Fremdenfeindlichkeit ein Problem in der Mitte der Gesellschaft

Sozialpsychologen der Goethe-Universität warnen vor Bewegungen wie „Pegida“ in Frankfurt.

Veröffentlicht am: Mittwoch, 17. Dezember 2014, 15:16 Uhr (386)

FRANKFURT. Die Abteilung für Sozialpsychologie in Frankfurt sieht aktuelle Bewegungen wie „Pegida“ mit großer Besorgnis. „Jetzt bestätigt sich, was wir – gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen in der Wissenschaft – bereits seit über 20 Jahren sagen: Fremdenfeindlichkeit ist kein Problem von einigen wenigen Rechtsextremen, sondern Fremdenfeindlichkeit ist ein Problem in der Mitte unserer Gesellschaft“, so die Wissenschaftler. Bereits Anfang der 1990er Jahre, als die Anschläge von Rostock, Hoyerswerda, Solingen oder Mölln mit vielen Toten Deutschland erschütterten, hätte die Politik eine stereotype Reaktion gezeigt: Die Ursache sei an den extremen rechten Rändern zu suchen und Deutschland an sich ein ausländerfreundliches Land. Die Psychologen um Prof. Rolf van Dick halten dagegen: „Seitdem hat Deutschland zwar ein verbessertes Zuwanderungsgesetz – aber auch mindestens 60 Tote (nach offiziellen Statistiken, nach inoffiziellen sind es eher 200) zu beklagen.“ Alle Meinungsumfragen zeigten, dass es in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern einen verhältnismäßig großen Anteil fremdenfeindlicher Einstellungen gibt. Und viele Studien belegten, dass Menschen mit anderer Hautfarbe, mit Akzent oder nicht-deutschem Namen systematisch diskriminiert werden. Sie bekämen weniger schnell eine Wohnung, einen Job oder auch nur eine einfache Hilfeleistung wie eine Wegauskunft!

Die aktuellen Bewegungen bestätigten außerdem eine weitere wissenschaftliche Theorie: „Ausländerfeindlichkeit ist dort besonders groß, wo es an persönlichen Erfahrungen mit Ausländern fehlt! Es ist also kein Zufall, dass sich die großen Massen in erster Linie in Städten sammeln, in denen der Ausländeranteil gering ist. Wo man persönliche Erfahrungen mit Ausländern macht, sieht man sie als Personen wie ‚Du und Ich‘ und hat weniger Angst vor der Überfremdung“, so die Wissenschaftler. Frankfurt, eine der vielfältigsten Städte Deutschlands, habe wenig Probleme mit Fremdenfeindlichkeit bzw. fremdenfeindlicher Gewalt. Dies sei erst kürzlich durch den Verfassungsschutzbericht und eine repräsentative Umfrage des hessischen Sozialministeriums bestätigt worden, nach der drei Viertel der Befragten ausländische Mitbürger als eine Bereicherung empfänden.

„Wir warnen daher vor Fragida und wir distanzieren uns von jeder Art der pauschalen Verunglimpfung von Ausländern. Aussagen, wie ‚drei Viertel aller Asylanträge werden abgelehnt‘, wie man sie derzeit stereotyp von einigen Politikern der CSU hört, sind nicht hilfreich, sondern tragen zu einer Verschlechterung des Klimas bei!“ Die in Deutschland lebenden Ausländer zahlten in die Sozialsysteme wesentlich mehr Geld ein, als sie daraus bezögen und ohne systematische Zuwanderung würden die Beschäftigtenquoten in den nächsten Jahrzehnten dramatisch sinken. „Die Ausländer, insbesondere die Flüchtlinge sind auf unsere Solidarität angewiesen. Sie brauchen uns! Und wir brauchen Zuwanderung und die vielbeschworene Willkommenskultur müssen wir erst schaffen und wir dürfen sie uns nicht von selbsternannten Meinungsführern kaputtmachen lassen.“

Für die Abteilung für Sozialpsychologie an der Goethe-Universität: Prof. Dr. Rolf van Dick;  Anna Lisa Aydin; Dr. Alina Hernandez-Bark; Dr. Diana Boer; Stephan Braun; Miriam Krüger; Kai Trumpold.

Weitere Informationen: Abteilung für Sozialpsychologie,  Anna Lisa Aydin, Tel. (069) 798-35292; aydin@psych.uni-frankfurt.de; www.psychologie.uni-frankfurt.de/50765066/sozial