Religiöse Bildung: Wo die Debatte stattfindet

Namhafte Wissenschaftler aus dem In- und Ausland diskutieren über die Verortung des Religiösen in der modernen Wissenschaft

Veröffentlicht am: Mittwoch, 28. September 2016, 16:32 Uhr (229)

FRANKFURT.Berufliche Mobilität und Zuwanderung haben die Gesellschaft nachhaltig verändert, homogene religiöse Landschaften sind Vergangenheit in Deutschland. Was dies für die religiöse Erziehung und Bildung bedeutet, damit befasst sich am 12. und 13. Oktober 2016 eine Tagung des Fachbereichs Evangelische Theologie an der Goethe-Universität. Interessierte sind dazu herzlich eingeladen.

In Deutschland ist der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen grundgesetzlich verankert, die Ausbildung der dafür notwendigen Lehrer findet an den Universitäten statt. Bis in die 1960er Jahre hinein spiegelte sich dies auch in erziehungswissenschaftlichen Publikationen wider – so wie alle anderen Bildungsbereiche bis heute ihren Platz in der allgemeinen Pädagogik haben. Doch die Diskussion über die Aufgaben religiöser Bildung in modernen Gesellschaften wurde seit den „68ern“ aus den erziehungswissenschaftlichen in die theologischen Fakultäten verlagert.

Der gesellschaftliche Wandel durch zunehmende Mobilität und weltweite Migrationsbewegungen ist eine Tatsache, deren Folgen in Wissenschaft und Politik diskutiert werden müssen. Auch religiöse Erziehung, Bildung und Sozialisation sollten vor diesem Hintergrund neu betrachtet werden. Der berechtigte Wunsch der muslimischen Bevölkerung nach islamischem Religionsunterricht legt nahe, auch die christlichen Angebote zu überdenken. In welchem Bereich der Wissenschaft soll die Debatte darüber jedoch stattfinden? Wurde die Religion in der pädagogischen Forschung bislang vernachlässigt? Oder sollte die Pädagogik im Bereich der Theologien mehr Gewicht haben?

Die von dem evangelischen Religionspädagogen Prof. David Käbisch initiierte Tagung „Religion and Educational Research. National Traditions and Transnational Perspectives“ fragt nach dem Stellenwert religionsbezogener Forschung in den Erziehungswissenschaften, gerade auch im internationalen Vergleich. Namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland konnten hierfür gewonnen werden, darunter Prof. Deirdre Raftery (Dublin, Irland), Prof. Daniel Lindmark (Umeå, Schweden), Dr. Ezequiel Gomez Caride (Buenos Aires, Argentinien) und Prof. Mette Buchardt (Aalborg, Dänemark).

Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um den Ort islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen und der derzeitigen Dynamik politischer Konflikte in Frankreich, der Türkei, der Levante und Nordafrika wurden auch Referentinnen und Referenten gewonnen, die dem Islam besondere Aufmerksamkeit in ihren Forschungsprojekten schenken. Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Prof. Harry Harun Behr spricht über islamische erziehungswissenschaftliche Forschung in Deutschland, die Islamwissenschaftlerin Prof. Armina Omerika über „Transnationalizing the History of Islam an Islamic Education“ im Falle Bosnien-Herzegowinas. Die Tagung erschließt damit ein Thema, das in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird, gerade in der Rhein-Main-Region mit ihrer dynamischen Bevölkerung. Zugleich dient sie der internationalen Vernetzung der religionsbezogenen Forschung an der Goethe-Universität.

Religion and Educational Research. National Traditions and Transnational Perspectives. Internationale Konferenz am 12. und 13. Oktober 2016, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, IG-Farben-Gebäude/Nebengebäude, Raum 1.741a, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main

Die genauen Termine und weitere Informationen finden Sie unter hier (PDF).