Öffentlicher Jubiläumsvortrag von Seyla Benhabib

Im Rahmen des 100-jährigen Universitätsjubiläums spricht Seyla Benhabib auf Einladung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ zu historischen Dimensionen und aktuellen Fragen der Kritischen Theorie

Veröffentlicht am: Freitag, 30. Mai 2014, 12:32 Uhr (159)

FRANKFURT. Von der „Negativen Dialektik“ zu einem „Kosmopolitismus ohne Illusionen“: Der Vortrag mit dem Titel „Der ethisch-politische Horizont der Kritischen Theorie: Gestern und heute“ ist eine tour d'horizon der Kritischen Theorie von Horkheimer und Adorno in den 1930ern über Jürgen Habermas‘ Werk bis in die Gegenwart.

Gehalten wird er von Seyla Benhabib, Eugene Meyer Professorin für Politische Wissenschaften und Philosophie an der Yale University, einer politischen Denkerin, die diese Tradition fortschreibt, indem sie den philosophischen Diskurs der Moderne mit neuen Themen und den wichtigen Fragen unserer Zeit konfrontiert: Wie lassen sich jene Formen der Unterdrückung, die durch Exil, Staatenlosigkeit und Flucht entstehen, gesellschaftstheoretisch artikulieren? Wie relevant ist die Idee der Kritik als Krisentheorie für den Umgang mit aktuellen Erscheinungen des globalen Finanzkapitalismus? Lassen sich die verschiedenen, manchmal konkurrierenden Denkrichtungen der Kritischen Theorie zu einem kohärenten Verständnis dieser Tradition zusammenführen? Welche Brüche, welche Kontinuitäten weisen die Methoden und Ideen der Frankfurter Schule aus, die als Kritische Theorie weit über Frankfurt hinaus Heimstätten gefunden hat? Was verbindet Benhabibs Utopie eines Kosmopolitismus ohne Illusionen mit der Hoffnungslosigkeit der Negativen Dialektik der frühen Kritischen Theorie?

Seyla Benhabib gilt als eine der bedeutendsten politischen Philosophinnen unserer Zeit und ist Preisträgerin zahlreicher Ehrungen, darunter der Ernst Bloch Preis 2009 und der Meister Eckart-Preis 2014. Zu den wichtigsten Büchern gehören Kritik, Norm und Utopie. Die normativen Grundlagen der Kritischen Theorie (1992); Selbst im Kontext: Kommunikative Ethik im Spannungsfeld von Feminismus, Kommunitarismus und Postmoderne (1995), Der Streit um Differenz (1993), Hannah Arendt. Die melancholische Denkerin der Moderne (2006), Die Rechte der Anderen (2008) und Gleichheit und Differenz (2013).

Seyla Benhabib, die von 1979 bis 1981 mit Jürgen Habermas am Starnberger Max-Planck Institut forschte und für das folgende Jahrzehnt mit ihm nach Frankfurt wechselte, ist bis heute aufs engste mit der Goethe-Universität verbunden, die sie ihre „zweite alma mater“ nennt. Ihr erstes großes Werk Kritik, Norm und Utopie, in dem sich Benhabib erstmals mit den normativen Grundlagen der Kritischen Theorie auseinandersetzt, ist, so blickt sie zurück, „der Ertrag meiner Lehrjahre in Frankfurt“. Seit 2007 ist Seyla Benhabib Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität. Der Vortrag gehört zu den Veranstaltungen, mit denen sich der Exzellenzcluster an dem Jubiläumsprogramm „100 Jahre Goethe-Universität“ beteiligt.

Der Festvortrag von Prof. Seyla Benhabib mit dem Titel „Der ethisch-politische Horizont der Kritischen Theorie: Gestern und heute“ findet statt am Mittwoch, 4. Juni, um 19:30 Uhr und wird auf Deutsch gehalten. Vortragsort ist der Hörsaal HZ 5, im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend. Die Öffentlichkeit und die Presse sind herzlich eingeladen.

Eine weitere Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 Jahre Goethe-Universität“ findet in Kooperation mit dem Fachbereich Rechtswissenschaften am 11. Juni 2014 ab 14 Uhr auf dem Campus Westend statt. An diesem Tag beteiligen sich die führenden Vertreter des Völkerrechts, darunter Prof. Martti Koskenniemi, Universität Helsinki und Prof. Joseph H. H. Weiler, New York University School of Law, mit Vorträgen zur Zukunft des Völker- und Europarechts an der Ringvorlesung "Rechtswissenschaft in Frankfurt vor den Herausforderungen der nächsten 100 Jahre".

Informationen im Internet: www.normativeorders.net/gu-100.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; www.normativeorders.net