​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – August 2018

 

Aug 31 2018
10:37

Ausstellung von Rainer Raczinski im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Polaroids von internationalen Architekturikonen im Bauhausstil – Frankfurt, Tel Aviv, Palm Springs

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Der Frankfurter Fotokünstler Rainer Raczinski arbeitet ausschließlich mit Polaroids. Seit Jahren widmet er sich der Fotografie von Architektur und Städten. Gegenstand seines jüngsten Projektes ist die Architektur des „International Style“, der Bauhaus Architektur in ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Eine Auswahl seiner Fotos wird im September im Forschungskolleg Humanwissenschaften gezeigt. Die Ausstellung stellt Fotos von Gebäuden aus drei Städten einander gegenüber: Gebäude aus dem Frankfurt der 1920er Jahre; aus der „Weißen Stadt“ in Tel Aviv, die in den 1930er Jahren entstand; und Villen aus dem kalifornischen Palm Springs, die in den 1940er bis 1960er Jahren errichtet wurden. Die Polaroids laden den Betrachter dazu ein, mit konzentriertem Blick auf die kleinen Formate die Gebäude neu zu sehen und zu vergleichen.

Ein Klick und ein kurzer Moment – und man hält das Polaroid in den Händen. Das Sofortbild ist meist klein, manchmal quadratisch mit einem weißen Rand und die Farben besitzen auf den ersten Blick eine seltene Eigenheit. Die Momentaufnahme ist ein Original, ein Unikat; sie kann nicht korrigiert, bearbeitet und reproduziert werden Das Polaroid hat daher eine besondere Authentizität, die man in der digitalen Fotografie zunehmend vermisst, und wahrscheinlich ist sie eben deshalb in den letzten Jahren zum Kult geworden.

Die Ausstellung, die ein erstes Licht auf das einhundertjährige Bauhaus-Jubiläum im kommenden Jahr wirft, ist vom 3. bis zum 27. September zu sehen; anschließend wird sie im Bauhaus Center Tel Aviv gezeigt. Am 11. September laden die Veranstalter der Ausstellung – das Forschungskolleg Humanwissenschaften und der Hochtaunuskreis – die interessierte Öffentlichkeit zu einem Empfang mit einer Einführung in die Ausstellung ein. Der Landrat Ulrich Krebs und der Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften Professor Matthias Lutz-Bachmann werden die Gäste begrüßen. Sodann wird der Leiter des Bauhaus Center Tel Aviv Dr. Micha Gross einen Vortrag über die historische Entwicklung der „Weißen Stadt“ Tel Aviv halten.

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Montag, 3. September bis Donnerstag, 27. September 2018
montags bis freitags, 10 Uhr bis 16 Uhr
Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg
Der Eintritt ist frei.

Empfang mit Einführung in die Ausstellung:
Dienstag, 11. September, 18:00 Uhr
Um vorherige Anmeldung wird gebeten: info@forschungskolleg-humanwisssenschaften.de

Kontakt: 
Iris Helene Koban (Geschäftsführung), Tel.: 06172-13977-10; i.koban@forschungskolleg-humanwissenschaften.de 
Beate Sutterlüty (Wissenschaftskommunikation), Tel.: 06172 13977-15, b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

 

Aug 29 2018
16:51

Prof. Petra Schulz wird Mitglied in DFG-Senatskommission

Frankfurter Linguistin entscheidet mit über Sonderforschungsbereiche

FRANKFURT. Die Frankfurter Sprachwissenschaftlerin Prof. Petra Schulz ist vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in den Senatsausschuss für die Sonderforschungsbereiche (SFB) gewählt worden. Damit ist sie künftig mitverantwortlich für die Bewertung und Auswahl von Sonderforschungsbereichen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

„Ich habe mich sehr über die Wahl gefreut – für die Linguistik allgemein, aber vor allem auch für die Frankfurter Linguistik“, sagt Prof. Petra Schulz. Obwohl die Linguistik ein kleines Fach sei, sei sie nun weiterhin im Senatsausschuss für die Sonderforschungsbereiche vertreten. Der Grund dafür: Die Linguistik hat überproportional viele Sonderforschungsbereiche in ihren Reihen.

Sonderforschungsbereiche sind langfristige Projekte zur Grundlagenforschung. Darin kooperieren Wissenschaftler einer Universität oder mehrerer Universitäten, häufig aus unterschiedlichen Disziplinen, um neue Erkenntnisse zu einem eingegrenzten Thema zu erlangen. Die Projekte werden aus Mitteln des Bundes und der Länder gefördert. Nach jeweils vier Jahren erfolgt eine Begutachtung durch externe Wissenschaftler (Begehung) sowie gegebenenfalls eine Fortsetzungsbeantragung. Diese Form der Forschungsförderung feiert in diesem Jahr Jubiläum: 1968 wurde das Programm ins Leben gerufen. Derzeit fördert die DFG insgesamt 274 Sonderforschungsbereiche (Stand Juli 2018), zehn davon an der Goethe-Universität.

Petra Schulz hat an der Goethe-Universität seit 2006 die Professur für Deutsch als Zweitsprache sowie Theorie und Didaktik des Zweitspracherwerbs inne. Die heute 54-Jährige befasst sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit schwerpunktmäßig mit dem kindlichen Erst- und Zweitspracherwerb, vor allem an der Schnittstelle von Syntax und Semantik. Für ihre Forschung hat sie zahlreiche Fördermittel eingeworben, u.a. bei der DFG, beim BMBF, dem Landesexzellenzprogramm LOEWE und der EU. Seit August leitet sie an der Goethe-Universität ein vom Hessischen Wissenschaftsministerium gefördertes Forschungsprojekt, das den Zweitspracherwerb ab sechs Jahren untersucht.

Seit 2017 ist sie gemeinsam mit Prof. Esther Rinke Sprecherin des GRADE Centers „Language“, der Graduiertenakademie der Goethe-Universität.  

