Vom Eigenwert der Theorie

Im Rahmen der Frankfurter Bürger-Uni beleuchtet FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube die Lebensstationen seines Lehrers Niklas Luhmann

Veröffentlicht am: Mittwoch, 04. Mai 2016, 15:35 Uhr (108)

FRANKFURT. In der Biografienreihe „Wie wir wurden, wer wir sind“ der Frankfurter Bürger-Universität werden am kommenden Montag, 9. Mai 2016, die Lebensstationen eines der einflussreichsten deutschen Soziologen der Nachkriegsgeschichte vorgestellt. Niklas Luhmann hat mit seinem gesellschaftstheoretischen Lebenswerk wichtige Impulse für die öffentliche Debatte über das Selbstverständnis des modernen Menschen gegeben. Ein Anspruch seiner Systemtheorie war dabei sämtliche soziologische Strukturen der aktuellen Gesellschaft abzubilden und sie verständlich zu machen. Ein wesentlicher Bestandteil von Luhmanns Arbeit ist die Definition von Begriffen wie etwa Kommunikation oder Komplexität als Grundlage für seine Theorie. Wie kaum ein anderer Vertreter seines Faches beharrte er in seiner Arbeit auf dem Eigenwert des theoretischen Denkens.

Luhmann war studierter Rechtswissenschaftler. 1949 beendete er sein Studium in Freiburg. Als Assistent des Präsidenten am Oberverwaltungsgericht 1954 in Lüneburg, begann er seine berühmten Zettelkästen mit einem Umfang von schließlich 90.000 Zetteln als Grundlage für sein Werk aufzubauen. Anfang der 1960er Jahre kam er mit einem Stipendium an die Harvard-Universität, wo er über den bekannten US-amerikanischen Soziologen Talcott Parsons erstmals in Kontakt mit der soziologischen Systemtheorie kam. Zurück in Deutschland wurde er 1966 an der Universität Münster in Sozialwissenschaften promoviert. Nach seiner Habilitation wenige Monate später wurde Luhmann 1968 schließlich als erster Professor an die Universität Bielefeld berufen, wo er die erste soziologische Fakultät im deutschsprachigen Raum aufbaute.

Der Vortrag von Jürgen Kaube über seinen akademischen Lehrer versucht den großen Soziologen nicht nur von seinen biografischen Wegemarken her zu betrachten, sondern auch aus der Erfahrung seiner Person lebendig werden zu lassen. Kaube, einer von vier Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, war als Assistent in Bielefeld einst selbst Schüler des bekannten Soziologen.

Die Veranstaltungsreihe „Wie wir wurden, wer wir sind“ wird von Prof. Tilman Allert, Soziologe an der Goethe-Universität, kuratiert. Die Hauptreihe der Frankfurter Bürger-Universität im Sommersemester stellt an insgesamt sechs Abenden Lebensläufe berühmter Protagonisten deutscher Sozial- und Kulturgeschichte vor.

Vom Eigenwert der Theorie – Niklas Luhmann
Referent: Jürgen Kaube
Zeit: Montag, 9. Mai 2016, 19.30 Uhr
Ort: Zentralbibliothek der Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt

Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.buerger.uni-frankfurt.de