​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – August 2013

Veranstaltungen

Aug 30 2013
10:57

Vortrag des renommierten US-amerikanischen Biochemiker Randy Schekman im Klinikum

Fehler bei Protein-Transport-Prozessen ermöglichen Rückschlüsse auf Erbkrankheiten

FRANKFURT. Randy Schekman, US-amerikanischer Biochemiker der renommierten University of California, Berkeley, untersucht die Abwicklung von Protein-Transport-Prozessen innerhalb von Zellen. Diese Vorgänge müssen genauestens reguliert werden, da Fehler im Ablauf als Ursache verschiedener Erbkrankheiten und anderer genetischer Störungen identifiziert wurden. In seinem Vortrag

am: Montag (2. September 2013) um 18.15 Uhr
im: Klinikum der Goethe-Universität, Campus Niederrad Hörsaalgebäude 23-4

erklärt er, wie mit Hilfe von genetischen Analysen der Membran-Zusammensetzung in Hefemutanten, Rückschlüsse auf menschliche Erbkrankheiten gezogen werden können.

Biomembranen dienen als Trennschicht zwischen verschiedenen Bereichen innerhalb einer lebenden Zelle. Verschiedene Zellkompartimente müssen voneinander abgetrennt werden, um diverse Prozesse innerhalb einer Zelle zu koordinieren. Dabei folgen unterschiedliche zelluläre Proteine verschiedenen „Wegweisern”, um zu ihren Bestimmungsorten zu kommen. In den letzten 30 Jahren gelang es Schekman und seinem Team, die treibende Kräfte, die zelluläre Proteine zwischen den Kompartimenten hin- und herbewegen, genauer zu beschreiben. Dank seiner intensiven Forschungen ist es heute möglich, Krankheiten im Zusammenhang mit Störungen des Membrantransports zu verstehen und möglicherweise wirksame Therapien zu entwickeln. Für seine Arbeiten erhielt er u.a. den Albert Lasker Award, eine der höchsten Auszeichnungen im Bereich der medizinischen Grundlagenforschung.

Der Vortrag in englischer Sprache findet im Rahmen der Vortragsreihe „Molecular Medicine“, gesponsert von Sanofi-Aventis, statt.

Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-5652, ivan.dikic@biochem2.de

Veranstaltungen

Aug 30 2013
09:54

Mehr Partizipation durch MOOCs? Tagung an der Goethe-Universität zeigt neue Trends und Möglichkeiten für Lehre und Forschung der Zukunft

eLearning zwischen Vision und Alltag

FRANKFURT. Vom 2. bis 5. September 2013 findet unter dem Titel „eLearning zwischen Vision und Alltag - Zum Stand der Dinge“ eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftlichen eLearning-Konferenzen, die Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW 2013), an der Goethe-Universität in Frankfurt statt. Die Konferenz bietet mit 29 Vorträgen zu Full- und Shortpapers, 14 Workshops und 17 Posterbeiträgen eine Bestandserhebung der Integration neuer Medien in den heutigen Hochschulalltag und zeigt technologische Trends auf, die einen Einfluss auf die Gestaltung von Lehre haben werden.

Ein Thema der Tagung, das sich in mehreren Workshops, Vorträgen und Postern niederschlägt, sind Massive Open Online Courses (MOOCs) – eine Welle, die die uns aus den USA mit überraschendem Tempo einholt und auch in Europa sichtbare Spuren hinterlassen wird. Dazu Prof. Dr. Detlef Krömker vom Fachbereich Informatik und Mathematik der Goethe-Universität und wissenschaftlicher Leiter der Tagung: „Wenn auch die Motivation in Deutschland, Österreich und der Schweiz andere sind als in den USA (hier wirkt der monetäre Aspekt einer zum Teil sehr teuren Hochschulausbildung stark), so bringen MOOCs für die Öffentlichkeit viele neue Möglichkeiten zur Partizipation direkt in und mit den Hochschulen.“ Co-Leiterin Claudia Bremer von „studiumdigitale“ ergänzt: „Zur Zeit werden MOOCs in der deutschen Hochschullandschaft intensiv diskutiert. Jetzt gilt es, entsprechende didaktische Szenarien und geeignete Geschäftsmodelle zu entwickeln und auch Qualitätsaspekte in den Blick zu nehmen.“

Weitere aktuelle Trends rund um den Einsatz neuer Medien in der Bildung und Forschung, die in Vorträgen und Workshops vorgestellt und diskutiert werden, sind ePortfolios, Szenarien des mobilen Lernens und auch die Zukunft digitaler Forschungsinfrastrukturen: 

  • Am Dienstag den 3. September gibt Dr. Larry Johnson, CEO des New Media Consortium und Mitherausgeber des jährlichen Horizon Reports, in dem Eröffnungsvortrag einen Ausblick auf technologische Trends und deren Bedeutung für die Bildungslandschaft in den nächsten Jahren.
  • Prof. Rolf Schulmeister wird sich in seinem Vortrag „Online wie Offline: Was ist ausschlaggebend für den Lernerfolg“ am Mittwoch den 4. September auf die Spuren des Lernerfolgs begeben und wertvolle Hinweise auf die Gestaltung von Lernarrangements geben.

Zwei weitere Keynote-Vorträge widmen sich dem unter dem Stichwort „eScience“ der Nutzung neuer Medien für Forschungszwecke – ein Feld das zunehmend an Bedeutung gewinnt.

  • Professor Rittberger, stellvertretender geschäftsführender Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), beleuchtet in seinem Beitrag am Donnerstag die Perspektiven der Forschungs­infrastruktur und die Bedeutung offener Bildungsressourcen  und stellt hier die neusten Entwicklungen vor.
  • Während sich dieser Beitrag mehr den Forschungs­infrastrukturen zuwendet, befasst sich Professor Lorna Hughes, Chair in Digital Collections an der University of Wales mit der Bedeutung digitaler Sammlungen, deren Nutzung in Forschungskontexten und auch der Kooperation zwischen Forschenden.

In der Mitte der Tagung, am 4. September, findet am Nachmittag unter dem Motto „EduCamp meets GMW“ ein kostenfreies öffentlich zugängliches so genanntes Barcamp statt, in dem die Teilnehmenden auch eigene Themen als Sessions einbringen und diskutieren können.

Alle Vorträge der Tagung werden aufgezeichnet und auf dem eLearning-Portal der Goethe-Universität bereitgestellt, siehe eLecture.uni-frankfurt.de . Hier lohnt es sich in jedem Fall einmal zu stöbern, denn mehr als 100 Vorlesungen aus den letzten Jahren und verschiedensten Disziplinen sind frei zugänglich.

Die Tagung wird von studiumdigitale, der zentralen eLearning-Einrichtung der Goethe-Universität Frankfurt, in Kooperation mit der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft organisiert und findet statt auf dem 

Campus Riedberg, Otto-Stern-Zentrum (Hörsaal- und Infrastrukturzentrum),
Ruth-Moufang-Straße 2, 60438 Frankfurt am Main
Beginn: 10 Uhr, Registrierung ab 8.30 Uhr

Weitere Informationen und Programm unter: www.gmw2013.de

Medienvertreter sind herzlich eingeladen an der Konferenz teilzunehmen. Für diesen Fall melden Sie sich bitte kurz bei uns mit Namen, email und voraussichtlicher Ankunft per email an: info@studiumdigitale.uni-frankfurt.de. Hier erhalten Sie gern auch ergänzende Informationen.

Veranstaltungen

Aug 29 2013
12:36

Studierende des Masterstudiengangs „Curatorial Studies“ entwickelten das Performance- und Filmprogramm – Besondere Räume der Wahrnehmung und Interaktion

Begehbare Außeninstallationen von Hélio Oiticica im Palmengarten

FRANKFURT. Zur Retrospektive „Hélio Oiticica. Das große Labyrinth“ (28.9.2013-12.1.2014) des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt zeigt der Palmengarten Frankfurt bereits ab 30. August (Freitag) bis 27. Oktober drei begehbare Außeninstallationen des brasilianischen Künstlers. In einem der Pavillons, „Penetrável PN 14 MAP“, findet in diesem Zeitraum ein Performance- und Filmprogramm mit Interventionen zeitgenössischer Künstler statt, das von Studierenden des Masterstudiengangs „Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik“ (Goethe-Universität und Städelschule) erarbeitet wurde.

Hélio Oiticica (1937–1980) gilt als Vorreiter der partizipativen Kunst. In den frühen 1960er-Jahren entwickelte er Strategien, um neue gesellschaftspolitische Perspektiven in der Kunst zu eröffnen. Er verstand sich als Konstrukteur von Materialität, Farbe, Zeit, Raum und Situationen. Statt eine Rezeption vorzugeben, laden Oiticicas raumgreifende Installationen (Penetráveis) – von denen drei im Palmengarten ausgestellt sind – zur freien Erkundung und Teilhabe ein. „Wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation war Oiticica der Zeit voraus. Die Begriffe ‚Partizipation’, ‚Environment’ und ‚Proposition’, die in Europa und Nordamerika den künstlerischen Diskurs erst Jahre später bestimmen sollten, waren in seinem Werk bereits zu einem frühen Zeitpunkt formuliert und verleihen diesem bis heute zentrale Bedeutung für die Kunst der Gegenwart“, sagt der stellvertretende Direktor des MMK und Ausstellungskurator Peter Gorschlüter.