Als Mitglied des Senatsausschusses für die Sonderforschungsbereiche ist Schulz zugleich Mitglied des Bewilligungsausschusses für die Sonderforschungsbereiche. Ihre Aufgabe wird es sein, an Begehungen von Sonderforschungsbereichen teilzunehmen und ein Urteil zu den Anträgen abzugeben. Sie ist derzeit die einzige Wissenschaftlerin der Goethe-Universität in diesem Gremium. Ihre Amtszeit beginnt im Januar 2019 und dauert bis Ende 2021, also drei Jahre.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/73510615

Informationen: Prof. Dr. Petra Schulz, Deutsch als Zweitsprache, Geschäftsführende Direktorin, Institut für Psycholinguistik und Didaktik der deutschen Sprache, Telefon +49 (0)69 798-32561

 

Aug 29 2018
15:02

Analog zur Goethe-Uni bildet die University of Jos nun Master in Filmarchivierung und Filmkultur aus

Film-Studiengang wird nach Nigeria exportiert

FRANKFURT. Ein Frankfurter Masterstudiengang wird zum internationalen Prototyp: Mit Unterstützung des DAAD gibt es den praxisorientierten Masterstudiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“, den das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität seit 2013 gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut anbietet, von 2019 an auch in Nigeria.

Was wird aus den Absolventinnen und Absolventen kleiner geisteswissenschaftlicher Fächer wie der Filmwissenschaft? Auf diese Frage gibt der Studiengang „Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation“, der von Goethe-Uni und Deutschem Filminstitut gemeinsam angeboten wird, seit 2013 eine handfeste Antwort. Der Studiengang bildet pro Jahrgang bis zu 20 wissenschaftliche Fachkräfte für Film- und Medienarchive und filmkulturelle Institutionen aus. So gut wie alle, die diesen praxisorientierten Studiengang bisher absolviert haben, konnten direkt ins Berufsleben einsteigen. Das Konzept dieses Studiengangs, der auf Seiten der Goethe-Uni von Junior-Professorin Sonia Campanini und Professor Vinzenz Hediger geleitet wird, dient nun auch Universitäten und Filminstitutionen im Ausland als Inspiration.

Ein Konsortium, in dem das National Film Institute und das National Film, Video and Sound Archive vertreten sind, die zur Nigerian Film Corporation gehören, aber ebenso die University of Jos, wird von Herbst 2019 an den afrikaweit ersten Masterstudiengang für Filmarchivierung und Filmkultur anbieten, der das Frankfurter Erfolgsmodell übernimmt. Nigeria ist laut UNESCO-Statistiken nach Indien das produktivste Filmland der Welt. Rund 1000 Spielfilme pro Jahr erscheinen in Englisch und den drei Hauptsprachen Igbo, Haussa und Yoruba. Verbreitung finden diese Filme auf dem ganzen Kontinent sowie weltweit in der afrikanischen Diaspora.

Die Ausbildung von Fachpersonal für Filmarchivierung und Filmkultur habe in Nigeria eine doppelte Funktion, erklärt Prof. Sonia Campanini: „Es geht um die Etablierung einer Politik und Praxis der Erhaltung des nationalen Filmerbes, zugleich aber auch darum, dieses Erbe in und jenseits von Nigeria zugänglicher und bekannter zu machen.“ Derzeit ist die nigerianische Filmindustrie zwar auf Neuheit fixiert und produziert mehrere neue Filme pro Woche, wird in absehbarer Zeit aber – ähnlich wie die US-Filmindustrie – auch von der längerfristigen Auswertung von beliebten älteren Filmen leben.

Der Studiengang stellt das Know-how und die personellen Ressourcen bereit, die für diesen Übergang erforderlich sind. Für Ellen Harrington, Direktorin des Deutschen Filminstituts, fügt sich die Partnerschaft mit Jos ideal ein in das internationale Profil ihrer Institution: „Der professionelle Austausch mit Partnern in der ganzen Welt gehört fest zum Programm unseres Hauses. Afrika ist ein ungeheuer vielfältiger und produktiver Film-Kontinent, das sehen wir jedes Jahr bei unserem Filmfestival „Africa Alive“ in Frankfurt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in Nigeria und auf die wertvollen Impulse und neuen Einsichten, die sich daraus ergeben werden.“

Die Goethe-Universität wird gemeinsam mit dem Deutschen Filminstitut beim Aufbau des Studiengangs eng mit dem National Film Institute und der University of Jos kooperieren. Die Aufbauarbeit ist auf vier Jahre angelegt und umfasst Fellowships für Lehrende aus Jos, die an der Goethe-Universität und am Deutschen Filminstitut sowie bei „Arsenal – Institut für Film und Videokunst“ (Berlin) die Arbeitsweisen im bestehenden Studiengang studieren können, sowie einen intensiven Austausch: Lehrende der Goethe-Universität und Fachleute des Deutschen Filminstituts werden im Co-Teaching mit Lehrenden in Jos die verschiedenen Module des Studiengangs entwickeln und umsetzen. Finanziert wird die Aufbauarbeit vom DAAD im Rahmen des Programms Transnationale Bildung.

Für die Goethe-Universität bestätigt diese Förderung ihr internationales Profil im Bereich Afrikaforschung, von dem auch das in Frankfurt angesiedelte Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung zeugt. Mit der Kooperation mit der University of Jos und der Nigerian Film Corporation baut die Goethe-Universität ihren Schwerpunkt im Bereich Westafrika/Subsahara-Afrika weiter aus, dem in der Außenpolitik der aktuellen Bundesregierung ein besonderes Augenmerk gilt.

