Kapitalismuskritik im Fokus

Bürger-Universität: Diskussionsreihe „Was bleibt nach Blockupy?“ geht am Montag weiter

Veröffentlicht am: Freitag, 13. November 2015, 07:46 Uhr (302)

FRANKFURT. Am 18. März 2015 wurde das neue EZB-Gebäude in Frankfurt eröffnet. In der Berichterstattung darüber bleiben vor allem die Krawalle und Ausschreitungen, brennende Polizeiautos und viele Scherben in Erinnerung. Dabei gab es auch friedlichen Protest, der auf Fehlentwicklungen in der europäischen Wirtschafts- und Krisenpolitik aufmerksam machen wollte. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Kapitalismuskritik fand bisher kaum statt und sollte dringend nachgeholt werden. Wo setzt diese Kritik an? Wie berechtigt ist sie? Und welche Alternativen werden ins Spiel gebracht? Damit wird sich am Montag die zweite Ausgabe der Diskussionsreihe zum Thema Protestkultur im Rahmen der Bürger-Universität der Goethe-Universität beschäftigen. Auf dem Podium sitzen der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Jan Pieter Krahnen, der Politologe Andreas Nölke, der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe – alle drei Wissenschaftler der Goethe-Universität – sowie Gabriel Glöckler, Abteilungsleiter in der EZB, und Dr. Thomas Seibert, Philosoph und Blockupy-Aktivist..

„You are the true vandals. You don’t set fire to cars, you are setting the world on fire”: Diesen Vorwurf richtete die kanadische Journalistin und Globalisierungskritikerin an die Adresse der EZB. Eine radikale Analyse, die selbst unter ausgemachten Kritikern der EZB umstritten ist. Doch worin besteht die Verantwortung der EZB tatsächlich? Welche anderen Akteure in der europäischen Wirtschafts- und Krisenpolitik müssen sich Kritik gefallen lassen? Denn der Unwillen über die Auswirkungen dieser Politik auf lokaler und globaler Ebene wächst nicht nur in den betroffenen Ländern und spielt zum Teil politischen Extremen in die Hände: Nicht nur in Spanien, Griechenland und Portugal haben radikale Parteien des linken und rechten Spektrums immer mehr Zulauf.

Auch in Deutschland artikuliert sich der Protest immer lauter. Betreibt die EZB tatsächlich Austeritätspolitik oder ist nicht vielmehr das Gegenteil der Fall? Wozu führt die expansive Geldpolitik der EZB, die den Druck von den Krisenländern nimmt, die Ersparnisse der Bürger jedoch schrumpfen lässt? Wie könnte eine demokratischere, sozialere und ökologischere Politik aussehen? Darüber diskutieren am Montag, 16. November, um 19.30 Uhr drei Wissenschaftler und ein Vertreter der EZB auf Einladung der Bürger-Universität in Hörsaal IV im Hörsaalgebäude am Campus Bockenheim. Moderiert wird der Abend von Daniel Baumann von der Frankfurter Rundschau, dem Medienpartner dieser Reihe.

Die Reihe „Was bleibt nach Blockupy“ soll mit einem zeitlichen Abstand von mehr als einem halben Jahr noch einmal – mit nüchternem Blick – auf die Ereignisse vom März 2015 zurückblicken. Dabei soll es nicht nur um die Gewalt und das Spannungsverhältnis zwischen Demonstranten und Polizei gehen, sondern auch um die Politik der EZB und die Rollen der unterschiedlichen Akteure. Am Auftaktabend, der sich insbesondere mit den Ursachen der Gewalt und der Rolle der Polizei befasste, zeigte sich, dass durchaus Diskussionsbedarf besteht.

Frankfurter Bürger-Universität: „Was bleibt nach Blockupy?“, Campus Bockenheim, Hörsaalgebäude, H IV (2. OG), Mertonstraße 17-21, 60325 Frankfurt am Main, Beginn: 19:30 Uhr, Eintritt frei