Erstmalig in Deutschland: An der Goethe-Uni startet Masterstudiengang „Islamische Studien“

Bekim Agai auf die neue Professur für Kultur und Gesellschaft des Islam in Geschichte und Gegenwart berufen

Veröffentlicht am: Donnerstag, 10. Oktober 2013, 12:22 Uhr (242)

FRANKFURT. Für das Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam startet das Wintersemester an der Goethe-Universität mit zwei positiven Nachrichten: Die ersten 30 Studierenden beginnen mit dem zweijährigen Masterstudiengang „Islamische Studien“, und der 39-jährige Dr. Bekim Agai übernimmt die Professur für Kultur und Gesellschaft des Islam in Geschichte und Gegenwart.

Der Masterstudiengang bietet erstmalig die Möglichkeit, vertiefte wissenschaftliche Kenntnisse der islamischen Theologie in Deutschland zu erwerben, unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden und Erkenntnisse selbständig zu arbeiten sowie rational über Glauben und Religion zu reflektieren. „Mit dem Masterstudium bilden wir erstmals hoch qualifizierte Nachwuchswissenschaftler heran, von denen es bisher sowohl in der Lehre als auch in der Forschung in Deutschland noch zu wenig gibt“, unterstreicht Prof. Matthias Lutz-Bachmann, im Präsidium der Goethe-Universität verantwortlich für das Zentrum für Islamische Studien.

Unter den Master-Studierenden sind einige der ersten Absolventen des Bachelor Studiengangs „Islamische Studien“ der Goethe-Universität und entsprechender Studiengänge anderer Universitäten im In- und Ausland, die Verteilung der 30 Plätze erfolgte im Verhältnis 80 (national) zu 20 (international). Die Master-Studierenden können ihre Ausbildung dadurch erweitern, dass sie vertiefte Einsichten in die theoretischen und methodischen Grundlagen des Fachs gewinnen und exemplarische Probleme der Bereiche Koranexegese, systematische Theologie, Kultur, Gesellschaft und Geschichte des Islams sowie Ideengeschichte (Philosophie, Mystik, Ethik) bearbeiten.

Der neu berufene Islamwissenschaftler Bekim Agai hat bisher an der Universität Bonn die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Nachwuchsforschergruppe „Europa von außen gesehen – Nahöstliche Ansichten aus Europa auf Europa“ geleitet. Er studierte in Bochum, Bonn und Kairo Islamwissenschaft, Geschichte und Psychologie. Der in Essen geborene Agai spricht fünf Sprachen: neben Deutsch auch Englisch, Türkisch, Französisch, Arabisch. Außerdem beherrscht er Osmanisch und Latein. In den vergangenen Jahren hat er sich intensiv mit der Erforschung moderner islamischer Diskurse und soziokulturellen Entwicklungen im Nahen Osten, in Europa und der Türkei beschäftigt. In seiner Dissertation, die er im Herbst 2003 im Rahmen einer von der VolkswagenStiftung geförderten Nachwuchsforschergruppe an der Ruhr-Universität vorlegte, ging es um die flexible Umsetzung modernen islamischen Gedankenguts, darin verglich er das Bildungsnetzwerk um Fethullah Gülen in der Türkei, Deutschland und Albanien. In seinem Habilitationsprojekt, das er in Frankfurt fortsetzen wird, beschäftigt sich Agai unter anderem mit Abgrenzung und Integration von Ideen, die sich zwischen europäischen und nahöstlich-islamischen Identitäten entwickelt haben.

In Frankfurt ist Agai kein Unbekannter: Er hat den Aufbau der Islamischen Studien beratend begleitet und war im Wintersemester 2010/2011 auch Lehrbeauftragter an der Goethe-Universität. Als Inhaber der Frankfurter Professur für „Kultur und Gesellschaft des Islam“ wird er nun ab Wintersemester die islamische Theologie sowohl mit der Islamwissenschaft als auch mit den Kultur- und Gesellschaftswissenschaften verzahnen. Dazu Lutz-Bachmann: „Diese Professur wird Kontextwissen darüber in das Institut einbringen, unter welchen Bedingungen sich islamisches Denken historisch formiert hat und in der Gegenwart bildet. Auf diese Weise soll die Entwicklung eines spezifischen akademischen Selbstverständnisses des Islam in Deutschland gefördert werden, das sowohl dem geistigen Erbe des Islam als auch der religiösen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Pluralität in Deutschland Rechnung trägt.“

Mit der Berufung Agais forschen und lehren nun an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Zentrum an Universität Frankfurt zwei Wissenschaftler mit dauerhaft besetzten Professuren. Bereits seit vergangenem Jahr hat Ömer Özsoy die Professur für Koranexegese in Frankfurt inne. Daneben lehrt Prof. Abdullah Takim als Stiftungsprofessor in Frankfurt. Für zwei weitere Professuren laufen zurzeit in Frankfurt die Auswahlverfahren. Diese Stellen werden derzeit vertreten, eine der beiden zuletzt durch den Schriftsteller und Islamwissenschaftler Dr. Navid Kermani. Zudem konnten im vergangenen Semester zwei Gastprofessuren vergeben werden.

Informationen: Prof. Mattias Lutz-Bachmann, Vize-Präsident der Goethe-Universität, Tel. (069) 798-13043; Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de; Prof. Ömer Özsoy, Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam, (069) 798-32751, Oezsoy@em.uni-frankfurt.de