Für Dr. Chidia Maduekwe, den Managing Director der Nigerian Film Corporation, ist die Förderentscheidung des DAAD eine eindrucksvolle Bestätigung der bereits bestehenden bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nigeria. „Mit dem TNB Archival Studies Master-Programm wollen wir ein nachhaltiges und robustes Ausbildungsprogramm auf dem Postgraduate-Level aufbauen“, so Dr. Maduekwe. „Das Ziel ist es, mit hervorragend ausgebildeten Fachkräften die aktuellen und künftigen Herausforderungen anzugehen, die sich im Bereich Archivmanagement und Forschung zum Filmerbe in Nigeria und Afrika stellen.“

Das „Arsenal – Institut für Film und Videokunst“ hat mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes zuvor am Filmarchiv in Jos die technischen Voraussetzungen geschaffen sowie den nigerianischen Spielfilm SHAIHU UMAR (Adamu Halilu, 1976) restauriert und zur Wiederaufführung gebracht. „Wir freuen uns, dass unsere enge Zusammenarbeit mit der Nigerian Film Corporation und dem Masterstudiengang Filmkultur nun in dieser Form langfristig Früchte tragen kann“, so die Co-Direktorin des Arsenal, Stefanie Schulte Strathaus. „Die Kooperation mit den nigerianischen Partnern, die 2015 durch Didi Cheeka, den Begründer der Lagos Film Society, initiiert worden war, hat ‚Arsenal‘ nachhaltig geprägt, und wir wünschen der Frankfurter Filmwissenschaft eine ebenso inspirierende Zusammenarbeit.“

Entstanden ist die Kooperation zwischen der Goethe-Universität und den nigerianischen Partnern im Rahmen des Projekts „Archive außer sich“, das vom „Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.“ gemeinsam mit dem Haus der Kulturen der Welt durchgeführt wird und als langfristige kollaborative Serie von Forschungs-, Veranstaltungs- und Ausstellungsprojekten zum filmkulturellen Erbe und seinen Archiven angelegt ist. Die Frankfurter Filmwissenschaft ist einer der Partner dieses Projekts und war unter anderem an der Veranstaltung einer Tagung zu Fragen des Filmerbes in Jos im Oktober 2017 beteiligt.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/73510532

Informationen: Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Fachbereich 9, Campus Westend, Junior-Prof. Dr. Sonia Campanini, Telefon 069 798-33278,  Campanini@tfm.uni-frankfurt.de, Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Telefon 069 798-32079, 0151 644 188 35 hediger@tfm.uni-frankfurt.de, Dr. Ines Bayer, Delegierte für Universitätsprojekte, Deutsches Filminstitut, bayer@deutsches-filminstitut.de; Stefanie Schulte Strathaus, Ko-Direktorin, Arsenal Institut für Film und Videokunst Berlin, stss@arsenal-berlin.de; Dr. Chidia Maduekwe, Managing Director, Nigerian Film Corporation, mdnigerianfilms@gmail.com; Didi Cheeka, Direktor, Lagos Film Society, didicheeka@yahoo.com

 

Aug 29 2018
14:54

Vom 4. bis 7. September öffnet die Goethe-Uni ihren größten Hörsaal wieder für wissbegierige Kinder

16. Frankfurter Kinder-Uni: Von Dinosauriern und Gladiatorenkämpfen

FRANKFURT. In der Woche vom 4. bis 7. September lädt die Goethe-Universität Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren wieder zur Kinder-Uni auf dem Campus Westend ein. Jeden Tag erklärt ein anderer Wissenschaftler sein Forschungsgebiet auf anschauliche und unterhaltsame Weise. Ziel ist es, auf Wissenschaft neugierig zu machen und Kindern einen Eindruck vom Uni-Leben zu vermitteln.

Das Programm
Zum Auftakt der Kinder-Uni am Dienstag (4. September) um 9 Uhr erklärt der Sportsoziologe Prof. Robert Gugutzer in seiner Vorlesung „Auf den Thron gekickt“ wie der Fußball in Deutschland zu so einem beliebten Sport wurde und warum „König Fußball“ bis heute so unangefochten auf seinem Thron sitzt.

Ein Tipp für Dino-Expertinnen und Experten ist die Vorlesung von Dr. Bernd Herkner vom Senckenberg-Museum am Mittwoch (5. September). Es geht darum, wie die Riesen der Urzeit so groß werden konnten und was das für Schwierigkeiten mit sich brachte – zum Beispiel, wenn ein schwerer Kopf auf einem langen Hals sitzt. Die Museumspädagogik des Senckenberg-Museums wird am Nachmittag vor und nach der Vorlesung mit einem Experimentiertisch vertreten sein.

Am Donnerstag (6. September) nimmt die Pilzforscherin Prof. Maike Piepenbring die Kinder mit auf eine Fantasiereise nach Hogwarts. Als echter Harry Potter-Fan schlüpft sie in die Rolle der Lehrerin für „magische Pilzkunde“. Was sie über Pilze wie den Hexenring verrät, ist aber keineswegs erfunden.

Um die große Zeit der Römer geht es am Freitag (7. September) in der Vorlesung der Archäologin Prof. Anja Klöckner. Sie entführt ihre jungen Zuhörerinnen und Zuhörer in eine antike Arena. Wie die Kämpfe im heißen Sand abgelaufen sind, stellt die Archäologin mit ihrem studentischen Team originalgetreu nach.

Erstmals in diesem Jahr werden Vertreter des Mathematikums aus Gießen im Foyer des Hörsaalgebäudes mathematische Experimente für Kinder anbieten.

Organisation 
Die Organisatorinnen rechnen in diesem Jahr mit mehr als 10.500 Kindern. Die beiden Vormittagsvorlesungen (jeweils 9 Uhr und 11:30 Uhr) sind für Schulklassen reserviert und komplett ausgebucht: Mehr als 380 Klassen aus dem gesamten südhessischen Raum werden an den acht Vormittagsvorlesungen teilnehmen, weitere 250 Klassen konnten leider nicht berücksichtigt werden.