Die „Penetráveis“ hat Oiticica seit den 1960er-Jahren entworfen. Der Begriff „Penetrável“ ist eine Wortschöpfung des Künstlers und stammt von dem portugiesischen Verb „penetrar“ (durchdringen) ab. „Penetrável PN 14 MAP“ entstand in einer Serie  Konzepten und Modellen zu Pavillons, die sich in Größe, Farbe und Form unterscheiden und wurden nach den genauen Vorgaben des Künstlers im Palmengarten aufgebaut. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie alle zur Partizipation des Besuchers und Bespielung des Raumes mit sinnlichen Experimenten und Ereignissen gedacht sind. Zu Lebzeiten lud Oiticica immer wieder Tänzer, Musiker, Künstler und Schriftsteller ein, um seine Werke und Installationen zu bespielen. Doch nicht nur während der Performances, sondern auch in den Ruhephasen können die Besucher die Installationen eigenständig erkunden.

Durch Performances mit Sound, Lecture und Tanz sowie einer Filmreihe wird der Pavillon im Sinne Oiticicas zum Leben erweckt und ermöglicht den Besuchern besondere Räume der Wahrnehmung und Interaktion. Wie wird Oiticicas Pavillon erfahren? Welche Ansätze und Ideen sind in Werken der Gegenwartskunst zu finden? Auf welche Weise findet Partizipation statt? Mit diesen Fragen haben sich die Studierenden der „Curatorial Studies“ in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigt. Das Ergebnis ist ein umfassendes Film- und Performance-Programm mit zwölf künstlerischen Positionen, das die Studierenden für Oiticicas „Penetrável PN 14 MAP“ im Frankfurter Palmengarten erarbeitet haben.  Experimente mit Sound, Sprache und Tanz, Projektionen, Salonabende und Begehungen knüpfen an Oiticicas Konzepte und Ideen an und übersetzen diese in die heutige Zeit.

Dazu tragen am Eröffnungsabend (Freitag, 30. August 20.30 Uhr), die in Frankfurt arbeitenden Künstler Charlotte Simon, Jonathan Penca und Zink Tonsur mit ihrer Performance „Kristallo – Fließen und Forschen“ bei: Es ist die Geschichte einer utopischen Gemeinschaft, deren Mitglieder sich jeglicher alltäglicher Bedürfnisse verwehren und sich stattdessen sinnlicher Erlebnisse hingeben. Die Performancekünstler experimentieren im Pavillon mit Sound, Farbe und Kostümierungen, um ihren eigenen Kosmos zu erschaffen. Jochen Dehn nimmt in seiner Arbeit „Das große Rasenstück“ (31. August und 1. September) die Besucher mit auf eine Tour durch den Palmengarten. Dabei werden Experimente vollzogen und versteckte Orte entdeckt. Dehn begreift die Kunst nicht als die Bindung ans Objekt, sondern vielmehr als Werkzeug zur Transformation von Wahrnehmung. Die amerikanische Performerin Vaginal Davis wird im Rahmen des MMK Sunset im Palmengarten (11. September) eine Audienz unter dem Titel „Lesbi Tropicalia“ halten. Besucher dürfen sich auf ein exklusives Treffen freuen, bei Tee und Gebäck können Geheimnisse, Klatsch und Tratsch ausgetauscht werden. An drei Abenden werden die Performances von einem Filmprogramm begleitet. Dabei treffen Filme und Videos von aktuellen Künstlern wie Pauline Boudry/ Renate Lorenz und Pola Sieverding auf filmische Werke von Oiticicas Zeitgenossen Charles Simonds und Jack Smith.

Das von den Studierenden erarbeitete Programm ist das erste kuratorische Projekt des inzwischen international anerkannten Studiengangs, der eng mit den Frankfurter Museen zusammenarbeitet. „Kuratieren muss theoretisch und praktisch gelernt sein. Dies verlangt neben inhaltlichem Wissen vom Gegenstand auch theoretisches Wissen besonders im Bereich der Erkenntnistheorie und Ästhetik, aber auch praktische Erfahrung mit Ausstellen und Inszenierung künstlerischer Werke im Raum“, so Dr. Stefanie Heraeus, Initiatorin und Leiterin des nun im vierten Jahr angebotenen Masterstudiengangs. Dieser ist ein Kooperationsstudiengang der Goethe-Universität und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, der gemeinsam mit fünf Frankfurter Museen durchgeführt wird: MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Städel Museum und Liebieghaus, Historisches Museum, Weltkulturen Museum und Portikus. Der Studiengang zeichnet sich durch die international einzigartige Verbindung von Universität, Kunstakademie und Museen aus. Durch innovative Lehr- und Lernformate können Studierende akademisches Lernen und wissenschaftliche Forschung mit kuratorischen Fragestellungen und berufsbezogenen Erfahrungen verbinden.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Palmengarten: Täglich 9 bis 19 Uhr, Eingang Siesmayerstraße 63, sowie Sonderöffnungszeiten bei Veranstaltungen

Veranstaltungsprogramm: www.kuratierenundkritik.net/deutsch/home-de.html (bei starkem Regen nur eingeschränktes Programm, Infos unter www.palmengarten.de oder www.kuratierenundkritik.net)

Informationen zu Eintrittspreisen etc.: www.palmengarten.de, www.mmk-frankfurt.de

Pressefotos zum Download unter: www.mmk-frankfurt.de/de/presse/pressedownload

Pressekontakt MMK und Palmengarten: MMK Museum für Moderne Kunst, Christina Henneke Tel. (069) 212 37761, christina.henneke@stadt-frankfurt.de; Palmengarten, Andrea Just, Tel. (069) 212 70460, andrea.just@stadt-frankfurt.de

Informationen zum Masterstudiengangs: Dr. Stefanie Heraeus, Kunstgeschichtliches Institut, Campus Bockenheim, mobil 0151-16145787, Heraeus@kunst.uni-frankfurt.de; www.kuratierenundkritik.net

Forschung

Aug 27 2013
10:09

Musiktherapie fördert Wohlbefinden und emotionalen Ausdruck

Demenz: Musik hilft, wenn die Worte fehlen

FRANKFURT. Dass Musik auf viele Menschen mit Demenz einen positiven Einfluss hat, ist aus der musiktherapeutischen Praxis zwar schon lange bekannt, war jedoch bisher wissenschaftlich nur eingeschränkt nachweisbar. Prüft man nämlich, ob sich das Gedächtnis oder die Denkleistung des Patienten verändern, findet man keinen Effekt. Dagegen verbessern sich das Wohlbefinden und der emotionale Ausdruck während der Musiktherapie deutlich. Frankfurter Psychologen haben nun ein methodisches Vorgehen entwickelt, diese aus der Erfahrung bekannten Wirkungen auch empirisch zu quantifizieren.

Arthur Schall, Musikwissenschaftler und Psychologe im Arbeitsbereich Altersmedizin der Goethe-Universität, erzählt gern die Geschichte eines Patienten, der gegenüber der Musiktherapie anfangs sehr reserviert war. Dieser bemerkte das Voranschreiten seiner geistigen Defizite, thematisierte es aber nicht und war entsprechend unausgeglichen und aggressiv. Er ließ sich lediglich darauf ein, mit der Musiktherapeutin klassische Musik anzuhören und darüber zu sprechen. Mit fortschreitender Erkrankung ließ sein Sprachvermögen nach und damit auch die Fähigkeit, über seine Defizite bewusst zu reflektieren. Gleichzeitig sank die Hemmschwelle, auf einfachen Instrumenten wie Trommeln oder einem Xylophon zu spielen. Er begann stundenlang zu musizieren und wurde ausgeglichener. Die Musiktherapeutin leitete daraufhin die Ehefrau zur gemeinsamen Improvisation an. „Die Frau berichtete, sie habe ganz neue Seiten an ihrem Mann entdeckt und die non-verbale Kommunikation habe ihre Beziehung deutlich verbessert“, berichtet Schall.

In einer zweijährigen Pilotstudie mit Musiktherapeuten der Fachhochschule Frankfurt untersuchte Schall die Auswirkungen von Musik auf Menschen mit fortgeschrittener Demenz, die im häuslichen Umfeld gepflegt wurden. Die wöchentlichen, etwa 45-minütigen musiktherapeutischen Besuche wurden auf Videos festgehalten. Zur Auswertung wendete die Arbeitsgruppe um Prof. Johannes Pantel in der Gerontopsychiatrie der Goethe-Universität eine Methode an, die normalerweise zur Analyse von Börsenkursen oder meteorologischer Daten angewandt wird: die Zeitreihenanalyse. Sie zerlegten jedes Video in 30 Sekunden lange Sequenzen, welche von geschulten Beobachtern hinsichtlich der Kommunikationsfähigkeit, des Wohlbefindens sowie des emotionalen Ausdrucksverhaltens der Erkrankten anhand spezifischer Skalen und bestimmter Kriterien eingeschätzt wurden. So konnten die Wissenschaftler den zeitlichen Verlauf genau verfolgen und mit einer gewöhnlichen Alltagssituation vergleichen, die kurz vor der Musiktherapie registriert wurde.

