Ehrenpromotion für Carl Djerassi

Die Goethe-Universität ehrt den Erfinder der Pille an seinem 90. Geburtstag

Veröffentlicht am: Dienstag, 15. Oktober 2013, 16:28 Uhr (248)

FRANKFURT. An seinem 90. Geburtstag wird der Naturstoffchemiker Carl Djerassi mit der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie der Goethe-Universität ausgezeichnet. Für Djerassi ist es die 27. Ehrenpromotion, aber die erste für sein Lebenswerk. Dieses umfasst neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten – die wichtigste führte zur Entwicklung der Antibabypille – auch zahlreiche Romane und Theaterstücke. Djerassi ist zudem als Kunstsammler und Mäzen bekannt. Die Ehrendoktorwürde wird im Rahmen einer akademischen Feier verliehen, zu der die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist.

Wann? 29. Oktober 2013, 17:00 Uhr.
Wo? Campus Riedberg, Otto-Stern-Zentrum, Hörsaal H2.

„Djerassi verkörpert wie kaum ein anderer Mensch der Gegenwart die Vereinbarkeit von Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften sowie Künsten in einer Person“, begründete Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz die Auszeichnung. Er vergleicht Djerassi mit Leonardo da Vinci (1452–1519), Thomas Jefferson (1743–1826) und Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832). „Sie alle stehen für ein Ideal der umfassenden humanistischen Bildung, dem sich auch die Universität Frankfurt verschrieben hat“, so Schubert-Zsilavecz weiter.

Der 1923 in Wien als Sohn jüdischer Eltern geborene Carl Djerassi emigrierte 1939 in die Vereinigten Staaten. 1945 promovierte er im Alter von 22 Jahren an der University of Wisconsin. Er arbeitete zunächst als forschender Chemiker in der Industrie. Als associate director of chemical research der Firma Syntex in Mexiko entwickelte er eine neue Synthesemethode für Cortison. Im Alter von 27 Jahren gelang ihm die Synthese des Sexualhormons Noretisteron. Damit schuf er die Grundlage für die Entwicklung der Antibabypille, die 1961 auf den Markt kam. 1952 folgte Djerassi dem Ruf auf eine Professur für Chemie nach Wayne State, USA, einige Jahre später wechselte er an die Stanford-Universität, wo er bis heute aktiv ist. Er bietet Seminare zu „Science-in-Fiction“ an, in denen Studierende lernen, naturwissenschaftliche Inhalte in eine spannende Rahmenhandlung einzubetten.

Djerassis wissenschaftliche Verbindung zur Goethe-Universität reicht in die 1990er Jahre zurück, als der ebenfalls aus Wien stammende Chemiker Prof. Christian Noe Direktor des hiesigen Instituts für Pharmazeutische Chemie war. Prof. Noe wird die Laudatio auf Carl Djerassi halten. „Im Zentrum von Djerassis Arbeiten standen die Strukturaufklärung und Totalsynthese einer Vielfalt von Naturstoffen. Eine wissenschaftliche Disziplin, die auch in meinem Fachbereich eine wichtige Rolle spielt - etwa im Bereich der Wirkstoffforschung“, resümiert Prof. Thomas Prisner, Dekan des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie.

Frankfurt ist auch der Handlungsort des Romans „Vier Juden auf dem Parnass“, in dem Djerassi sich mit der nicht-religiösen jüdischen Identität auseinandersetzt. In fünf dialogisch angelegten Szenen lässt er die Philosophen Theodor Adorno und Walter Benjamin, den Zionisten Gershom Scholem und den Komponisten Arnold Schönberg diskutieren. Er selbst und der Maler Paul Klee treten als Beobachter der Handlung auf. Djerassi nutzte seine Aufenthalte bei Konferenzen in Frankfurt zur Recherche der historischen Rahmenhandlung.

Informationen: Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Institut für Pharmazeutische Chemie, Tel.: (069) 798-29339, Schubert-Zsilavecz@pharmchem.uni-frankfurt.de.