Immer wieder Kant – auch bei den Menschenrechten?

Vortrag der Londoner Kant-Expertin Katrin Flikschuh am 4. Juli 2013 am Forschungskolleg Humanwissenschaften

Veröffentlicht am: Donnerstag, 27. Juni 2013, 11:33 Uhr (155)

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Ohne Immanuel Kant wäre die moderne politische Theorie kaum vorstellbar. Die Besten des Fachs berufen sich auf den Denker der Aufklärung oder setzen sich zumindest sorgfältig mit ihm auseinander. Kant steht Pate bei zentralen Kategorien des Gemeinwohls und Zusammenlebens – von der Gerechtigkeit bis zur Toleranz, von der Demokratie bis zu den Menschenrechten. Doch lässt sich immer so nahtlos an den Klassiker anschließen? Wie dessen Denken mit unserem heutigen Verständnis von Menschenrechten in Verbindung steht, erörtert die politische Philosophin Prof. Katrin Flikschuh von der London School of Economics in einem Vortrag zum

Thema:         „Kant als Menschenrechtler? 
                       –
Zum ‚angeborenen Recht’ in Kants Rechtslehre
am:                Donnerstag, dem 4. Juli 2013, um 19.00 Uhr.
Ort:                Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität,
                       Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Mit den Menschenrechten verbinden wir vor allem die Würde des Menschen, und Kant gilt zu Recht als Verfechter dieser Würde. Es wird daher oft davon gesprochen, dass Kants Moralphilosophie eine überzeugende Begründung für den modernen Diskurs über Menschenrechte liefert. In der Rechtsphilosophie argumentiert man darüber hinaus immer häufiger mit Kants Begriff vom „angeborenen Recht“ des Menschen; dieses soll eine weitere Begründung für Menschenrechte liefern. Katrin Flikschuh widerspricht dieser Interpretation. Ihrer Ansicht nach kann das „angeborene Recht“ nicht als Grundlage für Menschenrechte dienen. Die Philosophin geht in ihrem Vortag auch grundsätzlich der Frage nach, inwieweit es überhaupt sinnvoll ist, Kant als Menschenrechtler auszulegen.

Die Einführung und die Moderation der Abendveranstaltung liegen in den Händen von Prof. Rainer Forst, der an der Goethe-Universität Politische Theorie und Philosophie lehrt. Forst ist Mitglied des Direktoriums am Forschungskolleg und einer der Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Zudem fungiert er als stellvertretender Sprecher der an der Universität angesiedelten DFG-Kollegforschergruppe „Justitia Amplificata. Erweiterte Gerechtigkeit“.

Auf Einladung der „Justitia“-Forschergruppe und in enger Kooperation mit deren wissenschaftlichen Projekten lebt und arbeitet Katrin Flikschuh gegenwärtig als Fellow am Bad Homburger Kolleg. Hier schreibt sie an einem Buch über Kant und das Weltbürgertum, den Kosmopolitismus. Die Monographie mit dem Titel „Kant contra Cosmopolitanism. Assessing the Global Justice Debate“ wird im Verlag Cambridge University Press erscheinen. Darin geht es um eine kritische Auseinandersetzung zwischen Kants systematisch-kosmopolitischem Ansatz und dem eher praxisbezogenen Denken in der gegenwärtigen Debatte über globale Gerechtigkeit.

Neben Kant und dem Kosmopolitismus gehören globale Gerechtigkeit und die Geschichte des modernen politischen Denkens zu den Forschungsschwerpunkten der Philosophin, die an der London School of Economics Politische Theorie lehrt. Die Deutsche Katrin Flikschuh hat den ganz überwiegenden Teil ihrer akademischen Ausbildung und Karriere in England verbracht. Zudem engagierte sie sich nach ihrem Studium afrikanischer Politikwissenschaft, das sie an der School of Oriental and African Studies in London absolvierte, bei Nicht-Regierungsorganisationen vor allem in West-Afrika, wo sie sich konkret mit Menschenrechtsfragen auseinandersetzte.

Die interessierte Öffentlichkeit ist zu der Vortragsveranstaltung nach vorheriger Anmeldung herzlich willkommen.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs, Tel.: 06172-13977-10, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de