„Einzigartig in der amerikanischen Geschichte“

Im neuen UniReport analysieren Politologen der Goethe-Universität den umstrittenen Republikaner Donald Trump und seine Chancen, Präsidentschaftskandidat zu werden.

Veröffentlicht am: Donnerstag, 07. April 2016, 13:46 Uhr (082)

FRANKFURT. Milliardär, Immobilien-Tycoon und medialer Selbstdarsteller: Donald polarisiert und provoziert die Öffentlichkeit. Doch wie sind seine erstaunlichen Erfolge bei den Primaries zu erklären, wie sind seine Chancen einzuschätzen, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden? Drei Politologen der Goethe-Universität analysieren in der aktuellen Ausgabe des UniReport das Phänomen Trump. Der Amerikaner Peter Volberding bezeichnet Trumps Verstöße gegen Regeln  der Primaries als „einzigartig in der amerikanischen Geschichte“. Trumps rassistische, frauenfeindliche und xenophoben Sprüche basierten nicht auf einer tiefen Überzeugung, sondern dienten eher dem Zweck, gegen die Political Correctness zu verstoßen. Damit wolle er den Eindruck erzeugen, im Unterschied zum Polit-Establishment die ‚Wahrheit‘ zu sagen. Der Politologe Markus Siewert sieht Trump als Populist ohne ernstzunehmendes Programm; sein Kollege Prof. Hans-Jürgen Puhle ergänzt, dass Trumps schärfster Konkurrent Ted Cruz als radikaler evangelikaler Fundamentalist für republikanische Wähler allerdings alles andere als ein Wunschkandidat sei.

Die Ethnologin Prof. Susanne Schröter kritisiert in der neuen Ausgabe des UniReport eine Deutung der sexuellen Angriffe auf Frauen in der Silvesternacht, in der die Bezüge zu muslimisch-konservativen Milieus verschwiegen werden. In der Februar-Ausgabe des UniReport hatte die Soziologin Prof. Kira Kosnick in ihrem Essay unter anderem kritisiert, dass religiöser Extremismus, Gewaltbereitschaft und patriarchale Unterdrückung von Frauen als „kulturelle Marker von Zugewanderten, aber auch von in Deutschland aufgewachsenen muslimischen Männern“ betrachtet werde. Nun antwortet Susanne Schröter: In ihrem Essay „Gewaltlegitimierende Gendernormen benennen“ betont sie, dass die Übergriffe in Köln eindeutig auf ähnliche Phänomene in der arabischen Welt verweisen, daher relativierende Vergleiche mit Sexismus auf dem Oktoberfest oder beim Karneval unpassend seien. Mit Blick auf den Essay Kosnicks sagt Schröter: „Forderungen nach einer Diskurspolizei, die das Aussprechen unliebsamer Tatsachen unter Rassismusverdacht stellt, spielt nur denjenigen in die Hände, denen die Gleichberechtigung der Geschlechter immer schon ein Dorn im Auge war.“

Die weiteren Themen in der April-Ausgabe des UniReport:

  • Netzwerke im Bahnhofsviertel: Soziologen haben die Verbindungen der vielen Kneipen, Restaurants und Geschäfte auf der Münchener Straße in Frankfurt untersucht.

  •  „Suchbegriffe sind wie ein Zauberwort“: Marketing-Experte Bernd Skiera über Werbung im Netz.

  • Gravitationswellen nachgewiesen: Der Physiker Luciano Rezzolla hat mit seinen Simulationen mit zur bahnbrechenden Entdeckung beigetragen.

  • Zika-Virus: Maßnahmen gegen das Virus sollten bei den übertragenden Mücken ansetzen, so der Tenor eines Perspektivengespräches beim House of Pharma & Healthcare.

  • Start ins Semester: Tipps, Erfahrungsberichte und umfassende Infos für die über 3.000 „Erstis“, die zum Sommersemester ein Studium an der Goethe-Universität aufnehmen.

Der UniReport 1/2016 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/60820406 (pdf). Im neuen Online-Magazin „Goethe-Uni online“ werden darüber hinaus Beiträge des UniReport mit weiteren Texten, Fotos und Videos ergänzt: http://tinygu.de/UniReport