Fotografien von Günther Förg: Das IG-Farben Haus in der Phase des Übergangs

Studiengalerie 1.357 eröffnet Ausstellung mit 25 Bildern, die 1996 in dem damals leeren Gebäude aufgenommen wurden – Bis 17. Juli geöffnet

Veröffentlicht am: Mittwoch, 28. Mai 2014, 14:20 Uhr (155)

FRANKFURT. Die Ausstellung „Das IG-Farben-Haus /Architekt Hans Poelzig“ rund um Günther Förg (1952-2013) und seine Fotografien des Gebäudes eröffnet am Mittwoch (4. Juni) um 20 Uhr in der Studiengalerie 1.357 im IG-Farben-Haus, Campus Westend. Die Goethe-Universität Frankfurt stellt die 1996 entstandenen Aufnahmen bis 17. Juli öffentlich aus. Förgs Fotoarbeiten vom Zentralgebäude der IG-Farbenindustrie AG werden damit erstmals an ihrem Entstehungsort präsentiert.

Die 22 Fotografien des Gebäudes aus dem Jahr 1996 zeigen die Innenräume und die Fassade eines verlassenen, menschenleeren Ortes im Zustand des Übergangs. In blassen Farben führen Detailansichten die geometrisch gerasterte Fassade und die konvex-konkaven Formen des Baus in ihrer Abstraktion vor. Im Zentrum stehen die Spannungen zwischen architektonischer Form und fotografischer Darstellung. Der repräsentierte Raum der Fotografien kann immer auch als flächige geometrische Anordnung gesehen werden. Besucher der Ausstellung sollen bei der Betrachtung der Bilder, die sich auf die Architektur des leerstehenden Gebäudes beschränken, auch zu historischen Assoziationen zur Firmenzentrale der I.G. Farben als Monument des industrialisierten Völkermordes angeregt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das IG-Farben-Haus als Hauptquartier der US-Army in Europa. 1996 erwarb die Hessische Landesregierung das Gebäude für den Umzug der Goethe-Universität vom Campus Bockenheim in das Westend. Seit 2001 wird das Gebäude von der Universität genutzt. Förgs Fotografien entstanden zwischen diesen beiden Nutzungsphasen.

Der Künstler Günther Förg, der sich neben der Fotografie auch mit Malerei und Skulpturen beschäftigte, wandte sich immer wieder der Architektur zu – vor allem der des Rationalismus und der Moderne des 20. Jahrhunderts. Förg war besonders von den neoklassizistischen Bauten Italiens fasziniert und setzte bereits früheren Erkundungen, der als faschistoid verschmähten Architektur, das Innere eines Bauwerks aus der Spätphase des Expressionismus entgegen: das von Hans Poelzig 1928 entworfene I.G. Farben–Haus in Frankfurt. Die Arbeiten von Förg wurden u.a. bereits 2011 in der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin ausgestellt.

Förgs Fotografien dokumentieren nicht nur die zugleich raumgreifenden wie flächigen Elemente der modernen Architektur. Vielmehr stellen sie das Verhältnis von Fläche und Raum auch als ein fotografisches Gestaltungselement aus. Die Auswahl der Motive findet zudem eine Entsprechung in den monochromen Wandmalereien des Künstlers. Ebenso erinnert die geometrisch gerasterte Fassade an Förgs abstrakte Bildkompositionen.

Die Studiengalerie 1.357 ist während des Semesters von Montag bis Donnerstag zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet. In der Studiengruppe „Geschichtspolitik Gedächtnispolitik, Gedächtniskultur und Bildgebrauch“ arbeiten Studierende und Lehrende verschiedener Disziplinen in enger Kooperation mit dem Städel Museum projektorientiert an der Erforschung des bildlichen Umgangs moderner Gesellschaften mit Geschichte. Die Studiengruppe stellt vier Mal im Jahr zeitgenössische Videokunst in den Räumen des IG-Farben-Gebäudes aus.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32424, jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 am Städel Museum, Tel.: 069/605098210, engler@staedelmuseum.de; Dr. Henning Engelke, Kunsthistorisches Institut, Campus Bockenheim, Tel 069/798-23470, engelke@kunst.uni-frankfurt.de; Nicole Kreckel, Studentische Mitarbeiterin der Studiengalerie 1.357, frau.n.kreckel@stud.uni-frankfurt.de; Blog der Studiengalerie: http://studiengalerie1357.wordpress.com .