Nachmittags um 16 Uhr sind alle Kinder von 8 bis 12 Jahren in Begleitung Erwachsener ohne Anmeldung eingeladen. Für Kinder, die keine Möglichkeit haben, die Kinder-Uni zu besuchen, gibt es einen Live-Stream (http://live.uni-frankfurt.de). Die Aufzeichnungen können auch im Nachhinein im Internet angeschaut werden, dort finden sich auch Mitschnitte aller Kinder-Uni-Vorlesungen seit 2011 (http://www.rz.uni-frankfurt.de/68128012/Kinderuni).

Nach beiden Vorlesungen können die Schülerinnen und Schüler sich in der Mensa, den Cafeterien des Studentenwerks oder im Café-Bistro „Sturm und Drang“ im Erdgeschoss des Hörsaalgebäudes stärken. In den Betrieben des Studentenwerks bekommen sie gegen Vorlage ihres „Studentenausweises“ für 3 Euro ein Kinder-Menü oder einen Snack und ein Getränk.

Auch in diesem Jahr gibt es zu jeder Vorlesung ein Quiz. Unter den Teilnehmern, die das Richtige angekreuzt haben, werden Buchpreise und andere tolle Gewinne verlost. Auf der Homepage der Kinder-Uni (www.kinderuni.uni-frankfurt.de) sind die Quizfragen und später die richtigen Antworten einsehbar. Besonders eifrige Besucher der Kinder-Uni, die an mindestens drei Vorlesungen teilgenommen haben, können bei einer weiteren Verlosung mitmachen. Zu gewinnen sind Sach- und Hörbücher, verschiedene Freikarten sowie Kinder-Uni-T-Shirts.

Die Frankfurter Dr. Marschner Stiftung unterstützt die Frankfurter Kinder-Uni seit 2015. „Ich bin davon begeistert, dass es bei der Kinder-Uni gelingt, Frankfurter Schülerinnen und Schülern aller Bildungsschichten einen ersten Kontakt mit der Universität zu ermöglichen“, so Peter Gatzemeier, Vorstand der Dr. Marschner Stiftung.

Medienpartner der Frankfurter Kinder-Uni sind auch in diesem Jahr die Frankfurter Rundschau, die täglich über die Veranstaltungen berichten wird, und das Magazin GEOlino, das redaktionell auf die Kinder-Uni aufmerksam macht.

Das Kinder-Uni-Logo finden Sie zum Download unter: www.uni-frankfurt.de/68282161.

Informationen: Dr. Anke Sauter und Dr. Anne Hardy, Referentinnen für Wissenschaftskommunikation, Campus Westend, Tel: (069) 798-13066 und 798- 12498; kinderuni@vdv.uni-frankfurt.de 
www.kinderuni.uni-frankfurt.de

 

Aug 27 2018
14:32

Studienpreis der Körber Stiftung für Vergleich der Armutsentwicklung in der Bundesrepublik und im Vereinigten Königreich

Beispielhaftes Großbritannien?

FRANKFURT. In Deutschland ist das Armutsrisiko seit den 1990er-Jahren gestiegen, in Großbritannien gesunken. Den möglichen Gründen dafür ist der Frankfurter Soziologe Jan Brülle in seiner Dissertation nachgegangen – mit einem aufschlussreichen Ergebnis.

Was ist Armut überhaupt? In der Armutsforschung spricht man von „relativer Einkommensarmut“: Wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens in einem Land zur Verfügung hat, ist von Armut bedroht. Er kann sich seltener eine warme Mahlzeit leisten, die Kinder können nicht zu jedem Kindergeburtstag, weil das Geld für ein Geschenk fehlt: Für den Einzelnen ist Armut eine schwere Belastung seiner Lebenssituation. Wie sich Armut aber in einer Gesellschaft entwickelt, das sagt viel aus über deren Verfasstheit und den Wandel, der in dieser Gesellschaft gerade stattfindet. Ein Staat, der allen Mitgliedern ein Mindestmaß an ökonomischer, sozialer und kultureller Teilhabe zugestehen will, muss diese Entwicklung im Auge behalten.

Warum ist das Armutsrisiko in Deutschland seit 1992 kontinuierlich angestiegen, und wie ist die Armut strukturiert? Dieser Ausgangsfrage ist Jan Brülle in seiner Dissertation nachgegangen. Eine für viele naheliegende Hypothese: Es liegt am Rückbau des Wohlfahrtsstaates insbesondere durch die Hartz-Reformen. „Meine Untersuchung hat aber gezeigt: Vor allem der Arbeitsmarkt und die veränderten Familienstrukturen spielen eine Rolle. Danach erst kommen die Veränderungen beim Wohlfahrtsstaat“, erklärt Brülle.

Für seine Studie hat der heute 33-Jährige Datensätze analysiert, die der wissenschaftlichen Forschung vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin zur Verfügung gestellt wurden, das Sozioökonomische Panel (SOEP). So konnte er die Daten von rund 12.000 deutschen Haushalten in seine Untersuchung einbeziehen. Auf britischer Seite nahm er das British Household Panel (BHPS) als Grundlage. Beide Datensätze erlauben, die Situation der Haushalte über mehrere Jahre zu verfolgen.

Sind dieselben Personen von Jahr zu Jahr immer noch arm, oder können sie sich aus der Armut befreien? Wie sieht die Entwicklung hinsichtlich verschiedener Bildungsabschlüsse und Berufsklassen aus? Diese Fragen richtete Brülle sowohl an die Daten aus Deutschland als auch an die aus dem britischen Vergleichspanel. Dabei hat sich gezeigt: In Deutschland wird Armut über den untersuchten Zeitraum immer häufiger, länger und ungleicher verteilt. Je niedriger der Bildungsabschluss, desto stärker ist das Armutsrisiko angestiegen. Auch Arbeiter sind stärker von Armut gefährdet als Angestellte in höheren Positionen. Die Ursachen für diese Entwicklungen zu kennen, das ist nach Brülle die Voraussetzung, um die richtigen politischen Maßnahmen zu ergreifen, die gegen Armut helfen.

In Großbritannien, wo mehr Menschen von Armut betroffen waren als in Deutschland, lässt sich eine umgekehrte Entwicklung beobachten: Gezielte soziale Transfers konnten hier auch hohe Ungleichheiten beim Einkommen entschärfen. Menschen mit geringfügigem Arbeitseinkommen bekommen auch in Deutschland vom Staat etwas hinzu, also so genannte „Aufstocker“. In Großbritannien sei man jedoch großzügiger bei den „Working Tax Credits“, was die Situation der Menschen tatsächlich verbessere, sagt Jan Brülle. Insbesondere wenn Kinder im Haushalt leben, gebe es zusätzliche Zahlungen. In Deutschland sei jedoch klar zu beobachten, dass sich die Situation für ohnehin prekär lebende Personen verfestige, während die Sozialversicherung höhere Einkommen auch bei Arbeitslosigkeit besser absichere als in Großbritannien.

Ursache für das steigende Armutsrisiko ist nach den Erkenntnissen von Jan Brülle vor allem die Polarisierung des Arbeitsmarktes: Immer mehr Menschen können von ihrem Arbeitseinkommen nicht mehr leben. Hinzu kommt, dass es immer mehr Singlehaushalte gibt, das heißt: Immer weniger Personen mit geringen Einkünften können auf die Ressourcen anderer Haushaltsmitglieder zurückgreifen. Und die Reformen beim Wohlfahrtsstaat (Stichwort Hartz IV) haben diese Situation noch verschärft. Das Beispiel Großbritannien zeigt jedoch: Es gibt staatlicherseits durchaus Möglichkeiten, die Entwicklung zum Besseren zu wenden.

Eine ausführliche Zusammenfassung seiner Arbeit hat Jan Brülle für den Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung verfasst. Der Beitrag wurde mit dem mit 5000 Euro dotierten zweiten Preis ausgezeichnet und ist vom 27. August an online auf den Seiten der Stiftung verfügbar. Der Preis wird alljährlich für die neun relevantesten Dissertationen vergeben.

Publikation: unter https://www.koerber-stiftung.de/deutscher-studienpreis/preistraeger/2018

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/73491583

Informationen: Dr. Jan Brülle, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Institut für Soziologie, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, Campus Westend, Telefon 069 798-36629, E-Mail bruelle@soz.uni-frankfurt.de

 

Aug 22 2018
12:31

Neue „Science“-Veröffentlichung zur neurovaskulare Kommunikation im Gehirn

Bisher unbekannte Funktion von Blutgefäßen im Gehirn entdeckt

FRANKFURT. Die Funktion und Homöostase (Selbstregulierung) des Gehirns hängt von der Kommunikation innerhalb des komplexen Zellnetzwerks ab, das dieses Organ ausmacht. Dementsprechend muss die Entwicklung der verschiedenen Zellengruppen im Gehirn räumlich und zeitlich koordiniert werden. Die Gruppe um Prof. Dr. Amparo Acker-Palmer vom Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften und dem Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaften der Goethe-Universität berichtet in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Science“ über eine bisher unbekannte Funktion von Blutgefäßen bei der Orchestrierung der korrekten Entwicklung von neuronalen Zellnetzwerken im Gehirn.

Dass das Blutgefäßsystem im Gehirn notwendig ist, um Neuronen und Gliazellen (Zellen im Nervengewebe, die sich strukturell und funktionell von den Nervenzellen unterscheiden) mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen, um den Stoffwechsel der neuronalen Netzwerke zu unterstützen, ist bekannt. „Wir wissen seit einigen Jahren, dass das Gefäß- und Nervensystem einen sehr ähnlichen Bausatz verwenden, um sich zu entwickeln und zu funktionieren. Daher sind wir davon ausgegangen, dass solch ein gemeinsamer Bausatz auch dafür verwendet werden könnte, dass sich beide Systeme synchron entwickeln und miteinander kommunizieren, um so eine korrekte Hirnfunktion zu gewährleisteten“, erklärt Acker-Palmer.

Um die Kommunikation zwischen Blutgefäßen und neuronalen Zellen zu untersuchen, hat die Gruppe um Acker-Palmer verschiedene Aspekte der neurovaskulären Entwicklung in den Blick genommen. Die Gefäßentwicklung in der Mäusenetzhaut nutzten die Wissenschaftler dafür als bewährtes Modell, um für das Gefäßwachstum wichtige Moleküle zu untersuchen. Dabei haben sie entdeckt, dass ein Molekül, Reelin, das die neuronale Migration beeinflusst, unabhängig davon auch in der Lage ist, mit einem sehr ähnlichen Signalmechanismus das Wachstum von Gefäßen zu beeinflussen, indem es den ApoER2-Rezeptor und das Dab1-Protein in Endothelzellen aktiviert.

Eine sehr wichtige Struktur im Gehirn ist die Großhirnrinde, die eine Schlüsselrolle bei sämtlichen Grundfunktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Sprache und Bewusstsein spielt. Neuronale Zellen in der Großhirnrinde sind in Schichten organisiert, die sich während der embryonalen Entwicklung bilden. „Wir haben uns dafür entschieden, ausschließlich die Signalkaskade von Reelin aus den Endothelzellen zu eliminieren und dann zu schauen, wie das die Organisation von Neuronen und Gliazellen in der Großhirnrinde beeinflusst“, erklärt Acker-Palmer. Auf diese Weise kamen die Wissenschaftler auf die erstaunliche Erkenntnis, dass Endothelzellen die Neuronen zu ihrer korrekten Position in der Großhirnrinde anleiten. Als Wirkmechanismus konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Endothelzellen Laminin sekretieren, das in der extrazellulären Matrix um die Gefäße angesammelt wird, um die Fasern der Gliazellen richtig zu verankern, die für die korrekte neuronale Migration und korrekte Entwicklung der Großhirnrinde notwendig sind.

