Vom neuen Umgang mit Shakespeares Problemstück

Prof. Sabine Schülting von der FU Berlin spricht in der Mittwochskonferenz des Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften

Veröffentlicht am: Donnerstag, 28. November 2013, 11:10 Uhr (290)

FRANKFURT. „‘Enter Jessica‘. Shylocks Tochter auf der deutschen Bühne des 20. und 21. Jahrhunderts“ ist der Titel eines öffentlichen Vortrags, den Sabine Schülting, Professorin für Englische Philologie an der Freien Universität Berlin, am Mittwoch (4. Dezember) hält. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im IG-Farben-Haus (Raum 411) auf dem Campus Westend; sie findet im Rahmen der Mittwochskonferenz statt, die das Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität während des Semesters regelmäßig veranstaltet.

Bei den neueren deutschen Inszenierungen von William Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ hat Schülting einen überraschenden Wandel in der Rezeption festgestellt: „Schien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nach dem „Zivilisationsbruch“ (Dan Diner) des Holocaust, das Schicksal von Shakespeares ‚Problemstück‘ besiegelt und eine unreflektiert komische Inszenierung des Stücks nicht mehr möglich, deutet sich seit den 1990er Jahren ein Aufbrechen dieses Konsenses an; und es ist wiederholt der Versuch unternommen worden, den ‚Kaufmann von Venedig‘ aus dem bis dato dominanten Interpretationsmuster herauszulösen.“ Für die Berliner Wissenschaftlerin zeigt sich dies unter anderem in solchen Regieentscheidungen, Shylocks jüdische Identität nicht explizit zu markieren, insbesondere aber auch in der Aufwertung der Rolle Jessicas, Shylocks Tochter, die den Vater bestiehlt, mit ihrem christlichen Geliebten durchbrennt und zum Christentum konvertiert. „Spielte Jessica traditionell eher eine Nebenrolle, ist ‚Der Kaufmann von Venedig‘ nun verschiedentlich zu Jessicas Stück geworden“, konstatiert Schülting. Im Zentrum ihrer Überlegungen sollen die Implikationen solcher oftmals irritierenden Überlagerungen von Geschlechterverhältnissen, religiösen und ethnischen Differenzen stehen.

Informationen: Monika Beck, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798- 32344, m.beck@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org