Heiner Goebbels ist neuer Kantorowicz Lecturer

Gemeinsame Veranstaltung des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität am 11. November

Veröffentlicht am: Freitag, 06. November 2015, 16:19 Uhr (299)

FRANKFURT. Die Kantorowicz Lectures in Political Language des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften feiern ein kleines Jubiläum. Seit fünf Jahren gibt es die prominent besetzte Reihe nun –  genauso lang wie das Zentrum selbst, das an der Goethe-Universität angesiedelt ist und mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ kooperiert. Beide Institutionen zusammen veranstalten jetzt die fünfte Auflage der Lectures. Der Referent gehört bereits seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Exponenten der zeitgenössischen Musik- und Theaterszene und hat sich zugleich als Kunsttheoretiker und Wissenschaftler einen Namen gemacht. Heiner Goebbels bestreitet seine Kantorowicz Lecture unter dem programmatischen Titel:

„Erkläre nichts. Stell es hin. Sag's. Verschwinde.“ – Zur Frage nach einer Politik des Ästhetischen

am: Mittwoch, dem 11. November 2015, um 18.00 Uhr

Ort: Campus Westend der Goethe-Universität, Casino, Raum 1.801

Die aktuelle Kantorowicz Lecture in Political Language widmet sich der Frage wie die Künste mit politischer Bedeutung aufgeladen werden und einem besonders sperrigen Medium politischer Sprache: der Musik. Wie man mit dem Medium der Musik, der Komposition, im politischen Diskurs agiert, ist für das Gros der Geisteswissenschaftler bisher wenig nachvollziehbar. In dem Komponisten und Theatermacher Heiner Goebbels haben das Forschungszentrum und der Exzellenzcluster für die Kantorowicz Lecture 2015 einen international besonders renommierten Redner gewinnen können, der den Versuch unternimmt, dem Begriff der politischen Sprache die künstlerische Erfahrung entgegenzustellen. Seit seinen frühesten Arbeiten, der Zeit seiner Zusammenarbeit mit Heiner Müller, bis zu seinen aktuellen Musiktheaterproduktionen stellt sich Goebbels unentwegt die Frage nach der Politik des Ästhetischen.

Heiner Goebbels arbeitet als Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus Liebig Universität in Gießen und ist Präsident der Theaterakademie Hessen. Von 2012 bis 2014 war er künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale – International Festival of the Arts. Goebbels war Mitbegründer des „Sogenannten Linksradikalen Blasorchester“, das bis 1981 existierte, und des Duos Heiner Goebbels/Alfred Harth sowie des Art Rock Trios Cassiber (1982 –1992). In dieser Zeit schrieb er Theatermusiken für Inszenierungen unter anderem von Hans Neuenfels, Claus Peymann, Matthias Langhoff undRuth Berghaus. Mitte der 1980er Jahre begann er eigene Hörspiele vor allem zu Texten von Heiner Müller zu schreiben und zu inszenieren. Nach ersten szenischen Konzerten wandte er sich verstärkt eigenen Theaterinszenierungen zu. Neben seinen Bühnenstücken schreibt er weiterhin Musik.

Die einmal pro Jahr stattfindenden Kantorowicz Lectures in Political Language erinnern an Ernst Kantorowicz, der zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten der Frankfurter Universitätsgeschichte gehört. Kantorowicz musste die Universität 1934 zwangsweise verlassen und wurde später am Institute for Advanced Study in Princeton zu einem der international einflussreichsten Geisteswissenschaftler, dessen Arbeiten bis heute zu den meistzitierten gehören. Die Vortragsreihe konzentriert sich auf das Thema der „politischen Sprache“. In den vergangenen fünf Jahren konnten jeweils sehr renommierte ausländische Gaste für diese Vorträge gewonnen werden. Erster Kantorowicz Lecturer war im Jahr 2011 der Philosoph und Historiker Quentin Skinner.

Informationen:

Prof. Bernhard Jussen, Sprecher des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, Tel.: 069/798-32427, (-32424 Sekretariat), jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Steffen Bruendel, Forschungsdirektor und Geschäftsführer des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften, 069/798-32113, (-32344 Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de 

www.fzhg.org; www.normativeorders.net/de/