Im reifen Gehirn umwickeln Gliazellen auch die Kapillargefäße und verhindern, dass schädliche Substanzen aus dem Blutstrom in das Gehirn eindringen können. Diese sogenannte „Blut-Hirn-Schranke“ ist eine wesentliche Struktur, die im Gehirn entwickelt wird, um die Homöostase (Selbstregulierung) aufrechtzuhalten. Bedeutsam ist, dass Acker-Palmer und ihr Team darüber hinaus gezeigt haben, dass die gleichen Signalkaskaden, die Endothelzellen in der Großhirnrinde benutzen, um neuronale Migration zu orchestrieren, auch dafür benutzt werden, die Kommunikation an der Blut-Hirn-Schranke herzustellen. „Einige neuropsychiatrische und neurodegenerative Störungen sind mit einer abnormalen neurovaskulären Kommunikation in Verbindung gebracht worden. Von daher ist es wesentlich, die Signalwege und Mechanismen in dieser Kommunikation zu verstehen, um neue Ansätze für die Behandlung von Demenz und psychische Erkrankungen zu finden“, so die Frankfurter Professorin.

Publikation: Endothelial Dab1 signaling orchestrates neuro-glia-vessel communication in the central nervous system DOI: 10.1126/science.aao2861 Segarra et al., Science 361, eaao2861 (2018).

Bild zum Herunterladen: www.uni-frankfurt.de/73456362

Bildunterschrift: Blood vessels in red in close communication with proliferating neuronal cells in the mouse cortex at embryonic day 10 (Photo: Cecilia Llao-Cid).

Information:  Prof. Amparo Acker-Palmer, Institute of Cellular Biology and Neuroscience, Buchmann Institute of Molecular Life Sciences, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42563, Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de.

 

Aug 17 2018
11:27

Seltenes Werk über die Lebensweise der Ureinwohner Nordamerikas aus dem Jahre 1855 wurde für die Sammlung Deutscher Drucke erworben

„Indianer in Nordamerika“: Frankfurter Universitätsbibliothek erwirbt bedeutenden Titel

FRANKFURT. Der wertvolle Titel „Indianer in Nordamerika“ von Franz Pierz konnte dank der großzügigen Unterstützung der „Freunde der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main e.V“ für das Langfristvorhaben Sammlung Deutscher Drucke (SDD) erworben werden und ist nun auch als Digitalisat zugänglich. Franz Pierzꞌ Buch über die „Indianer in Nordamerika. Ihre Lebensweise, Sitten, Gebräuche“, erschien 1855 bei Franz Saler & Company in St. Louis (Missouri). Das sehr seltene Werk, eines der frühesten in deutscher Sprache geschriebenen Werke über die Ureinwohner Nordamerikas, ist ansonsten innerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz nur in der Erzbischöflichen Bibliothek Paderborn vorhanden.

Die national bedeutsame Sammlung Deutscher Drucke (SDD) wurde 1989 von fünf großen deutschen Bibliotheken, darunter die Universitätsbibliothek Frankfurt, mit der Absicht gegründet, eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums aufzubauen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Im Fokus stehen insbesondere jene Titel, die bislang kaum oder gar nicht in deutschen Bibliotheken verfügbar sind.

Zum Verfasser: Franc Pirc, (deutsch: Franz Pierz, 1785-1880), ein aus Slowenien stammender katholischer Geistlicher, verfasste es nach über zwanzigjähriger Missionstätigkeit in den heutigen USA-Staaten Minnesota und Michigan sowie im kanadischen Ontario. Er wirkte insbesondere im Gebiet um die „Großen Seen“ an der Grenze zu Kanada sehr rege. Von den dort beheimateten Ojibwa-Indianern akzeptiert und wertgeschätzt, breitet er darin nicht nur seine kenntnisreichen Beobachtungen indianischer Lebensgewohnheiten aus; er resümiert zudem seine amerikanischen Lebenserfahrungen, vergleicht die Missionsarbeit beider christlichen Konfessionen und versucht in einem Anhang, Werbung für die Besiedlung von Minnesota zu machen. Daher passt dieses schmale Bändchen sehr gut zur Ratgeberliteratur für USA-Auswanderer, die gerade im 19. Jahrhundert populär war und bereits mit mehreren Titeln im Frankfurter Bibliotheksbestand vertreten ist. Nicht minder schillernd wie der Autor ist im Übrigen sein Verleger, der Bauunternehmer und Selfmademan Franz Saler (1808-1893), ein abenteuerlustiger Amerikaauswanderer aus dem Montafon, der nicht nur die Stadt St. Louis wesentlich mit seinen Bauten prägte, sondern in dieser Stadt erfolgreich eine Buchhandlung und Druckerei betrieb.

Das Werk „Indianer in Nordamerika. Ihre Lebensweise, Sitten, Gebräuche“ ist im Rahmen der Digitalen Sammlungen der UB auch online verfügbar unter: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/urn/urn:nbn:de:hebis:30:4-132654

Weitere Informationen: Dr. Volker Michel, Fachreferent für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik und Sammlung Deutscher Drucke 1801-1870, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. (069) 798 39786, v.michel@ub.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. +49 (69) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de

 

Aug 13 2018
12:52

Sozialpsychologische Studie belegt: Das Aufwachsen in einer sozialen Klasse ist prägend für das spätere Auftreten, noch mehr aber die Kommunikationssituation

Das Gegenüber entscheidet, wie ich mich verhalte

FRANKFURT. Sind Menschen mit mehr Geld und Bildung dominanter und weniger warmherzig? Eine sozialpsychologische Studie an der Goethe-Universität hinterfragt Stereotypen.