In Trend- und Interventionsanalysen, in denen die Daten aller einzelnen Verläufe zusammengefasst wurden, konnten die Forscher nachweisen, dass sich non-verbale Kommunikationsfähigkeit, Wohlbefinden und emotionaler Ausdruck der demenzkranken Menschen während einer Musiktherapie signifikant verbessern. „Menschen haben ein elementares Bedürfnis, sich mitzuteilen. Wenn die Sprachfähigkeit nachlässt, gewinnen non-verbale Kommunikationsformen zunehmend an Bedeutung und ermöglichen insbesondere auch die Äußerung von Emotionen“, erklärt Schall. Nach Ablauf der Studie baten viele Angehörige um die Fortsetzung der Musiktherapie und finanzierten diese sogar, sofern es ihnen möglich war, aus eigenen Mitteln.

In einem weiteren Projekt mit dem Frankfurter Städel-Museum wollen Prof. Johannes Pantel, Arthur Schall und Dr. Valentina Tesky künftig auch die Potenziale von Kunst bei der Therapie Demenzkranker erforschen. Im Museum of Modern Art in New York gibt es bereits Kunstführungen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. „Wir möchten zusätzlich Atelier-Arbeiten anbieten, die es den Kranken ermöglichen sollen, sich kreativ auszudrücken“, erläutert Pantel. Ebenso wie bei dem Musikprojekt sollen auch die pflegenden Angehörigen im Atelier künstlerisch arbeiten, was sowohl zur Verbesserung der zwischenmenschlich kommunikativen Beziehung zum demenzkranken Menschen als auch zu ihrer eigenen Entlastung beitragen soll.

Informationen: Dipl. Psych. Arthur Schall M.A., Institut für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Altersmedizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-7657; Schall@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

Hochschulpolitische Themen

Aug 23 2013
14:43

Land Hessen investiert 150 Mio. Euro in Neubauten für Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften sowie Präsidium und Administration

Feierliche Eröffnung zweier Universitätsgebäude auf dem Campus Westend

FRANKFURT. Sie bilden die letzten Bausteine zur Vollendung des zweiten Bauabschnitts auf dem Campus Westend: Die beiden Gebäude der Fachbereiche Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften sowie von Präsidium und Administration, die im April 2013 bezogen wurden. Heute (23. August 2013) feierten die Goethe-Universität und das Land Hessen im Rahmen eines Festaktes die offizielle Eröffnung der beiden insgesamt 150 Mio. Euro teuren Gebäude, die vom Berliner Architekturbüro Müller Reimann Architekten geplant wurden. Das Fakultätsgebäude beherbergt neben den Fachbereichen auch gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen wie die zweigeschossige Bibliothek, Hörsäle, Seminarräume, das Studien-Service-Center und eine Cafeteria. Zusammen mit dem benachbarten Präsidialgebäude und dem Max-Planck-Institut bildet es einen großen Gebäudekomplex, der sich wie selbstverständlich in das Gesamtensemble einfügt.

„Die neuen Gebäude helfen der Goethe-Universität, ihren Rang als nationale und internationale Forschungsstätte noch weiter auszubauen“, unterstrich der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier in seiner Eröffnungsansprache. „In internationalen Vergleichen wie jüngst wieder im Shanghai-Ranking zählt sie regelmäßig zu den 5 bis 8 besten deutschen und 20 besten Universitäten in Europa. Darauf sind wir stolz.“ Bisher habe das Land Hessen rund eine halbe Milliarde Euro in den Campus Westend investiert. Die Universität Frankfurt erhalte mit Abstand die meisten Mittel aus dem hessischen Hochschulmodernisierungsprogramm Heureka. „Bildung und Forschung sind uns ein Herzensanliegen. Noch nie gab es mehr Geld für unsere Hochschulen als heute. So sieht eine moderne Politik für Studierende, Lehrende und Hochschulen aus. Und so wollen wir es auch über 2013 hinaus fortsetzen“, so Bouffier.

„Mit der Eröffnung der Gebäude rückt die Goethe-Universität der geplanten Konzentration auf drei Standorte in Frankfurt ein wichtiges Stück näher. Der Campus Westend gewinnt mit den gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichen und ihren 10.000 Studierenden sowie 1.000 Lehrenden und Mitarbeitern noch mehr Vitalität und Vielfalt“, sagte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl anlässlich der Eröffnung. „Und nicht zuletzt stellen die neuen Gebäude gegenüber den Altbauten in Bockenheim einen großen Qualitätssprung dar. Wir sind dem Land Hessen für diese finanzielle Kraftanstrengung sehr dankbar.“

Architekt Thomas Müller beschreibt seine bei der Planung des PEG-Gebäudes leitenden Gedanken mit folgenden Worten: „Die Materialität und die Architektursprache des Gebäudes ordnen sich dem Charakter des Campus und seiner Architektur unter (…) Sie sollen der Hintergrund sein, vor dem sich das Studium abspielt und versuchen, dort wo es notwendig ist, Konzentration und Stille zu fördern. Der Städtebau und die Architektur des Campus und seiner einzelner Gebäude vermeiden bewusst den Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart und betonen mit ihrem Bezug zu Hans Poelzigs großartigen IG Farben-Haus die architektonische Kontinuität im Umgang mit Typologie und formalen Mitteln.“

Daten und Fakten:

  • 2007 Wettbewerb, 2008 Spatenstich, 2010 Richtfest, 2012 Fertigstellung, 2013 Erstbezug;
  • Gesamtkosten: 150 Mio. EUR,
  • Grundstücksfläche: 14.000 m2, Bruttorauminhalt: 290.000 m3
  • Bruttogeschossfläche: Fachbereichsgebäude: 41.700 m2, Präsidium: 13.000 m2, Tiefgarage: 17.000 m2
  • Hauptnutzfläche: Fachbereichsgebäude: 23.100 m2, Präsidium: 7.000 m2
  • Ausstattung: 1.300 Büroarbeitsplätze, 3.000 Plätze in Seminarräumen, Bibliothek,
  • Besprechungs- und Sonderräumen, 180 Plätze in der Cafeteria

Informationen: Dr. Olaf Kaltenborn (Goethe-Universität), Abteilung Marketing und Kommunikation, Tel.: +49 (69) 798- 13035, E-Mail: kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de;

Alexander Stephan (Hessische Staatskanzlei), Tel.: +49 (611) 32 3736
E-Mail: Alexander.Stephan@stk.hessen.de

Forschung

Aug 22 2013
16:04

Im September starten spezielle Kurse an der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität – Kooperation mit dem Trauma- und Opferzentrum Frankfurt

Achtsamkeitstraining kann Leidensdruck traumatisierter Patienten lindern

FRANKFURT. Traumatische Erlebnisse, wie sexuelle oder körperliche Gewalt, hinterlassen bei vielen Betroffenen starke psychische Wunden. Sie leiden unter wiederkehrenden schmerzhaften Erinnerungen, Alpträumen, körperlicher Anspannung und Schlafstörungen. Um Betroffenen zu helfen, sich zu stabilisieren, haben Dr. Regina Steil und Dr. Meike Müller-Engelmann von der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Trauma- und Opferzentrum Frankfurt ein spezielles Gruppen-Behandlungsprogramm ins Leben gerufen: Es handelt sich um einen Kurs in Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), ein Achtsamkeitstraining, dessen Wirksamkeit bei zahlreichen körperlichen und psychischen Störungen nachgewiesen wurde.

„Wir erhoffen uns, durch die Förderung von Achtsamkeit den hohen Leidensdruck traumatisierter Personen verringern zu können. Die Teilnahme soll Betroffenen helfen, mit ihrem emotionalen Erleben wieder mehr in Einklang zu kommen, ohne dass dafür eine direkte Konfrontation mit den belastenden Erinnerungen notwendig ist“, so Müller-Engelmann. Bei ihrem Projekt werden die Trauma-Therapeutinnen von der zertifizierten MBSR-Lehrerin Tjorven Figge unterstützt.

„Achtsamkeit“ bedeutet, den aktuellen Augenblick bewusst zu erleben und den Körper im gegenwärtigen Moment zu spüren. Ziel ist es dabei, dass der Geist sich auf das Hier und Jetzt konzentriert und sich weder mit der Zukunft noch mit der Vergangenheit beschäftigt. Während des achtwöchigen Gruppenkurses  stehen einmal pro Woche gemeinsam Übungen wie Sitz- und Gehmeditationen sowie Yogaübungen auf dem Programm. Dazu gehört beispielsweise auch der Body-Scan, mit dessen Hilfe eine wertfreie und achtsame Körperwahrnehmung erlernt werden soll. Zum Kurs gehört neben täglichen Übungen für zu Hause auch ein Achtsamkeitstag mit intensiven gemeinsamen Übungen und Meditationen. Bei auftretenden Krisen steht eine erfahrene Trauma-Therapeutin während des gesamten Kurses und zwischen den Sitzungen als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Um die Wirksamkeit des Programms bei Patientinnen und Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung nachzuweisen, wird der Kurs wissenschaftlich begleitet. Hinweise darauf, dass das Programm positive Veränderungen bei traumatisierten Personen bewirken kann, lieferte die Untersuchung einer amerikanischen Forschungsgruppe der Universität Maryland. In dieser Untersuchung wurde ein MBSR-Kurs speziell für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kindheit angeboten und konnte die posttraumatischen Beschwerden deutlich reduzieren. Darüber hinaus erwiesen sich achtsamkeits- und akzeptanzbasierte Interventionen bereits als effektive Bestandteile gängigen Trauma-Therapien. „Traumatisierte Patientinnen und Patienten neigen dazu, schmerzhafte Erinnerungen und Erfahrungen zu vermeiden. Ein achtsamer und akzeptierender Umgang mit dem eigenen Erleben soll einer weiteren Chronifizierung der Störung entgegen wirken“. erläutert Müller-Engelmann.

Informationen: Interessierte Personen können sich an Dipl.-Psych. Dr. Meike Müller-Engelmann wenden,  Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Goethe-Universität Frankfurt, E-Mail: Mueller-Engelmann@psych.uni-frankfurt.de, sowie an das Trauma- und Opferzentrum Frankfurt e.V.,, Tel.: 069/21655828.

Veranstaltungen

Aug 22 2013
10:35

Podiumsdiskussion über ethische Herausforderungen moderner Kriegsführung am 3. September 2013 am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Sind Drohnen „Todesautomaten“?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Die Rechtfertigung von Krieg und die Definition legitimer Kriegsmittel sind zentrale Probleme demokratisch verfasster Rechtsstaaten: Unter welchen Umständen könnten Waffengänge gerecht sein, zu welchen Mitteln dürfen die Kontrahenten auf keinen Fall greifen? Seit einigen Jahren beschäftigen sich Friedensforscher verschiedener Disziplinen verstärkt mit dem Einsatz so genannter Drohnen - ferngesteuerter Fluggeräte, die zu militärischen Zwecken genutzt werden. Unterdessen schreitet die High-Tech-Rüstung immer weiter voran. Mittlerweile ist sogar von autonom handelnden Kampfrobotern die Rede. Die Frage, welche Auswirkungen all dies auf unser Verständnis und unsere Beurteilung bewaffneter Konflikte hat, steht im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion zum

Thema: „Drohnen und andere ‚künstliche Kämpfer’: Ethische Herausforderungen moderner Kriegsführung
am: Dienstag, 3. September 2013, um 19.30 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Die halb- und vielleicht bald sogar „vollautomatischen“ Waffensysteme stellen nach Meinung von Beobachtern eine „Revolution der Kriegsführung“ dar. Und schon jetzt verbinden viele Menschen mit Drohnen und anderen „künstlichen Kämpfern“ das unpersönliche Töten vom Joystick aus und die fortschreitende Automatisierung militärischer Kampfführung - bis hin zu Robotern, die selbstständig entscheiden können, wen sie erschießen. Doch stimmt dieses Bild? Handelt es sich hierbei wirklich um „Automaten des Todes“, wie die Süddeutsche Zeitung vor kurzem titelte? Welche Chancen und Gefahren birgt der Einsatz von Drohnen für Soldaten, Zivilisten, für die Weltgesellschaft und das Völkerrecht? Und wie kann den Gefahren begegnet werden? Über diese Fragen diskutieren Experten aus den Bereichen Jura, Physik, Politikwissenschaft und Philosophie sowie ein Vertreter der Bundeswehr.

Die Diskutanten auf dem Podium: PD Dr. Jürgen Altmann ist Physiker und Friedensforscher an der Technischen Universität Dortmund sowie Mitbegründer des Forschungsverbundes „Naturwissenschaft, Abrüstung und Internationale Sicherheit“. Prof. Claus Kreß lehrt deutsches und internationales Strafrecht an der Universität zu Köln, wo er auch das „Institute for International Peace and Security Law“ leitet. Oberstleutnant Roland Runge ist Dezernatsleiter im Kommando Einsatzkräfte Luftwaffe in Köln und dort unter anderem für den Bereich der unbemannten Luftfahrzeuge zuständig. Komplettiert wird die Runde durch Dr. Alexander Leveringhaus vom Oxford Institute for Ethics, Law and Armed Conflict. Der Politikwissenschaftler war 2011/2012 auf Einladung der an der Goethe-Universität angesiedelten Forschergruppe „Justitia Amplificata. Rethinking Justice“ Fellow am Forschungskolleg.

Die Moderation der Diskussion hat Dr. Bernhard Koch, Mitarbeiter am Institut für Theologie und Frieden in Hamburg sowie Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Goethe-Universität. Die Einführung und Begrüßung übernimmt Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Frankfurter Professor für Philosophie und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg.

Die öffentliche Podiumsdiskussion wird vom Forschungskolleg Humanwissenschaften und dem Hamburger Institut für Theologie und Frieden veranstaltet. Sie bildet den Abschluss einer zweitägigen internationalen Fachtagung über „Military Robotics and the Changing Nature of Armed Conflict: Ethics, Law, and Design for the Armies of the 21st Century“, die zuvor am Bad Homburger Kolleg stattfindet.

Die interessierte Öffentlichkeit ist zu der Podiumsdiskussion nach vorheriger Anmeldung herzlich willkommen.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs, Tel.: 06172-13977-10, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Forschung

Aug 21 2013
14:47

Mit Licht aktivierbares Molekül ermöglicht Orientierung

Kompass im Vogel-Auge entschlüsselt

FRANKFURT. Zugvögel, aber auch Haushühner, orientieren sich im Magnetfeld der Erde mithilfe eines Kompasses im Auge, der durch Licht aktiviert wird. Ähnlich wie ein Inklinationskompass reagiert er auf die Neigung des Erdmagnetfeldes zur Erdoberfläche und unterscheidet so zwischen „polwärts" und „quatorwärts". Schon seit einigen Jahren vermuten Forscher, dass der zugrunde liegende Mechanismus auf der Licht-Aktivierung des Photorezeptors Cryptochrom beruht. Diese Vermutung konnte die Arbeitsgruppe um die Biologen Roswitha und Wolfgang Wiltschko, Professoren an der Goethe-Universität, nur durch Experimente an lebenden Hühnern erhärten.

Vor etwa einem Jahr wiesen die Frankfurter Ornithologen Cryptochrom 1a in speziellen Zapfen-Sehzellen von Rotkehlchen und Haushühnern nach. Um sicher zu sein, dass dieses Molekül auch tatsächlich für die Orientierung im Magnetfeld verantwortlich ist, untersuchten sie nun, bei welchen Wellenlängen des Lichts es angeregt wird. Das ist nicht einfach, weil die Aktivierungskurven von Cryptochrom normalerweise an gelösten Molekülen bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt gemessen werden.

„Bei unseren Experimenten ist es uns erstmals gelungen, die Licht-Aktivierung unter natürlichen Umständen zu messen“, erläutert Roswitha Wiltschko. Das Molekül saß während der Messung in der Membran des intakten Auges eines lebenden Huhns bei dessen Körpertemperatur von 40 Grad. Die Forscher stellten fest, dass die Aktivierung bei Wellenlängen von Ultraviolett bis Grün erfolgt. Das sind genau die Wellenlängen, bei denen sich Vögel orientieren können. Dagegen aktiviert rotes Licht das Cryptochrom nicht. Das passt zu der Beobachtung, dass die Vögel bei diesem Licht, genauso wie im Dunkeln, die Orientierung verlieren. „Unsere Befunde sprechen stark dafür, daß Cryptochrom 1a wirklich das Rezeptormolekül für den Magnetkompass der Vögel ist“, folgert Roswitha Wiltschko.

Publikation: Christine Nießner, Susanne Denzau, Katrin Stapput, Margaret Ahmad, Leo Peichl, Wolfgang Wiltschko und Roswitha Wiltschko: Magnetoreception: activated cryptochrome 1a concurs with magnetic orientation in birds. Journal of the Royal Society Interface, http://dx.doi.org/10.1098/rsif.2013.0638

Informationen: Prof. Roswitha Wiltschko, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-42107; wiltschko@bio.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Aug 21 2013
14:45

Graduiertenkolleg “Law and Economics of Money and Finance” (LEMF) im House of Finance kooperiert mit Columbia Law School und Oxford Law School

Global Law in Finance Netzwerk gestartet

FRANKFURT. Unter Beteiligung der Goethe-Universität Frankfurt ist das Global Law in Finance Network (GLawFiN) offiziell ins Leben gerufen worden. GLawFiN ist ein interdisziplinäres Projekt an mehreren Standorten mit dem Ziel, das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Recht und Finanzmärkten zu vertiefen. Die drei Standorte des Projekts sind derzeit das House of Finance der Goethe-Universität vertreten durch Brigitte Haar, die Columbia Law School vertreten durch Katharina Pistor und die Oxford University Law School vertreten durch Dan Awrey. Die drei Wissenschaftler fungieren als Principal Researchers des GLawFin. Das Projekt wird von der Max-Planck-Gesellschaft (in Form  des Max-Planck-Forschungspreises, den Katharina Pistor 2012 erhielt) und dem Institute for New Economic Thinking gefördert.

Die Kernaufgabe des GLawFiN ist es, die „Legal Theory of Finance“, einen neuen Erklärungsansatz für das komplexe Wirkungsgefüge rechtlicher und ökonomischer Faktoren auf Finanzmärkten, zu erforschen . Es unterstützt Doktoranden dabei, auf Grundlage detaillierter Analyse der Rechtsstruktur von Finanzmärkten den theoretischen Rahmen zu vertiefen, zu erweitern und zu hinterfragen. Um die Qualität ihrer Arbeit zu gewährleisten und Orientierungshilfe und Einblicke von Spitzenwissenschaftlern und Praktikern aus diesem Bereich zu erhalten, ist es den Principal Researchers gelungen, einen Beirat mit sechs renommierten Mitgliedern zu schaffen: John Armour (Oxford Law), Jeffrey Golden (LSE und ehemals Partner bei Allen & Overy), Jeffrey Gordon (Columbia Law), Martin Hellwig (Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern), Cathy Kaplan (Sidley Austin, New York) und Daniela Weber-Rey (Deutsche Bank, ehemals Partner bei Clifford Chance).

