Umbenennung im Rahmen eines Gesamtkonzepts

Senat der Goethe-Universität nimmt Stellung zum Beschluss des Ortsbeirats 2, den Grüneburgplatz in Norbert-Wollheim-Platz umzubenennen

Veröffentlicht am: Donnerstag, 27. März 2014, 14:19 Uhr (072)

FRANKFURT. Der Senat der Goethe Universität hat in seiner heutigen Sitzung die Stadt aufgefordert, im Rahmen eines universitären Gesamtkonzepts am Campus Westend den Bremer Platz zu Horkheimer-Platz und die Lübecker Straße zu Adorno-Straße umzubenennen. Damit reagiert der Senat auf den Beschluss des Ortsbeirates 2, der in der vergangenen Woche beschlossen hatte, den Grüneburgplatz in Norbert Wollheimplatz umzubenennen.

Hier der Wortlaut des Beschlusses:

„Der Senat nimmt den Beschluss des Ortsbeirats 2, den Grüneburgplatz in Norbert-Wollheim-Platz umzubenennen, wohlwollend zur Kenntnis, weist jedoch darauf hin, dass eine Umbenennung nur nach Anhörung der Universität und im Einvernehmen mit ihr möglich ist. Der Senat erwartet zugleich, dass im Rahmen eines Gesamtkonzepts im Festjahr 2014 die Lübecker Straße in Adorno-Straße und der Bremer-Platz in Horkheimer-Platz umbenannt werden.“

„Die Umbenennung im Festjahr 2014 eröffnet der Goethe-Universität die Chance, historische Verantwortung für die eigene Geschichte zu übernehmen und herausragende Wissenschaftler wie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zu ehren, die bis heute Weltgeltung genießen und zugleich für alle Hochschulmitglieder identitätsstiftend sind“, sagt Universitätspräsident Professor Werner Müller-Esterl, der auch den Senatsvorsitz innehat. Als jüdische Gelehrte prägten sie die frühen Jahre der Universität, wurden während des Nationalsozialismus vertrieben und mussten ins Exil gehen. „Mit einer Neubenennung gedenkt die Goethe-Universität nicht nur des dunkelsten Kapitels in ihrer 100-jährigen Geschichte, sondern auch der schwierigen Phase des demokratischen Neubeginns nach 1945, der ohne Überlebende und Rückkehrer wie Adorno und Horkheimer nicht möglich gewesen wäre“, so Müller-Esterl. Max Horkheimer kehrte 1949 aus dem Exil auf seinen Lehrstuhl für Sozialphilosophie zurück, wurde kurz darauf Dekan und war von 1951 bis 1953 Rektor, als noch mehr als die Hälfte aller universitären Gebäude in Schutt und Asche lagen. Beide, Horkheimer wie Adorno, sind Begründer der Frankfurter Schule und ihrer kritischen Theorie, und leisteten einen entscheidenden Beitrag zur öffentlichen Rehabilitierung der Frankfurter Universität.