Trump und die internationale Politik

Im aktuellen UniReport analysiert der Politikwissenschaftler Stefan Kroll die US-amerikanische Außenpolitik unter dem neuen Präsidenten.

Veröffentlicht am: Donnerstag, 13. Juli 2017, 11:53 Uhr (164)

FRANKFURT. Kann ein Präsident, der nahezu täglich twittert und die Weltöffentlichkeit ständig mit neuen Aussagen und Ankündigungen irritiert, überhaupt zeitnah erforscht werden? Dr. Stefan Kroll, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, sieht als Politikwissenschaftler grundsätzlich keine Gefahr darin, die Politik Trumps zu analysieren und dabei auch mal überrascht zu werden. Er hält die Politik von Donald Trump in der Sache für gar nicht so überraschend: So seien beispielsweise die Kritik am Freihandel oder die Ankündigung, sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurückzuziehen, bereits in seinem Wahlkampf sichtbar geworden.

Seine Unberechenbarkeit zeige sich vielmehr „in der Form und in der Art, wie Trump seine Politik kommuniziert“, so Kroll. Auch Obama habe bereits Twitter sehr stark genutzt, aber bei Trump habe die Kommunikation über diesen Kanal eine andere Dimension und Funktion angenommen: „Nämlich das bewusste Umgehen der Presse.“

Die Kritik, dass die Wissenschaft die Präsidentschaft Trumps nicht vorhergesehen habe, hält Kroll für überzogen: „Die Stärke der Sozialwissenschaften liegt nicht in der Vorhersage bestimmter Einzelereignisse, sondern vielmehr darin, den Raum einer Vielfalt bestehender Möglichkeiten auszuloten, wie sich die Zukunft ereignen könnte.“
Kroll ist skeptisch, ob Trump wirklich, wie manche Beobachter hoffen, durch eine gewisse ‚Hemdsärmeligkeit“ und Unkonventionalität Krisen, die die internationale Politik seit Jahrzehnten beschäftigen, lösen kann: „Gerade der Iran-Deal hat doch gezeigt, was an diplomatischem Geschick und Beharrlichkeit notwendig ist, um auch nur in kleinen Schritten voranzukommen.“

Die weiteren Themen im aktuellen UniReport:

  • Günstige Bedingungen für Plagegeister: Der Parasitologe Sven Klimpel sieht angesichts des im Augenblick sehr warmen und feuchten Klimas in Deutschland ideale Bedingungen für die Mückenpopulation.
  • „Es bleibt einem nur das, was man verschenkt“: Das Stifterpaar Karin und Carlo Giersch im Porträt.
  • Studiengang an einem lebendigen Literatur- und Kulturort: Der BA Germanistik profitiert von den zahlreichen Institutionen, Verlagen und Bibliotheken in Frankfurt.
  • Ökonom, Politiker und Aufklärer: Doktorand Bijan Kaffenberger betreibt auf Social Media einen Kanal über seine Tourette-Erkrankung.
  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit: Zum zehnten Mal zeichnet der WISAG-Preis die beste geistes- oder gesellschaftwissenschaftliche Dissertation an der Goethe-Uni aus.
  • Jungwissenschaftlerinnen auf neuen Wegen: Die „Kurswechsel“-Konferenz im September zeigt (Post-)Doktorandinnen berufliche Perspektiven auf.

Der UniReport 4/2017 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/67269191/Unireport_4-17.pdf