Worin liegt bis heute die Faszination von Bildbuch-Klassikern?

Ausstellung im Struwwelpeter-Museum und Bürgervorlesungsreihe des Instituts für Jugendbuchforschung beleuchten Zusammenspiel von Text und Bild – Sonderausstellung mit Illustrationen von Jonas Lauströer

Veröffentlicht am: Donnerstag, 27. Oktober 2016, 15:32 Uhr (259)

FRANKFURT. Bilderbücher wie Der Struwwelpeter des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann, Wilhelm Buschs Max und Moritz oder John Tenniels Illustrationen zu den Alice-Erzählungen haben sich tief ins Gedächtnis vieler Generationen eingeprägt. Nur drei Beispiele, die zeigen, dass es nicht nur die Texte, sondern Bücher in ihrem Zusammenspiel von Text und Bild sind, die über Jahrhunderte hinweg faszinieren. Das Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität und das Frankfurter Struwwelpeter-Museum haben dieses Thema im Wintersemester aufgegriffen – mit der Ausstellung „Klassiker des Bilderbuchs. Von Rotkäppchen bis Grüffelo!“ und der Bürgervorlesungsreihe „Bilder zu Klassikern – über Klassizität, Popularität, Aktualität von Illustration und Bilderbuchkunst“.

„Das Innovationspotenzial von Klassikern der Erzähltradition, wie etwa die zahlreichen Märchenbilderbücher jedes Jahr vor Weihnachten belegen, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass klassische Märchenszenen bis heute immer wieder neu von Illustratorinnen und Illustratoren abgerufen und interpretiert werden“, so bemerkt Dr. Claudia Maria Pecher vom Institut für Jugendbuchforschung. Wie und warum sind Bilderbücher zu Klassikern der Kinderliteratur geworden? Worin liegen bis heute Faszination und Reservoir der Bildgeschichten? Wie wird mit den wirkmächtigen Vorlagen auch im Kontext von Kulturtransfer, Übersetzung und Transformationen umgegangen? Diesen Fragen gehen die 13 Referentinnen und Referenten bei der Ringvorlesung nach, unter ihnen Literaturwissenschaftlern, Literaturvermittler und Künstler. Prof. Dr. Ute Dettmar, Direktorin des Instituts für Jugendbuchforschung, skizziert die Ausrichtung der Vorlesungsreihe: „Die Vortragenden, die sich mit Illustration, Bildgeschichten und Bildwelten auseinandersetzen, beschäftigen sich mit der Ikonographie, Inter-Medialität und Materialität aus historischer Perspektive und sehen die Neubearbeitungen im Kontext von Populärkultur, Parodie und Postmoderne.“

Die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit der Bildsprache erlebt spätestens seit der „ikonischen Wende“, die sich in den Wissenschaften in den 1980er und 1990er Jahre vorzog, eine Umkehr: Die vermehrte Beschäftigung mit dem Bild zeigt sich in unterschiedlichen Bereichen. So wird auch diese Vorlesungsreihe von verschiedenen Einrichtungen unterstützt, wie dem Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur, der Stiftung Buchkunst sowie der Stiftung Illustration. Die Veranstaltung wird finanziell gefördert von der Waldemar-Bonsels-Stiftung.

Die Ausstellung, die bis zum 26. März im Struwwelpeter-Museum zu sehen ist, hat Beate Zekorn-von Bebenburg, Leiterin des Museums mit Studierenden des Instituts für Jugendbuchforschung erarbeitet. Ein Höhepunkt der Ausstellung sind die Original-Illustrationen des Hamburger Künstlers Jonas Lauströer zum Thema Fabeln, die im Kunstkabinett des Museums zu sehen sind. Gezeigt werden 25 farbige Illustrationen sowie zahlreiche Skizzen zu Reineke der Fuchs, Der Hase und der Igel sowie Hans Huckebein. Lauströer, geboren 1979, hat an der an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften Design mit dem Schwerpunkt Illustration studiert und ist dort inzwischen auch Dozent, seit 2006 arbeitet er als freier Künstler. Er illustriert Bilderbücher ebenso so wie wissenschaftliche Bücher. „Ich sehe keinen Unterschied“, so Lauströer. Sein Buch „Die Kunst des Fliegens“ zeigt, wie die anatomischen Studien den „Hans Huckebein“, sein bisher erfolgreichstes Kinderbuch, beeinflusst haben. Seine mitunter provokativen Illustrationen altbekannter Klassiker regen die Fantasie des Betrachters an und fordern zu neuen Deutungen heraus.

