Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand

Vortrag von Nicholas J. Conard: Welche Schlüsse erlauben seine archäologischen Funde in Höhlen der Schwäbischen Alb?

Veröffentlicht am: Donnerstag, 19. Januar 2017, 12:30 Uhr (017)

FRANKFURT. „Jäger und Künstler: Warum der Neandertaler ausstarb und die Kunst entstand“ – das ist das Thema, mit dem sich der TübingerProfessor für Ältere Urgeschichte, Nicholas J. Conard,beschäftigt. Der Wissenschaftler hatdie weltweit ältesten Kunstdokumente und Musikinstrumente in Höhlen der Schwäbischen Alb entdeckt. Er hält seinen Vortrag

am Mittwoch (25. Januar) um 19.30 Uhr im Hörsaal, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Georg-Voigt-Straße 14.

Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Prof. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Der Vortrag findet statt im Rahmen der interdisziplinären Vortragsreihe „Woher kommt der Mensch? Ein neuer Blick auf Homo sapiens“. Sie wird veranstaltet von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität und durch die Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG finanziert.

Vor rund 300.000 bis vor 40.000 Jahren bewohnte der Neandertaler Europa. Wäre der moderne Mensch, der in Afrika entstanden ist, nicht vor circa 40.000 Jahren nach Europa eingewandert, so wäre der Kontinent wahrscheinlich bis heute von Neandertalern bewohnt. Aus jener Zeit vor 40.000 Jahren stammen die ersten figürlichen Kunstdokumente und Musikinstrumente, die Conard mit seinem Forscherteam nach ihrer Entdeckung in vier Höhlen der Schwäbischen Alb genau dokumentiert hat. Die Ausgrabungen erstrecken sich über zwei Jahrzehnte und begannen 1995. In seinem Vortrag schildert Conard, warum Kunst und Musik entstanden sind, und erklärt, warum die archäologische Forschung in den Höhlen von so großer Bedeutung ist, wenn es um die Anfänge der Kultur geht.

Nicholas J. Conard, geb. 1961 in Cincinnati, studierte Anthropologie, Chemie und Physik an der University of Rochester, New York, Ethnologie und Chemie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Ur- und Frühgeschichte an der Universität zu Köln. In Yale studierte und promovierte er anschließend in der Anthropologie. Seit 1995 hat er die Professur für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie in Tübingen inne und ist wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren. Conard beschäftigt sich mit der frühen Menschheitsentwicklung im eurasischen und südafrikanischen Raum und es geht ihm auch um die Anfänge von Musik und Kunst sowie von Ackerbau und Viehzucht. Conard ist seit 2007 Senckenberg-Professor an der Universität Tübingen.

In der gesamten Vortragsreihe berichten international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die atemberaubenden Fortschritte, die sich in allen die Evolution des Menschen betreffenden Disziplinen abzeichnen. Das ermöglicht ganz neue Antworten auf die große Frage nach dem, was uns ausmacht. Evolution wird nicht länger nur als „Survival of the Fittest“ in Bezug auf körperliche Anpassung, Kraft und Geschicklichkeit angesehen. Vielmehr wirkt sich die Funktionslogik von Selektion und Anpassung auch auf Verhaltensweisen wie Kooperation und Altruismus aus. All diese Perspektiven tragen bei zu einem neuen, integralen evolutionären Selbstverständnis des Menschen – und seiner Welt.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

8. Februar, 19.30 Uhr, Hörsaal des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Georg-Voigt-Straße 14
Ständchen, Schlaflied oder Kriegsgeschrei? Theorien zum Ursprung der Musik und ihrer Funktion für den Menschen
Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt
Moderation: Prof. Dr. Andreas Mulch, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt, und Goethe-Universität

15. Februar, 19 Uhr, Senckenberg-Naturmuseum, Senckenberganlage 25
Podiumsdiskussion mit Impulsvorträgen
Ein neuer Blick auf Homo sapiens – die Zukunft des Menschen
Moderation: Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Gesprächspartner:
Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt
Privatdozentin Dr. Miriam N. Haidle, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Prof. Dr. Hans-Dieter Mutschler, Hochschule Ignatianum, Krakau
Prof. Dr. Annette Kehnel, Universität Mannheim 

Informationen: Dr. Julia Krohmer, Stab Wissenschaftskoordination, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Tel. (069)7542-1837, E-Mail: jkrohmer@senckenberg.de, Programm in Internet: www.senckenberg.de/woherkommtdermensch