1933/34 zur Emigration gezwungen war, setzte sich als Soziologe intensiv mit der nationalsozialistischen Diktatur auseinander. Nach seiner Remigration in die Bundesrepublik und die Rückkehr nach Frankfurt im Jahr 1953 stand er der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft mit kritischer Distanz gegenüber und beobachtete mit Schrecken das erfolgreiche Wirken ehemaliger „Parteigenossen“ im öffentlichen Leben.

1967 hielt Adorno auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs einen Vortrag unter dem Titel „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“. Die Ausführungen bezogen sich vor allem auf die damals aktuellen Wahlerfolge der neofaschistischen NPD in Deutschland. „Die gesellschaftlichen Voraussetzungen des Faschismus dauern fort“, mahnte der Wissenschaftler. Doch er bezog sich nicht nur auf die beständigen Laufbahnen von NS-Kadern in der Bundesrepublik.

„Mit Blick auf das Wiederaufleben rechtsextremer Einstellungen erscheint Adornos Analyse aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in vielen Punkten alarmierend aktuell. Umso wichtiger ist es, die menschenverachtende Rhetorik und aufstachelnde Hetze der neuen, alten Rechten zu entlarven und ihr zu widersprechen“, sagt Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig.

Adornos Beschreibung liest sich auch aus heutiger Sicht als treffende soziologische Analyse von Rechtsextremismus und -populismus in einer pluralistischen Demokratie. Doch wird unsere heutige Demokratie ihren eigenen Ansprüchen gerecht? Hat Adorno hier ein gesellschaftliches Problem aufgezeigt, das sich bis heute nicht wesentlich verändert hat? Wie neu ist das Phänomen der „Neuen Rechten“ aus Sicht der Frankfurter Schule betrachtet? Diese und andere Fragen werden bei der Veranstaltung diskutiert.

Die Diskussion wird im Livestream über die Facebook-Seiten Frankfurt & Culture und Normative Orders zu sehen sein und ist im Anschluss als Videoaufzeichnung auf den Websites des Kulturdezernats (www.kultur-frankfurt.de) und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ (www.normativeorders.net) sowie dem Youtube-Kanal „Normative Orders“ abrufbar.

 

Aug 1 2019
10:35

Bankier und Mäzen Heinrich Mylius (1769–1854) steht im Mittelpunkt einer Ausstellung im Museum Giersch der Goethe-Universität vom 8. August bis 8. September 2019

Frankfurter Pionier für einen europäischen Kulturraum

FRANKFURT. Zum 250. Geburtstag des in Frankfurt geborenen Heinrich Mylius widmen das Museum Giersch der Goethe-Universität und die Villa Vigoni, Deutsch-Italienisches Zentrum für Europäische Exzellenz, Loveno di Menaggio, der vielseitigen Persönlichkeit eine Jubiläumsausstellung. Heinrich Mylius war Kaufmann, Bankier und Mäzen, ein innovativer Kopf mit sozialem Verantwortungsbewusstsein und kulturellem Engagement. Sein Leben zwischen deutschem Kulturraum und Italien gleicht einer vorbildlichen europäischen Migrations- und Integrationsgeschichte.

In Mailand gelangte er zu Reichtum und Ansehen. Er war in unterschiedlichen Produktions- und Handelszweigen aktiv, schwerpunktmäßig in der Seidenindustrie. Ökonomisch und technisch-handwerklich, aber auch was die Ausbildung und die soziale Absicherung seiner Angestellten anging, gehörte Mylius zu den europäischen Pionieren.

Hohe Wertschätzung erfuhr Mylius aufgrund seiner mäzenatischen Aktivitäten, mit denen er seine Heimatstadt Mailand und seine Vaterstadt Frankfurt am Main bedachte: Er förderte kulturelle, religiöse, karitative und soziale Einrichtungen. Seine Vermittlung zwischen den beiden Meistern Johann Wolfgang Goethe in Weimar und Alessandro Manzoni in Mailand markierte einen Höhepunkt deutsch-italienischer Literaturgeschichte.

Die Schau beleuchtet anhand von Gemälden, Skulpturen, Aquarellen, Druckgraphiken, Büchern und Archivalien, die mehrheitlich aus der Villa Vigoni stammen, sowie einigen Reproduktionen die wichtigsten Stationen im Leben des Heinrich Mylius (Frankfurt am Main, Mailand, Triest und Weimar) und seine internationalen Netzwerke.

Pressekonferenz: Donnerstag, 8. August 2019, 11 Uhr

  • Dr. Manfred Großkinsky, Leiter Museum Giersch der Goethe-Universität
  • Dr. Christiane Liermann Traniello, Generalsekretärin der Villa Vigoni, Deutsch-Italienisches Zentrum für Europäische Exzellenz
  • Viola Usselmann M.A., Wissenschaftliche Referentin (Villa Vigoni) und Kuratorin der Ausstellung
  • Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 8. August 2019, 18 Uhr

Begrüßung und Dank: Dr. Manfred Großkinsky, Leiter Museum Giersch der Goethe-Universität
Grußworte: Dr. Christiane Liermann Traniello, Generalsekretärin der Villa Vigoni, Deutsch-Italienisches Zentrum für Europäische Exzellenz Prof. Dr. Rolf van Dick, Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt Gisela Cramer von Clausbruch „Zusammenarbeit mit europäischen Staaten; Israel“, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Einführungen: Dr. Manfred Großkinsky, Leiter des Museum Giersch der Goethe-Universität und Kurator der Ausstellung
Viola Usselmann M.A., Wissenschaftliche Referentin (Villa Vigoni) und Kuratorin der Ausstellung

Bilder zum Download unter: http://www.museum-giersch.de/#/Presse

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Führungen, Eintritt und Sonderveranstaltungen unter www.museum-giersch.de.
Publikation: C. Liermann, G. Meda Riquier, V. Usselmann (unter Mitwirkung von M. Labitzke): Heinrich Mylius (1769–1854). Eine Biographie, Menaggio: Villa Vigoni, 2019
Finanzierung: Stiftung Giersch, Förderung: Kulturamt Frankfurt am Main, Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Italienischen Botschaft Berlin und der Deutschen Botschaft Rom.
Informationen: Dipl-Kffr. Christine Karmann, Presse und Marketing Museum Giersch der Goethe-Universität, Tel: 069/138210121, E-Mail: presse@museum-giersch.de, Adresse: Museum Giersch der Goethe-Universität, Schaumainkai 83, 60596 Frankfurt am Main