Er folgt den Spuren der Gazellen in der Mongolei

Thomas Müller ist neuer Robert Bosch Juniorprofessor an die Goethe-Universität

Veröffentlicht am: Montag, 16. Dezember 2013, 10:19 Uhr (318)

FRANKFURT. Die Mongolei erlebt aufgrund ihrer Bodenschätze – Öl, Kupfer, Gold – derzeit einen stärkeren wirtschaftlichen Aufschwung als das Nachbarland China. In dem bisher wenig erschlossenen Land werden neue Straßen und Eisenbahnlinien angelegt. Welche Auswirkungen diese Eingriffe auf die Wanderbewegungen der riesigen Gazellenherden haben, will der neu berufene Biologe Dr. Thomas Müller erforschen. Nach 10 Jahren in den Vereinigten Staaten kehrt er als Robert Bosch Juniorprofessor nach Deutschland zurück. Die Robert Bosch Stiftung vergibt jährlich eine Juniorprofessur an einen herausragenden Nachwuchswissenschaftler, der die Wechselwirkungen zwischen natürlichen Prozessen und menschlichen Umwelteingriffen erforscht.

Für die Berufung von Thomas Müller haben sich drei Frankfurter Gastinstitutionen gemeinsam eingesetzt: Die Goethe-Universität, das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Frankfurt und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Am BiK-F hat Thomas Müller bereits vor einigen Jahren als Postdoktorand gearbeitet. Damals erforschte er mit Prof. Katrin Böhning-Gaese die Bewegungen von Hornvögeln in Südafrika. Diese Vögel haben eine wichtige Funktion für das Ökosystem, weil sie Pflanzensamen zwischen benachbarten Waldgebieten transportieren. Außerdem konnte Müller mit einer Datenanalyse von Vogelzugdaten der Schreikraniche in den Vereinigten Staaten aufklären, in wieweit der Vogelzug in den Genen liegen und welche Teile erlernt werden. Diese Arbeit brachte ihm die Titelgeschichte der renommierten Fachzeitschrift „Science“ ein.

Als Juniorprofessor wird Thomas Müller nun eine eigenständige Arbeitsgruppe leiten, die sich mit der jungen Forschungsdisziplin „Movement Ecology“ – der Bewegungsökologie von Tieren – beschäftigt. In der Mongolei war er bereits 2007, als er einem Kollegen half, einzelne Gazellen einzufangen und mit einem Peilsender auszustatten. In seiner Doktorarbeit wertete er die Daten aus und fand, dass die Migrationsbewegungen „völlig chaotisch“ sind. Allerdings entdeckte er, dass die Zäune entlang der 2.215 Kilometer langen transmongolischen Eisenbahnlinie von Ulaanbaatar nach Peking sowie entlang der mongolisch-chinesischen Grenze ein unüberwindbares Hinderniss für die Tiere darstellen. Dasselbe gilt für die wenigen, von LKWs stark befahrenen Straßen. „Meine Forschungsergebnisse sollen in praktische Empfehlungen für die Mongolei münden, wie sie ihren wirtschaftlichen Aufschwung ökologisch verträglich gestalten kann“, so Müller. Vorstellbar wäre beispielsweise die Konstruktion von Wildbrücken. Seine Erkenntnisse möchte er schrittweise auch auf andere Ökosysteme und Regionen der Welt übertragen.

Thomas Müller studierte an der Universität Marburg Biologie und promovierte an der University of Maryland in den USA. Anschließend arbeitete er in Frankfurt und in Maryland als PostDoc und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Smithsonian Conservation Biology Institute, USA.

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Bildtexte:

1. Transmongolische Eisenbahnlinie von Ulaanbaatar nach Peking, mit den Überresten einer am Zaun verendeten Gazelle. Diese Infrastrukturen zerschneiden die Lebensräume und werden als unüberwindbares Hindernis immer mehr Tieren zum Verhängnis, die an das Leben in der freien Landschaft angepasst sind.

2. Mit GPS-Sender ausgestattete Gazelle. Die so gewonnenen Daten helfen den Wissenschaftlern, die Wanderungen der Herden zu verstehen, über die bislang wenig bekannt ist.

3. Während der Feldarbeiten in der mongolischen Steppe machen die Wissenschaftler Pause an einem mongolischen Ger (Jurte).

4. Die Forscher wissen bislang wenig über die Sozialstrukturen der Gazellen. In den Weiten des mongolischen Graslandes trifft man manchmal auf kleine Gazellengruppen, manchmal auch auf riesige Herden mit mehreren zehntausend Tieren.

Informationen: Juniorprofessor Dr. Thomas Müller, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) Frankfurt, Tel.: (069) 7542 1889, thomas.mueller@senckenberg.de.