Goethe Lectures Offenbach: Burnout als Beginn

Neues Veranstaltungsformat des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und der Stadt Offenbach startet am 21. Mai.

Veröffentlicht am: Freitag, 15. Mai 2015, 14:08 Uhr (130)

FRANKFURT/OFFENBACH. Am Donnerstag, dem 21. Mai 2015, startet die Veranstaltungsreihe „Goethe Lectures Offenbach“ mit ihrem ersten Vortrag. Das neue Format ist eine Kooperation des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe Universität Frankfurt am Main mit der Stadt Offenbach am Main. Federführend auf Seiten Offenbachs sind die städtische Wirtschaftsförderung, die einen deutlichen Fokus auf die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft legt, und das Klingspor-Museum, das sich mit seinen Schwerpunkten Schriftkunst und Typografie auch überregional einen Namen gemacht hat und ein Ort des Wissensaustausches darstellt.

Ziel der Partnerschaft der Institutionen, der bereits zwei erfolgreiche Kooperationsprojekte in Offenbach vorausgegangen sind, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft mit einem Fokus auf die Region Frankfurt Rhein-Main. Die Veranstaltungen, insgesamt stehen in diesem Jahr zunächst vier auf dem Programm, finden jeweils im Klingspor-Museum statt.

Das erste Kooperationsprojekt zwischen dem Frankfurter Exzellenzcluster und der Stadt Offenbach datiert aus dem Sommer 2013. Dabei gab Klaus Günther, Co-Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Rechtstheorie, Strafrecht und Strafprozessrecht an der Goethe-Universität, unter dem Titel „Wie die Schrift dem Recht zu seinem Recht verhalf“ auch einen Einblick in gegenwärtige rechtstheoretische Diskussionen. Im Frühling 2014 war der Forschungsverbund Kooperationspartner der Lichtinstallation „Say Say Say“ von Anny und Sibel Öztürk an der Fassade des Offenbacher Rathauses. Im Rahmenprogramm sprach Darrel Moellendorf, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Internationale Politische Theorie an der Goethe-Universität, bei seinem Vortrag „Energie, Armut und die Zukunft“ über globale Gerechtigkeit und Klimawandel.

„Immer mehr Bürgerinnen und Bürger interessieren sich für aktuelle Erkenntnisse in der Forschung und in der Wissenslandschaft. Deshalb war ich sofort begeistert über die erneute Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Exzellenzcluster“, sagt Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider. Die „Goethe Lectures Offenbach“ stellten ein herausragendes Beispiel für die Übermittlung von wissenschaftlichen Themen und Fragestellungen in die Bürgerschaft dar. „Dass wir dem Exzellenzcluster hierfür nun ein Podium außerhalb Frankfurts bei uns in Offenbach bieten können, freut mich und zeigt deutlich, dass Offenbach als interessanter und kreativer Standort in der Region und darüber hinaus wahrgenommen wird.“

„Es ist schön, dass die Geistes- und Sozialwissenschaften der Goethe-Universität so intensiv an gesellschaftlich relevanten Fragen arbeiten und dabei die Regionalgesellschaft aktiv mit einbinden“, sagt Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Für die Goethe-Universität und den Exzellenzcluster ‚Die Herausbildung normativer Ordnungen‘ sind regionale Kooperationen, wie jetzt die ‚Goethe Lectures Offenbach‘, ein wichtiges Resonanzfeld.“

Auftaktredner ist Sighard Neckel, Mitglied des Exzellenzclusters und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität. Er widmet sich am 21. Mai um 19.00 Uhr dem Thema „Burnout. Das gesellschaftliche Leid der Erschöpfung“. Burnout, so Neckel, tritt als ein subjektives Leid auf, in dem sich über individuelle Notlagen hinaus gesellschaftliche Probleme insbesondere des modernen Berufslebens dokumentieren. Als ein meist arbeitsbedingtes Erschöpfungssyndrom sind die Ursachen von Burnout in den Belastungsfaktoren eines gesellschaftlichen Wandels zu sehen, der vom Einzelnen hohe berufliche Einsatzbereitschaft, starke Identifikation mit der Arbeit, Eigenverantwortung und Selbststeuerung bei der Lebensbewältigung erwartet.

Ausgehend von der soziologischen Betrachtungsweise von subjektivem als sozialem Leid wird im Vortrag die Wettbewerbsgesellschaft der Gegenwart als eine Sozialordnung analysiert, die Erschöpfungssyndrome dadurch hervorbringt, dass sie die Individuen in eine permanente Sorge um die eigene Leistungsfähigkeit zwingt. Als subjektives Phänomen einer Krise des ökonomischen Wachstumsregimes kann Burnout aber auch als Beginn eines sozialen Wandels verstanden werden. Die öffentliche Debatte um Burnout trägt zur Herausbildung einer neuen Rechtfertigungsordnung des Kapitalismus bei, die unter dem Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ verspricht, schonender auch mit subjektiven Ressourcen umzugehen.

Sighard Neckel ist auch Mitglied des Kollegiums des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ungleichheitsforschung, die Wirtschaftssoziologie, die Emotions- und Kulturforschung sowie die Gesellschaftsanalyse des Finanzmarktkapitalismus. Zum Thema "Burnout" erschien zuletzt gemeinsam mit Greta Wagner "Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft" (Suhrkamp, Berlin 2013).

Die weiteren Termine (jeweils um 19.00 Uhr im Klingspor-Museum, Herrnstraße 80, 63065 Offenbach; der Eintritt ist frei):

23. Juni 2015: „Wer hat die Macht im Internet?“
Dr. Matthias C. Kettemann, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Rechtswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Menschenrechtliche Implikationen der Informationsgesellschaft

12. Oktober 2015: „Schriftentstehung in Ägypten und Mesopotamien“
Prof. Dr. Annette Imhausen, Mitglied des Exzellenzclusters, Professorin für Wissenschaftsgeschichte der vormodernen Welt an der Goethe-Universität

26. November 2015: „Banken und Menschenrechte – Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“
Dr. Manuel Wörsdörfer, Postdoktorand des Exzellenzclusters, Wirtschaftswissenschaftler mit den Schwerpunkten (u.a.) Wirtschafts- und Unternehmensethik

Weitere Informationen:

Bernd Frye, Pressereferent des Exzellenzclusters, Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de

Ria Baumann, Wirtschaftsförderung Stadt Offenbach, Tel.: 069 80652392, kreativwirtschaft@offenbach.de, www.offenbach.de/wirtschaft