Ein pädagogischer Verlag in der NS-Zeit

Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Uni erstellt Gutachten zur Publikationstätigkeit des Beltz-Verlages im Nationalsozialismus

Veröffentlicht am: Freitag, 13. Oktober 2017, 15:06 Uhr (210)

FRANKFURT. Die Verlagsgruppe Beltz fördert das Projekt „Beltz in der NS-Zeit“ an der Forschungsstelle NS-Pädagogik der Goethe-Universität. Leiter des August 2017 gestarteten Projekts ist Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer. Der Erziehungswissenschaftler wird mit der Forschungsstelle eine Übersicht über die Publikationstätigkeit des Verlages in der NS-Zeit erstellen und bewerten. Die Ergebnisse des Gutachtens werden im Frühjahr 2018 erwartet.

Der 1841 gegründete Beltz-Verlag zählte bereits Anfang der 1930er Jahre zu den wichtigsten pädagogischen Fachverlagen Deutschlands. Das Programm umfasste 16 Zeitschriften und weit über tausend Fachbücher, Ganzschriften und Lesehefte. Im Verlauf des Forschungsprojekts werden diese Publikationen aus den Jahren 1932 bis 1945 geprüft. Soweit noch vorhanden, fließen auch Dokumente und Briefwechsel der damaligen Verlagsleitung mit dem Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) in die Begutachtung ein. Prof. Ortmeyer erhofft sich nicht nur einen besseren Einblick in die Publikationstätigkeit des Verlages während des Nationalsozialismus, sondern auch darüber hinausgehende Erkenntnisse: „Das Projekt ist ein Beitrag zur Aufklärung über die oft unterschätzte Rolle der NS-Pädagogik bei der durchaus nicht völlig erfolglosen Zurichtung einer ganzen Generation im Sinne von Krieg, Rassismus und Jufenfeindlichkeit.“ Die Veröffentlichungen von Beltz stünden exemplarisch für die Arbeit vieler pädagogischer Verlage während dieser Zeit.

Weitere Informationen: Prof. Benjamin Ortmeyer, Forschungsstelle NS-Pädagogik, Goethe-Universität Frankfurt, Tel. (069) 798-22091; BOrtmeyer@t-online.de