Ausstellung in der Studiengalerie 1.357: „One Million Years – Past and Future“

Das Werk des Konzeptkünstlers On Kawara in zwei Versionen: Buch- und Audio-Edition – Begleitet von zweitägiger Lesung aus „Past“ und „Future“

Veröffentlicht am: Mittwoch, 21. Oktober 2015, 11:39 Uhr (275)

FRANKFURT. Die Studiengalerie 1.357 der Goethe-Universität präsentiert vom 28. Oktober bis zum 26. November On Kawaras „One Million Years“ in zwei Versionen: Die Buchedition besteht aus zwei Bänden, in denen auf dünnem Bibeldruckpapier die Jahreszahlen von jeweils einer Million Jahre aufgelistet sind. Die hier gezeigte Edition des Jahres 1999 geht auf eine maschinenschriftliche Fassung des Werkes aus den Jahren 1969 und 1981 zurück. Dazu wird die Audio-Edition präsentiert, die bei einer Lesung aus dem Werk im Rahmen der documenta11 in Kassel im Jahr 2002 aufgezeichnet wurde. Die Ausstellung wird am Mittwoch (28. Oktober) um 21:30 im I.G. Farben-Haus, erster Stock, Raum 1.357, eröffnet – zum Abschluss einer ganztägigen Lesung des Werkes.

Begleitet wird die Ausstellungseröffnung durch zwei ganztägige Lesungen aus den Büchern. Vierzig Studierende und Lehrende werden am 28. Oktober (12 bis 23 Uhr) aus „Past“ und am 29. Oktober (10 bis 18 Uhr) aus „Future“ lesen. Die Studiengalerie setzt damit die sukzessive Lesung des Werks fort, die zuletzt anlässlich der großen On Kawara-Retrospektive im Guggenheim Museum, New York, im Frühjahr 2015 durchgeführt wurde. Im Aufenthaltsbereich der Lesung gibt es ein von Design-Studierenden der HfG Offenbach eingerichtetes Café.

Der erste Buchband „Past“ mit der Widmung „For all of those who have lived and died“ umfasst die Jahreszahlen von 998031 v. Chr. bis 1969 n. Chr. Der zweite Band „Future“ mit der Widmung „For the last one“, in der Urfassung 22 Jahre später getippt, präsentiert die Daten von 1981 n. Chr. bis 1001980 n. Chr. Beide Arbeiten sind Teil der Sammlung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

„Ich möchte die Zahlen einer Million Jahre tippen und in einem Buch zusammenfassen. Wenn ich 500 Jahre auf einem Bogen Papier festhalten kann, dann benötige ich für diese Arbeit 2000 Blatt Papier, und die Geschichte der Menschheit findet sich lediglich auf den letzten 10 Seiten wieder“, äußerte On Kawara 1981. In „One Million Years“ setzt On Kawara mit monumentaler Geste die Arbeit am Thema „Zeit“ fort, dem er sein gesamtes Werk gewidmet hat. On Kawara sucht eine Zeitspanne zu greifen, die vor- und übermenschlich ist. Die schriftliche Markierung scheint noch möglich, ist für den Betrachter aber nur als Zahlenkonstrukt und Sprache erfassbar. Ein wiederum entmaterialisierender und synthetisierender Moment kommt durch die Vertonung hinzu: Die Zeit wird im Vorlesen nicht nur denk-, sondern vor allem erlebbar.

On Kawara wurde am 24. Dezember 1932 in Kariya/Aichi-ken in Japan geboren. Nach Beendigung seiner Schulbildung studierte er ab 1955 zeitweise Architektur. Als Künstler war er Autodidakt. Kawara verstand sich als Dauerreisender, hielt sich jedoch häufig in New York auf. Von 1960 an wurden Kawaras Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen international ausgestellt. In der Kunstgeschichte zählt er zu den bedeutendsten Vertretern der Konzeptkunst. Er starb am 27. Juni 2014 in New York City.

Die Ausstellung im Raum 1.357, im ersten Stock des I.G. Farben-Hauses, ist bis 26. November montags bis donnerstags zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet.

Die Studiengalerie ist ein Projekt der Studiengruppe „Erinnerungskultur, Gedächtnispolitik und Bildgebrauch“. In der Gruppe arbeiten Studierende und Lehrende verschiedener Disziplinen in Kooperation mit dem Städel Museum und dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main projektorientiert an der Erforschung des bildlichen Umgangs moderner Gesellschaften mit Geschichte. Die Studiengruppe stellt vier Mal im Jahr zeitgenössische Kunst in dem Galerieraum 1.357 des IG-Farben-Gebäudes aus.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: (069) 798 -32424, jussen@em.uni-frankfurt.de; PD Dr. Henning Engelke, Kunstgeschichtliches Institut, engelke@kunst.uni-frankfurt.de; Madeleine Hesse, studentische Mitarbeiterin der Studiengalerie 1.357, madeleine.hesse@stud.uni-frankfurt.de