Eine Frankfurter Schule der Frauen- und Geschlechterforschung?

Vortragsreihe „Cornelia Goethe Colloquien“ im Sommersemester 2014

Veröffentlicht am: Dienstag, 13. Mai 2014, 16:59 Uhr (130)

FRANKFURT. Die Kritische Theorie, die von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in Frankfurt begründet wurde, hat in vielfacher Hinsicht zum Weiter-Denken, aber auch zum Gegen-den-Strich-Denken angeregt. Vor allem deshalb waren und sind die kultur- und gesellschaftstheoretischen Impulse dieser Frankfurter Schule für die Frauen- und Geschlechterforschung bis heute wegweisend. Die Themen der öffentlichen Vortragsreihe des Cornelia Goethe Centrums im Sommersemester 2014 reichen von den „Anfängen der Frauenforschung in Frankfurt“ bis hin zu „aktuellen Debatten im Anschluss an die Kritische Theorie“. Zur Debatte steht vor dem Hintergrund des Jubiläums der Goethe-Universität die Frage nach einer Frankfurter Schule der Frauen- und Geschlechterforschung. Die Vorträge finden immer (außer 22. Mai) mittwochs von 18 bis 20 Uhr im PEG-Gebäude (Raum 1.G 191), Campus Westend, statt.

Traditionelle Vorträge sind eher die Ausnahme bei diesen Veranstaltungen, die zum Zuhören, zur Auseinandersetzung und zum Mitdiskutieren einladen. Sie beginnen am Mittwoch (14. Mai) mit einem Interview zwischen der Medienwissenschaftlerin und geschäftsführenden Direktorin des Cornelia Goethe Centrums, Prof. Ulla Wischermann, und der Kinowissenschaftlerin und -enthusiastin, Prof. Heide Schlüpmann. Auf „100 Jahre Frauenstudien an der Goethe-Universität“ blickt eine Woche später Prof. Ute Gerhard, die erste Professorin für Frauenforschung an einer deutschen Universität, zurück (22.5.). Ausnahmsweise findet dieser Vortrag, der zugleich die Konferenz „Ausschließende Einschließung. 100 Jahre Frauen & Wissenschaft an der Goethe-Universität“ eröffnet, in der Stadtbibliothek statt.

Weitere Highlights der Vortragsreihe sind die Diskussion der Frage, wie die doppelte Verortung von Frauen in Erwerbs- und Familienarbeit in Anschluss an die Kritische Theorie heute vor dem Hintergrund einer sich international zuspitzenden „Care“-Krise, einer Krise des „Füreinander-Sorgens“, zu denken ist. Es diskutieren Prof. Helma Lutz und Prof. Regina Becker-Schmidt (4. Juni). Biografische Erinnerungsarbeit ist der Leitfaden für „Kritische Theorie und die Anfänge der Frauenforschung in Frankfurt“ am 11. Juni, ein Zurück- und Vordenken mit Prof. Ursula Apitzsch und Prof. Christel Eckart. Gegen den Strich und in vielfacher Hinsicht von einem anderen Standpunkt aus gesehen, reflektiert Prof. Nikita Dhawan am 25. Juni „The Paradox of postcolonial Enlightement“. Abgeschlossen wird die in Kooperation mit dem Frankfurter Institut für Sozialforschung konzipierte Reihe am 9. Juli mit einem Gespräch zu aktuellen Fragen der Geschlechtertheorie. Den Abend gestaltet die Frankfurter feministische Philosphinnengruppe mit ihrem Gast, der Philosophin Dr. Eva von Redecker.

Die Vortragsreihe wird veranstaltet vom Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse (CGC) in Kooperation mit dem Institut für Sozialforschung und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Das Programm auf einen Blick

14. Mai
Das große Kino - Feministische Kritik und Frankfurter Schule.
Ulla Wischermann im Gespräch mit Heide Schlüpmann

22. Mai (19:30 Uhr, Stadtbücherei Frankfurt a.M., Zentralbibliothek, Hasengasse 4)
„In den Brüchen der Zeit…“ - 100 Jahre Frauenstudien an der Universität Frankfurt.
Ute Gerhard

4. Juni
Von der ‚Doppelten Vergesellschaftung von Frauen‘ zur ‚Krise der Care-Arbeit‘ – Impulse aus der ‚Kritischen Theorie‘?'
Helma Lutz im Gespräch mit Regina Becker-Schmidt 

11. Juni
Kritische Theorie und die Anfänge der Frauenforschung in Frankfurt.
Ursula Apitzsch im Gespräch mit Christel Eckart

25. Juni
Affirmative Sabotage of the Master’s Tools: The Paradox of Postcolonial Enlightenment.
Nikita Dhawan (in engl. Sprache)

9. Juli
Queer und materialistisch. Aktuelle feministische Debatten im Anschluss an die Kritische Theorie.
Eva von Redecker im Gespräch mit der Feministischen Philosophinnengruppe Frankfurt

Informationen: Dr. Marianne Schmidbaur, Stefan Fey, Cornelia Goethe Centrum, CGCentrum@soz.uni-frankfurt.de, Tel. (0171)273 9354; http://www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-lehre-colloq.shtml