Soziologin warnt vor „kultureller“ Ausgrenzung

Prof. Kira Kosnick analysiert in der neuen Ausgabe des UniReport die Diskussion nach den Übergriffen in Köln.

Veröffentlicht am: Donnerstag, 04. Februar 2016, 12:25 Uhr (032)

FRANKFURT. Seitdem es in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und an einigen anderen Orten in deutschen Großstädten zu massiven sexuellen Übergriffen gekommen ist, wird in Deutschland über Flüchtlinge und Migration anders diskutiert. Die Soziologin Prof. Kira Kosnick, die an der Goethe-Universität schwerpunktmäßig zu Kultur und Migration forscht, warnt aber davor, religiösen Extremismus, Gewaltbereitschaft und patriarchale Unterdrückung von Frauen als „kulturelle Marker von Zugewanderten, aber auch von in Deutschland aufgewachsenen muslimischen Männern“ zu betrachten. Kosnick plädiert stattdessen dafür, Kulturen und Religionen als „politisch eingebettete und historisch wandelbare Phänomene zu begreifen“.

So wirft Kosnick  die Frage auf, ob Gewalt und Radikalisierung nicht auch mit der beruflichen Perspektivlosigkeit zusammenhänge könne, die besonders junge Männer mit Migrationshintergrund betreffe. „Kultur und Religion können nicht isoliert von geopolitischen Machtverhältnissen, globaler sozialer Ungleichheit und kolonialer Geschichte diskutiert werden“, betont die Soziologin. Zudem sei eine Politik, die anscheinend darauf aus sei, die Flüchtlingskrise außerhalb der EU-Grenzen gewaltsam unter Kontrolle zu bringen, angesichts einer Zahl von 60 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, mehr als fragwürdig.

Die weiteren Themen in der Februar-Ausgabe des UniReport:

  • Mitten in der Stadt und quicklebendig: Auch wenn der Campus Bockenheim in einigen Jahren aufgegeben werden wird, ist er momentan immer noch ein vollwertiger Standort, der zudem Studierenden und Mitarbeitern sogar einige Vorteile bietet.

  • Digitale Skripte unter Beschuss: Wenn die Einzelabrechnung für digitale Quellen kommt, droht dem Lehrbetrieb eine komplexe Vergütungspraxis.

  • Schönheit unter der Lupe: Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, das mit der Goethe-Universität eng kooperiert, untersucht rezeptionsästhetische Fragen des menschlichen Geschmacks.

  • Krank und trotzdem (etwas) arbeiten gehen? Prof. Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats Gesundheit, zum Vorschlag einer „Teil-Krankschreibung“.

  • Großvater aus „freien“ Stücken: Die Soziologie nimmt das Phänomen „Leihopa“ unter die Lupe.

  • Gibt es auch friedliche Machtübergänge? Fragen an den Politologen Carsten Rauch, der sich in seiner Dissertation mit dem weltpolitischen Aufstieg Indiens beschäftigt hat.

  • Forschen und Lehren in Kanada: Der Geologe Jens O. Herrle ist für vier Monate Gastprofessor an der University of Toronto. 

Der UniReport 1/2016 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/59936941/Unireport_1-16.pdf