Der deutsch-französische Dialog und seine sprachlichen Strukturen

Der Altphilologe und Philosoph Heinz Wismann hält Abendvortrag im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Veröffentlicht am: Montag, 26. Januar 2015, 14:40 Uhr (020)

FRANKFURT. Im Deutschen muss man jeden Satz beenden – vor allem wenn das Prädikat zweigeteilt ist. Darüber hat schon Madame de Staël in ihrem Deutschland-Buch „De l’Allemagne“ geklagt: Diese Eigenschaft des Deutschen verhindere das produktive Stimmengewirr französischer Salons. Die sprachlichen Unterschiede zwischen dem Deutschen und dem Französischen und die zugrunde liegenden geistigen Unterschiede thematisiert der Altphilologe und Philosoph Heinz Wismann bei einem Vortrag am Mittwoch, 28. Januar, im Forschungskolleg Humanwissenschaften.

„Gegenstrebige Fügung. Zur sprachlichen Problematik des deutsch-französischen Dialogs“: So lautet der Titel des Abendvortrags, den der Wissenschaftler am Mittwoch, 28. Februar, um 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg halten wird. Das Interesse für die verschiedenen Formen sprachlicher Zugänge zur Wirklichkeit und die Konsequenzen, die daraus für den Dialog der Kulturen entstehen, keimte Ende des 18. Jahrhunderts auf. Im Gefolge nationalstaatlicher Entwicklungen gewann es rasch an Bedeutung. Ausgehend von Germaine de Staëls Überlegungen und Humboldts Entwurf einer vergleichenden Sprachwissenschaft, will Wismann das produktive Spannungsverhältnis zwischen den beiden Nachbarsprachen auf lexikalischer, morphologischer und syntaktischer Ebene beschreiben. Das Freilegen der geistigen Strukturen soll dazu dienen, Missverständnisse auszuräumen und zu zeigen, wie sich die beiden Grundeinstellungen gegenseitig ergänzen.

Der Altphilologe und Philosoph Heinz Wismann, Jahrgang 1935, ist Forschungsdirektor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris. Sein jüngstes Buch „Penser entre les langues“ von 2012 befasst sich mit dem „linguistischen Dazwischen“ des Denkens, eine Figur, die als Modell für die europäischen Kulturen dient und sowohl deren Zusammenhalt als auch die Unterschiede zum Ausdruck bringt. Die Einführung zum Vortrag hält Prof. Pierre Monnet, der das an der Goethe-Universität angesiedelte Institut français d’histoire en Allemagne leitet und zugleich auch Forschungsdirektor an der École des Hautes Ètudes en Sciences Sociales ist.

Die Vortrag in der Reihe EuropaDialoge/Dialogues d‘Europe statt, die gemeinsam vom Forschungskolleg und dem an der Goethe-Universität angesiedelten Institut français d’histoire en Allemagne veranstaltet wird. Im vorigen Jahr konnte der französische Wirtschaftswissenschaftler Prof. Thomas Piketty („Das Kapital im 21. Jahrhundert“) für einen Abend gewonnen werden. Weitere Vorträge werden in diesem Jahr unter anderem Prof. Dr. Udo di Fabio, Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Lucia Puttrich halten.

„Gegenstrebige Fügung. Zur sprachlichen Problematik des deutsch-französischen Dialogs“. Abendvortrag im Rahmen der Reihe „EuropaDialoge/Dialogues d’Europe“. Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe.

Anmeldung: per Fax unter der Nummer 06172/13977-39 oder per E-Mail an info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Information: www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de, bei Prof. Dr. Pierre Monnet, Telefon 069/798-31901, E-Mail: monnet@ehess.fr oder bei Prof. Matthias Lutz-Bachmann, Vizepräsident der Goethe-Universität, Telefon: 069/798-32779; -32776, E-Mail: Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de