Liberaler Geist, Verleger und Schriftsteller

Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg würdigt Friedrich Stoltze, dessen Todestag sich am 28. März zum 125. Mal jährt.

Veröffentlicht am: Donnerstag, 24. März 2016, 17:49 Uhr (71)

FRANKFURT/ZÜRICH. Das Doppeljubiläum des Mundartdichters Friedrich Stoltze im Jahre 2016 - sein 200. Geburtstag am 21. November und sein 125. Todestag am 28. März - ist für die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main Ansporn, sein Gedächtnis zu ehren, seine Werke wieder einem breiteren Publikum zu präsentieren und seinen Nachlass dauerhaft zu sichern. So wurde unter anderem der komplette Briefwechsel Stoltzes digitalisiert; auf der Website sind die Briefe allen Interessierten öffentlich zugänglich.

Eine solch facettenreiche Persönlichkeit, wie Friedrich Stoltze es war, ist in der heutigen Zeit kaum noch denkbar: Der rührige Verleger, begnadete Mundartschriftsteller und bissige Satiriker war auch politisch aktiv und somit ein herausragender Exponent der bürgerlichen Frankfurter Stadtgesellschaft in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Sein – in heutigen Worten – Netzwerk an vielfältigen Kontakten wird deutlich, wenn wir die lange Liste der Korrespondenzpartner im Nachlass betrachten.

Als liberaler Geist scheute er sich nicht davor, auch öffentlich Kritik an der Obrigkeit zu üben, wenn er es für angebracht sah. So ist es nicht verwunderlich, dass er 1848 kurzzeitig verhaftet wurde, in Frankfurts Nachbarstaaten Hessen und Kurhessen u.a. wegen Veröffentlichung der „Krebbel-Zeitungen“ (ab 1852) steckbrieflich gesucht wurde und seine satirische Zeitschrift „Frankfurter Latern“ wegen anti-preußischer Texte im Jahre 1866 sofort nach der Annexion Frankfurts durch Preußen verboten wurde. Friedrich Stoltze floh kurzzeitig aus Frankfurt, umging aber bald die Zensur durch Herausgabe anderer Zeitschriften (Der Wahre Jacob, Die Deutsche Latern, …). Ab 1872 konnte die „Frankfurter Latern“ wieder normal erscheinen – bis zu Stoltzes Tod im Jahre 1891. Neben den erwähnten satirischen Veröffentlichungen, seinen zahlreichen Gedichten und anderen Texten in Frankfurter Mundart, aber auch in hochdeutscher Sprache ist seine Mitarbeit an vielen Gelegenheitsschriften bemerkenswert.

Zwei Töchter Friedrich Stoltzes, Lyda und Laura Stoltze, machten 1926/27 einen Teil der Bibliothek ihres Vaters der Frankfurter Stadtbibliothek zum Geschenk. Diese Schenkung bestand aus 590 Büchern und Broschüren, die heute in der Abteilung Frankfurt und Seltene Drucke der Universitätsbibliothek unter der eigenen Signatur „Stoltze“ aufbewahrt werden. Der handschriftliche Nachlass Friedrich Stoltzes gelangte 1936 ebenfalls durch eine Schenkung der Familie in den Bestand der Stadtbibliothek. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde er durch antiquarische Käufe weiter ergänzt. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Nachlass, der sich der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek befindet, vollständig neu bearbeitet und durch einen Katalog erschlossen. Neben den Manuskripten ist aus dem Nachlass besonders der Bestand von 654 Briefen zu erwähnen. Unter den Briefpartnern verdienen u.a. der Frankfurter Bankier, Verleger und Politiker Leopold Sonnemann, der Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung und Stadtverordnete Gustav Kanngießer, der Schriftsteller, Journalist und Literaturhistoriker Johannes Proelß und der Schauspieler und Theaterintendant Emil Claar besondere Hervorhebung.

Die Universitätsbibliothek hat zunächst die Frankfurter Latern digitalisiert und auf ihrer Homepage zugänglich gemacht (http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/7492893). Ferner konnte jetzt mit großzügiger finanzieller Unterstützung der Stiftung der Frankfurter Sparkasse der gesamte Briefwechsel von Friedrich Stoltze digitalisiert und ebenfalls der Öffentlichkeit auf der Homepage zur Verfügung gestellt werden (http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/stoltze/nav/index/all), so dass er nunmehr von jedermann jederzeit eingesehen werden kann. Außerdem wurden alle Briefe in die Datenbank Kalliope, eine spezielle Datenbank für Autographen und Nachlässe in Deutschland (http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/de/index.html), eingegeben und sind dort recherchierbar. Für die Zukunft ist vorgesehen, sukzessive weitere Manuskripte aus dem Nachlass Stoltze zu digitalisieren und damit allgemein zugänglich zu machen.

Da die Aufbewahrung des Nachlasses Stoltze nicht mehr den heutigen Erfordernissen entsprach, wurden, ebenfalls mit finanzieller Unterstützung der Stiftung der Frankfurter Sparkasse, neue, säurefreie Mappen und Kästen beschafft und alle zum Nachlass Stoltze gehörenden Originalmaterialien darin umgebettet. Somit werden auch die kostbaren Originale für künftige Generationen dauerhaft gesichert.

Kontakt: Dr.  Bernhard Tönnies, Leitung Handschriftenabteilung Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt, Telefon: 069/798-39236. E-Mail: b.toennies@ub.uni-frankfurt.de