Ausstellung dokumentiert bronzezeitliche Umweltzerstörung

Archäologe der Goethe-Universität veröffentlicht spektakuläre Funde am Bartholomäberg im Montafon

Veröffentlicht am: Dienstag, 17. September 2013, 10:27 Uhr (223)

FRANKFURT. „Schon die Menschen der Bronze- und Eisenzeit haben massiv in ihre natürliche Umwelt eingegriffen und diese mit den begrenzten technischen Möglichkeiten ihrer Zeit maximal ausgebeutet“, kommentierte Prof. Rüdiger Krause von der Goethe-Universität im September 2012 die Ergebnisse einer von ihm geleiteten Grabungskampagne am Bartholomäberg im Montafon (Österreich).  Tödliche Folge dieses Raubbaus: Schon vor 3500 Jahren rutschten am Bartholomäberg ganze Hänge ab und begruben vereinzelt sogar Siedlungen unter sich: „Wir können zweifelsfrei nachweisen, dass solche katastrophalen Ereignisse Folgen menschlichen Tuns waren“, erklärte Krause.

Ein Jahr nach Veröffentlichung dieser spektakulären Ergebnisse, die europaweit für Medienresonanz sorgten, öffnet nun eine von Krause mitkonzipierte Dauerausstellung. Schauplatz der Ausstellung ist der Ort des bronzezeitlichen Geschehens: das aus dem 17. Jahrhundert stammende dem Frühmesshaus in Bartholomäberg, einem von vier Zweigmuseen der Montafoner Museen. Hier wird ab September 2013 die älteste Besiedlungs- und Bergbaugeschichte dieser einzigartigen inneralpinen Siedlungslandschaft zwischen Lorüns und Gargellen bis in die alpinen Hochlagen des Silvretta-Massivs präsentiert.

Der Besucher erhält Einblicke in die archäologischen und naturwissenschaftlichen Quellen, die uns heute Geschichte lebendig „erzählen“ lassen. Die Schau wird durch zahlreiche Exponate aus den archäologischen Ausgrabungen vom Bartholomäberg, vom Schafberg und durch Einzelfunde aus dem Gebirge ergänzt. Erstmals werden zur Eröffnung die einzigartigen Funde aus dem Kontext des mittelalterlichen Bergbaus vom Kristberg im Silbertal aus der Zeit um 1300 gezeigt, die deutliche Anhaltspunkte für Kinderarbeit ergeben haben und die Kenntnisse zum historischen Bergbau wesentlich erweitern.

Dank der interdisziplinären archäologischen Forschungen der Goethe-Universität steht nun fest, dass die Besiedlung am Bartholomäberg vor über 3500 Jahren in Zusammenhang mit dem ältesten bekannten Bergbau einsetzte. Für die Forscher bemerkenswert sind die durch den Menschen hervorgerufenen Umweltveränderungen, die zu Vermurungen und Umweltkatastrophen seit der Bronzezeit geführt und vollständige Siedlungsareale überdeckt haben. So lassen sich in Höhen zwischen 800 und 2000 Metern Werden und Vergehen unterschiedlichster menschlicher Nutzungen wie dem Ackerbau (Getreideanbau) und der Weidewirtschaft sowie insbesondere dem Bergbau, in idealer Weise erforschen.

Im Zuge der Ökosystemforschungen wurde auch immer wieder spekuliert inwieweit die prähistorischen Besiedlung am Bartholomäberg seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. im Zusammenhang stand mit den Anfängen des Bergbaus. Die ältesten montanarchäologischen Befunde stammten bislang aus spätkeltischer Zeit (3./2. Jahrhundert v. Chr.). Mit den Funden am Bartholomäberg ist nun bewiesen, dass im Montanfon und darüber hinaus in ganz Vorarlberg bereits viel früher extensiver Bergbau betrieben wurde.

Grundlage der Ausstellung zur Archäologie und Geschichte der inneralpinen Siedlungskammer des Montafons bilden die Einzelfunde der Bronze- und Eisenzeit aus dem Gebirge sowie die Funde der langjährigen Ausgrabungen und interdisziplinären Forschungen der Goethe-Universität unter der Leitung von Rüdiger Krause; hinzu kommen die Ergebnisse der Projekte der Universität Zürich auf der Silvretta und der Universität Innsbruck im Gauertal.

Die Eröffnung der Ausstellung

Archäologie im Gebirge ­- älteste Besiedlung und Bergbau im Montafon“

findet statt am

Dienstag, 24. September 2013 um 19 Uhr
Museum Frühmesshaus in Bartholomäberg
Adresse: Dorf 11, 6781 Bartholomäberg
Tel.: 0043-5556/74723 

Bilder zum Download: HIER (.zip)