Goethe-Universität eröffnet Zentrum „Islamische Studien“

Erstmals Studienfach „islamische Theologie“ in Deutschland Festakt mit dem stellv. Ministerpräsidenten Jörg-Uwe Hahn

Veröffentlicht am: Mittwoch, 19. Juni 2013, 14:18 Uhr (141)

FRANKFURT. Die Goethe-Universität betritt mit ihrem Zentrum für Islamische Studien, das heute (19.6.) offiziell mit einem Festakt eröffnet wird, erneut wissenschaftliches Neuland. Im Mittelpunkt der dort gelehrten „Islamischen Studien“ steht die Begründung eines nicht nur in Deutschland neuen Fachs, einer „Theologie des Islam“ im Sinne der historisch-kritischen Wissenschaft. „Die Gründung des Zentrums erfolgt in bester Tradition der Goethe-Universität, die seit ihrer Eröffnung 1914 immer wieder ein hohes Maß an Innovationskraft bei der Gründung neuer Fächer und Bahnung unkonventioneller Wege in der Wissenschaft gezeigt hat“, erklärte der federführende Vizepräsident Prof. Matthias Lutz Bachmann heute anlässlich einer Pressekonferenz in Frankfurt. So entstanden an der Goethe-Universität zum Beispiel die ersten Fakultäten für Natur- sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und der erste Lehrstuhl für Soziologie.

Der Aufbau des Zentrums erfolgt mit Mitteln des Bundes. Die Goethe-Universität hatte sich, unterstützt von der Justus Liebig-Universität Gießen, 2011 in einem Wettbewerb um die besten Konzepte durchsetzen können. In den nächsten Jahren werden daher rund vier Millionen Euro nach Frankfurt fließen. Dieses Geld wird dafür genutzt, weitere Professuren einzurichten, um dem neuen Fach damit nationale und internationale Strahlkraft zu geben und eine entsprechende Ausbildung für Lehrkräfte an Sekundarschulen (L2/L3) aufzubauen, während in Gießen die Lehrerausbildung für die Grundschule (L1) stattfindet. 

Lutz-Bachmann, der die Gründung des Zentrums in den letzten Jahren zusammen mit dem Theologen Prof. Ömer Özsoy erfolgreich vorangetrieben hat, sprach von einem glücklichen Tag für das neue Fach Islamische Studien in Deutschland. „An der Frankfurter Goethe-Universität verfügen wir bundesweit mit Abstand über die größte Expertise und mit zehn Jahren längste Erfahrung beim Aufbau der Islamischen Studien.“ Ziel sei es nicht nur, künftig Religionslehrer auszubilden, sondern insbesondere ein Fach zu etablieren, das es so bisher nirgends in Deutschland gibt. Dies sei durchaus auch als ein Experiment zu sehen, das in seinen Auswirkungen vergleichbar sei mit der Stellung der evangelischen und katholischen Theologie an Universitäten. Dass religiöse Bekenntnisse sich mit wissenschaftlichen Methoden konfrontierten und auf sich selbst kritisch reflektieren, sei als großer Fortschritt zu sehen. Er gehe davon aus, dass das Zentrum für Islamische Studien durch weitere Berufungen bald zu einem national und international geachteten Ort heranwachsen werde.

Der federführende Hessische Minister für Justiz, Integration und Europa und stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn,  der die Frankfurter Bewerbung seinerzeit unterstützt hatte, brachte seine Freude über die Fortschritte beim Aufbau des Zentrums zum Ausdruck: „In Frankfurt und Gießen leisten Sie wichtige Beiträge für die Integration und ein besseres Verständnis des Islams in Deutschland. Ich wünsche mir, dass Sie in diesen Anstrengungen nicht nachlassen“, so der Integrationsminister. „Ein solches Zentrum ist gerade in einer so internationalen Großstadt wie Frankfurt mit einem hohen Anteil von Migranten sehr gut aufgehoben. Wir brauchen neue Wege, um die Herausforderungen der Integration erfolgreich meistern zu können. Wir wollen den Islam herausholen aus den Hinterhöfen, in die Öffentlichkeit. Dazu gehört auf der Basis einer hochschulgebundenen Islamischen Theologie auch der Aufbau eines bekenntnisorientierten Unterrichts in den Schulen, den wir zu Beginn des kommenden Schuljahres auf den Weg gebracht haben.“

Schon heute verfügt die Goethe-Universität mit rund 300 eingeschriebenen Studierenden über den mit Abstand erfolgreichsten Bachelor-Studiengang für Islamische Studien in Deutschland. Dieser wird nicht nur von Studierenden muslimischen Glaubens genutzt, sondern auch von anderen, die sich z.B. im Rahmen eines Studiums der Kulturwissenschaften in Islamischen Studien vertiefen wollen. Der Studiengang ist im Fachbereich 9 (Sprach- und Kulturwissenschaften) angesiedelt. Ein Masterstudiengang Islamische Studien nimmt im kommenden Wintersemester 2013/14 erste Studierende auf.