Ortsbeirat billigt universitäres Gesamtkonzept

Straßen und Plätze auf dem Campus Westend erhalten erstmals Namen/Verlegung des Adorno-Platzes auf den Campus Westend beschlossen

Veröffentlicht am: Mittwoch, 01. Oktober 2014, 12:11 Uhr (277)

FRANKFURT. Mit großer Mehrheit hat der Ortsbeirat 2 in seiner Sitzung am 29. September 2014 dem Senatskonzept zur Neubenennung von Straßen und Plätzen auf dem Campus Westend nach Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Norbert Wollheim zugestimmt. Damit ist der Weg frei für eine Umsetzung noch in diesem Jahr. Der Senat der Goethe-Universität hatte in seiner Sitzung vom 23. Juli ein Gesamtkonzept vorgelegt und mit deutlicher Mehrheit gebilligt, das derzeit folgende Straßen und Plätze umfasst: 

* Der zentrale Universitätsplatz zwischen Casinoanbau und Hörsaalzentrum wird künftig Theodor-W.-Adorno-Platz genannt.

* Die heutige Lübecker Straße im Osten erhält den Namen Max-Horkheimer-Straße.

* Der Grüneburgplatz und dessen Zufahrtswege von Ost und West heißen künftig Norbert-Wollheim-Platz.

Der Ortsbeirat stimmte zugleich der Verlegung des Theodor W. Adorno-Platzes und des dort befindlichen Adorno-Schreibtisches von Bockenheim auf den Campus Westend zu.

Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl lobte den Beschluss: „Der Ortsbeirat und die Goethe-Universität sind damit ihre historischen Verantwortung gerecht geworden. Ich danke dem Ortsbeirat für dieses klare Signal der Unterstützung.“ Damit kann 13 Jahre nach der Übergabe des IG-Farben-Hauses sowie des umliegenden Areals an die Goethe-Universität ein aufeinander abgestimmtes Konzept realisiert werden, das historische Persönlichkeiten der Goethe-Universität sowie ein prominentes Opfer des IG-Farben-Konzerns würdigt.“

Zudem sei so erstmals eine eindeutige Zuordnung von Gebäuden auf dem Campus möglich. Mit der Benennung erhalten diese Adressen, die sich am Namen des jeweiligen Platzes oder der Straße orientieren. Eine einheitliche Campus-Adresse sei aufgrund der immer komplexer werdenden Bebauungsstruktur des Campus Westend nicht mehr praktikabel.

Zu den genannten Personen:

Theodor W. Adorno: 1903-1969, deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist; zählt zu den Hauptvertretern der Frankfurter Schule. 1921-34 Studium und Habilitation in Frankfurt/Tätigkeit als Privatdozent, 1934-45 Vertreibung und Exil in England und USA, 1953 Rückkehr nach Deutschland, bis 1969 Professor für Philosophie und Soziologie an der Goethe-Universität sowie einer der Direktoren des wiedereröffneten Frankfurter Instituts für Sozialforschung.

Max Horkheimer: 1895-1973, Sozialphilosoph, Hauptvertreter der Frankfurter Schule, ehemaliger Rektor; 1919-1922 Studium in München, Frankfurt und Freiburg, 1922 Promotion in Frankfurt bei Hans Cornelius, 1925 Habilitation, 1930 Ernennung zum Ordinarius für Sozialphilosophie an der Philosophischen Fakultät in Frankfurt sowie Ernennung zum Direktor des Instituts für Sozialforschung bis zu dessen Schließung durch die Nationalsozialisten. 1933 Emigration in die USA, 1949 Rückkehr auf den Doppellehrstuhl für Philosophie und Soziologie. 1950 Wiedereröffnung des Instituts für Sozialforschung unter seiner Leitung (mit Adorno als stellvertretendem Direktor), 1951 Wahl zum Rektor der Goethe-Universität

Norbert Wollheim: 1913-1998 war Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, ehemaliges Direktoriums-Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland. 1943 Deportation nach Auschwitz; Zwangsarbeit für die I.G. Farben, 1945 erfolgreiche Flucht auf dem Todesmarsch, einziger Überlebender seiner Familie. Die 1950 eingereichte Klage gegen die I.G. Farben auf Entschädigung für geleistete Zwangsarbeit war das erste Musterverfahren in der deutschen Nachkriegszeit.