Wie wird unser Verhalten durch unsere soziale Klasse beeinflusst? Diese Frage beschäftigt die Soziologie schon seit jeher. Je nachdem, ob Menschen in einem Arbeitermilieu aufwachsen oder in einem Akademikerhaushalt, übernehmen sie für diese Schicht charakteristische Verhaltensweisen, so die Hypothese. Die Frankfurter Sozialpsychologin Dr. Anna Lisa Aydin hat neue Belege für diese Hypothese gefunden. Ihre gemeinsam mit Forschenden aus Zürich, Hagen, Idaho und Tel Aviv erarbeitete Studie, die im Fachmagazin Social Psychological and Personality Science erschienen ist, zeigt jedoch auch, dass Menschen nicht nur stur ihr klassenspezifisches Verhalten zeigen, sondern flexibel auf ihr Gegenüber aus anderen sozialen Klassen reagieren.

Ein Großteil der Forschung zum Einfluss sozialer Klasse beruht auf den Ideen des Soziologen Pierre Bourdieus. Er beschreibt, wie sich das Umfeld, in dem wir aufwachsen, tief in unsere Identität einschreibt. Sozialpsychologische Autoren argumentieren, dass Menschen aus einer niedrigeren sozialen Klasse über weniger Ressourcen verfügen und ihre Umwelt in geringerem Maße beeinflussen können. Sie seien somit stärker auf gegenseitige Hilfe angewiesen, was dazu führe, dass Zusammenhalt ein wichtiger Wert sei. Die Menschen identifizierten sich mit diesem Wert und verhielten sich dementsprechend kooperativ. Menschen aus einer höheren sozialen Klasse hingegen verfügten über mehr Ressourcen, sie könnten zwischen mehreren Alternativen entscheiden und seien weniger auf gegenseitige Hilfe angewiesen. Dies resultiere in individualistischeren Selbstkonzepten, bei denen es zentral sei, seine Umwelt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die unterschiedlichen Verhaltensweisen stellen somit eine Anpassungsleistung an das jeweiliges Lebensumfeld dar.

Diese Theorie ließ sich in den vorliegenden Studien zum Teil stützen. Insgesamt wurden mehr als 2000 Personen in Deutschland befragt. So war den Befragten, die sich einer niedrigeren sozialen Klasse zugehörig fühlten, ein warmherziger und kooperativer Umgang mit anderen Menschen aus ihrer sozialen Klasse wichtiger als jenen, die sich einer höheren sozialen Klasse zugehörig fühlten. Darüber hinaus legten diejenigen, die mehr verdienten und besser gebildet waren, mehr Wert darauf, im Kontakt mit anderen ihre Kompetenz zu zeigen und dominant aufzutreten als die Angehörigen der Gruppe mit geringerem Verdienst und weniger guter Ausbildung.

Die Befürchtung der Autoren: Derartige Verhaltensunterschiede könnten zu einer weiteren Zunahme sozialer Ungleichheit in Deutschland führen. Denn wer dominanter auftritt, hat bessere Chancen auf sozialen Aufstieg. Die beobachteten Verhaltensunterschiede waren jedoch relativ klein. Deutlich grösser war der Einfluss der sozialen Klasse des Gegenübers. Wie verhalten sich Menschen, wenn sie es mit jemandem aus einer niedrigeren oder höheren Klasse zu tun haben? Die Mehrheit der Befragten bezeichnete die sozialen Unterschiede in Deutschland als nicht bzw. weniger gerechtfertigt. Sie fanden es folglich wichtig, sich gegenüber Menschen mit weniger Geld und Bildung warmherzig und kooperativ zu verhalten. Umgekehrt legten sie Wert darauf, gegenüber Menschen mit mehr Geld und Bildung kompetent zu erscheinen und sich zu behaupten.

Diese Befunde sind insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt zunimmt, obwohl sie von den meisten Menschen als ungerechtfertigt wahrgenommen wird. Während die auf soziologischen Theorien basierende Forschung erklären kann, wie sich diese Ungleichheit durch die Prägung in den unterschiedlichen sozialen Klassen noch verstärken kann, bietet die aktuelle Studie einen etwas optimistischeren Ausblick: Sobald es nämlich zum Austausch zwischen Personen unterschiedlicher Klassen kommt und die Klassenunterschiede als illegitim empfunden werden, zeigt sich Solidarität gegenüber Armen und ein Selbstbehauptungswille gegenüber Reichen.

Publikation: Aydin, A. L., Ullrich, J., Siem, B., Locke, K. D., & Shnabel, N. (in press). The effect of social class on agency and communion: Reconciling rank-based and identity-based perspectives. Manuscript accepted for publication in Social Psychological and Personality Science. http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/1948550618785162
https://psyarxiv.com/waz8e/

Informationen: Dr. Anna Lisa Aydin, Institut für Psychologie, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, PEG, 5.G030, Telefon ++49(0)69 798 35287, E-Mail Aydin@psych.uni-frankfurt.de

 

Aug 7 2018
13:50

Klimaforscher Joachim Curtius von der Goethe-Universität über die zum Teil menschengemachten Effekte dieses Jahrhundertsommers und die Aussichten für die Zukunft

Extreme Hitzeereignisse werden zunehmen

FRANKFURT. Angesichts der extremen Dürre dieses Sommers in Deutschland und anderen Ländern der Nordhalbkugel fragen sich vielen Menschen, ob diese Phänomene bereits Auswirkung des menschengemachten Klimawandels sind und mit welchen Extremwetter-Ereignissen in Zukunft noch zu rechnen ist. Joachim Curtius, Professor für experimentelle Erforschung der Atmosphäre an der Goethe-Universität, beschäftigt sich u.a. mit dem Thema Wolkenbildung.

„Solche extremen Bedingungen könnten ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts sogar jedes 2. oder 3. Jahr auftreten, weil sich einerseits die Häufigkeitsverteilung als Ganzes hin zu wärmeren Temperaturen verschiebt, aber auch weil sich die Breite der Verteilung vergrößert und damit die extremen Hitzeereignisse noch zusätzlich zunehmen“, warnt Curtius.

