Mit gestylten Grafiken auf das Cover

Oft überzeugt eine künstlerische Interpretation mehr als das reale Bild/ Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt zu „Bild und Bildlichkeit“

Veröffentlicht am: Montag, 20. November 2017, 11:45 Uhr (245)

FRANKFURT. Schönheit liegt auch in der Wissenschaft im Auge des Betrachters. So wie Eltern ihre Sprösslinge schön finden, schwärmen Forscher wie Mike Heilemann und Ivan Dikic von ihren Bildern fluoreszierender Bakterien. Doch um es auf das Cover der renommierten Fachzeitschrift „Nature Microbiology“ zu schaffen, beauftragten sie die wissenschaftliche Illustratorin Ella Marushchenko.

„Auf das Cover zu kommen, ist für einen Forscher ähnlich erstrebenswert wie für ein Fotomodell – wenn auch eher mit wissenschaftlichen als mit nackten Tatsachen“, schreibt Dr. Kerstin Koch in ihrem Artikel: „Mit gestylten Grafiken auf das Cover“ in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“. Nachdem das Manuskript mit den Forschungsergebnissen erst einmal zur Publikation angenommen sei, beginne das Rennen um den prominenten Platz auf dem Titel.

Anders als die Publikumsmedien machen Fachzeitschriften es sich einfach: Sie fordern die Autoren auf, Ideen für den Titel einzureichen. Bei der Wahl des Titelbildes ist den Redakteuren der künstlerische Wert meist wichtiger, als eine spezifische wissenschaftliche Botschaft rüberzubringen. „Das Hauptkriterium ist die Ästhetik“, bekennt Andrew Jermy, Chefredakteur von „Nature Microbiology“ im Interview mit „Forschung Frankfurt“.

Forscher Ivan Dikic vom Institut für Biochemie 2 der Goethe-Universität weiß um den künstlerischen Anspruch der Fachzeitschriften, aber gleichzeitig möchte er, dass die wissenschaftlich wichtige Botschaft eines Forschungsbildes auch noch transportiert wird. Deshalb beauftragte er in diesem Jahr die wissenschaftliche Illustratorin Ella Marushchenko von Ella Maru Studio. Die geborene Russin lebt mit ihrem Mann, einem Wissenschaftler, in den USA. Ihre ersten Aufträge bekam sie durch den Chef ihres Mannes. Schnell sprach sich die Qualität ihrer Arbeit herum und sie eröffnete ein Grafikatelier, das sich auf wissenschaftliche Illustrationen und Animationen spezialisierte.

Ivan Dikic ist überzeugt, dass die Ehre, auf den Titel gehoben zu werden, die damit verbundene Mühe wert ist: „Die Erfahrung zeigt, dass eine Titelstory nach wie vor viel Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Community erzeugt.“ Im Juli 2017 erschien schließlich eines der vorgeschlagenen Bilder auf dem Titel.

Ästhetik ist den meisten Naturwissenschaftlern bei der Publikation ihrer Bilder wichtig. Das zeigte auch das Interview mit den Lebenswissenschaftlern Prof. Volker Dötsch und Junior Professorin Michaela Müller-McNicoll. „Der Editor blättert das Manuskript erst mal durch, und wenn die Abbildungen schlampig gemacht sind, wenn die Farben und Größen nicht stimmen, dann liest er das nicht, obwohl die Daten vielleicht toll sind“, berichtet Müller-McNicoll. „Ästhetik ist das, was hilft“, urteilt Volker Dötsch ganz pragmatisch.

Gute Abbildungen sind umso wichtiger, als deren Bedeutung sich oft nur einem kleinen Kreis von Kennern erschließt. Das wird in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ besonders deutlich an den „Lieblingsbildern“. Die Redaktion bat fünf Naturwissenschaftler um ein Bild, das für ihre Forschung sehr wichtig war. In allen Fällen waren viele erklärende Worte notwendig.

Dass Bilder in der Wissenschaft so facettenreich sind wie die Wissenschaft selbst, beleuchten auch die weiteren Beiträge zum Thema „Bild und Bildlichkeit“. Themen sind die unterschiedlichen Entstehungsweisen und Funktionen von Bildern, aber auch Bilder als Gegenstand der Forschung.

Weitere Themen:

  • Jessica Klapp: Virtual Reality im Dienst der Kognitionspsychologie
  • Bastian von Harrach: In der medizinischen Bildgebung geht nichts ohne Mathematik
  • Mireen Friedrich-Rust, Andrea Tal und Jörg Bojunga: Mit der Kamera durch das Verdauungssystem
  • Michael Stolleis: Bilder im Recht – Recht im Bild
  • Rolf Wiggershaus: Bilderhorizonte: Formierung der Vergangenheitsvorstellungen durch Bilder
  • Dirk Frank interviewt Bernd Dolle-Weinkauf: Können auch Bilder erzählen? Visualität und Narrativität im Comic
  • Anke Sauter: Das Gesicht – ein Abbild der Persönlichkeit?

Journalisten können die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ kostenlos bestellen bei Helga Ott, Vertrieb, ott@pvw.uni-frankfurt.de.

Im Internet: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

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