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Jan 18 2012

Humboldt-Preisträger Shmuel Feiner erforscht die jüdische Aufklärung

Israelischer Historiker zu Gast an der Goethe-Universität

FRANKFURT. Der renommierte israelische Historiker Shmuel Feiner ist Spezialist für die deutsch-jüdische Geistes- und Kulturgeschichte der Neuzeit. Ein Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die Kooperationen zwischen exzellenten deutschen und ausländischen Wissenschaftlern fördert, ermöglicht ihm in diesem Jahr Forschungsaufenthalte an den Universitäten in Frankfurt und Düsseldorf. Seit Jahresbeginn ist er Gast der Martin Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität. Mit einer öffentlichen Vorlesung stellt er sich einem interessierten Publikum vor

am 19. Januar 2012 um 17 Uhr ct.
Ort: Campus Westend, Nebengebäude 1.741a
Thema: “No Fanatic is Easily Capable of Making my Cool Blood Boil!”: What Made Moses Mendelssohn Angry?

Shmuel Feiner ist Professor für moderne jüdische Geschichte an der Bar Ilan University, Ramat Gan. Er leitet außerdem das Jerusalemer Leo Baeck Institut, eine Dokumentations- und Forschungsstätte für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums. Er war bereits im vergangenen Jahr in Frankfurt, als er gemeinsam mit Christian Wiese, Martin Buber-Professor für jüdische Religionsphilosophie, eine hochkarätige internationale Konferenz zur jüdischen Aufklärung veranstaltete. In diesem Jahr wird er seine Forschungen zum komplexen Prozess der Säkularisierung des modernen Judentums fortsetzen. Erste Ergebnisse dieses umfassenden Forschungsprojekts hat er 2011 in seinem bedeutenden Werk „The Origins of Jewish Secularization in Eighteenth Century Europe“ vorgelegt, für das er jüngst mit einem israelischen Historikerpreis ausgezeichnet wurde.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung zeichnet Shmuel Feiner aus für seinen herausragenden Beitrag zur Interpretation der jüdischen Geistes-, Kultur- und Sozialgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne. Vor allem mit seinen – auch in deutscher Sprache erschienenen – Arbeiten zur jüdischen Aufklärung in Europa hat er Entscheidendes zum Verständnis der Begegnung von Judentum und Moderne geleistet. Sein Buch „Die jüdische Aufklärung“ (2007) deutet die Haskala als jüdische Variante der europäischen Aufklärung und untersucht die Folgen dieser Bewegung für die kulturelle Integration des europäischen Judentums und die Herausbildung unterschiedlicher, einander vielfach widerstreitender jüdischer Identitäten im 18. und 19. Jahrhundert.

Shmuel Feiners 2009 veröffentlichte Biographie Moses Mendelssohns bietet ein spannendes Portrait eines der bedeutendsten Philosophen der Aufklärungsepoche, der als Vorkämpfer der bürgerlichen Gleichberechtigung der jüdischen Minderheit wirkte und als Jude zugleich auch schmerzhafte Erfahrungen der Zurückweisung und Diskriminierung durch zeitgenössische nichtjüdische Intellektuelle machte.

Als Humboldt-Preisträger wird Shmuel Feiner auch am Institut für Jüdische Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zu Gast sein, wo vom 24-26. Juni 2012 zu seinen Ehren eine Konferenz zur jüdischen Geschichte und Kultur im 18. Jahrhundert stattfinden wird. Sie wird von Prof. Marion Aptroot (Düsseldorf) und Prof. Christian Wiese in Kooperation mit dem Leipziger Simon Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur organisiert.

Informationen: Prof. Christian Wiese, Martin Buber-Professor für jüdische Religionsphilosophie, Campus Westend, Tel.: (069)798-33342, C.Wiese@em.uni-frankfurt.de.