Die ersten vom GLawFiN zur Förderung ausgewählten Doktoranden sind Jacob Bonavita (LEMF, House of Finance, Goethe-Universität), Maciej Borowicz (Colombia Law School), und Javier Solana (University of Oxford).

Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Brigitte Haar, House of Finance, Telefon: 069 798 33764, E-Mail: b.haar@jur.uni-frankfurt.de

Forschung

Aug 21 2013
14:40

Wissenschaftler-Team legt Vorschläge für Umsetzung vor

Öffentliche Verwaltung soll Rechnungen künftig elektronisch austauschen

FRANKFURT. Wissenschaftler der Goethe-Universität haben gemeinsam mit den Experten der Bonpago GmbH eine Studie vorgelegt, die der öffentlichen Verwaltung in Deutschland Wege aufzeigt für eine Umstellung auf den elektronischen Austausch von Rechnungen. Die Studie unter Leitung von Wolfgang König, Professor für BWL, insbesondere Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement, entstand im Rahmen des Projektes eRechnung, das vom Bundesministerium des Innern gefördert wird.

In Deutschland werden jährlich rund 32 Mrd. Rechnungen und Kassenbelege ausgetauscht, davon rund 120-140 Mill. mit der öffentlichen Verwaltung. Der Anteil elektronischer Rechnungen liegt dabei im einstelligen Prozentbereich. Die EU Kommission hat im Juni 2013 vor dem Hintergrund der „Digitalen Agenda für Europa“ einen Richtlinienentwurf präsentiert, der öffentliche Verwaltungen der Mitgliedsstaaten dazu verpflichten soll, binnen 48 Monaten eine Infrastruktur für den Empfang elektronischer Rechnungen bereit zu stellen. So will die EU Einsparungen von bis zu 2,3 Mrd. EUR verwirklichen.

Die Herausforderung für die Autoren bestand nun darin, unter einer Vielzahl von Lösungsansätzen zum elektronischen Rechnungsaustausch den anhand von Kosten- und Nachhaltigkeitsaspekten besten Weg für die öffentliche Verwaltung auszuwählen. „Wir empfehlen für den elektronischen Rechnungsaustausch zwischen Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung den Versand der Rechnung als PDF-Anhang einer E-Mail mit integriertem Datensatz, der idealerweise die Kopf- und Positionsdaten der Rechnung in einem Standardformat beschreibt“, so Wolfgang König. „Dieser Übertragungsweg ermöglicht die elektronische Weiterverarbeitung durch Einspeisung der Rechnungsdaten in die nachgelagerten Systeme und setzt außerdem eine niedrige Teilnahmeschwelle, von der insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren.“

Um die erarbeiteten Handlungsempfehlungen zu evaluieren, werden seit Anfang 2013 unter anderem beim Technischen Hilfswerk (THW) und beim Bundesverwaltungsamt Pilotstudien durchgeführt.

Download: Steffen Bernius, Donovan Pfaff, Stefan Werres, Wolfgang König:  „Recommended Course of Action for the Implementation of Electronic Invoicing in Public Administrations – Final Report in the eRechnung Project“

Weitere Informationen: www.e-docs-standards.de.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Wolfgang König, Telefon: +49 (0)69 798 34001, E-Mail: wkoenig@wiwi.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 19 2013
12:00

Mit Performance- und Filmprogramm entwickelt von Studierenden der Curatorial Studies

Hélio Oiticica im Palmengarten

FRANKFURT. Drei Außeninstallationen des brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica werden im Frankfurter Palmengarten gezeigt. Sie sind Teil der Retrospektive „Hélio Oiticica. Das große Labyrinth“ (28.9.2013-12.1.2014) des Künstlers im MMK Museum für Moderne Kunst. In einem der drei begehbaren Pavillons, dem „Penetrável PN 14“, findet in der Zeit vom 30. August bis zum 12. Oktober ein Performance- und Filmprogramm mit Interventionen zeitgenössischer Künstler statt. Für das Programm haben Studierende des Masterstudiengangs „Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik“ (Goethe-Universität und Städelschule) zwölf junge, internationale Künstler und Künstlergruppen eingeladen, sich mit dem „Penetravél PN 14“ im Palmengarten auseinanderzusetzen. Es entstehen ortsbezogene Arbeiten: Experimente mit Sound, Sprache und Tanz, Projektionen, Salonabende und Begehungen.

Oiticica (1937-80) gilt als Vorreiter der partizipativen Kunst. Zur gleichen Zeit wie Joseph Beuys in Deutschland entwickelte er in den frühen 1960er Jahren Überlegungen, die Kunst in den Raum hinein zu erweitern und für die Gesellschaft zu öffnen. Er verstand sich als Konstrukteur von Materialität, Farbe, Zeit, Raum und Situationen. Seine raumgreifenden Installationen eröffnen durch ihre ästhetischen und architektonischen Qualitäten besondere Räume der Wahrnehmung und Interaktion.

Die Ausstellung sowie das Film- und Performanceprogramm werden ermöglicht durch: funarte fundação nacional de arte, Kulturministerium Brasilien, Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, Brasilianische Bundesregierung, Brasil Literature. Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2013, artEDU Stiftung, Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung, experimente. Eine Kulturinitiative der Aventis Foundation, Dr. Marschner Stiftung. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag (30. August) um 18 Uhr statt.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir laden Sie herzlich ein

zur Vorbesichtigung der Ausstellung Hélio Oiticica im Palmengarten
am Donnerstag, 29. August, um 11 Uhr
im Palmengarten (Eingang Siesmayerstraße 61, 60323 Frankfurt am Main)

Ihre Gesprächspartner sind: Dr. Matthias Jenny (Leitung Palmengarten), Peter Gorschlüter (stellvertretender Direktor MMK) und Dr. Stefanie Heraeus (Leitung Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik), in Anwesenheit von Cesar Oiticica Filho (Kurator/Filmemacher). Im Anschluss an die Vorbesichtigung können Sie an der Generalprobe der Performance zur Eröffnung „Kristallo – Fliessen und Forschen“ von Charlotte Simon, Jonathan Penca, Zink Tonsur und Chor teilnehmen.

Ihr Anmeldung richten Sie bitte an das MMK Museum für moderne Kunst, per Fax: 069-212 37882, oder per Mail: presse.mmk@stadt-frankfurt.de

Mit den besten Grüßen
Christina Henneke  (MMK Frankfurt) & Andrea Just (Palmengarten) & Ulrike Jaspers (Goethe-Universität)

Informationen zur Mitwirkung des Masterstudiengangs: Dr. Stefanie Heraeus, Kunstgeschichtliches Institut, Campus Bockenheim, mobil 0151-16145787, Heraeus@kunst.uni-frankfurt.de; www.kuratierenundkritik.net, Link zum Ausstellungsprogramm: http://www.kuratierenundkritik.net/deutsch/home-de.html

Veranstaltungen

Aug 19 2013
10:58

Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse erhalten Einblicke in naturwissenschaftliche Fächer an der Goethe-Universität

Tag der Naturwissenschaften

FRANKFURT. Am 24. und 25. September 2013 findet der 11. Tag der Naturwissenschaften im Otto-Stern-Zentrum auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität statt. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse, die Interesse an den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Medizin haben und herausfinden wollen, ob ein naturwissenschaftliches Studium für sie in Frage kommt. Anmelden können sich Schülergruppen über Lehrerinnen und Lehrer ihrer Schulen.

Die Schülerinnen und Schüler erhalten am Tag der Naturwissenschaften in spannenden Vorträgen einen Einblick in die Vielfalt der Themen der verschiedenen Fächer. An Experimentalständen können sie zudem selber Dinge ausprobieren und ein Gefühl für die einzelnen Wissenschaften bekommen. Außerdem haben die Teilnehmer Gelegenheit, mit Wissenschaftlern der Goethe-Universität ins Gespräch zu kommen.

Die Schülergruppen bekommen hierbei einen Eindruck, welches Vorwissen aus der Schule für die einzelnen Studiengänge vorausgesetzt wird. Das soll den Teilnehmern vor allem dabei helfen, gezielter Kurse in der Oberstufe zu wählen, die ihnen bei der Bewerbung für ein naturwissenschaftliches Studium zugutekommen.

Es werden die folgenden Studienfächer der Goethe-Universität vorgestellt: Biochemie, Biophysik, Biowissenschaften, Chemie, Geographie, Geowissenschaften, Informatik, Mathematik, Medizin, Meteorologie, Pharmazie, Physik, Zahnmedizin und Lehramt für die naturwissenschaftlichen Fächer.

Zusätzlich werden an beiden Tagen Workshops für Lehrerinnen und Lehrer angeboten. Die Anmeldung ist unabhängig davon, ob die Lehrerinnen und Lehrer mit einer Schülergruppe am Tag der Naturwissenschaften teilnehmen.

Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung unter: www.tdn.uni-frankfurt.de

Ansprechpartnerin: Susanne Mombers, Programmkoordinatorin, Zentrale Studienberatung, Tel.: 069 - 798 13835, mombers@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 16 2013
15:44

Vollendung des zweiten Bauabschnitts: Feierliche Eröffnung zentraler Neubauten der Goethe-Universität mit Ministerpräsident Volker Bouffier

Bauliche Meilensteine für den Campus Westend

MEDIENEINLADUNG

FRANKFURT. „Freiraum für den Geist“ – mit diesem Motto ist die feierliche Eröffnung zweier Neubauten auf dem Campus Westend der Goethe-Universität überschrieben. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Universitätspräsident Werner Müller-Esterl werden gemeinsam die im Rahmen des zweiten Bauabschnittes des Campus Westend fertiggestellten und im April bezogenen Gebäude der Psychologie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften (PEG) und des Präsidiums und der Administration (PA) präsentieren. Insgesamt haben diese 155 Mio. Euro gekostet. Thomas Müller vom Architekturbüro Müller und Reimann (Berlin) wird in seinem Grußwort das bauliche Konzept beider Gebäude erläutern. Anschließend wird Thomas Platte vom Hessischen Baumanagement der Goethe-Universität symbolisch die Schlüssel überreichen.

Die Feierstunde findet statt

am: Freitag, 23.08.2013, um 11.00 Uhr

im: Foyer des Gebäudes PA, Campus Westend, Grüneburgplatz 1.

Sie sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen. Im Vorfeld der Veranstaltung besteht für Medienvertreter zudem die Möglichkeit, an einem geführten Rundgang mit Universitätspräsident Werner Müller-Esterl und dem Architekten Thomas Müller durch beide Gebäude teilzunehmen, der um 10.00 Uhr beginnt. Bitte teilen Sie uns bis zum 20.08.2013 per Mail an presse@uni-frankfurt.de mit, ob Sie an der Veranstaltung und/oder an dem Medienrundgang teilnehmen möchten.

Herzliche Grüße

Olaf Kaltenborn
(Pressesprecher)

Forschung

Aug 14 2013
11:59

Erste Ergebnisse des Projekts „Afrikas Asiatische Optionen“

In Äthiopien sind die Professoren Inder

FRANKFURT. Äthiopien hat mit Hilfe der Weltbank und internationaler Entwicklungsorganisationen seit dem Jahr 2000 massiv in die Hochschulbildung investiert. Die Zahl der Universitäten ist von ursprünglich zwei auf 31 angestiegen. Die damit verbundene große Nachfrage nach Professoren deckt das Land durch die Rekrutierung indischer Akademiker. Zwar ist die Besetzung der Lehrstühle mit Indern nur als temporäre Lösung geplant. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass es schwierig sein wird, sie langfristig durch einheimischen Nachwuchs zu ersetzen.

„Unter den Einwanderern in Äthiopien stellen die Inder eine vergleichsweise kleine Gruppe dar, aber sie werden wegen ihrer Tätigkeit als Lehrer seit Jahrzehnten mit dem Bildungssektor assoziiert“, erklärt die Ethnologin Dr. Sophia Thubauville, die Anfang des Jahres ihren ersten Feldforschungsaufenthalt in Ost-Äthiopien absolvierte. „Das Gehalt der indischen Akademiker ist an den Universitäten zehn Mal so hoch wie das ihrer äthiopischen Kollegen“, so Thubauville. Bezahlt wurden die Gehälter bis 2005 aus einem Programm der Vereinten Nationen und seitdem von den äthiopischen Universitäten selbst. Der einheimische Nachwuchs geht dagegen wegen der geringen Verdienstmöglichkeiten oder aus politischen Gründen oft ins Ausland. Für die indischen Einwanderer ist das großzügige Gehalt der Hauptgrund für die Migration. Sie können davon rund 75 Prozent sparen. Nach Ablauf ihres in der Regel auf zwei Jahre befristeten Vertrags kehren viele in ihre Heimat zurück -  jedenfalls wenn sie ihre Familie dort gelassen haben. Denn in Äthiopien finden die Einwanderer keine englischsprachigen Schulen für ihre Kinder, ihre Ehepartner können dort meist nicht arbeiten, und das Gesundheitssystem ist deutlich schlechter als in Indien.

Für ihr Forschungsprojekt im Rahmen des interdisziplinären Verbundprojekts „Afrikas Asiatische Optionen“ (AFRASO) an der Goethe-Universität, das unter anderem die verstärkte Migration zwischen Asien und Afrika untersucht, bereiste Sophia Thubauville die zweitälteste Universität des Landes in Haramaya (gegründet 1954) sowie zwei neuere Universitäten, die 2007 gegründet wurden. Diese liegen in Dire Dawa, einer Handelsstadt auf dem Weg zur Hafenstadt Djibouti und in Jigjiga, einer verschlafenen Stadt in der krisenanfälligen Somali-Zone. Durch ihre Feldforschung will sie herausfinden, wie Äthiopien die Herausforderungen durch die starke Ausweitung seines Hochschulsektors bewältigt.

Zurzeit gibt es schätzungsweise 1.200 indische Dozenten in Äthiopien. Die meisten kommen aus Süd-Indien und werden von Agenturen zum Beispiel durch Anzeigen in der „Times of India“ rekrutiert. Der Bewerbungsprozess ist einfach: „Es gibt walk-in Interviews, bei denen man mit seinem Lebenslauf vorbei kommt und schon nach einem kurzen Gespräch eingestellt wird“, erklärt Thubauville. Auch die bürokratischen Formalitäten für die Einwanderung werden von den Agenturen übernommen. Allerdings tritt nur die Hälfte der Rekrutierten ihre Stelle auch wirklich an, weil viele sich erst nach dem Gespräch über die Bedingungen in ihrem Gastland erkundigen. Ein weiterer Schwund findet vor Ort statt, denn nicht alle Einwanderer haben die gewünschte Qualifikation oder sie sind sogar aufgrund gefälschter Papiere eingestellt worden. „Vor wenigen Wochen las ich eine Anzeige, in der eine äthiopische Universität zu Anfang des Semesters noch 50 offene Stellen zu besetzen hatte“, berichtet Thubauville.

Unter den Auswanderern sind viele Berufsanfänger. Professorinnen und Professoren im mittleren Alter kommen meistens von privaten Colleges in Indien, an denen die Gehälter nicht so stark angehoben wurden wie an den staatlichen Hochschulen. Ebenso wandern indische Seniorprofessoren aus. „Zwar gibt es für die Beschäftigung an äthiopischen Universitäten eine Altersbegrenzung von 65 Jahren zum Zeitpunkt der Einstellung, aber wenn die Professoren gekommen sind, um einen neuen Studiengang aufzubauen, arbeiten sie bis weit in ihre 70er Jahre hinein“, weiß Thubauville. Während ihres Forschungsaufenthaltes erlitt einer der Senior-Professoren einen Herzinfarkt, was angesichts der mangelhaften medizinischen Versorgung besonders tragisch war.

Eine zusätzliche Herausforderung für den Aufbau des äthiopischen Hochschulwesens ist die neuerdings von der Regierung voran getriebene Ausrichtung auf technische und naturwissenschaftliche Fächer. An äthiopischen Universitäten wurden bisher zu 70 Prozent geisteswissenschaftliche Fächer unterrichtet. Nun sollen 60 Prozent der Studierenden in Technik oder Naturwissenschaften ausgebildet werden. Äthiopische Studenten dürfen sich ihr Studienfach nicht aussuchen. Sie reichen eine Wunschliste mit zehn Studienwünschen ein und bekommen dann ein Fach zugeteilt. Der Staat übernimmt dann zunächst nicht nur die Kosten des Studiums, sondern auch Kost und Logis im Studentenwohnheim. Mit Beginn eines Arbeitsverhältnisses zahlen die ehemaligen Studenten dann Teile der Ausgaben an den Staat zurück. In den vergangenen Jahren sind verstärkt „Technical Colleges“ gegründet worden, doch oft fehlt es an der nötigen Ausstattung. So beklagen sich indische Dozenten, die aus ihrer Heimat eine gute praktische Ausbildung gewohnt sind, über das Fehlen von Chemikalien und Ersatzteilen. „An der medizinischen Fakultät in Dire Dawa gibt es kein Labor. Am IT-College in Haramaya fehlt der Computer-Raum“, berichtet Thubauville.

Im kommenden Jahr wird Thubauville nach Indien reisen, um dort zu erforschen, wie sich die Migration der Akademiker aus indischer Sicht darstellt. 2015 ist dann ein weiterer Forschungsaufenthalt in Äthiopien geplant. Mit ihrem Forschungsprojekt möchte sie nicht nur einen wissenschaftlichen Beitrag zur Süd-Südmigration von hochqualifizierten Fachkräften leisten, sondern erhofft sich auch, dass aufgedeckte Missstände in der Rekrutierung indischer Akademiker sowie der Situation einheimischer Akademiker in Äthiopien wahrgenommen werden und womöglich zu einem Umdenken führen.

Informationen: Dr. Sophia Thubauville, Frobenius-Institut, Campus Westend, Tel.: (069) 798-33240; Thubauville@em.uni-frankfurt.de.

Sonstige

Aug 13 2013
13:10

Ausschreibung für Studienorientierungsangebot der ZEIT-Stiftung an der Goethe-Universität beginnt

Schülercampus „Mehr Migranten werden Lehrer“

FRANKFURT. Oberstufenschüler aus Hessen mit Zuwanderungsgeschichte können sich bis zum 2. Oktober 2013 für den Schülercampus „Mehr Migranten werden Lehrer“ bewerben. Das viertägige Seminar über das Lehramtsstudium und den Lehrerberuf findet vom 1. bis 4. November 2013 zum ersten Mal in Frankfurt am Main statt. Während der vier Tage kommen rund 30 Schüler mit Hochschuldozenten, Lehrkräften und Lehramtsstudierenden zusammen. Bei Expertengesprächen, Diskussionsrunden und Schulhospitationen erfahren sie, was die Berufsperspektive Lehrer bedeutet. Sie erhalten viele nützliche Informationen über die Studienvoraussetzungen und die berufliche Praxis einer Lehrerin bzw. eines Lehrers in Hessen.

Das Projekt zielt auf die noch immer bestehende Diskrepanz zwischen Schülerschaft und Lehrerschaft an allgemeinbildenden Schulen: Bei den jungen Menschen in der Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen beträgt der Migrationsanteil knapp 50%.  Jedoch haben bundesweit nur 7 % der Lehrkräfte Migrationsgeschichte. Denn leider entscheiden sich bislang noch sehr wenige Abiturientinnen und Abiturienten, deren Familien Migrationsgeschichte haben, für den Lehrberuf. Lehrer mit Zuwanderungsgeschichte werden dringend gebraucht – als Vorbilder und Vertraute.

Dr. Tatiana Matthiesen, Programmleiterin der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius: „Hessen ist das achte Bundesland, in dem der Schülercampus ‚Mehr Migranten werden Lehrer‘ nun startet – darüber freuen wir uns in der ZEIT-Stiftung sehr! Wir wünschen uns, dass zahlreiche  Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler an dem viertägigen Kompaktseminar an der Goethe-Universität teilnehmen – und das Lehramt als berufliche Perspektive entdecken.“

Der Schülercampus in Frankfurt am Main ist eine Initiative der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und wird in Frankfurt am Main mit dem Hessischen Kultusministerium, der Goethe-Universität und der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung realisiert. Informieren kann man sich unter www.mehr-migranten-werden-lehrer.de.

Weitere Informationen: Rebecca Röhrich, Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL), Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation, roehrich@em.uni-frankfurt.de, Tel.: 069/ 798-25114.

Forschung

Aug 13 2013
10:21

Detaillierte Einblicke in die Aggregation des Prionproteins/ VIP Publikation in Angewandte Chemie

Dem Rinderwahnsinn auf der Spur

FRANKFURT.  Auch wenn der Ausbruch der BSE-Krise bereits gut 20 Jahre zurück liegt, sind die Ursachen von Erkrankungen wie Rinderwahnsinn (BSE) und der verwandten Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen in vielen Aspekten ein Mysterium geblieben. Forschern der Goethe-Universität ist es nun gelungen, Einblicke mit bis dato unerreichter Genauigkeit in die krankheitsrelevanten Ablagerungsprozesse des Proteins auf atomarer Ebene zu gewinnen.

Das besondere Charakteristikum dieses Typus von Krankheiten – auch als Prionen-Erkrankungen bekannt – ist, dass die Übertragung des Erregers auf einem infektiösen Eiweißstoff beruht und weder Bakterien noch Viren involviert. Dieser Einweißstoff ist als Prion-Protein bekannt. Eigentlich handelt es sich um ein harmloses Protein im menschlichen Körper. Gefährlich werden sie, wenn sich einzelne Moleküle des Prion-Proteins zu Oligomeren zusammen lagern und dabei ihre dreidimensionale Struktur verändern. Das geschieht nicht nur im Verlauf von Prionen-Erkrankungen, sondern auch durch Alterung oder spezifische Punktmutationen. Diese oligomeren Strukturen sind auch Träger der Infektiosität: Sie können zwischen Individuen übertragen werden und prägen dann ihre Struktur auch Molekülen des Prion-Proteins auf, die zunächst nicht als Oligomere vorlagen.

Dr. Kai Schlepckow in der Arbeitsgruppe von  Prof. Harald Schwalbe an der Goethe-Universität ist es erstmals gelungen, detaillierte Einblicke in den Bildungsmechanismus von Oligomeren des Prion-Proteins zu gewinnen. „Wir konnten quasi für jede einzelne Aminosäure nachverfolgen, zu welchem Zeitpunkt sie in den Aggregationsprozess eingreift. Dieser Prozess ist viel komplexer, als man bisher angenommen hat“, berichtet Prof. Schwalbe. Diese Informationen sind von zentraler Bedeutung, da es ohne sie nicht möglich sein wird, Therapeutika zu entwickeln, die die Bildung infektiöser Partikel unterbinden.

Mit Hilfe der Kernmagnetresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) konnte der Prozess der Oligomerisierung mit atomarer Auflösung verfolgt werden. Auf diese Weise war es möglich, verschiedene Bereiche des Prion-Protein-Moleküls auf ihre spezifischen Beiträge zur Oligomerisierung zu untersuchen. „Wir waren fasziniert zu sehen, dass sich das Molekül während der Oligomerisierung nicht gleichförmig verhält. Vielmehr sind verschiedene Molekülbereiche in unterschiedliche Abschnitte dieses Prozesses involviert. Somit können wir den Bildungsmechanismus von Oligomeren des Prion-Proteins mit bisher nicht erreichter Genauigkeit beschreiben“, fasst Dr. Schlepckow die Ergebnisse der Studie zusammen, die kürzlich als Very Important Paper in der renommierten Fachzeitschrift Angewandte Chemie veröffentlich wurde.

Publikation: Kai Schlepckow und Harald Schwalbe: Molecular Mechanism of Prion Protein Oligomerization at Atomic Resolution, Angew Chem Int Ed Engl. 2013

http://dx.doi.org/10.1002/ange.201305184

http://dx.doi.org/10.1002/anie.201305184

Informationen: Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29130; schwalbe@em.uni-frankfurt.de

Sonstige

Aug 9 2013
15:13

Fachtag zu „Unterrichten in heterogenen Lerngruppen“ an der Goethe-Universität. 13. August, Campus Westend, Hörsaalzentrum

Individualisierung des schulischen Lernens

MEDIENEINLADUNG

FRANKFURT. Heterogenität stellt eine der großen Herausforderungen dar, denen sich die Schulen heute zunehmend zu stellen haben. Lehrkräfte müssen in ihrem beruflichen Alltag einerseits den individuellen Lernwegen ihrer Schüler gerecht werden, andererseits aber auch regelmäßig Leistungsüberprüfungen durchführen, die auf gleichen Maßstäben basieren. Über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sich auf dem Fachtag „Unterrichten in heterogenen Lerngruppen in den Jahrgangsstufen 1-6 der Grundschule, der Sekundarstufe und der Förderschule“ in 16 Workshops mit den pädagogisch-didaktischen Herausforderungen des Themas beschäftigen und Praxisbeispiele erörtern.

Prof. Dieter Katzenbach und Prof. Diemut Kucharz (Goethe-Universität) werden in den Fachtag einführen. Das Grußwort spricht Staatssekretär Prof. Alexander Lorz vom Hessischen Kultusministerium. „Individuelle Lernbegleitung und Förderung und die Herausforderungen für den Unterricht“ wird dann das Thema des Einführungsvortrages lauten, den Prof. Kerstin Merz-Atalik von der PH Ludwigsburg hält. Im Anschluss an das Tagungsprogramm (ab 16.30 Uhr) werden die bildungspolitischen Sprecher der hessischen Parteien in der Didaktischen Werkstatt darüber diskutieren, wie Lehrkräfte beim Umgang mit Heterogenität unterstützt werden können.

Der Fachtag „Unterrichten in heterogenen Lerngruppen“ ist eine Veranstaltung des Hessischen Kultusministeriums und der Arbeitsstelle für Diversität und Unterrichtsentwicklung – Didaktische Werkstatt an der Goethe-Universität. Er findet statt am

Dienstag, 13. August 2013, ab 8.00 Uhr, im Hörsaalzentrum (HZ 3) auf dem Campus Westend (HZ 3)  der Goethe-Universität.

Medienvertreter sind herzlich zum Fachtag eingeladen.

Weitere Informationen:
Silke Adam, Sekretariat, Tel. (069) 798-36367, s.adam@em.uni-frankfurt.de; www.schulentwicklung.uni-frankfurt.de

Forschung

Aug 7 2013
12:01

Laserpuls beeinflusst Entstehung der Bruchstücke

Tod eines Moleküls gefilmt

FRANKFURT. Um Moleküle in ihre atomaren Bestandteile zu zerlegen, verwenden Forscher starke Laserpulse. Doch während es beim Teilen von Kuchen in zwei gleich große Stücke lediglich auf das Augenmaß ankommt, hat das „Laser-Messer“ einen direkten Einfluss auf die Bruchstücke. Das konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Reinhard Dörner kürzlich nachweisen, indem sie die Spaltung eines Wasserstoffmoleküls erstmals auf einer unvorstellbar kurzen Zeitskala „filmte“. Wie die Physiker in der Fachzeitschrift Nature Communications mitteilen, ist ihre Methode robust und leistungsfähig, so dass sie künftig dazu dienen könnte, auch andere ultrakurze atomare Prozesse zu beobachten.

