„Interdisziplinäre Forschung in der Biomedizin. Leichter gesagt als getan“

Prof. Balling zu den Herausforderungen der personalisierten Medizin - Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“ wird fortgesetzt

Veröffentlicht am: Freitag, 13. November 2015, 10:00 Uhr (303)

FRANKFURT. In der öffentlichen Vorlesungsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie – Auf dem Weg zur personalisierten Medizin in der Krebstherapie“ spricht am Donnerstag (19. November) Prof. Dr. Rudi Balling, Gründungsdirektor des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine. Sein Thema „Interdisziplinäre Forschung in der Biomedizin. Leichter gesagt als getan“ lässt vermuten, dass er auf die vielfältigen Hindernisse eingeht, die zu überwinden sind, wenn Naturwissenschaftler und Ärzte individualisierte Therapien von Krebs und neurogenerativen Erkrankungen einsetzen wollen. Die Forschung in der Molekulargenetik und Zellbiologie hat zwar wegweisende neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krebs und dem Fortschreiten der Erkrankung erbracht, die Umsetzung dieses Wissens in molekular zielgerichtete Therapien ist noch schwierig, wird aber langfristig deutlich effektiver und nebenwirkungsärmer sein.

Eingeladen zu dieser Vortragsreihe der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität, die im Rahmen der von der Deutsche Bank AG initiierten und geförderten Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ stattfindet, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Rhein-Main-Region. Der Vortrag beginnt um 18 Uhr auf dem Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4, Theodor-Stern-Kai 7.

Rudi Balling arbeitet mit seinem Team in Luxemburg an der Schnittstelle der Biologie, Bioinformatik, Physik und Medizin. Dort erforscht er Mechanismen der Neurodegeneration, insbesondere der Parkinson’schen Erkrankung. Auch diese pathophysiologischen Prozesse werden als Störungen molekularer und zellulärer Netzwerke angesehen. Auf der Basis von Genom-, Proteom- und Metabolom-Daten werden mathematische Modelle entwickelt, um Vorhersagen über potenzielle Ansatzpunkte neuer Präventions- oder Therapie-Strategien zu treffen. Balling stellt einige der aktuellen Forschungsfragen vor und beleuchtet die Herausforderungen einer Disziplinen überspannenden biomedizinischen Forschung.

Prof. Dr. Rudi Balling, geb. 1953 in Daun-Pützborn, studierte Ernährungswissenschaften an der Universität Bonn und wurde an der RWTH Aachen 1984 promoviert. Als Postdoc forschte er am Mount Sinai Hospital in Toronto (Kanada) über Imprinting-Mechanismen und am Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie zur Morphogenese. Nach seiner Habilitation 1991 leitete er am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg eine eigene Arbeitsgruppe. Als Direktor wechselte er 1993 an das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (heute Helmholtz-Zentrum München). Nach Professuren an den Universitäten Aachen und TU München war er von 2001 bis 2009 wissenschaftlicher Geschäftsführer am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. 2009 wurde er Gründungsdirektor des Luxembourg Centre for Systems Biomedicine. Balling ist Mitglied mehrerer Akademien, u.a. der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die Moderation dieser Veranstaltung übernimmt der Frankfurter Chemiker Prof. Dr. Joachim Engels von der Goethe-Universität. Er hat gemeinsam mit der Onkologin Prof. Dr. Simone Fulda diese Vorlesungsreihe konzipiert und organisiert.

Weitere Vorträge und Diskussionsveranstaltungen auf einen Blick:

Die Vorträge beginnen jeweils donnerstags um 18 Uhr, Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4. Alle Veranstaltungen werden aufgezeichnet, sind spätestens am übernächsten Tag abrufbar über www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

3. Dezember 2015
Diskussionsrunde : Personalisierte Medizin im Spannungsfeld von Arzt und Patient, Pharmaindustrie und Kostenträger
Dr. Thomas Schinecker, Roche Diagnostics, Mannheim
Dr. Ursula Marschall, Barmer GEK, Wuppertal
Prof. Dr. Elke Jäger, Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main
Moderation Dr. Joachim Müller-Jung, Frankfurter Allgemeine Zeitung 

14. Januar 2016
Prof. Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann, Universität Siegen
Ethische Probleme der individualisierten Medizin
Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Schlosspark Klinik, Berlin
Selbstverständnis von Patienten und die Arzt-Patient-Beziehung
Einführung Prof. Dr. Peter Janich, Philipps-Universität, Marburg
Moderation Dr. Regina Oehler, Hessischer Rundfunk 

28. Januar 2016
Prof. Dr. Drs h.c. Leroy Hood, Washington University, Seattle
Systems Medicine and Proactive P4 Medicine. Transforming Healthcare through Wellness – A Personal View (P4 = predictive, personalized, preventive and participatory)
Moderation Prof. Dr. Josef Pfeilschifter, Goethe-Universität 

Informationen: Prof. Dr. Joachim Engels, Campus Riedberg, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel. (069)798-29150, Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de;Prof. Dr. Simone Fulda, Campus Niederrad, Fachbereich Medizin, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Tel. (069) 678 66557,Simone.Fulda@kgu.de

Programmbroschüre sowie der Link zu Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen auf www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“ Programm online auch unter: www.wissenschaftliche-gesellschaft.uni-frankfurt.de