Infektionskrankheiten und Klimawandel

Zwei neue Forschungsprojekte zur Medizinischen Biodiversität und Parasitologie

Veröffentlicht am: Mittwoch, 12. Februar 2014, 16:25 Uhr (040)

FRANKFURT.In Zeiten des Globalen Wandels finden zahlreiche Krankheitserreger und -überträger ihren Weg in neue Lebensräume. Zudem treten gänzlich neuartige Krankheiten auf. Lebensweisen, Umweltbedingungen und Wirt-Erreger-Interaktionen beeinflussen dabei die Ausbreitungsmechanismen. Eine Frankfurter Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Sven Klimpel (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Goethe-Universität) trägt nun mit zwei neuen Projekten, einer Graduiertenschule und einem BiodivERsA-Projekt, zum Verständnis der komplexen Zusammenhänge bei.

Infektionskrankheiten sind immer noch die weltweit häufigste Todesursache. In den Industrieländern konnten sie zwar im Verlauf des 20. Jahrhunderts zurückgedrängt werden. Aber seit einigen Jahrzehnten spielen neu aufgetretene und wiederauftretende Infektionskrankheiten (EID) sowie durch Vektoren übertragene Krankheiten wieder eine größere Rolle. Beispiele sind das Humane Immundefizienz-Virus (HIV), das Hanta-Virus sowie das Ebola- oder Marburg-Virus. Die hohe Mobilität der Menschen und der weltweite Handel schaffen vielfältige Übertragungswege: Von einer einzigen Infektionsquelle ausgehend können Personen in verschiedenen Ländern infiziert werden. Die rapide globale Ausbreitung des SARS-Erregers im Jahr 2003 ist ein Beispiel für die globale Bedrohung durch EID.

Vielfältige Ursachen für ein globales Problem

Das neue, erneute oder vermehrte Auftreten von Infektionskrankheiten resultiert aus einer komplexen Beziehung zwischen Umwelt, Wirt und Erreger. Ökologische Veränderungen oder auch der Klimawandel betreffen beispielsweise die Habitate von Wirbeltieren oder Gliederfüßern (beispielsweise blutsaugende Insekten), die Erreger auf den Menschen übertragen. Auch wird die Entstehung und Verbreitung neu oder wieder auftretender Infektionskrankheiten durch Veränderungen des Verhaltens des potentiellen Wirts Mensch begünstigt. Außer der Ernährung, der Freizeitaktivität und der Reisetätigkeit spielen dabei auch der Medikamentenkonsum und der Gebrauch von Drogen eine wichtige Rolle.

Prof. Sven Klimpel und seine Mitarbeiter der am LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) sind an zwei Großprojekten zu diesen Themen mit jeweils drei Jahren Laufzeit beteiligt. Beim ersten, durch die Leibniz-Gemeinschaft mit einer Million Euro geförderten Projekt handelt es sich um eine Graduiertenschule (International Multidisciplinary Parasitology and Vector Biology, IMPact-Vector), an der sich neben den Frankfurter Einrichtungen Leibniz-Institute in Hamburg (Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin) und Berlin (Institut für Zoo- und Wildtierforschung und Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei) beteiligen. Die Graduiertenschule soll dem Rückgang des Nachwuchses in der Infektionsbiologie und Parasitologie entgegenwirken. Inhaltlich geht es um die Erforschung von Infektionsprozessen unter Einbeziehung von Vektoren und Zwischenwirten, und zwar in unterschiedlichen Öko- und Modell-Systemen.

Globaler Wandel und invasive Stechmücken

Im Rahmen der europäischen Fördermaßnahme ERA-Net BiodivERsA wird außerdem ein Verbundprojekt mit Kollegen aus Frankreich und Österreich gefördert. Unter dem Titel „Globaler Wandel und invasive Stechmücken als Infektionskrankheitsrisiko in Europa“ werden die Auswirkungen invasiver Stechmückenarten erforscht. Den Wissenschaftlern stehen dafür rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen die Übertragungswege von Infektionskrankheiten durch Mücken sowie die genetische Vielfalt, geographische Verbreitung und Klimatoleranz der neu in Europa auftretenden Mückenarten erforscht werden. „Stechmücken gelten weltweit als die wichtigsten Überträger vektor-assoziierter Infektionserreger“, resümiert Klimpel. Durch den globalen Wandel eröffnen sich für viele Arten neue Lebensräume: „Die absehbar bedeutendste Rolle in Europa spielen dabei Invasoren wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), Asiatische Buschmücke (Ochlerotatus japonicus) und die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti). Dank der eingeworbenen EU-Mittel können wir uns jetzt grenzübergreifend mit diesem ganz Europa betreffenden Thema beschäftigen.“

Mit dem Programm ERA-Net BiodivERsA (European Research Area, ERA) fördert die Europäische Kommission die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Forschungsförderinstitutionen und ist ein Hauptinstrument für das Zusammenwachsen des Europäischen Forschungsraums. Dank der hier aufgebauten europäischen Netzwerke können die nationalen und regionalen Forschungsaktivitäten besser koordiniert werden, um die Fragmentierung des Europäischen Forschungsraums zu überwinden. BiodivERsA ist ein derartiges Großprojekt, in dem die europäische Förderstrategie für Biodiversitätsforschung weiter vorangetrieben wird.

Fotos zum Download unter: http://www.bik-f.de/root/index.php?page_id=32&ID=686&year=0

Informationen: Prof. Dr. Sven Klimpel, LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)Campus Bockenheim, Tel.: (069) 7542 1895
sven.klimpel@senckenberg.de