Die Teilung eines Wasserstoffmoleküls, bestehend aus zwei Protonen und zwei Elektronen, kann nicht „gerecht“ ausgehen. Sie beginnt damit, dass eines der Elektronen durch einen kurzen, energiereichen Laserpuls aus dem Molekül heraus katapultiert wird. Das verbleibende Elektron verbindet sich dann mit einem der Protonen zu einem Wasserstoffatom, während das andere Proton leer ausgeht. „Man könnte meinen, dass es dem Zufall überlassen ist, wo das Elektron landet. Tatsächlich wird es aber durch das Laserlicht gesteuert“, erklärt Dörner.

Dieser Prozess läuft so schnell ab, dass er bisher nicht beobachtet werden konnte. Deshalb kamen Dörner und seine Mitarbeiter auf die Idee, das schwingende Lichtfeld des Lasers selbst als ultraschnelles und ultrapräzises Uhrwerk zu verwenden. „Eine Umdrehung dieser Uhr dauert 2.7 Femtosekunden, also 2,7 Millionstel einer Milliardstel Sekunde. Eines der beiden Elektronen aus dem Wasserstoff dient als Uhrzeiger, den wir mit COLTRIMS ablesen“, so Dörner. COLTRIMS ist ein in Frankfurt entwickeltes Reaktionsmikropskop, mit dem man die Richtung und Energie aller geladenen Fragmente eines solchen Prozesses rekonstruieren kann. Dank dieser Technik konnten die Physiker jedem Molekülfragment die Zeit seiner Entstehung zuordnen und damit die Einzelbilder in der richtigen zeitlichen Reihenfolge zu einem Film zusammensetzen.

Publikation: J. Wu et. al.: Understanding the role of phase in chemical bond breaking with coincidence angular streaking, in: nature communications, 19.7.2013, DOI: 10.1038/ncomms3177 www.nature.com/naturecommunications

Ein Bild zum Download finden Sie hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildtext: Ultraschnelle Filmkamera: Der Laserpuls (orange Spirale im Vordergrund) spaltet das Molekül und dient gleichzeitig als ultraschnelles Uhrwerk. Die einzelnen Bilder des zerbrechenden Moleküls werden auf der linken blauen Platte aufgenommen, während der Zeitpunkt des Entstehens auf der rechten roten Platte (mit Uhr) registriert wird.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47003; doerner@atom.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 7 2013
10:50

Rechtsprofessor Klaus Günther vom Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ spricht am 13. August 2013 im Offenbacher Klingspor-Museum

„Wie in Stein gemeißelt ...“ – Vortrag zu Recht und Schrift

FRANKFURT. Das Recht und die Sprache, zumal als geschriebenes Wort, stehen seit jeher in einem engen Verhältnis zueinander und beeinflussen sich gegenseitig. Einen Einblick anhand ausgewählter Aspekte, bei dem auch gegenwärtige rechtstheoretische Diskussionen zur Sprache kommen, gibt Prof. Klaus Günther, Frankfurter Rechtswissenschaftler und Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, bei seinem Vortrag zum

Thema:         „Wie die Schrift dem Recht zu seinem Recht verhalf“
am:                Dienstag, 13. August 2013, um 18.30 Uhr.
Ort:                Klingspor-Museum Offenbach, Herrnstraße 80 (Südflügel des Büsig Palais), 63065 Offenbach am Main.

Klaus Günther wird einen Bogen schlagen von den Anfängen der „Rechtsschreibung“ bis hin zu besonderen Gesichtspunkten der Gegenwart. Der historische Abriss beginnt bei Stein- und Tontafeln, thematisiert das römische Recht und die Situation im Mittelalter und reicht über den „Code Napoleon“ bis in unsere digitale Zeit.

Günther lehrt Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören neben anderen die Rechtsphilosophie, die Theorie der juristischen Argumentation sowie das Forschungsgebiet Recht und Literatur, das unter der Bezeichnung „Law and Literature“ besonders auch im anglo-amerikanischen Raum verbreitet ist. Aus dem Blickwinkel „Recht als Literatur“ betont diese Disziplin die Bedeutung der Sprache für die Rechtsfindung und die Anwendung des Rechts.

Veranstalter des Vortragsabends sind der Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität, die Stadt Offenbach am Main und das Klingspor-Museum Offenbach. Das Museum in städtischer Trägerschaft hat die Schwerpunkte Schriftkunst und Typografie. Es wurde 1953 gegründet und hat sich in den letzten Jahren auch zu einer Sammlung künstlerischer Bücher entwickelt. Der Eintritt zu dem Vortrag am 13. August ist frei.

Kontakt Klingspor-Museum: Magistrat der Stadt Offenbach, Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Ria Baumann, Tel. 069/8065-2392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.klingspor-museum.de, www.offenbach.de/kreativ

Informationen Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net;  www.normativeorders.net;

Veranstaltungen

Aug 6 2013
15:25

Fortsetzung der Reihe an der Frankfurter Börse in Verbindung mit dem Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“. Vortrag: Axel Honneth. 14. August, 18 Uhr, Alte Börse.

Philosophischer Vortrag über „Markt und Anerkennung“

FRANKFURT. „Anstand, Fairness, Gerechtigkeit – Ethische Orientierung am Finanzplatz der Zukunft“ – so heißt die aktuelle Vortragsreihe, die die Deutsche Börse AG in Verbindung mit dem Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ veranstaltet. Ziel der Reihe ist es, durch einen Dialog zwischen Philosophie und Finanzwelt zu einem Reflexionsprozess über Werte in der Finanzwelt beizutragen. Als nächster prominenter Redner spricht der Frankfurter Philosoph Prof. Axel Honneth zum

Thema:         „Markt und Anerkennung – Normative Grundlagen wirtschaftlichen Handelns
am:                Mittwoch, 14. August 2013, um 18.00 Uhr (Einlass ab 17.15 Uhr)
Ort:                Alte Börse, Raum „Lichthof“, Börsenplatz 4, 60313 Frankfurt

Axel Honneth lehrt Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und an der Columbia-University (New York). Er ist Mitglied des Exzellenzclusters und Direktor des renommierten Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Honneth gilt weltweit als einer der bedeutendsten Sozialphilosophen. Regelmäßig greift er neben seiner
akademischen Forschung auch in die öffentliche Diskussion ein. Zentrales Thema seiner Philosophie, die an Hegel anknüpft und die Tradition der Frankfurter Schule weiterführt, ist der Begriff der Anerkennung. In seinem jüngsten Werk „Das Recht der Freiheit“ entwirft er ein Panorama „demokratischer Sittlichkeit“, das Hegels Überlegungen zu Moral, Markt und Staat aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart transformiert.

Der Vortrag über Markt und Anerkennung ist der zweite in der philosophischen Reihe. Auftaktredner war am 4. Juni Prof. Otfried Höffe mit dem Thema „Gerechtigkeit in Zeiten globaler Finanzwirtschaft“. Der Tübinger Philosoph formulierte überraschende Einsichten und provozierende Aussagen zu Gegenständen, die auch für die Gesamtreihe erkenntnisleitend sind: Ist die Finanzbranche unmoralisch? Darf sie ihr Verständnis von Werten allein in Preisen ausdrücken? Brauchen wir neue Maßstäbe für den Kapitalmarkt? Im Mittelpunkt der Reihe steht denn auch die Frage, an welchen Werten sich die Finanzwirtschaft orientieren sollte – und an welchen sie sich orientieren kann, ohne ihre grundlegenden ökonomischen Interessen aus den Augen zu verlieren.

„Die Philosophie kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Prof. Marcus Willaschek, der die Reihe konzipiert hat. Der Frankfurter Philosoph, der ebenfalls Mitglied des Exzellenzclusters ist, weist darauf hin, dass der Beitrag der Philosophie allerdings nicht darin bestehe, auf die Frage nach den richtigen moralischen Normen und Entscheidungen fertige Antworten in Form von Expertenwissen zu liefern: „Die Frage, nach welchen Regeln wir zusammenleben wollen, kann nur von allen Beteiligten gemeinsam beantwortet werden. Aber Philosophen können auf die Gesichtspunkte hinweisen, die für die Frage nach moralischen Standards relevant sind; und sie können zur Klärung der Grundbegriffe beitragen, in denen wir über diese Fragen nachdenken: Begriffe wie Anstand, Fairness und Gerechtigkeit.“

Am 14. August, dem Tag des Vortrags, wird Marcus Willaschek nach der Begrüßung durch einen Vertreter der Deutschen Börse in das Thema des Abends einführen und im Anschluss an den Vortrag die Diskussion mit dem Publikum moderieren.

Die Reihe zur „Ethischen Orientierung am Finanzplatz der Zukunft“ wird am 22. November 2013 fortgesetzt. Auf Einladung der Deutschen Börse und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität spricht dann Prof. Thomas Pogge von der Yale University. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet am 15. Januar 2014 eine Podiumsdiskussion mit namhaften Teilnehmern aus Wissenschaft, Recht und Finanzwirtschaft. Zu den Diskutanten gehört Prof. Rainer Forst, politischer Philosoph und Co-Sprecher des Clusters.

Anmeldung: Eine Teilnahme ist nur mit einer Einladungsbestätigung möglich. Anmeldungen für den Vortrag am 14. August werden erbeten unter: ethischeorientierung@deutsche-boerse.com

Informationen: Prof. Marcus Willaschek, Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ / Institut für Philosophie, Campus Westend, Tel: (069) 798-32761, Marcus.Willaschek@normativeorders.net, www.normativeorders.net; Deutsche Börse AG, Section Events, Tel: (069) 211-12222, www.deutsche-boerse.com