Defekte Gene korrigieren, geschädigtes Gewebe ersetzen

„Forschung Frankfurt“ zu Perspektive und Rückschlägen der regenerativen Medizin

Veröffentlicht am: Mittwoch, 26. Juni 2013, 10:09 Uhr (153)

FRANKFURT. Gen- und Stammzelltherapie steht für das, wovon die Medizin schon immer geträumt hat: Geschädigte Zellen und Gewebe durch gesunde ersetzen und die Wirkung defekter Gene durch intakte Kopien korrigieren. Über den Stand der Forschung berichtet die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Forschung Frankfurt“ (1/2013). Es vereint Artikel von Forschern des hessischen Loewe-Zentrums für Zell- und Gentherapie mit journalistischen Beiträgen. Sie ordnen das Wissen ein, berichten über den Alltag im Labor und lassen Patienten zu Wort kommen. Ergänzend informiert ein Artikel zur Gendiagnostik über die schwierigen Entscheidungen, die das Wissen um Risiko-Gene mit sich bringt. Außerdem diskutieren Prof. Hubert Serve, ein Arzt und Wissenschaftler, und Dr. Anja Karnein, eine junge Geisteswissenschaftlerin, über ethische Konsequenzen des Möglichen, noch Unmöglichen und Verbotenen.

Zu den bekanntesten und am besten erforschten Zelltherapien gehört die Knochenmarktransplantation. Vor mehr als 50 Jahren erhielt erstmals ein Leukämie-Patient frische blutbildende Zellen aus dem Knochenmark seines eineiigen Zwillings. Damals konnte die Leukämie nur vorübergehend zurückgedrängt werden. Wie weit das Verfahren sich inzwischen entwickelt hat, darüber berichten der Kinder-Onkologe Prof. Peter Bader und die Internistin Prof. Evelyn Ullrich. Das Frankfurter Universitätsklinikum ist mit rund 50 Stammzelltransplantationen pro Jahr an Kindern und rund 90 Transplantationen an Erwachsenen eine der größten Einrichtungen in Europa. Im Labor rüsten die Forscher des Loewe-Zentrums Zellen des Immunsystems genetisch auf, so dass diese Krebszellen noch besser erkennen können. Auch Abstoßungsreaktionen, die zu den Risiken jeder Transplantation gehören, lassen sich durch die Gabe spezieller Immunzellen verhindern. So versprechen die neuen Zelltherapien, Krebszellen wirkungsvoll zu vernichten ohne gesundes Gewebe anzugreifen. „Leukämie muss heilbar werden, immer und bei jedem“ - dieses Motto der José-Carreras-Stiftung soll künftig auch für Hochrisiko-Patienten jeden Alters wahr werden.

Die freie Journalistin Katja Irle hat in ihrer Reportage die Lebensgeschichte zweier Leukämie-Patienten eingefangen, die am Frankfurter Universitätsklinikum behandelt wurden. Für Heike Jüngst unterscheidet sich ihr neues Leben nach der Knochenmarktransplantation nicht nur durch eine geringere Belastbarkeit, sondern auch durch das „Ende der Leichtigkeit“. In die Trauer mischt sich aber auch der Stolz, die Krankheit besiegt zu haben. Helmut Golke erlebte vier Jahre nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus einen Rückfall. Das war 2009. In dieser schwierigen Situation bot ihm das Team um Prof. Hubert Serve, seines behandelnden Onkologen am Klinikum, die Teilnahme an einer klinischen Studie für eine neue Therapie an. Golke ergriff die Chance. Auch vier Jahre später sind keine neuen Leukämiezellen in seinem Blut nachweisbar – ein großer Erfolg. Der heute 60-Jährige weiß aber, dass die Krankheit ihn bis an sein Lebensende begleiten wird. Doch auch er ist ein Typ, der nicht aufgibt. Er hat die Ärzte-Rockband „The Lickin‘ Boyz“ gegründet, um bei Benefiz-Konzerten Spenden für Krebskranke zu sammeln.

Informationen: Prof. Peter Bader und Prof. Evelyn Ullrich, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-7542, peter.bader@kgu.de und Tel.: (069) 6301-83818, evelyn.ullrich@kgu.de
Prof. Hubert Serve, Medizinische Klinik II, Campus Niederrad, Tel.: (069) 6301-4634, serve@em.uni-frankfurt.de

Weitere Themen: Laborreportage, Gentherapie, Reprogrammierung

Die aktuelle Ausgabe Forschung Frankfurt: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de
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