Bürgervorlesung: „Der Erste Weltkrieg – Kindheit, Jugend, literarische Erinnerungskultur“

Eine Vortragsreihe des Instituts für Jugendbuchforschung in Kooperation mit dem Historischen Museum

Veröffentlicht am: Dienstag, 15. April 2014, 09:13 Uhr (092)

FRANKFURT. Die neue Bürgervorlesungsreihe „Der Erste Weltkrieg – Kindheit, Jugend, literarische Erinnerungskultur“ des Instituts für Jugendbuchforschung geht der Frage nach, wie Kinder und Jugendliche, Jungen und Mädchen den Ersten Weltkrieg erlebt haben und welche kriegsbedingten Traumatisierungen sie erleiden mussten. Welche Bilder-, Kinder- und Jugendbücher wurden während des Kriegs und in den Jahren danach publiziert? Auf welche Weise wurden die Frontsoldaten mit welcher Literatur versorgt? Die Vorlesungsreihe will zeigen, in welchem Maße die Literatur ein Ereignis lebendig vor Augen führen kann, das als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet worden ist.

Die Bürgervorlesung, die in Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt veranstaltet wird, versammelt Vortragende aus verschiedenen Disziplinen: Historiker, Buchwissenschaftler, Germanisten, Anglisten, Romanisten und nicht zuletzt Kinder- und Jugendliteraturwissenschaftler suchen ein weitgespanntes Panorama der internationalen Belletristik über den Ersten Weltkrieg zu entwickeln. Sie werden die Literatur aus dem und über den Ersten Weltkrieg auf lebendige Weise vergegenwärtigen; Romane und Erzählungen, Briefe und Tagebücher, Hörspiele und Filme stellen ein ausgezeichnetes Medium der Erinnerungskultur dar. Die Vorlesungen finden, abgesehen von zwei Terminen im Historischen Museum Frankfurt, jeweils dienstags um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend statt. Die Reihe wird von der Waldemar Bonsels-Stiftung gefördert und findet im Rahmen des Jubiläums zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität statt.

Der Erste Weltkrieg hat die Literatur in einem ebenso umfangreichen Maße beschäftigt, wie uns dies vom Zweiten Weltkrieg her bekannt ist. Ab Kriegsbeginn 1914 ist das Thema in allen Literaturformen präsent – in der Sachliteratur wie in der Belletristik, in Büchern für Erwachsene wie für Kinder und Jugendliche. „Die Kinder- und Jugendliteratur wie die Erwachsenenliteratur wurden zu einem wichtigen Medium der Kriegspropaganda – und zwar nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in Frankreich, Großbritannien, den USA, Kanada und Australien“, so der Initiator der Ringvorlesung und Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität, Prof. Dr. Hans-Heino Ewers. „Mit Fortgang des Krieges änderte die literarische Kriegspropaganda ihren Charakter: Aus hurrapatriotischer Kriegsverherrlichung wurde eine ernste Durchhaltepropaganda, die mehr und mehr den realen Erfahrungen sowohl der Soldaten wie der Daheimgeblieben, der Familien, der Kinder und Jugendlichen, Rechnung tragen musste.“

War die während der Kriegsjahre erschienene Kriegsliteratur – nicht zuletzt zensurbedingt – durchweg patriotisch und kriegsbejahend, so entstand nach Kriegsende und in der Zwischenkriegszeit eine internationale Antikriegsliteratur. „Diese wurde zu einem großen Teil von Angehörigen der Generation der jungen Frontsoldaten verfasst; Erich Maria Remarques ‚Im Westen nichts Neues‘ ist dafür prototypisch. Umfangreicher scheint jedoch die weiterhin kriegsbejahende Literatur gewesen zu sein, für die heute der Name Ernst Jüngers steht“, ergänzt Ewers.

Das Programm auf einen Blick:

22. April: Prof. Dr. Hans-Heino Ewers, Frankfurt
Wie Kinder den Weltkrieg erlebten. Kriegskindheit im Spiegel der (Kinder- und Jugend)-Literatur über den Ersten Weltkrieg

29.April (Historisches Museum): Prof. Dr. Barbara Stambolis, Paderborn
Kriegskinder des Ersten Weltkriegs: Kindheit und Jugend in eiserner Zeit

6. Mai: Dr. Dorothea Flothow, Salzburg
Der Erste Weltkrieg im britischen Kinder- und Jugendroman: Erfahrung und Erinnerung

13. Mai: Prof. Dr. Astrid Erll, Frankfurt
Die Wiederkehr des Weltkriegs in der Literatur (1927-1930): Deutschland und England im Vergleich

20. Mai: Prof. Dr. Frank Schulze-Engler, Frankfurt
Nationale Identität, transkulturelles Gedächtnis und Bürgerrechte: Revisionen des „Großen Krieges“ in der indigenen Literatur Kanadas, Australiens und Aotearoa/Neuseelands

3. Juni: PD Dr. habil. Thomas F. Schneider, Osnabrück
„Endlich die Wahrheit über den Krieg!“ Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ als Kulminationspunkt der Diskussion um den Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik

10. Juni (Historisches Museum): Prof. Dr. Christine Haug, München
Was die Soldaten des Ersten Weltkriegs lasen. Die Feldlektüre und ihre Distribution

17. Juni: Prof. Dr. Helmuth Kiesel, Heidelberg
Ernst Jüngers Kriegsbuch „In Stahlgewittern“: Entstehung, Fassungen, Rezeption

24. Juni: Prof. Dr. Sven Hanuschek, München
„Jedem geschehe was seine Taten wert sind.“ Kindheit und Jugend um 1914 im Kino der 2000er Jahre

1. Juli: Dr. Frank Estelmann, Frankfurt a.M.
Friedhof der Erinnerungen: Kindheit als Gedächtnisfigur im zeitgenössischen französischen Roman und Comic über den Ersten Weltkrieg

8. Juli: Prof. Dr. Olaf Müller, Mainz
„…expliquée à ma fille“ – Kinder als Zielpublikum für französische Literatur zum Ersten Weltkrieg von 1916 bis heute

15. Juli: Dr. Jana Mikota, Siegen
Nesthäkchen in Kriegszeiten. Der Erste Weltkrieg in der Mädchenliteratur

Informationen: Prof. Hans- Heino Ewers, Institut für Jugendbuchforschung, Fachbereich Neure Philologien, Tel: (069)798 32995, ewers@em.uni-frankfurt.de, Programm im Internet http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb10/jubufo/, Bildmaterial unter: http://user.uni-frankfurt.de/~weinkauf/Abhol/index.html