Für Curtius und die meisten seiner Forschungskollegen steht außerdem fest, dass menschengemachte Auswirkungen einen wesentlichen Effekt auf das gegenwärtige Klima haben. „Die Situation ist bei uns ähnlich wie im Sommer 2003, der für West- und Mitteleuropa bereits als Jahrhundert- oder gar Jahrtausendsommer galt. Und bereits nach 2003 haben die Klimaforscher darauf hingewiesen, dass solche Sommer im vom Menschen beeinflussten Klima deutlich häufiger auftreten würden und dadurch immer neue Höchstwerte zu erwarten seien“, erklärt Curtius.

Inzwischen mache die Forschung auch Fortschritte darin, die natürlichen von den vom Menschen verursachten Effekten zu separieren, so Curtius: „In der Klimaforschung zu den Extremwetterereignissen gibt es die neue Forschungsrichtung der "attribution science", die in den vergangenen Jahren riesige Fortschritte gemacht hat. Sie erlaubt es inzwischen, dass wir in Modellrechnungen vergleichen können, wie wahrscheinlich ein bestimmtes Wetterextrem in einer Region ist, einerseits im aktuellen, vom Menschen veränderten Klima und andererseits in einem Klima ohne zusätzliche Treibhausgase.“

Der renommierte Atmosphärenforscher sorgt sich jedoch nicht nur um die zunehmende Erderwärmung, sondern auch die Folgen auf die heimische Pflanzenwelt: An einzelne Trocken- oder Hitzeperioden seien die meisten Pflanzen bei uns durchaus angepasst und erholten sich längerfristig wieder. „Aber eine deutliche Häufung solcher Extremereignisse führt sicherlich auch zu dauerhaften Schäden bei vielen heimischen Pflanzenarten. Es gibt bereits umfassende Untersuchungen, welche Baumarten angepflanzt werden sollen, damit die Wälder bei uns auch in Zukunft mit längeren Phasen von Trockenstress und abnehmender Bodenfeuchte im Sommer zurechtkommen.“ Jedoch sei die Abschätzung, welche Pflanzen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig für einen Standort passend seien, sehr schwer, „weil sehr viele weitere Faktoren eine Rolle spielen und die Bäume ja für Jahrzehnte bis Jahrhunderte mit ihrem Standort klarkommen müssen. In dieser Zeit können sich die Bedingungen stark verändern. Die Einzelheiten solcher Entwicklungen können wir nicht vorhersehen.“ 

Das ganze Interview mit Joachim Curtius lesen Sie im Webmagazin der Goethe-Universität unter https://aktuelles.uni-frankfurt.de/gesellschaft/extreme-hitzeereignisse-werden-zunehmen-interview-mit-klimaforscher-joachim-curtius/

Ein Foto von Prof. Curtius zum Download finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/73235820; Foto: Goethe-Universität / Uwe Dettmar

 

Aug 2 2018
09:39

Nächster Termin der „Goethe Lectures Offenbach“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach am 15. August 2018 im Klingspor Museum

Vortrag über die Krise der liberalen Weltordnung

FRANKFURT/OFFENBACH. Lange Zeit wurde die liberale internationale Ordnung von aufstrebenden autoritären Mächten wie China, Indien und Russland in Frage gestellt. Mittlerweile scheint die Weltordnung westlicher Prägung auch zunehmend von innen unter Druck zu geraten, von Staaten, die sich einst für die Ideen des internationalen Liberalismus eingesetzt haben: für internationale Institutionen, Freihandel, Menschenrechte und Demokratie. Diesem fast schon paradoxen, auf jeden Fall komplexen globalen Gefüge widmet sich Christopher Daase in der kommenden „Goethe Lecture Offenbach“. Der Politikprofessor spricht zum Thema

„Die Krise der liberalen Weltordnung“
am Mittwoch, dem 15. August 2018, um 19.00 Uhr
im Klingspor Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach am Main.

Die Stichworte reichen von Trump, über den Brexit bis zu nationalistischen und populistischen Bewegungen in Europa. Die Krise der liberalen Weltordnung scheint in hohem Maße eine Krise der liberalen Staatengemeinschaft zu sein. Insofern könnte man sie – zumindest auch – als „homemade“ bezeichnen. Doch im manchen Hinsichten erscheint vor allem Trump nicht als Ursache, sondern eher als Symptom einer Entwicklung, die schon seit einigen Jahren im Gange ist und sich insbesondere in einer Abkehr vom Multilateralismus manifestiert. Dabei scheint der amerikanische Präsident vorhandene Trends zu radikalisieren. So gilt seine Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran vom Mai 2018 als „Frontalangriff gegen die multilaterale Friedens- und Sicherheitsordnung“, wie es in dem jetzt erschienenen „Friedensgutachten 2018“ heißt, einer umfangreichen Studie, an der der Politikwissenschaftler Christopher Daase maßgeblich beteiligt ist.

Prof. Christopher Daase ist Professor für Internationale Organisationen an der Goethe-Universität, Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und Stellvertretender Leiter des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Die HSFK, eine Partnerinstitution des Frankfurter Exzellenzclusters, gehört zu den Herausgebern des jährlich erscheinenden Friedensgutachtens mit Handlungsempfehlungen an die Politik. Christopher Daase war Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bevor er 2009 nach Frankfurt kam. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben Internationalen Institutionen und Sicherheitspolitik auch normative Aspekte internationaler Politik und Völkerrecht. Im vergangenen Jahr zählte er zu den Organisatoren der viel beachteten Ringvorlesung „Angriff auf die liberale Weltordnung – U.S. Außen- und Sicherheitspolitik unter Trump“ an der Goethe-Universität. Ein Sammelband ist in Vorbereitung.

Veranstalter des Vortragsabends im Klingspor Museum und auch der Gesamtreihe „Goethe Lectures Offenbach“ sind neben dem Exzellenzcluster die Wirtschaftsförderung der Stadt Offenbach, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor Museum Offenbach, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat. Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits mehrere erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht auch dieses Mal die Möglichkeit zur Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Informationen:Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de
Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft