Vom Urknall ins Labor – Materie unter extremen Bedingungen

International renommierte Physiker halten Vorträge für interessierte Laien – Programm der Deutsche Bank Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ für das Wintersemester

Veröffentlicht am: Donnerstag, 07. November 2013, 11:48 Uhr (265)

FRANKFURT. Wie verhält sich Materie, wenn sie extremen Bedingungen ausgesetzt wird, beispielsweise unter äußerstem Druck und bei enormen Temperaturen? Physiker erforschen dieses Schwerpunktthema der modernen Grundlagenforschung, um dem fundamentalen Aufbau der Materie, dem Ursprung und der Zukunft des Universums und der Herkunft der Atome, aus denen wir zusammengesetzt sind, auf die Spur zu kommen. Im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ der Deutsche Bank AG gewähren international renommierte Forscher interessierten Laien im Wintersemester einen Blick in die realen und virtuellen Laboratorien der Physik.

Die Vorlesungsreihe startet am Donnerstag (14. November) mit dem Vortrag „Der Urknall im Labor – Schwerionenkollisionen als Sonden der Frühgeschichte des Universums“ von Prof. Dr. Steffen Bass, Duke University (USA). Wie auch die folgenden Vorträge beginnt die Eröffnungsvorlesung um 19 Uhr auf dem Campus Riedberg, im Hörsaal 100 des „Frankfurt Institute for Advanced Studies“ (FIAS), Ruth-Moufang-Straße 1. Organisatoren und Veranstalter dieser Reihe sind neben der Goethe-Universität das „Helmholtz International Center for Fair“ (Hic for Fair) und das FIAS. Die Vorlesungen im Rahmen der Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ richten sich an interessierte Bürger und Bürgerinnen sowie an Studierende und Angehörige aller wissenschaftlichen Institutionen im Rhein-Main-Gebiet.

Denn die Ergebnisse dieser Forschungen zu den Eigenschaften „extremer“ Materie sind nicht nur für Wissenschaftler von großem Interesse, sie spielen eine wichtige Rolle für das Weltbild jedes Einzelnen. Immer ausgefeiltere experimentelle Techniken werden in der physikalischen Grundlagenforschung eingesetzt. Gleichzeitig erlauben Fortschritte in der theoretischen Beschreibung und bei der Computersimulation ein immer detaillierteres Verständnis der auftretenden Phänomene. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Welt der Hadronen, also der Bestandteile des Atomkerns, mit ihren Wechselwirkungen und ihrem inneren Aufbau. Auf diesem Forschungsfeld berühren sich die Extreme: von den unvorstellbar kleinen Skalen, auf denen hochenergetische Stöße stattfinden, bis hin zu stellaren und sogar kosmologischen Dimensionen. So wird Prof. Bass im ersten Vortrag zeigen, wie sich heute in großen Beschleunigeranlagen die Bedingungen wiederherstellen und untersuchen lassen, die Millionstel Sekunden nach dem Urknall geherrscht haben müssen.

Frankfurt ist als Austragungsort einer solchen Ringvorlesung besonders geeignet, da in der Rhein-Main-Region eine Reihe von führenden Forschungsinstitutionen dem Gebiet „Materie unter extremen Bedingungen“ beheimatet ist. Physiker der Goethe-Universität arbeiten eng zusammen mit dem Helmholtzzentrum GSI (Gesellschaft für Schwerionenforschung) in Darmstadt und mit der dort entstehenden Großforschungsanlage FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research). Begleitet werden diese Aktivitäten vom Mitveranstalter der Vortragsreihe, dem Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR), das demnächst sein neues Forschungsgebäude auf dem Campus Riedberg beziehen wird, und von dem benachbarten, theoretisch arbeitenden interdisziplinären Forschungsinstitut FIAS (Frankfurt Institute for Advanced Studies).

Die Vorträge auf einen Blick:

14. November 2013
Steffen Bass (Duke University, USA)
Der Urknall im Labor – Schwerionenkollisionen als Sonden der Frühgeschichte des Universums 

28. November 2013
Robert Harlander (Bergische Universität Wuppertal)
Wieviel wiegt ein Punkt? Das Higgs-Teilchen und die Natur der Masse

12. Dezember 2013
Thomas Haberer (Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum)
Das Ionenskalpell – Schwerionenbeschleuniger im Dienst der Tumortherapie

16. Januar 2014
Wolfgang Bauer (Michigan State University, USA)
Genesis – der Ursprung der Elemente

30. Januar 2014
Hans-Thomas Janka (Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching)
Rätselhafte Supernovae – den Geheimnissen der größten kosmischen Explosionen auf der Spur

10. Februar 2014 (Montag)
Harald Lesch (Ludwig-Maximilians-Universität München)
Schlagzeilen vom Rand der Wirklichkeit

Informationen: Prof. Dr. Marcus Bleicher, Helmholtz International Center for FAIR, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47834, contact@hicforfair.de; Dr. Joachim Reinhardt, Frankfurt Institute for Advanced Studies, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-47866, reinhardt@fias.uni-frankfurt.de; fias.uni-frankfurt.de/materie