„Holland und der Krieg – Albert Verwey und der George-Kreis“

Die Übersetzerin Hedwig van Heck beleuchtet die Freundschaft der beiden Dichter unter den Bedingungen des Ersten Weltkriegs

Veröffentlicht am: Donnerstag, 15. Mai 2014, 15:38 Uhr (136)

FRANKFURT. Am Mittwoch (21. Mai) hält die niederländische Juristin und Übersetzerin Hedwig van Heck einen öffentlichen Vortrag in deutscher Sprache zu „Holland und der Krieg – Albert Verwey und der George-Kreis“. Sie beleuchtet die Freundschaft zwischen dem niederländischen Dichter Albert Verwey, dem deutschen Dichter Stefan George und einigen seiner Gefährten während des Ersten Weltkriegs. Es ist eine Phase in ihrer Freundschaft, geprägt von Missverständnissen und dem Ende ihrer »aussern wege«, wie George es einmal formuliert hatte - während aber beiden Dichter sich »der gemeinsamkeit der inneren […] gewiss blieben«. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr im Casino (Raum 1.802), Campus Westend, und findet im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung des Lektorats Niederländisch an der Goethe-Universität zum „Großen Krieg“ statt – wie der Erste Weltkrieg im kollektiven Gedächtnis der Belgier heißt.

Obwohl die Niederlande im Ersten Weltkrieg neutral bleiben konnten, ging dieser Krieg, der sich quasi vor ihrer Haustür abspielte, nicht spurlos vorbei: Zunächst flüchteten hunderttausende Belgier vor der deutschen Armee über die belgisch-niederländische Grenze. Zwar kehrten viele nach einiger Zeit wieder heim, aber es blieben doch etwa 100.000 belgische Flüchtlinge während des gesamten Kriegs in den Niederlanden. Nichts war mehr wie in Friedenszeiten, auch nicht in den neutralen Niederlanden. Deswegen passt auch dieser Vortrag in die Reihe über den Ersten Weltkrieg in Flandern.

Die Übersetzerin hat sich anlässlich ihres Masterstudiums „Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft“ in ihrer Masterarbeit intensiv mit den Übersetzungen Stefan Georges aus dem Niederländischen befasst, die von Albert Verwey stammen.

Der niederländische Dichter Albert Verwey (1865-1937) und der deutsche Dichter Stefan George (1868-1933) waren sich Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal begegnet. So unterschiedlich das Äußere, so ähnlich ihre Verbundenheit zur Dichtung. Der künstlerische Anreiz der von der Dichtung des jeweils anderen ausgeht zeigte sich gleich bei dieser ersten Begegnung am 11. September 1895 in der Villa Nova der Familie Verwey im niederländischen Fischerdorf Noordwijk aan Zee.

Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich zwischen George und Verwey ein Verhältnis, das viele Jahre anhielt. Insbesondere in den ersten sieben Jahren kommen sich die beiden Dichter während längerer gegenseitiger Besuche und auf gemeinsamen Reisen näher. Im Laufe der Zeit lernt Verwey aus dem engeren und weiteren Umfeld Stefan Georges verschiedene Gefährten kennen. Insbesondere zu Friedrich Gundolf und Karl Wolfskehl verbindet ihn eine jahrelange Freundschaft.

Als der Große Krieg im Sommer 1914 ausbricht, hat Verwey nur einen Gedanken: die Angst, von seinen deutschen Freunden abgeschottet zu werden. Dieser Krieg bedrohte die über 20 Jahre bestehende Beziehung mit Deutschland, welche nicht nur für Verwey selbst, sondern nach seiner Einschätzung auch für die Entwicklung des niederländischen Geisteslebens bis dahin von großer Bedeutung gewesen war.

Seine Essays über den Krieg, die er in seiner Zeitschrift „De Beweging“ veröffentlicht und nach dem Ersten Weltkrieg noch einmal in einem kleinen Band unter dem Namen „Holland und der Krieg“ publiziert, sind gekennzeichnet von einer verurteilenden Haltung gegenüber Deutschland. Dazu Hedwig van Heck: „Dabei ist Verwey der Überzeugung, dass Dichtung und Geist über den Krieg stehen, dass nicht nur seine, sondern auch die Freundschaft seiner deutschen Freunden zu ihm und ihre künstlerische Verbundenheit mit ihm über den Ereignissen hinweg unverändert bleiben – nicht ahnend, dass seine deutschen Freunde in diesem Krieg ihren ‚heiligen Krieg‘” sahen – würde er doch eine gesellschaftliche Erneuerung hervorbringen.“ So fand Verweys Meinung über den Krieg und das Kriegsgeschehen keine gute Aufnahme mehr.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www2.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe