Vom Überlebenskampf im Bordell „Cinderella“

Autorenlesung mit Michael Bijnens in der Reihe „Niederländische Sprache und Kultur“

Veröffentlicht am: Mittwoch, 23. Mai 2018, 13:54 Uhr (120)

FRANKFURT. Wie ist es, als Sohn einer Prostituierten aufzuwachsen? Welche Wendungen kann ein solches Leben bereithalten? In seinem Roman „Cinderella“ hat der flämische Autor und Theatermann Michael Bijnens viel Autobiographisches verarbeitet. Zur Lesung mit Bijnens lädt das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität in der Reihe „Niederländische Sprache und Kultur“ ein

am Dienstag, 29. Mai, um 19 Uhr im Casinogebäude, Raum 1.812, am Campus Westend.

„Cinderella“, von Heike Baryga 2017 ins Deutsche übersetzt, ist Bijnens Debütroman. Der 1990 in Antwerpen geborene Autor wuchs selbst als Sohn einer Prostituierten auf, absolvierte erfolgreich ein Studium an der Brüsseler Film- und Theaterakademie und entkam dem Milieu seiner Kindheit. Anders sein Protagonist, der ebenfalls Michael heißt: Er beteiligt sich an dem Bordell, in dem seine Mutter und ihre Bekannten arbeiten, kümmert sich um Bar und Buchhaltung und wird gewissermaßen zum Zuhälter seiner Mutter, die jedoch stets betont, sich frei für dieses Leben entschieden zu haben.  Zugleich ist Michael aber auch die  Verbindungsperson zur „echten Welt“. Michael Bijnens erzählt seine Geschichte auf mitreißende Art und Weise, durch seine biographischen Einsichten in das deprimierende Milieu von Hoffnung und Enttäuschung erhält der Roman eine erschütternde Authentizität, die nichts gemein hat mit dem Märchen von „Pretty Woman“. In der manchmal chaotisch wirkenden Struktur des Romans spielt sich der aussichtslose Struggle for life der Frauen wieder, die im Bordell „Cinderella“ arbeiten und oft nicht wissen, wovon sie am nächsten Tag leben werden – und ob überhaupt.

Michael Bijnens sagt, er sei seiner Mutter dankbar, dass sie ihn nicht von ihrer Welt abgeschottet habe. Auch für seine Theaterwerke lässt er sich von extremen Situationen anregen, die er auf seinen Reisen zum Beispiel durch die Favelas von Rio de Janeiro und durch Krisengebiete in Mexiko und im Nahen Osten hautnah erlebt hat, inspirieren. Nach der zweisprachigen Lesung besteht Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Autor.

Information und Anmeldung: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Norbert-Wollheim-Platz 1 (Campus Westend), Telefon +49 (0)69 798 32851, Mail artois@lingua.uni-frankfurt.de, http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch

Eine Porträt des Autors finden Sie unter www.uni-frankfurt.de/72116166