Die Geburt der Radikalität aus dem Geist der Ambivalenz

Die Terroristin Ulrike Meinhof steht am 7. Mai im Fokus der Frankfurter Bürger-Universität

Veröffentlicht am: Freitag, 27. April 2018, 15:16 Uhr (093)

FRANKFURT. Die Frage, wie eine Musterstipendiatin des deutschen Volkes zum „Staatsfeind Nr. 1“ werden konnte, ist ein andauerndes Rätsel. Klarer lässt es sich fassen, seitdem Ulrike Meinhofs Semesterberichte an die Studienstiftung veröffentlicht wurden. Der Vortrag „Ulrike Meinhof – Die Geburt der Radikalität aus dem Geist der Ambivalenz“ von Prof. Matthias Bormuth

am Montag, 7. Mai 2018, um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main

in der Reihe „Wir wir wurden, wer wir sind“ entfaltet vor diesem Hintergrund die Skizze ihres Lebens, in dem ihr Vater, der Kunsthistoriker Werner Meinhof, eine bislang verkannte Schlüsselstellung einnimmt. Sein Plädoyer, den Mängeln der Welt mit ästhetischer Ambivalenz zu begegnen, ließ Ulrike Meinhof zunehmend im politischen Radikalismus hinter sich. Die Welt verlangte Entschiedenheit, bis in den Tod. Das christliche Versprechen auf spätere Erlösung war abgelöst durch die säkulare Sehnsucht, jetzt zu handeln und alle Neigung zur verzögernden Ambivalenz radikal hinter sich zu lassen. Bormuth lehrt Vergleichende Ideengeschichte an der Universität Oldenburg.

„Wie wir wurden, wer wir sind“ wird seit 2008 von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester, die in diesem Jahr zehn Jahre alt wird, stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten der Kulturbewegung der 68er vor, die anlässlich des 50jährigen Jubiläums in diesem Jahr im Fokus steht.

Folgende Biografien erwarten Sie außerdem im Sommersemester:

14. Mai 2018
Dr. Gerd Koenen
Gudrun Ensslin
Die Dämonen des deutschen Familienromans

28. Mai 2018
Prof. Ingrid Gilcher-Holtey
Rudi Dutschke
„Ohne Provokation werden wir gar nicht wahrgenommen“

11. Juni 2018
Dr. Ina Hartwig
Ingeborg Bachmann
Ich existiere nur, wenn ich schreibe

Beginn jeweils um 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Alle Veranstaltungen finden im Foyer der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main) statt.

Die Frankfurter Bürger-Universität ist ein Veranstaltungsformat, in dem Bürgerinnen und Bürger im Sommersemester „deutschen Biografien“ begegnen können und das im Wintersemester wechselnde Themen mit städtischem, gesellschaftsrelevantem Bezug aufgreift. Oft verlässt die Goethe-Uni mit ihren Hauptreihen den Campus und zieht an wechselnde Orte in der Stadt, um dort mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Die Bürger-Universität wird jedes Semester von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Dieses beinhaltet neben der eigens konzipierten Vortragsreihe eine vielfältige Auswahl an öffentlichen Veranstaltungen der Goethe-Universität, ihrer Fachbereiche, (An)-Institute und Initiativen. Die Broschüre mit über 100 Veranstaltungen steht unter www.buerger.uni-frankfurt.de zur Verfügung.

Weitere Veranstaltungen der Goethe-Universität im Rahmen des Jubiläums „50 Jahre 68“ finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/68er-reihe