„Die Ausstellung ist ein Wiedersehen mit Klassikern der Kinderliteratur aus zwei Jahrhunderten. Sie zeigt, wie das Zusammenspiel von Text und Illustration Rotkäppchen, Alice im Wunderland und auch den Grüffelo zu zeitlosen Kinderbüchern machen“, so Zekorn-von Bebenburg.Die Schau präsentiert mit 14 Stationen altbekannte und aktuelle Bilderbücher, stellt deren Autoren und Illustratoren vor und dokumentiert ihr Weiterleben in Filmen und Merchandising.Viele Mitmach-Angebote sorgen für ein vergnügliches Treffen mit den Kindheitshelden von Jung und Alt.

Die Bürgervorlesungsreihe „Bilder zu „Klassikern“ im Überblick:

Die Vorlesungen beginnen jeweils mittwochs um 18 Uhr (c.t.), im HZ 6, Hörsaalgebäude, Campus Westend.

26. Oktober 2016

Prof. Dr. Jens Thiele, freier Künstler, Münster,

„Zum Phänomen des „Klassikers“ in der Bilderbuchkultur. Eine Bestandsaufnahme“

2. November 2016

Prof. Dr. Emer O’Sullivan, Leuphana Universität Lüneburg

„Alice: Metamorphosen einer weltliterarischen Figur“

9. November 2016

Beate Zekorn-von Bebenburg, Heinrich-Hoffmann- & Struwwelpeter-Museums, Frankfurt

„Der Struwwelpeter. Bilder machen Geschichte(n)“

16. November 2016

Dr. Bernd Dolle-Weinkauff, Goethe-Universität Frankfurt

„Miese Gören, üble Streiche. Über die Nachkommenschaft von Max und Moritz im Comic Strip“

23. November 2016

PD Dr. habil. Mareile Oetken, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

„Vom Märchenwald in den Großstadtdschungel. Traditionslinien und Brüche in der Märchenillustration“

30. November 2016

Dr. Stefan Hauck, Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Frankfurt

„Die Kulissen des Glücks: Der Maler Carl Larsson inszeniert Sehnsüchte“

14. Dezember 2016

Rotraut Susanne Berner, Kinderbuch-Illustratorin, München, Dr. Pauline Liesen, Bilderbuchmuseum Troisdorf

„Es wimmelt in der Burg – Wimmelbücher überall“

21. Dezember 2016

Dr. Agnes Blümer, Universität zu Köln

„Lila Stacheln und schwarze Zungen. Zur Übersetzung von Text-Bild-Relationen“

11. Januar 2017

Dr. Heidi Lexe,Universität Wien

„Holzpuppenpurzelbäume. Die (medialen) Volten des Pinocchio“

18. Januar 2017

Dr. Felix Giesa, Universität zu Köln

„Supermans Nachmittag im Kinderzimmer. Formen und Funktionen populärkultureller Ikonographie in graphischen Erzählungen für Kinder und Jugendliche“

25. Januar 2017

Lic.phil.l. Hans ten Doornkaat, Atlantis-Verlag, Zürich

„Schellen-Ursli: ein Bergbub mit Welterfolg.

Analyse des Bilderbuches, seiner Ideologie und der Rezeption“

1. Februar 2017

Dr. Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Ein Siegfried für unsere Zeit: Zur Visualisierung nordischer Mythen“

8. Februar 2017

Dr. Svenja Blume, Universität Regensburg

„Wo steht die Villa Kunterbunt? Pippi Langstrumpfs Bildwelten“

Informationen zur Vorlesungsreihe: Prof. Ute Dettmar, Dr. Claudia Maria Pecher, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, E.Mail: u.dettmar@em.uni-frankfurt.de, pecher@em.uni-frankfurt.de, feil@em.uni-frankfurt.de, Tel. (069) 798 - 32995

Link zur Veranstaltung: https://www.uni-frankfurt.de/50949197/aktuelles#uebersicht

Informationen zur Ausstellung: Beate Zekorn-von Bebenburg, Heinrich-Hoffmann- & Struwwelpeter-Museum, Frankfurt, Tel. (069) 74 79 69, E-Mail: B.Zekorn@fwg-net.de

www.struwwelpeter-museum.de

Bilder zum Download: www.uni-frankfurt.de/63764729